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Volume H. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 1.1904 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
102 
Dürften auch die für unsere harten Steine sich er 
gebenden Zahlenwerte gegenüber den mit einzelnen weichen 
Materialien auf Probestrecken gewonnenen Ergebnissen 
als etwas zu günstig erscheinen, und wird es sich vielleicht 
empfehlen, den Verbrauchswert aus den Versuchen in 
anderer Weise abzuleiten, so ist es doch auf den ersten 
Blick nicht nur erklärlich, sondern auch vollberechtigt, 
wenn der Basalt das gesuchteste Schottermaterial bildet, 
da er auch die dauerhaftesten Straßen liefern wird. Leider 
ist der Basalt nicht überall z. B. in Niederösterreich 
leicht zu beschaffen und seien im nachfolgenden die wich 
tigsten Fundorte der österreich-ungarischen Monarchie 
angegeben. 
Wenden wir unszunächstnachö st erreich.-Schlesien*). 
Südlich von Freudeathal befindet sich hei dem Dorfe 
Messendorf der Venus- oder Messendorfer Berg, der einen 
selbständigen Eruptionspunkt von Basalt darstellt, ln 
diesem an der Berglehne dicht neben der Straße gelegenen 
Bruche wechsellagert der Basalt mit der Grauwacke des 
Culm und zeigt sich einerseits als dichter, andererseits 
als verschlackter Basalt. Er wird in beiden Arten zur 
Straßenbeschotterung verwendet. Die Herstellung des Stein 
schlages geschieht dort mit Maschinen. Weiter ist eine 
Basaltkuppe zwischenStremplowitz undKamenz, derHorka- 
berg, zu erwähnen. Auch hier ist trotz des Nichtvorhanden 
seins eines Kraters ein selbständiger Eruptionsherd anzu 
nehmen, worauf schon die große Entfernung von den 
anderen Basaltvorkommen sowie das Auftreten der vielen 
Auswurfsprodukte in Gestalt von Blöcken und Bomben 
hinweist. Auch das Basaltvorkommen von Ottendorf 
(Kamena hora) bei Troppau ist nichts anderes als eine 
sogenannte Quellkuppe. Die dort befindliche große An 
lage ist Staatseigentum. Ebenso seien die Kugel-Basalte 
aus dem Jaklowetzer Bruche in Muglinau bei Mährisch- 
Ostrau hier erwähnt. Die Fahrstraßen in diesen Gebieten 
gehören zu den besten der Monarchie. Sie verdanken 
diesen Vorzug den ausgezeichneten Eigenschaften ihres 
Beschotterungsmateriales, dem Basalte und dem Walzen 
der Steinbahnen. Der in der Nähe von Freiwaldau liegende 
Gramsbruch in Buchelsdorf liefert indes keinen Basalt, 
sondern einen schiefrigen, feldspathreichen Amphibolit von 
großer Festigkeit im trockenen Zustande und ebensolchen 
Widerstand gegen Abnützung, der sich dann auch auf den 
allerdings weniger befahrenen Straßen in der Umgebung 
sehr gut bewährt. Besonders beachtenswert wären die 
Basaltvorkommen in der Bezirkshauptmannschaft Sternberg 
in Mähren und zwar die gegen 800 m hohen Basaltkuppen 
des großen und kleinen Raudenberges mit Resten von 
Lavaströmen in der Umgebung. Nicht ganz unbedeutend 
ist auch das Auftreten des Basaltes südöstlich von Bärn 
in der gleichen Bezirkshauptmannschaft. Der Basalt die 
ser Fundorte wird dortselbst schon lange zur Straßen 
beschotterung benützt. Wenn die fast unerschöpfliche 
Fundstelle besten Schottermaterials, das die Rauden- 
berge liefern würden, für jetzt nicht in Betracht gezogen 
*) Sieh* Dt. E. Tietze, Erläuterungen zur geologischen Karte der 
österreich-ungarischen Monarchie. N. W.-Gruppe Nr, 41. 
werden kann, so liegt dies in dem Fehlen jeder Bahnver 
bindung mit diesem Orte. Die umfangreichen Basalt 
bildungen Böhmens und zwar das Duppauer Gebirge im 
Westen und das Leitmeritzergebirge im Osten des 
böhmischen Mittelgebirges werden in neuester Zeit durch die 
zweckmäßig eingerichteten Basaltwerke in Luck bei Buchau 
und in Czalositz bei Leitmeritz bereits auf weite Entfer 
nungen der Beschotterung von Straßen zugeführt. Schließlich 
ist von den Österreichischen Fundorten des Basaltes noch 
Weitendorf bei Wildon in Steiermark zu erwähnen, von 
wo schon vor geraumer Zeit das Material zur Beschotterung 
der Straßen in der Umgebung des Südbahnhofes in Wien 
genommen wurde. Von den ungarischen Basalten die 
allenfalls für die Beschotterung der Straßen in Nieder 
österreich in Betracht kämen, wären zu nennen, die in 
großer Zahl emportauchenden Basaltmassen des Waizner 
Hügellandes, die weithin nach N. O. zu verfolgen sind. 
Weniger zahlreich, doch in weit gewaltigeren Einzelmassen 
auftretend zeigt sich der Basalt nördlich der Westküste 
des Plattensees. Insbesondere hier scheinen die dichten, 
festen Basalte vorherrschend zu sein. 
In Bezug auf den Zustand, in welchem sich die Schotter 
straßen befinden, kann man leider nicht umhin hervorzu 
heben, daß er bei vielen als kein guter bezeichnet werden 
kann. Da heißt es denn doch zielbewußt Abhilfe treffen. 
Die Mittel nun um unsere Straßen-Mißstände zu beseitigen, 
wären etwa die folgenden: * 
1. Allseitiges Verlassen des Flicksystems, bei dem 
durch fortwährende kleine Ausbesserungen der ur 
sprüngliche Zustand zu jeder Zeit so weit als mög 
lich erhalten wird, und Übergang zum Decksystem 
(periodische Erhaltung) unter 
2. Verwendung eines festen und harten Schottermaterials, 
wenn möglich des Basaltes in nahezu gleich großen 
Stücken, die sich der Würfelform nähern, 
3. Herstellung gewalzter Bahnen mittelst der Festig 
keit der Gesteine entsprechend schwerer Walzen, 
womöglich Dampfwalzen, und 
4. sorgfältigste Pflege der Straßen, insbesondere mög 
lichst schnelle Ausfüllung etwa sich doch bildender 
Vertiefungen, sowie Entfernung jedes frei herum- 
iiegenden Steines. 
Auf die außerordentlich zweckmäßige Anwendung von 
Verlege-, Sperr- oder Geleisesteinen, wodurch alle Straßen 
in kürzester Zeit wenigstens in einen besser fahrbaren 
Zustand gebracht würden, muß natürlich im Städtebau bei 
dem zu lebhaften Verkehre ganzUmgang genommen werden. 
Durch energische Inangriffnahme des Straßenbaues und 
der Straßenpflege in der angegebenen Weise würden nicht 
nur die Fuhrwerke und Zugtiere von der ihnen merk 
würdiger Weise jetzt leider zufallenden Aufgabe befreit, 
die Steinbahnen allmählich festzufahren und ziemlich staub- 
sowie kotfreie Straßen entstehen, sondern es möchte auch 
dem Gemeinde-, Landes- und Staatsschätze dadurch eine 
ganz bedeutende Ersparnis erwachsen, daß die Auslagen 
für die Erhaltung der Straßen in gewiß kürzester Zeit 
wenigstens auf die Hälfte herabsinken könnten.
	        
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