Publication:
2019
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15364436
Path:
buchinside
2019/01

Foto: David Ausserhofer / MDC

„Wissenschaft im Centrum“
MDC eröffnet zweiten Standort
in Berlin-Mitte

www.berlin-buch.com

TERMINE

> leben
4. MAI 2019, 10 – 14 UHR
AKTIONSTAG „SCREENING KANN IHR
LEBEN RETTEN“
Ort: Helios Klinikum Berlin-Buch,
Gefäßchirurgische Ambulanz,
Schwanebecker Chaussee 50,
13125 Berlin
www. helios-gesundheit.de

> campus
8. MAI 2019, 10 - 13 UHR
FAHRRADTAG
Fahrradcheck, kostenlose Codierung,
Pedelec-Vorführung, Einführung zum
CAMPUSbike
Ort: Fahrradwerkstatt, Haus A12 &
CAMPUSbike-Station, Haus D79
www.campusberlinbuch.de

Inhaltsverzeichnis

04
titelthema

Wissenschaft im Centrum

06
forschen

Nervenzellen schützen /
Zelle für Zelle

08
produzieren

> leben
21. MAI 2019, 18 UHR
CAMPUS CINEMA „DIE LEGENDE VON
PAUL UND PAULA“
Ort: Max-Delbrück-Communications
Center (MDC.C), Robert-Rössle-Str. 10,
13125 Berlin

> bilden
6. JUNI 2019
WEITERBILDUNG „GOOD CLINICAL
PRACTISE (GSP) – BASIC TRAINING“
Ort: Gläsernes Labor Akademie
www.glaesernes-labor-akademie.de

Prototypen für Hightech-Biosensoren / Neuer Betreiber für
CampusVital

10
heilen

Digitale Patientenakte /
Erfolgversprechende Brustkrebsstudie

12
leben

Alle Wege führen zum Campus

14
bilden

Wissenschaft für alle!

> leben
14. JUNI, 16 – 20 UHR
FEST DER NACHBARN
Ort: Bucher Bürgerhaus,
Franz-Schmidt-Straße 10, 13125 Berlin

> bilden
15. JUNI 2019 16 – 23 UHR
LANGE NACHT DER WISSENSCHAFTEN
Laborführungen, Wissenschaftsshows,
Begehbares Darmmodell,
Experimentierkurse im Labor,
Forscherdiplom für Kinder
Ort: Campus Berlin-Buch,
Robert-Rössle-Straße 10 und
Helios Klinikum Berlin-Buch,
Schwanebecker Chaussee 50, 13125 Berlin
www.langenachtderwissenschaften.de

termine / inhalt

IMPRESSUM
HERAUSGEBER: Campus Berlin-Buch GmbH, Robert-Rössle-Straße 10, 13125 Berlin, www.campusberlinbuch.de
V.I.S.D.P.: Dr. Ulrich Scheller, Dr. Christina Quensel REDAKTION: Annett Krause, Christine Minkewitz LAYOUT: Thomas Herbell
DESIGN KONZEPT: Irene Sackmann, kleinundpläcking markenberatung GmbH DRUCK: Rucksaldruck GmbH + Co. KG
KONTAKT: Telefon +49 (0)30 94892920, Fax +49 (0)30 94892927, E-Mail: info@campusberlinbuch.de
REDAKTIONSSCHLUSS: 1. April 2019 buchinside erscheint vierteljährlich und ist kostenlos.

Foto: David Ausserhofer / MDC

Liebe
Leserinnen und
liebe Leser,

es ist schon einige Monate her, dass ich
am Max-Delbrück-Centrum meine Arbeit
aufgenommen habe. Aber bei Ihnen, den
Lesern und Leserinnen von buchinside,
konnte ich mich bislang noch nicht vorstellen. Das hole ich hiermit gerne nach: Mein
Name ist Heike Graßmann und ich freue
mich sehr, dass ich seit Oktober 2018 für
das Max-Delbrück-Centrum als Administrativer Vorstand wirken darf. Studiert habe
ich Betriebswirtschaftslehre an der MartinLuther-Universität Halle-Wittenberg, wo
ich auch promoviert habe. Die HelmholtzGemeinschaft ist meine berufliche Heimat,
viele Jahre habe ich in Leipzig am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
gearbeitet. Von 2012 bis September 2018
verantwortete ich dort als Administrative
Geschäftsführerin die Bereiche Finanzen,
Personal, Recht und Infrastruktur.
Auf dem Campus Buch konnte ich zu einer
aufregenden Zeit starten – die Vorbereitungen am MDC für den Umzug unseres
Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) waren schon in vollem
Gange. Inzwischen arbeiten bereits viele
BIMSB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter
im neuen Haus in Berlin-Mitte. Eingeweiht
haben wir den hypermodernen Bau Ende
Februar mit einem wunderschönen Fest
gemeinsam mit rund 150 Ehrengästen.

Besonders gefreut habe ich mich – wie alle
Beschäftigten am MDC – über den Besuch
der Bundeskanzlerin an diesem Tag. In
ihrer Festrede unterstrich Angela Merkel
ihre Wertschätzung für die Gesundheitsforschung und die Leistungen des MDC.
Der Erfolg des BIMSB sei auch ein Beleg für
die Leistungskraft des Max-Delbrück-Centrums, sagte die Kanzlerin. Sie ermutigte
alle am MDC, auch zukünftig über die
Grenzen von Disziplinen, Institutionen
und Ländern hinweg zu forschen. Ein
schönes Lob und echter Ansporn für die
Zukunft!
„Wissenschaft im Centrum“ – das war das
Motto unserer Feier. Ein Motto, das viele
Aspekte hat. Zuallererst bedeutet es: Wir
stellen unsere Forschung für die Gesundheit des Menschen ins Zentrum all unserer
Anstrengungen. Es heißt aber auch: Wir
wollen mitten in der Stadt, im Herzen
Berlins, die Zusammenarbeit zwischen
den Forschungsorganisationen und den
Universitäten noch verstärken. Allen voran
möchte ich hier die Charité – Universitätsmedizin und die Humboldt-Universität
nennen, auf deren Grund und Boden wir
bauen durften. Wir setzen darauf, dass
wir durch den Austausch und die räumliche Nähe unsere Erkenntnisse möglichst
schnell zu den Patientinnen und Patienten
bringen können. Und zuletzt heißt das
Motto „Wissenschaft im Centrum“ für mich:
Wir stellen uns aktuellen Fragen und Debatten, die in der Gesellschaft aufgeworfen

werden. Wir suchen den Austausch, mit
Studierenden und anderen Forschenden,
mit Künstlern, Bürgern und Politikern.
Auch dafür nutzen wir unser neues Haus,
das ein offenes Haus sein will.
Hier auf dem Campus heißt es jetzt für uns
am MDC, die enge Verbindung zwischen
allen Teams in Buch und Mitte zu pflegen.
Indem wir gemeinsam forschen, gemeinsam tagen, gemeinsam diskutieren, uns
zusammen präsentieren. Erste große Gelegenheit wird die gemeinsam veranstaltete
Lange Nacht der Wissenschaften sein: auf
dem Campus Buch und in Mitte.
In diesem Sinne freue ich mich, auch Sie
bald einmal in der Hannoverschen Straße
zu treffen.
Prof. Dr. Heike Graßmann
Administrativer Vorstand
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin

2019/01_3

Wissenschaft im Centrum
Das Max-Delbrück-Centrum gibt es jetzt auch in Berlin-Mitte. Eröffnet wurde
das neue BIMSB-Forschungsgebäude des MDC am 26. Februar von Kanzlerin
Angela Merkel – mit einem Rundgang und einer Rede auf die Forschung am MDC.
Ab Mai arbeiten die BIMSB-Teams in der Hannoverschen Straße.
Text: Martin Ballaschk und Jutta Kramm / MDC, Fotos: David Ausserhofer / MDC, NOSHE

Wissenschaftler neigen für gewöhnlich
nicht zu Übertreibungen. Dies aber war offenbar ein Tag zum Träumen. Für Professor
Nikolaus Rajewsky, den Leiter des BIMSB,
für den an diesem 26. Februar 2019 nach
mehr als zehn Jahren ein kühner Wunsch
in Erfüllung ging. Für MDC-Vorstand Professor Martin Lohse und alle MDC-Beschäftigten, die gemeinsam für die Eröffnung
gearbeitet haben. Für die BIMSB-Teams, die
sich schon lange auf ihre Arbeit im neuen
Haus gefreut haben. Und offenbar auch
für die Bundeskanzlerin. Angela Merkel
jedenfalls erinnerte in ihrer Festrede zur
Einweihung des BIMSB an den vielleicht
„ältesten Traum der Menschheit: Möglichst lange gesund zu leben!“ Und dies ist
schließlich das Ziel der biomedizinischen
Forschung am MDC.
Ende Februar hat das MDC unter dem
Motto „Wissenschaft im Centrum“ seinen zweiten Standort in Berlin feierlich
eröffnet. Das Berliner Institut für Medizinische Systembiologie, kurz BIMSB, in der
Hannoverschen Straße 28 gefiel Merkel
sichtlich gut. „Seien Sie stolz auf ihr schönes Kleinod – genießen Sie es“, sagte die
Kanzlerin nach ihrem Rundgang. „Es zeigt
sich exemplarisch an diesem Haus, dass
Forschung nur Disziplinen übergreifend
möglich ist“, sagte die Kanzlerin. „Wissenschaftliche Exzellenz und Internationalität
gehen Hand in Hand – es ist wichtig, auch
über die Grenzen von Institutionen und
Ländern hinweg zu arbeiten.“

Kanzlerin startet
Single Cell Sequencing
Im Labor hatte die Kanzlerin zuvor drei
Nachwuchswissenschaftlerinnen und
Nachwuchswissenschaftler getroffen, die
ihre Forschungsprojekte am BIMSB erläu-

titelthema

BUNDESKANZLERIN ANGELA MERKEL IM GESPRÄCH MIT DEM WISSENSCHAFTLICHEN
VORSTAND DES MDC, PROF. MARTIN LOHSE

terten. So untersucht die Doktorandin Zoe
Mendelsohn aus der Arbeitsgruppe von
Nikolaus Rajewsky die Alzheimer-Demenz
und die Huntington-Erkrankung mit Hilfe
von Miniatur-Versionen des menschlichen
Gehirns. Diese Organoide erlauben es
Forschenden, die molekularen Mechanismen der Krankheiten an modellhaften
Nachbildungen des erkrankten Organs der
Betroffenen zu ergründen.
Jede Zelle eines solchen Organoids könne
man einzeln analysieren, das Erbgut
sequenzieren und bestimmen, welche Informationen die Zelle gerade abruft, erklärte
der Doktorand Jonathan Alles. Er präsentierte eine Apparatur, die eine EinzelzellAnalyse erst möglich macht. Durch den
Klick mit der Computermaus startete Merkel
einen „Single Cell Sequencing Run“, eine
Einzelzell-Sequenzierung. Auf dem Bildschirm erschienen nach wenigen Sekunden
Tröpfchen – jedes umschließt eine einzige

Zelle und einen molekularen Barcode – die
der Mikrofluidik-Chip dank seiner hochpräzise gefertigten Kanäle erzeugt.
Bei einer derartigen Analyse entstehen
enorme Mengen von Daten. Viele der zahllosen Vorgänge innerhalb der Zelle seien
zwar bekannt. Unklar sei aber, wie sie zusammenwirken. Erst die systembiologische
Perspektive erlaube ein ganzheitliches Verstehen vom Zusammenwirken und damit
auch von komplexen Erkrankungen. „Wir
lernen zu verstehen, wie Zellen Entscheidungen treffen“, sagte Rajewsky. Es ließe
sich sogar vorhersagen, wie sich eine Zelle
im Laufe der Zeit verändern werde.
Einen Datenschatz in solchen Dimensionen können Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler wie Jonathan Ronen
aus der Arbeitsgruppe des Bioinformatikers Altuna Akalin mit Algorithmen und
selbst lernenden Computerprogrammen
heben. Sie nutzen also die Methoden

medizin Berlin, das Integrative Research
Institute „IRI for the Life Sciences“ und das
Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie
und nun eben auch das MDC mit dem
BIMSB befinden.
Das Motto der Eröffnungsfeier „Wissenschaft im Centrum“ sei dabei „mindestens
doppeldeutig“, betonte Lohse. Nicht nur
habe das MDC endlich eine Präsenz in der
Mitte Berlins. Seit vielen Jahren verankere
das MDC die biomedizinische Wissenschaft
auch im Zentrum der Gesellschaft. Der
neue Standort werde ein Ort für Gespräche und für Kommunikation – „ein Ort
der Wissenschaft und Begegnung in der
Wissenschaftsstadt Berlin“.

DAS GEBÄUDE DES BIMSB WURDE VOM BÜRO „STAAB ARCHITEKTEN“ ENTWORFEN.
AUF DER DACHTERRASSE ERSTRAHLT ABENDS DIE LICHTSKULPTUR „SPLASH“.

der „Künstlichen Intelligenz“. Zusammen
mit anderen hat Ronen ein „Google für
Tumoren“ entwickelt. Der Algorithmus
nimmt die Sequenzierungsdaten aus dem
Tumor eines Erkrankten und fahndet damit
in Datenbanken nach bekannten TumorTypen mit ähnlichen Eigenschaften. Das
Programm prognostiziert dann, wie die
Tumorzellen sich entwickeln werden oder
welche Therapien sie abtöten könnten.

Ein Haus für den Austausch
Beeindruckt waren die rund 150 geladenen Gäste aus Wissenschaft und Politik
nicht nur von den Forschungsarbeiten
und -ambitionen, die ihnen beim Festakt
Nikolaus Rajewsky und vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Professorin
Ana Pombo, Rieke Kempfer, Dr. Jan Philipp
Junker und Dr. Stephan Preibisch) präsentierten. Begeistert waren viele auch von
der Architektur. Das neue Haus mit seiner
riesigen spiralartig gewundenen Treppe
inmitten einer zentralen Halle will Gespräche selbstverständlich machen. „Man soll
sich immer wieder zwangsläufig begegnen“, erläuterte der Architekt Volker Staab
sein Konzept. Nur durch Kommunikation
und Austausch zwischen den Disziplinen
entstünden neue Ideen. Auf fünf Etagen
bietet das neue BIMSB integrierte, flexible
Labor- und Computerarbeitsplätze. Breite
Sichtachsen und bodentiefe Fenster erlauben permanente Ein- und Ausblicke.
„Unser neues Haus steht für eine Wissenschaft, die sich nach außen wendet“,
sagte Martin Lohse, Vorstand des MDC.

Forscherinnen und Forscher könnten Fächergrenzen überwinden, etwa zwischen
Biotechnologie, rechnergestützter Wissenschaft, Biochemie, Molekularbiologie und
besonders der klinischen Forschung. „Diese
Eröffnung markiert einen guten Tag für
jene, denen unsere Arbeit zugutekommen
soll“, sagte Lohse. „Für Patientinnen und
Patienten von morgen und Menschen, die
gesund bleiben wollen.“
Kaum ein Ort wäre für den Brückenschlag
zur klinischen Anwendung besser geeignet als das Areal auf dem Campus der
Humboldt-Universität zu Berlin im Herzen
der Stadt, auf dem sich die Lebenswissenschaften der HU, die Charité – Universitäts-

Enge Verbindung zwischen
Buch und Mitte
Bis Ende April wollen etwa 220 Forschende
der 16 BIMSB-Arbeitsgruppen ihre Arbeit in
Mitte aufnehmen. Die Verbindung zwischen beiden Standorten soll stark bleiben.
Ein Shuttle-Service, spontan buchbare
Büros, Konferenzschaltungen, Livestreams,
gemeinsame Projekte und Tools sowie sicherlich die ein oder andere Party oder Beer
Hour und nicht zuletzt die gewachsenen
Freundschaften dürften den Zusammenhalt
garantieren. Auch die gemeinsam veranstaltete Lange Nacht der Wissenschaften
in Buch und Mitte gehört dazu. Rajewsky
betonte seinen „radikalen Ansatz der
Zusammenarbeit“, der für den Erfolg extrem
wichtig sei. Damit sind ganz bestimmt nicht
nur die internationalen Kooperationen
gemeint (siehe LifeTime-Artikel).

FREUDE ÜBER DAS NEUE HAUS: PROF. NIKOLAUS RAJEWSKY, LINKS NEBEN KANZLERIN
ANGELA MERKEL, MIT FORSCHENDEN DES BIMSB UND PROF. MARTIN LOHSE (RE.)

2019/01_5

Nervenzellen schützen
Mit einem neu entdeckten pharmakologischen Mechanismus in Kaliumkanälen kann eine zu hohe
elektrische Aktivität in Nerven- oder Muskelzellen
eingedämmt werden

Kieler Forschenden, dass eine Reihe schon
lange bekannter Substanzen (Versuchspharmaka) nicht wie ursprünglich gedacht
spezifisch auf eine Sorte von Kaliumkanälen wirken, sondern gleichzeitig viele
unterschiedliche Kaliumkanäle öffnen.
Diese sogenannte Polypharmakologie
(Vielfachwechselwirkung) war bis dahin
für Kaliumkanäle unbekannt. Teilweise
wurden die in dieser Arbeit verwendeten
Substanzen am FMP in der Arbeitsgruppe
von Dr. Marc Nazaré synthetisiert.

Text: CAU / FMP, Abbildung: Physiologisches Institut, CAU Kiel

Weg zu neuen Medikamenten
Elektrische Signale sind lebenswichtig – sie
ermöglichen den Herzschlag und dass wir
denken, sehen, hören, schmecken, riechen
oder tasten können. Überschießende
elektrische Aktivität von Nervenzellen oder
Muskelzellen kann hingegen schädlich
sein und zu Epilepsie, Herzarrhythmien,
Bluthochdruck, Migräne und anderen
Schmerzzuständen führen.
Elektrische Signale entstehen durch das
gezielte Öffnen und Schließen von Poren
(Ionenkanäle) in der Zellmembran, durch
die elektrisch geladene Teilchen (wie z. B.
Natriumionen und Kaliumionen) transportiert werden. Viele Medikamente wirken
hier. Besonders solche Medikamente, die
überschießende elektrische Aktivität reduzieren, sind von großem pharmakologischem Interesse. Dabei konzentrierten sich
die Forschenden auf die Kaliumkanäle.

unter dem Filter interagiert“, sagt Dr. Sun.
Mit Hilfe von aufwendigen Computersimulationen konnte der Ionenfluss durch
den Selektivitätsfilter simuliert werden.
Dadurch konnten die Forscher den Mechanismus entschlüsseln, mit dem negativ
geladene Aktivatoren die Kanäle öffnen
und den Ionenfluss beschleunigen. „Dieser
Mechanismus ist überraschenderweise für
eine Reihe verschiedener wichtiger neuroprotektiver Kanäle universell gültig und

„Ähnlich einem Generalschlüssel öffnen
die Substanzen alle Kaliumkanäle mit diesem Klappenmechanismus gleichzeitig“,
erzählt Dr. Schewe aus Kiel. Prof. Baukrowitz ergänzt: „Die Versuchssubstanzen
zweckentfremdeten gewissermaßen die
natürliche Funktionsweise der Kanalpore,
um diese zu öffnen. Dass dieser Klappenmechanismus in verschiedenen Sorten von
Kaliumkanälen auf sehr ähnliche Weise
funktioniert, war so nicht bekannt und
liefert ein besseres Verständnis der Funkti-

Universeller Mechanismus
Wissenschaftler*innen am Physiologischen
Institut der Medizinischen Fakultät der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
(CAU) und am Leibniz-Forschungsinstitut
für Molekulare Pharmakologie (FMP)
haben jetzt einen neuartigen Mechanismus entdeckt sowie pharmakologisch
beeinflusst und konnten schließlich – wie
mit einem Generalschlüssel – bestimmte
Kaliumkanäle gleichzeitig öffnen und
dadurch überschießende Aktivität in Zellen
unterdrücken.
Dr. Han Sun (FMP) bestimmte anhand von
Molekulardynamik-Simulationen in Kombination mit röntgenkristallographischen
und funktionellen Mutagenese-Daten, wo
sich die negativ geladenen Aktivatoren
in den Kanälen befinden. „Interessanterweise befindet sich die negativ geladene
Gruppe der Aktivatoren direkt unter dem
Selektivitätsfilter, wo sie mit Kaliumionen

forschen

DAS SCHEMA EINES KALIUMKANALS ZEIGT DEN BINDUNGSORT DER VERSUCHSPHARMAKA
(SCHLÜSSEL) AM SOG. SELEKTIVITÄTSFILTER (BINDUNGSORT DER K+ IONEN). DER SELEKTIVITÄTSFILTER WIRD DURCH EINE REIHE NATÜRLICHER MECHANISMEN GEÖFFNET (LINKS).

könnte einen Ausgangspunkt für rationale
Medikamentenentwicklung darstellen“,
ergänzt Dr. Sun.
Die Kieler Arbeitsgruppe „Ionenkanäle“ um
Professor Thomas Baukrowitz untersuchte
die molekulare Biophysik von Ionenkanälen, also jene Prozesse, die zum Öffnen
und Schließen von Ionenkanälen in der
Zelle führen. In ihrer Studie entdeckten die

onsweise von Kaliumkanälen.“
Die neuen Erkenntnisse könnten
Pharmaunternehmen helfen, effizientere
neue Medikamente zu entwickeln, insbesondere bei solchen, die zur Behandlung
von Krankheiten wie Epilepsie, Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien), Gefäßverengungen oder verschiedenen Schmerzzuständen zum Einsatz kommen.

Die Zellen unseres Körpers verändern sich
ständig. Doch welcher Wandel gehört zur
gesunden Entwicklung und welcher führt
zu schweren Erkrankungen? Und wie
lassen sich Krankheitszeichen in einer
Zelle möglichst früh erkennen, um rasch
mit einer individuellen und präzisen
Behandlung gegenzusteuern? Diese
Fragen will eine Länder- und Disziplinen
überschreitende Initiative führender
europäischer Forscherinnen und Forscher
ergründen. Die Initiative mit dem Namen
LifeTime erhält seit Anfang März eine
Million Euro von der Europäischen Union.
Koordiniert wird LifeTime am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in
Berlin (MDC) und am Institut Curie in Paris.
Die EU-Förderung läuft für ein Jahr und ist
ein großer Ansporn für die internationale
Initiative.
„LifeTime integriert Einzelzellmethoden,
personalisierte Organoide und maschinelles Lernen, um menschliche Zellen
während der Krankheitsbildung zu
verstehen und für eine Therapie nutzbar
zu machen. Damit soll die Patientenversorgung grundlegend verbessert werden“,
sagt der Koordinator und Systembiologe
Nikolaus Rajewsky vom MDC. Die
Organoide stammen aus den Stammzellen
von Patientinnen und Patienten und
ermöglichen personalisierte Krankheitsmodelle. In Kombination mit der „GenSchere“ CRISPR/Cas und modernsten
bildgebenden Verfahren wollen die
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
mit den Modellen erforschen, wie sich die
Zellen entwickeln und wie sie beispielsweise auf Arzneimittel reagieren.
Diese Experimente – in Hochdurchsatzverfahren durchgeführt – erzeugen riesige
Datenmengen. Zur Analyse sind deshalb
Maschinelles Lernen und Künstliche
Intelligenz notwendig. Die rechnergestützten Strategien erkennen Muster im
Wandel der Zellen und sagen voraus, ob
sich zum Beispiel der Beginn einer
Krankheit abzeichnet oder wie die
Krankheit verlaufen wird. Gemeinsam mit
mathematischen Modellen, die es
ermöglichen, die Vergangenheit der
Zellen zu konstruieren, kann so der Weg
von einer gesunden zur kranken Zelle
sichtbar gemacht werden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
fahnden zudem nach geeigneten
Schaltstellen, um krankmachende
Veränderungen rückgängig zu machen
oder sogar gänzlich zu verhindern.
Im LifeTime-Konsortium arbeiten nicht nur
Forscher und Forscherinnen aus Biologie,
Physik, Informatik, Mathematik und

Medizin. LifeTime bindet auch Expertinnen und Experten aus Disziplinen wie
Sozialwissenschaft, Ethik und Ökonomie
ein. Die Anliegen der Bevölkerung werden
durch eine öffentliche Befragung erhoben.
Es wird erwartet, dass LifeTime bedeutende Auswirkungen auf die Pharmaindustrie,
Biotechnologie, die datenverarbeitende
Industrie und weitere Sektoren haben und
die Wettbewerbsfähigkeit Europas positiv
beeinflussen wird.

18 EU-Länder beteiligt
SYSTEMBIOLOGE UND KOORDINATOR
PROF. NIKOLAUS RAJEWSKY

Zelle für
Zelle
Internationale LifeTimeInitiative freut sich über
EU-Förderung. MDC
koordiniert das Projekt
Text: Jana Schlütter / MDC
Abb.: Agnieszka Rybak-Wolf, MDC

Insgesamt sind an LifeTime 53 Forschungsinstitute aus 18 europäischen
Ländern sowie 60 Unternehmen beteiligt.
Sie werden in den kommenden Monaten
auch planen, wie sich die Vision für eine
gesündere Zukunft in die europäische
Forschungs- und Innovationslandschaft
im Programm Horizon Europe für den
Zeitraum bis 2027 einfügen kann.
LifeTime ist nur einer der sechs Gewinner
des europäischen Förderwettbewerbs.
Ausgewählt wurden die sechs aus 33
Vorschlägen durch unabhängige hochrangige Experten. Nach einem Jahr wird in
Brüssel entschieden, ob und welches der
sechs Projekte die EU in großem Maßstab
weiterhin fördert.
Als Auftakt des LifeTime-Jahres findet am
6. und 7. Mai 2019 eine Konferenz in Berlin
statt. Dort stellen die Mitglieder des
Konsortiums die Initiative vor und werden
darüber informieren, wie LifeTime
Wissenschaft und Medizin in Europa
stärken will.

ORGANOIDE ERMÖGLICHEN DIE EINZELZELLANALYSE AUCH IN MENSCHLICHEM GEWEBE

2019/01_7

Prototypen für
Hightech-Biosensoren
Die ImplaSens GmbH ist auf schnelle Realisierung
von smarten Biosensoren spezialisiert
Text und Foto: Christine Minkewitz / CBB, Abbildung: ImplaSens

Folgt man der Auffassung von Peter Magyar, dem Geschäftsführer der ImplaSens
GmbH, so gibt es selten technologische
Grenzen, um neue Biosensoren in die
medizinische Anwendung zu bringen.
ImplaSens hat sich darauf spezialisiert,
invasive oder nicht-invasive Implantate
zu entwickeln, die diagnostische Werte
erfassen oder auch körpereigene Enzyme
steuern können. Ein kleines, schlagkräftiges
Team aus Hard- und Software-Entwicklern,
Labore mit modernsten Technologien und
kreative Ideen waren der Schlüssel für einen
erfolgreichen Markteintritt. Seit der Gründung sind knapp drei Jahre vergangen, und
derzeit startet ImplaSens durch: In nur acht
Monaten verdoppelte ImplaSens die Zahl
der gemieteten Räume und verdreifachte
die Zahl seiner Beschäftigten auf zehn.
Dieses schnelle Wachstum beruht auf der
Einwerbung vielversprechender Projekte,
aber auch der Unternehmensphilosophie,
in der der Faktor Zeit eine entscheidende
Rolle spielt.

Concept zu erbringen, bevor die Existenz
konkurrierender Produkte recherchiert wird.
Sollten bereits ähnliche Produkte existieren, beweist dies lediglich die vorhandene
Nachfrage. „Wir sind dementsprechend
entweder die ersten auf dem Markt oder wir
grenzen unser Produkt ab, verbessern noch
Merkmale und bieten es dann an. Auf diese
Weise können wir sehr schnell am Markt
sein, das ist unser Vorteil“, erklärt Magyar.

Medizinische Innovation

GESCHÄFTSFÜHRER DER IMPLASENS
GMBH, PETER MAGYAR

Ideale Bedingungen
Peter Magyar hatte das Glück, einen
Investor zu finden, der das Unternehmen
in administrativen Belangen unterstützt,
aber bei den Entwicklungen freie Hand
lässt. „Mein Team und ich sind aufeinander eingeschworen. Wir teilen die gleiche
Mentalität – und darauf kommt es an, wenn
wir Projekte stringent durchziehen wollen“,
so Peter Magyar. Die ideale Besetzung zu
finden, dauerte drei Jahre, insgesamt gab
es 600 Bewerber. Der Erfolg von ImplaSens
gründet auch auf der jahrelangen Erfahrung, die Magyar als Programmierer und
Entwickler in Ungarn, seinem Heimatland,
und später in Deutschland sammelte.
ImplaSens entwickelt häufig eigene Lösungen als Prototypen (Proof of Concept) und

produzieren

bietet sie auf dem Markt an: „Erst, wenn wir
dafür Kunden gewinnen, setzen wir das
Produkt für die Anwendung um. Wir stellen
beliebig viele Prototypen her und bieten
auch die weitere Herstellung an. Für die
Massenproduktion verfügen wir über eine
Anlage in Thailand“, so der Geschäftsführer.
Zum Entwicklungsvertrag gehört auch die
komplette Zertifizierung, deren Dauer von
der Art des Produkts abhängt.
Die Entwicklungszeit von ImplaSens ist
sehr gering und kostengünstig, weil alle
erforderlichen Experten und Technologien vorhanden sind. Dabei verfolgt das
Unternehmen die Strategie, einen Proof of

Ein Pilotprojekt, über das Peter Magyar
Auskunft geben darf, ist eine intelligente
Insulinspritze (Abb.), die auf Anregung
eines Arztes entstanden ist. Per Internet
kann der Arzt im Gerät des Patienten die
Dosis und die Injektionszeit einstellen, ohne
dass dieser die Praxis aufsuchen muss. Die
Biosensoren übermitteln dem Arzt auch
den Zeitpunkt und den Effekt der Nutzung
durch den Patienten: Wurde nur ein Knopf
gedrückt oder gab es auch Hautkontakt?
Wurde so gedrückt, dass das Medikament
tatsächlich injiziert worden ist? „Für uns war
dies eine kleine Entwicklung, die innerhalb
von zwei Wochen fertiggestellt werden
konnte. Sie umfasste das komplette System,
die Hardware, die Software und die Serververbindung“, so der Geschäftsführer.
Dass sich sein Start-up im BiotechPark Berlin-Buch befindet, verdankt sich der Tatsache, dass er für einen früheren Arbeitgeber
ein Labor suchte und dabei den Campus
kennenlernte. „Ich war positiv überrascht,
dass unser Profil, und nicht der Umsatz für
die Ansiedlung wesentlich war. Es dauerte
nur einen Monat bis wir die ersten Räume
beziehen und mit der Arbeit beginnen
konnten“, so der Geschäftsführer. „Für mein
Team und mich ist der internationale Campus, der übrigens in Ungarn sehr bekannt
ist, eine sehr inspirierende Umgebung.“

Neuer Betreiber für
CampusVital
Campus Berlin-Buch GmbH übernimmt
Gesundheitsmanagement
Text: Christine Minkewitz / CBB, Foto: Marko Bussmann / CBB

Von 2015 bis 2018 hat der Berliner Gesundheits- und Präventionsdienstleister
Die Wohlfühler das campusweite betriebliche Gesundheitsmanagement „CampusVital“ erfolgreich betrieben und mitentwickelt. Nun gab es einen Stabwechsel:
Zum 1. Januar 2019 wurde CampusVital
in die Campus Berlin-Buch GmbH (CBB)
integriert.
CampusVital ist ein bundesweit einmaliges Modellprojekt, das von den Einrichtungen und Unternehmen des Campus
gemeinsam getragen und maßgeblich
von der Techniker Krankenkasse unterstützt wird. Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter des Campus können dadurch
vielfältige Kurse, Gesundheitstage und
Coachings wahrnehmen. Das Konzept
findet spürbar Anklang: „CampusVital ist
ein Beitrag, den Campus nachhaltig und
als attraktiven Arbeitsort zu gestalten.
Immer mehr Campus-Unternehmen sehen

es als Chance, sich zu beteiligen und
einen Mehrwert für ihre Beschäftigten zu
bieten“, so Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der CBB.
Anstelle des bisherigen GesundheitsTickets hat die CBB ein eigenes Angebot mit
umfangreichen Leistungen eingeführt: die
CampusVitalCard. Diese wurde bis Mitte
März bereits einhundert Mal verkauft. „Mit
der CampusVitalCard können die Beschäftigten des Campus alle Kurse besuchen
und jederzeit das Fitnessstudio nutzen“,
so Eileen Bauer, Gesundheitsmanagerin
des Campus. „Wir freuen uns, dass wir
schon so viele Nutzer gewonnen haben.
Gleichzeitig möchten wir weitere Interessierte herzlich dazu einladen, CampusVital
kennenzulernen. Das ist täglich zu den
Sprechzeiten von 12 – 14 Uhr möglich,
beim Fahrradtag am 8. Mai oder wenn es
im August wieder heißt Wer radelt am
meisten?.“

KURZMITTEILUNGEN

Projekt DRIVE
gestartet
EU-OS, die europäische Forschungsinfrastruktur für Screening und Chemische Biologie, hat am 1. Februar 2019
das Projekt EU-OPENSCREEN DRIVE
gestartet. Mit EU-OS-DRIVE können
zwölf Screening-Projekte und fünf
Medizinalchemie-Projekte komplett
finanziert werden. Mit Hilfe dieser
Projekte werden die Prozesse optimiert
und neue Verfahren wie das „Fragment
Screening“ oder die chemische Proteomanalyse integriert.

FeldbergPreis 2020
Prof. Volker Haucke, Direktor am LeibnizForschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie, erhält den Feldberg-Preis
2020. Die Auszeichnung wird jährlich
von der Feldberg Foundation verliehen.
Ziel ist es, den deutsch-britischen Austausch auf dem Gebiet der experimentellen Medizin, vor allem der Physiologie
und der Pharmakologie zu fördern.

Exzellente
Ausbildung

CAMPUSVITAL BIETET DEN BESCHÄFTIGTEN EIN PLUS FÜR IHRE GESUNDHEIT

Für die Qualität der Ausbildung junger
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat
die Eckert & Ziegler AG im März 2019
das Gütesiegel „exzellente Ausbildungsqualität“ von der Industrie- und
Handelskammer (IHK) Berlin erhalten.
Besonders überzeugend seien die
Ablaufprozesse bei der Einarbeitung,
die an den Ausbildungsrahmenplan
angepassten individuellen Einsatzpläne
sowie die Maßnahmen zur Teambildung. Auszubildende würden frühzeitig
in eigenverantwortliche Projekte eingebunden und somit auch ihre sozialen
Kompetenzen gefördert. Das Unternehmen bildet seit 2005 Industriekaufleute
und Fachinformatiker für Systemintegration aus.

2019/01_9

Digitale Patientenakte
Das papierlose Krankenhaus ist längst kein
Wunschtraum mehr. Auch das Helios Klinikum
Berlin-Buch stellt sich der neuen Herausforderung.
Text: Julia Talman, Fotos: Thomas Oberländer / Helios Klinikum Berlin-Buch

Weltweit setzen Krankenhäuser und Kliniken auf die digitale Zukunft. Daraus ergibt
sich eine Vielzahl neuer Möglichkeiten.
Auch das Helios Klinikum Berlin-Buch hat
das erkannt – seit Anfang 2018 wird hier die
digitale Patientenakte genutzt und schrittweise eingeführt.
Die digitale Patientenakte bringt im
Vergleich zu der bisherigen, ausschließlich
papiergebundenen Aufzeichnung Vorteile
mit sich: Zahlreiche Prozesse lassen sich erheblich vereinfachen. Das Personal wird von
der Papierarbeit entlastet. Die Akte ist auf
der Station jederzeit verfügbar. Je weniger
Zeit Ärzte und Pflegepersonal mit dem Erstellen und Verarbeiten von Informationen
verbringen, desto mehr Freiraum bleibt für
die Patientenbetreuung. Informationsrisiken werden verringert, die Patientensicherheit erhöht.

Digital in einem Jahr
Die Einführung der digitalen Akte auf den
peripheren Stationen im Helios Klinikum
Berlin-Buch hat gemeinsam mit einer
siebenköpfigen Projektgruppe ein Jahr
gedauert. Mit ihren mobilen Visitenwagen

Positive Resonanz

INDIVIDUELLE MOTTO-TORTEN GAB ES
IM BUCHER KLINIKUM ZU JEDEM
DIGIPAT-START FÜR DIE STATIONEN.

und Tablet-PCs ist die digitale Patientenakte mittlerweile ein fester Bestandteil der
täglichen Arbeit.
„In der digitalen Patientenakte lassen sich
alle Behandlungsprozesse peripherer
Stationen vollständig abbilden. Die ‚DigiPat‘
ermöglicht den Ärzten und Pflegekräften
im Dienst jederzeit Zugriff auf alle Dokumente zum Patienten. Damit erhöht sich
die Verfügbarkeit und die Transparenz
medizinischer und pflegerischer Informationen erheblich“, sagt IT-Leiter Steffen Ott.
Die gesetzlich verankerte Verlaufsdoku-

STAFFELSTABÜBERGABE VON DER NUKLEARMEDIZIN AN DIE GERIATRIE IM HAUS 208.

heilen

mentation kann jetzt auch mobil am Tablet
erfolgen. Die Medikation inklusive digitaler
Überprüfung von Wechselwirkungen und
die Vitalwerte werden via Spot Monitoren
automatisch und zeitgleich per WLAN in
die Patientenkurve übertragen und auch
elektronisch signierte Dokumente abgebildet. Das Stationspersonal hat jederzeit und
unabhängig vom eigenen Standort Zugriff
auf immer aktuellste Patientendaten. „Das
Risiko zu fehlerhafter Information wird
deutlich verringert. Für die Patientensicherheit und die optimalen Behandlungsabläufe
ist das ein großer Schritt nach vorn“, ergänzt
Ott.

Das Personal aus Medizin und Pflege reagiert durchweg positiv.
„Ich finde die DigiPat wirklich praktisch. Alle
Daten sind ständig und sofort verfügbar,
die Berichte gut lesbar. Das hilft vor allem
bei der Medikation. Das lästige Suchen nach
Patientenkurven entfällt. Toll ist auch, dass
die mobilen Monitore in die Patientenzimmer können. Dort kann der Patient selbst
Einsicht in seine Werte nehmen, wenn er
möchte“, so Ines Nowak, Stationsleitung der
Kardiologie.
Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit
möchte keiner auf den Stationen die digitale Patientenakte mehr missen. Am meisten
freuen sich die Teams über die bessere
Lesbarkeit der medizinischen Informationen sowie über die schnelle Verfügbarkeit
der Daten.
Mit einer Kick-off-Veranstaltung wurde der
Staffelstab, eine eingegipste Papierakte,
feierlich an die jeweilige Station übergeben. Besonders gut kamen beim Personal
die leckeren und speziell für diesen Anlass
gefertigten Torten mit Motto an.

Trastuzumab und zweitens das Chemotherapeutikum DM1.
Die Studie richtete sich an alle neu diagnostizierten Brustkrebspatientinnen mit
besonders aggressiver Art von Brustkrebs:
ein sogenanntes HER2-positives Mammakarzinom. Bei diesen Patientinnen
wurde eine neoadjuvante Chemotherapie
(vor OP) zusammen mit dem Antikörper
Trastuzumab oder (Trastuzumab plus
Pertuzumab) verabreicht. Wenn noch
Resttumor in der Brust und /oder in den
Lymphknoten vorhanden war, wurden die
Patientinnen in der Studie behandelt.
Betroffen sind davon in Deutschland etwa
20 Prozent aller neu diagnostizierten
Brustkrebspatientinnen, also zirka 10.000
Frauen jährlich.
PROF. DR. MED. MICHAEL UNTCH BEI EINER BESPRECHUNG DES TUMORBOARDS.

Herausragende Ergebnisse

Erfolgversprechende
Brustkrebsstudie
Substanz Kadcyla® verbessert das krankheitsfreie
Überleben von Patientinnen bei frühem HER2positivem Brustkrebs signifikant
Text: Julia Talman, Foto: Thomas Oberländer / Helios Klinikum Berlin-Buch

Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat
Trastuzumab-Emtansin (Kadcyla®) kann
Patientinnen mit nichtmetastasiertem
HER2-positivem Mammakarzinom, bei
denen nach einer neoadjuvanten Chemotherapie in Kombination mit dem Antikörper Trastuzumab noch Tumorzellen
nachweisbar sind, länger vor Rückfällen und
Metastasen schützen als der alleinige
Antikörper Trastuzumab.
Dies zeigen die Ergebnisse der KATHERINEStudie. Sie wurden von Kollegen der AGO
Studiengruppe unter Prof. Dr. med. Michael
Untch zusammen mit der German Breast
Group und der amerikanischen Studiengruppe NSABP auf dem San Antonio Breast
Cancer Symposium (USA) vorgestellt und
im New England Journal of Medicine im
Dezember 2018 veröffentlicht.
Die KATHERINE-Studie vergleicht die Wirkung von Trastuzumab Emtansin (Kadcyla®;
TDM1) mit Trastuzumab (Herceptin®). Ziel

war herauszufinden, welches der beiden
Präparate bei der Krebsbekämpfung nach
einer Brustkrebsoperation geeigneter ist.
Kadcyla® konnte dabei als Einzelwirkstoff
das Risiko eines erneuten Auftretens von
Rezidiven oder Metastasen signifikant
reduzieren.

Kombinierte Eigenschaften
Anstatt der herkömmlichen Therapie mit
dem Antikörper Trastuzumab wurden
Patientinnen nach der Operation mit der
Substanz Kadcyla® behandelt. Diese bindet
zwar an den gleichen Rezeptor wie Trastuzumab an, dringt aber als sehr potente
Substanz in die Zelle ein und tötet sie ab.
Entwickelt wurde Kadcyla®, um eine wirksame Chemotherapie direkt an HER2-positive Krebszellen abzugeben. Es kombiniert
zwei Anti-Krebs-Eigenschaften: Erstens
die HER2-Targeting-Eigenschaften von

Bereits die Zwischenauswertung zeigte,
dass Trastuzumab-Emtansin einen Rückfall
bzw. Metastasen deutlich häufiger verhindern kann als Trastuzumab. Die Patientinnen, die im Rahmen der Studie mit der
neuen Substanz behandelt wurden, hatten
nur halb so viele Metastasen verglichen
mit den herkömmlich behandelten Patientinnen. „Damit wurde das Ziel dieser Studie
deutlich übertroffen“, so Prof. Dr. med.
Michael Untch, Chefarzt der Gynäkologie
und Leiter des Brustzentrums im Helios
Klinikum Berlin-Buch.
An der Studie nahmen nur Patientinnen
teil, bei denen postoperativ der Nachweis
von Krebszellen im entfernten Primärtumor oder in den entfernten Lymphknoten
ein erhöhtes Risiko auf ein späteres Rezidiv
anzeigte. Auch neun Patientinnen aus dem
Helios Klinikum Berlin-Buch waren bei der
17-monatigen Studie dabei.
Im Verlauf eines Jahres nach der Operation
erhielten die Patientinnen 14 Zyklen einer
Behandlung mit Trastuzumab oder mit
Trastuzumab-Emtansin. Primärer Endpunkt
war das krankheitsfreie Überleben.
„Mit den Ergebnissen dieser Studie wird
sich der Therapiestandard bei Brustkrebspatientinnen weltweit ändern. Der
herkömmliche Ablauf – zuerst Operation,
dann Chemotherapie, dann Antikörpertherapie – steht auf dem Prüfstand. Die neue
Sequenz lautet: zuerst Chemotherapie plus
Antikörpertherapie, danach bei Patientinnen mit Tumorrest das Antikörperkonjugat
Kadcyla®“, ist sich Prof. Untch sicher. Die
Substanz ist zwar für diese Situation noch
nicht zugelassen, trotzdem sollten Patientinnen mit ihrem behandelnden Brustzentrum Rücksprache halten.

2019/01_11

Alle Wege führen zum Campus
Eine Umfrage zum Arbeitsweg der Beschäftigten des Campus Buch zeigt,
wie die Anbindung verbessert werden könnte
Text: Christine Minkewitz / CBB

Mit welchen Verkehrsmitteln kommen Sie im Sommer bzw. im Winter zur Arbeit?

Üblich im Sommer

Fahrrad

Üblich im Winter

292

Pedelec/E-Bike

124

6

5

234

Bahn

395

419
0

PKW (Fahrer)
PKW (Mitfahrer)

250

12

145

145

144
4

112

13

Zehn Minuten Zeit waren kein Problem bei
der Mobilitäts-Umfrage der Einrichtungen
des Campus im Januar 2019: 759 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich daran
beteiligt. Erfragt wurde, wie sie täglich zur
Arbeit gelangen und welche Maßnahmen
ihre Mobilität unterstützen könnten. „Die

146

7

195

77
5

309

9

Gelegentlich im Winter

164

4

Bus

Motorrad/Moped

Gelegentlich im Sommer

98

20

Resonanz ist sehr hoch und zeigt, dass das
Thema Mobilität, gerade im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit sehr wichtig für
unseren Standort ist“, so Dr. Ulrich Scheller,
Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch
GmbH.
Rund 19 Prozent der Teilnehmenden

35

wohnen in Pankow, viele auch in Mitte
und Prenzlauer Berg. Einige legen den
Weg von weiter entfernten Bezirken wie
Neukölln oder Steglitz-Zehlendorf zurück.
127 (17 %) der Befragten kommen aus dem
Brandenburger Umland. Die häufigste
durchschnittliche Dauer des Arbeitswegs

Wie zufrieden sind Sie mit den Verkehrsverbindungen zum Campus Buch?

ÖPNV

Sehr zufrieden

21

Zufrieden

leben

45

258

281

69

Fahrrad (Radwege)

17

299

Unzufrieden

Sehr unzufrieden

PKW/Motorad/Moped (Straßen)

260

119

21

212

33

Welche der vorgeschlagenen verkehrspolitischen Maßnahmen sind Ihnen besonders wichtig?

Taktzeitenverkürzung Bus / Bahn

392

Expressbus zum Campus, z.B. von Pankow-Heinersdorf

314

Regionalhalt Berlin-Buch

296

Fahrradhighway vom S-Bahnhof zum Campus

224

Ausbau und Beleuchtung Panke-Radweg

224

Verkehrsregelung Robert-Rössle-Straße / Karower Chaussee

195

Autobahnanschluss Berlin-Karow

147

Andere

liegt zwischen 41 und 50 Minuten. Wer mit
dem Auto fährt, ist generell zufriedener
mit der Anbindung als diejenigen, die den
öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) oder das
Fahrrad nutzen. Dies wird mit hohen Ausfallzeiten im ÖPNV und teilweise schlecht
ausgebauten, wenig sicheren Radwegen
begründet.

Vom Bahnhof zum Campus
Die S-Bahn ist das meistgenutzte Verkehrsmittel; 395 (52 %) der Beschäftigten nutzen
die Bahn im Sommer und 419 (55 %) im
Winter. Für die „letzte Meile“ ab S-Bahnhof
Buch nehmen 61 % der Bahnfahrer den Bus,
38 % laufen den Weg zum Campus, 30 %
fahren die Strecke mit dem eigenen Rad und
10 % mit dem kostenlosen Nextbike – wobei
hier Mehrfachnennungen möglich waren.
Die wichtigsten Gründe für die Wahl der
Verkehrsmittel sind eine möglichst kurze
Fahrzeit und eine zeitliche Unabhängigkeit
– zum Beispiel, wenn S-Bahn und Fahrrad
kombiniert werden. Die Befragung zeigte,
dass die Mieträder noch attraktiver wären,
wenn weitere Stationen auf dem Campus
entstehen würden – bislang konzentrieren sich zwei Stationen in der Nähe der
Bus-Haltestelle. Auch sollten Möglichkeiten
gesucht werden, die Registrierung und den
Leihprozess noch zu vereinfachen oder
interessierte Nutzer darin zu schulen.
Für diejenigen, die aus den umliegenden
Landkreisen kommen, ist das Auto oft die
beste Lösung, da die ÖPNV-Anbindung
ungünstig oder nicht gegeben ist. Damit
korrespondieren die häufigsten freien
Antworten auf die Frage, welche Verkehrslösung am nachhaltigsten für den Campus
wäre: Ausbau der Busverbindungen,

102

Einrichtung von Expressbuslinien, Ausbau
des S-Bahn-Netzes sowie Verdichtung der
S-Bahn-Taktfrequenzen. Weitere Lösungsvorschläge betreffen den Ausbau der Fahrradwege in und nach Buch, die Errichtung
eines Regionalbahnhofs in Buch sowie den
Einsatz von E-Mobilität, Straßenbahnen und
autonomen Bussen.

Wo kommen Sie her /
In welchem Postleitzahlenbereich wohnen Sie?

Berliner Bezirke
Pankow
Mitte
Prenzlauer Berg
Friedrichshain-Kreuzberg
Charlottenburg-Wilmersdorf
Lichtenberg
Tempelhof-Schöneberg
Hellersdorf-Marzahn
Treptow-Köpenick
Reinickendorf
Neukölln
Steglitz-Zehlendorf
Weißensee
Spandau

147
97
76
43
43
35
33
32
23
22
20
20
14
8

Brandenburger Landkreise
Barnim
Oberhavel
Märkisch-Oderland
Teltow-Fläming
Potsdam
Havelland
Oder-Spree
Potsdam-Mittelmark
Dahme-Spree
Uckermark
Prignitz

62
28
15
6
5
5
2
1
1
1
1

Smart und umweltfreundlich
„Solange solche Anreize noch nicht
gegeben sind, werden Autos zum Bild
des Campus dazugehören. Langfristig
soll jedoch die umweltfreundliche und
gesundheitsfördernde Mobilität dominieren“, so Dr. Scheller. „Dazu gehört auch,
dass wir Fußgängern und Radfahrern mehr
Sicherheit verschaffen wollen, zum Beispiel
durch Entwicklung eines Campus-Verkehrskonzepts und sicherere Campuseingänge
beziehungsweise Zufahrten. Zur Verbesserung der Parksituation für Pkw prüfen wir
die offizielle Anmietung von Parkplätzen
im Wohngebiet. Gleichzeitig wollen wir
attraktivere und flexiblere Lösungen beim
Car-Sharing anbieten. Radfahrern werden
wir eine zusätzliche Lufttankstelle und ein
Reparaturset an der neuen Fahrradwerkstatt
bieten. Wir werden uns mit dem Stadtbezirk
und dem Senat dafür einsetzen, dass Buch
einen Regionalbahnhof erhält. Damit die
Kreuzung Karower Chaussee/Robert-RössleStraße sicher überquert werden kann, verleihen wir dem BVV-Beschluss gegenüber
dem Senat Nachdruck, dort kurzfristig eine
Ampelregelung zu installieren. Mit der BVG
und dem Bezirk führen wir aktuell Verhandlungen zur Errichtung eines ‚Mobilitätshubs‘
am S-Bahnhof Buch, an dem schon ab 2020
nutzerfreundlich vom ÖPNV auf mietbare
E-Autos, E-Roller und Fahrräder umgestiegen werden könnte. Gegenüber der BVG
erneuern wir zudem regelmäßig unsere
Forderung, die Taktfrequenzen der Busse zu
verdichten und neue Buslinien zu etablieren.
Die Umfrage gibt uns den Rückhalt dafür“.
Ergebnisse der Mobilitätsumfrage:
www.campusberlinbuch.de/
de/mobility.html

2019/01_13

Wissenschaft für alle!
Das Gläserne Labor feiert 20-jähriges Bestehen. Dr.
Ulrich Scheller und Claudia Jacob von der Campus
Berlin-Buch GmbH gehören zu den Wegbegleitern.
Interview: Christine Minkewitz / CBB, Fotos: CBB, Peter Himsel

Wie kam es zur Gründung des Gläsernen
Labors?
Ulrich Scheller: Als 1996 der Aufbau des
Biotechnologieparks Berlin-Buch auf
Hochtouren lief, sollten nicht nur Start-ups
Labore und Büros beziehen und marktfähige Biotech-Produkte und Dienstleistungen
entwickeln. Es sollte auch ein Forum für
den Dialog zwischen der Öffentlichkeit
und der Wissenschaft etabliert werden. Die
Gründungsidee des ESF*-Projekts „Gläsernes Labor“ war daher, in einem eigens dafür eingerichteten Labor über biomedizinische Forschungsthemen und -methoden
zu informieren. Bürgerinnen und Bürger
waren eingeladen, gemeinsam mit den
Forschenden vom Campus zu experimentieren. Dazu wurde die denkmalgeschützte
Remise auf dem Campus umgebaut und
mit Laboren, Seminarräumen und Ausstellungsflächen ausgestattet.
Wie startete das Projekt?
Ulrich Scheller: Die ersten Versuche
wurden mit Berliner Biologielehrern und

angehenden Biolaboranten des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
(MDC) erprobt. Am 22. März 1999 hatten
wir bereits eine Tageszulassung als Genlabor, obwohl das Gläserne Labor noch
Baustelle war. Anlass war, dass wir Drehort
für die Sendung „Wissenschaft live“ waren,
moderiert von Ranga Yogeshwar und
übertragen vom Fernsehsender Phoenix.
Eine bessere Einführung kann man sich
kaum wünschen! Die offizielle Eröffnung
war dann am 19. April. Zu unseren Kursen
meldeten sich ausnahmslos Lehrkräfte mit
ihren Schulklassen an, so dass sich bereits
abzeichnete, dass sie künftig das Hauptpublikum sein würden. Bis Jahresende
experimentierten etwa 1.500 Schüler in
den vierstündigen Laborkursen „Isolierung der DNA aus einer Tomate“, „DNADetektive (Genetischer Fingerabdruck)“
und „Leuchtende Bakterien“. Der enorme
Bedarf der Berliner Schulen hat dazu
geführt, dass aus dem Biotech-Schaulabor
eines der besucherstärksten Schülerlabore
geworden ist.

BESUCHER ZUR LANGEN NACHT DER WISSENSCHAFTEN IM CHEMIELABOR

bilden

SCHLÜSSELÜBERGABE AM 19. APRIL 1999

Was ist das Besondere am Gläsernen
Labor?
Claudia Jacob: Das Gläserne Labor gibt
über verschiedene Altersstufen hinweg
Impulse für wissenschaftliche Neugier –
bereits kleine Kinder profitieren davon im
Forschergarten. Pro Jahr experimentieren
14.000 Schüler in Halbtagskursen zu Themen der Genetik, Zell- und Neurobiologie,
aber auch der Wirkstoffchemie, Physik,
Ökologie. Unsere Mitmachexperimente
sind eng auf die aktuelle Forschung auf
dem Campus bezogen und vermitteln dadurch Wissen, das noch nicht im Lehrbuch
steht. Alle Kurse finden in authentischen
Laboren statt und werden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
betreut. Im Sommer finden Akademien
für besonders begabte Schüler statt, die
„Forscherferien“ und das „ForscherCamp“
bieten eine sinnvolle Feriengestaltung.
Interessierte Schüler können sich auch in
Projektwochen zur Systembiologie, bei
der Bio- oder Chemieolympiade oder der
MINT-Initiative qualifizieren.
Ulrich Scheller: Die Akademie des Gläsernen Labor bietet darüber hinaus Fort- und
Weiterbildung für Fachkräfte – auch das
ist eine Besonderheit.
Was wurde in den 20 Jahren erreicht?
Ulrich Scheller: Bemerkenswert finde
ich, dass sich nach 20 Jahren die Begeisterungsfähigkeit des Teams für Neues
erhalten hat. Jedes Jahr werden neue
Laborkurse zu spannenden wissenschaftlichen Themen entwickelt. Oder es
entstehen neue Veranstaltungsformate
wie die Vorlesungsreihe zur Biomedizin

im Zeiss Großplanetarium. Dass wir uns
zu einem erfolgreichen Bildungsanbieter
entwickelt haben, vor allem auch dank
der Förderung von MDC und FMP, erfüllt
uns ebenfalls mit Stolz.
Claudia Jacob: Ein Netzwerk aus 20 wissenschaftlichen Dozenten sowie Honorarkräften betreut die knapp 1.000 Kurse pro
Jahr. Wir bieten 22 Experimentierkurse zu
verschiedenen Themen. Darüber hinaus
haben wir vier Sammlungen von Unterrichtsmaterialien für den Biologie- und
Chemieunterricht der Sekundarstufe II
konzipiert, die Gegenstand von Lehrerfortbildungen sind. Nicht zuletzt ging
vom Gläsernes Labor die Gründung regionaler bzw. überregionaler Netzwerke von
Schülerlaboren aus; wie dem Netzwerk
GenaU Berlin-Brandenburg.

Der Verband der Chemischen Industrie
e.V. unterstützt uns seit Jahren bei der
Entwicklung neuer Kursmodule; die Promega GmbH mit Verbrauchsmaterialien.
In Zusammenarbeit mit der Eckert & Ziegler AG eröffneten wir 2011 ein Physiklabor
mit dem Themenschwerpunkt Radioaktivität und ihre medizinische Anwendung.
Seit 2013 fördert die Amgen Foundation
ausgewählte Bildungsprojekte. Insgesamt
verfügen wir heute über fünf Labore.
Wie geht es in Zukunft weiter?
Claudia Jacob: Unser Ziel bleibt, aktuelle

und spannende Forschungsthemen in
die Unterrichtsinhalte zu integrieren.
So entwickeln wir in diesem Jahr eine
Lernumgebung zum Thema CRIPSR/Cas9
– mit Unterrichtsmaterialien, Lehrerfortbildungen und einem Experimentierkurs.
Zudem wollen wir 2023 im geplanten
Bildungs- und Integrationszentrum in
Berlin-Buch drei neue Mitmachlabore für
den Grundschulbereich eröffnen.
* ESF Europäischer Sozialfonds
**EFRE Europäischer Fonds für regionale
Entwicklung

Gab es auch weniger erfolgreiche
Momente?
Dr. Ulrich Scheller: Es waren nicht alle
Projekte erfolgreich. So platzte 2006 der
Traum vom eigenen Life Science Center in
Buch. Sogar eine Betreibergesellschaft für
das „Forscherschloss“ war gegründet worden. Sie hat damals Sponsoring-Zusagen
über sechs Millionen Euro eingeworben
und ein professionelles Ausstellungskonzept entwickelt. Leider übertrug sich die
eigene Begeisterung nicht auf die der
politischen Entscheider. Aber, das muss
an dieser Stelle gesagt werden – das Gläserne Labor konnte sich ansonsten immer
der Unterstützung aus der Landespolitik
sicher sein. Sei es bei den Lehrerabordnungen oder beim Aufbau des Schülerlabornetzwerks GenaU.
Wer gehört zu den Förderern und
Unterstützern?
Claudia Jacob: Das Gläserne Labor
wurde von Anfang an von den EUStrukturfonds ESF und EFRE** sowie
von den Forschungseinrichtungen des
Campus unterstützt. 2004 folgte unser
zweites Labor, das MDC-Schülerlabor,
welches zu den Helmholtz-Schülerlaboren gehört und 2010 das Chemielabor,
dessen Einrichtung und Betrieb vom
Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare
Pharmakologie getragen wurde und wird.
Viele Projekte finanzierte die Technologie
Stiftung Berlin (TSB), z. B. die Experimentierwoche „Experimente mit Herz“, die
durch einen gemeinsamen Antrag des
Netzwerks GenaU mit sechs Laboren und
zwei Unternehmen entstand und über
viele Jahre von Gesamtmetall, think ING.,
TSB und der Bayer Science & Education
Foundation gefördert wurde und wird.

IMMER NOCH MIT LEIDENSCHAFT DABEI: CLAUDIA JACOB UND DR. ULRICH SCHELLER
(2. REIHE V. LI)

2019/01_15
                            
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