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Volume No. 999, Donnerstag, den 3. Juni 1830

Full text: Der Berliner Courier (Public Domain) Issue3.1830 (Public Domain)

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deutlich darzustellen. Sie wurde am Schluffe gerufen und kann 
daher über Kälte des Publikums nicht klagen; im Gegentheil hof 
fen wir, sie wird diese Auszeichnung künftig mehr zu verdienen be 
müht sein. Die Darstellung im Ganzen war gut, Mlle. Herold 
erschien nach ihrer Genesung zum ersten Male wieder auf der Bühne 
und schien noch etwas leidend. Mlle. Herbert vertrat Mlle. Fel 
senheim genügend in der kleinen Parthie der Jutta. Mlle. N-Hei- 
tiefetter war lebendiger als sonst. Unter den Herren war Herr 
Lannhos als Kaiser nicht nur der große, sondern auch der würde 
volle und Herr Wegen« inkriguirte vortrefflich. Herr Haas giebt 
den schmachtenden Adonis stets gut, nur möge er sich hüten seiner 
Stimme nicht zu viel Gesang zu geben. Herr Rösicke war ein un 
vergleichlicher Raufbold, auch Herr Beckmann figurirte als Thor 
wart und als Mummenschanz ohne aus dem Text zu fallen, der 
in manchen Dialogen zu lang ist und Lustersparniß nicht nur, son 
dern eine gesunde Brust erfordert. Das Haus war mittelmäßig ge 
füllt, weil her Schützenplatz heule besucht werden mußte. 
v. X, 
Mad. Jenny Vertprke. 
Diese wahrhaft große Künstlerin hat in ihren Darstellungen 
st sehr die Aufmerksamkeit der Kenner und des ganzen Publikums 
guf sich gezogen, daß wir ihr gern jedesmal einen Artikel besonders 
widmen. Line höchst erfreuliche Erscheinung war die Debütan 
tin als Emmeline in „Les premiers amours” und als Minette. 
Noch nie haben wir die erste Rolle so glücklich in allen Situatio 
nen dargestellt gesehen, als diese Künstlerin sie uns vor Augen 
führte; Mad. Vcrtpre zeigte neben ihrem herrlichen natürlichen 
Talent auch viel Studium, eine gediegene Reflexion, und ließ neben 
des Treue der Darstellung, die ideale Richtung, die ffe in ihren 
Leistungen überall manifestirt, bewundern. Wenn das Publikum 
sie fast in jeder Scene mit dem lauteste« Beifall überhäufte, so 
sehen wir darin nur den Tribut des schönsten Verdienstes. Wik 
kommen jetzt zur Minette, Wer kennt sie nicht diese liebeskranke 
Aatze die den schönsten Lorbeer in v, Holtei'S Bühnendichterkrone 
bildet?*) Wahrlich diese Minette ist keine gewöhnliche Katze! 
Mad. Dcrtprk ließ in der fteilich rein plastischen Darstellung der 
Minette ihr großes artistisches Talent im schönsten Lichte glanzen, 
Ohne in den Fehler der Uebertreibung zu fallen, was hier leicht 
selbst bei besseren Künstlerinnen geschehen kann, ohne nach einem 
») kosten Hie mir raußer rc.
	        
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