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Volume No. 927, Freitag den 5. März 1830

Full text: Der Berliner Courier (Public Domain) Issue3.1830 (Public Domain)

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Landestrauer angelegt. Bemerkbar aber wurde dadurch bgs Stre 
ben nach Zufriedenheit und blieb nicht unbelohnt. Auch heute be- 
zeuqte diese das vollgedrängte Haus in solchem Maaße, wie sie nie 
größer gewünscht werden konnte: alle wurden gerufen und mit 
Beifall entlassen. — Für gute Dekorationen und geschmackvolles 
Kostüm war auch gesorgt, die Melodien der eingestreuten Lieder 
waren leicht und angenehm. Kurz trotz aller üblen Laune irgend 
eines -Merkurs*) und trotz der scharfen Brille der Kritik, sieg te der 
Jaubeistab der Lacrimosa und ließ uns alle übrige Erscheinungen, 
wie lebende Bilder in einem großen Guckkasten, schnell vorübergehen. 
Wir sahen so viel des Guten und Schönen, MUe. Herold als Im 
gend und Herrn Deckmann als ungarischen Zauberer — -MUe Fel 
senheim als Zuf iedenheir und Herrn Pohl als Haß — MUe Hvlz- 
becher als Lorrchen und Herrn Haas als Schilf, daß wir außer Vor 
genannten nur noch Herrn Röstcke und Herrn Sp'tzeder nennen 
dürfen. Letzterer war unerschöpflich an Humor und imorovistite 
trotz einem Italiener in Algier. Uebrigens ein andermal mehr! 
v, S?, 
Courier aus Hamburg. 
Ende Februar 1830. 
Der anhaltende und strenge Winter hat uns dem Anschein 
»ach verlassen und einem starken Tllcuwerr r Platz gemacht: die 
Ausficht auf den kommenden Frühling erfüllt mit neuen Hoffnun 
gen und die Leiden, welche die ungewöhnliche Kälte mit sich gp- 
bracht, werden bald vergessen sein. — Niemals aber werden die Na 
men derer verhallen, welche sich ihrer leidenden Mitmenschen so 
menschenfreundlich annahmen und so kräftig beisteuerten, um dem 
vielen Elend Einhalt zu thun. Ein Diogenes hätte schon in der 
ersten Viertelstunde seine Laterne ausgelöscht, denn er hätte sogleich 
gesunden was er gesucht^ Menschen. Es wäre zu weitläuftig, alle 
die trefflichen Anstalten zu nennen, welche getroffen wurden, um den 
Armen Unterstützung an Gelde, Feuerung und Kleidungsstücken 
zukommen zu lassen; doch kann ich nicht unerwähnt lassen, daß un 
sere Ldeaterdirektion die reine Einnahm« eines Theaterabends 
von 3000 M. B. dem Woklkhärigkeits-Verein zur weiteren Be 
förderung übergab, ein Opfer, dessen Größe allgemein aner 
kannt wurde. Auch die Sänger und Muflci der Garnison ver 
anstalteten ein Konzert zu gleichem Zweck, dessen Ertrag pch auf 
») Vielleicht der Dresdner? 
Der Setzer.
	        
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