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Volume No. 852, Donnerstag, den 3. Dezember 1829

Full text: Der Berliner Courier (Public Domain) Issue2.1829 (Public Domain)

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hätte mn einige Jahrhunderte später vorfahren sollen! Dar 
hätt' ich unsern Enkeln gegönnt, ohne sie zu keimen. Dar Stück 
wurde solenne ausgepocht mir obligatem' Gelächter und pftiffen, 
„ Dar ist dar LooS des Schonen auf der Erde! “ 
Saphir. 
Entzückungen meiner zwei Preß-Bengel bei meinee 
Znrückkunft nach Berlin. 
Es war einer der schönsten Berliner Maiabende, als ich vv/ 
gestern Abends hier eintraf Der Wind heulte wie ein pensto» 
«irrer Bassist, es wurde eben so dunkel, daß ich kaum unter/ 
scheiden konnte, ob ich mich freute schon zurück zu sein oder' 
nicht. AIs ich die Kvnigsstraße hiuadfuhr, vernahm ich «in 
dumpfes „Vivat!" «S waren die Muse« der Königsiädter Bübne, 
die mir entgegen jodelten. Euterpe kam mit einer Maultrommel, 
Tbalia deklamirte den Kapfenberger Jodler, Apollo aber, als 
Bauchredner, half mir aus dem Wagon Ich eilte i'ibetden 
Gened'armesmarkt nach Hause, wo ich den armen Apollo an der 
Emiiia Galotti etwas erwärmen ließ. Bei der Stelle: 
„Die Kunst geht nach Brod!" 
griff sich Apollo-Bauchredner an den Magen, ich verstand diese' 
stumme Enrschulditzung. Ich ging nach Hause: da hörte ich dft 
fröhliches ,, Huriah!" und ein liimmerliches „Pereat!" beide 
kamen aus van Akens Menagerie. Es wurden zu meiner Rück 
kehr allda „v i e V ö a e l" 
ausgeführt. Auf der einen Seite standen die Spaßvögel, die 
losen Vögel, die lustigen Vögel, und hießen mich willkommen, 
auf der andern Seite die Galgenvögel, die Gimpel und anderes' 
Federvieh und jammerren ob meiner ZUrückkunfr. Denn dil^ 
Gimpel »leinten alle. ich käme nicht wieder, und da sie solche 
Gimpel find, alle Jahre mehr Gimpel zu we den, so glauben sie' 
es immer bei jeder Reise von Neuem wieder- Dächten sie 
nicht so: so wären es keine Gimpel! 
Ich riß mich los, drück!« den Löwen an meine Brust, schüt 
telte bem Bären auf acht deutsch ß;e Hand und eilte in meine 
Druckerei. . 
Welche Scene! Welches Wiedersehen! Welche Thränen! 
O könnt' ich mir Angely's Pinsel malen, oder hätt' ich die 
andere halbe Stimme der Mlle. Sontag, um diese zarten eiegi, 
scheu Momeiile zu bezeichnen. 
Zuerst die Rührung meines Verlegers, des Herrn Krause. 
Lieber Leser, hast Du schon einen gerührten Verleger gesehen! 
Eine 36jährige Jungfrau an ihrem Vermählungstage, ein Mjäh« 
rigcr Ehemann an seinem Schkidungslage, gewähren keinen 
solchen wundersam freudigen Anblick, als ein gerührter Verleger!
	        
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