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Volume No 7, 13. Februar 1836

Full text : Berliner politisches Wochenblatt (Public Domain) Ausgabe 1836 (Public Domain)

Berliner  politisches  LMocherMatt.
dious  ne  voulons  pas  la  contrerevolution,
mais  le  contraire  de  la  revolution.
33on  Meson  Blatte  erscheinen  wöchentlich  i,  li  bi«  2  Bogen.  E«  wied  durch  alle  Postämter  und  Buchhandlungen  Deutschland«  bezogen  ;  die
lehtern  belieben  sich  an  Keren  JF.  Diimmler  in  Berlin  zu  wenden.  Der  vierteljährige  Pranumerationsvrei«  beträgt  t  Rthlr.  IO  Sgr.

•ft=  7.  '  Berlin,  den  13 ten  Februar.  1836.

Bericht  über  die  neuesten  Zeitereignisse.  —  Die  gegenwärtige  Lage  Frankreich«.  —  Glosse.

Bericht  über  die  neuesten  Zeitereignisse.
Berlin,  de»  II.  Februar  1836.
Die  Nachrichten  aus  Madrid  geben  Kunde  von  einem ­
  jener  CabinetSkämpse,  an  welchen  das  „konstitutionelle
Leben"  reich  ist.  Bei  den  Erörterungen  über  das  neue
Wahlgesetz  in  der  Depurirtenkammer,  hatte  sich  gezeigt,  daß
Mendizabal  nicht  über  die  Mehrzahl  der  Stimmen  gebiete»
könne,  indem  seine  politischen  Gegner:  Martine;  de  la  Rosa
und  Toreno,  das  Verwerfen  mehrerer  Artikel  des  ProjectS
zu  bewirken  vermochten.  Der  entrüstete  Premierminister
scheint  hierauf  der  Königin  Christina  mit  seiner  Entlastung
gedroht  zu  haben,  wen»  sie  nicht  in  die  Auflösung  der  widerspenstigen ­
  Versammlung  willige.  Aus  die  Nachricht  von
diesem  Vorsatze,  sind  von  dem  Stadtrathe,  den  Kaufleuten
und  andern  Notabilitäten  des  Madrider  Mittelstandes,  Aufforderungen ­
  an  die  Königin  ergangen,  den  Unentbehrlichen
zu  erl-alten,  und  in  Folge  dessen  hat  die  Regentin  die  Cortez
  am  24.  Januar  aufgelöst.
Dieser  Preis  für  den  Besitz  des  genannten  Staatsmannes ­
  kann  um  so  mehr  als  gering  betrachtet  werden,  da
derselbe  eben  jetzt  dem  Fortschritte  der  Zeiten  eine  neue
Bürgschaft  gewährt  hat.  In  einer  und  derselben  Nacht
sind  sämmtliche  Mönchsklöster  Madrid's  besetzt,  ihre  Bewohner ­
  aus  dem  Schlafe  geweckt,  und  bedeutet  worden,  unverzüglich ­
  ihr  Gewand  abzulegen  und  ihre  Wohnstätte  zu
verlassen.  Was  die  Sekte  seit  Aranda  gewollt,  woran  sie
unverwandt  ftit  der  Mitte  des  vorige»  Jahrhunderts  gearbeitet, ­
  das  hat  Mendizabal  jetzt  ausgeführt,  und  dem  Hasste
der  politischen  und  religiösen  Revolution««»  die  Corporationen
  geopfert,  welche  in  Kirche  und  Staat  die  alte  Ordnung
der  Dinge  zu  vertheidigen  berufen  schienen.  Der  Jubel  der
Parteigenossen  in  allen  Ländern  wird  sich  mit  dem  der  mörderischen ­
  Horde  vermischen,  die  in  Madrid  MendizabalS
Werk  ebenso  in  ihre  Begriffswelse  übersetzen  wird,  als  dieses
in  Barcelona,  ReuS,  Saragossa,  Valencia,  Taragona,  Sevilla ­
  geschehen  ist.
Nach  den  Gefechten  vom  16.  —  18.  Januar  sind  die
Christinos  in  den  baskischen  Provinzen  wieder  auf  die  strengste
Defensive  beschränkt.  Der  Verlust,  welchen  besonders  die
fremde»  Truppen  erlitten,  scheint  bedeutend  zu  seyn;  von  der
französischen  Fremden-Legion  geben  die  royalistischen  Berichte
zu,  daß  sie  sich  tapfer  geschlagen  habe,  nicht  gleiches  Lob  wird
den  Engländern  zu  Theil.  Cordova  sicht  gegenwärtig  dicht
um  Vitoria,  die  Royalisten  unter  Eguia  haben  die  Linie
von  Villareal  bis  Salvatierra  inne.  Don  Carlos  und  seine
Umgebung  befinden  sich  in  Onate.
Wie  gesichert  diesem  Fürsten  die  Verhältniße  auf  dem
Hauptschauplatze  des  Krieges  erscheine»,  geht  daraus  hervor,
daß  er  eine  ueue  Expedition  nach  Catalonicn  absendet.
Sechstausend  Mann  unter  dem  Grafen  Villcmur  haben  sich
in  Marsch  gesetzt,  und  sollen  den  24.  Januar  schon  in  Tremp
an  der  Noguera  angekommen  seyn.  Bei  dem  Zustande  dieser ­
  wichtigen  Provinz,  in  welcher  bereits  die  Royalisten  Herren ­
  deS  flachen  Landes  sind,  könnte  eine  solche  Unterstützung
durch  regelmäßige  Truppen  leicht  entscheidend  werden.
Begreiflich  sind  die  französischen  Oppositionsblättcr
aller  Farben  auf  daS  eifrigste  bemüht,  die  große  Frage  des
Tages  gegen  das  doctrinaire  Ministerium  auszubeuten,  und
cS  charakterisirt  die  leichtsinnige  Oberflächlichkeit  deS  Volkes,
daß  die  Journalisten  es  wagen  können,  daS  „Deficit"  zum
Hanptgegenstände  der  Betrachtungen  zu  machen,  durch  welche
sie  ihre  Leser  unterhalten  oder  belehren.  Man  sollte  glauben, ­
  Herr  Human»  habe  plötzlich  ein  von  Niemand  geahnete«
  Geheimniß  aufgedeckt,  während  durch  die  Kammer-Verhandlungen ­
  aller  Welt  bekannt  seyn  mußte,  daß  seit  der

großen  Woche  die  gewöhnlichen  Einnahmen  niemals  zur
Deckung  der  Ausgaben  hinreichten,  daß  diese  Differenz  im
Laufe  von  fünf  Jahren  auf  mehrere  hundert  Millionen  angestiegen, ­
  und  durch  nichts  zu  decken  war,  als  Verkäufe  von
Staatswaldungen  und  Anleihen;  —  er  ist  in  unsern  Blättern ­
  so  oft  von  dieser  wunden  Stelle  der  glorreichen  Revolution ­
  die  Rede  gewesen,  daß  wir  uns  weiterer  Erörterungen ­
  begeben  zu  können  glauben.
Nicht  minder  bezeichnend  für  den  Wandel  aller  irdischen ­
  Dinge,  selbst  der  politischen  Bedeutsamkeit  „großer
Bürger,"  erscheint  der  Umstand,  daß  Lafitte  —  einer  der
Hauptbegründer,  und  eine  Zeit  lang  der  Held  des  neuen
Staatsthums  —  für  rathsam  erachtet  hat,  die  Renten  -  Reduction
  nicht  selbst  vorzuschlagen,  sondern  sich  bescheiden  einem ­
  Mitgliede  der  Majorität  anzuschließen,  damit  der  Antrag ­
  den  Kammern  annehmlicher  erscheine.  8ie  transit  gloria
  mundi!
Der  hiernach  von  Herrn  Gouin  vorgelegte  Entwurf
besagt  Folgendes.  Binnen  drei  Monaten  erfolgt  der  Umtausch ­
  der  fünfprocentige»  Rente,  »ach  der  Wahl  der  Besitzer, ­
  gegen  vier-  oder  dreiproceiilige,  nebst  sechs  Annuitäten ­
  von  1  Frank,  oder  beziehungsweise  dreizehn  Annuitäten
von  2  Franken.  Alle  nicht  auf  diesem  Wege  beseitigten
fünfprocentige»  Renten  werden  Behufs  der  Ablösung  zu  dem
Course  von  100,  in  Serien  getheilt,  und  successive  durchs
Loos  bestimmt;  der  Reserve-Fonds  der  TilgungScasse  oder
neue  Anleihen  zu  vier  oder  drei  Procent,  liefern  die  Mittel
zur  Ablösung.  Die  hierdurch  bewirkte  Verminderung  der
Ausgaben  kommt  sogleich  dem  Budget  zu  Gute,  vorläufig
wird  jedoch  wenigstens  die  Hälfte  der  ersparten  Summe  verwendet, ­
  die  früher  erwähnte»  Annuitäten  einzulösen.  Die
Berathungen  darüber:  ob  dieser  Vorschlag  in  Erwägung  zu
ziehen  sey,  haben  in  der  Deputirteu-Kammer  bereite  begonnen, ­
  aber  so  weit  die  Nachrichten  reichen,  noch  zu  keiner
Entscheidung  geführt.  Die  Einwendungen,  welche  von  den
Anhängern  des  Ministeriums  dagegen  erhoben  werden,  treffen ­
  nur  das  Zeitgeniäßc  der  Maßregel,  deren  Rechtlichkeit
man  nicht  in  Frage  zu  stellen  wagt,  allein  auch  die  in  jener ­
  Beziehung  angeführten  Gründe  erscheinen  äusserst  schwach;
es  wird  mit  einem  Bankerout  gedroht,  weil  die  Regierung
nicht  im  Stande  seyn  würde,  das  gesammte  Capital  auszuzählen, ­
  wenn  die  Renten-Jnhaber  dieß  verlangten,  —  in  sofern ­
  die  Ausführung  von  diesem  Umstande  abhängig  ist,
würde  die  Conversiön  wahrscheinlich  bis  zu  dem  Ende  der
Dinge  ausgesetzt  bleiben  müßen.
Ausser  dem  bereits  erwähnten,  sind  noch  zwei  Vorschläge
von  Mitgliedern  der  Deputirtcn-Kammer  gemacht  worden,
deren  Grundsätze  wir  ebenfalls  berühren  zu  müßen  glauben.
Nach  der  Proposition  des  Herrn  Bodin  erhalten  alle  Besitzer
fünfproccntiger  Renten,  welche  in  einer  dreimonatlichen  Frist
nicht  die  Rückzahlung  des  Capitals  fordern,  4^procentige
Papiere  mit  dem  Versprechen,  daß  binnen  zehn  Jahren  keine
neue  Verminderung  stattfinden  soll;  ausserdem  kann  ihnen  eine
achtjährige  Annuität  von  \  Procent  durch  den  Finanz-Minister ­
  bewilligt  werden,  dessen  Ermessen  auch  die  Wahl  de»
Zeitpunktes  überlassen  bleibt,  zu  welchem  die  für  das  ganze
Geschäft  nothwendige  Anleihe  am  vortheilhaftesten  zu  machen
ist.  Sechzigjährige  Rcntenbesitzcr,  welche  in  die  Rcduction
willige»,  erhalten  statt  der  Annuitäten,  eine  diesen  gleichkommende, ­
  auf  ihre  Person  lautende  Leibrente.  Noch  ungünstiger ­
  für  den  Schatz  sind  die  von  Herrn  Boissiere  in
.Antrag  gebrachten  Bedingungen,  wonach  jene  Besitzer,  ihrer
Wahl  gemäs,  vier-  oder  dreiprocentige  Papiere,  und  ausserdem ­
  lebenslängliche  Leibrenten  von  1  und  beziebungsweise  2
Franken  vom  Hundert  des  Capitals,  erhalten  sollen.
Es  scheint  unnöthig  in  die  Einzelnbeiten  de»  Processes
7
            
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