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Periodical volume Nr. 30, 04.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Bezugspreis 
M SsC'f)otung aus heit Nebenstellen 
tievteljä^rltrf) 4.05 Mark; durch Bolen 
ins Haus gebracht 4,50 Mark. 
(Kriedonaurr -MZ 
UllparteiWe Scituno für Vlg.-Fnedenlrv nnö 
Erscheint tZgiich abends. 
Fernsprecher: Amt Pfalzburg 2129. — Druck und Verlag von Leo Lchulh, 
Z 0 i t « N g) ,,, Anzeigen 
_ — nur für unbestimmte Tage - 
dkll Frledelllmer Lrütekl vrra klhögröerg. s eiie oder bc« 
Mus 4« «ff««« g|.. Je st u nt 7.) Psg. Xnc 9?cf Isttnc^cilc f ofic. 
cheschllslsstelle. "ykmsik. 15. 4,— Mark. Bstegnumnier 15 PP. 
Berlin-Friedena«. Rhetnstraste 1L. - Fernsprecher: Amt Pfalzburg 2129. 
Ar. 38 
Berlla-FrleLeva«, Mittwoch, den 4. Februar 1838 
8°hrg. 37 
Grotz-Derllo bi» 1831 vertagt? 
Wie loir von einer sonst gut unterrichteten Stelle 
hören, will die Regierung den Zeitpunkt der Inkraft 
setzung des Gesetze; (Kro>>Berlin ans den l. April 
192 1 verschieben. Inzwischen geht die Beratung 
des Gesetzentwurfes im grotzberlincr Ansschuft der Lan 
desversammlung weiter. Es ist kaum zu erwarten, daft 
die Landcsverfammlung noch vor dem 1. April d. IS. 
zur Verabschiedung des Gesetzes kommt, weil sic bis da 
hin noch die Verfassung und andere wichtigere Fragen 
zu erledigen hat. Möglich ist jedoch der Erlaß eines 
N o t g e s e tz e s zum 1. 4. d. Is., damit die Gemeinden Klar 
heit baden über die rechtlichen Verhältnisse und damit die 
Steuern und Finanzen Grosz-Berlins bereits vom 1. April 
d. Is. geregelt werden. — Unsere Nachbarstadt Wil 
mersdorf bat der Landesversammlung eine Denk 
schrift unterbreitet, in der ,,die dringende Bitte" aus 
gesprochen wird,, „bei der Beschluftiassung über die zu- 
lünstige Einheitsgemeinde Groß-Berlin den Wilmcrsdorfer 
Verwaltungsbezirk derart zu bilden, daft ihm das ganze 
gegenwärtige D a h l e m e r Gebiet angeschlossen wird." In 
der Begründung wird namentlich auf die über Wilmers 
dorf nach Dahlem gehende Untergrundbahn sowie auf die 
Straßenbahnen, die später über WilmerSdorfer Gebiet 
nach Dahlem zu führen sind, hingewiesen. „Künftig wer 
den" — so heiftt es in der Denkschrift, „die Straßen 
bahnen durch den diagonal gerichteten Südwestkorso 
auf Wilmersdorfer Gebiet nach dem Breitenbach-Platz und 
Dahlem herunterfahren. Schon heute stehen zwei Straßen 
bahnlinien (69 und O) auf dem Südwestkorso zur Fort 
setzung nach Dahlem bereit". 
Oytsnachricbttffr) 
(Nachdr. untrer o-DrWInolurUkel nnr mit Quellenangabe «Hhittel.) 
o Unfallversicherung der Kinder der höheren Schulen. 
Die Kinder unserer Volksschulen sind seit Jahren auf 
Kosten der Gemeinde bei der „Freia" versickert. Für eine 
jährliche Prämie von 50 Pfg. für jedes Kind zahlt die 
Versicherung die entstehenden Arzt- und Apothekerkosten, 
1500 M. für den Todesfall und 5000 M. für den Jn- 
validitätsfall. Das Schulkuratörium empfiehlt nun, auch 
die Kinder der höheren Schulen nicht mehr auf Kosten 
der Eltern, sondern vom 1. April 1920 ab auf Ge 
meindekosten zu versichern. 
o Als Polizeiwachtmeister des Amts- und Gemeinde- 
bezirks Berlin-Friedenau ist der bisherige Polizeiwachv- 
meister a. Pr. Gustav Frickmann bestätigt und verpflich 
tet worden. 
o Eine Hinterlassenschaft <100 000 M.) für erwerbs 
unfähige Kriegsbeschädigte hat die am .3. Februar v. Is. 
verstorbene Frau Anna Kelch, Wiesbadener Str. 9 wohn 
haft gewesen, letztwillig bestimmt. Durch einen Entscheid 
des Amtsgerichts wird die Gemeinde als Verwalterin der 
Hinterlassenschaft angesehen. Der Gemeindevorstand emp 
fiehlt nun der Gemeindevertretung, den Erwerb der Hin 
terlassenschaft für den Fall, daft sie der Gemeinde end 
gültig zugesprochen wird. 
o Steuererklärungen mit Doppelsormularen. Der 
Reichsfinanzminister der Finanzen hat angeordnet, daft in 
Zukunft allen Steuerpflichtigen je zwei Steuererklärungs 
formblätter zugesandt werden, von denen daI eine für 
den eigenen Gebrauch des Steuerpflichtigen all! Kontroll- 
Wschrist bestimmt ist. Von dieser Neuerung soll bereits 
bei der Veranlagung der Kriegsabgaben Gebrauch ge 
macht werden. 
o Erhöhung t - Maraarln'w-eise. Die Margarine wird 
hauptsächlich ans ausländische» Rohstoffen hergestellt, deren 
Preise infolge der weiteren Entwertung der deutschen 
Reichsmark stark gestiegen sind. Der Rcichswirtschafts- 
ministcr hat sich daher gezwungen gesehen, vom 15. Januar 
d. Is. ab den Preis für die im Inland hergestellte Mar 
garine auf 14 M. für das Kilogramm zu erhöhen. Dieser 
Preis dürfte bis zuni 1. April seine Gültigkeit behalten, 
weil die bis zu diesem Termin erforderlichen Rohstoffe! 
bereits zur Verarbeitung erworben sind. Der Margarine- 
preis von 14 M. kann noch als niedrig bezeichnet werden, 
wenn man bedenkt, daft die fertig aus dem Ausland 
eingeführte Margarine 30 M. das Kilogramm kosten würde. 
Nur infolge der rechtzeitig mit dem Auslande getätigten 
Abschlüsse war es möglich, Margarine ohne Reichszufchüsse 
zum Preise von 14 M. für das Kilogramm ab Fabrik 
abzugeben. 
o Die Forensaleinkommensteuer der Charlottenburger 
Wasserwerke ist nach einem auf Entscheidung des Ober 
verwaltungsgerichts rechtskräftig gewordenen Beschlusse um 
36 168 M. für 9 Steuerjahre ermäßigt worden. Die Ge 
meinde muß diesen Betrag jetzt zurückzahlen. 
o Kirchliches. Im vergangenen Jahre sind hier 547 
Knaben und Mädchen konfirmiert worden. Getauft wur 
den in unserer Kirche „Zum Guten Hirten" 288 Kinder, 
getraut 257 Paare. Ferner haben 388 Beerdigungen mit 
kirchlichen Geleit stattgefunden. Die sämtlichen Kirchen 
kollekten ergaben den Betrag von 15 960,47 M. 
o Gemeinbediakonie. Von den evangelischen Gemeinde 
schwestern in unserem Orte wurden im vergangenen Jahre 
187 Kranke gepflegt. Der hiesige evangelische Altmütter 
verein zählt 65 Mitglieder, der Jungfrauenverein 75, 
die Handarbeitsschule" 78 und die Kleinkinderschule 50 
Mitglieder. 
o Ziehzeit für Hausangestellte. Bestimmte Zu- und 
Abgangstage für Hausangestellte bestehen nicht mehr. 
Nachdem durch Aufhebung der Gesindeordnungen die Vor 
schriften des D.G.B. für den Angcstelltenvertrag maß 
gebend sind, gibt es keinen polizeilich festgesetzten Zuzugs- 
bezw. Abzugstag mehr. Der Hausangestellte muß zur 
vereinbarten Zeit seinen Dienst antreten und darf ihn erst 
nach Beendigung des Dienstverhältnisses verlassen. 
o Wohnungen für die Kriegsgefangenen. Endlich ist 
der Friede ratifiziert, endlich hat die Stunde der Er 
lösung für unsere gefangenen Kameraden geschlagen. Fünf 
zehn Monate nach Abschluß des Waffenstillstandes können 
erst die Kriegsgefangenen an ihre Heimkehr denken. Für 
viele wird jedoch die Heimkehr eine Enttäuschung insofern 
bedeuten, als sie eine Wohnung überhaupt nicht oder nur 
unter sehr erschwerten Umständen finden werden. Der 
ReichZbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und 
Kriegshinterbliebenen, Ortsgr. Friedenau, Kaiserallec 91, 
richtet an alle, denen es möglich ist, Wohnräume zur 
Verfügung zu stellen, die Bitte, den heimkehrenden KriegS- 
gefangcncn durch Ueberlafsung von Wohnräumen zu helfen. 
Viele Faniilien der Kriegsgefangenen mußten, da die ge 
währten Unterstiihungen durchaus unzulänglich waren, 
während des Krieges ihre Wohnung ausgeben und eine 
kleine oder schlechte beziehen. Ledige Heimkehrer werden 
bei der herrschenden Zimmer- und Wohnungsnot nur 
unter sehr schwierigen Umständen ein Unterkommen finden. 
Pflicht eines jeden ist es, auch in dieser Beziehung den 
Heimkehrern zu helfen, die jahrelang für die Heimat ge 
litten lwben. 
o An das deutsch« Volk wendet sich der „ReichSbuud 
der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Hinterblie 
benen" in einem Aufrufe, in lvelci>em es heißt: Die 
Ratifikationsurkunden, die der Welt den Frieden bringen 
sollen, sind in Paris ausgetauscht worden. Der Krieg ist 
zu Ende. Die Folgen des Krieges dauern aber in Ge-, 
stakt von Armut und drückenden Lasten.fort. Jeder deutsche 
Bürger wird seine ganze materielle und moralische Kraft 
zusammennehmen müssen, um die Erfüllung der harten 
Pflichten zu ermöglichen, die Deutschland durch den Frie 
densvertrag auferlegt sind. Ueber die Pflichten dieses 
Friedensvcrtrages hinaus besteht aber noch die andere 
moralische Verpflichtung dcS gesamten Volkes, für die 
Opfer dieses entsetzlichen Krieges zu sorgen. Zwei Millionen 
deutsche Brüder haben in diesem Kriege den Tod gefunden. 
Millionen Witwen, Waisen und Kricgseltern sind durch 
den Krieg in tiefste Trauer und drückende Not geraten. 
Eineinhalb Millionen Kriegsbeschädigte haben ihre Arbeits 
kraft ganz oder teilweise eingebüßt. Nach erfolgter Ra 
tifizierung des Friedensvertragcs bitten wir das ganze 
deutsche Volk, sich diese furchtbare Tatsache noch einmal 
zu vergegenwärtigen. Deutsche Männer und Frauen! Ver 
gesst die Kriegerwitwen und Waisen nicht, gedenket der 
Kriegsbeschädigten! Das deutsche Volk, das in den letzten 
Wochen die Kraft besessen hat, sowohl für die Gefangenen 
als auch für die armen Brüder in Oesterreich und die 
hungernden Kinder in Wien einzutreten, wird gewiß auch 
bereit sein, in der Unterstützung der eigenen Kriegsopfer 
bis an die Grenze des Möglichen zu Zehen. Wir bitten 
daher die gesamte Bevölkerung, sich an der am Sonntag, 
den 8. Februar in der „Neuen Welt", Hasenheide» 
stattfindenden Massenkundgebung für die Kriegsopfer in 
Deutschland zahlreich zu beteiligen. 
o Wohnungsverband und Höchstmieten. Vom Mieter- 
Verein des Groß-Berliner Westens wird uns geschrieben: 
Die Nachrichtenstelle des Wohnungsverbandes Groß-Berlin 
läßt eine Mitteilung verbreiten, daft der vom Verbands 
ausschuft Anfang Januar gefaßte Beschluß, nach welchem 
20 Prozent Zuschlag und ein weiterer Reparaturkosten. 
Zuschlag von 15 bezw. 20 Prozent für zulässig erachtet 
werden, wegen „seiner praktischen Zweckmäßigkeit all 
gemein anerkannt" worden ist. Dem Wohnungsverband 
scheint demnach nicht bekannt zu sein, daß die Mieterschaft, 
also 95 Prozent der von dem Beschluß unmittelbar betroffe 
nen Bevölkerungskreise, über diese Regelung auf das Höchste 
empört sind, und sie für ungerecht und gesetzwidrig hakten. 
Die Ausnahmebestimmung der Höchstmietcnanord- 
nung, die nur unter ganz bestimmten, engbegrenzten Vor 
aussetzungen dem Vermieter eine Reparaturzubuße zu 
billigen wollte, ist vom Wohnungsverband gegen das Gesetz 
einfach zur Regel gemacht. Die Mieterschaft wird alles 
daran setzen, um die durch die wirtschaftliche Lage des 
Hausbesitzes keinesfalls gerechtfertigten Zuschläge zu Fall 
zu bringen. Sie hat längst das Vertrauen zum Hausbesitz 
verloren, daft er die ihm bewilligten Zuschlüge auch Nnrk- 
lich diesem Zwecke zuführen wird. 
o Die WeihnachitSbescherung der Ortsarmen hat auch 
in diesein Jahre wieder durch die Evangelische Frauen 
hilfe stattgefunden. Die Kirchenkassc gab hierzu 2000 M., 
die politiscke Gemeinde 5000 M. und durch freiwillige 
Spenden kamen über 3000 M. zusammen. Insgesamt 
wurden 234 Familien und Einzelpersonen beschert. Die 
bedürftigen Gemeindemitglieder erhielten teils von der 
Frauenhilfe gekaufte, teils selbstgefertigte Geschenke, wie: 
40 Beinkleider, 4 Laken, 26 Strümpfe, 34 Jacken, 2 
Schürzen, 72 Hemden und viele Kinderbckleidungsstücke, 
wozu noch bare Unterstützungen von rund 3200 Marl 
kamen. 
o Die Vereinigung Berl.-Friedenauer Lebensmittek-- 
händler hielt am 30. Januar im Restaurant Kaiser-Eiche 
seine gut besuchte Generalversammlung ab. Wegen Erkran 
kung des Vorsitzenden Herrn Gericke, leitete der stcllv. 
Vorsitzende Herr Habermann die Versammlung, stellte 
fest, daß die Einladungen rechtzeitig erfolgt sind, wünschte 
Lwei Cestatnen!?. 
Roman von F. Stolze. 
50 (Nachdruck verboten 1 
In der Ebene selbst, am Fuße der Plattform, rings 
um die oorüberströmenden Djugs (offene Wassergräben) 
waren zahlreiche Maultiere und Pferde von der edelsten 
Raffe bis zum kleinen Bergklepper angeseilt, bewacht 
von den Maultiertreibern und Pferdeknechten. 
Die Sonne hatte etwa drei Viertel ihrer Tagesbahn 
vollendet. Aus den Zelten der ersten Gruppe trat eine 
Anzahl Personen in männlicher Kleidung hervor, dte 
meisten von ihnen im besten Mannesalter, nur drei ganz 
knabenhaft. 
Alle wendeten sich dem Königsberge zu und schritten 
den schmalen Felspfad empor, der zum ersten Königsgrabe 
führt. Auf dem davorliegenden großen Felsvorsprunge 
machte Sie Mehrzahl der Gesellschaft Halt und versenkte 
(sich in die Betrachtung des großartigen Rulnenpanoramas. 
das sich von hier aus den Blicken bietet. Der mächtige 
Säulenwald, die sich malerisch anordnenden schonen Palaste, 
dahinter die weite Dalebene mit den sie umgrenzenden 
hohen Gebirgszugs, rechter Hand die phantastischen 
Bergspitzen des Kuh . A,ub und des Mmn Kalah, das alles 
bot im glänzenden Sonnenscheine ein zauberhaftes Bild 
dessen zarte Farbentönung sich von dem bellen Goldgelb 
des Vordergrundes bis zum glänzendsten Biolett, uber- 
spannt von einem tiefblauen Himmel, abstufte. Im Tale 
zerstreut lagen wie Oasen von Gärten umgebene einzelne 
Dörfer, und das Ganze erhielt reiches Leben durch dis 
die Plattform und die Fläche an ihrem Fuße geschäftig 
umwimmelnden Menschen und Tiere. 
Besonders die drei jungen Leute, die von den alteren 
wie von einer Korona umgeben waren, gaben Grem Ent 
zücken freien Ausdruck und jubelten laut ,n die klare Lull 
hinaus. Die reinen hellen Stimmen ließen erkennen, duft 
man junge Mädchen in Mäniiertracbt. nicht Knaben vor sich 
hatte, denen ein Teil der sie umgebenden Männer offen 
bar den Hof machte. 
Zwei Männer, der älteste und einer der jüngsten, 
waren im Hintergründe zurückgeblieben. Sie gingen un 
auffällig in das Königsgrad. Der ältere trat, während der 
jüngere im Eingang stehen blieb und bald nach außen, 
bald nach innen blickte, mit leisem Schritt an das hintere 
Sargbecken heran, beugte seine hohe Gestalt, griff mit 
der Hand hinein, bewegte sie in dem leicht klappernden 
Geröll, das den Boden bedeckte, hin und her, zog ein Pack 
Papiere daraus hervor und hob es triumphierend empor. 
Schnell prüfte er den Inhalt, versenkte dann das Ganze 
in feine Brusttasche und flüsterte seinem Begleiter zu: 
„Ich habe die Schriftstücke, Ewald, alle, es fehlt 
nichts. Aber laß dir nichts merken! Heut abend reden 
wir weiter darüber. Jetzt paß auf, wie ich es mache!" 
Ewald nickte zustimmend. Dann traten sie an die 
Oeffnnng der Grabkammer, und Oberst von Leppel rief: 
„Aber meine Herrschaften, wollen Sie denn ewig da 
draußen stehen bleiben und sich nickt auch einmal das 
Innere dieser interessanten Grabstätte ansehen? Sie ist 
ja zwar längst ausgeplündert, aber man kann doch immer 
noch erkennen, wie die ursprüngliche Anlage war. Zwei 
Särge haben offenbar in diesen leeren Becken gestanden, 
in denen wohl die Ueberreste des Großkönigs und seiner 
Gemahlin aufbewahrt waren. Davon ist natürlich jede 
Spur verschwunden, als die Irgn erobernden Horden die 
Gräber erbrachen und sich des reichen Schmuckes der 
Leichen und der Särge bemächtigten." 
Alles drängte hinein, auch die drei Damen, denen sich 
Hauptmann von Born und Achim von Leppel eng zur 
Seite hielten. So sehr sie es auch zu verbergen suchten, 
konnten sie doch den scharfen Augen der jungen Mädchen 
r'cht vcB-e'st n, mit wie mißtrauischen Blicken sie sich gegen 
üderwmtzken. Es war für Alice eine.schwcre Aufgabe. 
dem Hnuptmann mit sreunvticher Höflichkeit so zu begegnen, 
daß nickt jede Hoffnung in ihm erstickt wurde, und er doch 
auch nicht wagte, mit seinem Liebeswerben frei hervorzu 
treten. Gegen Achim durste sie gleichfalls ihre Neigung 
nicht zutage treten lassen, sondern mußte ihtt ganz als 
guten Freund der Familie behandeln, was für ihn, ob 
wohl er ihre wahren Gesinnungen kannte, oft schwer zu 
ertragen war. Aber es mußte sein, denn es stand zuviel 
auf dem Spiele. 
Für die übrigen freiwilligen Mitglieder der Expedition 
war natürlich dies kleine Intrigenspiel kaum erkennbar. Es 
waren wohlhabende junge Herren aus der Moselgegend, 
meistens Reserveoffiziere, einige nähere Freunde und Ge 
nossen Achims auf seiner früheren Forschungsexpedition, 
alle leidenschaftliche Jäger und abenteuerlustig. Nur zwei 
von ihnen waren oberflächliche Bekannte des Hauptmanns, 
der sie angeworben hatte. Einen wirklichen Freund oder 
auch nur Anhänger besaß er aber unter ihnen allen nicht. 
Es waren eben zu bedenkliche Gerüchte über ihn im Umlauf 
gewesen, und so begegnete man ihm denn mit kühler Höf. 
lichkeit. 
Die Gesellschaft brach auf und zog auf dem rauhen, 
am Bergabhange entlangführenden Felspfade weiter, vor- 
über an der tiefen Felsenzisterne, in der sich vor Zeiten 
das für die Paläste und die Gartenanlagen erforder- 
liche Wasser sammelte, bis man allmählich das zweite Königs, 
grab erreichte, das von den heutigen Persern mit den, 
Namen Hamam, d. i. Bad, belegt wird. Es enthält nur 
ein Sargbecken, beherbergte also vormals auch nur eine 
Leiche. Die an sich sehr schöne Aussicht wurde durch den 
tiefen Sonnenstand im Westen beeinträchtigt, und so 
zog man denn auf treppenartigem steilen Pfad in das 
Pantertal zu der Höhle hinab, in der, wie man durch den 
Hauptmann wußte, Arnold Werner gefangen genommen 
worden war. 
(Jortsetzung folgt.)
        
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