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Periodical volume Nr. 9, 11.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Nr. 9 
Berlin-Friedenau, Sonntag, den 11. Sonuat 1920 
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Fahrg. 27 
Sitzung der Gemeindevertzrwng i 
vom Donnerstag, den 8. Januar 1920. ! 
Tie Lebensmittelversorgung. 
Hierzu liegen folgende Anfragen vor: 
der Demokraten: Ist der Geiiieindevorstand be 
reit, über die Nahriingsinittelversorgung der nächsten 
Wochen Auskunft zu geben? 
der Sozialdemokraren: Hat die Gemeinde 
verwaltung alles getan, um die Lebensmittelversorgung 
in ausreichender Weise sicher zu stellen? 
Schösse Friedel (Soz.) beantwortet die Anfragen. 
Er meint, das; sich das Lebensmittelamt und seine Per 
son seit längerer Zeit einiger freunde oder vielmehr Nicht- 
freunde erfreut. Ob mit Recht oder Unrecht werde die 
Aussprache ergeben. Es sei auch Unsachliches mit hineinge 
kommen hcurcir die Zuschriften. Mit dem Weinkeller z. B- 
habe der Lebensmitlelschösfe nichts zu tun und unsachlich 
sei es auck>, wenn gesagt werde, das Lebensmittelamr 
wäre mit Trara ins Leben gerufen. Die Klagen, die in 
letzter Zeit hervortraten, richteten sich gegen die Brot- 
und Kartofselversorgung. Die Brotversorgung hat in der 
vorigen Woche stark gestockt, das lag aber nicht an einem 
Mangel des Lebensmittelamtcs, sondern an Dingen, die 
in der Natur der Sache liegen. Es lag wohl auch 
daran, daß das Mehl zum Januar teurer wurde. Wäre 
es billiger geworden, wäre man in Hülle und Fülle 
beliefert worden. Gesagt ivnrde. daß die Mühle nicht 
genügend Kohien gehabt härte. Jedenfalls aber sind die 
Bäcker völlig schuldlos. Sie hatten nicht so viel 
Mehl wie sie brauchten. Und das Mehl, das sie bekom 
men hatten, war für die nächste Woche zu teuerem Preise 
geliefert worden. Es sei da auch von einenl Angestellten, 
im Rathaus eine unrichtige Anordnung getroffen worden, 
indem einigen Bäckern gesagt wurde, sie dürsten das teure 
Mehl nicht verbacken. Dieses Versehen sei gerügt worden. 
Jetzt sei wieder Mehl da, für die nächste und die über 
nächste Woche sei gesorgt. Für die Stockung der Kar tos 
felversorg ung sprechen natürliche Umstände mit: der 
frühe Winter, der Einrritt von Frost, der Wagenmangel; 
dann aber auch die Indolenz in den Lieserungskreisen. 
Wir werden von 7 Kreisen beliefert. Bis jetzt haben 
wir erst den 4. Teil dessen erhalten,, was ivir an Kar 
toffeln erhalten sol'en. Im vorigen Jahre hatten wir 
schon 160 000 Zentner erhalten; es konnte da auch die 
Vorversorgung durchgeführt werden. In diesem Jahre 
fehlen diese Kartoffeln. Teilweise seien die Kartofseln auch 
im erfrorenen Zustande eingetroffen. Für die nächsten 
14 > T a g e ist Friedenau mit Kartoffeln versorgt, aller 
dings nur in i t 2—3 Pfund je Kopf (hört, hört; G.-B. 
Hugo Richter: Das ist traurig genug), das ist ein Zeichen 
der Zeit, liege aber nicht am Lebensmittelamt (Zuruf 
des G.-V. Hugo Richter). Es sei alles versucht worden, 
um mehr Kartoffeln heranzubekommen, die Versorgungs 
gebiete, die Landräte seien wiederholt gi aohut worden. 
Es habe alles nichts genützt.. Mehr als dch'Hichce der 
Kartofseln sei. erfroren. Mit Ter Gemüse- 
versorgung sei es ebenso. Sehr reichlich sei man 
jetzt mit Mohrrüben : beliefert. Aber die Hausfrauen 
kaufen sich keine . Vorräte, tr m sie wiederholt dazu 
aufgefordert wurden. Auch mi . "em Kohl sei es das 
Gleiche. Er habe gesehen, wie , -ländisches teureres 
Gemüse l . o^uat wurde, während m». das gut«' ■ ; (-toe 
deutsche Genius" Rchr laufe. (Hört, Huri!) <....Cv o.. 
andere Versorg:.. . ' i.ier nicht 'zu klagen. Nur über 
schlechte Hafersiockeu wurde auch geklagt. Das. sei ein 
Zeichen dafür. loie die Ware beschaffen sei, wenn sie frei 
gegeben werbe. Hafer sei frei. Für Haferflocken sei 
der Preis l.rr M.> während der Hafer mit i öl) hl. ge 
handelt w">">". Des weiteren werde sich der Lebens- 
mittelausschnß noch mit der Lebensmittelver,vrgnng zu 
beschäftigen haben, du sonst nn allgemeinen nicht zu 
Klagen Anlaß gäbe. Er yoise auch, wieder Kartofseln 
heranzubringen. Im S ch l e i ch Handel seien ihm Kar 
toffeln in unverblümter Weije angeooien worden. Kar 
toffeln sind also da, aber sie werden nur dem Schleich 
handel. zugeführt. Die Angriffe gegen ihn seien unge 
rechtfertigt. Ein Fehler sei von einer Stelle gemacht 
worden, "der wurde gerügt. — Bürgermeister Walger 
kommt auf die Zuschrift der S a l v m o n m üble in Nr. 7 
unseres Blattes zu sprechen, die er berichtigen müsse. 
Zu 1 bemerkt er, daß hier doch für die fehlenden Kar- 
tosfeln Ersatz in Mehl geleistet werden mußte und da 
hätte es doch für eine solche hervorragende Mühle ein 
Leichtes sein müssen, schnell mal einen Waggon extra 
zu liefern. Allerdings- sei es auch vorgekommen, daß 
mal ein Waggon vom Schlesischen Bahnhof bis hierher 
3 Tage brauchte. Zu 2 erklärt die Firma, daß ihr seit 
Monaten keinerlei Klagen zugegangen seien. Also seien 
ihr doch Klagen zugegangen, früher. Die Salomonmühle 
habe immer zu Klagen Anlaß gegeben. Zum 
3. Punkt sei es doch eigenartig, daß die Mühle vom 
1. Januar ab einen höheren Preis erhalte, während 
den Bäckern erst vom 6. Januar ab der höhere Preis 
zugestanden wurde. Wer zahlt da die Differenz? Tie 
Mühle sagt weiter, sie habe nicht zurückgehalten. Es 
wurde allerdings mitgeteilt, daß wegen Kohlenmangels 
nicht geliefert werden konnte. Ein Waggon, der keine 
Kohlen enthielt, sondern irgend eine andere Masse, ist 
von ihr zurückgeschickt worden, das ist richtig. Er sei 
auch nicht in der Lage zu sagen, ob daS Zusammenlreffen 
der geringen Belieferung mit der Erhöhung des Mehl- 
preiseS ein zufälliges sei. (Sehr gut). Die Bäcker treffe 
keine Schuld, daS stelle auch er fest. G-B. Leonhardt 
, fDemJ wendet sich zunächst dagegen^ dSÜ dig Ilufrugo* 
steiler * nicht zuerst gehört wurden. Er bemängelt cs. 
daß der Lcbensmittelausschuß seit langem nicht einbe- 
rufen wurde und daß auch der Fünferausschuß, der Herrn 
Friede! zur Seite gestellt wurde, seit dem 29. August 
nicht mehr getagt habe (hört, hört!). Es sei durchaus 
notwendig, den Lebensmittelausschuß öfter einzuberufen, 
damit der Lebensinitteldezernent erfahre, wie die Bevölke 
rung denke und um Ratschläge entgegenzunehmen. Früher 
wurden solche Ratschläge im- Lebensmittelausschuß ange- 
nommen und die Gemeinde sei dabei nicht schlecht ge 
fahren. Bei den Zuschriften in Zeitungen müsse man 
berücksichtigen, daß sie entstehen in Familien, die oft 
nicht ein und aus wissen vor Not. (Sehr richtig rechts 
und bei den Demokr.). Ta müßte mehr auf den In 
halt als auf die Form gesehen werden. Er spricht dann 
zu der allgemeinen Kartoffelnot in Großberlin, weist 
dabei auch aus den Pommerschen Landbund hin, der Kar 
toffeln zurückhalte. Hier müsse evtl, mit militärischer 
Macht vorgegangen werden. Man hätte es hier auch so 
machen sollen, wie in anderen Gemeinden, wo halbschlechte 
Kartoffeln schleunigst billiger verkauft wurden. Hier ver 
fallen jetzt die Kartoffeln einfach, wenn jemand in 
der bctr. Wache sie nicht erhalten konnte. Früher war 
das nicht der Fall. Zur Brotversorgung meint er, daß 
in der Weihnachtswoche manche Brotkarte gespart wurde 
durch das Kuchenbacken. Er habe das als Brotkommissar 
gemerkt durch den Umtausch von Brotkarten in Reisebrvt- 
marken. Es hätte also eigentlich ein Ueberfluß statt eines 
Mangels an Mehl vorhanden sein müssen. Man schiebt 
nun den Mehlmangel auf die schlechte Lieferung der 
Salomonmühle. Aber überall, in allen Nachbargemeinden 
gab es Brot soviel man haben wollte und da sollte die 
Salomonmühle ausgerechnet uns Friedeuauer schlecht be 
liefert haben? Sollte die Mühle nur gegen Friedenau 
solche Antipathie haben? Die 84 000 M. Zubuße für 
die Preisdifferenz hätte die Gemeinde tragen müssen, 
denn sie wäre der Allgemeinheit zu Gute gekommen. 
Man habe ja viel höhere Beträge für Gehälter usw. be 
willigt. Und hier hätte man durch diese Zubuße verhin 
dert. daß Polonaisen gebildet und wie in einem 
Falle geschehen, der Bäckerladen eingeschlagen wurde. 
Der Betrag sei nicht soviel wert, wie die Un- 
zufriedenl/eit. die andererseits erzeugt werde. Er ver 
mißt dann Mitteilungen über die Zuckerversorgung. In 
anderen Gemeinden würden Sonderzuckerraten verteilt und 
man habe dort., auch schon den Zucker für Januar am 28. 
und 29. Dezember ausgegeben, damit ihn die Hausfrauen 
zu Silvester verwerten konnten. Weiter wendet er sich 
gegen die „verfluchte B e r t u s ch u n g s p o l i t i f", die 
uns im Kriege so geschadet habe und jetzt wieder, womöglich 
noch ärger, betrieben werde (Zustimmung). Darnach bringt 
er den schon veröffentlichten Antrag ein. Vielleicht könne 
dieser Antrag zum Ansporn dienen. — Schöffe Friedet 
erklärt, daß die Leute, die ihn in seinem Zimmer täglich 
aufsuchen, es nie unbefriedigt verlassen (Zurufe). Die 
Bevölkerung habe oft recht sonderbare Vorstellungen von 
dem Lcbcnsinitlelaint. Werde an alte Leute über 60 Jahre 
etwas gegeben, fragt mau, warum nicht auch die 50 Jahre 
alten Leute etwas bekommen. Den Pfefferkuchen wünschte 
mau tauch für die Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahre. 
G7kan sähe daraus, wie sich die Leoensmittelverteilung im 
Kopfe einzelner Leute ausmale. Er spricht dann zur 
Zuckerversorgung. Tie anderen Gemeinden hätten 
Auslandszucker gekauft und dafür erhebliche Zubußen ge 
leistet, weil ■ V* davon auf die Ration angerechnet werde. 
So habe eine Nachbargemeinde 500000 M. für Zucker zu 
gesetzt. Er wendet sich abermals der Kartoffel- und Brot- 
versorgung zu und bemerkt, daß für verfallene Brotkarten 
voll Ersatz geleistet werde; daß es aber nicht zulässig sei, 
daß (bie Bäcker Karten gut schrieben. Dadurch bekomme die 
Statistik ein schiefes Bild. Tie Einberufung des Lebens- 
mittelausschusses wurde unterlassen, lveil wichtiges nicht 
vorlag. Zn den Sitzungen des FünseransschusscS sei viel 
fach nur ein Mitglied erschienen. — Bürgermeister Wal 
ger weist darauf hin, daß hieiZversucht wurde, viel aus 
wärtige Karten umzutauschen. Das scheine eine unklare 
Sache zu sein, nachdem die Weißenseer Schiebungen auf 
gedeckt seien. Ausfällig sei jedenfalls dieser, große Um 
tausch Auswärtiger Karten. — G.-V. Kamrowski (Soz.) 
betont, daß die Anfrage seiner Fraktion bezwecke, rückhalt 
lose Aufklärung zu schaffen. Er wendet sich zunächst der 
Kartofselversorgung zu und erwähnt die Zurückhaltung 
der Kartoffeln durch die Lieferer, daß noch viele Kar 
toffeln in der Erde liegen usw. (Vielfache Zurufe: Kohlen 
streik, Landarheiterstreik). Dagegen werden die Kartoffeln 
im Schleichhandel auch ins Ausland geschafft. Hafer- 
flocken habe er für 2 M. gekauft (Zuruf: 2,20 M.) und da 
mit eigentlich auch den Schleichhandel begünstigt. Man 
brauche sich bezüglich der Kartoffeln keiner Täuschung hin- 
zugeben, sie reichen nicht aus und man könne nur wünschen, 
daß nachher die Saatkartoffeln nicht fehlen. Auch an dem 
Getreide fehlen noch 600000 To., die durch Einfuhr be- 
schafft werden müssen. In den Zuschriften erblicke er 
einen Vorstoß gegen die Zwangswirtschaft. Wenn wir die 
betommen, werden die Verhältnisse viel schlimmer werden. 
Dann füllen sich nur die Hamsterkammern der Reichen 
oder die Waren werden ins Ausland geschmuggelt. .Aus 
diesem Grunde sei Zwangswirtschaft nötig. Seine Fraktion 
stehe nicht an, Kritik zu üben, wo solche erforderlich sei, 
man werde, nichts unversucht lassen, um die Lebensmittel 
versorgung so zu gestalten, daß wir vor einer Katastrophe 
b-wahrt bleiben. — G.-B. Frau Korsch (Dnat., beklagt 
sich darüber, daß bei den 3 Pfund Kartoffeln so viel schlecht« 
sind, daß kaum IV, Pfund genießbare übrig bleiben. St« 
möchte dann wissen, warum kein Brotaufstrich gegeben 
1 werde. Kinder üMteri trsckenes Brot zum Frühstück 
essen. — G.-V. Maulbccker (b. k. Fr) meint, daß der 
demokratische Antrag reichlich spät komme. Es werde 
darauf kaum eine andere Antwort erteilt werden, als sie 
von her Regierung schon der Groß-Berliner Abordnung 
gegeben wurde. Er sei als Staatsbürger gegen jeden 
Schleichhandel, unter dem die Allgemeinheit wieder zu 
leiden habe. So dürfe auch eine Gemeinde für ihre Ein 
wohner nichts im Schleichhandel erwerben, da hierdurch 
der Ernährungsplan des Ministers durchlöchert werde und 
die Stellung des Ministers ins Wanken komme. — G-V. 
Dr. S chultz (Dnat.)'bemerkt an Herrn Friedet eine be 
sondere Empfindlichkeit. Es freue ihn, daß ungerechten 
Angriffen entgegengetreten werde. Vor Weihnachten gab 
es hier leinen Brotmangel, wohl fehlte es mal bei diesem« 
oder jenem Bäcker an Brot, aber ein eigentlicher Brot 
mangel war nicht vorhanden. Tie Kartoffeln liegen viel 
fach noch in der Erde, der frühe Eintritt des Frostes 
und der Wagenmangel halfen dazu, daß die Kartoffeln so 
knapp sind. Tie Indolenz der Versorgungsgebiete müßte 
sich beseitigen lassen. In den Zuschristen könne er keinen 
Vorstoß gegen die Zwangswirtschaft erblicken; im Gegen 
teil er sehe darin nur einen Ausdruck für die Not, in 
der sich ein großer Teil der Bevölkerung befindet (Zu 
stimmung). — G.-V. Dr Anders (Dnat.) erblickt in dem 
Pommernbund nur eine Maßnahme gegen die Landarbeiter- 
nnruhen und Die Arbeitseinstellungen. Es liege doch heute 
so, daß zahlreiche Verordnungen erlassen, aber nicht be 
folgt werden. (Zustimmung.) Im alten Staat habe man 
ches doch besser geklappt. Tie großen Städte hängen von 
den großen Gütern ab. Der kleine Bauer braucht das, 
was er erzeuge, zumeist für sich selbst. Wenn es heißt, 
etwas abgeben, da sind alle gleich. Es gibt Großgrund 
besitzer, die würden gern liefern, wenn sie könnten (G.-V. 
Tettmer: Wenn sie einen anständigen Preis kriegen). Die 
Transportmittel machen viel aus. Er sei der Ansicht, daß 
noch viel vorhanden sei und daß noch viel herankommen 
werde. Es sei ja auch nicht mehr Krieg, so daß man ein 
Vertuschen nicht mehr zu üben brauche. Mit gutem Willen 
werden wir über Schwierigkeiten hinwegkommen. Wenn 
die Streike wegbleiben und wir gute Witterung behalten, 
werden wir alles bekommen. Wenn wir dann ruhig Blut 
behalten, werde es weiter gehen. — G.-V. Leonhardt 
(Dem.) wendet sich gegen die politischen Ausführungen 
des G.-V. Kamrowski und weist u. a. auf die Kohlenstreiks, 
die Landarbeiterstreiks usw. hin, die die Wurzeln für alle 
Ungunst der jetzigen Verhältnisse wären. Er bemerkt auf 
die Ausführungen des Schöffen Friedel, daß, wenn dieser 
dem Lebensinittclansschuß nichts zu sagen hatte, die 17 
Mitglieder des Ausschusses ihm aber vielleicht manches 
za sagen hatten. Tie Mitglieder des Fünferausschusses 
sollen ihre Aemter niederlegen, wenn sie sie nicht aus 
üben können. Unter großer Unruhe bei den Soz. erzählt 
er von großen Hamsterzügen auf einer Straße, unter 
denen alle Kreise, auch die Arbeiter stark vertreten waren. 
Ein Herr der sozialdemokratischen Fraktion habe ihm auch 
davon erzählt, wie er in Ostpreußen Schinken gehamstert 
hätte (Heiterkeit). So habe sich niemand über Hamstern 
und Schleichhandel zu beklagen. Und wenn wir alle nicht 
eiwas geheim gekauft hätten, wären wir alle schon 
verhungert. (Zustimmung.) Der Bürokratismus, der 
jetzt getrieben werde, sei schlimmer als früher. (Sehr 
richtig rechts, bei den Demokr. und Unabh). Das Ver 
tuschen wolle er verhüten. Die alte Regierung habe da 
durch gefehlt, daß sie alles vertuscht und verschwiegen 
habe. Schöffe Friedel erwähnt, daß der Brotaufstrich 
erst nach Anordnung verteilt werden darf. Mit den 
übrigen Vorräten an Lebensmitteln reiche man bis Ende 
März. Eine Kritik scheue er nicht, wohl aber verletze 
ihn die Art und Weise und das Hämische, das aus den 
Zuschriften spreche. G.-V. Müller (Dnat.) bestreitet es, 
daß die Mitglieder des Fünferausschusses nicht erschienen 
seien. Er habe nur einmal absagen müssen. Schöffe 
Friedel antwortet, daß gerade Herr Müller fast immer 
fehlte. Gewöhnlich sei nur Herr Bnth immer anwesend 
gewesen. G-V. Dettmcr (Unabh.) betrachtet die ganze 
Ernährungslage vom politischen Standpunkt. Er meint, 
es wäre wohl bin Geheimnis, in wie lveit der Kohlen 
arbeiterstreik zur Nichtbelieferung mit Kartoffeln beige 
tragen habe (Zurufe: G.-V. Leonhardt: Nanu, so dumm 
sind Sie doch nicht). Von der Regierung werde nicht 
großzügig eingegriffen. Man brauche nicht so weit zu 
gehen. Es gäbe städtische Güter, die noch die Kartoffeln 
in der Erde haben. (Zuruf: Landarbeiterstreik). Wenn 
mit militärischer Gewalt bei den Großgrundbesitzern ein 
gegriffen werde, könnte es '.passieren, daß die Grundbe 
sitzer sich mit Waffen zur Wehr setzen; denn man habe 
den Landwirten ja die Waffen ausgeliefert. Er erzählt, 
wie auf diese Weise ein M. d.N. vertrieben wurde. Herr 
Leonhardt solle nicht auf die Regierung schimpf«,, in der 
seine Freunde selbst sitzen. Nachdem G.-V. Maulbecker 
noch über Schleichhandel gesprochen, beantragt G.-V. Frl. 
Schütze (Dem.) Schluß der Aussprache. Tie Aussprache 
über die^roße Politik sei ja höchst interessant und be 
lehrend, aber man müsse doch auch zum Schluß kommen. 
Es sei auch gezeigt worden, wie schwer es die Hausfrauen 
hätten und daß sich das Lebensmittelamt größtmöglichste 
Mühe gebe, sie zufrieden zu stellen und darum könne man 
Schluß machen. — Der Schlußantrag wird angenommen 
und darauf auch dem Antrage der Demokraten, den wir 
schon reröffeütlicht haben, 'zuaestimmt. Es folgt noch eine 
per' Bemerkung des G.-V. Bnth. 
*•> . Maulbecker macht Mitteilung von einem 
Schreiben, das ihm zugegangen sei und welches sich mit 
den Angriffen beschäftigt, die Herr Wollny gegen Herrn 
Schöffen Friedel im Geeoerbeverein erhoben habe. Das 
pme Mreiben fei ,Mrg?rverein", das andere „fte
        
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