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Periodical volume Nr. 28, 02.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Dervgrpre!s 
M Mhvluirg uni den Nebenstellen 
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(Friedenauer 
WatteWe Zeltvng fürM.-FriedkMu ML 
Erscheint tklzlich abend«. 
Amt Pialchurg S12S. - Track »«> Verla« :>ou 2Lni!h, 
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Zeitung) 
dev FrirLttMer Süsteil von blhöneüekZ. 
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Nr. 28 
Berliu-Friedeua«, Montag, Den 2. Februar 1920 
Fahr». 27 
Für ein seldWMges Friedman! 
■ Kein Friedenauer Bürger, keine Bürge.in versäume 
heute Mond v,Uhr die öffentlichen Versamiittungen im 
Bürgersaal und im Homuthfaal, wozu der Friedenauer 
Bürgerrat einlädt. Es gilt, der Regierung und der 
Landesversammlung in einer eindrucksvollen Kundgebung 
den Willen der Friedenauer Bevölkerung für die Erhal 
tung der Selbständigkeit unserer Gemeinde zu bezeugen. 
Während Berlin und einige östliche und nördliche Ge 
meinden verständlicher Weise für eine Beschleunigung der 
Beratungen über den Gesetzentwurf Groß-Berlin eintreten, 
hat der Bürgerrat von Groß-Berlin in einer Entschließung 
an den 17. Arcsschuß der Landesversammlung den Gesetz 
entwurf als verfrüht bezeichnet, solange nicht feststeht, 
in welchem Umfange den Gemeinden die finanzielle Selb 
ständigkeit belassen bleibt und solange ferner keine Klar 
heit über den notwendig zu erwartenden kommunalen 
Lastenausgleich durch Reich oder Staat besteht. Wie wir 
aus Negierungskreisen hören, rechnet man auch dort nicht 
mehr mit der Möglichkeit, daß die Einheitsgemeinde Groß- 
Berlin schon am 1. April ins Leben treten kann. Wohl 
aber ließe sich dem in den Vororten zutage getretenen 
Wunsche nach Klarheit über die rechtlichen Verhält 
nisse nach deni 1. April sehr wohl dadurch Rechnung tragen, 
daß in das Gesetz eine Bestimmung aufgenommen werde, 
die bezüglich der Regelung der Steuern und Finanzen 
bereits am 1. Llpril Wirksamkeit erhält. Die Gemeinden 
hätten ihre Haushaltspläne einer zu bestimmenden Kör 
perschaft zur Genehmigung zu unterbreiten. 
OrtsnachHdbtetfi 
(Nachdr. unsrer o-Originalartlkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
Tie lahmgelegte Zentralheizung. 
Das graue Elend sitzt jetzt auch in den Räumen 
mehrerer Häuser init Zentralheizung und grinst aus allen 
Ecken! Nun ist auch vorläufig der Streit so manch ver 
mögender Promenadentante, der Habenden gegenüber den 
Nichthabenden, über den Kohlenkosten-Anteil bei der Ver 
rechnung plötzlich verstummt! Am Sonnabend, den 84. 
Januar, hat es seinen schon längst bier drohenden Einzug 
gehalten, just mit dem Einmarsch so vieler Entente-Sol 
daten in unsere Grenzmarken. Der Geist der Feinde spukt 
eben überall im Vaterlande umher und läßt uns nicht mehr 
zum ungezwungenen Lächeln kommen. Welche Genugturing 
für die verkörperte Bosheit, daß nun auch die Zentral 
heizung streikt! Soweit davon Personen betroffen werden, 
die wohlversorgt immer bei vollen Brotkörben gesessen und 
die wahre Not des Lebens bisher nicht so recht ernpfunden 
haben, kann man das Grinsen entschuldigen; aber große 
Volkskreise für die Sünden Einzelner leiden zu lassen und 
hohnvoll tatenlos zuzuschauen, ist verbrecherisch! Nur 
wenige haben im letzten Jahre, wie auch jetzt, übermäßig 
warm gesessen; denn es waren hie und da Schonzeiten für 
den Heizkessel eingelegt durch Reparaturen und Säuberung. 
Auch die Temperatur schwankte hin und her, trotzdem 
konnten einzelne Tage ohne nennenswerte Gesundheits 
schädigung von den Wohnungsinsassen, sofern sie jung 
und kräftig waren, hingenommen werden. Wenn aber die 
Nichtheizung in Permanenz erklärt wird, müssen Leiden 
sich einstellen! Die heizbare Küche allein schützt dagegen 
nicht, weil auch dazu die Kohlenmcngen fehlen und das 
schneller verbrennende Holz viel zu teuer ist. Was aber 
wird auS all den kleinen Kindern, aus kränklichen, alten 
und invaliden Leuten? Auch diejenigen geistig Schassenden 
sind in Übels.? Lage, die in ihrer durchkälteten und durch 
feuchteten Behausung ihren Berns auszuüben gezwungen 
Lmi Lerlsmeme. 
Roman von F. Stolze. 
48 (Nachdruck verboten) 
So sehr Werner den Mann verachtete, so kam chm 
doch eine Art von Mitleid mit ihm. Iennings fuhr fort: 
„Als ich Eie und die Ihrigen in Bombay kennen 
lernte, ging mir eine neue Welt auf. Ernste, ehrliche 
Arbeit, ein reines Familienleben, Wahrhaftigkeit, Menschen 
liebe, das alles trat mir entgegen. Ich kam mir dem 
gegenüber so verkvorfen vor, daß ich Ekel vor mir selbst 
empfand und versuchte, ein besserer Mensch zu werden. 
Es wäre mir auch, bei Gott, gelungen, wenn nicht der 
Hauptmann mit eiserner Fuchtel mich immer wieder in di« 
Sünde hineingepeitscht hätte. O, wie ich ihn hasse! 
Inzwischen war Ihre Tochter zur Jungfrau heran- 
geblüht und begann, jenen wunderbaren Einfluß auf mich 
auszuüben, von dem ich vorher zu Ihnen sprach. Ich 
kämpfte dagegen. Vergebens! Ich erlag der hoffnungs 
losen Leidenschaft immer mehr. Denn daß sie hoffnungs 
los war, erkannte ich nur zu gut. 
Da traten Ereignisse ein, die mir neuen Mut ein- 
flößten. Ich erhielt von dem Hauptmann die Nachricht 
von dem neuen Testament, von der Uebersendung der einen 
Ausfertigung an Sie, vom Tode Ihres Oheims und end 
lich die Anweisung, Ihnen womöglich dies Duplikat ab- 
zunehmen. , 
Gleich bei den ersten Mitteilungen erkannte ich, daß die 
Sache ins Rollen kam. Ihr Vetter war jetzt völlig auf 
meinen Beistand angewiesen, und ich hatte ihn, nicht er 
mich in der Hand. Endlich konnte ich aufatmen. Zwei 
Möglichkeiten waren mir gegeben. Entweder ich versuchte 
das Duplikat ds» Testamente» ln meinen Besitz zu be 
kommen, so daß ich sowohl dem Hauptmann als Ihnen 
meine Bedingungen vorschreiben konnte, oder ich schlug 
mich von vornherein auf Ihre Seite. Zu dem letzteren 
entschloß ich mich. Denn alles zog mich zu Ihnen hinüber.* 
flid oder gar noch Mitarbeiter angestellt haben. Wie viele 
itzen jetzt mit kalten Füßen und zitternden Fingern ver- 
lamint in den Wohnräumen, die, um leben zu können, 
ihr tägliches Pensum erledigen müssen. Wem packt da 
nicht der Ingrimm über solche Zustände? Haben die 
jenigen recht, die da sagen, die Kohlenwucherer warten 
höhere Preise ab, oder diejenigen, die den Bergleuten 
alle Schuld zuschieben? Die Zimmerinhaber mit Ofen 
sind trotz aller Kohlenkalamität doch die Glücklicheren; 
sie können heizen und wenn sie mangels anderen Materials 
das Holz meinetwegen aus dem .... Grunewald karren 
weise holen! Was aber können die anderen in Zentral 
heizwohnungen? Nur frieren, frieren und protestieren; 
doch wird der Hauswirt in jedem Falle sich auf die Force 
majeure (höhere Gewalt) stützen, wenn ihm oder seinem 
Stellvertreter ein Verschulden durch Unterlassung recht- 
zcitigeu Eindeckens mit Kohlen nicht nachgewiesen werden 
kann. Liegt aber tatsächlich ein Verschulden vor, so dürfte 
eine Schadenersatzklage beruflich Geschädigter zweifellos 
Aussicht auf Erfolg habe«; zumindest ist ein Mietsabzug 
gerechtfertigt! Ob es bei vorherigem Erkennen der rich 
tigen Sachlage auf dem Kohlenmarkt seitens zuständiger 
Stellen, wie auch Mieterräten, nicht besser gewesen wäre, 
eine generelle Anweisung auf Herabsetzung der Heiztempe 
ratur an wärmeren Tagen anzuordnen, will ich allein hier 
nicht entscheiden. Da anscheinend das große Uebel nicht 
besser wird, im Gegenteil im nächsten Winter die Kalamität 
noch schlimmere Dimensionen annehmen dürfte, bleibt als 
ultima ratio, das letzte Mittel für Bewohnbarkeit der 
Räume mit Zentralheizung: „die Wirte zur Aufstellung 
eines, meinethalben ... Kanonen-Eiserofens als Notbehelf 
in jeder Wohnung von Rechtswegen anzuhalten". Es 
geht nicht länger an, Hausbesitzern, gar Ausländern, denen 
das Wohlbefinden ihrer Mieter oft verdammt gleichgültig 
ist, Geld zu überweisen für Räume, die im gegenwärtigen 
Zustand äußerst gesundheitsschädlich sind! 
Richard Bernhardis-Bolfras. 
o Bevölkerungszunahme in Groß-Berlin. Nach dem 
vorläufigen Ergebnis der Volkszählung vom 8. Oktober 
v. Js. ist die Einwohuerzahl von Groß-Berlin von 
3 730 446 auf 3 801 235 gestiegen. Die Zahl der 
Einwohner von Berlin fiel dagegen von 2 071 257 auf 
1 902 759, während die Bewohnerschaft der Vororte von 
1659 189 auf 1 898 476 anwuchs. Die Zunahme ist bei 
den einzelnen Vororten recht beträchtlich, insbesondere bei 
Wilmersdorf, das von 109 716 auf 139 468 Bewohner 
anwuchs. Neukölln wuchs von 237 289 auf 261 549, Char 
lottenburg von 305 978 auf 321968. Von den „Landge 
meinden" wuchs Steglitz von 62 954 auf 83 404, Frie 
denau von 34 862 auf 44 011, Lichterfelde von 42 513 
auf 47 380, Tempelhof von 20 733 auf 34 409, usw. 
Frauen gibt eS in Groß-Berlin 2 079 262 gegen nur 
1 721 973 Männer. 
o 1 Liter Vollmilch 2 Mark. Nach der unter „Amt 
liches" heute veröffentlichten-Bekanntmachung der Fest 
stelle Groß-Berlin kostet ein Liter Vollmilch im Klüml- 
handrl jetzt 2 M. 
o Hi» Kubikmeter Gas 75 Pfg. Wie die deutsche 
Gasgesellschast im Anzeigenteil dieser Nr., bekannt gibt, 
erhöht sich der Gaspreis von der Aufnahme im Februar 
ab auf 75 Pfg. je Kbm. — Seitdem die frühere Engl. 
Gasanstalt „kommunalisier"' ist, ist der Gaspreis stetig 
in die Höhe gegangen. 
o Gegen die Vorschulklasse:!. Gegenüber der vor 
einigen Tagen verbreiteten Nachricht über angebliche sofor 
tige und völlige Beseitigung der Vorschulklassen sei darauf 
hingewiesen, daß der Unterrichtsminister in seinem Rund 
erlaß vom 30. Dezember 1919 die Schulaufsichtsbehörden 
„Das wollen Sle mich glauben machen nach Ihrer 
ganze:: bisherigen Handlungsweise?" brauste Werner auf. 
„Gemach, urteilen Sie nicht, ehe Sie gehört haben. — 
Ich hatte Ihnen schon vorher gesagt, daß die Reize Ihrer 
Tochter mich völlig gefesselt hatten. Runzeln Sie die Stirn 
nicht! Es ist nun einmal so. Ich sagte.mir, daß ich ein 
elender Kerl sei, mich zum Aufpasser über Sie und die 
Ihrigen herzugeben, wo ich doch wußte, weshalb Ihr Vetter 
mich mit diesem Amte betraut hatte. Ich beschloß, mein 
Leben zu wechseln. Miß Alice, das fühlte ich, würde 
mich zu einem anderen Menschen machen. Und so faßte ich 
mir denn Mut: Als Sie eines Tages mit Ihrer Gemah 
lin und Ihrem Sohne in Bombay waren, benutzte ich 
die Gelegenheit und öffnete Ihrer Tochter mein Herz." 
„Das soll ich glauben? Sie hat uns nie ein Wort 
davon gesagt!" 
„Ich weiß es. Denn sie hält Wort." 
„Was wollen Sie damit sagen?" 
„Hören Sie nur. Sie sah mich mit einem Blicke an, 
so verächtlich und niederschmetternd l O, ich werde es nie 
vergessen! Und dann fragte sie mich in einem Tone, kalt 
wie Eis: „Das wagen Sie mir zu sagen, Herr Iennings? 
Hat Ihnen Herr Hauptmann von Born auch diesen Auf 
trag gegeben?" 
„Bravo, mein Kindl" 
„Ich stand vernichtet. Sie wußte, wer ich war. Ich 
versuchte, ihr alles erklären, aber sie schnitt mir kurz 
das Wort ab und sagte mir, daß sie das Vorgefallene 
sofort nach Ihrer Rückkehr Ihnen und der Mutter mit 
teilen werde. Ich flehte sie an, es zu unterlassen, denn 
ich sah ein. daß schimpfliche Entlassung die Folge davon 
sein werde. Sie blieb unerbittlich. Endlich fand sie sich 
bereit, zu schweigen, wenn ich mich verpflichtete, sofort 
»egen dringender Familiinverhältniss« meinen Abschied 
zu fordern und mich nicht «i«der im Konstruktionsbureau, 
geschweige denn im Hause sehen zu lassen." 
„Al,o tc.. war die Ursache! Ich glaubte. Sie hatten 
Befehl vom Hauptmann dazu gehabt." 
ersucht hat, sorgfältig darauf zu achten, daß die Vorschul 
klassen nicht wieder im Rahmen der Volksschule aufleben, 
indem Schüler und Schülerinnen, die nach ihren Leistungen 
für höhere Schulen geeignet erscheinen, schon in den ersten 
Schulklassen in Sonderklassen zusammengefaßt werden. 
o Ms Ersatz für nichit gelieferte Kartoffeln gibt es in 
dieser Woche u. a. 400 Gr. Kartoffel walz mehl (nicht 
Kartoffelmehl, wie in den Amtl. Nachrichten steht). Ferner 
beträgt der Preis für die Dörrzwiebeln 3,20 M. 
o Maßnahmen gegen Kapitalflucht. Der Reichsfincmz- 
minister hat im Einverständnis mit dem Reichswirtschasts- 
minister und der Nationalversammlung eine Verordnung er 
lassen, durch welche Lücken in den bisherigen Bestim 
mungen zur Bekämpfung der Steuerflucht ausgefüllt wer 
den. Die bekannte Depot-Zwangsverordnung vom 24. Ok 
tober 1919 schafft nur eine Kontrolle für die inländischen 
Wertpapiere. Die neue Verordnung schreibt vor, daß 
bei der Auslieferung ausländischer Wertpapiere an In 
länder das zuständige Bezirksbesitzsteueramt verständigt 
werden muß. Man hofft auf diese Weise auch Geschäfte 
mit ausländischen Wertpapieren, soweit dieses möglich ist, 
z:lr Kenntnis der Steuerbehörde zu bringen. Ohne Kennt 
nis der zuständigen Besitzsteuerämter können Akkreditive, 
Auszahlungen, Gutschriften von mehr als 3000 M. für 
Ausländer in Zukunft nicht mehr bestellt und aus dein 
Auslande eingehende Wechsel, Schecks, Anweisungen usw. 
über 3000 M. nicht mehr eingelöst werden. , Auf Reichs 
währung lautende Geldkredite an im Auslande ansässige 
Personen und Firmen dürfen nur noch mit Einwilligung 
der Reichsbank gegeben werden. In den Steuerfluchtvor 
schriften und in der Reichsabgabenverordnuug sind de» 
Banken außerordentlich wichtige Aufgaben übertragen wor 
den. Es war daher angebracht, das Depot- und die De- 
positenaeschäfte auf solche Kreise zu beschränken, die das 
Geschäft bisher schon betrieben und ihrer Anzeigepflicht 
nach 8 76 des Reichsstempelgesetzes beim Inkrafttreten 
des Gesetzes gegen die Kapitalflucht vom 8. September 
1919 genügt haben. Durch besondere Vorschriften ist Für 
sorge getroffen, daß Sparkassen, Genossenschaften und Per 
sonen, die in den letzten fünf Jahren bereits Depot- und 
Depositengeschäfte betrieben, durch die neuen Vorschriften 
in ihrer Tätigkeit nicht beschränkt werden. 
o Erhöhung der internationalen Postgebühren. Aus 
Basel wird uns gedrahtet: Der schweizerische Bundesrat 
hat die Jnstrukttonen für die schweizerischen Delegierten, 
für die demnächst abzuhaltende internationale Konferenz 
festgelegt, die die Posttaxen den neuen Verhältnissen an 
zupassen haben wird. Dem Vernehmen nach wird u. a. 
die internationale Brieftare von 25 auf 40 und die Post 
kartentaxe von 10 auf 20 Centtmens erhöht werden. 
o 2>if Berliner Handelskammer zur Frage des Akkord 
lohnes. Die Handelskammer hat auf Grund einer An- 
ftage des Reichsarbeitsministeriums ein umfassendes Gut 
achten über die Zweckmäßigkeit der z. Zt. in Anwendung 
befindlichen Lohnsysteme erstattet, dem wir folgendes ent 
nehmen: Die Erfahrungen, welche die deutsche Wirtschaft 
letzthin mit der allgemeinen Einführung des Zeitlohn 
systems gemacht hat, beweisen, daß der Zeitlohn, ins 
besondere angewandt auf produktive Arbeitnehmer als un 
wirtschaftlich und schädlich zu bezeichnen ist, da er die Pro 
duktton auf einen niedrigen Durchschnitt herabdrückt. Dir 
Grundlage für ein gesundes und soziales Lohnsystem kann 
nach wie vor yrur der richttg gehandhabte Akkordlohn bilden. 
Auch Arbeitnehmer und Gewerkschaften haben sich vielfach 
dieser Erkenntnis nicht verschließen können. Der Wider 
stand gegen das Akkordsystem wird insbesondere durch die 
Mißstände bei seiner Handhabung hervorgerufen, das 
Akkordineisterfystem (Schwitzmeister), ferner das „Akkord- 
„.lem. Der kam erst später. Zunächst war tch völlig 
ratlos. Ich sah ein, daß ich ganz bei Ihnen verspielt hatte ^ 
wenn es mir nicht gelang, mir solche Verdienste um Sie^ 
und die Ihrigen zu erwerben, daß dem gegenüber alless 
andere in den Hintergrund treten mußte. Ich grübelte: 
und grübelte. Da erfuhr ich, daß Sie Ihren Urlaub, der' 
ja längst fällig war, einige Wochen früher, als Sie beab 
sichtigt hatten, antreten wollten, und daß Ihr Gepäck reise 
fertig war. Zugleich erhielt ich eine entsprechende Depesche 
von dem Hauptmann. Wenn irgend etwas geschehen 
sollte, jetzt oder nie war der Augenblick dazu. Höchste Eile 
tat no*. denn in zwei Tagen fuhr der P. and O. Steamer. 
Da ft; ß es mir durch den Kopf. Wenn in der Nacht 
vor der Abreise Ihr Bungalow in Flammen aufging, so 
daß Sie mitten im Schlafe elend verbrennen mußten, 
wenn Ihnen nicht Hilie von außen kam, ja, das war eine 
Gelegenheit für mich, wie sie nicht wiederkam. Aber wie 
sollte ich die Sache machen, damit kein Berdacht auf mich 
fiel? Ich durfte nicht in der Nähe des Bungalows fein, 
wenn der Brand ausbrach, ich mußte nur hinzukommen, 
und für das alles mußte ich Zeugen haben. Der Brand 
stifter mußte also ein anderer sein. AbÄ: wer? Da fiel 
mir ein Mann aus der untersten Schicht der Sudras 
ein, der nicht allzu weit von Ihnen im Walde wohnte, 
ein räuberischer Geselle, dem man alles zutraute. Ihn 
dang ich, er sollte in der Nacht vor Ihrer Abreise das 
Bungalow an allen Ausgängen zu einer bestimmten 
Stunde anzünden. Die Hälfte des Sündenlohnes bezahlte 
ich ihm tm voraus. Für mein Alibi lud ich mir am Abend 
vor dem Brande einige Freunde in mein Haus eine halbe 
Stunde oberhalb des Ihrigen zum Supper ein, mit denen 
ich dann rechtzeitig, den Weg herunterkommen wollte, der 
neben Ihrem Bungalow vorbeiführte." 
Werner horchte gespannt. Iennings atmete tief und 
fuhr fort: 
„Wir waren alle etwas angeheitert, als wir mein 
Haus, verließen. Auch ich selbst hatte mir Mut getrunken. 
iDrrtletzw' talgt.)
        
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