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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

dktlage zu SK? des „Frieder» «»«er ttokak-Anzetner" 
' ... - 1 t!Ä"J 
Sonntag, den 1 Februar 1920. 
OnstiachHcbteis 
(Nachdr. unsrer o-Oriqinalartlkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Ter 10. Kunstgemeinde-Abend, der am Freitag, 
den 23. d. Mts. im Auguste-Viktoricu-Lyzeum Steglitz 
stattfand, reihte sich den vorhergehenden in würdiger 
Weise an. Die Plätze waren, wie fast immer, ausverkauft. 
Als erster brachte uns der bekannte Flötist Hendrik 
de Vries das von ihm meisterlich vorgetragene Capriccio 
von Kempter zu Gehör und auch im weiteren Verlauf 
des Abend konnte de» junge Meister seinen guten 
Ruf als einer der ersten Flötenspieler bestätigen.. — Frl. 
Lilian v. Granseld hatten wir von einem früheren 
Kunsrabend in bester Erinnerung, leider war sie diesmal 
nicht ganz auf der Höhe, doch mag es an einer nicht sehr 
dankbaren Sei i!a Arie ans Meyerbeers „M-ütanerin" ge 
legen haben Trotzdem kamen die großen T >rzüge ihrer 
Gesangskunsr in den vorgetragenen Liedern von Reger 
und Strauß voll zur Geltung. Den größten Beifall fand 
Herr Hermann Boettcher. Man merkt innner wieder 
wie gerade in dieser ersten Zeit humorvolle Vorträge 
wie Labsal auf die Seele des Einzelnen wirken. Stür- » 
mische Lachsalven, nicht endenwollendcr Beifallssturm, den * 
Herr Boettcher durch 2 Zugäben minutenlang zum Still 
schweigen brachte, durchbrausten das Haus. Aber nur für 
kurze Zeit konnte man wirklich eine Stecknadel zur Erde 
fallen hören, dann brach um so intensiver der Jubel 
lds und nur langsam entfernten sich die Besucher, voll 
des Lobes über den genossenen Kunstgenuß. H. H. 
' o Die Ortsgruppe Mwlin-Friedenau des' Deutschen 
Seevercins hatte am 26. Januar ihre Mitglieder und 
Freunde im Gesellschaftszimmer des Ratskellers zu einem 
yandelspolitischen Abend geladen. Herr Korvettenkapitän 
Freyer, 1. Vorsitzender der Ortsgruppe, sprach vor 
einer zahlreichen Zuhörerschaft über das Thema „Hunger 
und Handelsflotte". Der Friede, der am 10. 1. in Kraft 
getreten, so ftihrte der Vortragende aus, hat uns auch 
unsere Handelsflotte genommen und damit nicht nur un 
serm Wirtsck>astsleben schwerste Schädigung zugefügt, son 
dern darüber hinaus den Hunger in Permanenz erklärt. 
Als England in den Krieg eintrat, war unsere Handels 
flotte lahmgelegt, in. den Häsen eingeschlossen, auch in 
den entferntesten Erdteilen. Damit begann für Deutsch- 
land der Hunger, der in erster Zeit, solange die Speicher 
gefüllt waren, sich wenig bemerkbar machte, der aber 
immer mehr in Erscheinung trat, eine in ihrem Druck 
sich immer verstärkende Schraube, die nur in ihrer Wir 
kung aufgehalten wurde durch die Hoffnung auf den Sieg! 
Ein Mittel zu diesem Sieg war der U-Bootkrieg. Die 
Feinde standen diesem hoffnungslos gegenüber, ja, in 
England erwartete man eine Verschärfung desselben. Der 
amerikanische Admiral Sims äußerte sich bei seiner An 
kunft in London April 1917 wörtlich darüber: „Die 
englische Admiralität selbst legte niir Zahlen vor, die 
die erschütternde Tatsache enthüllten, daß Deutschland auf 
dem besten Wege war, den Krieg nicht nur zu gewinnen, 
sondern auch so schnell zu gewinnen, daß das englisch« 
Weltreich sich in längstens 4—5 Monaten bedingungslos 
hätte ergeben müssen", eine Ansicht, zu der sich auch der 
englische Admiral Jellicoe bekannte. Roch am 29. 6. 18 
schrieb die Times: „Der englische Schiffbau unterliegt 
im U-Bootkrieg, der amerikanische dient nur den amerika 
nischen Truppen in Europa, weder England noch seinen 
Verbündeten. Diese Aufgabe bleibt England überlassen, 
eine Aufgabe, die England aber nicht mehr erfüllen 
kann." Trotz dieser wirklichen Erfolge und glänzenden 
Aussichten ging die Stimmung in Deutschland zurück. 
Der Hunger schwächte und entnervte uns, zu der körper 
lichen kam die geistige Rot. Die Stimmen mehrten sich, 
die nach Frieden riefen. Dem Feind konnte das nicht 
verborgen bleiben, es steifte seine m:• Willenskraft 
auf, während wir nachließen. So kau, : ,v Waffenstill 
stand zustande, dessen Früchte den Feinden ganz unerwartet 
in den Schoß fi::en. Zum Leben gehören nicht nur 
Nahrungsmittel, auch Rohstoffe, die erst das Arbeiten 
vieler Jndustrieen und die Lebenshaltung weiter Volks 
schichten ermöglichen. Trägerin dieser Zufuhr von außen 
ist die Handelsflotte, darum mitwirkend an der Preisbil- 
—(»Iiiu —————mmmmm——» 
2ge! Cestameim. 
Roman von F. Stolze. 
4 2 lNachdruck verbot ’ 
0o hatte man die direkt nach Shiraz oder Persepolis 
führende große Karawanenstraße vermieden und einen selten 
benutzten Seitenweg eingeschlagen, der an der altberühmten 
Hauptstadt des Ssaßanidischen Reiches, Firuzabad. nach 
vhiraz führt. Werner fühlte sich jetzt ganz sicher und 
unterließ alle besonderen Vorsichtsmaßregeln, da zweifellos 
feine Spur von den Baharlus nicht richtig aufgenommen 
worden war. Ob er jetzt einige Tage früher oder später in 
Shiraz ankam, war völlig gleichgültig, wenn er nur dann 
feine volle Spannkraft wiedererlangt hatte. 
Am vierten Tage nach seiner Flucht kam er am Vor 
mittag bei der Brücke von Faßa an, wo der direkte Weg 
oon Faha nach Shiraz mit dem von Firuzabad nach Shiraz 
zusammentrifft. Hier machte Werner, der zwei Stunden 
vorher sein Rachtauartier verlassen hatte, eine kurze Früh 
stückspause, um dann durch die weite fruchtbare Ebene 
dem nur noch neun Kilometer entfernten Shiraz im kurzen 
Salopp zuzueilen. 
Es mochte etwa eine halbe Stunde vergangen sem, 
als ihm auf der breiten Karawanenstraße eine dichte Staub 
wolke entgegenkam. Er achtete nicht weiter darauf. Auch 
als sie näher kam und er erkannte, daß sie etwa ein 
halbes Dutzend Reiter umhüllte, ließ er seinen Blick nur 
flüchtig über sie hingleiten und begnügte sich, seitwärts aus- 
zuweichen. Wie vom Blitz getroffen, fuhr er aber zu 
sammen, als ihm aus der Mitte der Reitcrschar, die ihm 
plötzlich den Weg verlegte, die Worte entgegentönten: 
„Guten Morgen, Herr Werner! Es freut mich auf 
richtig. Sie hier anzutreffen." 
Es war Iennings' Stimme. Im nächsten Augenblick 
kühlte Werner sich gepackt und gefesselt. Und jetzt erkannte 
rr auch seine Angreifer: es waren Männer aus dem Lager 
der Baharlus, seine ehemaligen Wächter, die ihin auf dem 
kürzesten Wege nach Shiraz gefolgt waren, als sie ihn dort 
nicht-fanden, auf ihn gewartet halten, und denen er nun, 
als sie schon auf dem Rückritte begriffen waren, in die 
Hände gefallen war. O daß er eine Stunde später auf- 
gebrochen Uäre l Das war^uvir! l 
düng am Woblktand des Volkes. Vor dem Kriege besaßen 
wir. eine Handelsflotte von 5108 600 To., die 78 346 
Seckleute beschäftigte. Die beförderte Ware, namentlich die 
Stapelware weist riesige Zahlen auf. Bremen allein z. B. 
fühlte 1912-13 2 217 000 Ballen amerikanische Baum- 
wollte im Werte von einer Milliarde Mark in einem 
Schiffsraum von 1374 540 To. rin, d. h. wir erhielten 
27 490 000 Zentner Rohstoff zur Verarbeitung! Diese 
Rohstoff- wie die Nahrungsmittelzufuhr ermöglichten uns 
vor hem Kriege das gute und billige Leben, das jeder 
kühnen konnte. Nicht minder groß war die Beförderung 
von Reisenden. Der Nordd. Lloyd hat seit seinem Be 
stehen 10 Millionen Fahrgäste befördert. 1913 verließen 
76L Passagierdampfer den Hamburger Hafen, vielfach mit 
Aue nanderern aus Rußland, Ungarn, Serbien an Bord, 
sie !le den Weg über Deutschland gewählt hatten. Und 
was ist jetzt aus dieser stolzen Handelsflotte geworden? 
Alle Schiffe über 1600 To. müssen ausgeliefert werden, 
:ne Hälfte aller von 1100—1600, V* aller Fischereifahr 
zeuge, ja 20 v. H. aller Flußschiffe! 300 000 To 
Schwimmdocks und Krähne, endlich sind wir gezwungen, 
200000 To. Neubauten jährlich für die Entente herzu- 
ftclßen. Und das alles ohne jede Entschädigung! Wir 
Inhalten 501900 To. Schiffsraum, also kaum ein Zehntel ! 
unserer alten Handelsflotte, wobei kleine und kleinste Fahr- ' 
zeuge mitgerechnet sind. Im Einzelnen: Die Hamburg— 
Amerikalinie besaß 177 Dampfer, sie besitzt jetzt 17, 
davon einen über 1000 To. Der Nordd. Lloyd besaß 
132 und besitzt jetzt 16, davon 2 über 1000 To. Die 
Hansa-Länie früher 64, jetzt 1 vi 1000 To., Levantelinie: 
51, jetzt nichts. Deutsche Ostafrikalinie: 20, jetzt 2 unter 
1000 Tck., Hamburg^Südamerikalinie: 46, jetzt nichts! 
Insgesamt 74 Dampfer von 1100—1600 To. sind z. Zt. 
die größten Fahrzeuge der deutschen Handelsflotte! Da- 
mit sind wir vom Ueberseeverkehr ausgeschlossen. Der 
Feind hat diesen völlig in der Hand, er bildet die Preise, 
er teilt uns zu, was in seinem Beließen steht, er be 
stimmt, ob wir hungern sollen oder — verhungern! Die 
einzige Rettung liegt im Neubau unserer Handelsflotte. 
Diesen zu fördern, ist die Aufgabe des Deutschen See- 
Vereins. Wer nicht Hunger und Not in Permanenz er 
klärt sehen w'll, trete dem Seeverein bei. Einigkeit und 
Wille, macht stark! Herr Ehlert trug das herrliche Gedicht 
von Paul Warnke „Vergessen" in markiger und eindrucks- 
vollster Weise vor. An den Vortrag, der das lebhafteste 
Interesse aller Anwesenden geweckt, schloß sich die dies 
jährige Hauptversammlung des Vereins. C. K. 
ö Theater tn Friedenau. Der „Hermannsbund" ver 
anstaltet am Sonntag, den 8. Februar, abends 7 Uhr, 
im Festsaale des Reformrealgymuasiums eine Theater- 
Vorstellung. Zur Aufführung kommt zuerst „Dichter- 
sterben", Lebenserinnerungen eines alten Dichters, von 
unserm Mitbürger Heinz Parmers und ferner das Fest- 
spiel „Der große König" von Joseph v. Laufs. Regisseur 
Hans Ferdinand vom Dekla-Film wird in diesem letzten 
Stück gegen 100 Personen auf die glänzend ausgestattete 
Bühne bringen. Karten zu 10. 5 und 3 Mark sind vom 
vom 1. Februar ab in der Papierhandlung von Kossa- 
kowski, Schmargendorferstr. 35 zu haben. 
mtllches 
binlalmug m S 
Sitzung der Gemeindevertretung 
am Donnerstag, den 5. Februar d. IS., nachm. 7 Uhr, 
m Sipunusjaale des Rathauies Nach Her Vorschrift -n 
3 Abs ves fl 106 der Landgemeindeordnung wird darau 
hingewiesen, daß die Nichterscheinenden sich den gefaßte- 
Beschlüsse,, zu unrerwerfen doven 
Tagesordnung, 
») tn öffentlicher Sitzung! 
1. Mitteilungen 
2. Entlastung der Jahresrechnung über die Voranschläge 
XII a—c für 1913, XII b—f für 1915, XII a—f für 
1916 und XIV für 1917. 
Seine Sinne verließen ihn. Al, er wieder zu sich kam, 
fand er sich auf dem Pferde festgebunden inmitten der 
Reiter, die im gestreckten Galopp euiherjagten. Eben hatten 
sie die Brücke von Faßa passiert und sprengten nun in rein 
östlicher Richtung dem großen, blauglünzenden Salzsee zu, 
in den sich die Gewässer des Tales von Shiraz ergießen. 
Zunächst ritten sie dicht an der weißen Salzkruste entlang, 
die die Wasserfläche rings umgibt. Dann wendeten sie sich 
nach rechts einer kleinen schattigen Schlucht zu, in der ein 
schmaler Bach herabrieselt, sprangen von den Pferden, 
banden sie an die Bäume, lösten auch Werners Veinfesseln 
und hoben ihn vom Sattel. 
„Macht dem Gefangenen die Hände frei!" ertönte 
Iennings' Stimme. Erstaunt sah Werner ihn an. Diese 
milde Behandlung nahm ihn wunder. Noch mehr über 
raschte es ihn, als sein Gegner sich jetzt folgendermaßen 
an ihn wendete: 
„Ich mußte Sie für den Augenblick fesseln lassen, Herr 
Werner. Jetzt, wo wir abseits der großen Straße find, 
möchte ich eine längere Unterredung mit Ihnen haben. 
Ich will Sie nicht etwa fragen, auf welche Weise Sie aus 
der Gefangenschaft entkommen waren, ob Sie selbst es 
ermöglicht haben, an den Wächtern, die ja eingeschlafen 
lein konnten, unbemerkt vorbeizukommen, oder ob Sie 
irgendwelche Beihilfe gehabt haben, denn die Berhältnisse 
haben sich seit unserem vorigen Zusammentreffen völlig 
S eändert. und ich gebe mich jetzt der Hoffnung hin, mit 
hnen ein einfaches, beide Teile befriedigendes Abkommen 
treffen zu können, das alle Schwierigkeiten beseitigt und 
Sie voll in Ihre Erbrechte einsetzt. Sind Sie bereit, mich 
cuhig anzuhören?" 
.Werner war im höchsten Grade überrascht. Sollte sich 
hier ganz plötzlich ein unerwarteter Ausweg bieten? Er 
gab natürlich seine Zustimmung, und beide ließen sich im 
Schatten der Bäume auf einem ausgebreiteten Teppich 
nieder. Iennings begann: 
„Ich habe zunächst durchaus nicht die Absicht, mich vor 
Ihnen weißzubrennen. Ja. ich war bisher das Werkzeug 
Ihre» Vetter« und habe Sie auf feine Veranlassung aus 
spioniert und Ihnen alle» mögliche Unheil zugefügt. Aber 
er hatte mich in seiner Hand, und ich mußte wohl oder 
übel nach keiner Pfeife tanken. Wenn man aber einmal 
3. Neuregelung der Kranken- und Jnvalidenversicher. 
der Angestellten. 
4. Beschlußfassung über den Begriff „eigener Hausstar/," 
bei Gewährung von 'Teuerungszulagen. 
6. Erhöhung des Prozentsatzes des Stellengehalts V • 
die im Sondergruppenplan befindlichen ständigen Bür 
Hilfsarbeiter. 
6. Bewilligung einer einmaligen Wirtschaftsbeihilfe an 
die Kriegshilfskräfte. 
7. Annahme eines Schiedsspruchs betr. Gewährun- 
laufender Teuerungszulagen an die Krieashilfskräftc 
8. Neuregelung der Vergütung für die Hilfslehrkräfte. 
9. Festsetzung der Vergütung für die Bücherei-Assistentin 
10. Unfallversicherung der Kinder der höheren Schulen. 
11. Anstellung eines hauvtamtlichen Jugendpflegers. 
12. Bewilligung von Mitteln für die Einrichtung eines 
Jugendheims. 
! 3. Anstellung einer Hilfskraft für den Kindergarten. 
14. Nachbewilligungen für das Rechnungsjahr 1919. 
15. Verstärkung des Voranschlages X, 9 für 1919. 
16. Beschlußfassung über die Entfernung der größten 
Rüstern in der Wiesbadencrstraße. 
17. Vorlage betr. Erwerb einer Hinterlassenschaft. 
18. Vergütung an das Friedenauer Taaeblatt für die Auf 
nahme der amtlichen Bekanntmachungen. 
19. Erhöhung der Tarifsätze für den Anschlag an den 
Säulen. 
bs in geheimer Sitzung! 
20. Personalangelegenheiten. 
Die bezüglichen Vorgänge und Akten können während 
der Dienststunden im Amtszimmer eingesehen werden 
( Berlin-Friedenau, den 30. Januar 1920. 
t Der Gemeindevorsteher. Walger, Bürgermeister. 
Bekanntmachung. 
In der Zeit vom 31. Januar bis 3. Februar gelangen 
folgende Lebensmittel zur Anmeldung: Auf Groß-Berliner 
Lebensmittelkarte: 100 Gr. Weizengrieß auf Abschn. 114, 
.125 Gr. Kartosfelstärkemehl auf Abschnitt 1, 250 Gr. Mais 
fabrikate auf Abschnitt 2, 250 Gr. Marmelade oder Sirup 
aus Abschnitt 6. Auf Groß-Berliner Lebensmittelkarte für 
Jugendliche: 200 Gr. Gerstenflocken auf Abschnitt 48. Auf 
Berlin-Friedenauer Nährniittelkarte: 125 Gr. Dörrzwicbelu 
auf Slbschnitt 143, 250 Gr. getrocknete Kartoffelscheiben auf 
Abschnitt 144. Auf Einfuhrzusatzkarte: 250 Gr. Cereal- 
mehl auf Abschnitt H27. Abholung vom 10.—12. Februar. 
Es kosten: 1 Pfund Weizengrieß 92 Pfg., Kartoffelstärke- 
mehl 2,90 M., Maisfabrikate 2,90 M., Marmelade 3,24 M., 
Sirup 1,15 M., Gerstenflocken 75 Pfg., Dörrzwiebeln 3,30 
Mark, aetr. Kartoffelscheiben 1,80 M., Cerealmehl 70 Pfg. 
! Berlin-Frieden au, den 30. Januar 1920. Der Gemeinde- 
jvorstand. I. V.: Friede!. 
Bekanntmachung. 
Nährmittel für Kranke. Um in der Zntei- 
lung der Sonderbewilligungen für Kranke keine Stockun 
gen eintreten zu lassen, werden die Inhaber ärztlicher 
Zeugnisse ersucht, bei Ablauf der Bewilligungen bis zum 
29. Februar d. Is. eventuelle Anträge auf Verlängerung 
möglichst schon bei Beginn des Monats, also vom 1. 
Februar ab, beim Gemeindevorstand, Abteilung für Kran 
kenernährung einzureichen. Gleichzeitig wird darauf hin 
gewiesen, daß die Anträge, besonders Name und Woh 
nung, möglichst deutlich zu schreiben sind, da dies zur 
schnellen Erledigung der vielen Gesuche unbedingt erfor- 
derlick ist. Berlin-Friedenuu, den 31. Januar 1920. Der 
,Gemeindevorstand. I. B. Friedet. 
Bekanntmachung. 
Auf Beschluß der Gemeindevertretung ist rn unserem 
Rathause eine öffentlicheRechtsauskunfts stelle 
.errichtet worden, die vom Dienstag, den 3. Februar d I. 
ab unseren Einwohnern zur unentgeltlichen Beratung zur 
Verfügung steht. Tie Sprechstunden finden jeden Dienstag 
junb Freitag von 6 bis 8 Uhr abends im Zimmer 45. 
2. Stockwerk statt. Wir bitten, sich dieser im Interesse 
'unserer Einwohner geschaffenen Einrichtung in vorkommen- 
den Fällen bedienen zu wollen. Berlin-Friedenau, den 
'30. Januar 1920. Der Gemeindevorstand. 
aus die jchiese Ebene gelangt ist, ist ein Stehenbleiben 
sehr schwer." 
Iennings hielt einen Augenblick an und fuhr, als 
Werner nichts entgegnete, folgendermaßen fort: 
„Wie es in solchen Fällen zu gehen pflegt, traute auch 
bei uns keiner dem anderen über den Weg. Sie werden 
sich daher nicht darüber wundern, daß ich unter Beistand 
eines alten, in der 0 oselgegend wohnenden Bekannten, 
der auch ein Hühnchen mit meinem Auftraggeber zu 
pflücken hat, eine Art Ueberwachungsdienst der Handlungen 
des Herrn Hauptmanns einrichtete. Und da kamen denn- 
die schönsten Dinge zum Borschein, Dinge, nicht nur die 
er mir verschwiegen, sondern auch solche, die er mir einfach 
vorgeschwindelt hatte und welche die ganze Sachlage 
ändern. Hören Sie." 
Werner mußte sich zwingen, seinen Ekel zu unter 
drücken, und füllte die kurze Zwischenpause durch eine 
leichte Kopfneigung aus. 
„Der Hauptmann hat durch seine Geliebte Ihre Ge 
mahlin bei ihrer Ankunft in Bremerhaven über Sie aus 
forschen und dann Ihr Trauzeugnis aus dem Kirchenbucye 
in Abbeoille ausschneiden lassen " 
„Unerhört!" brach Werner los. 
«Warten Sie nur, das ist erst der Anfang. Ihre Frau 
ist, als sie die näheren Umstände und alles, was Ihnen 
begegnet war. erfuhr, schwer erkrankt und endlich in Schloß 
Eichkamp, wohin man sie gebracht hatte, gestorben." 
Werner fuhr entsetzt zusammen, blickte Iennings starr 
an und schlug, als er in seinen Augen die Bestätigung 
seiner Worte las, die Hände vors Gesicht, während sein 
Körper von einem ttänenlosen Schluchzen erschüttert war. 
Selbst sein hart gesottener Gegner schien von dieser Wirkung 
seiner Mitteilung erschüttert, denn er blickte ihn mit einer 
Art oon Mitleid an. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort ; 
„Verzeihen Sie, Herr Werner, daß ich Ihnen diese 
Mitteilung io unvermittelt machte. Aber erfahren mußten 
Sie sie doch, und ich hielt es für besser, alle Umschweife 
dabei zu vermeiden, zumal ich Ihnen noch viel Wichtigeres 
zu erzählen habe." 
Werner nahm di« Hände vom Gesicht, ließ sich schwer 
auf den Teppich sinken und blickteIennings mit starren, 
kragenden Augen an.
        
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