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Periodical volume Nr. 27, 01.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Nr. 27 Berlw'Frredeuau, Sonntag, den 1. Februar 1920 Iahrg. 27 
Fhr kehrt ans wieder! 
(, x °,ur Heimtobr unserer Gefangenen.^ 
Nun leuchtet nn!i, ivas euch in nächt'gen Stunden 
5» Häupten stank in heilger Hoffnungsglut: 
Ihr kehrt uns wieder! Wie ein Traumbild hebt sich 
der Halden Heimat Eiland ans der Flut. 
Da ihr einst auszogt, war's um ihre »Jiot, 
das; ihr geschieden — — ach, sie sonnst nach heute! 
Bringt Liebe mit, die v 3tot und Tod nicht scheute — 
Aus Liebe schafft der Stunde neu Gebot. 
Dahinten laut, was euch zniiesst verwundet - 
Versuchen* sei. was uns das Herz verbrennt. 
Ihr kehrt nnS wieder! Stunde, lang gestundet, 
da Liebe stammelnd eure »Namen nennt! 
O mag die Wage sanft euch heimwärts tragen, 
ein guter Stern euch hell zu Häupten steh'n. 
Ihr kehrt uns wieder! Eure Herzen schlagen 
ans Herz der Heimat da euch Lieb' und Sehnen 
auf neuen Wegen stark entgegen geh'n. Marie Sauer. 
Ortsnadrdchuft 
(Nachdr. unsrer o-Origtnalar!tkel nur mtl Quellenangabe gestattet.) 
a Eine Sitzung der Gemeindevertretung findet am 
Donnerstag, den 5. Februar, abends 7 Uhr, int Sitzungs- 
saale int Rathaus statt. 
o Tie öifcntiiche Rechtsauskunftsstelle eröffnet! Nach 
dem Beschlusse unserer Gemeindevertretung ist eine öffent 
liche Rechtsauskunftsstelle errichtet worden, die am Diens 
tag, dem 3. Februar eröffnet wird und unseren Einwoh 
nern zur unentgeltlichen Beratung jeden Dienstag und 
Freitag von 6—8 Uhr abends im Zimmer 45, zur Ver 
fügung stebt. 
v"Durch einmütige Willenskundgebung der Friedenauer 
Bevölkerung kann es noch erreicht werden, das; Friedenau 
als selbstständiger Bezirk im künftigen Groß-Beriin er 
halten bleibt. Der Friedenauer Bürg Errat ruft darum 
alle Bürger unseres Ortes zu dieser Kundgebung auf und 
ladet sie zu großen öffentlichen B e r s a in in l u i» g e n 
ein, die am Montag, abends 8 Uhr, im Bürger- 
-saal des Rathauses, im Festsaal des Reform- 
realgymnasiums lHomuthstraste) und, wenn diese 
Säle überfüllt sein sollten, auch noch im Festsaal der 
Königin-Lnise-Schule stattfinden werden. Redner aller Par 
teien werden Aufklärung geben über die Frage Groß-Ber- 
lin und über die Stellung Friedenaus in der künftigen 
großen Einheitsgemeinde. Jeder, der an dem Schicksal 
unserer Gemeinde beteiligt ist, der sich über Groß-Berlin 
unterrichten und für sein liebes Friedenau eintreten will 
— und tver wollte da-ÄMicht? — erscheine! Kein Bürger 
Friedenaus — Mann oder Frau — darf in diesen Ver 
sammlungen fehlen! 
oW Der Finaugntinister und die Pensionäre. Auf 
eine kleine Anfrage des Abg. Schmidt ? ' iDnat.) 
hat der Finanzministsr Dr. Südekum o > et, daß 
es nicht angängig sei. den Ruhegehalts: m^anger» und 
Hinterbliebenen durch eg mindestens Vi der Beschaffungs- 
beihilfe der aktiven Beamten zu gewähren, weil die finan 
ziellen Verhältnisse die? nicht zulassen. Die Behörden 
sind angewiesen in der Regel 50 Prozent zu gewähren, in 
Notfällen bis zu 75 Prozent hinaufzugehen und alle 
Anträge mit Wohlwollen und Entgegenkommen zu prüfen. 
In ganz Fällen (dauernder Kraut beit, kleinen 
Pensionen) kan . :o ", 100 Prozent gegangen werden. 
Dies geschieht in ««»..edehulem Maße. 
o Neue 50 Pfg.-Sche.lne. Der Berliner Magistrat teilt 
n^it: Mit Rücksicht auf die starke Anforderung von Klein- 
yeldzahlmitteln beschloß der Magistrat die Herstellung 
von 50 Psg.-Scheinen in Höhe voit .6,5 Mill. Mark 
mit Gültigkeit bis 31. Dezember 1020, von denen 1,5 
Millionen Mark als Ersah, unbrauchbar ge,woroener Scheine 
Verwendung finden sollen. 
v Briefbefördrrnng nach Amerika im Februar. Jur 
Monat Februar finden Postabgänge nach Amerika außer 
mit englischen Danipsern (etwa zweimal wöchentlich) noch 
mit folgenden Dampfern statt: 1. Dampfer „Principessa 
Mafalda" nach Rio de Janeiro ustv. von Genua am 4. Fe- 
b7""r, Postschluß in Frankfurt (Main), Auslandstellc, am 
1 ; , :bruar; 2. Dampfer „Noordam" nach »Neuyork, von 
L«i erdam am 13. Februar, Postschluß in Emmerich lAus- 
PF stelle) am 11. Februar vormittags und in Hamburg 
(Mslandstelle) am 0. Februar abends: 3. Dampfer „Fre 
derik VIII" nach Neuyork, von Kopenhagen am 19. Februar, 
Postschluß in Hamburg (Anslandstelle) am 16. Februar 
mittags und-in Emmerich (Anslandstetle) am 15. Februar; 
4. Dampfer „Hollandia" nach Rio de Janeiro usw., von 
Amsterdam am'25. Februar, Postschluß in Emmerich (Aus- 
landstclle) am 23. Februar vormittags und in Hamburg 
(Auslandstclle) am 21. Februar abends; 5. Dampfer 
„Rotterdam" nach Neuyork, von Rotterdam am 27. Fe- 
brtiar, Postschluß in Emmerich (Auslandstclle) am 25. Fe 
bruar vormittags und in Hamburg (Austaudstclle) am 
23. Februar abends. 
o Missionsstunde. Im Gvßner'schen Missionshause, 
Handjerystraße 19-20, wird Missions-Direktvr D. Kausch 
am Montag, den 2. Februar 1920, abends 8 Uhr, die 
monatliche »Missionsstunde halten. 
o Auf das Kirchenkonzert am heutigeu Sonnabend 
8 Uhr in der Kirche zum Guten Hirten fei in letzter 
Stunde nochmal aufmerksam gemacht. Wie die Proben 
gezeigt haben, steht ein hoher künstlerischer EKnuß be- 
V»r. Mitwirkende sind Willy Jäger (Orgel), Luise 
Hahn (Sopran), Armin Liebermann (Violoncello) 
üttd Traugvkt.Schweizer (Baß.-B.ariton), Eintrittskarten 
vt 1. .! und 3 M. sind am Kirch-Eingang zu haben. 
Der R.iuertrag ist für den Glockenfvnds bestiinmt. Zu- 
gleich wird die Kirchgemeinde auf die Aenderung des 
K i r ch e n z e t t c l s hingewiesen. Infolge des Heimganges 
sünes Bruders ist Herr Pfarrer Vetter verhindert, den 
Vormiltagsgvttesdienst zu halten. Es wird für ihn Herr 
Pfarrer Foertsch predigen. Dafür wird am Svnntag den 
8. Februar statt P. Fvrtsch P. Vetter vormiltags 10 Uhr 
amtieren. 
o Tie Kontrolle der Greitz-Spende. Ein Ausschuß, 
in dem sämtliche Vvlksklasscn vertreten sind, sorgt dafür, 
daß alle eingehenden Beiträge bis auf den letzten Pfennig 
zur Bezahlung der Reisekosten der Stimmberechtigten und 
zur Deckung der Unkosten verwandt werden, die durch Unter 
bringung und Verpflegung bedürftiger Abstimmender ent 
stehen. Die Werbe- und Verwaltungskosten für die Grcnz- 
Spende sind im voraus von anderen Gebern zur Verfügung 
gestellt worden. Die Zusammensetzung des Finanz-Prü- 
fnngsansschusses gibt jedem Spender die unbedingte Ge 
währ, daß sein Beitrag ausschließlich der Sache selbst zu 
gute kommt. Einzahlungen können bei den Banken oder 
ans Postscheckkonto Nr. 73 776 erfolgen. Auch die Ge 
schäftsstelle des „Friedenauer Lokal-Anzeigers", Rhein- 
straße 15, nimmt Beiträge für die Grenz-Spende an. 
o Lebhafte Auseinandersetzungen in der Schneider- 
Zwangsinnung. Die Hauptversammlung der hiesigen 
Schneider.Zwangsinnung, die am 28. d. Mts. im „Hohen- 
zollern" stattfand, ließ schon durch die Tagesordnung 
etivas „Besonderes" erwarten. Es zeigte sich denn auch 
gleich von Anfang an einer scharfe Opposition gegen 
über dein Vorstande, obwohl der Obermeister Herr W e g- 
ner in seiner Eröffnungsrede zu ruhiger, friedlicher Ver 
handlung gemahnt hatte. Der Punkt, der zu solchen Aus 
einandersetzungen Anlaß gab, war der .Antrag einiger 
Mitglieder, die eine Abrechnung über die Heeresarboiten 
dcr Innung forderten. Die Sache liegt 1 «/* Jahr zurück 
und es spielt in diese Angelegenheit auch ein Bctchdi- 
gnngsprozeß hinein, der, gegen einige Vorstandsmitglie 
der dcr Innung geführt, zunächst zu Ungunsten der Klä 
gerin entschieden ivurde. Von dieser Seite ans wurden 
denn auch in der .Hauptsache die Vorstöße gegen den Vor- 
stand betrieben, die wiederholt in den Jnnungsvcrsamm- 
lungen zu lebhaften Erörterungen ?lnlaß gaben. Die 
Vorwürfe gegen die Vorstandsmitglieder in der Haupt 
versammlung nahmen die Form von Anschuldigungen 
an. die namentlich die Herren Schmidt, Koch und Frau 
Heidenreich in Reden und Zurufen aussprachen und die 
vom Obermeister zurückgewiesen tvurdcn. Der Punkt der 
Tagesordnung lautete: „Abrechnung dcr Heeresarbeit 
zwisck>en der Innung und dem Bekleidungsamt". Der 
Obermeister erklärte ,daß diese Abrechnung bereits vor 
l Jahren erfolgt sei. Was die Antragsteller wollten, 
war aber etwas anderes, sie hatten sich falsch ausgedrückt 
und so konnte über die Abrechnung, die sie haben wollten, 
nicht verhandelt werden, weil hierzu der Antrag fehlte. Es 
wurde schließlich die Anberaumung einer besonderen Jn- 
nnngSversammlung beschlossen, in der der bisherige Vor 
stand die verlangte Abrechnung geben soll. Ueber den 
sonstigen Verlauf der Versammlung ,'ei noch folgendes 
berichtet: Herr Obermeister Weener eröffnete die Ver 
sammlung um 6 Uhr, begrüßte*die Erschienenen und be 
dauerte den sehr schwachen Besuch, trotz der reichhaltigen 
und wichtigen Tagesordnung und bemerkte, daß die Ein 
ladungen rechtzeitig an sämtliche Mitglieder geschickt wor- 
dcn sind. Was sich in der Zwischenzeit auf der Welt 
bühne abgespielt habe, wissen ja alle, leider war es inichts 
gutes, das alte Jahr ist vergangen, ohne uns eine we 
sentliche Besserung in wirtschaftlicher Beziehung gebracht 
zu haben, das neue Jahr hat uns zwar den lang ersel,»- 
ten Frieden gebracht, leider aber einen Frieden, über," 
den wir uns schämen müssen und dessen Bedingungen 
wir nicht zu crsüllen im Stande sein werden. Er er 
innert-an den 13. Januar, an dem wieder so viel Blut, 
sogar auch unschuldiges Blut geflossen ist. Es iväre wirk 
lich an der Zeit, daß das Volk endlich zu der Einsicht 
kommt, daß durch solche Gewaltmittel doch nichts zu 
erreichen sei, und daß nur durch gemeinsame und fried 
liche Arbeit unser Vaterland wieder das werden kann, was 
es einst ivar; er ermahnte auch hier zum Frieden und 
wünschte allen zum neuen Jahr in gesundheitlicher lote 
in geschäftlicher Beziehung alles Gute. Auch wünschte er, 
daß über alle Punkte der reichhaltigen Tagesordnung 
ruhig und sachlich verhandelt werde. Besonders begrüßte 
er noch den Schriftführer Kvll. Klett, der erst jetzt von 
seiner Militärpflicht aus Oesterreich zurückgekehrt ist. ES 
wurde nun ritt neues Mitglied aufgenommen. Der Jahres 
bericht des stellvertretenden Schriftführers Herrn Bohn- 
hardt, dcr eingehend über die Tätigkeit der Innung im 
verflossenen Geschäftsjahre berichtete, ivurde genehmigt, 
desgleichen der Kassenbericht. des Schatzineisters Herrn 
Wcstphal. der an Einnahmen 586,50 M.> an Ausgaben 
554.20 M., mithin an Bestand 311,30 M. verzeichnete. 
Der Bestand soll als Entschädigung an die Vorstandsmit 
glieder für die Jahre 1916, 17 und 18 gegeben werden. 
Ta die Kassenprüfer nicht anwesend waren, mußte die 
Entlastung des Schatzmeisters und des Vorstandes ver 
tagt werden. Der Obermeister. Herr Wagner, dankte nun 
allen Vorstandsmitgliedern für ihre Mitarbeit im Vor 
stände und auch den Mitgliedern für ihre Unterstützung 
des Vorstandes. Die nun folgenden Neuwahlen hatten 
folgendes Ergebnis: Obermeister ivurde der bisherige stell 
vertretende Obermeister Herr So low. stellt». Oberm üc 
Herr Schmidt. Schriftführerin Frau Heid e n r c i ch. 
Kassensührer Herr Bloß, Beisitzer Herr Koch. Der bis 
herige Obermeister Herr Wegner lehnte eine Wiederwahl 
in den Vorstand. wegen Urbeitsüberbürdung ab. Der riene 
Obermeister dankte Herrn Wegner für seine 4'/zjährige 
umsichtige treue Leitung: er habe in keiner Vorstands 
oder JnnnngSversammlung gefehlt. Zu Kassenprüfern wur 
den die Herren Ehrhardt und Mictz, als Meisterin für die 
Gesellenprüfung Frau Bnmb, und als Beauftragter für 
das Lehrlingswesen Herr Gerlach gewählt. Der Haus 
haltsplan sür 1020 wurde mit 980 M. genehmigt. An 
der Lchrlingsarbeitenausstellnng, die vom hiesigen Be- 
rnfsamt veranstaltet wird, will sich die Innung beteili 
gen. Als Vertrauensmann sür das Schneiderhandwerk 
bringt die Innung dein Bernfsamt Herrn Gerlach in 
Vorschlag. Der Antrag ans Veranstaltung eines Ver 
gnügens wurde abgelehnt. Frau Buinb wünschte, daß den 
Prüflingen genügend Zeit zur Anfertigung ihres Gesellen 
stückes gegeben werde, sie empfahl, es dem Lehrling in 
einer anderen Werkstatt anfertigen zu lassen. Empfohlen 
wurde ferner den Daincnschneiderineistern und -Meisterint- 
nen der Anschluß an den Zweckoerband. Daraitf schloß der 
neue Obermeister Herr Lvlow gegen 9 Uhr die Ver 
sammlung. 
o Selbsthilfe dcr Junggesellen! Dcr drohende Gast 
wirtestreik hat eine nicht ganz ungewöhnliche Erscheinung 
getätigt. Um der Gefahr der mi'ttaglosen Zeit zu ent 
gehen, und um sich unabhängig zu machen von Preis 
steigerungen und Ausbeutungen, haben einige entschlossene 
Junggesellen einen eigenen Mittagstisch gegründet, dcr 
bereits am 1. Februar eröffnet ivird. In den gleichen 
Räumen befindet sich schon seit Monaten eine andere Ein 
richtung des J'nteresseii-Verbandes deutscher Junggesellen, 
eine fachmännisch geleitete Nähstube, in der sämtliche Re 
paraturen an Anzügen, Wäsche, Unterkleidung usw. zu 
Neincn Preisen ausgeführt werden. Interessenten erfahren 
Näheres in der Geschäftsstelle, Motzstraße 8, Garth. Hl lks. 
o Schulreform. In der Aula des Wcrner-Sicmens- 
realgymnasium fand am 24. d. MtS. eine öffentliche Ver 
sammlung des „Bundes entschiedener Schulrcformcr" statt, 
mit dem Thema: „Frauenbildungsrcform." An erster 
Stelle sprach Frau Adele Schreiber über: „Wirt- 
schastScntwicklung und Frauenbildung." Sie kennzeichnete 
die alte und auch heute noch nicht ganz überwundene 
Franenbildung an dem Stickteppich der 12 jährigen Hedwig 
Dohm, der jünft verstorbenen Vorkämpferin der Frauen 
lebensreform. Die Degeneration der bürgerlichen und auch 
der proletarischen Frau in wirtschaftlicher und ideeller 
Hinsicht wurde in ihren Wirkungen bei einzelnen und 
in der Gesellschaft dargelegt. Die Rcdnerin forderte gleich 
artige Bildung zum wahren Menschen beim Mädchen so 
gut wie beim Knaben. Ein Blick aus die Spielplätze und 
die Lesezimmer der Jugend beweisen, wie die »Mädchen 
durch ihre frühzeitige Belastung mit Hausarbeit benach 
teiligt sind. Durch eine »Reform der Verbrauchswirtschask 
müsse eine für alle Menschen zu fordernde praktische 
Durchbildung ermöglicht werden. Tr. Karsen beant 
wortete die von der Vorrednerin am Schluß ihrer Aus 
führungen gestellte Frage nach der für die Zukunft an 
zustrebenden Geistesbildung der Frauen. Ilse »Müller- 
Oesterreich unterzog in ihrem Vortrag über: „Fach- und 
Fortbildung der Frau" die neue Heine'sche Denkschrift, 
die auch in die neue Schule die Grundsätze der alten ver 
pflanzen wolle, einer scharfen Kritik. Die lebhafte Aus 
sprache, in der Anhänger aller Richtungen zu -Worte 
kamen, zeigte das starke Interesse, das besonders die 
Frauen für diese lebenswichtigen Fragen haben. 
v Die Fcicr sechileS 42. Stiftungsfestes begeht dcr 
„Krieger- und Landwehr-Verein" am morgigen Sonntag, 
nachmittags pünktlich 3 Uhr, im Logenrestaurant in Steg 
litz. »Albrcchtstr. 112a. Nach der Fcstfolge kann allen 
Tc ilnchmeri: eine gute Unterhaltung und bestes Vergnügen 
in »Aussicht gestellt werden. Einlaßkarten für Gäste zum 
Preise von 3 M. k.-nncn noch an der Kasse gelost werden. 
o In der Jichreshat-ptoersammlung des Micter-Dcr- 
baiides des Groß-Bcrliner Westens wurde dcr Jahresbec- 
richt bekannt gegeben, der die heftigen und schwierige:: 
Kämpfe betont, die gerade das letzte VereinAjahr in den 
Fragen dcr Höchstmiete, der Minderungsansprüche und der 
Kostenzuschlägc gebracht haben und die nur zum Teil in 
einem dcr Mieterschaft günstigen Sinne ihren vorläufigen 
Abschluß gefunden hatten. Da heutzutage nur eine starke 
Organisation die Möglichkeit hat, ihre Ziele bei den Be 
hörden durchzusetzen, so sei cs eine selbstverständliche For 
derung an die »Mieterschaft, sich zu organisieren. Das 
ständige und erhebliche »Wachsen des Vereins beweist erfreu 
licherweise, daß diese »Notwendigkeit dcr schwer bedrängten 
Mieterschaft endlich, wenn auch noch immer nicht allgemein, 
zum Bewußtsein gekommen ist. Die Neuwahlen ergeben 
die Wiederwahl des bisherigen 1. und 2. Vorsitzenden sowie 
der Schriftführerin, Rechtsanwalt Dr. Goetzel, Chef 
redakteur Albu, Frau Stadtv. Bräunlich. In seinem 
Referat über die „Höchstmicteanordnung" gab Herr Rechts 
anwalt Dr. Goetzel-Berlin einen Uebcrblick über die Be 
stimmungen des Gesetzes und der Verhandlungen im Woh- 
nnngsverband Groß-Berlin. Die Mieterschaft müsse der 
Regierung in dem Kumpf des Hausbesitzes und Tcrrain- 
spekulantentums gegen die Anordnung den Rücken stärken. 
Das Gesetz müsse bleiben, sonst sei dcr Mieter schutzlos 
jeder Ausbeutung preisgegeben. Fallen müsse dagegen 
der Beschluß des Wvhnungsvcrbandes. der neben 20 Proz. 
Tenerungszuschlag weitere 15 bezw. 20 Proz. Rcparatur- 
:Ostenzuschläge allgemein für zulässig erachtet, ohne eine 
währ für deren ordnungsgemäße Verwendung und ohne 
i; t Ausnahmecharaktcr der Bestimmung zu beuchten. Die 
V icterschaft müsse ein Kontrollrecht über die Verwendung 
d. r 'Jnstandsetzungszubußen fprdern. Der Referent teilte 
tuu, daß ihm vom Mnisterium dkr Bescheid geworden sei, 
daß Einspruch gegen den »Beschluß eingelegt werde. In 
der weiteren lebhaften Aussprache kamen die Fragen der
        
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