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Periodical volume Nr. 171, 30.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Soldaten zu Verächtern der heutigen Art der Kriegfüh 
rung geworden sind. Der Stellungskampf, der nichts 
weiter als eine unentschiedene Schlacht bedeutet, wirkt 
lähmend auf Führer-Initiative und Soldätengeist, Im 
Eisenhagel der Großkampftage sitzt der Mutige mit ge 
ballten Fäusten, der Feigling mit 'gefalteten Händen zur 
Tatenlosigkeit verdammt im Graben oder Stollen, am 
Morgen den Abend, am Abend den MorgcnOerwartend. 
Die Ruhepausen gehören dem Maulwurfsdienst oder dem 
Lesen vergiftender Lektüre und Klageliedern aus der 
Heimat. Nur bei den Sturmtrirpps sucht man noch Be 
wegung. Seinem Draufgchen setzt wiederum der Draht 
verhau ein Ziel, solange das Massenfeuer zur Zerstörung 
dieses Hindernisses nicht ausreichte. — Die Nerven Ler- 
rüttet, die Lungen vom Gas vergiftet, so findet sich 
der Soldat am Ende der Schlacht. Die Tagebücher ab 
gekämpfter Divisionen sprechen Bände hiervon. Wir' 
wissen ferner, daß im letzten Kriege alles, was den Titel 
Mann zu tragen berechtigt war, zum Waffendienst aus 
gehoben wurde. Der Soldat soll aber ausgesucht, ge 
sund, von Vaterlandsliebe und Kampfeslust erfüllt und 
widerstandsfähig gegen Strapazen sein. Die großcnZahlen 
von Freiwilligen in den Heeren früherer Zeiten bewiesen 
das Vorhandensein zahlreicher solcher Männer und zwar 
ganz besonders in' den Heeren des Altertums. — Der 
Schlachtgesang der röm. Schützen, etwa übersetzt: 
' „Des Bogenschützen sicherer Pfeil — 
Schafft der Phalanx das Loch znm Keil"; 
enthielt die größte Ehrung für die vordersten am Feinde. 
Nach Vorstehendem sehen wir, daß der ansgehobene 
Soldat nicht immer für den Krieg taugt, während der 
Freiwillige den Kriegsdienst als Beruf auffaßt. In einem 
Söldnerheere wird stets der Geist des Führers aus 
schlaggebend sein. Da§ System unserer Reichswehr muß 
sich daher erst wandeln und mit ihm Uniform und 
Manneszucht. 
Wenn Deutschland also eine Wehrmacht von nur 
'lOOOOO Mann fernerhin halten darf, so muß dies die 
beste der Welt werden. Die hervorragendsten militärischen 
Eigenschaften müssen sich bei Führern und Soldaten ver 
einigen, das Menschenmaterial muß jung, die technische 
Ausbildung erstklassig 'und modern sein. Technische Kampf 
mittel werden, dann in besten Händen liegen und auch 
diese kleine Armee wird achtunggebietend und gefürchtet 
sein. Gelingt cs, ein solches Heer zu schaffen, woran 
ich bei dem heutigen Zeitgeist allerdings nicht glaube, 
dann werden diesem Instrument erstreckst sich deutsche 
Ingenieure .und Erfinder zuwenden. Ihnen also gehört 
die Zukunft der neuen Armee. 
Deutsche Technik und Erfindungen nahmen aber bis 
her stets sülchende Rollen ein, man ließ sich aber leider 
stets .zu früh in die Karten sehen. Da aber nichts auf 
der Welt Bestand hat, als der ewige Wechsel, so ist 
für spätere Zeiten vielleicht das kleinste Heer auch dem 
größten überlegen, wenn cS nie geahnte Kampfmittel 
und Methoden erhält. 
Mit der Daseinsberechtigung eines Volkes muß da 
her die Pflicht einhergehen, jede Erfindung, die seinem 
Selbstschutz dient, möglichst auszuwerten. Helft daher 
den Ideen deutscher Erfinder auf die Beine und man 
wird wiKwr Achtung vor uns haben, auch vor nur 
100 000 Mann. 
Victor Gudohr. 
für frUcUnau-Scböneberg, 
(Nachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit QiGllenangabe gestattet.) 
Vrotstrecknngsmittel, die nicht einmal 
die Schweine vertragen. 
Der Bayerische Volksparteiler Jaud hat die nach 
stehende kleine Anfrage an die Reichsregierung gerichtet: 
„In vielen Kommunalverbänden ist das Brot deshalb 
so schlecht und gesundheitsschädlich, weil die Kommunal- 
verbandslcitungcn nicht die vorgeschriebene Mischung zur 
Streckung des Mehles vornehmen, sondern früher in 
großen Mengen erworbene Streckungsmittel verwenden. 
Diese Streckungsmittel, die aufgebraucht werden müssen, 
üm keinen Verlust zu erleiden, sind gesundheitsschädlich 
Und ist deren Verwendung Lcbensinittelfälschung.- Ein 
Kommunalverband verkaufte dieses Streckungsmittel als 
Schweinefutter, konnte aber auf diesem Wege nur wenig 
absetzen, weil die Schweine, die dieses Futter wirk 
lich nahmen, sofort verendeten. Viele Kommunal- 
verbände vertreiben heute noch eine Reihe von Artikeln, 
die überhaupt nicht der Zwangswirtschaft unterliegen. 
Blü er!» der nächsten Woche Mt. 
Brot: 1600 Gramm und 300 Gramm Kleingebäck oder 
1900 Gramm Großbrot. ^ 
Fleisch: steht noch nicht.fest, 
Butter: 20 Gramm ----- 75 Pfg. und 70 Gr. Schmalz 
--- 2,52 sowie auf. Sonderabschnittj der Speisc- 
* fettkarte 180 Gr. Schmälz ----- 0,48 M. 
Kartoffeln: 2 Psd. je Kopf. Wer Kartoffeln nicht er 
halten kann oder statt der Kartoffeln Ersatz zu. nehmen 
wünscht, darf in den nachstehend. Geschäften auf dieselben 
Kartenabschnitte 250 Gr. Nudeln und 600.-Gr.-Erbsen 
oder Bohnen entnehmen. Außerdem gibt es als wei 
teren Ersatz für alle Haushalte auf die Abschnitte 32 e 
bis e 500 Gr. Hafcrflocken und 500 Gr. Hülsenfrüchte. 
Fehr, Kaiserallee 61; Schöning, Lauterstraße; Treuholz, 
Bornstraße 27; Ziemke, Rheinstraße 49; Metzer, Kaiser 
allee 93. 
Z.ncker: Vom 1. bis 15. August »/i Pfund. Ferner 
für Kinder im 1. Lebensjahre 1»/, Pfund, im 2. Lebens 
jahre 1 Pfund und im 3. bis 7. Lebensjahre V, Pfund 
im Monat. 
Anmeldung vom 31. Juli bis 3. August. Abholung, 
vom 10.—12. August. 
Auf Groß-Berliner Lebensmittelkarte;'. 
Hafcrflocken: '500 Gramm auf 33; Psd. 2,50 M. 
Nudeln: 125 Gr. auf 38; 1 Pfh. 2 1 
Auf Berlin-Friedenauer Nährmittelkarte: 
Marmelade: 250 Gr. auf 35; Pfd. .4,20 M. 
Maisflocken: 500 Gr. auf 36; Pfd. 3 1 
Linsen: 125 Gr. auf 37; Pfd. 3,50 M. 
Gersten mehl: 125 Gr. auf 38; Pfd. .2,20 M. 
Puffbohnen, IPfd. 2,50 Mark, Bohnen in Schweine 
fleisch, 1 Dose 4 Mark, Knorr-Süppenwürfcl, ein 
Sftick 15. Pfg., gelbe Erbsen,.. Psd. 2,50 M., weiße 
Bohnen, Psd. 2,50 M., freihändig m den Gemeindevex- 
kaufsstellen. , 
Lebensmittelvcrteilung in Schöneberg. 
In Berlin-Schöneberg findet bis zum 3. August Vor 
anmeldung statt für 125 Gramm L i n s o n für 88 Pfg. 
-auf Abschnitt 39 der' allgemeinen Lebensmittelkarte, ein 
Beutel Rote Grütze für 50 Pfg. oder Paket für 60 und. 
75 Pfg. und 1 Beutel S a n c e n p u l v e r für 25 Pfg. 
öder neue Ware für 45 Pfg. auf Abschnitt 46 der rote« und 
grünen Schöncberger Bezugskartc. Ausgegeben werden 
i» der nächsten Woche: neben den üblichen Rationen von 
1900 Gramm Brot, 250 Gramm Fleisch, 20 Gramm Butter, 
70 .Gramm Schmalz und 5 Pfund Kartoffeln, 125 Gr. 
H a s e r f l o ck c n auf Abschnitt 38 der roten und grünen 
Schöncberger Bezugskartc, sowie 125 Gramm Hafer 
grütze auf Absstnitt 36 der allgemeinen Lebensmittel 
karte. Im Monat August werden auf Nährmittelsondcr- 
karten Haferftocken (Pfundprcis 1,40. M.) ausgegeben. 
An Kommunälwarcn stehen z. Zt.. zum Verkauf: 
Herren- und Damcnhemdcn, Unterhosen, Futterstoff, 
Äcrmclfutter, Drell, Drellhoscn, Handtuchstoff, Frauen- 
und Kinderstrümpfe, Kindcrtrikots, Erstlingshemdchen, 
Erstlingsjäckchen, Kleiderstoff, Mautelstoff, Damenröckc, 
Damenmäntel, Damenbcinlleidcr, Herren- und Knaben 
stoff zu Anzügen, Herren-, Damen- und Kinderstiefel. 
Näheres am schwarzen Brett und Zimmer 217 des Neuen 
Rathauses. Einkommenshöchstgrenze für den Bezug von 
Kommunalschuhwerk ist von 6000 M. auf 8000 M., zuzüg 
lich 500 M. für jedes. Kind, festgesetzt worden. 
iBaansrciaaBi 
Bei der in der Regel fehlenden Sachkenntnis der Lei 
tung entsteht... oft Schaden ft>uxch-.Vexdkrben—oder 
günstigen Einkauf, der dadurch' gedeckt 'wird,''daß."zwangs 
bewirtschaftete Artikel, besonders das Mehl, verteuert wer 
den. Obwohl die Zwangswirtschaft noch weiter abgebaut 
werden soll, vermehren die Kommunalvcrbände ihren Pcr- 
sonalstand, schaffen sich teurö Einrichtungen an und er 
wecken so den Eindruck, als ob ihr Bestand ein dauern 
der sein würde. Aus den hier angeführten und aus 
anderen Gründen ist die Erbitterung gegen die Kommu- 
NalverbandSwirtschaft im Volke so groß, wie gegen die 
Wirtschaft der Kriegsgesellschaften. Ich frage: Sind der 
Reichsregierung diese Zustände, bekannt, und was gedenkt 
sie dagegen zu tun?" — Es ist Tatsache: Das Brot ist 
jetzt so schlecht, daß es nur ein sehr gesunder und kräf 
tiger Magen vertragen kann. Koliken sind bei vielen die 
Folgen von dein Genuß des Brotes^ Zu Streckungs 
mitteln wird heute alles Mögliche verwendet. Und da 
bei muß man sich wundern, daß es in manchen Orten 
aus reinem weißen Mehl hergestellte Backivaren ohne 
Marken gibt. Z. B. in den Orten des Harzes kann 
inan in jedem Bäckerladen aus weißem Mehl hergestellte 
mährend cr nicht ausmerlsani genug bas Muster des 
Teppichs studieren konnte — „wenigstens, wenn Sie nicht 
Opfer bringen moiiten, di; wohl kaum ein Mann in Ihrer 
Lage brinaen würde — ist es da recht, allzu offen mit ihr 
zu flirten? — Namentlich, wenn anders junge Männer 
zugegen sind, von denen niemand verlangen würde, daß 
sie große Opfer brächten." 
Wenn sie wirklich darauf ausging, sich Eberhard zu 
gewinnen,, so war sie jedenfalls sehr kühn in den Mitteln. 
Der junge Mann fühlte sich förmlich vor den Kopf ge 
schlagen durch ihl'ck Offenheit, die für ihn etwas Männliches 
hatte — die Offenheit, eine Frage zu besprechen, die für sie 
doch notwendig, sehr heikel sein mußte. Aber sie war doch 
vielleicht so töricht nicht, wie cs den Anschein haben konnte. 
Trotz der Verlegenheit, in die sie ihn dadurch versetzte, 
nötigte ihm ihr Freimut immer wieder 
und machte sie ihm sympathisch. Wenn 
lewunderung ab 
etwas in diesem 
Augenblick* seine Bewunderung herabslimmen konnte, 
mar es einzig die Erinnerung an die Unterredung, die 
vorhin mit Magdalene gehabt batte. 
Für einen Augenblick fühlte sich Eberhard ve 
sv 
cr 
nc^t 
aur» 
ihrem Denken wirklich 
glauben lassen wollte. 
sich auf ihre Großmut zu ccrlyffcn und ihr die volle 
heit zu sagen. Vielleicht war sie in 
so frei und großzügig, wie sie ihn 
und er konnte das Wagnis auf sich nehmen, ohne die 
gefürchtete Katastrophe herbeizuführen. Er, der nicht eiu- 
zugl dem eigenen Vater seine Geheimnisse anvertrauen 
Nirste, fühlte ein brennendes Verlangen, die Komtesse auf 
zuklären und damit.die lächerliche Rolle zu enden, die 
man ihr ausgezwungen hatte. 
Wirklich drängten sich ihni die ersten Worte des Be 
kenntnisses schon auf die Lippen, als ein Zufall ihn ver- 
hinderte, sie auszusprechen. 
Eben jetzt mar Herta an. der Tür zum Nebenzimmer 
vorübergegangen, und Lydist Aldringen hatte sie.angesehen. 
Der Ausdruck aber, der Dabei auf ihrem AnÜitz zutage 
trat, ftvar es, der EberhaW die Lippen verschloß. 
nicht sagen, daß sie zornig. oderqifcxsüchtig, ober Irgend 
wie böse ausgesehen Hütte. Und doch war etwas auf ihrem 
Gesicht, was ihn warnte, was ihn ahnen ließ, daß sie mehr 
dachte, und mehr empfand, als sie ihren Lippen auszu- 
sprechcn gestattete, und daß cr richtiger daran tat, ihr 
gegenüber Vorsicht zu üben. 
Vielleicht deutete sich Lydia Aldringen sein Schweigen 
doch so, daß er ernstlich verletzt sei. Denn im Tone eines 
bittenden Kindes sagte sie: 
„Sie dürfen mir nicht böse sein über das, was. ich ge 
sagt habe. Es ist gewiß nicht recht von mir. Aber wir 
befinden uns beide in einer schwierigen Lage. Die-Wünsche 
unserer Freunde treiben - uns . auf einen Wetz, den wir 
vielleicht beide nicht gehen wollen. Ist.es nicht jo?"' 
Und sie sah ihn so lieb an, daß er entwaffnet war. 
„Lassen Sie uns darüber sprechen/? sagte, er plötzlich, 
während er ihr einen Sessel in einer Ecke des Salons 
zurechtrückte. . Sie waren noch immer allein; und es-war 
nicht wahrscheinlich, daß jemand- ihrZwiegespräch stören 
würde. ' • , 
Sie folgte seiner Aufforderung, und er ließ sich ihr 
gegenüber nieder. 
„Ich fürchte, Sie.zürnen, mir-noch immex.^sagch.. er. 
„weil ich meinte» daß Sie lieber in größerer Gesellschaft 
als mit Inir ; allein nach Myyto- Carlp gehen zy>ürpefl." . 
Dieser Beginn war. gewiß nicht sehr tpftvosl.undjcinzig 
dem Bemühe,, zuzuschreiben,,.derKoyrtessss.an.Offenheit 
gleichzukommen. Aber Lydia Aldringen zeigte sichrer Lage 
gewachst,,. Ohne-jed^ EchMndljchkeis. mit pem, .Ausdruck 
ungekünstelter Heiterkeit erwiderte sies; ‘ 
„Ich.glaubst nur», daß e-.für,Hie ein zu großes. Wag- 
nis-wäre, Mine Gesellschaft nicht 
durch dje. Gegenmapt der .MqdaM..-e RqycoustunH.Frau 
. Hermann— gemildert, würde." 
Eberhaxh. lachte p . 1 ft. . .... 
„Ich Miß wohl,. nichts Derartiges vermieten, 
/»Komtesse;" sagte er,.^„Sie sind...viel zu klug,, als daß Sie 
Er konnte nicht sagen, was es.gewesen war.. Er.konnteWahrheit'nicht-hätten^errstten jplless, 
Schrippen im Gewicht von 75 Gramm, das Stück zu 
40 Pfg., täglich frisch ohne Marken kaufen, ebenso Weiß 
brote. Die grauen Schrippen dagegen, 'zum Preise von 
20 Pfg., können nur gegen Brotmarken gekauft werden. 
Auch in vielen Orten der Mark, z. B. in Brandenburg, 
kann man Schrippen ohne Marken kauKn. Es ist doch 
also, wohl Mehl genügend vorhanden, nur wird es eben 
zu teuerem Preise „verschoben" und auch die Bäcker 
in den betr.'! Orten machen dabei ein gutös Geschäft, 
denn fcie meisten kaufen lieber die weißen' Schrippen 
ohne Marken, als die grauen gegen Marken.''In un 
serm Orte haben die Bäcker nätürlich kejift Schuld, sie 
tnüfsen nehmen und verbacken, was ihnen gegeben wird. 
Wie mit dem Brot, ist's mit den Kartoffeln, .die natürlich 
auch für die Brotstreckung fehlen. Seit. 4 Wochen erhalten 
unsere Hausfrauen keine Kartoffeln, während in anderen 
Orten die neuen Kartoffeln zu billigem Preise freihändig 
verkauft werden. Uns gibt man dafür Ersatz, -aber einen 
Ersatz, der so schlecht ist, daß ein hiesiges Gemeinde- 
verordneter schon vor Monaten vorgeschlagen hatte, ihn 
als Viehfutter schleunigst abzusetzen. Dabei sind diese 
gemeindlichen Ersatzmittel teurer, als man sic in jedem 
Geschäft freihändig kaufen kann. Die ganze 
Zwangswirtschaft erscheint nach diesen angeführten Tat 
sachen als ein Hohn auf unsere Ernährung. Viele Orte 
leben im GUebersluß, andere lmben Not. Berlin scheint 
überhaupt am traurigsten beliefert zu werden. Auch mit 
Fett- und Flcischwarcn. Wer heute reist, braucht über 
haupt keine Fleischkarte mehr. Schmalz und schönen, 
weißen, fetten Speck bekommt inan überall ohne Karte. 
Im Harz z. B- ist Speck zürn Pfundpreise von. 19 M. 
in fast jedem Laden, fclbjt in — Seirengeschäften zu 
frei, dagegen muß für Schmälz immer noch die Fettkarte 
haben. In Groß-Berlin ist jetzt endlich Margarine'karten- 
berhalten, falls man es nicht „hintenherum" kaufen will. 
*sn änderen Orten kann man selbst Butter freihändig 
im Laden kaufen. 
o BuUrr uind SchM!<rlz. Ab 2. August 1020 beträgt 
die gewöhnliche Wocheninenge an Speisefetten: 20 Gramm 
Butter und 70 Gramm Schmalz. Der Preis für Butter 
darf im Bezirk der Fettstclle Groß-Berlin int Kleinhandel 
nicht übersteigen: für Handelsware I 75 Pfennig, für Han 
delsware II 73 Pfennig' für je 20 Gramm. Der Preis 
für Schmalz darf im Bezirk der Fettstelle Groß-Berlin 
im Kleinhandel M.' 2,52 für je 70 Gr. nicht üvcrstcigeit. 
Diese Preise gelten vom 2. August ab. 
o Prvistvcpte Kleider, Stoffe, Wäsch: und Schuhwirren. 
Die amtliche BellcidungSstclle Berlin-Treptow, am Trep 
tower Park '32 (zwischen Ringbahnhof Treptow., und 
Karpfenteich) stellt den Bestand ihrer außerordentlich 
preiswerten Waren in Herren-, Burschen- und Dämen-Be- 
klcidungen, Stoffen, Wäsche, und Schuhware? auch der 
hiesigen Bürgerschaft zum Einkauf zur Verfügung,, Ver 
kauf Montag, Mittwoch, Sonnabend, -von 8—6-' Uhr, 
Dienstag, Donnerstag, Freitag von 8—3 Uhr. Äus- 
weispapiere sind mitzunehmen. Nähere Auskunft bezüg^' 
lich der vorhandenen Gegenstände und der Preislagen 
wird hier'im Rathaus, Zimmer 55, erteilt. ** 
o Erjnäßigt.Iwg dftr Vrannsohleupreifc. Nach Bera 
tungen im großen Ausschuß des ReichSkohlenrates werden 
mit Wirkung vom. 1. August mitteldeutsche und ostelbische 
Braunkohle-BrikcttS um 18 Mark für- di.e -Tonne im 
Preise 'ermäßigt. Für Rohbraunkohle gleicher Herkunft 
tritt'ein Abschlag von 9 Mark , für die Tonne ein. Der 
Preis für reinische Briketts wird um 12 Mark und der 
jenige für Rohbraunköhle um 6 Mark für die Tonne 
herabgesetzt. Diese Ermäßigungen machen gegenüber den 
bisherigen Preisen durchschnittlich etwa fünfzehü Prozent 
aus. Auf der anderen Seite wird von der Kohlenindustrie 
ein 'mäßiger Zuschlag auf die bisherigen Preise für Stein 
kohlen, wenigstens soweit westsälische und niedersachsische 
Erzeugnisse in Frage kommen, gefordert. 
o Der .GchchästLberichl unserer .Allgemeinen Orts. 
krankenfasse weist auf das schwere Wirtschaftsleben hin. 
„Die völlige Gesundung des Wirtschaftslebens ist indes 
die. .Grundlage für die Erhaltung nüd den weiteren Aus 
bau unseres sozialen Versicherungswesens." Der in Aus 
sicht gestellten Abänderung der Reichsversichcrnngsordnung 
darf man nicht allzu große Hoffnung entgegenbringen. 
Der Zukunft müssS man es überlassen, ob und wann-das 
große Reformwerk jemals in Angriff genommen wird. Die 
Kassen usw. aber müssen immer wieder- und- mit Nachdruck 
auf die. Unzulänglichkeit der jetzigen -gesetzlichen Maß- 
nahmen hinweisen. Die Versicherungshöchstgrenze müsse 
baldigst und zwar wesentlich heraufgesetzt iverden, wenn 
den Kassen nicht noch weiter große TeM ihrer letzten 
Risiken entzogen werden sollen. Von ganz besonderer Be 
deutung sei zweifellos das Gesetz über Hie-Wochenhilfe und 
Da warf sie den Kopf .'zurück uao jai) lyu mit blitzenden 
Augen an. 
„Nehmen Sie einmal an, ich wäre nicht so klug ge 
wesen, Herr von Nomtnger l Und lassen Sie mich die 
Wahrheit missen." 
Jetzt begann ihm die Art der Unterhaltung Bergnügen 
zu bereiten. Ohne Zögern erwiderte er: 
„Alles, was ich dachte, war, daß wir unseren Freunden 
nicht gestatten dürsten, uns gewaltsam zusammcnzugeben 
— sondern daß man uns besser ganz uns selbst überließe." 
Er war gespannt auf ihre Erwiderung—vielleicht auch 
darauf, ob sie gekränkt war oder nicht. Aber es hatte 
nicht den Anschein, als hätte er sie beleidigt. Wohl ließ 
sie ihn eine lleine Weile auf die Antwort wartell; dann . 
aber sagte sie: 
„Ihr Herr Vater und Ihre Schwester haben mich vorhin, 
auf die „Gefahren" aufmerksam gemacht, die' mit dem 
Ausflug verknüpft find. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu 
sagen, worin sie bestehen sollen. Wohl—ich bin bereit, 
sie auf mich zu nehmen. Und wenn auch Sie dazu bereit 
sind, so wollen wir morgen das Kasino besuchen. Wir 
können, wenn wir einen- ganzen Tag miteinander allein 
sind, uns besser kennen lernen — wenn wir .uns in Berlin 
nicht bereits genügend kennen gelernt haben — und wir 
werden sehen, ob wir zueinander passen oder nicht." 
Er zögerte. 
, „Würden Sie es für sehr anmaßend, halten," sagte er, 
„wenn ich Sie darum befragte, was mein Bater Ihnen 
gesagt hat?" 
„Er sagte," erwiderte sie einfach, „daß er sich außer 
ordentlich freuen würde, wenn ich seine Tochter würde — 
daß das fein lebhaftester,- Michfch. fei, und daß Sie .ihm 
allen Grund gegeben hätten, bei Ihnen den gleichen Wünsch 
vorauszusetzen.- Ist das die Wahrheit? .— Ich weiß,- daß 
ich jetzt weiter gehe, als es mir eigentlich erlaubt Ist — 
aber ich muß diese Frage.stellen. .-Icnn ich beginne daran 
zu zwx.ifeln, daß cr mir die Wahrheit gesagt hat.". ' 
Eorlsetzung,
        
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