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Periodical volume Nr. 170, 29.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Tungen über Wanderung der unhaltbaren Verordnung ein 
zutreten. Sollte das Ministerium sich binnen weniger 
Tage zur Einleitung Don derartigen Verhandlungen grund 
sätzlich nicht bereit erklären, beauftragt die Versammlung 
heute schon den Vorstand des Berliner Bundes,^ an sämt 
liche Groß-Berliner Grundbesitzer die Aufforderung er 
gehen zu lassen, die Zahlung der öffentlich rechtlichen 
Abgaben einzustellen, die weitere Verteilung der Lebens- 
wittel-s Kohlenkarten usw. abzulehnen ünd-die städtischen 
Ehrenämter niederzulegen. 
o Uefret dir Regelung der Steuerabzuges finden noch 
immer Beratungen mit den Vertretern der Arbeitgeber 
und Arbeitnehmer im Reichsfinänzministerium, statt. Man 
hat sich auch über die Ausführungsbestimmungen noch 
nicht klar werden könney. Es wurde darauf hingewiesen, 
daß kein Betrieb in der Lage sei. ab 1. August d. Js. 
die Ausführung der ergänzenden Regelung in Anwendung 
zu bringen. 'Der Vertreter des ReichsfinanMinisteriums 
sagte zu. folgende Vorschläge beim Rcichsfinanzminister 
zu unterstützen: 1. Die Äusführungsbestimmungen treten 
noch nicht am 1. August 1920 in Kraft, sondern erst 
an einem späteren Termin nach eingehenderer Durch 
beratung in einer kleineren Kommission, zu der Vertreter 
der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände zuzuziehen 
sind. Für die Zwischenzeit werden Uebergangsbestimmun- 
gen geschaffen, die die Durchführung des Steuerabzuges 
^wesentlich.vereinfachen. Ihr Inhalt soll im wesentlichen 
nur sein, daß der Abzug in Höhe der Prozente der No 
velle von den Bruttoeinnahmen unter Freilassung von 
200 Mark für Unverheiratete und 300 M. für Verheiratete 
erfolgt. 
oA Die Kuratic St. Elisabeth in Schiöncberg wird 
'auf Grund von Errichtnngsurkunden des Fürstbischofs 
von Breslau mit Wirkung vory 1. August ab zur selb 
ständigen Pfarrei erhöbet?. Der Sprengel der neuen 
Pfarrei, die dem Archivprcsbhterat Berlin und dem Ge 
samtverband der katholischen Kirchengemeinde Groß-Berlin 
angehört, bleibt unverändert. , 
oA Schwindelhafte Siedlüngsunternehmen. Landrat 
v. Achenbach weist in einer an die Einwohner des Krei 
ses Teltow gerichteten öffentlichen Warnimg auf die zur 
Kenntnis der Behörden gelangte Tatsache hin, daß viel 
fach Siedlungsgesellschaftcn lediglich zu dem Zweck gegrün 
det werden, Siedlungslustig'e zu betrügen und ihnen das 
Geld abzunehmen. Als Name wird von diesen Ünternch- 
Uiungen meist eine gemeinnützig klingende Bezeichnung 
gewählt. Der Landrat warnt deshalb davor, mit neu 
gegründeten unbekannten Siedlüngsgcscllschaften in Ver 
bindung zu treten und diesen gegenüber finanzielle Ver 
pflichtungen einzugehen, bis nicht zuverlässig festgestellt 
ist, daß es sich um ein einwandfreies und sicheres 11 n* 
tcrnehmen handelt. 
o Mqul- Md Klauenseuche Unter dem Viehbestände 
des Molkereibesitzers Heinrich Schröter in der Garten 
kolonie „Heiterkeit",. Laube 63, zu Berlin-Schöneberg, 
verlängerte Begasstraße, des Landwirts Gustav Nieter 
zu Berlin-Schöneberg, Tempelhofer Weg 65-66, und des 
Viehhändlers nnd Molkereibesitzers Gustav Blisse zu Bcr- 
lin-Wilmersdorf, Berlincrstraße 122, ist der Ausbruch 
der Maul- und Klauenseuche amtstierärztlich festgestellt 
worden. Die Scuchengehöfte sind als Sperrbezirke be 
stimmt; Bevbachtungsgebiete sind nichO gebildet worden. 
o Die erhöhten Eintrittspreise der Siaatsthrater. 
Das Ministerium für Wissenschaft und Volksbildung hat 
genehmigt, daß in den Staatstheatcrn eine Neuregelung,^ 
das heißt im wesentlichen eine Erhöhung der Eintritts 
preise stattfindet. Für die Oper sind die Tagespreise 
wie folgt Mgesctzt: Große Mittclloge (die ehemalige Kaiser 
loge) 50 M.; Fremdcnloge, Seite, 40 M.; Orchcstcrloge 
40 M.; 1. Rang, Loge. 35. M.; 1. Rang, Balkon, 35 M.; 
Parkett, 1. bis 8. Reihe, 35 M.; Parkett ab 9. Reihe 
30 M.; 2. Rang 20 M.; 3. Rang 12 M.; 4. Rang, Sitzplatz, 
6 M.; 4. Rang, Stehplatz, 3 M. — Im Schauspiel- 
hause werden folgende Preise gelten: Große Mittelloge 
30 M.; Fremdenloge, Mitte und Seite, 25 M.; Orchester 
loge 25 M.; 1. Rang, Loge, 25 M.; 1. Rang, Sessel, 
25 M.; Orchestersessel 25 M.; Parkettsessel 20 M.; Parkett 
15 M.; Parkettloge 15 M.; Balkonloge 10 M.; Balkonsessel 
10 M.; 2. Balkon 5 M.; 2. Balkon, Proszcniumsloge, 
3 M.; Galerie 1,50 M. — Wie früher üblich, wird auch 
für die Staatsthcater ein Jahresabonnement auf 
gelegt. Als Abonncmentsprcis gilt der jeweilig angezeigte 
Tageskafsenprcis unter Gewährung einer Ermäßigung bei 
Preisen von 25 M. und aufwärts von 3 M., 15 M. und 
aufwärts von 2 M., darunter 1 M. Mit dieser neuen 
Festsetzung ist von der früheren Praxis abgewichen, die 
einen bestimmten Preis für die Abonnementskarten vor 
sah. Jetzt, nach dem neuen Modus, ivird sich bei Er 
höh,urg der Tagespreise auch der AbonneincntspreiS er 
höhen. . 
v Preußische Klassanlotterft. Zur 2. Klasse sind die 
Neulose bei Verlust des Anspruchs nach § 5 des Lotterie 
planes bei dem zuständigen Lotterie-Einnehmer bis späs- 
testens Freitag, den 6. August 1920,/unter Vorlegung 
des Vorklasselvses und Entrichtung des Einsatzes ent- 
Pehmen. , 
o BjeigiMender PveiSvMbou. In einer gemeinsamen 
Satzung zwischen Verbrauchern und Erzeugern wurde, 
wie der „Voss. Ztg." aus Trier gedrahtet > wird, unter 
Leitung des Regierungspräsidenten eine bedeutende Er 
mäßigung der Preise für Gemüse und Obst vereinbart. 
Die-Preise für Textilwaren wurden um '25 v. H., für 
Schuhwaren um 20 ü. H. ermäßigt. 
o Der Ucbcrfall auf die Offiziersabteilung inSchOur- 
tzerg währllnd der Kappwqche. Von den Deutschnationalen 
ist an die Reichsregierung folgende Anfrage gerichtet wor 
den:, In den Tagen des Kapp-Putsches ist in der Kv- 
lonncnstraße in Schönebcrg eine Abteilung des Schuh- 
Regiments Groß-Berlin vom Pöbel überfallen, mißhan 
delt und beraubt worden. Die bei diesem Vorfall Be 
raubten haben bis zum heutigen Tage keinen Ersatz für 
den ihnen zugefügten Schaden erhalten. Was gedenkt 
die Rcichsregierung zu tun, um den Opfern des Ueber- 
falls zu ihrem Rechte zu verhelfen? Ist die Reichsregie 
rung in der Lage, 'Aufklärung über die Schritte zu 
geben, die bisher getan worpen sind, um die Täter 
des Ueberfalls zu ermitteln? 
o „Einsteins Relativitätstheorie" lautet das Thcnia 
des Lichtbildervortrages, den Herr Dr. Friedrich Barnewitz 
am Sonnabend ,den 31. Juli, und Montag, «den 2. August 
abends 8 Uhr im größen Hörsaal der Treptow-Stern 
warte halten wird. Eintrittskarten sind vorher an der 
Kasse der Sternwarte, in der Auskunftsstelle der Stern 
warte, Berlin, Unter den Linden 6 (Mnimax) und an 
der Abendkasse erhältlich. I 
o Selbstmord. Der 19 Jahre,alte Arbeitslose Adolf 
Krause aus Steglitz ist auf dem unbebauten Gelände 
südlich der Staatlichen Erziehungsanstalt in Lichterfelde 
mit Cyankali vergiftet tot aufgefunden worden. K. hafte 
sich vor kurzer Zeit verheiratet, hatte aber von früher 
her noch Beziehungen, die auf seinen Gemütszustand ver 
stimmend einwirkten. 
o Als gefunden ist der Fundstelle im Rathause ge 
meldet: eine Brille. 
Vereins-Nachrichten 
)( Friedenauer MSnner-Gesang-Berei« 1875. UebungSstun- 
den jeden Donnerstag 8—10 Uhr im „Hohenzollern". Sanges 
kundige Herren als Mitglieder jederzeit willkommen. 
)( Die Freie Vereinigung deutscher Künstler tagt jeden 
Donnerstag, abends 7 Uhr, im Restaurant „Pfefferberg", Fried 
rich WilhelmlPlatz, Friedenau, und nimmt tüchtige Fachge 
nossen auf. 
)(■ Die Jugendgruppe der Deutschen Volkspartei hat ain 
Montag, den 2. August 1920, abends 8 Uhr, ihte Zusammen 
kunft im Jugendheim, Offenbacher Straßt. Es spricht: Stud. 
rer. pol. Hubrich. Gäste und Freunde unserer Sache sind 
willkommen! 
turnen, Spiel, Sport 
s. Männer-Turnverein', t. '"B. (Obttv.)..' Die - Mitglieder 
werden nochmals auf das am Freitag, den 30. Juli, um 
<1/2 Uhr, stattfindende gemeinsame Turnen aufmerksam gemacht. 
Sämtliche Teilnehmer am Kreis-Turnfest sind verpflichtet, hier 
an teilzunehmen. — Gleichzeitig werden die Mitglieder noch 
mals aus den Wandertag a,n Sonntag hingewiesen. 
Berlin und Vororte 
§0 AchchcrMjg deS Fahrplanes der ^ Straßenbahn- 
linie I. Lur Herstellung regelmäßiger Fahrabstänoe im 
Verkehr der Linien 47 und I auf der Strecke zwischen 
Neukölln, Hermannplatz, nnd Britz, Buschkrug, wird vom 
1. August d. I. ab auf Linie I — Südring — ein neuer 
Fahrplan eingeführt, bei dem die Abfahrtzeiten gegen 
die bisherigen um etwa 15 Minuten verschoben sind. 
Näheres ergibt sich aus den. Aushängen in den Wagen. 
Zuschriften 
Mr IM» SWWI üdernihm« »4s Mat 
Will Herr Schwarz die Vermieter unterstützen? 
In seinem Aufsatz „Die Mieterbewegung— eine Kon- 
sumentcnbewegung" in Nr. 166 des FrieKnaucr Lokal- 
Anzeigers gibt Herr L. Schwarz die Absicht bekannt, die 
„Wirklich!—Jst.das bestimmt?" gab Eberhard ironisch 
zurück. „Ohne das Borwissen der beiden, die cs doch wohl 
am nächsten angeht?" ^ 
Der Freiherr fürchtete, daß sie in offenen Streit ge 
raten würden, und er mischte sich deshalb ein. 
„Wenn die Komtesse in größerer Gesellschaft zu fahren 
wünscht," sagte er, „so mag cs sein. Aber wir werden 
sie doch wohl selbst befragen müssen, ehe wir uns ent 
schließen." 
. Mabcl stimmte .lebhaft zu, Eberhard aber konnte die 
Bemerkung nicht unterdrücken, daß es viel richtiger gewesen 
wäre, wenü das Haupt der Familie nach eigenem Gut 
dünken bestimmt hätte, anstatt sich nach den Wünschen 
anderer zu richten. . Daß der Freiherr sich hatte nach 
seinen eigenen Wünschen richten sollen, vergaß er dabei 
freilich. 
Sie befanden sich alle drei in großer Erregung denn 
cs war ja keiitVr von ihnen im Zweifel darüber, um was 
es sich eigentlich handelte. Eberhard wußte sehr genau, 
daß.dieser 2ljj-s!ug lediglich dazu dienen sollte, eine Ber- 
b.uiflng zwischen ihm und der Kopitcsse herbeizuführen — 
eine Verbindung, die einzugehen ernaturgemäß kein großes 
Verlangen tragen konnte. Das war Mabel natürlich nicht 
.verborgen, aber sie rechnete darauf, daß die Klugheit und 
Meichicklichkeit der Komtesse diese Schwierigkeiten über 
winden würden, und daß sie es verstand, ihr Alleinsein, 
in Monte Carlo richtig auszunutzen. 
Wenn Eberhard Herta nicht, mehr sah, wenn er mit 
der andern allein' war, gelang cs ihr hoffentlich, ihn, der 
allen Einstüssen.so leicht zugänglich war und Augenblicks- 
stimmungen nachgab, zu einer bindenden Erklärung zu 
bringen. 
Der Freiherr war, ruhiger als die beiden, aber er be 
griff die Lage so gut wie sie, und er war weniger denn 
je im Zweifel darüber, welchen Weg sein Sohn zu gehen 
hatte. ■> 
War ihn, das. Hciratsprojekt erwünscht gewesen, als 
es noch, gleichsam.der Lust schAL-te — jetzt, wo die- 
Tochter des Grafen in seinem Hause weilte, Ivo sie sich 
bemüht hatte, so angenehm und liebenswürdig als möglich 
zu erscheinen, wo sie ihm zu erkennen gegeben hatte, daß 
feine Plane ihr erwünscht wäre», gab es für ihn keine 
Wahl mehr. Ob es nun Eberhard angenehm war oder 
nicht: er- hatte den Willen seines Bakers zu respektieren. 
; Cie fanden die Komteffe im Gespräch mit Magdalene, 
unkr sie schien auch hier bemüht zu sein, so angenehm als 
möglich zu wirken. In Wahrheit hatte Lhdia Aldringen 
crlastnt, daß Magdalene ihr von .allen Fämilienmitgliedern 
an, wenigsten günstig gesinnt war, und daß sie hier die 
größten Anstrengungen zu machen hatte, sich Wohlwollen 
und Zuneigung zü gewinnen. 
Als eine Pause im Gespräch es ihm gestattete, redete 
Her Freiherr seinen 'Gast an. 
„Wir haben einen großen Familienrat abgehalten, 
meine' liebs'Komtesse," sagte er lächelndi Wie sie so dasaß, 
halb nach ihm umgewendet, anmutig und graziös in jeder 
Bewegung, in jeder Linie ihres Körpers, ein reizendes 
Lächeln xtr.i die Lippen, fand er das aufrichtigste Wohl 
gefallen an ihr, und er begriff nicht, wie ein junger 
Mann dieser Frau Gegenüberqlöichgültiq bleiben konnte. 
„Was würden Sie ' dazu sagen, den Ausflug nach Monte 
Earlo in größerer Gesellschaft zu machen ? — Sie und meine 
Tochter — Eberhard und ich — und vielleicht noch einige' 
/oon unseren französischen Freunden. Wir- könnten am 
^Morgen hinüberfahren und am Abend zurückkehren." 
Die Züge der Komtesse hatten das Lächeln unverändert 
festgehalten., Und wenn der Ausdruck ihres Gesichtes den 
Freihrrrn'jetzt dennoch mit Unbehagen erfüllte, so hätte er 
kaum zu sagen, vermocht, worin es lag. Jedenfalls, sah 
sie zu Eberhard hinüber und verriet dem Frühern, damit, 
daß sie wohl wüßte, wo sie den Urheber der Idee zu 
juchen hafte. , - , 
* „Reizend I" sagte sie mit vollendeter Liebenswürdigkeit. 
„Ganz reizend! — Ich hoffe, daß Sie gutes Wetter Hohen -■ 
werden, und wünsche Ihnen recht viel 'Vergnügen, 
selbst bitte ich zu entschstkdiaen, wenn ich nicht 
Friedenauer Mieterschaft zu einer Konsumenten Organisation 
auszubauen, welche nicht nur bei Bestreitung der in den 
Häusern notwendig werdenden Reparaturen, sonhcrn auch 
im Detailbandel mit den üblichen täglichen Bedarfsartikeln 
beiden beteiligten Kreisen, dem Käufer und dem Lieferer, 
Vorteile bringen muß und wird. Mau mag beim Bestehen 
schon so zahlreicher Konsum- und VcrkaufSvereine und 
ähnlicher Organisationen über daS Bedürfnis nach einer 
Neugründung und über die Aussichten auf eine selche 
depken wie man will, jedenfalls muß einzelnen Stellen 
des Aufsatzes auf das entschiedenste widersprochen werden. 
Dias sind diejenigen, in denen die Absicht des Herrn 
Verfassers damit begründet wird, daß der Mieter solche 
Arbeiten (nämlich die im Hause erforderlich werdenden 
Reparaturen) notgedrungen aus eigenen Mitteln bestreiten, 
aus eigener Tasche bezahlen muß. Diese Auffassung 
widerspricht durchaus den zur Zeit bestehenden Besinn- 
münzest der Höchstmietcnordnung § 8 Absatz 2 und ß 10 
unterstützt aber gleichzeitig in ganz unberechtigter Weise 
die Ansprüche der Vermieter an die schon an und für sich 
durch die immer, wachsenden Metsteigerungen schwer be 
lasteten Meker. Wie ist cs möglich, daß Herr Schwarz, 
der doch wohl dem Vorstand des Friedenauer Mieterbuudcs 
angehört, die Interessen der Vermieter durch die in den 
angeführten Stellen ausgedrückten Ansichten unterstützen 
kann? z, Mitglied des Friedenauer Micterbundes. 
Vermischtes» 
* Die Stärke deS neuen Heeres. Das neue Reichsheer 
wird nach der Herabsetzung auf 100 000 Mann folgende Stärke 
aufweisen: 1 Chef der Heeresleitung, 4 Generale, 44 Ge 
neralleutnants, 36 »Generalmajore, 123 Obersten, 205 Oberst 
leutnants, 412 Majore, 1058 Hauptleute, 596 Oberleutnants, 
1192 Leutnants, 217 Aerzte, 142 Veterinäre, *09 Musik 
meister, 100-Zahlmeister, 100 Oberfeuerwerker, 97 Feuerwerker, 
142 Zeugfeldwebel, 198 Schirrmeister, 48 Brieftaubenmeister, 
93 Unterwaffenmeister, 317 Fahnenschmiede, 722 Oberfeld 
webel, 2097 Feldwebel, 43 594 Unteroffiziere, 78 378 Manu- 
schäften. - . 
<* Der Christliche Mittelstand zum Verbot der Technischen 
Nothilfe im besetzten Gebiet. Kürzlich richtete der Gesamt 
verband „Christlicher Mittelstand" an die Reichsregierung fol 
gendes Telegramm: „Es ist uns bekannt geworben, daß die 
sogenannte Technische Nothilfe von seiten der Interalliierten 
Rheinlandkommission in Koblenz verboten worden ist. Die augen 
blicklichen Verhältnisse lassen in den besetzten Gebieten jeder 
zeit den Ausbruch von Streiks und Unruhen befürchten. Hierbei 
' müssen' unter allen Umständen die lebenswichtigen Betriebe ge 
schützt nnd in Arbeit gehalten werden. Es liegt daher im wirt 
schaftlichen Interesse der Gesamtheit und des einzelnen, wie im 
Interesse der Sicherheit und Ruhe der Bevölkerung, wenn dieser 
aus der Not der Zeit hervorgegangenen Einrichtung, in der 
sich ffricd- und arbeilliebende, für das Wohl der ganzen Be 
völkerung bedachte Mitbürger zur persönlichen Hilfst),enstleistung 
verpflichtet haben, die.Möglichkeit hierzu voll Md ganz wieder 
gegeben wird. Der Gesamtverband des Christlichen - Mittelstan 
des bittet die Reichsregiernng auf das dringendste, dahin wirken 
zu wollen, daß das Fortbestehen der Technischen-Nothilse von 
seiten der alliierten Behörden gestattet wird." - , , 
* EI» Neues Unternehmen des Kunstmarktes. Das Meßamt 
zu Frankfurt a. M. hat sich entschlossen, seinen auf den beiden 
vorangegangenen Messen besonders erfolgreichen Ausstellungen 
alter und moderner Kunst eine neue Kunstversteigerungs-Äb- 
teilung unter Leitung von Dr. Lübbecke anzugliedern. Die 
von dieser veranstalteten Versteigerungen sollen auf jeder Früh 
jahrs- und Herbstmesse stattfinden. Ihre Organisation ist in 
Gemeinschaft mit dem Frankfurter Kunsthandel und den Auk- 
tionshäusern aufgebaut, die gemeinsam das Zusammenkommen 
der zur Auktion bestimmten Kunstware vermitteln.^ Außerden, 
kann jeder handelsgerickMch eingetragene Kunsthändler den 
Auktionen der Messe Kunstgut aus eigener und Privathand zu 
führen. Mcldnngsschluß für die Versteigerung:, 10, August, für 
die Ausstellung: -10. September. 
*0 Essipscher Vandalismus. Auf der zur Republik Estland 
gehörigen Insel Oescl ist ein deutscher Kriegsgedenkstein,, der 
sich auf der Halbinsel Sworbe im Süden der Insel befindet, 
von den Esten zerstört worden .Der Gedenkstein trug die In 
schrift: „An dieser Stelle übergab am 16. 10. 17 der Kom- 
mandeur der russischen Streitkräste auf Sworbe sich und seine. 
Truppe dem Kommandeur des 2. Lothring. Jnf.-Regts. 431. 
Hierdurch geriet die Halbinsel in deutschen Besitz." Finnland 
errichtet aus Dankbarkeit für die Befreiung vom Bolschewismus 
ein deutsches Kriegerdenkmal; Estland aber, für dessen Rettung 
aus dem roten Chaos auch deutsches Blut geflossen ist, zerstört 
einen historischen Gedenkstein an deutsch-russische Kämpfe. 
* * Wie es einem ergeht, wenn man abstimmen will. Aus 
London erhält das Deutsche Auslands-Institut Stuttgart boil 
einem alten und erfahrenen Ausländsdeutschen eine Zuschrift 
mit einer Schilderung von Erlebnissen, über die man fast lachen 
könnte, .wenn die Sache nicht gar- so traurig wäre. Der Ver 
trauensmann schreibt u. a.: „Ich bin, oder war jedenfalls, 
einer der Stimmberechtigten in Schleswig, kraft meiner Ge- 
biirtigkcit aus Flensburg,- jener Stadt der Nordmark, die am 
15. März 1920 ein so glänzendes Beispiel von deutschem Na- 
Pnrtie teiir.ehine. Gerade nach Monte.Carlo darf man 
nicht in größerer Gesettschast gehen, menn man sich in 
nieiner Art unterhalten will. Aber ich bitte Sie dringend, 
lie) dadurch in Ihren Dispositionen nicht beeinflussen zu 
lassen. Ich will.gern ein paar Tage warten, bis einige 
meiner Freunde hier durchrcijeu — dann werde ich hoffentlich 
jonfanbea finden, der sich meiner erbarmt und mich in 
das Kasino begleitet." 
So liebenswürdig das gesagt war — so angenehm die 
Sprecherin lächelte — an der fast beleidigenden Klarheit 
dcr Worte konnte es nichts ändern. Und der Freiherr 
fühlte, daß feine Aussichten, eine aristokratische Schwieger 
tochter zu gewinnen, um sehr vieles -geringer geworden 
waren. Aber er war nicht gesonnen, diese Aussichten auf 
zugeben: und er beeilte sich, den begangenen Fehler wieder 
gutzumachen. 
„Ich bin fast geneigt, Ihnen,recht zu geben," sagte er 
nilt einer Hast, die zu augenfällig war, als daß sie ihr, nicht 
.ein klein wenig lächerlich hätte machen sollen. „Es wird 
jedenfalls vernünftiger fein, den ursprünglichen Plan bei 
zubehalten. Wir — Eberhard meinte nur,' es wäre Ihnen 
vielleicht erwünscht, wenn —wenn noch einige Damen Sie 
begleiteten." 
Die Komtesse lachte. 
„Früher, wo man nicht zwei Schritte allein tun durste, 
hätte man es vielleicht für notwentzig gehalten," sagte sie. 
„Aber heute l — Wo jeder, ob er nun jung oder alt ist, 
tun kann. was ihm gefällt, und sich unterhalten kann, wie 
es ihm behagt Natürlich würde es mir das größte 
Vergnügen sein, mit Ihrer Familie eine Tagespartiö' zu 
unternehmen — wenn es nicht gerade nach Monte Carlo 
wäre. Sie werden das verstehen und verzeihen — nicht 
wahr? — Jedenfalls bin ich Ihnen sehr dankbar dafür, 
daß Sie mich gefragt haben." 
(Fortsetzung fokot)-
        
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