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Periodical volume Nr. 170, 29.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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«r. 17« 
Berlill-zrleLevlw. Donnerstag. Den 29. Soli 1910 
Zshrg. 27 
neueste HacbHcbten 
Berlin. Das Neick-swehrministerium hat an die 
ReickMwehr einen Befehl gelangen lassen, in dem vor 
wilden Werbern gewarnt wird, die Kanonenfutter für die 
Rote Armee oder zur Bekämpfung des Bolschewismus 
suchen. Die Regierung kann solchen Verführten keine 
Unterstützung angedeihen lassen. Gegen die Verführer und 
Werber aber wird mit. aller Schärfe des Gesetzes einge 
schritten werden. 
Bonn. Eine seit einiger. Zeit in Honnef a. Rh. zur 
Kur weilende Familie aus Oesterreich, em Elternpaar mit 
seinen ertpachsenen Söhnen, ist.gestern tödlich verunglückt. 
Die Eltern und zwei Söhne unternahmen einen Äuto- 
qusslug ins Siebengebirge. An einer Straßenkreuzung in 
Obercassel fuhr ein Lastauto in das Personenfahrzeug 
hinein und zertrümmerte dieses vollständig. Die vier 
Insassen wurden sofort getötet. Der in Honnef zurück 
gebliebene Sohn starb bei Ueberbringung der Trauernach 
richt an einem Herzschlag. 
A l l e n st e i n. Nach Berichten aus Paris über die 
Abstimmung in Allenstein und Marienwerder sollen diese 
Bezirke bei Deutschland bleiben, doch soll der Abstimmungs- 
ausschuß ermächtigt werden, auf dem rechten Weichselufer 
dem im Friedensvertrag anerkannten polnischen Anspruch 
auf die 'Bewachung des Flusses Rechnung zu tragen. 
Breslau. In Warschau sind über Danzig und das 
Abstimmungsgebiet 300 Entente-Offiziere eingetroffen. Sie 
find auf Grund eines Antrages des polnischen Staats 
rates an die Alliierten abkommandiert worden. Auch Ge 
neral Rollet befindet sich nach einer Meldung des Ober- 
schlesischen Kuriers dabei. 
Warschau. Generalstabsbericht vom 28. Juli: Im 
nördlichen Frontabschnitt besetzten unsere Abteilungen plan- 
Niäßig die Linie Grajewo—Ossowiec—Kamieniec—Li- 
tewski—Kobrin. Das Zentrum der Polesischen Truppen 
geht ohne stärkeren Druck des Feindes nach Abwehr ört 
licher Angriffe des Gegners an der Kobriner Chaussee 
Mit dem linken Flügel nach Westen zurück, um die Ver 
bindung mit den nördlichen Armeen nicht zu verlieren. 
Südlich der Stochod-Linie Ruhe. Am Styr und Serety 
gruppieren sich unsere Truppen zur Angriffsaktion' um. 
Paris. Der Finanzausschuß der Kammer beriet 
gestern nachmittag den Gesetzentwurf über die Bewilligung 
der durch das Kohlenabkommen nüt Deutschland notwendig 
gewordenen Vorschüsse. Nachdent>>er Finanzminister eine 
E ze Reihe von Fragen einzelner Mitglieder beantwortet 
te, weigerte sich der Ausschuß mit 12 gegen '8 Stimmen 
9 Stimmenthaltungen in die Beratung der einzelnen 
Artikel einzutreten. Man nimmt an, daß auf Antrag des 
Ministerpräsidenten der Finanzausschuß sich heut« nach 
mittag in seiner Anwesenheit nochmals mit den Kredit 
forderungen befassen wird. 
Ortsmd>rid)tm 
für f riecUtiaa-ScbSnebora. 
(Rachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
* o Das BermSMi unserer Gemeinde betrögt nach 
dem Voranschlag für 1920 insgesamt 24 416 '<80 M. 
(i. Vorj.: 21 144 043 M.) und setzt sich wie folgt zu 
sammen: Vermögen in bar und in Werten 8 254 330 M., 
Grundeigentum und Gebäude 13 527 577 M., Straßen- 
vrr $o!m Her Millionärs. 
Roman, von Florence Warden. 
2S * (Nachdruck verdaten.) 
„C3 ist wohl einem- andern vor mir gelungen, sich 
ihrer Neigung zu versichern. Sie teilte mir mit, daß sie 
verlobt sei." 
Wenn seine Wortö keine Anspielung enthielten* so 
sprach doch der Blick, den er dabei zu Eberhard hinüber- 
nudle, sehr deutlich aus, was er eigentlich meinte. Und 
der Freiherr verstand ihn. Wenn er auch unter Umstanden 
da sehr freigebig sein konnte, wo er es für eine Pflicht 
der Vornehmheit hielt, so wäre es ihm doch mcht in den 
Sinn gekonnnen, Herta ein Geschenk von jener Großartigkeit 
anzubieten, wie es die ihr zugedachte Mitgift darstellte, 
wenn er nicht einen triftigen Grund dafür gehabt hätte. 
Er war nicht so blind für das, was in seiner Umgebung 
vorging, wie es manchmal den Anschein hatte, und das 
augenscheinliche Gefallen, das Eberhard an der schönen Ge 
sellschafterin fand, war ihm nicht entgangen. Es hätte der 
Andeutungen, die ihm Frau Hermann machte, kaum noch 
bedurft ihn zu dem Angebot einer Mitgist zu veranlassen. 
Nätürlich war es Mabel gewesen,- die ihm diesen Vor- 
schlag gemacht hatte: aber er war gern darauf eingegangen. 
Sollte es dem Mädchen wirklich gelungen sein, Eber 
hard dahin zu bringen, ihr irgend etwas zu versprechen ? 
— Oder war es nur die Hoffnung gewesen, m der Zu- 
kunft etwas Derartiges zu erreichen, die sie veranlaßt hatte, 
Raucourt zurückzuweisen? — Er fand keine Antwort daraus;, 
aber er war einsichtig genug, die große Gefahr zu erkenne 
die da für seine Pläne vorlag. Und weil er selbst mcjt 
wußte, wie er dieser Gefahr vorbeugen konnte,' mußte er 
sich mit seiner ältesten Tochter besprechen. , 
Ich glaube, Sie werden da etwas mißverstanden 
baden*' sog re er tr.it einem schlecht gelungenen Versuch, 
uubefönacn zu erscheinen. ..Ich will sie so.bald als Mög 
lich selbiP.besrpE^r>d8LMchk ,L?.. 
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anlagen 75 030 M., Park- und Baumansagen 87 072 M., 
Inventarien 1 158 785 M., Elektrizitätswerk 1313 985 
Mark. Demgegenüber stehen an Schulden 19382447 
Mark, (i. Vorj.: 18198 332 M.), sodaß das Reinver- 
Mögen 5 034 333 M. (i. B. 2 945 711 M.) beträgt. 
o GrSßepe FENvehrveratrstaltnngrn finden hier am 
kommenden Sonnabend, den 31. Juli, aus Anlaß des 
26. Brandenburgisch. Provinzial-Feuerwehrverbandstages, 
der, wie schon berichtet, vom 30. Juli bis 1. August 
in Friedenau abgehalten wird, statt. Während am Vor 
mittag von 9— IO 1 /* Uhr verschiedene Löschgeräte auf 
dem Gelände an der Laubächerstraße Ecke. Hertelstraße 
(nahe der katholischen Kirche) vorgeführt werden, ist um 
11 Uhr eine Angriffsübung aus das Rcformrealgym- 
nasium und den anschließenden Holzplatz an der Homuth- 
und Wiesbadener Straße vorgesehen. Zuerst wird die 
Friedenauer Weht' hierzu alarmiert, die darnach die Steg 
litzer, dann die Schmargendorfer und Lichterfelder Weh 
ren zu Hilfe ruft, weil der zuerst als Mittelfeuer an 
genommene Brand schließlich sich zum Großfeuer aus 
dehnt. Rach der Uebung versammeln sich die Teilnehmer 
zu gemeinsamem Mittagessen im Ratskeller. Die Voll 
versammlung beginnt dann um 1 Uhr im'Bürgersaal un 
seres Rathauses. Nachmittags um 6 Uhr sind festliche 
Veranstaltungen im Steglitzer Schloßpark. Mit dem Vcr- 
bandstag ist ferner eine Ausstellung zeitgemäßer Feuer 
löschgeräte auf dem Grundstückgclände am Friedenauer 
Gymnasium .(Maybachplatz) verbunden, die bereits am 
Freitag Abend 6Vb Uhr eröffnet wird und deren all 
gemeine Besichtigung am Sonnabend nachmittag um 
5 Uhr stattfindet. Am Sonntag Vormittag werden von 
9 Uhr ab auf dem Gelände an der katholischen Kirche 
Löschgeräte und von 10'/s—12'/a Uhr neue z.T. noch im 
Bau befindliche Motorspritzen am Hafengelände in Steg 
litz vorgeführt. Daran schließt sich eine Dampfer- bezw. 
Motorbootfahrt auf dem Teltowkanal nach Potsdam zur 
Besichtigung der Potsdamer Berufsfeuerwehr und der 
Sehenswürdigkeiten von Potsdam und Umgegend. Von 
Potsdam aus erfolgt die Rückfahrt um 8 Uhr nach dem 
Steglitzer Hafen. Wie wir hören, wird mit dem Erschei- 
nen von etwa 600 Abgeordneten der Feuerwehren der 
Provinz Brandenburg gerechnet, die z. T. schon Freitag 
eintreffen und auf, oeu ^Berliner Bahnhöfen vom Wok^ 
nungöauSschuß empfangen werden. 
o Di« Kanalisation tm neuen Groß-Berlin. Bon den 
acht Stadtgemcinden, 59 Landgemeinden und 27 Guts 
bezirken mit einer Gesamtflächengrößc von 877,66 
Quadratkilometern, die die neue Stadtgemeinde Berlin 
bilden werden, sind bereits 8 Stadtgemeinden, 32 Land 
gemeinden und 4 Gutsbezirke mit einer Fläche von 
483,73 Quadratkilometern mit Kanalisationseinrichtungen 
versehen, während der Rest von 27 Landgemeinden und 
23 Gutsbezirken mit einer Fläche von 393,93 Quadrat 
kilometern noch unkanalisiert ist. In runden Zahlen sind 
also von 9 Flächenteilen der Einheitsgemeinde 5' mit. Ka 
nalisation versehen. Bon den 44 kanalisierten Gemeinden 
benutzen .10 ihre Rieselfelder oder sonstigen Kläranlagen 
allein, während 9 weitere sie gemeinsam mit den übrigen 
25 betreiben, mit denen sie sich zu Kanalisationsverbänden 
zusammengeschlossen haben. — Friedenau und 
Schöneberg haben gemeinsame Kanalisation nach dem 
Rieselfelde Ragow. 
o Zu dam Besichlutz deS W ohnungäe rb and es auf Er 
höhung der Höchistmieten um 10 Prozent teilt uns die 
Arbeitsgemeinschaft der Groß-Berliner Mietervereine fol 
gendes mit: Der Beschluß des Wohnungsverbandes gilt 
sich verhält, tbie Sie sagen. Fräulein Leuendorsf hat mir 
stets einen sehr offenen Eindruck gemacht, und sie hatte es 
wohl kaum vor uns verhehlt, wenn sie bereits verlobt 
Raucourts Züge verzogen sich miede/ zu jenem wenig 
angenehmen Lächeln. , . ,. . , 
»In derartigen Dingen können Frauen sehr schweigsam 
sein, Herr von Rominger," sagte er. Und dann trat er 
zurück, denn eben jetzt kam Frau Mabel Hermann, und 
sie hatte offenbar die Absicht, ungestört mit ihrem Vater zu 
Freiherr zog seine Tochter in eine Fensternische, 
die durch eine schwere Sammetportiere fast vollständig 
gegen das Zimmer hin abgeschlossen war. Aber man 
tonnte den Salon doch übersehen, und sie hatten nrcht zu 
surcyren, oay tyr Gespräch einen unvemerkten Lauscyer 
finden würde. 
»Hast du davon gehört, Mabel, daß Fräulein Leuen- 
borst bereits verlobt ist?" 
Frau Hermann erblaßte, und erregt fragte sie: 
„Woher weißt du das?" 
„Herr de Raucourt teilte mir soeben mit, daß Fräu 
lein Leuendorff seine Werbung mit dieser - Motivierung 
zurückgewiesen hätte." 
„Es ist nicht wahr," sagte Mabel heftig. „Oder wenn 
es wahr ist, so hat uns diese Leuendorff unglaublich ge 
täuscht. Wenn sie anständig handeln wollte, mußte sie es 
dir zum wenigsten sagen, als -du ihr das Angebot der 
glänzenden Mitgift machtest." 
So sehr sie darauf bedacht war, wie man sich Hertas 
entledigen konnte, und so wenig sie wünschte, daß her 
Freiherr Magdalenens Gesellschafterin günstig gesinnt war 
— sie mußte doch in dem, was sie ihm über Herta sagt«, 
kehr vorsichtig sein. Denn sie war nicht frei von einer ge 
wissen Furcht vor dem jungen Mädchen. Die Art, wie sie 
ihr gegenübergetreten war, als Mabel pe wegen der Vor 
gänge fensr Rächt zur Rede stellte, hatte ihr gezeigt, daß 
sie durchaus nicht gesonnen «ar, willkürlich über sich de- 
shimmen zu lassen. 
bei A 
1, Uy 
^icht für laufende Verträge. Soweit also bei laufenden 
Verträgen seit 1. Mai, wo es sich um Wohnungen mit 
Komfort handelt, seit 1. April 1920 die Höchstmiete 
lnit einem Zuschlag von 20 Prozent berechnet ist, bleibt' 
dieser Zuschlag bestehen solange, bis der Vertrag ab 
laust^ Zum Ablauf des Vertrages ist eine rcchtswirksame 
Kündigung notwendig, welche der vorherigen Zustimmung 
des Mietseinigungsamtes bedarf. Während der Laufzeit 
der Verträge kann eine Erhöhung um die vom Wohnungs 
perbaud vorgesehenen 10 Prozent nur eintreten, wenn 
eine ausdrückliche Vereinbarung zwischen Vermieter und 
Mieter zustande kommt. Von selbst oder auf einseitiges 
Verlangen des Vermieters tritt diese Erhöhung nicht ein. 
o Marjgarim« markenfrei! In der Bekanntmachung 
über Speisefette vom 20. Juli 1916 sind jetzt die Worte 
„Margarine, Knnstspeiscsett, Speisetalg und Speiseöl" g e- 
st richen worden, sodaß also nur noch Butter rationiert 
bleibt. Desgleichen ist die Verordnung über die Preise 
für Margarine außer Kraft getreten. 
o Keime Leiberwurst. Wie uns aus dem Rathaus mit 
geteilt wird, hat unsere Gemeinde in dieser. Woche keine 
Leberwurst erhalten. Daher gibt es anstatt 200 Gramm 
250 Gramm Rindergcfrierfleisch. 
o Wischtig. für Elteyrrbciräte. Uns wird geschrieben: 
Die traurigen Erfahrungen der Hciznot der Schulen in 
den vorigen Wintern mit ihren unerträglichen Zuständen 
für unsere Schuljugend, ihre Familien und den Unter 
richt haben die Vereinigten Elternbeiräte Charlottcn- 
b u r g s veranlaßt, eine Eingabe an den Magistrat zu 
richten zur möglichst schleunigen Beschaffung von aus 
reichendem Heizmaterial für die Schulen, welcher der 
Magistrat dem Vernehmen nach durch Auswerfen einer 
großen Summe hierfür Folge geleistet hat. Auch un 
serem Orte droht diesen Winter eine größere Kohlennot, 
als im Vorjahr. Also, Elternbeiräte, vereinigt Euch iir 
der Sorge für unsere Schuljugend, indem Ihr auf um 
gehende Beschaffung von Heizmaterial für die Schulen 
dringt, ehe die Eisenbahnen durch die bevorstehenden Le 
bensmitteltransporte belastet werden. Eile tut not, da 
Gemeiudebeschlüsse dieser Art erst dem Finanz-Ausschuh 
für Groß-Berlin vorgelegt werden müssen. 
o Die Rote Keeuz-M-daillc 8. Klasse ist dem Bau- 
affistentctt Lang ne r pon unserer Gemeinoeverioaltung 
verliehen worden. 8- leitete s. Zt. das Büro der Kuchen- 
Verwaltung des Rcservelazaretts in der Offenbacher Str. 
o ZtiM Stadtrat in Königsberg ist der bisherige 
Vorsitzende deö Schöneberger Wohnungsamtes, B v e t e r s, 
ernannt worden. Sein Nachfolger ist bekanntlich Syndi 
kus Sturm geworden, der jetzt die vereinigten Schöne 
berger und Friedenauer Wohnungsämter leitet. Ober 
bürgermeister von Königsberg ist bekanntlich der frühere 
Schöneberger Syndikus Dr. Lohmeyer. 
o Eine Ehrengabe für die' Technische Rothilfe ab 
gelehnt. Die vom Deutschen Trenllund in Berlin beim 
Staatskommissar für die Regelung der KriegZwohlsahrts- 
pflege in Preußen nachgesuchte Erteilung der Erlaubnis 
zur Auflegung einer Spende als Ehrengabe der Reichs 
hauptstadt an die Technische Nolyttfe ist abgelehnt worden. 
o Gegen die Höchstmicteverordrmng wandte sich eine 
vom Bund der Berliner Grundbesitzervereine im Berliner 
Stadthause veraiistaltetc Versammlung. Nach Ausführun 
gen deS Vorsitzenden Ladendorff wurde eine Entschließung 
angenommen, in der es heißt: Die Hausbesitzer richten 
an die Staatsregierung und an den Minister für Volks- 
wohlfahrt die dringende Forderung, unverzüglich mit dem 
Bunde der Berliner Grundbesitzer-Vereine in Verhandi- 
Sie ahnte noch immer nichts von der Wahrheit; aber 
sie fürchtete, daß cs Herta wirklich gelungen war, Eberhard 
ein Heiratsversprechen abzünelmien. Und wenn ihr Bruder 
dieses Versprechen unbekümmert um den Zoril seines 
Vaters hielt, so mußte sie auch die Hoffnung begraben,, 
durch die Komtesse Aldringen in eure höhere Gescllschasts- 
sphäre geführt zu werden. 
„Nein — ske sagte nicht, daß sie verlobt sei," er 
widerte der Freiherr auf ihre letzten Worte. „Aber sie 
war dach sehr bestimmt in ihrer Weigerung, de Naucourt 
zu heiraten. Und ich war schon darüber im Zweifel, ob 
wir nicht noch etwas Weiteres hören würden." 
Sie schwiegen beide. Mabel befand sich in einer 
schwierigen Lage; sie wußte, daß ihr Vater von ihr zu 
hören erwartete, was zu geschehen hatte, aber sie wußte 
nicht, welche Ratschläge sie ihm geben konnte. O, wie sie 
diese Gesellschasierm haßte, die.mit ihrem hübschen Gesicht 
all ihre Pläne zu durchkreuzen drohte! — Es gab nichts, 
bas sie ihr nicht hätte antun mögen. Aber sie fühlte mit 
geheimem Ingrimm, wie ihr die Hände gebunden waren. 
Und gerade jetzt, im unglücklichsten Arcgenblick für eine 
derartige Unterbrechung, kam Eberhard, der die . ? i-i'en 
hinter dem Vorhang erspäht hatte. Er schlug dje PonLre 
zurück und redete seinen Vater an. Vw i 
„Ich wollte dich und Mabel bitten, Papa," sagte er in. 
der harmlosesten Weise, „euch morgen der Partie anzuh 
schließen. Bielleicht nehmen auch die Raucourts und eiuine 
andere Freunde daran teil. Es wäre doch sehr nctr, theil 
eine größere Gesellschaft zusammenkäme!" ■ 
Mabel unterdrückte einen Ausruf der Ueberraschunß. 
und die Stirn des Freiherrn furchte sich finster. Sie wußten 
beide, was die Aufforderung zu bedeuten hatte. 
„Hat sie dich beauftragt, uns diesen Vorschlag zu 
machen?" fragte Frau Hermann scharf. 
„Natürlich nicht. Aber es wäre sicherlich viel unter- 
haltender und angenehmer für sie, als, mit mir allein zu. 
fahren." ‘ ; ,, . ... 
„Die Weisheit kommt von unre oter oetic, will es nur 
scheinen," sagte Mabel erregt. „Du wirst sie heiraten —"
        
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