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Periodical volume Nr. 169, 28.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Mk. Di« Retta» 
Neueste Nackrickten ^ 
Berlin. Aus den letzten Moskauer Funk 
sprüchen geht u. a. hervor, daß die Bolschewisten im 
jGebiet von Lida die 17. p o s e n s ch c D i v i s i o n völlig 
vernichtet haben. Hierdurch wird die Begeisterung für 
die Polnische Sache in der Deutschland entrissenen Ost 
mark fraglos nicht zunehmen. Allein in diesem Front 
abschnitt haben die Bolschewisten 31 Geschütze und 60 
Maschinengewehre erbeutet. Der polnische Oberkommissar 
für Podolien und. Wolhynien, Mnkicwicz, der die russische 
Bevölkerung dieser Gouvernements in brutalster Weise 
unterdrückt hat, ist in die Hände der Bolschewisten gefallen. 
Die polnische Regierung, die um sein Schicksal bangt, hat 
sich durch Vermittlung der Norwegischen Regierung und 
des eben in Moskau weilenden Nansen bei der Sowjet- 
regierung nach dem Verbleib von Minkiewicz erkundigt. 
Warschau. Die vierte feindliche Armee greift 
weiter heftig beiderseits der Eisenbahnlinie Bialystok an. 
Nach der Einnahme von Sokolka wurden unsere Abtei 
lungen gezwungen, die Linie des Sokolkaflusses aufzu 
geben. Gegenwärtig wird nördlich der Eisenbahn-Station 
Ozarnawies gekämpft. Gleichzeitig greift der Feind am 
Narew in der Gegend von Semienowka und dem Städt- 
ch-en Narew an. Westlich vonPrushany ist der Feind 
■in dem Rücken unserer 'Abteilungen durchgebrochen und 
bat unsere Reserven bei der Ortschaft Bialy-Las an der 
Chaussee Prushany—Bjelsk angegriffen. Die Gruppe des 
Obersten Anders hat bei Prushany nach heftigen Kämpfen 
den Feind aus Dolga hinausgedrängt. Während des 
ganzen Tages griff gestern der Feind unsere Stellungen 
am Brückenkopf Boresa—Kartuska und nördlich des 
Brückenkopfes in der Gegend von Sielce an. Posener 
Infanterie hat, der beträchtlichen Ucberlcgcnheit des Geg 
ners und der Ermattung durch mehrtägige Kämpfe in 
dieser Gegend nicht achtend, nicht nur alle Angriffe des 
Feindes abgewehrt, sondern auch in örtlichen Gegen 
angriffen dem Feinde sehr beträchtliche Verluste beige 
bracht. Der Angriff des Feindes wurde durch ein orkan 
artiges Feuer beträchtlicher Artilleriestreitkräfte unter 
stützt. Die Ortsschaften Biresa und Kartuska brannten 
vollständig nieder. Im Zusammenhang mit dissex Lage 
im Norden haben die Abteilungen unserer pvlesischxn Trup 
pen Pinsk aufgegeben, das in voller Ordnung geräumt 
wurde. Angriffe des Feindes bei der Ortschaft Motel 
wurden abgewehrt. 
Moskau. Im russischen Heeresbericht heißt es: 
Südwestlich Grodno haben wir nach iMtnäckigemKampf 
mit starken feindlichen Streitkräften die Ortschaft Nowy 
Dwor besetzt und kämpfen um den Besitz des Ortes Sokolka. 
Am 24. Juli haben unsere Truppen Wolkowsk besetzt. 
In Richtung Brest-Litowsk überschritten unsere Truppen 
den Jassolda-Fluß und rücken gegen Pruschany vor. In 
der Poleßje besetzten unsere Truppen am 23. Juli Pinsk. 
In den Kämpfen bei der Stadt Brody fiel die 18. pol 
nische Infanterie-Division in unsere Hände. Unsere Trup 
pen haben die Stadt Tarnopol besetzt. In Richtung 
Zloczow besetzten >cir die Städte Wolotschisk und Sbarask. 
In Richtung Butschatsch vertrieben wir den Feind aus 
einer Reihe Ortschaften westlich dieser Stadt. 
Neustrelitz. Die „Landcszeitung für beide Mecklen 
burg" veröffentlicht folgende, ihr von dem Chef des Sicher 
heitswesens für Mccklenburg-Strelitz zugegangene Nach 
richt: Seit Anfang voriger Woche beobachtete die Staats 
gendarmerie truppenweises Passieren Entlassener des Frei 
korps Aulack durch Neustrelitz. Die Trupps begaben sich 
nach ihren Ausweispapieren alle in die Gegend Penzlin- 
Wareu. Die Beobachtungen der beiden mecklenburgischen 
Sicherheitspolizeien führten dazu, daß der Chef des Sicher 
heitswesens von Mecklenburg-Schlverin am Montag vor 
mittag eingrisf. In einem beschlagnahmten Eiselibahn- 
wagen fand mau neben Waffen verschiedener Art zahl 
reiches Telephongerät und 60 funkelnagelneue Fahrräder. 
Die Drahtzieher sind zum Teil gefaßt. Grund zur Be 
unruhigung ist nicht mehr vorhanden. 
Paris. Eine wichtige Entscheidung wurde in der 
Frage des Jnkraftsetzens des finanziellen Teiles des Ueber- 
einkommens von Spaa über die Kohlenlieferungcn Deutsch 
lands auf die Anregung Marfals hin getroffen. Die 
Wiedergutmachungskommission wird beauftragt werden, 
die Ausführung des Uebereinkommens in jeder Hinsicht 
zu sichern, sowohl >vas die Kohlenliefcrungen, als auch 
was die von den in Betracht kommenden Alliierten zu ge 
währenden Vorschüsse anlangt. 
Boulogne snr nist. Ueber die Zusammenkunft 
Lloyd Georges mit Millerand in Boulogne telephoniert der 
Sonderberichterstatter der Agence Havas: Was die von 
der Sowjctregicrung verlangte internationale Konferenz 
anlangt, so wird die britische Regierung im Einverständnis 
mit der französischen Tschitscherin antworten, daß die Kon 
ferenz nur dann zusammentreten kann, wenn die Bolsche 
wisten im Gegensatz zu ihrer bisherigen Haltung damit 
einverstanden sind, daß Polens Schicksal dabei diskutiert 
wird. Wenn die Moskauer Regierung diesen Vorschlag an 
nimmt, wird Millerand über die weitere Behandlung der 
Angelegenheit befragt werden und die Bedingungen stellen, 
die er für notwendig erachte, um die Sowjetregierung' 
anzuerkennen. Alle qualifizierten Vertreter Rußlands und 
der Randstaaten sollen an der Konferenz teilnehmen. Lloyd 
George hat sich der französischen Ansicht angeschlossen und 
alle Verhandlungen mit den Bolschewisten unterbrochen.. 
Polen kann daher hoffen, nicht in direkten Verhandlungen 
mit Rußland erdrückt zu werden. 
HelsingsorS.' Innerhalb der Swcaborg-Festung 
hat gestern eine bedeutende Explosion stattgefunden ,die 
durch Unvorsichtigkeit bei der Entladung von alten 
Granaten verursacht wurde. Vier große Munitionslager 
sind niedergebrannt. Glücklicherweise wurden nur sieben 
Personen verletzt. 
GnsnacdrickteK 
kür friedetiau-Schöiiebtrg. 
(Nachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o In der Beleidigungsklage des Schöffen Friede! 
gegen Wollny stand heute Mittag vor dem Schöffenge 
richt Berlin-Mitte Termin au. Dieser wurde aufgehoben, 
weil der Privatkläger die Klage zurückgezogen hat. 
o Das Steucrau flamme« Friedenaus. In den frühe 
ren Voranschlägen unserer Gemeinde wurde jedesmal auch 
der voraussichtlich einkommende Betrag der Gemeinde 
steuern eingestellt durch Festsetzung eines bestimmten Huü- 
dertsatzcs als Zuschlag zur Staatseinkommensteuer. In 
den diesjährigen letzten Voranschlag unserer Gemeinde 
konnte nun ein solch veranlagter Betrag auf Grund der 
Voreinschätzung nicht eingestellt werden mit Rücksicht auf 
die zur Einführung kommende Reichseinkommensteuer. Als 
Unterlage müsse daher bei der Personalstencr auf die 
vorjährige Jsteinnahmc zurückgegriffen werden, die bei 
250 Prozent voraussichtlich 3 726 000 M. ergibt. Die 
Gemeinden können mit einem Anteil aus der Rcichsein- 
kvinmensteuer rechnen, der sich ergibt aus der Jftein- 
nahme für 1910 zuzüglich 25 Prozent.. Darnach würde 
sich eine Summe von 4 657 500 M., z» der noch die 
Reste im angenommenen Betrage von 347 416 Mark 
kommen, mithin rund 5 Millionen Mark. Dieser Be 
trag ist denn auch als Anteil an der Reichseinkommen 
steuer in den Voranschlag eingestellt. Die Realsteuern, 
die hinzutreten, sind folgende: 100 Prozent Zuschläge zur 
Betriebssteüer -- 2000 M., 200 Prozent Gewerbesteuer 
der Klasse 1, 190 Prozent der Klasse 2, 160' Prozent' 
der Klasse 3, 110 Prozent der Klasse 4, ergibt zusammen 
einen Steuerbetrug von 96 500 M., Gemeindegrund- 
steuer mit 3 v. T. des gemeinen Wertes der bebauten, 
6 v. T. der unbebauten Grundstücke = 565 500 M. Der 
gemeine Wert der bebauten Grundstücke ist darnach mit 
183 200 000 M., der unbebauten mit 2 669 000 M. an 
genommen. Personal- und Realsteuern machen insgesamt 
einen Betrag von 5 664 000 M., d. s. 2 848 500 M. 
mehr gegenüber dem Vorjahre. Hierzu kommen noch 
453 000 M. indirekte Steuern und zwar: Anteil an der 
Grundcrwerbssteuer 50 000 M., Zuschlag hierzu 100 000 
Mark, Anteil an der Reichswertzuwachssteuer 4500 M., 
Zuschlag hierzu 2500 M., Anteil an der RcichSuinsatz- 
steuer 16 000 M., Hundesteuer 80 000 M., Lustbarkeits- 
steuer 200 000 M. Für Hundesteuermarken und Ord-' 
nungsstrafen kommen noch 60 M. hinzu, sodaß die Ge 
samteinnahme an Steuern 6 1 17 060 M. betrügt. In 
Ausgabe stehen die Kreissteuern mit insgesamt 1 509 241 
Mark, die Reichsumsatzsteuer mir 6000 M., Steuerrückzah 
lungen aus dem Vorjahre mit 15 000 M. und Hunde- 
steucrmarken 70 M.; insgesamt 1 530 311 M. Es ergibt 
sich darnach ein Ucberschuß von 4 586 748 M. oder 
2 284 763 M. mehr gegenüber dem Vorjahre. 
io Fleisch 'ijn FricÄcnau. In der Woche vom 26. Juli 
bis 1. August 1920 gibt es auf die 8 Abschnitte der 
Nr. 31 der Neichsflei.schkarte 200 Gr. Rindergesrierfleisch 
mit leingewachsenen Knochen und auf 2 Abschnitte der 
selben Karte 50 Gramm frische Leberwurst. Der Preis 
für 1 Psd. Rindergefrierfleisch beträgt-9,50 M., für ein 
Pfund frische Leberwurst 5,20 M. Der Verkauf findet 
in dieser Woche am Freitag und Sonnabend von 8—12 - 
und 4—7 Uhr statt. 
o Fleisch in! Schönchlierg. In der Woche vom 26. 
Juli bis 1. August 1920 gelangt ayf die Reichssleisch- 
karte bezirksweise inländisches Frischfleisch oder auslän 
disches Gefrierfleisch (250 Gramm mit Knochen) zur Aus 
gabe. Auf Verlangn:» der Fleiichverküufer ist bis zu 
Vs der Wochenmenge tn Wurst zu entnehmen. Der Prehs 
beträgt für das ausländisckse Gbsriersleisch 9,50 M. pro 
Pfund. 
o Unser Wochjgnmarkt. war heute wieder mit Ge 
müsen und Obst reich beschickt. Die Preise hielten sich 
vielfach auf der bisherigen Höhe, in einzelnen Fällen 
war aber auch eine Herabsetzung der Preise zu beob 
achten. Zwiebeln kosteten 70 und 80 Pfg., Tomaten 21., 
Gurken je nach Größe, 50 Pfg., 1,20 M. und 1,50 M., 
Rotkohl 65—75 Pfg., Weißkohl 40 Pfg., Mohrrüben 50 
Pfg., Pfefferlinge 3 M., Bohnen 80, 90 und 100 Pfg., 
Heidelbeeren würden mit 2,50 M. verkauft, Johannis 
beeren mit 1,20 M., Pflaumen mit 1,90 M, 2 M. 
und 2,50 M., die. Spillinge kosteten 1,70 M. Für Bir 
nen wurden 1,50 und 2 M. gefordert, für Aepfel 1, 2 
und 3 M., für Preißelbeercn 2 M. Die Eier kosteten 
1,75 M. Für 3 Zitronen wurden 1 M. genommen. Kar 
toffeln kosteten 5 Pfd. 6 M. und 6,25 M. 
Der Softn des Millionärs. 
Roman von Florence Warden. 
28 (Nachdruck verbitte».) 
3 de Raucourt lächelte. Aber es war kein ange 
nehmes Lächeln. und es diente nicht dazu, ihn syin- 
vacküsotzer zu machen. .., ■ - 
^ Mir lind vor allem seine Bemühungen um eine 
andere junge Dame ausgesaUen, gnädige Frau," sagte er. 
Und gleichzeitig erhob er sich, um einige neu ange 
kommene Besucher zu begrüßen - als wollte er damit 
etwaigen Fragen entgehen. . ., , . 
Das unschöne Gesicht der Frau Hermann hatte bei 
s-inen letzten Worten, über deren Bedeutung sie ja nicht 
i n gweiwl sein konnte, eine fahle Blässe angenommen, 
und i! re dünnen Lippen preßten sich zornig zusammen. 
So weit also war es schon zwischen den beiden gekommen, 
laü auck, andere darauf aufmerksam wurden! Um so mehr 
»n-tzte sie sich zu dem Plan dieses gemeinsamen Ausflugs 
beglückwünschen, der ja in den Augen der Welt nur -.ne 
ciiiuae Auslegung finden konnte. 
3 |ie aeßll'c sich zu der Gruppe, die sich um die Kom 
tesse Lydia gebildet hatte. Jeder neue Besucher wurde .hr 
normest >llt' und wie sie da voll anmutiger Grazie in dem 
"nni .Qui,'„--Sessel saß, bei aller liebenswürdigen Freund- 
ci iJo:"cftauoü und unnahbar, war es. als hielte eine 
FiStln Vof. Frau Mabel sah. daß Eberhard nicht unter 
de, Herren war. die ihr ihre Huldigungen darbrachten. 
mnil.io suchend flog ihr Blick im Zimmer umher. 
> 4 ich Ällschafterin ihrer Schwester plauderte in ihrer 
nnmiltelbareu Nahe mit einer alten Dame, und sie brauchte 
pch deshalb wegen Eberhards Fernsein nicht zu beunruhigen. 
mArtnleue umr es gewesen, die den Bruder genötigt 
Sin Sla m«, beit B-stch-rn »>«> b-E-» I 
r^snn« alt fOlsten Auch sie hatte sich, klargemacht, dag 
v nach Monte Carlo nur eine Deutung 
Als ste sich mit ihm allein sah, sagte sie: 
„Ist es wahr, daß du morgen die Komtesse in das 
Kasino begleiten wirst — du allein?" 
„Jawohl." 
„Nach allen Warnungen und Verboten Papas r 
„Ja. Es ist lächerlich — nicht wahr?" 
Eberhard war unruhig und zerstreut, und obwohl er 
sich bemühte, das zu verbergen, suchten seine Blicke fort- 
während die Tür, als wartete er nur auf eine Gelegenheit, 
sich entfernen zu können. 
Magdalene fürchtete wirklich, daß er plötzlich d,e 
Flucht ergreifen würde. So faßte sie ihn am Rock und. 
zwang ihn, sich neben sie zu setzen, während sie sagte: 
„Bleib jetzt ein wenig bei mir, Eberhard — ich habe 
dir etwas zu sagen. — Du weißt, was die Leute denken — 
was sie über das sagen werden, was ihr vorhabt?" 
Er machte eine ungeduldige Bewegung und vermied 
es, ihrem Blick zu begegnen. , , . .,. 
„Nein, ich weiß es nicht — und ich zerbreche mir nicht 
den Kopf darüber. Weshalb sollte ich mich darum 
kümmern?" _ Ä , „ . , . , 
„Man wird sagen, daß du die Komtesse heiraten 
willst." 
Da wandte er doch den Kopf und sah ihr gerade in 
die Augen. .. t 
„Und wie könnte ich es andern? — Es ist mcht meine 
Schuld. Der Vorschlag ging von ihr aus — nicht von 
mir. Es wäre unhöflich gewesen, ihn abzulehnen^— für 
die Folgen aber habe ich nicht aufzukommen. Sie war 
esp die mich aufforderte." ........ 
„Ja — doch aber sicherlich nur, weil sie bei dir d,e 
Absicht voraussetzt, sie zu heiraten. — Hast du diese Ab- 
sicht, Eberhard?" 
Ein tiefes Schweigen folgte ihrer Frage — einer 
Frage, die kaum noch ein Ausweichen gestattete. Für 
einen Augenblick wurde Eberhard schwankend, ob er ihr 
nicht die Wahrheit gestehen durfte Aber er durfte es 
nicht. So ruhir und besiBäckcht sie schien: an dem Aus 
druck ihrer Augen, an dem unruhigen Zucken ihrer Mund- 
winke! sah er doch, daß sie sich schon jetzt in»einem Zu 
stand der Erregung befand, der eine Gefahr für sie be 
deutete. So sehr er Verlangen danach trug, ihr das Ge^. 
schehene anzuvertrauen, ihre Teilnahme oder doch wenigstens^ 
ihre Verzeihung zu erlangen so deutlich auch blieb er sich 
ihres Schonungsbedürsnisies bewußt und dessen, daß er sie 
nicht der Gefahr eines Neroenchoks aussetzen durste. 
Es gab keine andere Möglichkeit für ihn als die 
Täuschung vorerst fortzusetzen. Er mußte es vermeiden, 
die volle Wahrheit zu sagen; aber er wollte gleichzeitig so 
viel davon verraten, als irgend angängig war, um den Weg 
für ein späteres Geständnis zu ebnen. 
Sein langes Schweigen ließ Magdalene.ungeduldig 
werden. ^. 
„Bist du gesonnen, die Komtesse zu he,raten?" wieder 
holte sie die Frage. 
Da half er sich damit, den Spieß umzukehren. 
„Das wäre doch wohl nur, was ihr alle wünscht?" 
fragte er zurück. 
Magdalene errötete,, unb sie zögerte mit der Antwort. 
„Ja." sagte sie endlich in anderer Art. als sie bisher 
gesprochen hatte, „ich wünschte es — bis vor kurzem." 
Ihre letzten drei Worte bereiteten ihm eins große 
Ueberraschung. Er griff sie auf, und eine Eingebung 
ihn sagen: 
„Bis zu ihrer Ankunft, wie ich vermute.' 
Magdalene sah so schuldbewußt aus, als wäre tt 
einem Unrecht auf die Spur gekommen. 
„Ja." gestand sie. „Ich wußte ,a nur. daß s,S WL 
gefallen hatte — und daß es in Papas Wuntzchen lag, 
dich mit ihr'zu verheiraten. Gewiß haben doch er und 
Mabel — oder einer von ihnen — diesen plötzlichen Be 
such der Komtesse herbeigeführt." 
„Das denke ich auch." ^ 
Und gewiß würde dir diese Heirat zu erner Position 
verhelfen, die du mit deinem Gelde vollends befestigei» 
könntest. Es würden sich dir viele Auslichten eröffnen."
        
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