Path:
Periodical volume Nr. 168, 27.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

9 etnmrdf 
WVfwiw a*» den 
——tlich 2,70 Mark: durch Bot«, 
du» HäüS gebracht L.—'Mmck. 
-ersfvrechrrk »«1 
—— 
lkMrtrlff-e Settms MM.'MrSrvn m 
«rfchrdü tSgüch eLrrdr.. 
«r. 188 
D r l t V U g) Lszekge» 
. _ . . H, r- mit für «nbksttmmte Taze — 
K8 MtÄklllkVkk Srtitsil ftßfl GAßBClffl. f rel * ber ■Totfportenen Zeile oder deren. 
* an SniK w«ttm 1 Mk. Dre Rekliunezeile kostet 
«efqKftrffeue: Rtzemstr. 1». 4.- Mark. Belegnummer So Kg. 
&*»*&***»**' Ncheknftr«», «• - »«mf»«ch-rr «»t pfal^bnrg 212». 
Berttll'Srredeuav, Dienstag, dev 27. 3uli 1826 
Fahrg. 27 
Neueste l^ackrickten 
B ra u n f cl> tu c i fl. Gestern mittag brach in dem 
Werke der Jutespinnerei Braunschweig ein Feuer aus. 
Unter dem Maschinenbcstande wurde großer Schaden an 
gerichtet. Die Zahl der Opfer und die Entstehung des 
Brandes sind noch nicht bekannt. 
Breslau. In der Paulshüttc bei Ruszin, die der 
Bergwcrksgescllschaft Giesches Erben gehört, entstand durch 
Entzündung von Gas ein Feuer, dem die ganze Fabrik 
Paulshüttc zum Opfer fiel. Es stehen nur noch Mauer 
reste. Das Feuer dauerte die ganze Nacht hindurch. Der 
Schaden beträgt über 1 Million Mark. 
Paris. Ministerpräsident Millerand und Lloyd 
George' werden sich heute in Boulogne sur mer treffen, 
um die polnisch-russische Angelegenheit zu besprechen, Mil- 
lcrand wird vom Marschall Fach und Finanzminister 
Marsal begleitet. — Das Petit Journal will wissen, daß 
in Boulogne auch die Frage der Teilnahme Deutschlands 
an der internationalen Konferenz in London besprochen 
wird. 
Paris. Der Action Francaise zufolge hat die Bot- 
schafterkonfevenz gestern nachmittag geschlossen, daß die 
Bezirke Allenstcin und Marienwerder bis auf weiteres 
von den verbündeten Truppen 'besetzt bleiben. 
Ortsmcbrichttn 
für frltdenau-Scbotiebtrg. 
(Nachdr. unsrer o-Origmalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Steueraufsicht über den Straßenhandel ist 
durch § liess, der Aussührungsbestimmungen zum Um- 
satzfteuergesetz besonders Lcregelt; sie wird unter Mitwir 
kung der Polizeibehörden durchgeführt. Die in Frage 
kommendest, wesentlichsten Bestimmungen werden nach 
stehend bekanntgegeben: Wer ohne Begründung einer ge 
werblichen Niederlassung oder außerhalb seiner gewerb 
lichen Niederlassung vom Haus zu Haus oder aus vsient- 
lichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen össent- 
lichen Orten innerhalb einer selbständig von ihm aus 
geübten Tätigkeit Lieferungen gegen Entgelt ausführt, 
hat den Eingang der Steuer durch Anzahlung sicher-' 
zustellen. Bon der Berpflichtung, eine Anzahlung zu 
leisten, sind befreit: 1. Der Handel mit Zeitungen und 
Zeitschriften, 2. diejenigen, die nach den 8§ 55 ff- der 
Reichsgewerbeordnung einen Wandergewerbeschcin ausge 
fertigt erhalten haben und diesen bei sich führen, 3. die 
jenigen, die an einem Markttage im Sinne der §8 64 ff. 
der Reichsgkwerbeordnung in den Grenzen der Markt 
ordnung teilnehm,en. Die Anzahlung beträgt nach Wahl 
des Steuerpflichtigen 45 Mark oder 90 Mark. Sie hat 
bei Anmeldung dies Beginnes der Tätigkeit und bei dem 
Beginne jedes Steuerabschnittes zu erfolgen. Als Steuer 
abschnitt gilt das Kalenderviertcljahr. Das Umsatzsteuer- 
amt bestätigt dem Umsatzsteuerpflichtigen den Empfang der 
Aiizabluni/durch Aushändigung eines Straßensteuerheftes, 
and .zwar des Heftes A bei Zahlung des Betrages von 
45 M., des Heftes B bei Zahlung des Betrages von 
90 M. In das Straßenstcuerheft hat der Steuerpflich 
tige täglich nach Beendigung der Gcschäftsausübung die 
Tageseinnahme einzutragen/Der Steuerpflichtige hat das 
Heft stets bei sich zu führen und auf Verlangen den 
Beamten der ^Polizei-, Eisenbahn- und Finanzverwaltung 
vorzuzeigen. Sobald die Summen der vereinnahmten Ent 
gelte innerhalb des Steuerabschnittes den Betrag von 
3 000 M. bei Heft A, von 6000 M. bei Heft B über 
schreiten, hat sich der Steuerpflichtige unverzüglich von 
dem Umsatzsteueramt ein Nachtragsheft, gegebenenfalls ein 
zweites und weiteres Nachtragsheft gegen Entrichtung eines 
Betrages von jeweilig 45 Mark oder 90 Mark aus 
händigen zu lassen. Der Steuerpflichtige hat innerhalb 
einer Woche nach Schluß des Steuerabschnittes das Heft 
oder das letzte Nachtragsheft dem Umsatzsteueramt vor 
zulegen, das Umsatzsteueramt setzt die Steuer fest und 
erteilt_ dem Steuerpflichtigen durch Eintragung in das 
Heft einen Bescheid. Wer die vorstehenden Bestimmungen 
nicht befolgt, macht sich einer Stcuerzuwiderhandlüng 
schuldig. Zuständig ist das Umsatzstoueramt, in dessen 
Bezirk der Steuerpflichtige seine selbständige Tätigkeit aus 
übt. Uebt er sie in dem Bezirke mehrerer Umsatzsteuer- 
ämter aus, so ist das Amt seines Wohnsitzes oder Auf 
enthaltes zuständig. 
o Die Agndjerung des Steuerabzugs. Der „ReichS- 
anzeiger" veröffentlicht jetzt das vom Reichstag ange 
nommene Gesetz zur ergänzcnhen Regelung des Steuer 
abzuges vom Arbeitslohn. Das Gesetz ersetzt den frühe 
ren rohen Abzug von allgemein 10 v. H. des Arbeitslohns 
durch eine Staffelung, die bei 5 v. H. beginnt und bei 
Einkommen von mehr als einer Million auf 55 v. H. 
steigt! Bestimmte Beträge bleiben vom Abzug frei. Das 
Gesetz tritt am 1. August in Kraft. Die bis zum 1. 
August einbchaltcncn Beträge werden auf die nach diescin 
Gesetze einzubehaltenden Beträge angerechnet. 
o Buttermilch. In der Woche vom 26. 7.—31. 7. 
werden die Magcrmilchkarten der Serien I, II und III 
mit je einem halben Liter Meiereibuttermilch beliefert. Der 
Preis für Vs Liter beträgt 62 Psg. 
o Das Bcrdicnstkrcu; für Kriegshilfe ist dem Ex 
pedienten bei einer Rohstoffabteilung, Herrn Waldemar 
Bartz, Blankenbcrgstr. 1, verliehen worden. 
o Nichjt mehr Friedrich „der Große". Wie der Boff. 
Ztg. aus Potsdam berichtet tvird, ist es den Kastellanen, 
denen die Führung durch die Potsdamer Schlösser über-- 
tragen worden ist, verboten worden, „Friedrich der Große" 
zu sagen, sie dürfen nur noch von „Friedrich II" sprechen. 
o Psarrrr Lange in Schöneberg hat sich dieser Tage 
von seiner Königin-Luise-Gedächtnisgemeinde verabschiedet. 
Er geht in seinen alten Kirchenkreis in der Altmark. 
Biele Jahre vorher hat er an der Emmausgrmeinde 
gewirkt; er war deutschnationales Mitglied der Schöne- 
berger Stadtverordnetenversammlung. 
o Die besonders teuren Städte. Nach einer ministe- 
riellen Anordnung sollen für den Bereich der allgemeinen 
inneren Kreiskassen- und Katastcrverwaltung der Staats 
beamten bei Dienstreisen nach besonders teueren Städten 
bis auf weiteres an Stelle der bisherigen Entschädigung 
besondere Zuschläge zu den gesetzmäßigen Tagegeldern be 
willigt werden. Als besonders teuere Städte gelten: 
Aachen, Altona, Bremen, Breslau, Koblenz. Köln. Dort 
mund, Dresden, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Frankfurt 
am Main. Groß-Berlin, Hamburg, Hannover, Kiel, Königs 
berg i. Pc., Leipzig, Magdeburg, Mainz, Mannheim, 
München. Oppeln, Stettin und Trier. 
o Verkchrsvtrrbcfscrung auf der Ringbahn. Der Fahr 
plan des Nord- ivic des Südringes wird dahin erweitert. 
Der Mn üer ülillionärs. 
Roman von Florence Warden. 
27 (Nachdruck verboten.) 
Es war nur natürlich, daß er ihre Worte mit dem in 
Verbindung brachte, was er bei seinem Eintritt gesehen 
hatte. Und er bemühte sich durchaus nicht, ein Hehl aus 
feinem Berdacht zu niachen. 
„Ah! — Herr von Nominger weiß das? — Wie 
koinml es aber, baß der Freiherr nichts davon wußte 
jagte er scharf. 
Herta wußte ihm nichts zu erwidern, und es folgten 
Augenblicke bedrückten Schweigens. Ohne Frage würde 
der beleidigte und erbitterte junge Franzose sich nun da 
durch rächen, daß er dem Freiherrn von dem Geschehenen 
Mitteilung machte. Dann aber kam es auch nicht darauf 
an, ob er etwas mehr oder weniger zu erzählen hatte, 
dachte Eberhard. Er schob die Hand in die Tasche, und 
mit einen! Achselzucken sagte er: 
„Fräulein Lcuendorss ehrte mich durch ihr Vertrauen 
und ließ mich ihr Geheimm?. wissen. Das gab mir aber 
noch kein Recht, ohne ihren Willen meinem Vater davon 
Mitteilung zu machen." 
Herta hatte sich während dieser Worte gefaßt, und sie 
nahm sich ein Herz, zu sagen: 
„Und nun, Herr de Raucourt, da ich es Sie eben 
falls habe wissen lassen, vertraue ich dakauf, daß Sie es 
wie Herr von Nominger als Geheimnis bewahren werden." 
Raucourt sah von einem zum andern, und es war 
offenbar, daß sein Mißtrauen keineswegs besiegt war — 
daß er ihren Worten nur sehr wenig Glauben schenkte. 
Immerhin war er ritterlich genug, Hertas Bitte zu re 
spektieren; und weil er im Augenblick nichts mehr zusagen 
wußte, begnügte er sich damit, sich tief vor Herta zu ver 
neigen, und ging in den anstoßenden Salon hinüber. 
Die kleine Jucke war von ihrer iorgiapNK^Ma>na schon 
beim Beginn der $«n, unb so 
waren di- beiden ^ tt - “ 
‘ ^.Du mußt ab 
„0, ich bin sicher, daß er nichts sagt," erwiderte Uu. 
hard sorglos, der durchaus keine Lust hatte, feinen Platz 
an Hertas Seite zu verlassen, um im Spielzimmer den Zu 
schauer zu bilden. 
Aber Herta bestand darauf. Sie hatte ja eben er 
fahren, wie gefährlich es war, ihm zu erlauben, daß er 
ihr Gesellschaft leistete. Unbekümmert um die möglichen 
Folgen, bemühte er sich durchaus nicht im Ton seiner 
Stimme, im Ausdruck seines Gesichts und seinen Blicken 
den Liebenden zu verbergen, und all ihre Bitten ver 
mochten gegen seine heitere Sorglosigkeit nichts auszu 
richten. Sie wußte: wenn es ihr nicht gelang, ihn zu 
überreden, sie zu verlassen, würde sich die Szene, die sie 
eben durchlebt hatten, in wenigen Minuten wiederholen. 
Irgend jemand würde hereinkommen, und jeder mußte zu 
der Ueberzeugung kommen, zwei Liebende überrascht zu 
haben. 
„Geh — geh," sagte sie und vermied es, in feine 
Augen zu sehen, die mit einer so wunderbaren Kraft 
der Ueberredung begabt waren. „Oder ich muß denken," 
fügte sie in einer Aufwallung von Ueberinut hinzu, der aus 
dem Glück geboren war, mit dem sie die Liebe ihres Gatten 
erfüllte, „daß du es nicht wagst, mit der Komtesse zu 
sammenzusein, weil du fürchten mußt, dein Herz an sie 
zu verlieren und — und zu bereuen, was wir getan haben. 
Sie hatte rasch gesprochen, und bei ihren letzten Worten 
war doch eine feine Röte über ihre Wangen gegangen. 
„Du hast recht," sagte er mit gutmütigem Lächeln. „Ich 
übe mich vielleicht besser darin, dieser Versuchung zu wider- 
stehen, und gehe hinein." 
Aber er ging doch nicht, ohne sich zuvor die Be 
lohnung für seine Nachgiebigkeit genommen zu haben. Er 
schlang seinen Arm um ihren Nacken und küßte sie auf den 
Mund — fest und innig. Und dann ging er rasch hinaus, 
sie mit klopfendem Herzen zurücklassend, - zitternd und 
doch so unendlich glücklich. 
Als Eberhard das Spielzimmer betrat, mußte er trotz 
seiner Kurzsichtigkeit in solchen Dingen erkennen, daß die 
allgemeine Laune aus dem Gefrierpunkt angelangt war. 
ist*# 
daß in jeder Richtiliig mindestens vier Züge in der 
Siiiiide verkehren und zwar auch außerhalb der eigent 
lichen Berufsverkehrszeiten. Nach Bedarf verkehren dann 
in den Zeiten stärksten Verkehrs noch Emsatzzüge, um 
den Arbeiter- und Berufsverkehr besser bedienen zu können. 
Ans weniger wichtigen Strecken müssen dafür einige Be 
darfszüge wegsallen, die für den Berufsverkehr nickst in 
Frage kommen. Diese Berkchrsbcsseriingen sollen, wenn 
irgend möglich, am Montag, 9. August, in Kraft treten. 
o Heilpfleejc für Mittelsta'ndskinder. In der Kriegs 
zeit hatte der Mittelstand wohl am meisten zu leiden. Für 
ihn wurde am wenigsten getan und so finden wi'/oin 
seinen Kreisen auch die hohlwangigsten und schwächlichsten 
.Kinder. Während früher in Ferienkolonicen »sw- ha>zpt- 
sächlich für die Kinder der ärmeren Bevölkerung gcso-gt 
wurde, zu der man gemeinhin den Arbeiterstand rech 
nete, wurde für die Kinder des Mittelstandes bisher 
wenig gesorgt. Und doch zeigte sich schon in der Vor 
kriegszeit, wie dringend notwendig auch hier Hilfe ist, 
namentlich wo es sich um schwächliche oder strophnköse 
^Kinder handelte, deren Eltern sich eine Sominerreise nicht 
' leisten konnten, ihren Kindern aber doch gern etwas 
zu Gute getan hätten. Und so Ivnrde allseitig die Grün 
dung des „Heilpflegevereins für kränkliche und schwäch 
liche Kinder des Mittelstandes" begrüßt, der ' jetzt in 
Kölpinsee auf Usedom (unweit Zinnowitz) zwei vorzüglich 
eingerichtete und geleitete Heime besitzt, wo die Kinder 
während der Kur auch ärztlich überwacht werden. Wie 
wir hören, sind für A u g u st »och einige Stellen frei 
geworden dadurch, daß die bctr. Kinder nach Schweden 
gingen. _ Wer also ein schwächliches Kind hat, kann es 
für die Augustknr noch anmelden. Auch für 
die Herb st kur (September-Oktober) sind noch einige 
Stellen frei. Da für Warmbäder, elektrisch Licht und 
große Aufenthaltshallen gesorgt ist, kann auch die Herbst 
kurzeil, mit der bisher gute Erfolge erzielt wurden, 
empfohlen werden. Die 4 wöchige Kur kostet einschl- Reise 
325 M. Ans Wunsch leistet die Ortsgruppe hierzu Bei 
hilfen in diskreter Weise. Näheres durch Herrn- Bau 
meister Gustav Graßmaiui, Ringstr. 4. 
o Die «misst Jnvaiideinnarke». Die Erhöhung der 
Leistungen und Beiträge der Jnvalidenversich.'rnng macht 
die Ausgabe neuer Versicherungsmarten notwendig, hie 
vvii der Rcichsdruckerci hergestellt find und vom 27. Juli 
ab in den Postaiistalren abgegeben werden. Für jede 
der fünf Lohiikkafsen gibt cs Marken für je I, 2 und 
13 Wochen, im ganzen also fünfzehn verschiedene Sorten. 
Die alte» Marken sind für Zeiten zu kleben, die vor 
dem 1. August 1920 liegen. Es empfiehlt sich, daß die 
Versicherten und Arbeitgeber hierauf achten. Vom 1. 
August an werden alte Zwei- und Dreizehnwoch.'nmarken 
und vom 1. Februar 1921 an sämtliche Sorten der 
alten Marken nur noch von den Versicherungsanstalten 
verkauft. Die alten Marten werden gegen neue bis zum 
31. Juli 1922 von der Post umgetauscht. 
o Pslau'mcnmns darf wilder hergestellt werden. Nach 
einer Bekanntmachung im Ncichsanzeigcr ist das Verbot 
der Herstellung von Pflaumenmus anfgehoben worden. Die 
' Pflaumenernte soll allgemeine eine sehr gute sein. Wie 
uns ein Freund unseres Blattes ans dern Schwabenlande 
berichtet, ist dieses Land von einer sehr reichen Obst 
ernte gesegnet, Pflaumen kosten dort 25 Psg. je Pfund! 
o Gegen die Erhöhung der Höckstmicten »m lü v.H. 
wandte sich eine Micterkundgebung, die Soiimag vor- 
————uMwn—iiri mrrn ijiiiiMMajiBian—ni 
zubvechen, und saß nun bei einer schleppenden und ge 
zwungenen Unterhaltung beisammen. "Der Freiherr und 
Frau Mabcl Hermann waren erbittert über Eberhards Ab- 
wesenheit zu einer Zeit, wo sic zu sehen wünsch!^ daß 
er der Komtesse den Hof machte; Magdalene war benn>h:gt, 
weil sie ahnte, wohin sich Eberhar'obcgedeii hatte: und die 
Komtesse selbst saß mit einem sarkastischen Lächeln da, osseil- 
bar durchdrungen von der Ueberzeugung, ein paar tost- 
bare Stunden verloren zu haben. 
Trotz der beinahe beleidigenden Art, wie der junge 
Mann sich'von der Teilnahme am Spiel ferngehalten hatte, 
begrüßte sie ihn freundlich; denn er erschien ihr hier doch 
als der einzige Mensch, mit dein es sich der Unterhaltung 
verlohnte. 
„Ich sehe nun wirklich, daß Sie kein Vergnügen in 
dieser Art des Spiels finden, Herr von Nominger," sagte 
sie lächelnd. „Wenn Sie sich unterhalten wollen, gehen Sie 
wahrscheinlich nach Monte Carlo hinüber." 
Eberhard wurde ein wenig rot und lachte, mährend er 
seinen Vater, der den beiden die größle Ausmerlsamleit 
zuwandte, gerade ansah. 
„Mein Vater hält das Spiel für eine Sünde, wenn 
man es nicht am heimiiKen Herd und mit dem denkbar 
niedrigsten Einsatz betreib^' sagte er. , 
Die Komtesse lachte, aber es war ein ganz eigener 2y 
druck in ihren Augen, als sie sich dem Freiherr» znwmk »te. 
„Das ist doch wohl nicht so zu verstehen," sagte ff.' in 
einer Art, die den Freiherrn sehr beunruhigte- — über 
Art, wie wenn sie plötzlich entdeckte, daß sie einen Irrtum 
begangen hatte, der vielleicht noch wieder g- 'Wmachen 
war, „daß Sie Ihrem Sohn verbieten, nach Monte Carlo 
zu gehen, wo es doch so nah ist? —Es wäre — ich fünde 
es —" 
Sie sagte nicht, wie sie es fand, aber das Lachen, mit 
dem sie den Satz schloß, klang den» Freiherrn nicht an- 
genehm. 
Er begann davon überzeugt zu werden, daß seine An 
sichten nicht die der Gejcüi'chuslsjphäre waren, in der er 
sllucn Sah» zu sehen wünsch!?. Aber der Stolz des 
Autokraten ließ es nicht zu, diese Ansichten zu verleugnen. 
SW 
siigte er. „Ja) habe eine tiefe Abneigung 
Nnrnetckckch bei iungen Leuten."
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.