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Periodical volume Nr. 167, 26.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

.-^olitik der nächsten Zeit vollziehen wirS. Fetzt 
es darauf an, die neue Postinternationale von vorn- 
ceitt auf sichere materielle Grundlage zu stellen, um sie 
den Stand zu setzen, eine umfassende Propaganda für 
i Ausbreitung der ihr zugrunde liegenden Idee durch-' 
»lten zu können. Alle, die an ihrem Zustandekommen 
ad an der Erhaltung ihrer Aktionsfähigkeit ein Interesses 
S aben, müssen darüber im klaren sein, daß jedes Versagen 
«s neuen Organs der Beamtenbewegung nicht nur für" 
^«internationale Postbeamtenschaft ein Fiasko bedeuten, 
Indern nicht zuletzt auch eine Schädigung des Verständi- 
Wungsgedankens in sich schließen würde. Je schneller es 
>e!ingt, dein Gedanken der Beamteniuternationale — zu 
nächst aus den Reihen der Vcrkehrsbcamten (Eisenbahn) — 
Anhänger zuzuführen, desto geringer wird die Gefahr des 
KehlschlageuS der Bewegung. 
Die neue Internationale der P. T. T. ist der Anfang 
ver allgemeinen Beamteninternationale. Sie kaun nur ent- 
Lehen, wenn nicht die trennenden, sondern die einigenden 
Dkomente im Vordergründe bleiben. Wer sie als Jnstru- 
vient der Völkerversöhnung angesehen wissen will, kann 
««.nicht als Kampforganisation gegen die internationalen 
Negierungen wünschen, sondern als ein Mittel, die großen 
Deamtenfragen grundsätzlicher Natur auf dem Wege des 
W»rhandelns zu klären und, wenn möglich, zu lösen. 
n. 
für ?rr säen aa-Sckön ob erg. 
Machdr. unsrer o-Originalariikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Wohmrngswescn. Neue Titel, die im letzten Vor- 
Anschlag unserer Gemeinde stehen, sind die über daS 'Wöh- 
sstungs- und Einigungsamt. Der Gesamtzuschuß für beide 
beträgt 199 889 M. Die. persönlichen Ausgaben für das 
D o h u u n g s a m t betragen 197 531 M., die sächlichen 
A4000 M. In Einnahme stehen 38 000 M. Mieten aus 
ven Holzhauswohnungen und 500 M. Erstattung von 
Dlusgaben bei Zwangsmaßnahmen. DaS Einignngs- 
« mt hat an persönlichen Ausgaben 79 054 M., au süch- 
kichen Ausgaben 5000 M. aufzuwenden. In Einnahme 
stehen 27 000 M. Erstattung von baren Auslagen durch 
die Parteien und 200 M. Erstattung für Drucksachen. Die 
Sitzungsgebühruisse. für die Vorsitzenden und sonstige 
Mtzungskosten betragen 27 000 M. Dabei leisten die Bei 
sitzer ehrenamtliche Tätigkeit ohne Vergütung. 
o Veranlagung der Besitzsteucr. Auf Grund deS § 52 
ßlbfatz 1 des Vcsitzstenergesetzcs vom 3. Juli 1913 und 
des Ergänznngsgesetzcs vom 30. April 1920 werden von, 
Finanzamt a) alle Personen, deren 'Vermögen nach dem 
Dtande voni 31. Dezember 1919 sich seit der Veran 
lagung znm Wehrb,eitrag, also seit dem 1. Januar 1914 
«der im Falle einer Veranlagung zur Besitzsteucr seit 
m 1. Januar 1917 um-mehr als 10 000 M. erhöht 
it, b) alle Personen mit einem steuerbaren Vermögen 
on 20 000 Dt. und darüber", welche bisher weder zum 
ivtehrbeitrag noch zur Besitzsteucr veranlagt worden sind, 
«ufgefordert, die Besitzsteuercrklärung nach dem vorgeschrie 
benen Vordruck bis 28. August d. IS. schriftlich oder 
gründlich dem Finanzamt in Steglitz unter der Vcrsichc- 
«rng abzugeben, daß die Angaben nach bestem Wissen 
»md Gewissen gemacht sind. Andere als die oben be- 
tzeichneten Personen sind zu der freiwilligen Abgabe 
»wer Besitzsteuercrklärung berechtigt. Die oben bezeichneten 
f ersoüeu sind zur Abgabe der Besitzsteuercrklärung ver 
flicht et, auch wenn ihnen eine besondere Änffordc- 
»ung oder ein Vordruck nicht zugegangen ist. Auf Ver 
langen wird jedem Steuerpflichtigen ein Vordruck bei den: 
Minanzamt kostenlos verabfolgt. 
o Zur Quäkerspeisrmg. Vom Ortsausschuß für Aus- 
k«ubs Hilfe wird darauf hingewiesen, daß von den Kin 
dern und Müttern, die an der^Quäkerspeisung beteiligst 
sind, sämtliche Speisen in der Speiscstelle selbst verzehrt 
werden müssen und daß ein Abholen auch im Falle der 
titekrankung eines Teilnehmers nach den von den Spen 
dern gegebenen Bestimmungen unzulässig ist. Die Speise 
soll nur an die Inhaber von Speisekarten ausgegeben 
tv.erden. Ein Mitbringen von Geschwistern liegt, weil sie 
nicht gespeist werden dürfen, daher nicht im .Jntergsse 
der Kinder. Auch würde bei einer Revision die Gefahr 
bestehen, daß die Speisung aus diesen Gründen eingc- 
! teilt werden müßte. Alle Eltern werden daher im In- 
eressse des Werkes gebeten, darauf hinzuwirken, daß Ge 
schwister die Speisestelle nicht mitaufsuchen. 
o rohiraözug ab 1. August. Im Reichsfinanz- 
ininistcrium fand eine Besprechung mit Vertretern der. 
1 edrutendsten Arbeitgeber- und Arbeitnchmcrverbände und 
anderer führender Verbände .statt. Die Versammlung war ' 
sich darüber einig, daß au eine ordnungsmäßige Durch-, 
sührung her neuen vom Reichstage beschlossenen Gesetzes-' 
Sicherung vom 1. August ab schön deshalb nicht zu denken^ 
ich, weil die Atlsführungsbestimmungen in der im Ent 
wurf vorliegenden Fassung noch einer durchgreifenden Ab 
änderung bedürfen und es auch den Arbeitgebern unmög 
lich sein würde, in wenigen Tagen alle Vorbereitünge'n zur' 
Durchführung der sehr komplizierten Feststellungen und, 
Berechnungen zu treffen. Es sollen deshalb in den nächsten! 
Tagen vom Reichsfinanzministerium vorläufige Ausfüh-. 
ruugsvdrschrifteki erlassen werden, wonach vom Brutto 
einkommen voraussichtlich für Alleinstehende monatlich 200 
Mark und für Verheiratete monatlich 300 Mark (125 
Mark als Existeuzminimum und 75 Mark bezw. 175 
Mark für sonstige Abzüge) in Abzug zu bringen finb, 
so daß nur der Restbetrag dem Steuerabzug, der jetzt 
bekanntlich bis 15 000 Mark Lohn 10 Prozent betragen 
soll und bei höherem Lohn in Staffeln auf 15 bis 55 
Prozent steigt, unterliegt. Näheres darüber wird mit 
geteilt werden, sobald die vorläufigen Ausführungsbestim- 
inungen vom Reichsfinanzministerium bekannt gegeben 
werden. 
o Ei-nsb Wohnstenirr? Zur Hebung der Bautätigkeit 
wird in einem Antrage, den der Reichswirtschaftsrat dem 
wirtschaftspolitischen und sozialpolitischen Untersuchungs 
ausschuß überwiesen hat, von der Reichsregierung die 
sofortige Einbringung einer Vorlage über eine zweckent 
sprechende Wohusteuer gefordert. 
o Eine Straßenbahn nach der Siedlung Lindenhof. Die 
Große Berliner Straßenbahn teilt mit, daß vom 26. 
d. Mts. ab die aiü Wartburgplatz in Berlin-Schöneberg 
endende Linie 50 über Mühlenstraße, Tcmpclhoscr Str., 
Sachsendamm, Albivnstraße und Ehihstraße bis zur Sied 
lung Liitdeiihof durchgeführt wird. Die Fahrzeiten such 
aus den in den Wagen aushängenden Fahrplänen er 
sichtlich. 
o Anforderung von Eiftnbah;rwag>m. Da infolge der 
Besserung der Wcigöngcstellung Dringlichkeitsbrscheinigun- 
gen nicht mehr notwendig sind, kann die Handelskammer 
zu Berlin den Vcrkehrtreibcnden zur Vermeidung von 
Rückfragen seitens der Eisenbahnverwaltung nur empfeh 
len', in ihren Anträgen auf Wagengestellung stets anzu 
geben: Versender, Art des Gutes und Verwendungszweck, 
Geivicht und Länge des Gutes, Zahl und Art der Wägen, 
Bestimmungsstation und Empfänger. Die Wagen sind stets 
von den Verladern bei der Eisenbahnverwaltung anzufor- 
öerü; Anträge von Zwischenhändlern, Verbrauchern und 
sonstigen Personen will die Eisenbahnverwaltung im all 
gemeinen nicht berücksichtigen. 
o lKartosfetrwt — KartosftlnLerflnß. Unsere Kar- 
tofselwirtschäft liegt wieder einmal sehr im Argen. Dein 
neuen Reichscriiüyrnngsminisier ist es anscheinend auch 
noch nicht gelungen, hierin Wandel zu schaffen. Während 
wir in Friedenau und in änderen Gemeinden Gtoß-Ber- 
lins Kartoffeln kaum erhalten können und dann zu'einen, 
kaum -glaublichen Preise, kennt man in anderen Orten 
in der Provinz die Kartosfelrärte überhaupt nicht mehr. 
So werden z. B- in Magdeburg und' Brandcnc- 
bitrg die neuen .Kartoffeln freihändig verkauft, in Mag 
deburg zum Preise von 30 Pfg., in Brandenburg zum 
Preise von 50 Pfg. Ta fragt man sich allerdings, wie cs 
möglich ist, daß Groß-Berlin von dem Kartofselsegen in 
anderen, auch recht ansehnlichen Ortschaften, ausgeschlossen 
wird? 
o Säut-ermrg des WännseebähnhoseS. Der Tunnel 
des hiesigen WannscebahnhöfeS wird jetzt gereinigt und 
neu hergerichtet. Maurer, Maler usw. sind dabei, die 
Wände ailszubessern, neu zu streichen usw. Auch die 
Treppen werden gereinigt und neu behauen. 
o Eins:» Lchrgangj für Bienenzucht veranstaltet am 
2. und 3. August Dr. M. Küstenmachcr in der Höheren 
Gärtnerlehranstalt in Dahlem. Meldungen mit einem Bei 
trag von 5 M. sind an die Kasse der Landwirtschaftlichen 
Hochschule Berlin, Jnvalidenstraße 42, zu richten. 
o Ter Dampfervepkehr nach Rügen von Stettin aus 
ist wieder aufgenommen. Die Dampfer verkehren werk 
tags, Montag, Mittwoch und Freitag ab Stettin um 11 
Uhr vorm, (an Saßnitz 6,15 Uhr abends) mit Anschluß 
an die Berliner,Züge ab Stettiner Bahnhof 5,49 Uhr 
früh und Schnellzug 8,04 Uhr vorm. In der Gegenrich- 
sprach, die sich in seinen Blicken offenbarte, erfüllte sie vor 
«llem mit einem wundersamen Glücksgefühl. 
„Ich glaube an deine Liebe," flüsterte sie scheu. Aber 
znm zu verhindern, daß er eine Unvorsichtigkeit beging, 
fügte sie sogleich hinzu : „Wenn du die Komtesse geheiratet 
härtest, hättest du wenigstens deinen Batet zufrieden ge 
stellt." 
„Nicht für lange," cntgegnete er bestimmt. „Lydia 
Aldringen hat das Talent und das Verlangen, Geld mit 
offenen Händen zum Fenster hinauszuwerfen. Und meinem 
Later find trotz seines Reichtums die'Sparsamkeitsgefühle 
feiner armen Jugend geblieben. Er läßt sich heute noch 
wie damals von ihnen beherrschen. Ich bin neugierig, 
«as er sagen würde, wenn man ihm die Schneider 
rechnungen der Komtesse zeigte und ihm sagte, wie viele 
Davon unbezahlt sind." 
„Ist es ritterlich', so etwas von ihr zu sagen?" fragte 
Herta, die sich doch nicht dazu zwingen konnte, ihm wegen 
dieser Bemerkungen böse zu sein. 
„Jedenfalls ist es nicht weit von der Wahrheit ent 
fernt," erwiderte er. „Du hättest sie hören sollen) wie sie 
vorhin vom Spielen sprach. Unser Whist mit dem Robber 
ru fünfzig Pfennigen mußte allerdings einer Frau lächerlich 
sein, deren ganzes Leben nur ein Glücksspiel mit hohen 
Ansätzen ist. Ganz abgesehen davon, daß sie' ihre 
Finanzen recht gern hier und da einmal durch einenSpiel- 
gewinn ausbessert —" 
„Jetzt darfst du aber nichts mehr sagen I — Du bist 
bös." 
Er lachte nur. 
* „Ich weiß, was ich sage, Lieb! — Man hört so allerlei, 
lind cine Frau, die eine glänzende gesellschaftliche Rolle 
spielen muß, ohne über große Mittel zu verfügen — sie 
wird leicht erwerbüklng. Und sie kann Nicht immer 
wählerisch sein in den. Mitteln." 
„Wenn es so ist, wäre es allerdings ein großes Glück 
für sie gewesen, wenn du sie geheiratet hättest. Und trotz 
allem — sie ist reizvoll und faszinierend, und — und du 
hattest sie gern." 
„Ich habe sie heute noch gern," bestätigte Eberhard 
lächelnd'. „Der Unterschied ist nur, daß ich hellte eiste 
andere liebe. So sehr liebe, daß nicht mehr viel Raum 
in meinem Herzen bleibt für die, die ich-gern habe." 
Er neigte sich wieder gegen sie vor, ihr tief in die 
Augen sehend, und sie vergaßen' ihre Umgebung ganz. 
Und gerade in diesem Moment-, da sie sich so schweigend 
gegenübersaßen, jeder glücklich durch die Nähe des anderen, 
glücklich,- dem anderen in die Augen zu sehen, glücklich, 
seine Liebe zu fühlen — wurde die Portiere an der Tür 
des Zimmers zurückgeschlagen, und Herr de iKaucourt 
betrat den Salon. Er war nicht allein;■ tzie kleine Julie 
Mit ihrer Mutter begleitete ihn-. 
Sowohl Herta wie Eberhard hatten sich erhoben. 
Aber gerade die Hast ihrer Vewegustgen und die Ver 
legenheit, die sie nicht' ganz zu verbergen wußten,- schienen 
den eleganten Franzosen- mit eifersüchtigem Mißtrauen zu 
erfüllen.- Er löars Eberhard einen nichts weniger als 
liebenswürdigen Blick zu, und Herta fühlte ihr Herz heftig 
schlagen in banger Erwartung der kommenden Minuten. 
Sie hatte ja nv-ch nicht einmal daran gedacht, Eberhard 
von den Hciratsplänen Raucourts und von dem Eifer des 
Freiherrn, sie zu unterstiitzen, zu erzählen. Und sie kannte 
die Impulsivität des Geliebten; es war ganz unberechenbar, 
wie er sich benehmen würde, wenll der Franzose in seiner 
Gegenwart von" seinen Absichten sprach.- 
Und wenn der temperamentvolle Herr de Naucourt 
unter anderen Umständen vielleicht in Gegenwart eines 
Dritten geschwiegen haben würde — die Gereiztheit der 
Eifersucht veranlaßte ihn, zu sprechen. 
„Gnädiges Fräulein — meine Eltern werden sich die 
Ehre geben, morgen Herrn von Rominger aufzusuchen 
und bei ihm — und vor allem bei Ihnen den Fürsprecher 
für mich zu Machen. Darf ich hoffen,- daß sie Gehör fiüden 
werden* * 
Unwillkürlich sah Herta bei diesen Worten zu Eberhard 
hinüber. Und dem Mißtrauen Raucourts entging dieser 
Blick nicht. Er erdleichte, und gegen Eberhard gewendet, 
aber ohne ihn anzusehen, sagte er: 
„Ich glaubte, Herrn von Rominger als Ritter der 
Komtesse Aldringcn zu finden." 
Eine beabsichtigte oder unbeabsichtigte Indiskretion 
irgendeines der Beteiligten hatte offenbar die Münch die 
tung verkehren die Dampfer am Dienstag, Donnerstag 
und Sonnabend ab Saßnitz (Hafen) 6,30 Uhr früh, an 
Stettin 2 Uhr nachm., ab Stettin 2,32 Uhr nachm., an 
Stetttner Bahnhof 6,19 Uhr abends. Der Danipfcr 
„Hertha" wird in Swinemünde, Heringsdors, Binz und 
Saßnitz anlegen. Die Bäder Göhren und Sellin werden 
nicht angelaufen. Auch zu Fahrten vom Sonnabend abend 
bis Möntag früh ist in diesem Jahre wieder Gelegen 
heit geboten. 
o Polnischst: Propaganda für Obrrsch-csien in Groß- 
Berlin. Den deutschen Oberschlcsicrn diene folgendes zur 
Warnung: Seit einigen Wochen macht sich in Groß- 
-Berlin immer stärker eine polnische Propaganda bemerk 
bar, die die Arbeit der „Bereinigten Verbände heimats- 
trener Oberschlesier" und deren über ganz Groß-Berlin 
verstreuten Ortsgruppen zu schädigen bemüht ist. ES be 
stehen Holzmarktstraße 2, ebenso auf der Ackerstraße Bü 
ros, die die oberschlcsische Abstimmung im polnischen Sinne 
zu beeinflussen versuchen. Um möglichst auch nnersäh- 
rcne dcukschgcsinnte Kreise zu sich herüber zu ziehen, ver- 
wendet die polnische Bewegung neuerdings mit Vorliebe 
Anschriften, die aü die dtnirschc Organisation anklingen. 
Sie arbeitet n. a. unter dem Namen „Bund heimats- 
trener Ob-erschlesier"; auch der Bund der Obcrschlesier" 
betreibt eine auf Losreißung von Deutschland zielende 
Propaganda. Daß auch das polnische Rote.Kreuz ledig 
lich' unter dem bekannten Abzeichen gemeinnütziger Men 
schenliebe eine umfassende polnische Propaganda betreibt, 
dürfte gleichfalls bekannt sein. Es ist also große Vor 
sicht ant Platze. 
o Ein Verzeichnis der a» Polen abgetretenen Sta 
tionen in polnischer Schreibweise ist, wie die Handels 
kammer zu Berlin erfährt, in Nr. 99 des Eisenbahn- 
Tarifs- und BerkehrsanzeigerS erschienen und kann im 
Verkehrsbüro der Handelskammer E 2, Klostcrstr. 41, ein 
gesehen werden. Abdrücke der Nr. 99 sind, soweit.Vorrat 
vorhanden ist, beim Verlage Julius Springer, Berlin W., 
Linkstraße 25—26, erhältlich. 
o Cstnossc»schastlichr Frisier- und VaröicrstuEen. Nach 
Abbruch dös Bärbierstreits ist eine erhebliche Anzahl Ans 
ständiger nicht wiedereingestellt worden und ohne Arbeit 
geblieben. Um diesen eine neue Existenz zu schassen, hat 
sich eine „Genossenschaft für das Frisenrgcwcrüe" gebil 
det, die, nach dem Vorbild der in der Strcikzeit auf 
getauchten wilden Barbicrstnben, zwei Arbeitsstätten für 
Barbiere und Friseure, je cine im Osten und Westen 
der Stadt, eröffnete. 
o Die Rückkehr des Verschollenen. Ein Friedenaner 
war in russische Gesaügcnschast geraten und seine Frau 
hörte länger als 3 Jähre nichts mehr von ihm. Das 
Kriegsunglück forderte aber noch weitere Opfer von ihr: 
der älteste Sohn'siel im Westen und ihre beiden Töchter 
starben? So war sie völlig vereinsamt und cs war schließ 
lich verständlich, daß sich die 45 Jahre alte Frau nach 
Ueberwindung der Trauer wieder nach häuslichem Glück 
sehnte. Dabei griff sie allerdings viele Jahre zurück, 
indem sie sich mit einem 22 jährigen jungen Mann ver 
lobte, nachdem sie cine Todcsertlärunq ihres Mannes- 
veranlaßt hatte. Vor einige» .Wochen 'traf nun bei ihr 
plötzlich die Nachricht ein, daß ihr totgesagter Manu 
auf der Heimreise aus russischer Gcsangcnschafi sei. Dann 
kam auch von ihm eine Karte ans Stettin, daß er dort 
glücklich gelandet' und um die und die Zeit aus dem 
Stettiner Bahnhof eintreffe. .In der Erwartung, seine 
Frau dort umarmen zu können, wurde er getäuscht. Er, 
suchte nun seine Friedenancr Wohnung auf, die noch 
an derselben Stelle wie vordem lag. Seine Frau aber 
nrachte die Tür schnell wieder zu, als sie den Mann vor sich' 
sah. Er mußte sich vorläufig eine andere Unterkunft suchen. 
Das Wohnungsamt, das er um Rat fragte, sprach ihm 
die s. Zt. von ihm' gemietete Wohnung zu. Die Frau 
muß ihn also in die Wohnung aufnehmen oder die Woh 
nung verlassen, wenn ihr die Gemeinschasi mir ihrem 
früheren Gatten nicht mehr behagt. Zu verstehen ist ja, 
daß die Frau nach einem anderen Manne Umschau hieltj 
nachdem sie glaubte, Witwe zu sein. Aber mußte cs 
ein so junger Herr sein? Vielleicht hat sie die Absicht, 
bei Prof. Steinach eine Kur durchzumachen! 
o Das' Psiard in der Dnngarnre. ?lin Sonnabend 
Abend in der 9. Stunde geriet' in der GntsinuthSstraße 
ein Pferd der Gepäckabfertigung von Bcnecke in die Dung- 
grube. Unsere Feuerwehr mußte kommen, um den Gaul 
von dem „Mistbäde" zu befreien. 
der Freiherr in bezug auf Eberhard und die Komtesse ver 
folgte, bekannt werden lassen. Herta fürchtete einen 
Zornesausbrilch des Geliebten, und flehend sah sie ihn an. 
Aber er fühlte sich nicht' einmal sonderlich gereizt. Die 
augenscheinliche Eifersucht de Naücourts bereitete ihm im 
Gegenteil cin nicht ganz selbstloses Vergnügen. Seine 
Antwort freilich fiel trotz allem nicht ganz jo schlimm aus, 
wie Herta es gefürchtet hatte. 
„Sie scheinen etwas voreilig in Ihren Vermutungen, 
Herr de Naucourt!" sagte er. „Die Komtesse ist eher in 
der Lage, morgen Ihre Eltern anzuhören, als Fräulein 
Lcuendorsi." 
Dia Art, wie er das sagte, ließ kaum einen Zweifel 
darüber zu, wie seine Worte gemeint waren, lind de 
Raucourt ließ sich jetzt vollends von seiner Erregung fort- 
reißen. 
„Ah! — So sind Sie mein Nebenbuhler!" sagte er 
heftig. „Und ohne daß der Freiherr cs weiß!" 
Herta fürchtete, daß Eberhard noch deutlicher werden 
würde. Und hastig mischte sie sich ein: 
«Sie können nicht davon sprechen, Herr de Naucourt. 
tFie Herren sind beide sehr freundlicki zu mir, und ich bni 
Ihneil dankbar sür Ihre Freundlichkeit. Aber — mehr 
als Dankbarkeit kann ich Ihnen nicht geben. Wie Herr 
von Roinijlger weiß, kann ich niemanden heiraten, weil 
— weil ich jchon gebunden bin." 
Sie hätte geglaubt, damit, einen Llnswcg gefunden 
zu haben, ein Mitte!, der Situation das Ecjähiliche zu 
nehmen. Ader sie hatte sich getäuscht. 
Der junge Franzose, dessen Blut durch ilwe Schönheit 
in Flammen gesetzt war, der sie mit vcrlauacuder Lcidcn-- 
schasr lieble, hatte zu grohe Hossn'.mgcn aus ihren Besitz 
gesetzt, als daß diese einfache Ecitarung ihn von jeder 
weiteren Bemühung härte abhalten sollen. Seit dem 
Augenblick, da ihm der Freiherr von der Herta zugedachten 
Mitgift gesprochen hatte, mar er fest cn!schloffen, sie 
erringen. Er war seines Sieges ziemlich sicher gewesen; 
und Hertas Erklärung', daß s.e bereits gebunden fei, be- 
d'elltsle eiüe zu bittere Enttäuschung jür ihn, als daß er sie 
körnen. *
        
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