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Periodical volume Nr. 52, 01.03.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Berlia-Fttede»»», Montag, de» ZK. Fall 192(1 
27 
Ileucftc naebriebten 
Berlin. Der Reichstag nimmt .heute nachmittag 
5 Uhr seine Vollsitzungen wieder auf. Nach der geschästs- 
ordnungsmäßigen Wiederwahl des Präsidenten und der 
Vizepräsidenten wird die Besprechung der Konferenz in 
Spaa durchgeführt werden. Reichskanzler Fehrenbach wird 
sie einleiten, und Reichsminister des Auswärtigen Dr. 
Simons wird den politischen Bericht erstatten. Sodann 
wird die Sitzung für heute geschlossen werden, um den 
Fraktionen die Möglichkeit zu geben, zu den Ausfüh 
rungen der Regierung Stellung zu nehmen. 
Berlin. Der deutsche Gesandte in Warschau, Graf 
Oberndorfs, ist gestern hier eingetroffen und hat heute 
vormittag dem Auswärtigen Amt und heute mittag dem 
Reichspräsidenten Ebert Bericht über die Lage in Polen 
erstattet. 
Berlin. Die.Reichsregicrung hat eine Verordnung 
erlassen, wonach im Hinblick auf die Neutralität Deutsch 
lands im Kriege zwischen Polen und Rußland die Aus 
fuhr und Durchfuhr von Waffen, Munition, Pulver und 
Sprengstoffen verboten wird. 
Berlin. Der ungarische Gesandte in Berlin hat 
durch das Auswärtige Amt den Antrag auf Ausliefe 
rung Bela Kuns nach Ungarn, an die Reichsregie 
rung gestellt. 
Wiesbaden. Dr. Dorten ist auf Anordnung 
des Reichsgerichts verhaftet und im Automobil aus seiner 
hiesigen Wohnung von drei Kriminalbeamten abgeholt 
worden. 
Mainz. Bei Kundgebungen gegen die teuere Lebens 
haltung wurden zahlreiche Kaufläden geplündert. Die Po 
lizei mußte von der Waffe Gebrauch machen. Neun Po 
lizisten und sechs Manifestanten wurden vorgenommen. 
Die französischen Truppen stellten die Ordnung wieder 
her und zerstreuten die Menge. 
Fulda. In Bad Salzschlirf bei Fulda wurde beim 
Abbrennen von Feuerwerk der Angestellte der Bäderver- 
waltung Keitz von einem Feuerwerkskörper so unglücffich 
getroffen, daß er sofort tot war. 
Tegernsee. Der Schriftsteller Dr. Ludwig Gang- 
hoserUst gestern, 65 Jahre alt, am Herzschlag gestorben. 
Paris. Nach einer, Meldung aus Brüssel hat der 
Gerichtshof in Derviers elf junge Leute, die in Eupen an 
geblich Propaganda gegen Belgien getrieben hatten, zu 
je vierzig Tagen Gefängnis verurteilt. 
Venedig. Heute Nacht ist ein Brand im Arsenal 
von Venedig ausgebrochcn, der auf die Stadtbezirke von 
San Martins und San Francesco übergriff. Viele Fa 
milien flüchteten mit Hab und Gut.bis nach Riva degli 
Schiavoni. 
Die elfte Beamteu-Sntematlonile. 
Von Albert Falkenberg -Bln.-Friedenau. 
Am 15. und 16. Juni 1920 hat in Bern eine Vorbe 
sprechung zur Gründung einer neuen Postbeamten-Jnter- 
nationale stattgefunden. Die Tagung war beschickt worden 
von den Verbänden der Postbeamten folgender Länder: 
Oesterreich, Schweiz, Italien, Frankreich, England, Holland, 
Belgien und Deutschland. Die Tschecho-Slowakei wurde 
durch Oesterreich vertreten, aus Rußland ging ein Sym- 
'pathietelegramm ein. 
Nachdem der Weltkrieg im August 1914 die derzeit 
gegründete „Internationale Liga des Post-, Telegraphen- 
und Telephonpersonals" zerstört hatte, zerrissen zwar wäh-> 
rend der Kriegsdauer nicht alle Fäden zwischen beit Per 
sonen der einzelnen Länder, immerhin aber vergitig ge 
raume Zeit, bis die Wiederaufnahme ernsthafter Beziehun 
gen erfolgen konnte. Eine erstmalige Fühlungnahme, die 
von französischen Postbeamten angeregt wurde, führte zu 
einer zwanglosen Aussprache in Wien zu Anfang Fe 
bruar 1920. Die damals unverbindlich formulierten 
Satzungen mußten nunmehr in feste Form gebracht wer 
den. Zu diesem Zwecke wurde die Besprechung in Bern 
veranstaltet als eine Vortagung des für die erste Oktober- 
woche 1920 in Mailand geplanten ordentlichen Kon 
gresses, auf dem die Gründung der Internationale der 
P. T. T. (Post-, Telegraphen- und Telephonpersonale) 
vorgeiwmmcn werden soll. 
Unter den in Bern gefaßten Beschlüssen ist für Deutsch 
land der von besonderer Bedeutung, der die Zuwahl eines 
Vertreters der deutschen Postbcamtenverbände in das Exe 
kutivkomitee fordert. Diesen Beschluß verdankt die deutsche 
Postbeamtenschaft nicht nur der Vorurteilslosigkeit der 
internationalen Verbandsvertreter, sondern in erster Linie 
mit her Erkenntnis, daß das Fernbleiben Deutschlands der 
Sache nicht förderlich sein würde. Im Geiste dieser Auf 
fassung wurden auch die Verhandlungen betr. Ausgestal 
tung der Satzungen geführt. Es mußte die Möglichkeit 
für den Beitritt der deutschen Verbände geschaffen werden. 
Dieses Ziel ist nach eingehender Debatte auf dem Boden 
eines Kompromisses erreicht worden. Die betr. Satzungs 
bestimmung hat jetzt folgenden Wortlaut: 
„Mitglied der Internationale der P. T. T. kann 
jede Gewerkschaft oder jeder Verband werden, der das 
Personal der Post-, Telegraphen- und Telephonbetriebe 
organisiert und einer Gewerkschaftslandeszentrale ange 
schlossen oder von ihr anerkannt ist. 
Ueber Ausnahmen für jene Länder, in denen eine 
solche Post-, Telegraphen- und Telephonorganisation 
noch nicht besteht, entscheidet das Exekutivkomitee. Gegen 
diese Entscheidung ist Berufung an den Kongreß zulässig." 
Im Artikel II der Satzung wird der Zweck der Inter 
nationale folgendermaßen umschrieben: 
„Die Internationale der P. T. T. ist die Zusammen 
fassung des gewerkschaftlich organisierten Post-, Tele 
graphen- und Telephonpersonals. Sie hat den Zweck, 
die wirtschaftlich-rechtlichen und ideellen Interessen des 
Post-, Telegraphen- und Telephonpersonals zu wahren. 
In großen Arbeitnehmerfragen arbeitet die Inter 
nationale der P. T. T. Hand in Hand mit dem Inter 
nationalen Gewerkschaftsbunde in Amsterdam." 
Als Organe der Internationale sollen wirken: 
a) Der Internationale Kongreß der P. T. T., 
b) das Exekutivkomitee, 
c) das Sekretariat 
Aber diese Fragen der Satzungsberatung, der Klärung 
innerer Organijationsschwierigkeiten treten in den Hinter 
grund gegenüber der Tatsache, daß endlich der praktische 
Ansang mit der internationalen Beamtenbewegung, d. h. 
mit einer praktischen Auswirkung des Völkerverständigungs 
gedankens gemacht werden soll. Was bisher auf diesem 
Gebiete im Rahmen der Allgemeinpolitik erreicht worden 
ist, kann auch bescheidensten Anforderungen nicht genügen. 
Es wird so vieles über diese Kardinalnotwendigkeit dcut- 
scher Politik im Zusammenhange mit der Frage des 
Wiederaufbaus geredet und geschrieben, sobald cs aber 
6llt, praktische Wege einzuschlagen, dann versagt die K""st 
der „Realpolitiker", die immer noch meinen, auch in den 
alten Gleisen der Politik Erfolge im neuen Deutschland 
erztewn zu können. Wo nicht Hemmungen parteipolitischer 
Art der internationalen Praxis entgegenstehen, ist eö der 
| Mangel an Fähigkeit, die Verbindungslinien zwischen 
Ahnen- und Außenpolitik zu erkennen. Nun könnten viel 
leicht die deutschen Beainten glauben, daß ihre Berufs- 
Politik vollkommen unberührt bliebe von der Beamten- 
politik der übrigen europäischen Kulturländer. Das an 
zunehmen, wäre ein verhängnisvoller Irrtum, der wohl, 
in einer Zeit entschuldbar war, in der die Präzisionsarb,-' 
des deutschen Beamtentums ihm den Ruf, das beste fb'' 
bet Welt zu sein, eintrug, heule jedoch aus vaterländischen 
Gründen bekämpft werden muß. Nach dem verlorenen 
Kriege ist das politische Ansehen des deutschen Volkes in. 
Auslande — zum Teil in ungerechtfertigter Verkennung 
der ^atsachen — g csunken. Darüber besteht auch ivohl in 
der deutschen Beamtenschaft kein Zweifel und auch mol)! 
darüber nicht, daß dieser Zustand so schnell wie möglich 
überwunden werden muß. Nicht aus Liebe zu irgend 
welchen unreifen internationalistischen Theorien, nicht um 
irgendwelche Klassenbestrebungen zu internationalisieren, 
sondern lediglich deshalb, weil die Wohlfahrt des deutschen 
Volkes es fordert. Wie soll denn die deutsche Wirtschaft 
anders gesunden als über den Weg der Dcrftündignng mit 
unseren bisherigen Gegnern. An der Erfüllung dieser 
Aufgabe kann kein Berufsstand vorbeikommen, ohne fielt 
mitschuldig zu machen an der Fortdauer des angenbliit 
lichen Zustandes und seiner Verschlimmerung. Und da 
es keine Möglichkeit gibt, einen geschlossenen'Berufsstand 
mit Augenblickswirkung allgenteitrpolitisch oder gar inter 
national zu orientieren, ntuß eben auch für die Beamten 
der Weg zur internationalen Bcamtenbcwegung bei der 
Beanitenpolitik seilten Anfang nehmen, um die Augen der 
Berufspolitiker auf die politische Bedeutung ihrer imee 
nationalen Sondermission einzustelleit. 
Oft verleiht nicht der Inhalt der Tagesordnung den 
internationalen Kongressen ihre Bedeutung, sondern das 
Tischgespräch. Dos war auch in Bern der Fall. Ein Bei 
sp:el nur. Was auf der Tagung über Beamtenvcrtrctun 
gen gesagt wurde, war nichts Außergewöhnliches, der Mei 
nungsaustausch in dieser Frage aber, der in den Zwischen 
akten einsetzte, bot dem aufmerksamen Hörer vielfache Ge 
legenheit zu Einblicken in die Anschauungswelt der frem 
den Kameraden. Auf Umwegen kam man sich näher. Was 
I die deutschen Beamten im Beamtcnrätegesetz fordern, er - 
streben die Franzosen durch ungehemmte Betätigung der 
Beamtenorganisation: die Möglichkeit gesteigerter 'Mi, 
arbeit an der Betriebsführung. Mehr Selbstverwaltung 
— das ist d ie Forderungsforinel für alle gewerkschaftlich 
orientierten Beamtenverbünde, gleicherweise in Frankreich 
wie in England, Italien, Deutschlaird oder >vo sonst. Nur 
die Formen der Ausführung sind verschieden, nicht die 
Tendenzen des Wollens. Für den Mailänder Kongreg 
ist eine umfassende Darstellung der gesetzlichen Regelung 
der Beamtenvertretungen in den angeschlossenen Ländern 
geplant. Referent ist der englische Vertreter. Ein anderes 
Referat soll sich mit der Frage der Entlohnungsfornien 
des Post-, Telegraphen- und Telephonpersonals befassen. 
Ein glücklicher Umstand, das- gerade diese Themata 
dem Mailänder Kongreß Auftakt und Inhalt schaffen sollen, 
sie sind die Pole, zwischen denen sich die Entwicklung der 
Der Solm der Millionär;. 
Roman von Florence Warden. 
Lg (Nachdruck verboten.) 
Denn wenn es gelang, den Freiherrn davon zu über 
zeugen, daß eine Heirat seines Sohnes mit der -Tochter 
des Grafen damit bezahlt werden mußte, daß er seiner 
Schwiegertochter seine Ueberzeugungen zu opfern hatte, so 
war er vielleicht auch dahin zu bringen, das Projekt fallen 
zu lassen. Und er war vielleicht auch eher geneigt als 
früher, eine angenehptere Schwiegertochter ohne Rücksicht 
auf Titel und Würdm anzuerkennen. 
Natürlich ließ sich der Freiherr den Mißmut, den die 
Worte der Komtesse in ihm erzeugt hatten, nicht länger 
als für den Bruchteil einer Minute anmerken. 
„Ich denke, wir werden da eine Einigung erzielen," 
sagte er lächelnd. „Was nennen Sie einen hohen Einsatz?" 
Lydia 2Ubringcn schien nicht zu ahnen, daß sie sich auf 
gefährlichem Boden befand. Vielleicht auch hielt sie es 
sticht für gut, den Millionär durch allzu großes Entgegen» 
kommen zu verwöhnen. Jedenfalls sagte sie gelassen: 
„Wir spielen den Robber gewöhnlich zu zwanzig 
Mark." 
Jetzt verschwand das Lächeln von dem Antlitz des Frei. 
Herrn. Und es klang weder vergnügt noch belustigt, als 
er mit einem kurzen Auflachen sagte: 
„Da sind wir allerdings ziemlich weit voneinander ent- 
fernt. Denn wir spielen den Robber niemals höher als zu 
fünfzig Pfennigen." 
Die Komtesse lachte so heiter, als hielte sie das wirklich 
nur für einen gelungenen Scherz. 
„Soll ich Ihnen das wirklich glauben?" sagte sie schall, 
haft. „Es ist doch wohl nicht ernsthaft zu nehmen." 
Der Freiherr stand straff aufgerichtet. 
„Es ist allerdings ganz ernsthaft gemeint," sagte er 
kalt. Und nicht obne Schärfe fügte er hinzu: „Aber wir 
oeranlajfen selbstverständlich niemanden, dem das Spiel 
unter solchen BediyMMN 
i ' »bath. 
Mit wachsender Angst war Mabel der Unterredung 
zefolgt. wie Eberhards Miene immer strahlender geworden 
war. Aber Lydia Aldringen hatte Takt genug, die Sache 
richt weiter zu treiben. 
„Aber nein — ich werde sehr gern an der Partie teil- 
lehmen," sagte sie in einer Art, wie wenn sie sich bereit 
erklärt hätte, mit Kindern zu spielen. „Sie haben ganz 
.'echt, es vertreibt die Zeit." 
Eberhard beeilte sich, den Spieltisch heranzuziehen und 
einen Sessel für die Komtesse zurechtzurücken. Sie dankte 
ihm mit einem sprechenden Blick, und während sie sich 
zraziös niederließ, fragte sie, das Gesicht zu ihm erhoben: 
„Wie ist es. Herr von Rominger? — Wollen Sie 
mein Partner sein?" 
„Ich muß auf diese Ehre leider verzichten, gnädigste 
Komtesse! — Denn ich spiele nicht gern Whist. Außerdem 
wäre dann eine Person zuviel im Spiel. Sie — mein Vater 
and meine Schwestern — da ist die Partie vollständig." ^ 
Die Adern auf der Stirn des Freiherrn waren be» 
cöeser Erklärung bedenklich angeschwollen, und Lydia 
dringen wandte sich beinahe demonstratio von Eberhard 
Aber niemand sagte ein Wort. Magdalene schien 
gesonnen, den Bruder zu bitten, ihren Platz einzunehmen: 
aber er wußte es durch den Eifer, mit dem er ihr einen 
Sessel zurechtrückte, und durch einige scherzende Worte zu 
oerhindern. Seine Laune schien durch die Verstimmung 
die auf der Gesellschaft lastete, nicht im mindesten getrübt 
zu werden. Er wartete» bis das Spiel begann: und dann 
benutzte er die erste Gelegenheit, sich in den anstoßenden 
Salon zu begeben, wo Herta sich noch immer allein auf 
hielt, da es niemandem eingefallen war, sich um die „be- 
zahlte Gesellschafterin" zu kümmern. 
17. Kapitel. 
'.Hier ist's gemütlich I" Das waren Eberhards erste 
Worte, während er sich in einen Seffel warf, so daß das 
Möbel in allen Fugen krachte. Dann lachte er so herzlich, 
daß Herta, die sein Kommen mit großer Angst erfüllt hatte, 
ihm kaum noch böse- sein konnte. __ 
„Wie unvorsichtig du bist !" flüsterte sie. „Du durstest 
nicht kommen. Was wird dein Vater jagen?" 
Eberhard schob die Hände in die Taschen und streckte 
seine Beine lang ins Zimmer hinein. Er sah durchaus 
nicht beunruhigt aus. * 
„Er wird bald sehr viel Unangenehmes zu sagen haben," 
meinte er sorglos. „Es geht nicht so weiter. Ob es 
ihm nun etwas früher oder später sagen " % 
Aber Herta wollte davon nichts hören. Auch ihr war 
dies Versteckspiel, . dies beständige Heucheln beinahe un 
erträglich. Doch sie ertrug es um des geliebten Mannes 
willen; und seinetwegen'auch mußte es noch länger fort 
gesetzt werden. 
„Nein, nein," sagte sie. „Wir sind mehr als einmal 
der Gefahr, entdeckt zu werden, wie durch ein Wunder 
entronnen: und wenn wir in Zukunft noch etwas var- 
sichtiger sind, wird niemand in unser Geheimnis dringen. 
Weshalb sollen wir ohne jede Notwendigkeit eine Kata 
strophe heraufbeschwören?" 
„Aber dies Mädchen!" entgegnete Eberhard. „Wer 
yätte auch an etwas Derartiges denken können? — Und 
wer konnte ahnen, daß die Komtesse so plötzlich auftauchen 
würde?" 
Hertas junge Brust hob sich in linem schweren Atem 
zuge, und sie senkte das Köpfchen. 
„Sie wäre dir willkommen gewesen, wenn — wem; 
ich nicht gewesen wäre," sagte sie leise. 
Da richtete er sich aus seiner lässigen Haltung auf unb 
neigte sich zu ihr. Ein glückliches Lächeln spielte um seinen 
Mund, aber es klang bei aller Weichheit tief ernst, a.s er 
erwiderte: 
„Ja — ich leugne es nicht. Hätte ich nicht 
Mädchen kennen gelernt, das um so vieles schAcr, um'jo 
vieles liebenswerter - wäre als diese Komtesse — ein 
Mädchen, das ohne Rücksicht auf sich selbst für den Mann, 
den sie liebt, das Aeußerste wagt — ich hätte die Komtesse 
vielleicht heute noch mit denselben Augen angesehen wie 
früher. Ich hätte in ihr eine reizvolle, interessante und 
verführerische Frau gesehen, und ich hätte es wahrscheinlich 
auch nicht für ein Unglück gehalten, sie heiraten zu müssen." 
Die verschiedenartigsten Empfindungen waren es ge 
wesen, die seine Worte in Herta ausgelöst hatten. Aber 
die innige und tteue Liebe, die aus jedem dieser Worte
        
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