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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Ende der sechziger Jahre erhielten die Bauern und, 
Kossäten, ebenso wie die sieben Büdner, die nach der Ein 
äscherung Schönebergs in kleinen Häusern mit je einem 
Morgen Gartenland als Handarbeiter vom Amte Mühlen 
hof angesetzt waren, ihre Erbverschreibungen ausgefertigt. 
In diesen wird erklärt: „Da die Höfe in .Schöneberg 
vorher Laß-Güther gewesen, und dieses nunmehro auf 
gehoben ist, so wird dem N. N. ,dieses Guth mit' allen 
vorhin beschriebenen Pertinentzien dergestalt erb- und 
eigenthümlich hiermit übergeben und zugeeignet, daß er 
solches vor sich, seine Erben und Nachkommen, jetzo und 
zu ewigen Zeiten nutzen und gebrauchen, solches an andere 
Verkaufen und Veräußern, oder Vererben, und mit .sel 
bigen als mit seinem wohl erlangten Eigenthum.schalten 
und walten 'könne und möge. Jedoch ist derselbe ge 
halten, im Falle einer Vorhabenden Veräußcr- oder Ver 
pfändung, wegen der auf diesem Guthc haftenden Amts- 
nnd Grehß-Abgabcn, jedesmal des Amts Einwilligung 
zuförderst einzuholen". .Ferner heißt es im 8 6 der 
bäuerlichen Erbverschreibung: „Wird der Hoff dem N.N. 
für sich, seine Erben und Nachkommen.jetzo und zu ewigen 
Zeiten von Leistung des natural Hofc-Dicnstes besreyet." 
«So waren aus den früheren Laßbauern, die dem 
Domänenpächtcr als Gutsherrn Naturaldienste zu leisten 
oder Dienstgcld zn entrichten und ihm ihre Kinder als 
Gesinde zur Verfügung zu stellen hatten — denen der 
König, wenn sie nicht ordre parieren wollten, Vertreibung 
von Haus und Hof androhte —, mit einem Schlage freie 
bäuerliche Wirthe geworden. 
Hierdurch sind die Schönebergcr Bauern den anderen 
Bauern der preußischen Monarchie in der freiheitlichen 
Entwicklung um einige Jahrzehnte vorausgeeilt. Das 
furchtbare Unglück des Jahres 1760 war .ihnen doch 
letzten Endes zum Segen geworden. 
Mit der böhmischen Kolonie Neu-Schöncbcrg ging 
cs inzwischen rückwärts. Die einzelnen Besitzer konnten 
nicht die Abgabe von 2 Taler 12 Groschen bezahlen und 
es haftete auf jedem 'Grundstück eine Hypothek von 10d 
'Talern zu 5 Prozent. 
Die große Generosität des Königs den Alt-Schönc- 
bergern gegenüber war teils seinem Mitleid .mit den 
Abgebrannten, teils aber auch dem Umstande zu ver 
danken, daß das Amt Mühlenhof nicht viel einbrachte, 
wohl aber seine Verwaltung viel Mühe und Aerger be 
reitete. Es konnte damals niemand ahnen, daß die Nach 
kommen der damals so reich Beschenkten in Schöneberg 
nnd Wilmersdorf zu so vielfachen Millionären werden 
könnten, wie sie cs tatsächlich in der zweiten Hälfte des 
vorigen Jahrhunderts geworden sind. Friedrich II. hat 
ivenig Freude an seiner Schenkung gehabt. Im Gegen 
teil gaben die Bauern beider Orte vielfach Veranlassung 
zu ärgerlickien Streit und Prozessen, die erst durch kräf 
tiges Eingreifen des Königs geschlichtet wurden. 
Im objektiven Spiegel der Geschichte erscheint das 
Charakterbild des Königs in recht verschiedener Beleuch 
tung. In der Jngeitd in sich selbst verliebt und gefall-' 
süchtig wie ein Mädchen, im Alter von einer erschreckenden 
Vernachlässigung seiner persönlichen Erscheinung. Durch 
Einfluß seiner französischen Umgebung, d'Alembert, Voltair 
n. a. bis ins spätere Mannesaltcr Liebesabenteuern nicht 
abgeneigt, in sittlicher Beziehung strenger' gegen andere 
als sich selbst. Im Alter launig, mürrisch, zuweilen 
tyrannisch, rechthaberisch und grausam — man denke nur 
an des armen Trenck Schicksal, der das Unglück hatte, 
der Schwester des Königs, Amalie, zn gefallen,, der 
dieses Gefallen und seine Folgen mit 10 jähriger Kerker 
haft büßen mußte. Dabei war der König sreigeistig 
und zu philosophischen Betrachtungen geneigt, voller Ver 
achtung seiner Muttersprache, die allerdings noch recht 
grob und ungeschlacht war, besonders gegenüber der fran 
zösischen, die er glänzend beherrschte. Wenn auch der 
Inhalt seiner umfangreichen Werke zum Teil Ideen und 
Ansichten seiner geistreichen französischen Umgebung wieder 
geben, so leuchtet doch daraus das helle Licht eines 
scharfen Denkers hervor. Seine Kriegsstrategie war 
mustergültig für sein Zeitalter und bewundernswert sein 
Organisationstalent bei Heilung der. tiefen Schäden, die 
der Krieg feinem Lande geschlagen. „Groß und glücklich 
zu machen sein Volk, war Friedrichs erhabener Gedanke!" 
HWiiiiiwimiwiMiiini— 
sagt ein Zeitgenosse, «bc» a» den Nahm seines.. Hauses 
und dessen erweiterten Besitz zu denken, wird er wohl 
auch nicht vergessen 'haben.'' (Fortsetzung folgt.) 
für ^rieclenau-KckonebLrg. 
(Nachdr, unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
Feriensvrele urrv Ferienwanverungeri. 
Vom 5. Juli bis 7. August d. Js. sinden folgende 
Fcrkenveranstaltungen statt. 
1. Farifmspiele (werktäglich von 9—12, 3—6 Uhr). 
: Für größere Knaben und Mädchen "auf deist Spielplatz 
' an der Offenbacherstraße, für 'Mähen und Mädchbtt vm 
, Alt er von 6—10 Jahren auf'dem Spielplatz an der 
Schwalbachcr Straße nnd im Bftkenwälvchen, für Knaben 
und Mädchen unter 6 Jahren ans den Kinderspielplätzen 
an der Offenbacherstraße und im Birkenwälüchen. 
2. Halbtagsrvanderimsen. 
Für Kinder von 6 Jahren ab. Montags und Don 
nerstags nach dem Schülerspielplatz Dahlem, Dienstags 
Und Freitags nach Onkel Tom's Hütte, Mittwoche'und 
.Sonnabends nach der Alten Fischerhütte. 'Sammelplatz: 
'Schillerplatz, Westseite. Ahmarsch 8 Uhr morgens. Rück 
kehr: 3 Uhr nachmittags,' bisweilen mit der...U-Bahn. 
Bcrpflcgimg: Gesüßte Suppe und Brot 
3. GanztagsrvMtdrruWen. ,• 
Für Kinder über 10 Jahrxn an zwei Wochentagen. 
Dienstags nach Onkel Tom's'Hütte, Freitags nach' der 
Alten Fischerhütte. Sammelplatz: Schillerplatz, Ostseite. 
Abmarsch: 8 Uhr morgens. Rückkehr 6 Uhr abends. Ver 
pflegung: Gesüßte Suppe und Brot. Hin- und Rückfahrt 
erfolgt voraussichtlich mit. der Wannseebalhn. 
v Jchresjagdscheine haben folgende Fricdenaner Ein 
wohner im Juni gelöst: Bankbeamter Leser, Kaufmann 
(,'alle. Lehrer Knöllner, Direktor Seil, Ingenieur Jhlau, 
Kaufmann Gülßö, Prokurist. Dost. 
o Die Erwcrbsloscnfürsorge und der Arbeitsnachweis 
. erscheinen im bisherigen' letzten Voranschlag auch ' zum 
ersten Male als ein besonderer Hauptvoranschlag. Bisher 
wurde die Erwerbslosenfürsorge im Kriegshilfssonds und 
der Arbeitsnachweis in den Gemeinnützigen Einrichtungen 
nachgewiesen. Für die Erw erbs losen fürsorg e 
rechnet die Gemeinde mit Erstattungen von Reich und 
Staat in Höhe von 449 083 M., hierzu treten noch Rück 
zahlungen aus Darlehen in Höhe von 0000 M. und 
kleinere Einnahmen, so daß eine Echpahme von insge 
samt 454 200 M. verzeichnet ist. Die Äüsgabest Betragen 
794 769 Pt. u,nd zwar die Unterstützungen selbst 430 000 
Mark und die anteiligen Kosten' im Lästenausgkeiche.inner 
halb Groß-Berlins 250 00,0 M. Für' Gewährung ' vvn 
Darlehen sind 5OO0'M- vorgesehen. Außerdem ist noch 
für die .Mieterbeihilfe ein Betrag von'6000 Mark ein- 
gesetzt, für Kranlenkassenbditräge der Erwerbslosen 20 000 
Mark, für .Fahr- und Umzugskosten 2000 M-. und Zch 
schüsse und Darlehen' für Arbeitsbeschäffüng 10 000 M. 
Die Verwalkungskostei, betrügen .rund 70 000 M. — Die 
Einnahmen für den Arbeitsnachweis sind nur 
500 M.' aus anteiligen Beträgen der 'Erwerbslosenfür 
sorge für den Fernsprecher. Die Kosten der Verwaltung 
des Arbeitsnachweises, betragen 32 049' M. einschließlich 
3000 M. Kasse,ibettrag zum Ländesarbeitsam't~ Groß- 
Berlin.. Für Ertverhsloseufürsorgc und Arbeitsnachweis 
bat dies Gemeinde einest Zuschuß von insgesamt 372 119 
Mark zu leisten. 
o Der Zivilversorgung-schekn kann jetzt auch in den 
Dienststellen verdient .werdest, die' sfch tickt düb Abwick 
lung befassen. Durch einen Beschluß des Peichsrätes sind 
die Grundsätze für die Besatzung der mittleren Kctstzlei- 
nnd Unterbeamteiistellen bei den Reichs- und Stagtsbe- 
hörden mit Militäranwä'rtcrn Und Inhabern des An 
stellungsscheines dahin abgeändert worden, daß der Schein 
ehemaligen Unteroffizieren öder Kapitulanten 'erteilt wer 
den kann, die bei den mit Abwicklungsfachen befaßtest 
Dienststellen und bei den Versorguncss- und Sanitätsbe 
hörden Verwendung gefchiden haben. Sie müssest bis zuist. 
1; Müi 1921" elne Gesamtdienstzeit von '12 Jahren zurück 
gelegt haben und zum Beamten würdig und brauchbar er 
mann es die Komtesse nicht länger über sich, Interesse für 
Mabel Hermanns inhaltloses Geschwätz zu heucheln. Ver 
traulich neigte sie sich zu ihr und flüsterte mit einem be 
zeichnenden Blick in das Nebenzimmer, wa. Herta faß . und 
in einem Buche blätterte: 
„Wer ist denn die langweilige Person, die sich fort- 
während in den Ecken'herumdrückt und. kaum ein. Wort 
spricht? — Gesellschafterin? Sekretärin? — Sie bekleidet 
doch wohl irgend so einen Posten?" 
„Sie ist die bezahlte Gesellschafterin meiner Schwester," 
erwiderte Frau Hermann in jener ostentativ gering 
schätzigen Art, durch die- sie ihre lieberlegenheit über die 
Menschen dokumentieren wollte, die: sich in einem Ab- 
thängigkeitsverhältnis zu.ihr befanden. Sie hatte kein Emp 
finden dafür, daß sie damit nur sich selbst herabsetzte. „Wir 
sind gezwungen, jemanden für sie zu halten — qus Rück 
sicht auf ihre Schwäche und Kränklichkeit." 
Lydia Aldringen machte eine Kopfbewegung, durch die 
sie wohl ihr Beileid für Magdalene.ausdrücken wollte. 
„Glauben Sie nicht, liebe Freundin, daß es ssin.Fehler 
ist, für derartige Posten, so hübsche Personen zu wählen?" 
sragte sie in dem gleichen behutsym gedämpften Ton, den 
sie vorher gewählt hatte. Und-mit einem liebenswürdigen 
Lächeln, das gleichsam um Vergehung zu bitten schien, fuhr 
sie fort: „Es ist ja gewiß, nicht meine Sache, mich darum 
zu bekümmern; aber es ist doch leider nicht zu leugnen, daß 
durch ein hübsches Gesicht unberechenbares Unheil.angerichtet 
werden kann." 
Frau Hermann war von dem Scharfblick ihres Gastes 
sehr unangenehm berührt. Und sie bemühte sich» ihre Be 
sorgnisse ein für allemal zu zerstreuen. 
„Ich glaube nicht, daß Fräulein Leuendorff darauf aus- 
geht, .Unheil zu stiften," erwiderte sie. „Und ich. glaube 
noch viel weniger, daß es ihr gelingen , würde. Sie ist zu 
— wie soll ich sagen — zu bürgerlich. Sie werden ver 
stehen, wie ich das meine. Zu volksmäßig ist vielleicht 
richtiger. Gut angezogenen Damen kann sie nur als Folie 
dienen," fügte sie mit einem bezeichnenden Blick, und 
Lächeln hinzu. 
Aber wie auch immer Komtesse Lydias Fehler be- 
schaffen, sein mochten — ein Mangel an kluger Einsicht 
und Scharfsinn war nicht darunter. 
„Im Wörterbuch des Mannes existieren Llusdrücke 
wie „volksmäßig" oder „bürgerlich" nicht, wenn es sich 
um ein junges Mädchen handelt," sagte sie. „Und diese 
hafterin Ihrer Schwester ist außerordentlich hübsch, 
sie um eitz weniges aelchicfter «Meaoacn wärtz — 
ich hätte kein Verlangen kur» erst. Miein Vergleich mit 
ihr ausgesetzt zu werden." 
Und sie hob ein wenig die mageren Schultern, die 
durch ihre duftig zarte Chiffontoilette so meisterlich ver 
kleidet wurden, daß man ihre eckige Häßlichkeit nicht ein 
mal ahnen konnte. 
Mabel Hermann protestierte lebhaft gegen ihre letzten 
Worte. - 
„0, Sie hätten einen Vergleich gewiß nicht zu scheuen l" 
sagte sie enthusiastische wenn sie auch vorsichtig genug war, 
ihre Begeisterung im behutsamsten Flüstern auszudrücken. 
„Sie haben einen Charme — einen Esprit — und eine 
Grazie — die einem Mädchen wie dieser Leuendorff neben 
Ihnen jeden Reiz nehmen." 
Aber die andere war nichts weniger.yls überzeugt. 
„O gewiß — ich habe gelernt, das Bests aus mir zu 
machen," sagte sie. „Aber wenn ich djes Gesicht und diese 
Augen — nicht zum wenigstens aber diese Figyr hätte — 
ich wäre heute eine Herzogin." 
Frau Hermann war ernstlich beunruhigt., Sie selbst 
schätzte.die Eigenschaften, die sie derKümtesse nachgerühmt 
hatte — Eigenschaften, die ihr selbst, wie si§ svyhl wußte, 
vollständig fehlten — so, hoch, daß sie nicht hatte daran 
glauben können, das hübsche Gesicht einer Gesellschafterin 
könne dieser reizvollen Aristokratin ernstlich gescchrsich werden. 
.Run aber wurde auch sie unsicher. 
„Ich gebe zu," sagte sie, „daß es für pin Mädchen in 
dieser Stellung ein finck ist, schön zu sein. Aher sie sieht 
eigentlich, auch er, seit kurzer Zeit so aut aus" — die Kom 
tesse zog .ein wenig die Brauen hoch, uyd - der Blick, mit 
dem sie Mabel ansah, war so wenig mißzuverstehest, daß 
er sie aufs höchste verwirrte — „ich,meine, seit — seitdem 
sie — seitdem sich ihr Leben so sorgenfrei unh ruhig ge 
staltet." . 
Aber sie mußte zu ihrem.Lcjdwesen erkennen, daß 
sie .etwas sehr. Unvorsichtiges und Törichtes gpsagt hatte — 
daß sie einen Berdacht, der wohs schyst in der. Komteffe 
Aldringen geschlummert, vollends gefestmt hätte. j,Sie sieht 
erst seit einiger Zeit so gut aus!" wiederholte Lydia. 'Und 
die . Art, wie sie es sagte, sieß keinen, Zweifel Darüber zu, 
dqß sie das mit Eberhard Rostunge.rs Person in Zu 
sammenhang brachte. ' 
Mabel Hermann.war wenig geüht in der vornehmen 
Kunst der Selbstbeherrschung, und so unterwürfig sie sich 
der aristokratischen Freundin gegenüber zeigte, diesnial ge- 
r»ng es ihr nicht, ihre Verstimmung zu verbergen. Lydia 
scheinen. Angerechnet !vird auch natürlich der Dienst im 
Heere, in der Marine oder in den Schntztruppen. 
o Ein umstrittenes Privileg. Das Schornsteinfeger- 
gewerbe zählt zu den sogenannten polizeilichen Gewerben, 
deren Ausübung durch bestimmte Gesetze und Verordnun 
gen geregelt wird. Alle Ortschafleu sind in Kehrbezirke 
eingeteilt; jedem Meister oder mehreren zusammen ist ein 
bestimmter Kehrbezirk zugewiesen. Auch die Häufigkeit 
des Fegens und der Tarif der Schornsteinfeger sind be 
hördlich festgesetzt. Die Hausbesitzer, denen das Schorn- 
stcinfegerprivileg schon lange ei» Dorn im Auge ist, haben 
sich wiederholt um dessen Aushebung bemüht — bisher 
allerdings vergeblich. 
obh Die Forschungsgcsellschaft für wirtschaftlichen 
Baubetrieb, über deren Gründung hurch führende Tech 
niker'wir vor einiger Zeit berichteten, hat ihre Arbeite» 
nunmehr in größerem Umfange in. Angriff genommen. 
Zu .ihrer Durchführung sind die Fachausschüsse für 
1. Transportaulagen und Baumaschinen, 2. Geräte, 
3. Gerüste, 4. wirtschaftlichen Betrieb der Sparbanivcisen, 
5. ärbertswissenschaftliche Untersuchungen und Psyche- 
technik, 6. allgemeine Fragen deS Baubetriebes einge 
setzt worden. Der Landrat des Kreises Niedcrbarnim hat 
jetzt den Ortsbehörden bekanntgegeben, daß bei der Er 
teilung von Baugenehmigungen die Orrspolizeibchördrn 
die Bauunternehmer ans die Bestrebungen der ForschnngS- 
gefellschaft Hinweisen und ihnen empfehlen sollen, mit der 
Geselsichast zwecks Auskunfterteilnng und Beratung nn- 
nckttelbar-in Verbcküning zn treten. 
Ae Metekbrwegmig' ckur Kossumenttn- 
vewMLs. 
Von L. Schwärz, Berlin-Friedenau. 
Die über das ganze Reich sich verbreitende Mieter- 
belöegung kann füglich als die größte Kontumentenbewe- 
gstng angesprochen werden, wenn sich z. Zt. solche auch 
nur'ans den Konsum der Wohnnngsgelegcnheit erstreckt 
und bisher noch nichts unternommen wurde, die Kontrolle 
, allgemeiner Konsumgcgcnstäiidc von derselben zu erfassen 
und den Kreis'' der Aufgaben sinngemäß zu erweitern. 
'Die Mieterbewegnug arbeitet "in wirtschaftspolitischer 
Richtung, sie fördert wirtschaftliche Zwecke (Aohnungs- 
inietenverbilligung nnd Schutz vor maßloser Steigerung) 
durch Politische Mittel, d. h. durch Einwirkung der Organi- 
sativn auf Reich und Behörde nnd auf die gesetzgebenden 
Körperschaften. 
' So' anerkennenswert die bis jetzt erzielten Erfolge 
^ sind, welckte sich in erster Linie in der Ausbreitung eines 
gewissest SicherheitsgcsnhleS gegenüber der sonst beliebten 
maßlosen Mietsstcigerung und einem gewissen Vertrauen 
ästf die gerechte Berechnung einer jetzt angemefsenen Miete 
äußert, so Muß doch unumwunden gesagt werden, daß mit 
diesen Erfolgen der Rahmen der Mieterbewegnug noch 
nicht ausgefüllt ist. Die Mieterbewegnug ist nach Er 
achten deS Schreibers und vieler maßgebender Faktoren 
innerhalb derselben berufen, sich zn einer Konsninenien- 
lewegung im weitesten Maße preisregnlicrcnd ans all 
gemeine Konsumartikcl, insbesondere auf diejenigen Gegen- 
. stände, 'welche in jeden: Haushalte verbraucht werden^ ein- 
wirkeu kann. 
Es' ist unbestreitbar, daß die gesamte Mieterschaft-, 
welche die wahrhast klassenlose breite Masse darstellt, in 
höchstein Maße verpflichtet ist, die gleichen Wege zn 
gehen, die bereits seit Jahren von bestimmten organi 
sierten Bcvölkernngsklassen gegangen werden. . 
Die politisch organisierte Arbeiterklasse, manche Be 
amten- ilnd Ofsiziersvcreine haben sich schon längst in 
. Könfmnvereinen oder Ein- und Vcr'kaussvereinen zn- 
saliliste'ngcschkvssen und sicherlich damit ihren Mitgliedern 
ist' hohem Maße gedient. Was hier recht war, ist für 
die Mieterschaft nur billig. Der Kreis der Konsum- 
interessen ist ja ein viel weiterer und da die Mic'tcrbe- 
wegnng zum größten Teile politisch neutral geführt wird, 
ist auch die Gewißheit gegeben, daß diese Bewegung nichr 
zst'Mt'er ftzolitü.ch. einseitig gefärbten KonsuiuvereinSvrgan'i- 
' fettn»n bezivu Koimnunalisicrnngsbewegnng ausarten ' kann, 
söndern daß eine sich ans Angehörigen aller'politischen 
bemerkte es, undsie hatte triftige. Gründe, dieser Verstimmung 
nicht weitere Nahrung zu geben. Durch eine scherzhafte 
Bemerküng schwächte sic die Wirkung ihres Beneymcns ab, 
und sie lauschte geduldig Mabel Hermanns wortreichen 
Erörterungen darüber, wie schwierig cs sei. eine.jnnge Gesell 
schafterin zu sinden, die repräsentadel nnd doch 'nicht zu 
hübsch war. Freilich konnte sie sich nicht enthalten, der Be 
merkung der Freundin, daß man sich dieses Fräulein 
Leuendorff bei der ersten passenden Gelegenheit entledigen 
würde, mit einiger Bedeutsamkeit zuzustimmen. Damit 
wAr aber' auch der Gegenstand zwischen ihnen abgetan. 
Als die Herren in den Salon kamen, gewann die 
Komtesse ihre heitere Lebhaftigkeit wieder. Sie blieb neben 
Mabel sitzen, scheiü'oar ohste von der Anwesenheit der 
Herren Notiz zu nehmen. Aber sie entzückte die überraschte 
Frau Hermann plötzlich durch eine Fülle schalkhafter und 
geistreiöher'Einfälle, und die Art, wie sie beim Lachen den 
Kopf ein wenig zurücklegte, konnte nicht reizuoller und 
berückender sein. ’ 
Natürlich waren die Herren an ihren Sessel getreten, 
und nämenklich Johannes Rominger lauschte ihr mit offen 
an den Tag gelegtem Vergnügen. Bei der ersten passenden 
Gelegenheit aber sagte er: 
„l^ie' spielest doch wohl Whist, Komteffe?" Und eilig 
fügte crhinzu: „Natürlich spielen wir sehr niedrig. Ich habe 
eine'Abneigung gegen jede andere Art. Aber ich bekenne, 
daß ich Las Spiel als Zeitvertreib nicht gen: entbehre." 
Lydia Aldringen lachte wieder ihr silbernös Lachen und 
sie verzog das Gesicht zu einer kleineu'Grimasse. 
' ), ,,O, dann werde' kch «üir Ihren Unwillen zuziehen, Herr 
von Rominger! — Denn ich spiele mit Vorlisve Poker, und 
zwar sehr hoch. Es scheint mir schwer, dem Spiel soviel 
Wf^erksamkeit zu schenken, wenn der Einsatz dessen nicht 
, r Es war. Johannes Rominger unschwer anzusehen, wie 
westig. diese Antwort nach scincin Geschnrack loch Mabel 
sah 'ihn besorgt an, und Eberhard konnte ein beknstiqteS 
Lachelft nicht Unterdrücken. Er wußte ja, wie empfinc lil) 
seist Baker'gerade in diesem Punkt war, und eö "hoffte 
mit einiger Berechtigung, daß es ''ernste "Meinungsver 
schiedenheiten zwischen ihm und der Komtesse neben würde. 
Dadurch wurde seine «Lache bedenkend gesöcdcrt. 
^Fortsetzung folgt.)
        
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