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Periodical volume Nr. 166, 25.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

vezAgs-rsk 
ANHokuna a»S de« N«vmst«W» 
»tllch 2,70 Mark: durch Birtu»! 
ini HauS gebrach » 3,- Mark. 
Fernsprecher» »hart 
(Krtrderrarrer. 
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messt «glich (tau. 
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WWWMI. RgetSyDr* 18* i>— Mark, velegnunnner 80 Pfg. 
MhekastraG« ». — Wench»r«herr «»1 Pfalzbnrg 21 SS. 
»r. 
Berlio-FrleLenan, Sonntag, de« LS. Soli 1920 
Sahrg. 27 
Karlsruhe. Ueber einen Ucbergriff der Fran 
zosen im besetzten Gebiet des Kehler Brückenkopfes wird 
gemeldet: Die Franzosen haben für den kommenden Sonn 
tag, den 25. Juli, eine große Ruderregatta-im Kehler 
Rheinhafen ausgeschrieben, an der sich eine Reihe fran 
zösischer Rüdervereine beteiligen soll. Die Veranstalter 
haben sich nicht vorher mit den zuständigen deutschen Ver 
waltungsbehörden ins Benehmen gesetzt, sondern sich darauf 
beschränkt, durch den französischen Hasendirektor der deut 
schen Eisenbahnbehörde die Tatsache der Veranstaltung mit 
zuteilen und gewisse Leistungen der deutschen Eisenbahn 
dafür verlangt. Bon deutscher Seite ist gegen die ge 
plante Veranstaltung nachdrücklichst Einspruch erhoben 
worden. 
Mainz. Das .französische Kriegsgericht in Mainz 
verurteilte einen Soldaten des algerischen Schützenregi 
ments wegen Vergewaltigung eines deutschen Mädchens 
zu zehn Jahren Deportation, Zwangsarbeit, Ausstoßung 
aus dem Heere und Landesverweisung. 
Königsberg. Nach hierher gelangten Meldungen 
ist es den Polen gelungen, durch Gegenangriffe die von 
Grodno vorgehenden Russen am weiteren Vorgehen in der 
Richtung auf Bialystok zu verhindern und sie südwestlich 
von Grodno auf Kamionka und Korobczyce zurückzuschla 
gen. Ein neuer Vorstoß der Bolschewisten in der Richtung 
aus Bialystok ist jedoch wahrscheinlich, da stärkere russische 
Kräfte neu eingetroffen sind. Von Grodno ist eine Kolonne 
der Russen beim Vormarsch auf Augustowo in der Gegend 
südlich des Augustowoer Waldes auf polnische Nachhuten 
gestoßen und hat am 22. Juli heftige Kämpfe geliefert. 
Hioch unbestätigt ist die Meldung, daß am 22. Suwalki 
von litauischen Truppen besetzt worden sei. Teile der 
dortigen polnischen Truppen sollen von den Litauern ab 
geschnitten worden sein. Die übrigen, westlich Suwalki be 
findlichen polnischen Truppen »verden im Rückzug auf 
Bialystok gemeldet. 
Rotterdam. Wie der * „^eulue Rotterdamsche 
Courant" aus London meldet, wird amtlich bestätigt, daß 
Polen die Sowjetregierung uin einen Wasfenstillstaud er- 
kucht und vorgeschlagen hat, die Verhandlungen darüber 
in Grodno zu führen. 
Warschau. Nach hier vorliegenden Meldungen ist 
Wilna noch immer nicht vollständig in litauischem Besitz. 
Teile dertrufsischen Sowjetarmee lagern noch dort, und 
bolschewistische Kommissare unterhandeln vergeblich wegen 
der Ueberlassung Wilnas au Litauen gegen die Erteilung 
der Durchzugserlaubnis für die bolschewistischen Truppen 
durch Litauen zur reichsdcutschen Grenze. 
London. Die „Times" vernimmt^aus Warschau: 
Die polnische Regierung sandte am Donnerslag, mittags 
2 Uhr, ein drahtloses Telegramm nach Moskau, worin 
sie um Waffenstillstand ersucht. Wie man weiß, arbeitet 
der russische Außenminister Tschitscherin nur von abends 
10 Uhr bis morgens 5 Uhr, so daß das Telegramm ihn 
in der Nacht. zuni Freitag erreicht haben kann. In diesem 
Fall erwartche man die russische Antwort noch am Sonn 
abend in Warschau. Man ist in Warschau der Meinung, 
daß die Antwort vollkommen unzweideutig sein müsse, 
damit ein Befehl zur Einstellung der Feindseligkeiten ge 
geben werden könne. 
Amsterdam. Im englischen Unterhause sagte Un 
terstaatssekretär Montagu in Beantwortung einer Anfrage, 
er halte die Lage au der afghanischen Grenze für befrie 
digend. Indien sei offenbar das Ziel der bolschewistischen 
Propaganda; doch sehe er keinen Grund für die An 
nahme, daß ein bewaffneter bolschewistischer Angriff gegen 
die Nordwestgrenze erfolgen werde. Soweit ihm bekannt 
sei: würden die Bestimmungen des Waffenstillstandes und 
des Friedensvertrages von der afghanischen Regierung aus 
geführt. 
B r ü s s e l. Im belgisclgm Senat besprach der Minister 
des Auswärtigen die Frage der Kriegsschuldigen und er 
klärte, daß die Alliierten in Spaa die Vollzugsbestim 
mungen zyr Aburteilung von 25 Schuldigen durch den 
Leipziger Gerichtshof aufgestellt hätten. 
OrtsnacbricbttfD 
für fric<Utiau-$cboiieber0. 
(Rachbr. unsrer o«Originalartikel nur mit Quellenangabe g ..attet.) 
o Friedenau« Marktbericht. Der heutige Wochen- 
niarkt tvar reichlich beschickt mit Gemüse und Obst. Die 
Preise falten langsam, die Kauslust war ziemlich rege. 
Die Preise waren: für Blumenkohl der Kopf 3 Mark, 
grüne Bohnen das Pfund 60—70 Pfg., Mohrrüben 40 
bis 50 Pfg., Johannis- und Stachelbeeren 1 M-, Mira- 
dellen und saure Kirschen 1 bis 2 M., Kartoffeln 5 Pfund 
5—5,50 M. Leider fehlt der Zucker, um Obst in grö 
ßeren Mengen einkochen zu können. Die Friedenau« und 
Schöneberger Hausfrauen hoffen immer noch, daß auch 
in diesem Jahre etivas Einmachezucker auf Karte abge- 
geben wird. Ist es notwendig, daß so viele Konfitüren 
hergestellt werden? Wäre es nicht richtiger, dafür jedem; 
Hausstand etwas mehr Zucker zu verabfolgen? 
o Kartoffeln konnte mau heute an der Schmargen- 
dorser-, Ecke Rheinstraße, für 1 M. das Pfund kaufen 
In Berlin kosteten sie 80 Pfg. Der Preis wird wohl 
noch um ein Bedeutendes herabgehen, da die Kartoffel 
ernte eine ausnahmsweise gute zu werden verspricht. 
o Stichwort .Messing". In der kommenden^Hoche s 
darf Brot mH 
entnommen werden, deren Abschnitte das Stichwort 
„Messing" tragen. 
v Wieder voll« Stratzenbahnvertchr. Seit l,e«ite 
früh verkehren wieder sämtliche Linien., der Straßenbahn. 
Auch die Aenderung des Fahrplans, der größere Zwischen 
pausen im Verkehr einzelner Linien s vorsah, ist wieder 
aufgehoben worden. Der Streik der Elektrizitätsarbeiter 
in Golpa ist, wie bekannt, schon, vor einigen Tagen be 
endet worden. Jetzt ist die Skromzufuhr nach Berlin 
wieder im alten Umfange aufgenommen worden, so daß 
sich alle Einschränkungen sowohl in den Betrieben der In 
dustrie als auch im Verkehr der Straßenbahnen unnötig 
machen. 
o Die Friedenauer Straßenbeleuchtung besteht aus 
schließlich aus elektrischen Lampen und zwar sind das: 
40 ganznächtige und 27 halbnächtige Flammenbogenlampen 
zu 12 Amp., 112 ganznächtige und 88 halbnächtige 
Flammenbogenlampen zu 8 Amp., 55 ganznächtige und 
45 halbnächtige gewöhnliche Bogenlampen, 7 ganznächtige 
und 4 halbnächtige Metallfadenlampen. Die ganze Be 
leuchtung kostet 158 757 M. Infolge der Kohlcnersparnis 
brennen aber die halbnächtigeu Lampen jetzt nickst, so 
daß hierdurch ein Betrag von 46 341 M. gespart wird 
und die Straßenbeleuchtung 112 410 M. kostet. Hierzu 
tritt aber noch der Zuschlag durch die Kohlenpreiserhöhung 
von 72 323 M., so daß die Ausgabe der Straßenbeleuch 
tung 184 739 M. jährlich ausmachen. Eingenommen wer 
den von unserer Gemeinde 20 598,50 M. Davon sind 
20 000 M. Zuschuß von der Deutschen GaSgesellschasy 155 
Mark zahlt Steglitz für die Beleuchtung der Fregestraße 
und 443,50 M. Schöneberg für einige Lampen in der 
Rhein-, Haupt-, Frege-, Saar-, Mosel- und Hedwigstraße. 
o Lkiürnimittelverteilung in Schöneberg. In Berlin- 
Schönebcrg findet bis zum 27. Juli Voranmeldung statt für 
250 Grämn, Maisgries ans die Abschnitte 37 und 38 der 
allgemeinen Lebensmittelkarte und 250 Gramm Kunst- 
Honig auf Abschnitt 44 der roten und grünen Schöne- 
berg« Bezugskarte. Ausgegeben werden in der nächsten 
Woche: 1 Dose kondensierte Milch auf Abschnitt 50 und 
ein Stück Toilettenscife auf Abschnitt 56 der Jugend 
lichenkarte. Ferner Fortsetzung der Ausgabe von 250 Gr. 
Haferflocken auf Abschnitt 33 der allgemeinen Lebens 
mittelkarte und 250 Gramm Auslands-Marmelade auf 
Abschnitt 40 der roten und grünen Schöneberger Vezugs- 
karte. An Kommnnalwaren stehen zur Zeit znm Ver 
kauf: Männerhemdcn, Unterhosen, Futterstoff, Aermel- 
futter, Drell, Drellhosen, Handtuchstoff, Kinder-Trikots, 
Kinderstrümpfe, Erstlingshemdchen, Erstlingsjäckchen, Klei 
derstoff. Mantelstoff, Damenröcke, Damenmäntel, Kostüme, 
Stoff zu Knabenanzügen, Herren-, Danien- und Kinder- 
Stiefel. Näheres am Schwarzen Brett und Zimmer 217 
des Neuen Rathauses. 
o Sülze in SchöuÄerg. Der Magistrat macht be 
kannt, daß mit Zustimmung des Vorsitzenden der Staat 
lichen Derteilungsstelle für Groß-Berlin bestimmt wird, 
daß in Berliu-Schöneberg der Preis für 1 Pfund Sülze 
1,80 M. bei Abgabe an den Verbraucher nicht über 
steigen darf. 
o Kartoftelversorguug. In der Woche vom 26. Juli 
bis 1. August werden in Schöneberg auf die Abschnitte 
31 a—c der Kartoffelkartc 5 Pfund Frühkartoffeln aus 
gegeben. Die auf frühere Abschnitte ab Nr. 27 noch 
nicht gelieferten Kartoffeln können gleichfalls in der 
laufenden Woche bezogen werden. 
o Zur Fleischfrage. Ans der 40. Tagung des Deut 
schen Fleischerverbandes in Frankfurt a. M. bildete die 
Aufhebung der Zwangswirtschaft für Vieh und Fleisch den 
Hauptgegenstand der Beratungen. Die meisten Redner tra 
ten für eine sofortige Beseitigung der Zwangswirtschaft 
ein, da diese nur dem Schleichhandel Vorschub leiste. Nach 
langer Erörterung wurde eine Entschließung angenommen, 
die spätestens bis zum 1. September folgende Forderun 
gen erfüllt wissen will: Beseitigung des Vichhandelsvcr- 
bandes, Wicderzulassung der Fleischer zum Einkauf und 
zum Schlachten von Bich; Beseitigung der ReichSfleisch- 
karte. Der Führung von Kündentisten wird als beson 
dere Maßnahme zugestimmt; Vcnvenduug von ausländi 
schen Jnuereicil (Därmen, Leder und inneren Teilen! zur 
Wurst-Herstellung nur unter Mitverarbeituug von frisch. » 
inländischen Jtmereien; Verbot der Herstellung von Darm 
wurstwaren während einer gewissen Zeit. — Die Nach 
richt, die Reichsfleischstelle habe die Genehmigung zur 
Aufhebung der Reichsfleischkarte in Bayern erteilt, trifft, 
wie den „P. P. N." uiitgeteilt wird, nicht zu. Die Aus 
hebung würde nur durch Verordnung erfolgen können. Eine 
ölche Verordnung ist aber nicht ergangen. Richtig ist nur, 
iah an zuständiger Stelle Erwägungen über die Auf 
hebung der Rekchssleischkarte und Ersatz durch die Kun- 
oenliste oder eine Gemeindefleischkartc schweben, ohne daß 
jedoch bis fetzt eine Entscheidung gefallen wäre. Findet 
die Aushebung der Reichsfleischkarte statt, so geschieht dies 
selbstverständlich für das ganze Reich und nicht für ein 
einzelnes Land. 
, o Kleiderliesermtg. Bon der Reichsbekleidungsstell.' 
sind für die minderbemittelte Bevölkerung Friedenaus Be- 
cleidungsstüae überwicsm worden und gelangen bei folgen 
den Händlern zum Verkauf: Flieg, Rheinstr. 47 (Unter 
backen, Männer- und Damen-Ulst«, Kleiderröcke, Männer- 
hosen, Männerjoppen, Anzüge, Kinderkleider, Kinder-Tri- 
bots, Anzug-, Zwirn- und Futterstoffe, Barchend). Kuh r t, 
Mheinstr. 31: Drell, Moleskin, Hemden- und Futterstoff. 
Schell, Rheinstraße 9: Mäuner-Unterhosen, Männcr-Win- 
lerwesten und -Ulster. Bry, Lauterstratze 12/13: Kleid«- 
:ückc, Sweater, Unterhosen. Bartz, Handjerystraße 62: 
iFrauen-Strümpfe, Hemden-Flanell, Futterstoff. Die Ab- 
i'gabe der Stoffe erfolgt nur gegen Berechtigungsschein, der 
im Rathaus, 2 Treppen, Zimmer 55, zu beantragen ist. 
Als Ausweis sind die Friedenager Lebensmittel-Answcis- 
karten und die Stenerkarte für 1919 vorzulegen. 
o Kleingartenverpachtung in Schöneberg. Der Minister 
für Volkswirtschaft hat zurr Förderung des Kleingarten- 
wesens alljährlich bis znm 1. August die Ermittelung des 
Bedürfnisses nach Kleingärten angeordnet. Zur Feststellung 
des Bedarfs an Kleingnrlenland werden daher Kleingarten- 
pacht lustige aus den Gemeinden Schöneberg und Frie- 
denau, soweit sie Kleingärten noch nicht gepachtet haben, 
aufgefordert, sich im Schönebcrger Neuen Rathaus, Ru- 
dolph-Mlde-Platz, Zimmer 329, zu melden und in eine 
daselbst aufliegende Bewerberliste eintragen z» lassen. Die 
Zuweisung von Kleingärten erfolgt auf Grund vorheriger 
schriftlicher Benachrichtigung nach Maßgabe des verfüg 
bar zn machenden Landes. 
o Die Postbeznh« des „Frirdrnauer Lokal-Anzeiger", 
dessen Bestellung noch nicht erfolgt ist, mögen in diesen 
Tagen beitn zuständigen Postamt für Neubestellung Sorge 
tragen. ' _ *• 
o Die Aushebung der Adrlsvorrechte. Der Staats« 
anzeiger veröffentlicht das von der preußischen Landes« 
persammlung angenommene Gesetz über die Abhebung der 
Standesvorrechte des Adels und die Auflösung der Haus« 
vermögen. 
o Schöneberger Frauen, die Kinder in liebevolle 
Pflege nehmen wollen, können sich melden im Jugend 
amt, Neues Rathaus, Erdgeschoß, Zimmer 58. Sprech- 
stunden werktäglich 11 — 1 Uhr. Pflegesätze für Kinder: 
im 1. Lebensjahre 150 M., im 2. Lebensjahre 130 M, 
im 3. und 4. Lebensjahre, 110 M., vom 5. bis 14. 
Lebensjahre 90 M. Außerdem notwendige Kleidung, ärzt« 
liche Hilfe und Arznei in Krankheitsfällen. 
o Dringlich,keiisbe'chnnicunqen für den Versand von 
Eisenbahnsendungcn sind nach einer der Handelskammer 
zn Berlin zugegangenen Mitteilung der hiesigen Eisen 
bahndirektion bei Anträgen ans Wagengestellung künftig 
nicht mehr erforderlich, da sich die Derkehrslage in, all 
gemeinen so gebessert hat, daß die Eisenbahnverwdltung 
glaubt, den Anforderungen des Verkehrs entsprechen zn 
können. 
o Geschäftsbericht des Friedenau« Einigungsamtes. 
(Stand vom 1. Juli 1920.) Am 1. Juni ds. Js. waren 
nach dem Tagebuch noch an unerledigte» Anträgen vor 
handen 4312, dazu Gesämtzugänge im Juni 2100, zu 
sammen 6412. In den Zugängen sind enthalten: Ein 
Schlichtnngsantrag in einer. Hypothekensache, 1967 An 
träge in Beschlnßsachen, darunter 33 Anträge des Woh 
nungsamtes ans Prüfung bczlv. Zwangsfestsetzung des 
Mietsprcises solvic 112 Anträge an die Schiedsstclle. Es 
wurden erledigt: a) Schlichtungssachen, b) Beschlnßsachen 
(41 Sitzungen): durch Beschlüsse :>36, durch Vergleiche 122, 
durch Zurücknahme 185, zusammen 642. In Angelegen 
heiten der Schicdsstelle fanden 5 Sitzungen statt: Es wur 
den erledigt: durch Beschlüsse 84, durch Vergleiche 5, durch 
Zurücknahme 27, zusammen 116. Es bleiben inithin noch 
zu erledigen 5654 Anträge. 
o Beginn d« Hundrtage. Atn gestrigen 23. Juli 
begannen die Hundstagc mit dem Frühansgang deö Sirius 
oder Hundssterns und ensigen am 23. August mit dem 
Frühansgang des Arcnirus oder Bärenhüters. Schon im 
alten Griechenland zeichnete sich die HundStagszeit durch 
große Hitze aus und wurde Opora genannt, auch kamen 
während dieser Zeit nach Hippokra.es schwere Gallen- 
kranthciten vor. Im Mittelalter ruhte a» mehreren 
Orten selbst der Gottesdienst während der Hnndstage. 
In der vorigen äßndK herrschte schon recht hundstags 
mäßige Wärme. Am Anfang dieser Woche siel das 
Thermometer, aber bald trat neue Erwärmung ei», so 
daß regelrechte Hnndstagshitze diesmal nicht ausge 
schlossen ist. 
obh Aufruf au die osthaveliändische» L^dwirtr. Ter 
kommissarische Laichrat des Kreises OsthavcUa^d. Ae chardt 
in Naue», t-at äü die Landwirte seines Lee., -s einen 
Aufruf veröffentlicht, worin es heißt: „Mit de.a Schnitt 
der neuen Ernte ist begonnen. Die von der Aetchr« 
regierung festgesetzten neue» <9rnndpreise für Gurride 
sind um mehr als das Dreifache gegen das Vorjabr er 
höht, außerdem werden, die namhafte» Frnhdrn.chvräriiu: 
gezahlt. Der Kreis Osthavcltand hat durch seine Her 
gaben aus eigenen Brotgetreidcvorräte» an das -Reich 
seit acht Tagen seine Bestände völlig aufgebraucht, die 
Brotversorgung ist im Augenblick auf das schwerste ge 
fährdet. Es liegt daher nicht nur im eigenen Besten 
jedes Landwirts, sondern ist auch dringende Pflicht gegen 
üb« d« Allgemeinheit, daß sofort mit dem Ausdrusch 
und d« Ablieferung von neuem Brvtgcw'ide und G.rsts 
begonnen wird, damit Unruhen in der Bevölkerung oer 
mieden werden. Die zum Aufkauf bestimmten Firmen 
und Händl« sind aus dem Vorjahre bekannt. Land 
»virte des Kreises Osthavelland, erfüllt Eure vater 
ländische Pflicht!" 
obh D« Mückensommer. Die Mückenplage des Sem- 
ntevs 1920 ist fiirchterlich. Ueberall in Stadt und Land, 
nicht nur in den ohnehin benichtigten Mückenncster», sieht 
man z«stochene Gesichter, zerkratzte Mückenstiche. Se^»ü 
inmitten des Steinme«s Berlin.drängen die Mücken zu 
Dutzenden in die Schlafzimmer und lassen in ihrer Blut 
gier den ermüdeten Großstädter nicht den ersehnten Schlaf 
finden. Erst nach läng«em tvütenden Kampf gegen die 
kleinen Bluffauger, deren pfeifendnnnes Geschwirr das 
Ohr entsetzt, kommt der Schlaf, und -am Morgen besieyt 
man sich bMmmert an Kopf und Händen die Mücke::- 
tvunden. Die MückLnplage ist eine .Folge des -nassen 
Frühjahrs und Sommers. Die Pfützen und Tümpel, 
die Bäche und stehenden Gewässer sind die Brutstätte»
        
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