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Periodical volume Nr. 165, 23.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

worden ist. Die Interessenten werden'darauf aufincrlfcynv 1 
gemacht, daß sie hiernach jedenfalls zur Beachtung der 
in der Aushangsverordnung enthaltenen Vorschriften ver 
pflichtet sind und von den zuständigen Stellen auf Be 
folgung der Vorschriften streng gehalten wird. H ■ 
obh Zweierlei -Ortsbezirksvorfteher^im neuen Berlin. 
Die 20 Verwaltungsbezirke Groß-Berlins kvmupi auch 
unser sich noch in Ortsbezirke zerlegt werden. Jedem 
Ortsbezirk wird ein Ortsbezirksvorsteher und ein Stell 
vertreter vorgesetzt, die von der BezirkLversammlung, so 
weit sic besoldet sind, auf 12 Jahre, sonst auf 4 Jahre 
gewählt werden. Das Bezirksamt hat sie zu bestätigen. 
In Ortsbezirkcn von größerer Bedeutung können die Be? 
zirksvorsteher die Amtsbezeichnung Bürgermeister erhalten. 
Bei der Bildung der Ortsbezirke wird vielfach ans die 
bisherigen Einzelgemeindcn zurückgegriffen werden müssen, 
während in' größeren Gemeinden einzelne Stadtteile zu 
Orts'bezirken umgestaltet werden dürften. Es sind auf 
diese Weise zweierlei Arten von Ortsbezirksvorstehcrn zu 
unterscheiden, je nachdem es sich gm einen Ortsbezirk han 
delt, der nur einen Gebietsteil einer früheren Einzel» 
gemeinde umfaßt, oder um einen solchen, der sich voll 
kommen oder in der Hauptsache mit dem Gebiet einer 
früheren Einzelßemeinde oder eines Gutsbezirks deckt. 
Im ersten Falle wird der Ortsbezirksvorsteher im wesent 
lichen eine Evmittlungs tätigtest im Ehrenamt zu erledi 
gen haben und den bisherigen BczirkSvorstehern der 
Stadtgcmeinden gleichzustellen sein, wie sie die Städte 
ordnung geschaffen hat; im zweiten Falle wird er mehr 
Verwaltungsbeamter mit selbständigen Befugnissen sein 
müssen. Die besoldeten Ortsbezirksvorsteher unterstehen 
der Disziplinargewalt des Vorsitzenden des Bezirksamts.. 
Die Entscheidung darüber, ob ein Ortsbezirksvorsteher zu 
besolden ist, und über die Höhe der Besoldung erfolgt 
durch Beschluß der beiden städtischen Körperschaften, lveil 
die hierdurch entstehenden Ausgaben einen ' Teil des 
städtischen Gesamthaushalts bilden. Die Amtsdauer der 
unbesoldeten Ortsbezirksvorsteher ist nicht an den Ablauf 
der Anttsdauer der Bezirksversammlung gebunden, von 
der sie gewählt worden sind. 
v Fleisch in Schöneberg. In der Woche vom 19. 
bis 25. Juli 1920 gelangt auf die Reichsfleischkarte ameri 
kanischer Speck (200 Gramm) zur Ausgabe. Auf Ver 
langen der Flcischverkäuser ist bis zu Vs der Wochcn- 
menge in Wurst zu entnehmen. Der Preis betrügt für 
den amerikanischen Speck 14,60' M. und für die aus 
Auslandskram hergestellte Wurst 5,20 M. je Pfund. 
o Die Steigerung der KöhlenPreiseHümmt noch immer 
keile Ende. Wenn das so weiter gehtund das steht 
bereits jetzt schon fest — wird man die Kohlen wohl 
noch pfundweise kaufen müssen, weil man sie zentnerweise 
nicht mehr kaufen bezw. bezahlen kann. Erst waren cs 
die wiederholten Lohnforderungen, die prcistrcibend 
wirkten, dann war es die erhöhte Kohlensteuer, jetzt er 
höht man die Preise, weil die im Bergbau benötigten 
Materialien, vornehmlich Holz und Eisen, immer teurer 
geworden sind, und weil man Mittel braucht für die 
großzügig ' geplanten Bergarbeiter-Heimstätten und für 
Lieferung billiger Lebensmittel an solche Bergleute, die 
Ueberschichten verfahren. 
obh Ter Kamps gegen die Wohnungsnot. Bauzu 
schüsse zur Fertigstellung von Wohnhäusern sollen in Form 
von Ergänzungszuschüssen ans Neichsdarlehen gelvährt 
werden . Wie der preußische Wohlsahrtsminister in einem 
Runderlaß mitteilt, läßt es sich schon jetzt übersehen, daß 
— wie von vornherein befürchtet — die Mittel, die von 
Reich und Staat zur Gewährung von Ergänzungszuschüssen 
an Gemeinden, Bauvereinigungen und Privatpersonen zur 
Verfügung gestellt werden, die mit staatlicher Unterstützung 
im Jahre 1919 zu bauen begonnen haben, nicht ausreichen, 
um die infolge der ivciteren Preissteigerung unvollendet 
gebliebenen Bauten fertigzustellen. Bei der schlechten Fi 
nanzlage von Reich und Staat ist jedoch eine Erhöhung des 
Sanierungsfonds nicht zu erwarten. Es ist aber unbedingt 
erforderlich, zunächst die Fertigstellung der angefangenes! 
Bauten sicherzustellen, bevor mit dem Bau neuer Wohnun--' 
gen begonnen loird. Es .sollen daher auch zur Gewährung 
von Reichsdarlehen überwiesene Mittet zur Gewährung 
von Ergänzungszuschüsseij herangezogen werden. , .j 
v Die Kirche „Zum guten Hirten" wird nach langest 
Verhandlungen nun in nächster Zeit ihre Glocken erhabi 
tcu. Das von dein (Geiueindekirchenrat bestellte Geläuf 
wünschte und das ihm nach seinem eigenen Geständnis 
noch vor wenig Monaten keineswegs gleichgültig gewesen, 
war. War cs denkbar, daß er sich ihrem Zauber würd^ 
entziehen können, wenn dieser Zauber stündlich neu auf 
ihn wirkte, und wenn — wie cs mit. Sicherheit vorauf 
zusehen war — von seiten ihrer Umgebung alles Crdenkz 
liche geschah, dem Entstehen einer Neigung Borschub zu 
leisten? ' (C 
Gaben doch Johannes Röminger- und feine älteste 
Tochter in ihrem Benehmen schon jetzt unzweideutig genug 
zu erkennen, einen wie hohen Wert sie«Lgrauf legten, sich 
der Gunst ihrer gräflichen Besucher zu vMichern. Nament 
lich Mabel, die ihre plebejischen Allüren niemals ganz 
verleugnen konnte, leistete an aufdringlicher Liebenswürdig 
keit und plumper Schmeichelei das Menschenmögliche, so 
daß sich Herta in der Stille des Herzens sagte, der Ein 
druck, den wirklich vornehme Leute von ihrem Benehmen 
empfingen, könnte unmöglich ein anderer als ein wider, 
wärtiger sein. Johannes Nominger beobachtete eine wesent 
lich würdigere Haltung, denn bei allem hohen Respekt vor 
der gesellschaftlichen Stellung und dem feudalen Rainen 
des Grafen war er doch Emporkömmling genug, um nicht 
einen Augenblick zu vergessen, daß dieser Graf im Vergleich 
mit ihm nur ein armer Teufel war, und daß seine 
Millionen dort mindestens ebenso willkommen waren, als 
es ihm das Prestige einer Familienverbindung mit dem 
alten und edlen Geschlechte der Aldringen sein mochte. 
-Er war überaus zuvorkonnnend und machte kein Hehl aus 
der lebhaften Befriedigung, mit der das getroffene Arrange 
ment ihn erfüllte. Aber er demütigte sich doch nicht gleich 
Mabel bis zu jener Unterwürfigkeit, die die beiden alt 
adeligen Gäste wie eine Art von höheren Wesen behandelte. 
„O, wie entzückt mein Bruder sein wird, Sie hier vor 
zufinden, teuerste Komtesse!" sagte Mabel, als einmal eine 
kleine Pause im Gespräch eingetreten war. 
Die Angeredete aber erwiderte mit einem feinen und, 
wie es beinahe scheinen wollte, etwas zweifelnden Lächeln: ' 
»Wird er es sein — wirklich? — Nun, wir werden ' 
sehen." 
„Wäret ihr nicht recht gute Freunde — du und der 
junge Herr von Nominger?" fragte der Graf, den Un 
befangenen spielend. Und seine Tochter nickte. 
„Allerdings! — Aber vielleicht hüt er mich inzwischen 
vergessen." 
wird bei den heutigen hohe» Preisen nahezu an 100000 
Mark an Ork . und Stelle kosten. .Schon der Glockenguß 
"ostet rund 60609 Mark. Der Gstjckeiffchatz der Kirchcu- 
Gemcinde beträgt 37 000 Mark; durch''Sammlungen, Kön- 
zerte usw. sind rund 20000 Mk. zusammengekommen; der 
kirchliche Voranschlag hat 27000 Mk. ausgesetzt; der Frie- 
denauer Bürgcrbuud hat bei seiner Vereinigung mit dem 
Schöneberger Bürgerbund aus seinem Vermögen 1.500 Mk. 
und die politische Gemeinde Friedenau 3000 Mk. gespendet. 
Demnach ist immerhin noch ein Fehlbetrag von 15 000 bis 
20 000 Mark vorhanden. — Der Einbau der Glocken ist 
dem Gemcindebaurat a. D. Altmann übertragen worden, 
x o Versagen des elektrischen Lichts. Gestern Abend, 
wiederum gegen 9 Uhr, wie schon mehrere Male in der 
vorigen Woche, fetzte das elektrische Licht aus. Erst, nach 
10 Uhr. war dis Störung behobpn. 
v Das Eiserne Kreuz I. Klasse wurde nachträglich 
Herrn Dr. Herrmann, Wiesbadenerstr. 83, verliehen. 
o Invalidenversicherung. Durch das Gesetz über Ab 
änderung der Leistungen und der Beiträge in der Invali 
denversicherung vom 20. Mai 1920 sind die bisherigen 
reichsgesctzlicheit Rentenzulagcn vom 1. Juli 1920 ab wie 
folgt erhöht worden: Empfänger einer Invaliden- oder 
Altersrente erhalten 30 Mark (bisher 20 Mark), Empfän 
ger einer Witwen- oder Waisenrente 15 Mark (bisher 
10 Mark) monatlich. Neu eingeführt ist eine.Zulage für 
Empfänger einer Waisenrente, die 10 Mark monatlich be 
trägt. Die Zulagen werden, wie bisher, monatlich im vor 
aus von der Post gezahlt. Eines Antrages des Emp 
fangsberechtigten bedarf es nicht. Die Verordnung über die 
Gewährung von Zulagen zu Renten aus der Invaliden 
versicherung vom 21. August 1919 tritt am 30. Juni 1920 
außer Kraft. Jedoch erhalten Empfänger einer Jnvaliden- 
vder Witwenrente, die nach Maßgabe der Verordnung vom 
21. August 1919 eine Zulage beziehen, ohne nach den Vor 
schriften des neuen Gesetzes zum B,ezuge der Vorlage be 
rechtigt zu sein, ihre Zulage bis zum 31. Dezember 1920 
weiter. Die neuen Zulagen erhalten nicht diejenigen Per- ' 
fönen, die auf Grund des Gesetzes über die Versorgung' 
der Militärpersoncn und ihrer Hinterbliebenen bei Dienst- 
beschädigung (Reichsvcrsorguugsgcsetz) eine Rente für Min 
derung ihrer Erwcrbsfähigkeit um mehr als zwei Drittel 
oder eine Hinterbliebenenrente beziehen. Es empfiehlt sich, 
daß die zum Bezüge der erhöhten Zulagen berechtigten In 
validen und Witwen in den der Post zu übergebenden! 
Rcntcnquittungcn sogleich die erhöhten Zulagen an Stelle 
der bisherigen aufnehmen. Die Empfänger von Waisen» 
reute haben jedoch zunächst eine Benachrichtigung des Vcr- 
sichcrungsträgers über die Anweisung der Zulagen ab 
zuwarten. Durch das Gesetz vom 20. Mai 1920 sind außer 
dem die im § 1392 der Reichsversicherungsordnung an 
gegebenen Beiträge zur Invalidenversicherung erhöht wor 
den. Diese betragen vom August 1920 ab in den Lohn- 
klassen I bis V 90, 100, 110, 120 und 140 Psg. wöchentlich. 
v Wieder gelbe Postwagen. Die Wagen der Reichs- 
Post, die bis jetzt feldgraue Farbe hatten, werden mit 
gelber Friedenssarbe neu angestrichen. Da die Kosten 
sehr hohe sind, können nur die reparaturbedürftigen Wagen 
in Betracht kommen. Statt des einstigen Namenszuges 
„Kaiserliche Post" werden die neu aufgearbeiteten Wagen 
mit dem neuen Namen: „Reichspost", der sich über die 
gesamte untere Seitenfläche der Wagen in etwa 25 Zenti 
meter hohen. Leuern hinzieht, versehen. 
oN L'crtrelu'rgrurtund.'n vor dem Mietseinigungsämt 
stempelpslichtig. Der Minister für Volkswohlfahrt hat 
durch Erlaß vom 4. Juni d. I. die Vertretungsiirkundcn 
in Verhandlungsterminen vor dem Mietseinigungsämt für 
stciupelpcklchtig erklärt. Die Behörden weisen demgemäß 
die Parteien, die von ihrer Befugnis, sich in der münd 
lichen Verhandlung vor dem Mietseinigungsämt durch eine 
mit schriftlicher Vollmacht versehene Person vertreten zu 
lassen, Gebrauch machen, daraus hin, daß sie für die 
Versteinpelung der Vertrctungsvollmachtcn Sorge • zu 
tragen haben. 
o Die Stcucrerkkärling zum Neicksnotopfcr. Für die 
Aufstellung der Steuererklärung zum Reichsnotopfer ist in 
weitem Umfang die Bewertung von Vermvgensgegenstän- 
den notwendig, die unter den jetzigen Verhältnissen beson 
deren Schwierigkeiten begegnet. Dies.gilt in erster Linie 
für die Bewertung von Grundbesitz und Betriebsvermögen. 
Um den Steuerpflichtigen wie den Veranlaguugsbehör- 
deu Anhaltspunkte für eine sachgemäße Bewertung dieser 
War. es in Wahrheit nur ein Zufall, daß ihre Augen 
in Diesem Moment zu der Erkernische hinüberflogen, in 
der Herta noch immer bei ihrer Handarbeit saß? Und 
war es nicht beinahe wie das Kreuzen zweier Klingen vor 
beginnendem Zweikampf, als sich die Blicke der beiden 
Frauen begegneten? 
Aber wenn es so war, so hatten die anderen jeden 
falls nichts davon bemerkt. Als hätte Lydia mit ihren 
letzten Worten einer ganz ungeheuerlichen und unfaßbaren 
Bermutung Ausdruck gegeben, rief Mabel: 
„O, Komtesse, Sie sind keines von den weiblichen 
Weserk, die ein Mann wieder vergessen kann, nachdem cp 
sie nur ein einziges Mal gesehen!" 
„Und mein Sohn hcst sehr oft vonIhnen gesprochen," 
mischte.sich Johannes Röminger ein, „immer mit dem 
Ausdruck seines lebhaften Bedauerns darüber, daß Sie die 
Freuden dieses Aufenthalts an der Riviera nicht mit uns 
nenieüen könnten " 
„In der Tat, Kind — warum sollte Herr Eberhard 
dich vergessen haben, da du dich doch seiner in all dieser Zeit 
recht- gut erinnert hast!" meinte der Graf' wieder. Die 
Komtesse aber machte eine etwas ungeduldige Bewegung, 
und Mabel beeilte sich, auf etwas anderes überzuspringen 
. „Wann können wir denn nun die Freude haben, Kom 
tesse, Sie als unsere liebe Hausgenossin zu begrüßen?" 
„Ich sehe nicht ein, warum es nicht schon heute sein 
sollte," nahm der Hausherr statt der Gefragten das WorL 
„Das Beste ist doch wohl. Sie bleiben gleich hier und gehen 
brieflich oder telegraphisch den Befehl, Ihr Gepäck hierher 
zusenden, falls es nicht, schon in der Nähe sein sollte." > 
Lydia lachte schehHisch.über den Eifer, sich ihrer Person 
zu sichern. Der Graf aber sah aus wie jemand, der sich 
zu seiner Erleichterung aus einer .Schwierigke.it befreit 
sieht,, und er war ohne weiteres damit einverstanden, seine 
Tochter gleich in der Billa zurückzulassen, da er selbst/ wie 
er sagte, zu seinem lebhaftesten Bedauern nicht das Ver 
gnügen haben könne, seinen Besuch über die Begrüßung 
hinaus auszudehnen. - J. , 
Jetzt war es Magdalene, die mit einem prüfenden 
Blick zu ihrer jungen Gesellschafterin hinübersah. Sie hatte 
sich bisher an dem Wetteifer um die Gunst der Besucher 
nur in sehr geringem Maße beteiligt, und die Heiterkeit 
der anderen hatte den tiefen Ernst nicht aus ihre n^ Zügen 
verscheuchen können. Es war. als ob sie von^einxpbanZ-st 
Bermögcnsgegenstände Hu geben, wird zur Zeit im Rcichs- 
ffmanzminifterium der Erlaß von Richtlinien vorbereitet. 
Die> Veröffentlichung soll so rechtzeitig erfolgen, baß sie. 
noch bei Aufstellung der Steuererklärung innerhalb der 
vorgesehenen FrisMerücksichrigt werden-türmen. 
obh Die ausMrdisch.'N Olstfufuhren. Die Deutsche 
Obstbaugesellschast in Eisenach hatte an das Rcichsernäh- 
rungsunnistcrium eine Eingabe gerichtet, in der gegen 
über der Freigabe d»r ausländischen Obstzusuhr.n vc.rbus 
hingewiesen wurde,, daß der tz?Eche, hart um 'seine 
Existenz ringende Obstbau schon vor dem Kriege unter 
dem Wettbewerb des ausländischen Massenobstes_ gelitten 
habe und daß die deutsche kaufende Bevölkerung ihr Geld 
dafür ins Ausland zahle, anstatt den heimischen. Obst- 
hau zu unterstützen. Darauf hat der NefchsernährungS- 
ministcr einen Bescheid erteilt, worin cs heißt: „Im Rah 
men eines planmäßigen beschleunigten Abbaus der Zwangs 
wirtschaft ist die unbeschränkte Einfuhr von frischem.Obst 
mit sofortiger Wirkung zugelassen worden. Diese Maß 
nahme erschien deshalb notwendig, weil die ungesunde 
Preisbildung aus dem Ovstmarkt einen Eingriff der Re 
gierung zum besten der reichhaltigeren und vor allen, 
billigeren Versorgung der Bevölkerung dringend erheischte. 
Es steht zu erwarten, daß die unbeschränkte Einsuhr von 
frischem Obst, von der übrigens reines LuruSoüst, wie 
z. B. Pfirsiche, Weintrauben und Edelobst (feine Tafel 
äpfel und Taselvirnen) vorerst ausdrücklich .ausgeschlossen 
bleiben, preisbildcud und preisscnMd wirken wird. Ich 
venuag .nicht einzusehen, daß durch die getroffene 'Maß 
nahme berechtigte Ansprüche der deutschen Obstzüchter ge 
schädigt werden." 
o Kurgästestrcik im Harz. In Schierke haben die 
Hotelbesitzer und Pensionsinhaber, da die. Kurgäste an 
gesichts der hohen Preise sich zusämmenschlosscn und mit 
dem gemeinsamen Fortzug drohten, die Preise durchweg 
um einen erheblichen Teil herabgesetzt. 
o Beginn der Jagd auf Flugwild. Für den LandeS- 
volizeibezirk Potsdam ist der Beginn der .Jagd auf Reb 
hühner, Wachteln und' schottische Moorhühner aus den 
25. August, Birk-, Hasel- und .Fmaneiihenncn aus den 
29. September, Birk-, Hasel- und Fa'aucnlühne aus den 
1. September festgesetzt worden. 
o Wiedereröffnung des MagcrviehhsfcS Berkin- 
Friedrichsfclde. Der nächste Schweine- und Ferkelmarkt 
findet am 28, Juli, der nächste Rindcrmarkt am 30. Juli 
1920 statt. Ausgeladen werden darf zum Schweincmarkt 
nicht vor dein 27. Juli und zum Rindcrniarkt nicht vor 
dem 29. Juli. 
v Das Holz wird billiger. Dem Preisabbau des Roh- 
holzes im Walde folgen nunmehr auch die Preise für 
trockenes Holz auf den Handelsplätzen. Wie wir hören, 
hat die Sektion Berliner Platzholzhündler des Vereins 
Ostdeutscher Holzhändler in kurzen Zwischenräumen bereits 
zum zweitenmal ihren Mitgliedern empsöbl.'n, im Verkehr 
mit der holzverbrauchenden Kundschaft Preisermäßigung 
eintreten zu lassen. Der Preisabbau für verarbeitungs 
fähiges Holzmaicrial von den Holzvlätzcn beträgt un 
gefähr 20 v. H. 
o „Einsteins Relativitätstheorie" lautet das Thema 
des Lichtbildervortrages, den Herr Dr. Friedrich Barnewitz 
am Sonnabend, den 24. Juli) abends 8 Uhr, im großen 
Hörsaal der Treptow-Stcrnlvarte halten wird. Eintritts 
karten sind vorher an der Kasse der Sternwarte, in der 
Auskunstsstelle der Sternwarte, Berlin, Unter den Linden 
Nr. 6 lMinimäx) und an der Abendkasse erhältlich. 
obh Der Wohlfahrtsschwindct im großen. Die Auf 
deckung des Mitlionenschwindels der „Aufbauzenkrale" und 
des „Zweckverbandes Obcrschlesicn" in Schöneberg lenkr 
die öffentliche Anfmerlsamkeit erneut auf den im großen 
und gewerbsmäßig betriebenen GründuugSschwindel. Wie 
wir erfahren, wird in, NeichsnrbcitSiuinistcrium ein ReictzS- 
gefctz vorbereitet, daß die tvährcud des .Krieges erlasse-- 
ucn Bundesratsverordnungen zur Bekämpfung des Wohl- 
fahrtsschivindels durch schärfere Anordnungen ersetzen soll. 
Man muß angesichts der Vorgänge der letzten Zeit drin 
gend wünschen, daß dieses Reichsgcjetz so bald wie möglich- 
erlassen werden möge. Denn trotz aller Ueberwachung durch 
besondere Staatskommissare für Wohlfahrtspflege in ailen 
deutschen Ländern blüht der Schwindel, der unter Aus 
nutzung der Gebefrcndigkeit während des Krieges empor 
wuchs, nach der Revolution unter neuer Firma weiter. 
Welchen Umfang dieser Wohlfahrtsschwindei durch Vereine 
wmiaromiMgroMBB^CTroiiBiigHMareg^BigCTwgBBgBHi 
Gorge bedrückt würde, von einer Sorge, die mit der Person 
Hertas in Verbindung stand. Wenn sie etwa gehofft 
hatte, jetzt aus dem Gejichtsausdruck des jungen Mädchens 
Beruhigung schöpfen zu können, so hatte sie sich damit 
einer Täuschung hingegeben, denn Hertas Kopf war so 
tief auf die Arbeit gesenkt, daß inan nichts sehen konnte, 
als die herrliche Fülle ihrer schimmernden Haarfluten. 
In der Tat hatte die Gesellschafterin bas Gefühl, daß 
sie ihr Gesicht den Blicken der anderen entziehen müsse, 
wenn sie nicht Gefahr laufen wollte, etwas von dem zu 
verraten, was in ihrer Seele vorging. Die fürchterliche 
Frage, was nun weiter geschehen würde, wühlte ja wie mit 
scharfen Messern in ihrem Herzen. 
Sie hatte sich des geheimnisvollen Erpressers erinnert, 
und sie hatte sich gesagt, daß auch die von dieser Seite 
drohende Gefahr durch das'Erscheinen der Komtesse eine 
noch größere geworden war. Wer auch immer der Mann 
sein mochte, darüber, daß er seine Helfershelfer hier 
im Haiise hatte und daß er über alle Borgänge in der 
Familie auf das Genaueste unterrichtet war, tonnte sie 
nach dem, was geschehen war, nicht den mindesten Zweifel 
: hegen. Gewiß würde er sehr schnell darüber orientiert 
sein, daß die heimlich Vermählten jetzt noch ein viel 
größeres Interesse daran haben müßten, ihr Geheimnis 
bewahrt zu sehen, und er hätte sich sehr schlecht auf sein 
Gewerbe verstehen müssen, wenn er diese Kenntnis nicht 
dazu ausgenützt hätte, seine Forderungen-zu steigern und 
mit Ungestüm auf ihre rasche Erfüllung zu dringen. 
Und wenn ihre Tat an das Licht kam- wenn Johannes 
Röminger davon erfuhr, solange sich das Mädchen, das 
er Eberhard bestimmt hatte, noch unter dem Dach seines 
Hauses befand, würde der Sturm dann nicht noch fürch 
terlicher losbrechen, als es unter anderen Umständen der 
Fall gewesen wäre? 
Während sich ihre arme, gemarterte Seele mach mit 
solchen Vorstellungen und Fragen quälte,, auf die sie 
unmöglich andere als dis trostlosesten Antworten finden 
. konnte, vernahm sie draußen im Vorzimmer den wohl- 
t bekannten Schritt des Geliebten und sah eine Sekunde 
‘ später seine hohe Gestalt in der ossenen Tür des Salons 
erscheinen. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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