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Periodical volume Nr. 164, 22.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

in dieser Woche am Freitag und Sonnabend von 8 -is 
12 und 4 bis 7 Uhr statt. 
o Wege« der Kosten -er Einwohnerwehren usw., die 
einzelnen Gemeinden entstanden sind, hat der Vorstand 
des Deutschen Städtewges in einer Eingabe an denReichs- 
minister des Innern und den Finanzminister beantragt,i 
Maßnahmen zu treffen, daß der durch diese Einrichtungen? 
den Gemeinden bisher entstandene und weiterhin ent- 
stehende Kostenaufwand auf dasXReich, gegebenenfalls zum, 
entsprechenden Teil auf die Läüder,. übernommen tbird. 
— Der Vorstand des preußischen Skädtetclges hat ferner^ 
wegen der Verteilung des preußischen Anteiles an der 
Reichseinkvmemcnsteuer ans Staat, Provinzen, Kreise 
und Gemeinden Anträge an das preußische Ministerium 
des Innern gerichtet, die- auf eine» individuelle Berech 
nung oder sogenannte Durchrechnung abzielen, d. h. es 
müssen Eingriffe in die historisch gewordenen Finanz- 
verhältnisse «nach Möglichkeit beschränkt und soweit an 
gängig, den individuellen Verhältnissen Rechnung getragen 
werden. ' . 
o Bei den Wannseebahnzügen ist bekanntlich ein Ab-' 
teil 3. Klasse für die Kriegsbeschädigten reserviert. Dieser 
Abteil wird seht meistens von Damen in Anspruch ge 
nommen. Einem am Stock gehenden Kriegsbeschädigten 
gelang es letztens, so wird uns berichtet, zwar den Wagens 
abteil zu erreichen, mußte aber wegen der starken Be^K 
setzung stehen und anderweit Unterkunft suchen, was thut 
auch mit vieler Mühe und Hilfe von Fahrgästen gelang/ 
Die zweite Klasse der Wannseebahnzüge wird infolge der 
Fahrpreiserhöhung weniger in Anspruch genommen als 
früher und daher ist die dritte Wagentlasse meistens übcr-i 
füllt. Die Bahnverwaltuug täte daher gut, die Bahnzüge 
mit mehr Wagen dritter Klasse einstellen zu lassen. 
o Klagen über die Post. Warum sorgt die Post u-cht 
für ausrcrchende Mengen von Briefmarken? Das ist eme-. 
der Fragen und Klagen, die in letzter Zeit häufig in der 
Oeffentlichkcit erhoben tvcrden. Und in der Tat, der Mar-, 
kenmangel ist unleugbar. Worauf aber ist er zurückzu-' 
führen?' Die Hauptursache ist allgemein bekannt: Der 
erhöhte Gebührentarif für den innerdeutschen Verkehr, 
dann aber auch der durch den Stand unserer Valuta ver 
teuerte AnZlandsverkehr erfordert einen so gewaltigen Ver 
brauch an Postwertzeichen, daß die Herstellung damit nicht, 
sehr gleichen - Schritt zu halten vermochte. Hinzu kommt 
aber noch ein Umstand, der den Aufbrauch der'Briefmarken 
wesentlich beeinflußt, das ist die Verwendung der Brief-! 
marken als Klcingeldersatz. Auf diese Weise wrdn so be 
deutende Mengen ihrer eigentlichen Bestimmung entzogen,' 
daß man sich wirklich nicht wundern kann, wenn hier und' 
da ein Mangel eintritt, der nicht so gcschwiird zu beheben" 
ist, wie man lvünschcn möchte. Was tut nun die Post, 
um diese offenkundige Kalamität zu beseitigen? Ihr Haupt-' 
bestreben ist, mehr.Marken drucken zu lassen. Das wird ihr' 
gelingen, wenn die Zweifarbendruck-Marken 'durch die der^ 
Oeffentlichkeit bereits angekündigten einfarbigen ersetzt' 
werden. Sodann werden die niederen Markwerte in kleine-' 
rem Format herausgegeben werden, wodurch die Zahl der t 
gleichzeitig herzustellenden Wertzeichen erheblich vermehrt', 
wird. Weiter wird an neuen, hochwertigen Marken (zu 10' 
und 20 Mk.) eifrig gearbeitet. Es ist zu erwarten, daß j 
diese in absehbarer Zeit erscheinen werden. Schließlich 
wird es den Verbrauch an Postwertzeichen nicht unerheblich 
vermindern, daß die Post-Aiistalten jetzt hohe Betrüge an, 
Auslauds-Paketporto auf den Paketkarten nicht mehr durch , 
Freimarken darzustellen brauchen, sondern bar verrechnen - 
können. Das Zusammenwirken dieser Maßnahmen wird 
es hoffentlich erreichen, daß der viel beklagte Markenmangel 
recht bald der Vergangenheit angehört. 
oA Sparsamkeit im Gebrauch der Schrrlmatcrralion. 
Mit Rücksicht auf die immer noch bestehende Püpierküäpp-f 
heit und die noch drückender gewordene allgemein^ Tcüe-' 
rung. sieht sich der Unterrichtsministcr veranlaßt, erneut 
auf die äußerste Sparsamkeit um Gebrauch des'-Schreib-' 
und Zeichenumterials hinzuweisen. Die Schüler sind an-? 
zuhalten, ihre Hefte voll auszunutzen, alle Blätter ans 
beiden Seiten zu beschreiben und zwischen den einzelnen ' 
Arbeiten nur den für die Uebersichtlichkeit unbedingt not 
wendigen Raum frei zu lassen. Angefangene Hefte sollen ’ 
in der höheren Klasse weitergebraucht werden. Für ' 
schriftliche Uebungen im Deutschen und Rechnen, in den ' 
Fremdsprachen und der Mathematik muß nach Ansicht 
des Ministers noch ausgiebiger als bisher die Wandtafel 
verwendet werden: schriftliche Hausarbeiten sollen mög 
lichst eingeschränkt werden. Wo Schiefertafeln ohne allzu 
hohe Kosten beschafft werden können, soll ihre Einführung 
dnrchgchends, auch für die Uebnngsarbeiten in den höheren 
Lehranstalten in Erwägung gezogen werden. Die gleichen 
Anordnungen richten sich auch auf den Papiervcrbrauch ■ 
äin Zeichenunterricht. Der Minister empfiehlt schließlich, 
/auch die übrigen Arbeitsmittel bis aufs äußerste auszu-' 
nutzen. Stahlfedern, Bleistifte, Radiergummi, Tusche u, a. 
sind 'heute Wertgegenstände. 
nicht erfüllt sind, erscheint es im Interesse der Kartossel 
versorgung, namentlich des, rheinisch-westfälischen Zn-) 
dustrirgebietes, geboten, die bisher bis zum 20. Juli: 
erfolgte Freigabe der Einsuhr von Frühkartoffeln aus, 
Holland Und den übrigen angrenzenden westlichen Ländern >' 
biL zum 31. Juli zu verlängern. Die Reichskartyffcl- 
stelle wird daher Einfuhrgenehmigungen, wie bisher • 
auf Antrag mit der Maßgabe erteilen, daß nach dem. 
31. 'Juli Wagon nicht mehr über die Grenze gelassen, 
werden. Gleichzeitig wird' die'Frist für tue Einfuhr" 
italienischer und spanischer Frühkartoffeln ebenfalls bis- 
zum 31. Juli verlängert. 
o Aufhebung der Zwangswirtschaft in Hessen. Die 
hessische Regierung hat infolge erneuter Vorstellungen land-' 
wirtschaftlicher Kreise die Zwangswirtschast, ausgenomnien 
für Getreide und Milch, aufgehoben. 
obh 4M deutsche Fcrieuliirdcr in Finnland. In diesen 
Tagen ist die letzte : Gruppe der von dem Kinderhilfs-' 
komitee in Helsingfors eingeladenen deutschen Kinder über 
Stettin nach Finnland abgefahren: Insgesamt konnten 
in diesem Jahre '493 Kinder' nach Finnland übergeführt 
werden gegen 183 im Vorjahre. Die Kinder fuhren zur' 
Hälfte über Lübeck, zur Hälfte über Stettin. Es verdient 
besondere Anerkennung, daß die „Neue Dämpfer-Com 
pagnie" 'in Stettin die über diesen Hasen reisenden Kin 
der völlig unenigeltlich befördert und auch für ihre Be 
köstigung'bei der mehrtägigen Seefahrt Sorge trägt. Die 
Kinder 'kommen in Einzelsamikien, wo sie für zwei bis 
drei Monate die liebevollste Gastfreundschaft Finnlands 
genießen dürfen. Sie ' stammten gemäß den Wünschen 
des Helsingforfer Hilfskomitees hauptsächlich aus Groß- 
Berlin, Sachsen, Lübeck, Hamburg Und Stettin. 
o Die geringe Säuglingssterblichkeit in de» Garten 
städten. Sehr- interessant sind die letzten Ermittlungen, 
die man in England über die Säuglingssterblichkeit ange 
stellt hat. Während von je 100 Geborenen im ersten 
Lebensjahr -starben: in Berlin 19, Wkütichen 22, Breslüit 
'Lö/'Stettin 26," Chemnitz 28, betrug die Sterbeziffer in 
London nur 14,5, in der Gartenstadt Hampstead'aber 
bloß 6,6, in der Gartenstadt Letchwort sogat nur 5,4 
Prozent. Es geht daraus hervor, daß eine Hauptursache 
der Säuglingssterblichkeit in der schlechten Luft der Miets 
kaserne zw suchen ist. Die Einwirkung gesunder WohnNngS- 
verhältniffe ist aufs deutlichste aus der Sterbeziffer in 
London zu ersehen. London beherbergt in größtem Mäße 
das allerürmste Proletariat, und doch liegen hier die Ver 
hältnisse viel günstiger a'ls in Deutschland, ivcil hier 
eben die Mietskaserne vorherrscht, in London aber an 
der Einzelhausbebauung festgehalten wird, die in den um 
liegenden Londoner Gartenstädten noch gründlicher durch 
geführt ist und deshalb hier eine nock günstigere Sterbe 
ziffer verursacht. Den Rekord schlägt allerdings Deutsch 
land: in der Obstbaukolonie Eden bei Oranienburg betrug 
nämlich die Säuglingssterblichkeit nach 17 jährigem Durch 
schnitt nur 3,3 Prozent!' Hieraus erkennt'inan die un 
geheuren Vorteile der Krieger-Heimstätten, die jetzt aller 
orten in Deutschland entstehen und ausnahmslos .kleine 
Gartenstädte werden sollen. 
o Der Ausschuß der Textikwarcnkrcisc rin Krefeld be 
schloß einstimmig, daß die zum Hausbedarf der minder 
bemittelten Kreise notwendigen Bekleidungsstücke, sowie 
andere Textilwaren, besonders Nessel, Bieber, Baum 
wolle und ähnliche Stoffe zu herabgesetzten Preiseü ver 
kauft werden. Die herabgesetzten Preise sind teilweise bis 
zur Hälfte niedriger als die bisher' vor zwei Monaten 
üblichen Tagespreise. Die Durchführung dieser Maß 
nahme wird von einem aus Verbrauchern gebildeten Unter 
ausschuß überwacht. ' ' 
o Die Not der Altveteranen. In der Gesamtvor- 
standssitznng des Deutschen KricgerbuNdes am 10. Juni ist 
-auch' die Not der Kriegsteilnehmer 'früherer Kriege er 
örtert, uno in Erkenntnis der drückenden Lage dieser Vete 
ranen der anwesende Vertreter des Rcichsarbeitsministeri- 
'„muu'wohl, wenn' er' es'nicht tut, werden wir eben 
versuchen müssen, ohne seine Verzeihung fertig zu werden. 
Was er mir beständig zum Vorwurf macht,' ist doch u, erster 
Linie der- Mangel an Tättrnft und Energie. Karin ich 
ihm meine Tatkraft besser beweisen als damit, daß ich 
mir eine Frau nach meinem Herzen wähle und daß ich 
bereit bin, für diese Frau zu arbeiten — wenn es fein 
muß, wie ein Tagelöhner; 
„Sprich nicht Zvi^ ich bitte dich! — Ich kann es 
nicht hören. Der Gedanke, daß ich dich vielleicht um ein Ver 
mögen gebracht habe, peinigt mich ja ohne Unterlaß." 
„Nun, - wir - werdeni es ja auch zu diesem Aeußersten 
nicht früher kommen lassen, als die Verhältnisse es-un 
bedingt-notwendig machen. Solange ich dich täglich sehen, 
zuweilen ein paar-liebevolle Worte von dir erhaschen kann 
da — und hier einen Kuß, so lange will ich-ja gerne und 
mein mögliches tun, die Komödie weiterzuspielen. Aber 
du darfst, dir nicht einfallen lassen, mich auch-weiterhin 
so schlecht behandeln zu wollen, wie, du es heute getan 
haft. Das halte ich einfach nicht aus. Und in solchem 
Fall stehe ich für nichts."« o - 
Es war halb scherzhaft gesprochen, aber Herta kannte 
ihn zur Genüge, um zu wissen, wieviel Ernst sich dahinter 
verbarg, und sie zitterte heftiger als zuvor. Zu den Selbst 
vorwürfen, mit denen ihr Schuldbewußtsein sie folterte, 
hatte sich ja seit dem heutigen Abend auch noch die Vor 
stellung von dem Eindruck- gesellt,- den eine Entdeckung 
der Wahrheit auf« Mugdalene machen müßte. Gerade weil 
sicher zärtlichen Liebe dieses-armen kranken Geschöpfes so 
sicher war, hegte sie in dieser Hinsicht die allerschwersten 
»Besorgnisse. Die jähe Erkenntnis, daß sie schmählich be 
zogen worden war,- wo sie rückhaltlos vertraut«« hatte, 
gönnte von unberechenbaren Folgen für ihren Gesundheits 
zustand sein. - > , 
„0, Eberhard, ich fühle mich so schuldig und so schlecht." 
schluchzte Herta. „Ich kann-die Empfindung «nicht mehr 
las werden, daß. du um meinetwillen dein Leben ver 
pfuscht hast. Und wenn es darüber zu einer Katastrophe 
käme, schon der Gedanke cm deine Schwester wird-mich für 
den ganzen.Rest meines.Daseins unglücklich machen." >« 
„Nun, so lassen wir es eben nicht zu einer Katastrophe 
kommen." tröstete er» m„Jch werde-hinfort nie mehr irgend 
setwas von' dir verlange:!.' wenn wir nicht so ungestört und 
so sicher sind wie i:> diesem Augenblick." 
i „ MejMam ajs.ehre,.Erwiderung aus seine ätzten Wprte 
'-wurde in diesem Moment cm Geräusch vernehmlich, ganz 
ähnlich dein, das Herta vorhin zweimal an ihrer Tür gehört 
-'hatte. Die junge Gesellschafterin schrak heftig zusammen, 
und indem sie Eberhards Arm mit beiden Händen urn- 
klammerte, raunte sie ihm zu: 
> „Horch! — Hast du nicht gehört? — Und da — sieh 
dort — sich dort!" 
Es hatte der Aufforderung nicht mehr bedurft, denn 
auch ibn hatte das Geräusch veranlaßt, seinen Blick von 
dem tiefergelegenen Treppenabsatz, auf dem sie standen, 
nach oben zu richten. Und gleich Herta war es auch ihm, 
als sähe er in der Dunkelheit, die da oben herrschte, 
die schattenhaften-Umrisse eines menschlichen Kopfes und 
das eigentümliche Leuchten zweier menschlichen Augen. 
Wohl warudieuschemenhafte 'Erscheinung schon in der 
nächsten Sekunde wieder verschwunden, aber der junge 
Mann kieß'stch dadurch nicht abhalten, sich von Hertas Um- 
klammerung zu 'befreien' und die- wenigen Stufen 'em 
porzueilen, da er keinen anderen Wunsch hatte als den, 
sich- Klarheit über die-Persönlichkeit des Spions oder der 
Spionin' zu verschaffen,- von der sie belauscht worden waren. 
Aber es war nicht anders, als ob diese geheimnisvolle Per 
sönlichkeit in den Fußboden-nersunkon sei'oder sich in leere 
Luft aufgelöst habe. Er konnte nirgends etwas von einem 
lebendigen Wesen «erspähen, 'und mit rascher atmender 
Brust- kehrtc er: eine Minute: später zu der zitternden 
Hetta zurück. 
!' „Sie ist fort," flüsterte er. „Aber es kann selbstver 
ständlich nurftemand von der Dienerschaft gewesen sein." 
' „Glaubst du, daß es Ebeile war?" fragte Herta.''„Sie 
hat sich vorhin deiner Stiefschwester gegenüber auf meine 
Seite gestellt, indem sie mich durch ihre kecke Dazwischen- 
kunft vör' dem peinlichen Verhör zu bewahren wüßte, das 
Frau Hermann mit- mir-anzustellen beabsichtigte.-'Und ich 
bin deshalb irre daran geworden, ob win kn ihr eine 
Feindin« oder-eine Freundin zu sehen haben." n >. 
Aber Eberhard schüttelte mit großer Entschiedenheit 
den Kopf. -- -- ='■: 
„3ch möchte auf alles andere eher vertrauen, als 
ums gebeten Wörden, die Aufmerksamkeit der Reichsregie- 
rung auf diefen Punkt hinzulenken mit dem Ziele, durch 
baldige staatliche Maßnahmen für die Gewährung größe 
rer Unterstützungen an die Altveterancn einzutreten. Das 
Reichsarbeitsministcrinin teilt uns jetzt mit, es könnte kein 
Zweifel darüber sein, daß zahlreiche Veteranen sich in 
um so drückenderer Notlage befinden, als sic durchweg in 
folge ihres Alters nicht mehr in dem Umfange zum Erwerb 
befähigt sind wie jüngere Kräfte. Das Arbeitsministerium 
hat oen ihm unterbreiteten Wünsch zuständigkeitshall ec an 
das Reichsmiinftcrium des Inneren weitergegeben. 
o Die Schloßpark-Gesellschaft m. b. H. bittet uns, 
in Verfolg vieler Anfragen daraus hinzuweisen, daß d:e 
Zahlung der gezeichneten 'Anteile erst zu einem späteren 
noch bekannt zu gebenden Termin erfolgen soll: aus be 
sonderen Wunsch ist eine Einzahlung des Betrages von 
500 M. in zwei Raten gestattet. Die Anteilscheine lauten 
auf den Namen, die auf jeden Schein entfallenden zwei 
- Abonnements sind dagegen übertragbar. 
o Oktobcrtaguug der Schulreformer. Vom 2. bis 
6. Oktober findet, diesmal in der Festhalle in Berlin- 
Lankwitz, die nächste öffentliche Konferenz des „Bundes" 
statt. Das Thema heißt: „Die Prodnktionsschnle", die 
einzelnen Vortragsgruppen sind betitelt: Begründung Find 
Ausbau, Jugend und Lehrer, Erziehung und Proouttions- 
schnle, Grundlage und Wirkungen, Praxis u. Produkrions- 
'fchnlc; sie umfassen je 3—4 Vorträge," denen eine Ans- 
sprache folgt. Es sollen alle Beziehungen zu Willens- 
bildung, Gemeinschaftsleben, künstlerischer Erziehung, zu 
Berufswahl, Qualitätsarbeit, Industrie, Arbeiterschaft, 
Siedlung usw. erörtert werden. Als Redner ^ sind be 
kannte Erzichungs- und Schulreformer und Wirtschafts 
politiker gewonnen. Genauere Angaben 'sind erhältlich 
durch Dr. Franz L. Müller, Berlin-Lankwitz, Charlotten- 
ftraße 52. In einigen Wochen wird das Programm in 
allen Einzelheiten veröffentlicht werden. 
v Ter Evangelische Tsllsverein hielt am Montag im 
„Hohenzollern" seine Monats-Versammlung ab. Der Vor 
sitzende, Landschaftsgärtner Hugo Richter, machte nach einer 
kurzen Bxgxüßung der nur in mäßiger Zahl erschienenen 
Bercinsmitglieder die neuesten Eingänge: ein Dankschreiben 
des, ObcrsekretärS Borck für die Anteilnahme des Vereins 
zum Ableben feines Vaters, eine Ansichtspostkarte des 
Mitgliedes Otto Bläsing aus der Sommerfrische, bekannt, 
und der Schriftführer Winter verlas die Verhandlungs- 
schrist, die ohne Widerspruch Annahme fand. — Len Haupt 
gegenstand des Abends bildete ein Vortrag des Verbands- 
sekretärs Best siber das zeitgemäße Thema „Evangelische 
Arbeitervereine vdcr Gewerkschaften?" Der Bortrag wurde 
init lebhafter Aufmerksamkeit aufgenommen und brachte 
eine eingehende Besprechung, die, sich namentlich auf das 
Wesen und die Ziele, der evangelischen Arbeiterverein« 
und der christlichen Gcweri'schafteu erstreckte. — Nach der 
Aussprache machte der Vorsitzende wieder aus die im 
Dinier vom Verein einzurichtenden ArbeitZgcmcinschasteu 
aufmerksam. — Der Vereinsausflug soll am 22. August 
stattfinden; Zielpunkt soll wieder der Gasthof Aixncrshöhe 
in Zehleudorf sein. Auf möglichst große Beteiligung der 
Mitglieder und ihrer Angehörigen wird dringend Wert 
gelegt. 
v Fricdunauer Erfinder. Patentschau, zusammenge 
stellt vom Patentbureau Johannes .Koch, Berlin NO. 18, 
Große Frankfurter Straße 59. Otto Jätfcy, Wiihelm- 
Hauff-Straße 19. Haken- und Oesenverfchlnß, .Gardinen, 
Vorhänge und bergt. Angern. Patent. — Optische An 
stalt C. P. Goerz, Akt.-Ges., Berlin-Friedenau. Schein 
werfer mit in Eletirodruckknöpsen verschiebbaren Licht- 
kohlen. Angern. Patent. — Eduard Kindler, Lauterstr. 12. 
Aufhängcvorrichttliig für Bahnmotoren. Gebrauchsmuster. 
— Valeska Schön, geb. Mund, Laubacherstr. 29. Vor 
richtung zum Zerkleinern gekochter.Eier. Gebrauchsmuster. 
o Wieder' höhere Schuhprcise! Die Berichte über die 
Ledervörsen aus dem Reiche in den letzten Wochen lassen 
fast, durchweg ein Wiederanziehen der Preise für Ober 
leder und ganz besonders für Sohlleder erkennen. Aus 
industrie''potgedrungeu zum Herbst mit Erzeugerpreisen 
Grund der jetzt anzulegenden Lederpreise muß die Schuh- 
heranskoinüien, welche höher sind al-s die Preise, welche 
heute rrn Kleinhandel gefordert werden. Unter diesen 
Umständen bietet der gegenwärtige Saison-Ausverkauf der 
Firma Leiser mit seinen außerordentlich vorteilhasteir 
Angeboten von Schuhwerk vorzüglicher Qualität eine sel- 
auf die Freundschaft dieser schlauen, Vurchtrievciicii Person," 
sagte er. „Sie wird sicherlich niemandem etwas Gutes 
Erweisen,-es sel„deun„'daß damit-ihrem eigenen Vorteil 
gedient wäre. Und wenn sie die Lauscherin gewesen 
ist, so haben wir davon, ganz gewiß nichts Erfreuliches zu 
erwarten." 
„Aber wer auch immer es gewesen sein mag, sie hat 
doch die Absicht gehabt, uns zu warnen, denn ich höre, 
daß jemand über den Korridor hierherkommt." 
Und ihr scharfes Ohr hatte sie nicht getäuscht. Auch 
Eberhard vernahm das Rauschen seidener Franc,rgewänder 
lind das eigentümliche Klappern, das die Pailletten auf 
Makels Kleid hervorzitbringcn pflegten, wenn' sie sich 
rasch bewegte. 
' . „Es ist meine Stiefschwester," flüsterte er zurück, „und 
kein Zrverfel — sie kommt hierher." 
Die schmale Wendeltreppe, ans der sic sich befanden, 
war nicht die Hauptstiege der Villa, sondern sie bildete 
den hinteren, in der Regel nur von den Dienstboten be 
nutzten Aufgang. Wenn Rkabel sich jetzt wirklich anschickte, 
diese Treppe zu benutzen, noch dazu in ihrer eleganten 
Abendtoilette, die hier leicht genug Schaden leiden konnte, 
so mußte sie dazu eine ganz besondere und jedenfalls setze 
triftige Veranlassung haben. Es wär ja allerdings k>ier 
jo finster, daß sie die Angen einer Katze gehabt "haben 
müßte, um die Gestalten der beiden Liebenden wahrzu 
nehmen, aber andererseits waren die Windungen fter 
Treppe viel zu eng, als daß sie an ihnen hätte vorüaer- 
passieren können, ohne sie zu berühren. So-mußten sie 
sich beide darauf gefaßt machen, daß die Gefahr einer 
Entdeckung unmittelbar bevorstand, und Eberhard hatte 
nicht übel Lust, dieser Gefahr mit mannhaftem Entschlüsse 
zuvorzukommen. ' 
Er lauschte noch einmal, dann sagte er in Hertas Olir- 
„Ich höre sie mit jemandem flüstern — ahne Zweifel mit 
der Person, die uns belauscht hat. Dann sind wir natürlich 
geliefert, und an-dem, was kommen u-.nst, ist njch'-s m-n-r 
zu ändern. Fassen wir also lieber den Stier an den 
Hörnern, und machen wir ein Ende I" 
.(Fortsetzung folgt.)
        
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