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Periodical volume Nr. 164, 22.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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§d fTB^oTttna aus den NeöenstskkM 
»onatlich 3^75 Mark; durch Boten 
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Nr. 184 
Berlw-Friedeuau, Donnerstag, dev 22. 3nli 1828 
Qmeftt DubrUbtü 
Berlin. Vor dein Hotel Kaiserhof ist es herue 
vormittag zu einer Schlägerei zwischen deutschen Zivi 
listen und französischen Soldaten gekommen. Drei fran 
zösische Soldaten kamen von der Mauerstraße und stieln 
mit einem Zivilisten zusammen, der am Hotel „Der Käiser- 
hos" entlangkommend um die Ecke biegen wollte. Es 
regnete zuerst Beschirnpfungen seitens der Franzosen, schließ 
lich gab es eine Schlägerei. Im Augenblick hatten sich 
an dieser belebten Stelle zahlreiche Passanten aWesam- 
melt, die eingrifsen und die französischen Soldaten ver 
prügelten. Daraufhin zog einer der französischen Sol 
daten seinen Revolver und schoß. Die Zivilisten ließen 
von den Soldaten ab, die in das Hotel „Der Kaiserhos" 
flüchteten. Im Hotel wurde durch Beamte der Polizei 
sofort der Vorfall protokolliert. Auch ein dort wohnender 
Major der französischen Mission machte Feststellungen. Die 
inzwischen herbeigerufene Sicherheitspolizei, die eine Streife 
von der Wache am Kupfergraben entsandt hatte, säuberte 
den Platz vor dem Hotel. 
R o st o ck. Ein gewaltiger Brand, der einen Schaden 
von mehreren Millionen Mark verursachte, hat am Diens 
tag Abend gegen 10 Uhr das Gut Vietgest bei Güstrow 
heimgesucht, lvobei 37 Pferde in den Flammen, umkamen 
und größere Futtervorräte, landwirtschaftliche Maschinen 
usw. vernichtet wurden. 
Breslau. Eine gestern in Ellguth-Surawa statd- 
gefnndene Versammlung heimattreuer Oberschlesier wurde 
wiederum von den Polen überfallen und mit Waffengewalt 
gesprengt. Die Heimattreuen hatten vier Verletzte, 
darunter zwei schwer. 
London. Die englische Antwort auf die Sowjetnote 
ist Dienstag Abend übersandt worden. Es wird darin vor 
ausgesetzt^» aß die Sowjetregierung bereit ist, Frieden zu 
schließen. Um aber einstweilen die Aufrichtigkeit der 
Sowjetregierung zu prüfen, sind die Polen aufgefordert 
.worden, selbst um einen Waffenstillstand zu ersuchen. 
Wenn die Sowjetregierung nicht bereit ist, Frieden zu 
schließen, und in Polen eindringt, so werden die Verhand 
lungen über die Wiederaufnahme des Handels mit Solo- 
jetrußland eingestellt werden. Vorläufig wird die russi 
sch« Mission, die sich augenblicklich in Reval befindet, nicht 
nach England weitergehen. 
Zurück zur Mietskaserne? 
Von Direktor Hermann Frank, Berlirr-Steglitz. 
Bei allen Freunden der Volkswohlfahrt besteht die 
einmütige Ueberzeugung, daß eine Gesundung des deut 
schen Volkslebens nur dann erfolgen kann, wenn weite 
Volkskreise wieder mit der Scholle verbunden werden, 
wenn ihnen die Möglichkeit der Schaffung von Heim 
stätten gegeben wird. Ueberall im Volke hat sich diese 
Erkenntnis Bahn gebrochen. Staatliche, städtische und mit 
Unterstützung von öffentlich rechtlichen Einrichtungen aus 
gestattete private Heimstätten-Gesellschaften haben mit der 
praktischen Durchführung des Siedlungsgedankens be 
gonnen. 
Es gibt auch Gegner dieser zeitgemäßen Idee und 
diese ruhen nicht. Bald hier, bald dort erscheinen in 
der Tagespresse verfängliche Angriffe gegen das Kleinhaus, 
verbunden mit der Verherrlichung des mehrstöckigen Miets 
hauses. Der berufene Vertreter des gemeinnützigen Heim- 
vrr 5odi» dc$ Millionärs. 
Roman von Florence Warden. 
33 (Nachdruck verboten.) 
,,'Zhr Bruder wird nie etwas Unehrenhaftes oder Un 
würdiges tun," sagte sie mit einem sehr verräterischen Klang 
von Entschiedenheit in der Stimme. „Er ist in meinen 
Augen das Ideal des Mannes, wie er sein soll, und weder 
Hent de Raucourt, noch irgendein anderer, den ich kenne, 
scheint mir wert, mit ihm verglichen zu werden. — Aber 
ich bitte Sie von Herzen, sich um meinetwillen nicht länger 
zu beunruhigen. Ich hielt es für meine Pflicht, Ihnen 
von dem großmütigen Vorschlage Ihres Vaters Mitteilung 
zu machen. Aber damit dürfen wir diese Angelegenheit 
nun wohl auch als abgetan ansehen." 
Magdalene erwiderte nichts. Aber sie sah nicht aus, 
als ob sie auch an diesem Abend mit ihrer jungen Freundin 
zufrieden sei, und Herta füllte mit tiefem Schmerz, daß 
der Gutenachtkuß, mit dem sie bald darauf entlassen wurde, 
heute- um vieles kälter und flüchtiger war als sonst. 
Die junge Gesellschafterin war noch nicht lange in 
ihrem Zimmer, als sie hörte, wie auf eine. eigenwmliche 
Akt leise an die Tür geklopft wurde. Sie zauderte zu 
öffnen, denn sie war überzeugt, daß es kein anderer als 
Eberhard sein könne, der auf solche Art Einlaß begehrte, 
und trotz ihrer Sehnsucht nach ihm wagte sie nicht, einem 
solchen Verlangen zu entsprechen, weil sie ja Grund genug 
hatte zu fürchten, daß die Tür ihres Gemaches von Späher, 
äugen überwacht werde. . J 
B Aber sie ging auf den Fußspitzen bis an die Schwelle 
«nd lauschte. Eine kurze Pause, dann wiederholte sich 
das vorsichtige Pochen, das man sicherlich in keinem der 
Nebenzimmer hören konnte, abermals, und gleich darauf 
vernahm Herta deutlich das leise Rauschen von Frauen- 
gewändern. Run besann sie siÄ- nlcht ^meh^""^^An. 
stättenbaues erkennt aus jedem Satz, daß der „fachkun 
dige Schriftsteller nicht ganz uneigennützig ist und der 
Bodenspekulation das Wort redet. Seit 1914 ist die 
Bodenspekulation etwas bescheidener geworden: man be 
schränkt sich auf die Forderung von Sechsfamilienhäusern 
in drei Hauptgeschossen und preist eine derartige Aus 
nutzung des Bauplatzes als die allein wirtschaftlich rich 
tige. Statt Gründe werken Schlagworte gebraucht mit 
dem Ziel, die Anhänger der gesunden Heimstättenbewegung 
irre zu führen und zu entmutigen. Es ist Irreführung, 
wenn ausgeführt wird, das • Kleinhausideal habe abge 
wirtschaftet, sei unwirtschaftlich und werde von Mißerfol 
gen verfolgt. Das Gegenteil ist zutreffend. Es sott nicht 
geleugnet werden, daß gerade in Groß-Berlin durch un 
richtige Auffassung des Problems Beispiele entstanden sind, 
die deutlich zeigen, wie man das Kleinhaus nicht bauen 
soll. An vielen. Orten des Reichs, wo der zweigeschossige 
Kleinhausbau unter zielsicherer und fachkundiger Leitung 
aufgenommen worden ist, wird jetzt schon auf Grund der 
damit gemachten Erfahrungen dem Einfamilienhaus bei 
der Erweiterung der Bauvorhaben der Vorzug gegeben. 
So baut z. B. die Gemeinnützige Aktiengesellschaft für 
Angestellten-Heimstätten durch ihre vielen Tochtergesell 
schaften in diesem Jahre im Reiche 1060 Heimstätten, 
davon 925 in Einfamilienhäusern. Etwa die Hälfte sind 
bereits bezugsfertig. Die gemachten Erfahrungen fordern 
geradezu dazu heraus, keine dreigeschossigen Sechsfami 
lienhäuser zu bauen. Es hat sich nämlich herausgestellt, 
daß für den Ausbau des letzteren verhältnismäßig mehr 
Bausteine und Holz gebraucht werden, als beim zweck 
mäßigen zweigeschossigen Einfamilienhaus bei durchaus 
solider Bauausführung. 
Dies Ergebnis ist überraschend. Der Raummangel 
gestattet hier leider keine eingebende Begründung, nur 
soviel: Um einen Quadratmeter Wohnfläche herzustellen, 
braucht man im dreistöckigen Mietshause 330 Ziegel 
steine gegenüber 265 Stück im zweistöckig« Einfamilien 
häuser eine Ersparnis an Mauerwerk von 30 Prozent. 
Aehnlich so beim Balkenholz: Bei gleicher Berechnung 
stehen sich der Bauholzbedarf von 0,06 Kbm. und 0,043 
Kbm. gegenüber, mithin eine Ersparnis dorr etwa 2.5 
Prozent zugunsten des Kleinhauses. Zu diesem Ergeb 
nis kaun man nur kommen durch jahrelange reiche Er 
fahrungen, Hingebung und Liebe zur Sache, die frei ist 
von eigennützigen Nebenabsichten. 
Es liegt ein gewisser Reiz darin, cirPml die Frage 
auszuwerfen, ob denn nicht die Groß-BerlinerBodenspeku- 
lation, der der Kleinhausbau deshalb ein Dorn im Auge 
ist. weil für solche Baustellen nicht 80 bis 100 M. für das 
Quadratmeter Baufläche bezahlt werden können, doch ein 
Interesse daran hat. daß wegen des größeren Gelände- 
bedarfes möglichst viele Flachbausiedlungen in Stadtnähe 
entstehen. Wenn nicht alle Zeichen trügen, findet bereits 
eine Abwanderung aus Groß-Berlin statt. Die Zahl der 
S whngngsuchenden ist schon zurückgegangen. Es gibt in 
roß-Berlin soviel baureifes Gelände an fertigen Straßen, 
daß der Bodenbedarf, selbst wenn alle neu zu errichtenden 
Wohnstätten als Einfamilienhäuser mit Gärten gebaut wer 
den. viele Male gedeckt werden kann. Sollte es da nicht 
im Interesse der Bodenspekulation liegen, abzustoßen, wenn 
auch mit Verlust? Hier liegt aber der Knotenpunkt. Man 
will nur gewinnen, nichts' verlieren. Wer spekuliert, muß 
auch einen Verlust mit in den Kauf nehmen wollen. Und 
wenn nun die von vielen Seiten vorausgesagte Rückwan 
derung aufs Land beginnt? Alle in den KflMenbauten 
angelegten Riesenkapitalien sind dann verloren! 
Aber zu ihrer Ueberraschunz hnid sie den Gang vollständig 
leer. Sie war ganz sicher, sich nicht getäuscht zu haben, 
und weil es unmöglich schien, daß die Klopfende in der 
kurzen Zeit mehr als wenige Schritte zurückgelegt habe, 
»annte sie nur nach der Seite der Treppe hin entwischt 
,ein, der Hertas Tür am nächsten lag. In der Hoffnung, 
auf diese Art vielleicht die geheimnisvolle Warnerin vom 
gestrigen Abend zu entdecken, eilte Herta nach jener Richtung 
hin, um sich eine Sekunde später in der Dunkelheit, die hier 
herrschte, mit Ungestüm von Eberhards Armen umschlungen 
zu fühlem,^ du das wagen ?" flüsterte sie,, als feine 
türmischen Küsse ihr endlich die Möglichkeit ließen zu 
prechen. „Wie konntest du die Gefahr geradezu Heraus 
ordern, indem du an meine Tür klopftest,?" 
„An deine Tür — ich?" ftagte er verwundert zuruck. 
Silber es ist mir selbstverständlich nichteinaxsallen, das 
zu tun. Ich habe lediglich hier in dE dunklen Treppen 
nische gewartet, weil uh es einfach für ganz unmöglich 
hiell, daß du dich meiner nicht noch erbarmen und heraus 
kommen würdest." 
Herta war in größter Bestürmung, aber die hastige Er 
zählung von dem, was sie gebort haben wollte, mach^ 
auf Eberhard keinen allzu großen Eindruck. Er lachte und 
meinte, daß ihre aufgeregten Nerven ihr da ohne Zweifel 
einen kleinen Streich gespielt hätten. Dann aber wollte 
er wißen» wodurch ihre lange Abwesenheit am heutigen 
Abend veranlaßt worden sei» eine Abwesenheit die die 
ganze Gesellschaft bemertt und besprochen habe. 
Herta schwankte, dann aber, unfähig, ihn zu belügen, 
entschloß sie sich doch zu einem teilweisen Geständnis. 
.Was würdest du sagen. Teuerster, wenn jemand 
etwas in Erfahrung gebracht hätte und nun Geld von uns 
forderte^um sich. damit für fein Schweigen bezahst zu 
Er konnte in der Finsternis nicht viel mehr als einen 
unbestimmten Schatten ihres geliebten Antlitzes sehen, und 
er bemühte sich darum vergebens, ihr in die Augen zu 
blicken. 
z> im 
Sshrg. 27 
l |J richtig, daß der Bodcnprcis heute iin Vergleich 
-. Herstellungspreise der Wohnstätten von mehr unter- 
jfeorbtiet€r Bedeutung ist als früher. Es könnte meines 
Evachtrns deshalb der Spekulation auch der gerechte Boden- 
Preis zugebilligt werden, der natürlich an den oben 
genannten nicht entfernt heranreichen dürfte. 
,® lc r Bodenspekulation sollte nicht verschämt nach der 
Alcretskaserne äugeln und das Kleinhaus in.Mißklanq 
lbrnigen. Sie täte besser, dem Zuge der Zeit Rechnung 
zu tragen und durch tätige Mitarbeit dafür zu sorgen, daß 
me Bautätigkeit nicht zum Stilliegen kommt. Wenn die 
knappen Baustoffe richtig verwendet werden, wird man 
oamrt durch den Kleinhausbau mehr Wohnraum schaffen, 
als durch Hochbauten. Vor allein aber muß Arbeit ae- 
schaffen werden. Arbeit statt Arbeitslosen-Reute. 
OitsnaAHcbteffi 
für friedenaa-Scböneberg. 
ORadlbr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Straßenreinigung und -Besprengung verursacht 
"unserer Gemeinde jährlich eine Ausgabe von 463 651 Mark. 
Davon fließt aber ein Betrag von 102 960 Mark wieder 
■m die Gemeindekasse, und zwar in die Verwaltung des 
Fuhramtes. Die Arbeitslöhne für die Straßenreinigung 
wachen den Betrag von 320000 Mark aus; hierzu tritt noch 
das Gehalt für den Straßenmeister Schulz in Höhe von 
8200 Mark. Die Einnahlnen betragen 10 700 Mk., da 
von kommen 9000 Mark für Reinigung des Marktes und 
Abfuhr des Marktkehrichts aus dem betr. Posten im 
Grundeigentum. Der Zuschuß für die Straßenreinigung 
stellt sich auf 267109 Mark. 
o Das Fuhramt unserer Gemeinde besteht aus Pfcrde- 
-^ajtwageiibetrieb. Der Pferdebetrieb beansprucht 
373 800 Mark Kosten, der Kraftwagenbetrieb 121200 Mk. 
Zum Kraftwagenbetrieb gehören 2 elektrische Vorspann- 
wagen. vier Anhängewagen und ein Kraftwage». Ins 
gesamt beträgt die Ausgabe 495 000 Mk. Für Fuhrleistun- 
im 11 das Fuhramt aus anderen Verwaltungen 465500- 
Mark, von der Feuerwehr für Gestellung der Pferde 18907 
Mark und an sonstigen Einnahmen (Dungverkauf > 2500 
Mart, so daß die Gesamteinnahme 486 907 Mk. beträgt und 
demnach noch ein Zuschuß von 8183 Mark für das Fuhr 
amt. erforderlich wird. 
o Unser Gemeindevorstand besteht augenblicklich nur 
aus den beiden Schoflen Herren Ott und Pasche. Der 
Herr Bürgermeister hat feinen diesjährigen Urlaub an 
getreten, während die Schöffen Herren Evers, v. Wrochem 
und Schildberg gleichfalls auf Urlaub sind. Der ehe 
malige Schöffe Friedet soll Hilfsreserent für die Per 
ionalien der Beamten und Angestellten des preußischen 
Finanzministeriums geworden sein. 
o Preiserhöhung in der Volksküche. Infolge an 
dauernder Steigerung der Betriebskosten sieht sich die 
Volksküche genötigt, die Preise für das von ihr ausge 
gebene Essen von Donnerstag, den 29. Juli d. I. ab 
für 1 ganze Portion (1 Liter) von 1 M. auf 1,50 M., 
für eine halbe Portion ,( l /s Liter) von 0,50 M. aus 
0,75 M. zu erhöhen. 
o Fleischverteikuing. In der Woche vom 19. bis 
25. Juli gibt es auf die 10 Abschnitte der Nr. 30 der 
Reichsfleischkarte 250 Gramm frisches Rindfleisch oder 
Schweinefleisch oder Kalbfleisch mit eingcwachsenen Knochen 
oder Knochenbeilage. Mit frischem Schweinefleisch sind 
nur einige Fleischer beliefert worden und zwar die- 
jenigen, die an der Reihe sind. Der Verkauf findet 
,^Ich würde ocesem jemand empfehlen, sich auf dem 
kürzesten Wege zum Teufel zu scheren." 
„Und wenn er' statt oeffen zu deinem Vater ginge?" 
„O, das wäre wohl kaum zu fürchten. Dort hätte er 
auf irgendeine Belohnung^ schwerlich zu rechnen, und eine 
leichtfertige Preisgabe seines'Ädheimnissrs ist in der RMl 
das allerletzte, wozu eins Erpresser sich entschließt. Denn 
in demselben Augenblick !st j!r auch seine Macht zu Ende." 
Herta atmete auf, denn die Zuversichtlichkeit seiner 
Worte gewährte ihr wirklich eine gewisse Erleichterung. 
Von einer vollständigen Beruhigung aber war sie doch 
noch sehr weit entfernt, und Eberhard, der die schlanke Ge- 
statt in seinen Armen beben fühlte, fragte weiter: 
„Aber wer, um des Himmels willen, ist es denn ge 
wesen, der die Frechheit gehabt hat, dich mit derartigen 
Zumutungen in Angst und Schrecken zu versetzen?" 
„Ach, ich wollte es dir ja eigentlich gar nicht erzählen. 
Und ich kann dir seinen Namen nicht nennen, denn es 
war ein Mensch, den ick nie zuvor gesehen." 
„Wohl, wenn er mir unter die Augen kommt, so kann 
er sicher sein, daß ich ihm den Hals breche. — Einstweilen, 
mein Lieb. möchte ich dir aber zu deiner Beruhigung 
sagen, daß wir bald genug in der Lage sein werden, 
kurzen Prozeß mit einem Gelichter zu machen, das dir oder 
mir mit derarttgen Drohungen kommen will. Das Mädchen, 
das mein Herr Vater mir zugedacht hat, ist kein gewöhn 
liches Frauenzimmer, sondern ein edles und hochsinniges. 
Geschöpf. Ich bin sicher, daß es mir nicht schwerfallen 
wird, sie zu einer Abweisung der Pläne zu bewegen, diei 
man in bezug auf sie und mich hegt. Und wenn er seine 
Erwartungen anscheinend ohne mein Verschulden getäuscht 
sieht, wird mein Vater leichter als jetzt mit dem Gedanken 
an unsere Bereinigung auszusöhnen sein." 
Aber Herta war nicht mehr imstande, seine freudige 
Zuversicht zu teilen. , # _ 
„0 Eberhard," flüsterte sie, „eme solche Hoffnung, 
dürsten wir vielleicht hegen, wenn wir nicht damit be 
gonnen hätten, ihn zu hintergehen. Kannst du es wirklich für 
möglich halten, daß er uns das verzeiht?"
        
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