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Periodical volume Nr. 163, 21.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Zum Berichterstatter' über die vorliegenden Einsprüche ist 
Stadtv. Dr. Schneider (Dcutschnat.) gewählt worden, 
der in der nächsten SitzuÄg des Ausschusses (Montag, den 
2. August) berichten soll. 
obh Die Wahl 'Ges Groß-Brrliner Magistrats. Der 
aus 25 Mitgliedernsibestchcnde Ausschuß, den die Groß- 
Berliner StadtverhHnetenvcrsainmlirng zur Vorbereitung 
der Wahl des neuen Magistrats eingesetzt hat, begann 
gestern (Dienstag) Nachmittag im Berliner Nathause seine 
Beratungen rinter dein Vorsitz des Stadtverordnctenvor- 
stchers Dr. Wohl. Die erste Sitzung brachte eine all 
gemeine bemerkenswerte Aussprache über die Größe und 
Zusammensetzung des Magistrats. Wie >vir erfahren, ist 
zunächst beschlossen worden', die Personenfrage auszuschei 
den und erst die Frage zu klären, welche Größe der Ma 
gistrat haben und ob er nur aus besoldeten oder unbesol 
deten Mitgliedern bestehen solle. In dieser Hinsicht stan 
den sich die Meinungen ziemlich scharf gegenüber. Bekannt« 
lieh spricht das Gesetz Groß-Berlin in § 11 davon, daß 
die Entscheidung darüber, wie die Magistratssitzc auf be 
soldete und unbesoldete Mitglieder zu verteilen sind, erst 
malig dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung 
überlassen bleibe. Der Vorsitzende teilte mit, daß zu 
dieser Frage zwei Ncchtsgntachten von Berliner Juristen 
eingegangen seien, die zu entgegengesetzten Schlüssen kämen. 
Stadtrat Hamburger erklärte die Zusammensetzung des 
neuen Magistrats nur aus besoldeten Stadtratcn für unzu 
lässig; Stadtsyudikus Hirsekorn erachtete die Ausschaltung 
der chreuaintlich tätigen Stadträte für gesetzlich begrün 
det. Ein von unabhängiger Seite gestellter Antrag, selbst 
einen Beschluß über die Zusammensetzung und Größe des 
Magistrats herbeizuführen, wurde abgelehnt und Berta-, 
gung beschlossen. Die erwähnten Ncchtsgntachten sollen 
nebst den NusführungsLestimmungen zum .Geletz. Groß- 
Berlin den Mitgliedern des Ausschusses zugänglich gemacht 
und die nächste Sitzung drei Tage nach Zustellung der Gut 
achten anberaumt werden. 
v ZwaingLvcrsteigeruiNg. ,Jm We^e der, Zwangsvoll 
streckung soll am 30. September, vorm. HV2 Uhr, an der 
Gcrichtsstclle da?' in Schöncberg, Kolonnciistraße 64, bc- 
legcne Grundstück, bestehend ans Wohnhaus mit Anbau 
und unterkellertem Hose, versteigert werden. 
o Ansfuhrabgabc bei AuslandSferrdungen. Tic Han 
delskammer zu Berlin weist die beteiligten Verkehrtreiben 
den darauf hin, .daß. die Eisenbahndienststellen angewiesen 
sind, zur Vermeidung von Schwierigkeiten auf den Grenz 
stationen alle Sendungen nach dem Ausland, die von 
einer Ausfuhrbewilligung begleitet sind, nur dann ;ur 
Beförderung mnrun^lnncn. wenn die auf der Ausfuhr 
bewilligung bezeichnete Ausfuhrabgabe bereits bei einer 
Zollstelle bezahlt und die Einzahlung durch Empfangs 
bestätigung und Dicnststcmpel der Zollstellc bescheinigt ist. 
o GrundstückLcrwerbssteuer in Schöncberg. Der Be 
schluß der städtischen Körperschaften vom 28. Okt./17. Nov. 
1919, der für die Stadtgcmeinde Berlin-Schöncberg zu 
der Grunderwerbssteuer des Reiches die Erhebung eines 
Zuschlages von 1 Prozent des gemeinen Wertes des Grund 
stücks oder des nach §§ 12—14 des Grnndcrwerbsstcner- 
gesetzes vom 12. September 1919 an seine Stelle tretenden 
Betrages vorsieht, wird gemäß §8 40 und 62 des Landcs- 
steuergesetzcs vom 30. März 1920 bestätigt und erhält 
rückwirkende Kraft vom 1. Oktober 1919 ab. 
o Die Verschieb Hing von Stückgütern voin ehemaligen 
Militürbahnhos Schöneberg aus hat die Berliner Kri 
minalpolizei restlos aufgeklärt. In längeren und kür 
zeren Zcitabständcn verschwanden auf dem Bahnhöfe Bahn- 
kisten mit Schokolade, zwei Kisten Kognak, drei Kisten 
Zigarren und anderes mehr, ohne daß cs zunächst gelang, 
irgendwelche Anhaltspunkte über den Verbleib der Waren 
zit finden. Nach eingehenden Beobachtungen machte die 
Kriminalpolizei die Hehler ausfindig, die den Vertrieb 
der Waren übernommen hatten. Bei ihnen konnten noch 
einige Waren von den Beamten beschlagnahmt tverden. 
Die weiteren Nachforschungen ergaben, daß ein Bureau- 
arbeiter Holz und ein ehemaliger Eisenbahngehilfe Münche 
berg cs verstanden haben, sich durch Diebstahl in den 
Besitz der echten Frachtbriefe zu setzen. Nach Einlösung 
der Frachtbriefe wurden dann die Waren von'den beiden 
Tätern abgerollt unb den Händlern Corel) und Jungbluth 
zugeführt. Der Wert der gestohlenen Waren übersteigt 
20 000 M. Die Diebe und Hehler sind geständig. 
o Bund Deutscher Architekten B. D. A. Die Orts 
gruppe Schönebcrg und die Ortsgruppe Friedenau haben 
sich in der am Sonnabend, den 17. ds. Mts., im Frieden- 
«uer Ratskeller stattgehabten Sitzung zusammengeschlossen. 
Zum Vorsitzenden wurde der bisherige Friedcnaucr Vor 
sitzende, Herr Rudolf Prömmcl, Jllstrafie 10, gewählt. Die 
Versammlung beschloß folgende Eingaben an die beidcr- 
kommen ist. Es ist mir immer da besonderes Vergnügen 
gewesen, für diejenigen Mitglieder meines Haushalts zu 
sorgen, diei sich im Verlauf ihrer Dienstzeit verheiraten. 
Und ich würde es aufrichtig bedauern, wenn durch einen 
gewissen unbegreiflichen Eigensinn meine guten Absichten 
zum ersten Mal durchkreuzt würden." 
Gewiß waren diese Worte nicht besonders taktvoll ge 
wählt, aber er schien allerdings nicht zu ahnen, wie furcht 
bar er Herta damit traf, daß er sie in echter Empor 
kömmlingsart auf dieselbe Stufe stellte mit den Köchinnen 
und Zimmermädchen, die er bisher in generöser Weise 
bei ihrer Verheiratung ausgestattet hatte. 
Er hatte sich erhoben, und Herta war seinem Bei- 
spiel gefolgt. Es wurde ihr schwer, ihre Tränen zurückzu 
halten, und mit zitternder Stimme sagte sie: 
„Gute Nacht, Herr von Nomingerl — Und ich danke 
Ihnen noch einmal von Herzen für — für " 
Mit einer unwilligen Gebärde wandte der Freiherr 
den Kopf. 
„Bitte! —- Ich liebe es nicht, daß man sich bei mir für 
ein Geschenk bedankt, bevor man es angenommen hat." 
• . Damit schritt er hinaus, und Herta stieg langsam 
die Treppe empor, die zu Magdalenens Zimmern führte, un 
glücklicher, gebrochener und ratloser denn je zuvor. 
,14. Kapitel. 
Aus der langen Abwesenheit ihrer Gesellschafterin 
hatte Magdalene mit wachsender Unruhe geschlossen, daß 
sich, irgend etwas Besonderes ereignet haben müsse, und 
sie bestürmte die Eintretende sogleich mit Fragen nach 
der Ursache ihres langen Fernseins. Da sich auch die un 
vermeidliche Bridget im Zimmer befand, konnte die Gefragte 
unmöglich anders als mit allerlei Ausflüchten-antworten. 
Magdalene aber, die sich durch ihre Auskünfte sehr wenig 
befriedigt und beruhigt fühlte, schickte, sobald sie den An 
laß zu Hertas Zurückhaltung zu graten glaubte, die 
Kamrirc.-srap.hinaus, um gleich H Mem Fortgange 
-ngeSulPg MMenst 
scitigen Verwaltungen und Fraktionen zur Neuregelung des 
Bauwesens der a>n, 1. Oktober sich vereinigenden Gemein 
den zu richten: 1. Ueber Beseitigung der leerlausenden Hoch 
ballämter, die nur in der Grüße beibehalten werden sollen, 
als zur Vornahme von Reparaturen und zur Verwaltung 
der bereits bestehenden öffentlichen Gebäude erforderlich ist. 
2. Ueber ein im Interesse beider Gemeinden liegendes Sied- 
lungsprogramm. 3. Ueber Einsetzung eines aus Sachver 
ständigen bestehenden Ausschusses zur Beurteilung von 
Bau-, Wohnungs- und Siedlungsfragen. 4. Das Woh 
nungsamt nur durch Sachverständige, insbesondere durch 
frei werdende Techniker der Hochbauämter, zu besetzen. 
5. Ueber in Frage konnnende Wettbewerbe. Mit großem 
Interesse wurden die Ausführungen über den Wiederauf 
bau in Nord-Frankreich und Italien aufgenommen. Scharf 
kritisiert wurde das bisherige Verhalten der deutschen Wie- 
derausbaubehörde, die sich erst in Spaa durch Stinnes und 
Simons dem seit über Jahresfrist aufgestellten Programm 
der deutschen Architekten angeschlossen hätte und jetzt endlich 
eingesehen habe, daß der bisher von ihr verfolgte und oft 
gewechselte Weg nicht im Interesse Deutschlands lag. Nach 
diesem Erfolg sei zu hoffen, daß der Fachmann im ganzen 
Komplex der Wiedcrherstcllnngssragen zum Heile unseres 
Vaterlandes immer mehr durchdringen werde und bald die 
Politik und Geschäfte betreibenden Händler immer mehr 
beseitigt würden. Die Bautätigkeit in Groß-Berlin, ins 
besondere aber im Bereich des Wohnnngsverbandes, läge 
darnieder wie in keinem anderen Teile Deutschlands. Das 
sei 'einerseits darauf zurückzuführen, daß die Verfügungen 
der Reichs- und Staatsbehörden in Berlin strikter durch 
geführt würden als in der Provinz, andererseits ans die 
verfehlte Politik des Wohnnngsverbandes, die jetzt undurch 
sichtiger sei als je. Während cs z. B. in Niederbarnim 
.Zuschußbewilligungcn für das Jahr 1920 schon gäbe, hat 
der Wohnungsverband bis jetzt noch nichts bewilligt. Aus 
den sich widersprechenden Erklärungen des Bolkswohlfahrts- 
ministcriums und des Wohnnngsverbandes lasse sich nichr 
ersehen-, ob der Wohnungsverband tatsächlich bereits Zu- 
schußbewilligungcn verteilen müsse, oder ob die Zuschüsse 
für Neubauten des Jahres 1920 wider den Reichsratsbc- 
stimmungeil anderweitig Verwendung fänden. Die Fric- 
dcnauer Holzhaussicdclung wurde als verfehlt bezeichnet, 
da man in derselben Zeit eine zweckmäßigere und der Gc- 
weitide billiger kommende Siedlung hätte schassen können. 
Die Schvnebcrgcr Siedlung fand herbste Verurteilung, 
insbesondere die dabei kostspielige Wirtschaft des zurückge 
tretenen Baurats Wagner, die ein gut Teil Schrittmacher 
der Preissteigerung in der Provinz Brandenburg gewesen 
wäre. Selbstredend wurde auch die Hoffnung ausge 
sprochen, das ehemals blühende Baugewerbe inöge bald 
wieder aufleben/ da cs infolge seiner Eigenart, wie kein 
anderes Gewerbe, bis in die feinsten Kanäle des Wirt 
schaftslebens auszustrahlen, zum Wiederaufbau Deutsch 
lands im größten Maße beitragen würde. 
o Die Barbier-, Friseur- und Pcrückcmnachrr-ZwangS- 
innLiig für Berlin-Steglitz und Umgegend, der bekanntlich 
auch Friedenau zugeteilt ist, hielt bor kurzem im Steglitzer 
Logenhause ihre Vicrteljahrsversammlung ab. Die Meister 
prüfung hatte ein Kollege bestanden. Die' Beisitzer Ernst 
Schmidt und Wilhelm Wittkowski legten ihre Vorstands- 
ünrter nieder. Ueber den abgelaufenen Streik der Gc- 
hilfcnschcht und die Maßnahmen'des Jntcressenvcrbandes 
der Friseure Groß-Berlins sprach Kollege Franz Knnth; 
ferner wurde über den Brandenburgischen Provinzial-Ber- 
bandstag (31. 5.) berichtet. Für den auf den 25. bis 
27. Juli angesetzten Vcrbandstag in Stuttgart wurden 
100 Mark bewilligt, und zwar für Haararbeiten der 
Lehrlinge iowie für Damcnfrisuren der Meister und Ge- 
' Hilfen; Obermeister Paul Wilcke wird in Stuttgart die 
Innung vertreten. Gegenwärtig gehören der Innung 
ungefähr 260 Mitglieder an. 
o Vortragsabend. Art. Edelin Nadel, Gesangs 
pädagogin, veranstaltet am Donnerstag, den 22.. Juli, 
abends 8Vr Uhr, im Brandenburger Hof, Kaiserallee, 
Ecke Rönncbergstraßc (Eingang Handjerhstraßc), zum 
Besten der notleidenden Studenten einen Vortragsabend: 
„Heitere Stunden zum Gesunden". Wir machen der guten 
Sache wegen aus diesen Abend aufmerksam. 
o Der erste Schkachtvithmarkt eröffnet. Aus Mann- 
heinl wird gemeldet: Am Montag Vormittag wurde in 
Mannheim ans dem Schlacht- und Viehhof der erste 
Schlachtviehmarkt nach dein Kriege abgehalten, und da 
mit auch der erste in Deutschland, nachdem das badische 
Ministerium des Innern die Kommunalvcrbünde ermäch 
tigt hatte, ,die öffentliche Bewirtschaftung von Vieh und 
Fleisch aufzuheben. Direktor Fries (eröffnete den Markt 
und betonte, daß durch die jetzt einsetzende freie Bewirt- 
schaftung jede Steigerung-der Viehprcise.vermieden wer«! 
„Nun'— heraus mit der Sprach^!. —.Was hat'ftch zu 
getragen?" ., . '.WM. ■ . 
„Ihr Vater wünscht mich mit Herrn de Raucourt 
zu verheiraten," erklärte Herta aufrichtig. Und Maada- 
lencns Antwort bewies, wie klar sie die Beweggründe 
dieses Planes durchschaute. 
„Ah, man' wünscht damit einer verhängnisvollen 
Uebereilung von seiten meines Bruders voxzubeugen!" 
sagte sie, indem sie zugleich in unverkennbarer Spannung 
in dem Gesicht ihrer jungen Gesellschafterin zu lesen 
suchte. 
Herta verstand die stumme Frage ihrer Augen und 
beendete ihren Bericht. 
„Herr von Nominger hat die großmütige Absicht, mich 
mit einem geradezu fürstlichen Heiratsgute auszustatten. 
Ich bin tief gerührt von einer Güte, die ich so wenig ver- 
dient habe. Aber eine Annahme des gutgemeinten Bor- 
schlages kann für mich leider nicht einen Augenblick in 
Frage kommen." 
Magdalene war ersichtlich auf das Peinlichste ent 
täuscht. 
„Aber, mein Gott, was' soll denn nun geschehen? — 
Eberhard ist allem Anschein nach. auf. dem besten Wege, 
sich in Sie zu verlieben. Mein Vater aber wünscht ihn mit 
einer jungen Dame aus vornehmem Hause zu verheiraten. 
Und meine Stiefschwester wünscht es vielleicht noch leb- 
Hafter als ev." 
„Aber warum tut sie das?" fragte Herta, mit einer 
raschen Bewegung den gesenkten Kopf erhebend. „Bisher 
hatte sie doch keinen anderen Wunsch als den, Unfrieden 
zwischen ihrem Vater, und ihrem Stiefbruder zu säen. 
Müßte ihr eine Heirat, die er gegen den väterlichen Willen 
schlösse,, da nicht. viel eher erwünscht als unwillkommen 
fem?" 
Magdalene warf ihr einen seltsamen Blick zu, Ustd 
ohne auf Hertas unüberlegte Frage einzugeben, jagte-sie: 
„Auch ich würde einen solchen voreiligen.Schritt meines 
^"§ers auf.d/rs. Entschiedenste rnlßbilliaen müyei^ 
den müßte. Händler und Schlächtermeister müßten sich 
an die bestehenden Preisvorschriften halten. Ter Preisab 
bau müßte mit allen Mitteln angestrebt-werden. — Es 
waren 330 Rinder auf den Markt gebracht worden. Klem- 
Biehmarkt zu eröffr. , . 
Wir erinnern nur daran, daß tausende von Zentnern Rind 
fleisch in der Reinickendorfer Kühlhalle verdorben vorge 
funden wurden. Beim Freihandel können solche Fälle nicht 
' vorkommen! 
o Die Sportpalast-Lichtspiele» Potsdamer Skr. 72-72«, 
bringen in der Spielwoche vom 23. bis 29. Juli den 
neuesten Esther-Carena-Film „Die Seele im Sturm" als 
Uraufführung. Der Inhalt btcjcs hochdramaiischen Film 
werks gibt dem beliebten Hausstar des Sportpalastes 
wieder Gelegenheit, seine große Kunst zur vollen Gel 
tung zu bringen. Außerdem rollt noch das Lustspiel 
„Malhcurchcn Nr. 8" mit Dorit Wsirler in der Haupt 
rolle. Auch dieser .Film kann mit Recht zu einem der 
besten gezählt werden. Die Meßtcrwoche und der Ge- 
sa'ngSvortrag des Frl. Eckcrrd werden das ausgiebige Pro 
gramm vervollständigen. 
o Vor die Lokomotive geworfm. Auf dem -Bahnhof 
in Schmargendorf warf sich gestern Morgen ein junges, 
etwa 20jähriges Mädchen, offenbar in einem Anfalle voir 
Schwermut, vor einen herankommenden Zug der Votl- 
herbeigerilfcnen Samariter der Feuerwehr brachten die 
Unglückliche, deren Personalien bisher noch nichr festge 
stellt werden konnten, zum Augusta-Viktoria-Krankenhaus 
in.Schöneberg, wo sie noch lebend eingeliefert lvurde. Sie 
dürfte jedoch kaum mit dem Leben davonkommen. 
o Als - gesunden sind gemeldet worden: 1 Uhr, 
1. Schlüssel, 1 Bund Schlüssel. 
Vmlns-Oa cbrlcb teti 
)( Männcr-Turn-Vcrcln c. V. (Zraurn-Abt). Donnerstag, 
, ben 22. Juli, abends 7 Uhr: Unterhaltungsabend inc Jugend« 
. beim, Offenbacher Straße. Um regen Besuch wird gebeten. 
. HA gleichen Tage findet im Wirtshause „Hohenzollern" eine 
Borturncrvcrsammlnng statt. Beginn: 7V;. llhr. An dieser Ver 
sammlung haben alle Turnwartc und Vorturner teilzilnehmen. 
■)( Jugendgrnppc der Deutschen BolkSpartei. Sonnabend, den 
24. Juli: Ausflug nach Lindwcrdcr. Treffpunkt: 2.45 Uhr 
Wannfeebahnhof. — Montag, den 2(>. Juli, s/ 4 8 Uhr: Leseabend. 
Gemcindeschule, Osfenbachcr Straße. 
)( Fricdcnancr Männcr-Gksang-Vercin 4675. Am 
Sonn 
abend, den 24. d. Mts., abends pünktlich 8 Uhr, wird in: 
„Hohcnzollcrn" Viertcljahrcssitzung abgehalten. 
ZaT&rlft&tt 
MfSt Rw6*üf übrrnrhln«» wir Uitv I?va,isjm*zp, 
Der Kampf im Lebensmittelkleinhardcl «nvermkidlich. 
Die Verhandlungen vor dein Dcmobilmachungssiom-- 
misfar am 16. Juli 1920 sind gescheitert. Man hat uns 
für Verkäufer einen Stundenlohn von 2.21 Mk. und für 
Hauptbuchhalter von 3.05 Mk. angeboten. Dieses Angebot 
mußten wir ablehnen, da die Angestellten bei diesen Löhnen 
nicht existieren können. Trotzdem der - alte Tarifvertrag 
am 31. März 1920 abgelaufen ist, sollten diese Hunger- 
löhne erst mit dem 1. Juni 1920 in Kraft treten. Der Zcn- 
tralverband der Angestellten versuchte heute nochmals, mit 
dem Herrn DemobilmcichuiigSkommissar, Herrn Regierungs« 
rat von Hoffmann, zn verhandeln. Dieser lehnte die Ver 
handlung ohne jegliche Begründung ab. Man muß anneh 
men, daß die Behörden kein Interesse für die Lebensmittel 
versorgung der Bevölkerung haben, denn sonst könnte man 
die Stellungnahme des Herrn DcmobilmachungSkommissarK. 
nicht verstehen. Die Angestellten nehmen ain Mittwoch, 
den 21. Juli 1920, abends 8 Uhr, in einer Versammlung 
in den Sophiensälen, Sophienstraßc 17/18, zu dieser Frage 
Stellung. 
Briefkasten 
Frau M. M. Wir können lcine Auskunft über Ihre An 
frage geben. Ein Inserat kann Ihnen nur Helsen. 
Vermischtes- 
* Eines „Bürgermeisters" Glück und Ende. Während der 
Kommunistenherrschaft in Mönchen hatte-sich'der Spartakist Leo 
Werner auf den Stadtvatersesset der-bayerischen Hauptstadt 
niedergelassen und waltete in seiner Weise des Amtes. Abt dein 
Zusammenbruch des Kommunistenaufstandes hatte auch seine Herr 
lichkeit ein Ende. Der neue Bürgermeister verschwand ebenso 
esonders um Ihretwillen, liebste Herta!' Sie sind „ich 
b» rechte Frau für einen so unfertigen und unzuver 
fafiigsii Menschen wie Eberhard. Er würde ja gar nich 
imstande sem. ohne meines Vaters Unterstützung ein, 
Familie zu erhalten." ^ a 
Herta schwieg. Sollte sie freimütig bekennen, wa: 
N/,Pta«? — Wahrhaftig, wenn Magdalene im voller 
Besitz ihrer Gesundheit gewesen wäre, würde sie jetzt nickp 
einen Augenblick länger gezögert haben, es zu tun. Abei 
sie mußte mit der schrecklichen Möglichkeit rechnen, daß dic 
Aufregung, über das. unerwartete Geständnis der Leidender 
einen neuen Anfall der bedrohlichen Herzschwäche zikzieher 
^urde. die eine der größten Gefahren ihres Zustandes 
bildete. Eine so furchtbare Verantwortung durste sie unter 
keinen Umständen ans sich nehmen. Und so ließ sie ver 
stummend abermals das Lköpfchcn sinken. 
Magdalene aber, die ihrem Schweigen natürlich nicht 
die rechte Deutung zu geben wußte, fuhr fort: 
.. »Außerdem würde ich eine Verbindung Eberhard- 
mit derTochter des Grafen Aldringen lieber sehen als iraend- 
cine andere., Mein Bruder, würde dadurch auf «ne Lauf 
bahn geführt werden, die ohne Zweifel die beste für ihn 
, ist, weil sie feinen Fähigkeiten in jeder Hinsicht entspricht 
- Und ,was Sie betrifft, Liebste - ich weiß ja. daß Sie 
nlemen Bruder gernhabcn, aber ich bin seit geranmer steil 
m einer beständigen Angst, daß sich daraus eine wirkliche 
Liebe entwickeln könnte. Eberhard ist gewiß ein Hebens« 
würdiger und gutherziger Bursche mit den besten Anlagen. 
Aber-er ist wankelmütig wie alle impulsiven Naturen Und 
ich bim sicher, daß Sie sehr unglücklich werden würden 
wenn S:e Ihrem Herzen gestatteten, in ernstlicher Liebe 
zu ihm zu entbrennen." 
„ Solche Worte vermochte Herta nicht ruhig anzuhören. 
Auch wenn sie die Wahrheit nicht bekennen durste süblt-- 
sie sich docy verpflichtet, für den Mann einzutreten deir sie 
lieble für den Mann, der uni ihretwillen eine Torheit 
M.jje ihm nie genug danken'kyMte.
        
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