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Periodical volume Nr. 162, 20.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Monatlich 2,70 Mark; durch Boten 
ins HaüS gebracht ch— Mark. 
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Wtz IkWVMr LÜÄkll -Sst öih§KkItk>. dec^gespaltkn-n peile oder u^en 
ArfifiüHiiftitn»» ttfijiiiiHu Raiira 1 Mk. Die Reklamezciie kostet 
TkfthÜslLstküE. Nhktllstk. li. 4.— Mark. Belegnummer 20 Psg. 
«heknstrirß» 1». — Kernfprechrr; Hat Pfalzbnrg 3129. 
Sr. 162 
Betlw-Friedeullu. Sienttog. den 20. Soll 1920 
SÄkS. 27 
n*a«!t* D«d>rUbtMi 
Berlin. Am Bahnhof Charlottcnburg kmn es heute 
um Mitternacht zu einem Zwischenfall zwischen zwei En 
tente-Offizieren. Nach einer Darstellung sollen die beiden 
Offiziere, ein Oberleutnant und ein Leutnant von der In 
teralliierten Lustkontrollkommission, Passanten beleidigt- 
haben. Es sammelte sich rasch eine größere Menschenmenge 
an, und es schien zu Tätlichkeiten kommen zu sollen. Die 
Sicherheitspolizei wurde herbeigerufen, und diese nahm die 
beiden Offiziere, die keine Ausweispapiere bei sich trugen, 
zu ihrem eigenen Schutze auf das nächste Polizeirevier 
init, wo sie bis' 1 / 2 -i Uhr morgens blieben, bis ihre Iden 
tität festgestellt war. Dann wurden die beiden Offiziere 
in einem inzwischen herbeigerufenen Entente-Automobil 
nach dem Sitz der Kontrollkommission in der Fasanenstraße 
gebracht. Auch vor dein Wachlokal hatte sich eine größere 
Menschenmenge angesammelt, die aber von der Sicherheits 
polizei leicht zerstreut wurde. 
Amsterdam. Der Korrespondent der „Times" in 
Konstantinopel meldet: Diel türkische Polizei hat eine Ver 
schwörung entdeckt, die sich die Ermordung des Sultans 
iiiid die Einsetzung einer vorläufigen Regierung zum Ziel 
gesetzt hat. Unter den verhafteten Verschwörern, die ge 
ständig sind, befinden sich der frühere Kapitän Enver 
Effendi und Hussein Eddi», ein Terrorist, der im Dienste 
des Komitees für Einheit nitd Fortschritt steht. 
Breslau. Alle französischen Offiziere in Polen 
haben den Befehl erhalten, sich der polnischen Militär 
behörde zur Verfügung zu stellen. 
London. Die Anttvort des russischen Außenministers 
Tschilscherin auf die jüngst nach Moskau telegraphierte 
Note bezüglich eines Waffensttllstandes mit Polen ist Heute 
in Londow eingegangen. Wie verlautet, ist die Sowjet- 
regierniig bereit, einen Waffenstillstand mit Polen zu ver 
einbaren und Frieden zu schließen. Zu diesem Zwecke 
sind neue Vorschläge gemacht worden, die das englische 
Kabinett heute erörtern wird. 
Bim Semsprechdeittag. 
Zu der kürzlich verbreiteten Nachricht über eine Er 
leichterung der Beschaffung des einmaligen " Fernsprech 
beitrags teilt das' Reichspostministerium folgende Etnzel'- 
heiten mit. 
Der Beitrag ist, wenn der Teilnehmer ihn nicht in 
finer Summe bezahlen will, in vierteljährlichen Teilzah 
lungen zu entrichten, die am 1. Oktober 1920, 2. Januar, 
l. April und 1. Juli 1921 fällig sind und zwar durch 
Uebertveisung oder durch Einzahlung (mittels Zahlkarte) 
auf ein besonderes Postscheckkonto; die Nummer des Kontos 
wird seiner Zeit mitgeteilt werden. Die Hingabe von 
Kriegsanleihen oder anderen Wertpapieren an Zahlungs 
statt ist nicht zugelassen. Auf Antrag der Teilnehmer, 
können, wenn ein wirtschaftliches Bedürfnis vorliegt, auch 
geringere- Teilzahlungen gewährt werden; der niedrigste 
Betrag ist 100 M. für einen Hauptanschluß und 50 M- 
sür einen Nebenanschluß. Da der Beitrag erst von 'dem 
aus die Einzahlung folgenden Monat an verzinst wird, 
empfiehlt es' sich, daß die Teilnehmer, um Zinsverlnste 
zu vermeiden, die fälligen Beitrüge schon am Ende des 
vorhergehenden Monats bezahlen. 
Die Zinsen werden den Teilnehmern in der letzten 
Der Sol>ti des Millionärs. 
Roman von Florence Warden. 
21 (Nachdruck verboten.) 
Er würde entweder kurzerhand seinem Dater alles ein 
gestanden, oder er würde um ihretwillen versucht haben, 
das Schweigen des Erpresiers zu erkaufen. Was aber 
wäre damit gewonnen gewesen, da es sich ja doch nicht bloß 
um diesen einen geheimnisvollen Unbekannten, sondern ohne 
allen Zweifel um ein ganzes Komplott von Spionen und 
Erpressern Handelle, die das erste Zugeständnis nur be 
nutzt haben würden, um ein Ausbeutungssystem zu organi 
sieren, dessen Ende nicht abzusehen war. Woher hätte 
Eberhard die Mittel nehmen sollen, den erfahrungsgemäß 
ständig wachsenden Anforderungen einer solchen Bande zu 
genügen ? Würden da nicht schließlich doch alle Opfer um 
sonst gebracht worden sein, und würde nicht unfehlbar 
nach einer qualvollen Zeit beständigenHangens und Bangens 
doch der Augenblick eintreten, wo es jenen Elenden als 
das Zweckmäßigere erschien, sich an Johannes Rominger 
zu wenden? „ 
Wenn sie nur wenigstens einen halbwegs sicheren An 
halt dafür gehabt hätte, wer die Verschwörer waren! War 
es Bridget. die die Spionin gemacht hatte ? War es 
Cöcile? Oder bestand vielleicht gar ein Einverständnis 
fand^auf diese Fragen ebensowenig eive Antwort, 
als auf jene andere, warum die Erpresser sich zuerst an 
sie gewendet hatten, obwohl sie bei ihrer genauen Kennt- 
nid der Verhältnisse doch unfehlbar wißen mußten, daß sie 
sehr wenig Geld besaß, und daß es viel leichter gewesen 
wäre, von Eberhard eine namhafte Summe herckuszupressen 
°* 6 Und ^ wer war die geheimnisvolle Warnerin vom 
gestrigen Abend? .. 
Ihre Gedanken verwirrten sich aufs neue,-wenn che 
Licht in das undurchdringliche Dunkel aller dieser Rätsel- 
fragen zu bringen suchten, und plötzlich fühlte sie ernen 
Unfall von Schwindel, wie wenn sie emer V 'Xüm&Lt'W* 
Hälfte des März jedes Jahres vergütet. Eine Aufrech 
nung gegen die fälligen Gebühren ist nicht in Aussicht 
genommen. Die Zinsbeträge unterliegen der Kapital- 
ertragsteuer, soweit nicht nach § 3'hös Kckpitalöltragsteuer- 
gesetzes Befreiung eintritt. 
Nach der Vollzahlung des Beitrags erhält der Teil 
nehmer einen Empfangsschein. Dieser hHt nicht die Eigen 
schaften einer auf den Inhaber lautenden Schuldverschrei 
bung. Will daher der Teilnehmer seine Forderung gegen 
die Telegraphenverwaltung einezn Driften abtreten, so 
genügt es nicht, wenn er ihm nsttz den Empfangsschein über 
gibt; die Abtretung muß vielmehr in rechtsgültiger Form 
der Telegraphenverwaltung mitgeteilt werden. Die Zinsen 
werden dann, soweit sie zusammen mit der Kapital 
ford errma abgetreten sind, an den Dritten gezahlt. Eben 
so wird diesem bei der Aufhebung des Anschlusses der Bei 
trag zurückgegeben. 
Will ein Teilnehmer den Beitrag nicht selbst ent 
richten, auch die deutsche Volksversicherung nicht in An 
spruch nehmen, ist aber eine Bank) Sparkasse usw. bereit, 
ihm das Geld gegen Neb ertrag ung - dev'Forderung vorzu 
strecken, so muß das bei der Einzckmiing zum Ausdruck 
gebracht werden. ■. r u,.. - 1 
Der Beitrag wird nebst den fälligen Zinsen ant 
Schlüsse, des Kalendervierteljahrs zurückgezahlt, indem der 
Anschluß aufgehoben wird. 
Zu der Beschaffung des einmaligen Beitrags von der 
Deutschen Volksversicherung wird noch fplstendes beinerki. 
Die Erleichterung soll den Teilnehmern zugute kommen, 
welche den Beitrag nicht selbst oder durch Sparkassen oder 
sonst wie leihweise aufbringen" könneti''öder welche die 
Mittel ihrem Betriebe nicht entziehen wollen. Das Geld 
ivird zunächst auf zehn Jahre zur Verfügung gestellt. Die 
Einrichtung ist in erster Linie .nur für Teilnehmer mit 
einem oder wenigen Anschlüssen bestimmt. Die Einschreib 
gebühr ist bei der Stellung des Antrags zu entrichten. 
Bei neuen Anschlüssen wird sie erst einige Wochen vor der 
Herstellung erhoben. Die laufende HexgÜtung ist vom 
Beginn des Monats zu zahlen, itfcbetS der Beitrag von 
der Deutschen Volksversicherung Vers. Lelsgraphenverwal- 
tung überwiesen wird. Sie wird vierteljährlich nachträg 
lich zusammen mit den Fernsprechgebühren eingezogen. 
Der Teilnehmer hat die Möglichkeit, zu Beginn jedes 
Vierteljahrs den Vertrag mit'der Deutschen Bolksver- 
sicherung zu lösen, indem er selbst den Beitrag zahlt. 
Er hat dies 14 Tage vorher seiner Bermittlungsanstalt 
mitzuteilen. Bleibt ein Teilnehmer mit der Zahlung der 
Vergütung an die Deutsche Volksversicherung im Rück 
stände, so zahlt die Telegraphenverwaltung den Beitrag 
an diese zurück. Es ist dann Sache des Teilnehmers, 
selbst für die Aufbringung hes Beitrags zu sorgen. Das 
Gleiche geschieht, wenn die Frist von 10 Jahren abge 
laufen und der Vertrag nicht verlängert worden ist. Bei 
der Aufhebung des Anschlusses wird der Beitrag ebenfalls 
an die Deutsche Volksversicherung zurückgezahlt. Der Teil 
nehmer hat-die lausende Vergütung'bis zum Ende seines 
Vertragsverhältnisses mit der Telegraphenverwaltung zu 
entrichten, d. h. in der Regel bis zusii.Ende des Viertel 
jahrs, in dem der Anschluß aufgeböveck'lpird. 
Die Zahl der Kündigungen vott'Ffriffprechanschlüsseii 
aus Anlaß der GebührenerhöhunR"ist übrigens nicht so 
groß, wie ursprünglich angenommen wurde. Es sind 
nur 7 v. H. der .Sprechstellen geWidigt worden. ■ Sehr 
viele Kündigungen^ stellenweise f/z,'find''wieder zurückge 
nommen worden. v 5 ' 
Oitsnadbrtcbttif 
für frtedenau-Schontberg. 
(Nachdr. unsrer o-Originalarttkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Di« Kondensmilchkarten für August können schon 
jetzt unter Vorlegung des Bewilligungsschreibens im Rat- 
hause, Zimmer 28a (Kranken-Ernährung), abgeholt werden. 
o Dt« Auszahlung der Heeresbezüge für den Monat 
August erfolgt am 29. Juli bis 4. August in der Renten 
stelle des Postamts. Ebendaselbst werden vom 2. bis 
4. August die Invaliden- und Unsallrenten gezahlt. Pünkt- 
lickw Abhebung der Gebührnisse ist dringend erioünscht. 
Am Sonntag, den 1. August, sind die Kassen für de» 
Rentenverkehr geschlossen. Vom 5. August ab findet die 
Rentenzahlung wiederum Schalter 11 statt. 
o Di« Volksbücherei bleibt wegen Revisjes vom Don 
nerstag, den 22. d. M-, ab auf eine Wochö' geschlossen. 
Wiedereröffnung' Donnerstag, den 29. Juli. 
vA Zum Vorsitzenden der Gewerbesteuerklasfe I sür 
die Provinz Brarrdenburg und des Steueransschusses der 
Gewerbesteuerklasse II für den Regierungsbezirk Potsdam 
ist der Leiter des Potsdamer Finanzamtes Regierungsrat 
Skrotzki ernannt worden. 
o Der erhöht« Mietszuschlag. Nachdem zu der vom 
Verbandsausfchuß am 3. Juli beschlossenen Erhöhung der 
Höchstgrenze sür Mietssteigerungen von 20 aus 30 v.H. 
jetzt die Zustimmung des Wohlfahrtsministers eingegangen 
ist, beschloß gestern der Berbandsausschnß ihre Publikation.- 
Die kurze Nachtragsverordnung lautet: Die im § 1 der 
Verbandsverordnung vom l 4. April 1920 festgesetzte 
Höchstgrenze wird 'von 20 auf 30 vom Hundert, fiir 
Fabrikräume in Wohngebäuden von 30 auf 40 v. H:, 
fiir Geschäfts- und Jndustriehäuser von 40 auf 50 v. H. 
>md für Läden mit über 2400 M. Mietivert von 30 auf 
40 v. H. erhöht. Laufende Verträge werden von der Ver 
ordnung nicht berührt. Die durch die Nachtragsverord- 
nuiig vorgenommene Erhöhung der Mietzinsgruppen um 
10 v. H. fei, wie der Wohnungsverband Groß-Berlin 
mitteilt, durch die starke Steigerung der öffentlichen Ab- 
gaben und Gebühren für Kanalisation, Gas, Wasser usw. 
erforderlich geworden. Nach § 10 der Höchstmietenver 
ordnung hat jeder Hauswirt das Recht, durch entsprechen 
den Antrag beim Mietseinigungsamt besondere Zuschläge 
zur Miete mit Rücksicht auf die erhöhten Steuern und 
öffentlichen Lasten zsu ■ fordern, wenn er nacktweist, daß 
er auch mit dem erhöhten Nachweis nicht auskommt. In 
den Fällen, wo in Erwartung dieser Aenderung der Höchst- 
mietenverordnunq vom 9. Dezember 1919 ein ordent- 
liches Gericht o^er ein Mietseinigungsaint den Mietpreis 
nur bis 30. September d. I. festgesetzt hat, tritt die Er 
höhung auf Antrag des Vermieters vom 1. Oktober 
d. Js. ab automatisch in Kraft, obgleich die Vertrags 
dauer auf länger festgesetzt ist- 
oA Erve neue Apotheke im Schöneberger Rathaus 
viertel. Der Oberpräsident zu Charlottenbnrg Hai die 
Anlage einer neuen Apotheke in unmittelbarer' Nähe des 
neuen Schöneberger Rathauses am Stadtpark in der Inns 
brucker Straße am Schnittpunkt der Freiherr voin Stein- 
Straße genehmigt. 
o Unseren Postbeziehern zur Erinnerung. Wenn in 
der Zustellung des Friedenauer Lokal-Anzeigers beim 
Monatswechsel keine Verzögerung eintreten soll, empfiehlt 
sich die sofortige Erneuerung der Bestellung fiir die Mo 
nate August und September. 
■■ ■ - ■ — ■ ■ " 
wäre. Da erkannte sie, daß es"MrMe nun doch hohe 
Zeit geworden sei, in das Haus zurückzukehren, und sie 
beschloß, sich unverzüglich auf ihr Zsmniet' zu begeben, 
unbekümmert darum, welche Deutung chan ihrem «»ent 
schuldigten Verschwinden geben tnvgk. 
So behutsam als möglich trat sie ein, aber sie war 
noch nicht bis an den Fuß der Treppe gelangt, als Mabels 
Zofe Cöcile ihr den Weg vertrat. 
„Ach, ich warte hier schon so lange auf Sie, Fräulein 
Leuendorff." sagte sie in vörwurWSll klingendem Tone. 
„Ich sollte Ihnen sagen, daß Madame Hdrmdnn Sie auf der 
Stelle zu sprechen wünscht'. Ge'>ird schocksehr ungeduldig 
sein, denn es ist mindestens eine Viertelstunde her, daß 
sie mir diesen Auftrag gegeben hat." 
13. Kapitel. 
Es schien weniger Feindseligkeit, was sich in den 
Dorten der Zofe kundgab, als Mk/Aergsr darüber, daß 
ie verurteilt gewesen war, hier zü ivariön, statt unten im 
)ienstbotenzimmer ihr Abendessen einnehmen, zu können, 
lnd in sehr merklicher Un^ehülv'fügtö'sste denn auch hinzu: 
„Gebey Sie mir nur, bitte, die Hunde, damit ich sie 
chnell hinaufbringe." '' 
Gleichzeitig bückte sie sich auchZchzn, um unter reden 
!lrm eines der zappelnden Tiere zu nehmen. Aber als 
ie sich dann aufrichtete, fiel ihr Blick zufällig wieder auf 
Hertas Gesicht, das sie erst jetzt, wo das junge Mädchen 
n den Lichtkreis der Lampe getreten war, mit voller 
Deutlichkeit erkennen konnte. Und mit einem Ausdruck 
ler Bestürzung, der unmöglich erheuchelt sein konnte, rief 
ie aus: 
„Um Gottes willen, Fräulet» I — Sie sehen ja aus rote 
;in Ge penst! — Was tn aWr Welt ist Ihnen denn ge- 
chehen?" _ . 
„Nichts 1" erwiderte Herta mit matter Stimme. „Wirk 
lich — nicht das geringste!" 
Aber die Zofe schüttelte ungläubig den Kopf. 
„Das mögen Sie einen andern glauben machen als 
mich! Sie sehen aus, als ob Sie einen fürchterlichen 
Schrecken oder einen sehr großen Aerger gehabt hätten, 
ilnü ick bin sicher, daß es io ist. Ick werde das qnädiae 
Fräulein bitten, daß' sie Ihnen sogleich ein Glas Wein 
bringen läßt." 
Diese unerwartete Teilnahme mußte Herta um so mehr 
in Erstaunen setzen, als sie augenscheinlich eine ganz auf 
richtige war. Aber unter keinen Umständen wollte die junge 
Gesellschafterin geschehen lassen, was die andere beab 
sichtigte. • 
Sie faßte Cecile am Arm und hielt sie zurück. 
„Nein — nein I — Ich will nicht, daß das gnädige 
Fräulein meinetwegen beunruhigt werde. Und ich bitte 
Sie dringend, kein Wort über mein vermeintliches schlechtes 
Aussehen zu ihr auszusprechen." 
Cöcile lächelte. 
„Gewiß nicht, wenn Sie es nicht wünschen ! Aber dann 
nehmen Sie sich nur in acht, daß Ihnen nicht etwa diese 
widerwärtige Bridget in den Weg läuft. Die Person kann 
mit ihren amerikanischen Froschaugen auch noch in der 
tiefsten Finsternis sehen, was unsereins nicht einmal im 
hellsten Tageslicht erkennt, und wenn es einen Menschen 
gibt, der anderen ihre Geheimnisse vom Gesicht zu lesen 
versteht, so ist es diese falsche Schleicherin." 
„Ich brauche mich wohl nicht vor ihr zu fürchten, 
Cöcile, denn ich habe keine Geheimnisse zu verbergen." 
Die Zofe machte eine vieldeutige Bewegung mit den 
Schultern. Im Tone eines gut gemeinten Ratschlages aber 
fügte sie hinzu: 
„Jedenfalls -sollten Sie Ihre Wangen ein wenig rot 
reiben, ehe Sie sich vor Frau Hermann sehen lasten. — 
Madame sieht so viel, und sie würde wahrscheinlich auch 
Ihr geisterhaftes Aussehen sogleich bemerken." 
Bevor Herta noch hatte antworten oder die freund- 
liche Weisung befolgen können, wurden ein rasch näher 
kommender Schritt und das Rauschen eines seidenen 
Frauengewandes vernehmlich. In der nächsten Sekunde 
schon stand Mabel neben'der jungen Gesellschafterin. 
„Sie haben sich heute sshk tauge draußen aufgehalten, 
Fräulein Leuendorff," sagte sie scharf. „Und Sie sehen 
merkwürdig bleich aus/ Was ist Ihnen denn auf Ihrem 
abendlichen Spaziergange so Besonderes zugestoßen?" 
Herta zögerte mit der Antroy^, weil das tückische 
Glitzernder graugrünen Katzenaugen, die sie auf sich ge-
        
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