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Periodical volume Nr. 100, 06.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Bezugspreis 
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Berlill'Frredeuau, Montag, den 18. Sttli 1920 
Fahrg. 27 
DtaeTt* DitbHehtMi 
_ Berlin. In einem Anfall von schwerer psychischer 
Störung, hervorgerufen durch den Druck allgemeiner und 
Persönlicher Schwierigkeiten, hat Prinz Joachim von 
Preußen, der jüngste Sohn des vormaligen Kaiserpaares, 
am Sonnabend früh in Villa Liegnitz die Waffe gegen sich 
gerichtet. Die Verletzung war so schwer, daß der Prinz 
ihr nachts uni 1 Uhr erlegen ist. • , 
Berlin. Als eine unmittelbare Folge der in Spaa 
herbeigeführten Vereinbarungen ist wohl die Tatsache an 
zusehen. daß nunmehr daS Wiederaufbau-Ministerium be 
setzt werden wird. Es wird wieder mit dem Direktor der 
Augsburg-Nürnberger Maschinensabrik-A.-G.« Kommer 
zienrat Guggenheimer. wegen Uebergabe dieses Mnisteri- 
ums verhandelt. Die Verhandlungen dürsten zu einem 
positiven Ergebnis führen. 
Saarbrücken. Eine Munitionskatastrophe hat sich 
in einem Munitionsdepot bei Saarasben ereignet. In 
dem über 300 Holzbaracken umfassenden Depot lagerten 
auch große Mengen Gasgranaten, deren furchtbare Wir 
kung noch aus dem Kriege her bekannt ist. Ein großer 
Teil der Einwohner von Saaralben ist in die umlienen- 
Dörfer geflüchtet, da bei weiteren Explosionen die Stadt 
sehr gefährdet ist. Das französische Infanterie-Regiment 
135 ist zu den Rettungsarbeiten herangezogen worden. 
Die Ursache des Unglücks ist in Selbstentzündung von 
Leuchtraketen zu suchen, wodurch zwölf Fliegerbomben ex 
plodierten. Das Munitionslager soll einen Wert von hun 
dert Millionen haben . Der Brand dauert noch an. 
London. Daily Telegraph glaubt zu wissen, daß 
England von Sowjetrußland auf den englischen Vorschlag 
betreffend eines russisch-polnischen Friedens eine Antwort 
erhalten hat. In dieser Antwort, die ziemlich umfangreich 
sein soll, sei gesagt, daß Rußland keiner Nation das Recht 
einräume, zwischen der Sowjetregierung und Polen zu 
intervenieren. Die Sowjetregiecung werde aber auf einen 
Waffenstillstand mit Polen eingehen, wenn Polen ihn ver 
langt. denn Rußland wolle den Frieden. 
Paris. Der Vorsitzende des Völkerbundrates. Se 
natspräsident Bourgeois, hat nunmehr die Jnternatio- 
nale Finanzkonferenz auf den 25. September nach^Brüssel 
berufen. Eine weitere Verschiebung ist nach seiner An- 
sikh^nicht gut möglich. ■ * 
Snt llottrluchuug Des SeMftrselmhn«, 
der Krieirgeselschafteu. 
Der Hansa-Bund schreibt uns: 
Vergeblich wird sich mancher die Frage vorgelegt 
haben, welchem tatsächlichen Zweck die Kriegsgesellschaften 
heute noch zu dienen haben. In der Oesfentlichkeil ist 
immer wieder auf dieses, das Wirtschaftsleben und ins 
besondere den Wiederaufbau unserer Volkswirtschaft 
störende Element hingewiesen worden; es wurde den 
Kriegsgesellschaften laxe kaufmännische Handlungsweise 
und unwirtschaftliches Gebühren in reicher Fülle nachge 
wiesen. Die Zweckwidrigkeit ihrer Maßnahmen verspürten 
Handel, Gewerbe nnd Industrie an allen Ecken u. Kanten, 
ohne daß sich die Regierung hätte bereit finden lassen, 
ötwas gegen diele sc^inbar geheiligten Institutionen zu 
unternehmen. Endlich, dem Drucke der Oesfentlichkeil 
nachgebend, hatte sich die Regierung im Herbst vergan 
genen Jahres dazu verstehen müssen, eine Denkschrift 
zu veröffentlichen, die Auskunft gibt über die bei den 
Kriegsgesellschaften gezahlten Gehälter. Es ist nicht zu 
viel gesagt, wenn man allein die Ergebnisse dieser Denk 
schrift als einzige Ungeheuerlichkeit der Geldverschwendung 
bezeichnet. Es ist ein sausendes Bergab, auf dem .sich 
unser Wirtschaftsleben befindet, eine langsame kunstge 
rechte Erdrosselung, gegen die sich aller Fleiß kaufmän 
nischer lmd gewerblicher Schichten des Volkes vergeblich 
zur Wehr setzen wird, solange sie nicht Bresche gelegt 
haben in diese einengenden und umschnürenden Ring 
mauern unserer Wirtschaft. Was faul ist, muß hinweg 
ohne Zögern und Erbarmen. Gerade in letzter Zeit 
wurde die Oefsentlichkeit wiederholt durch Prozesse und 
Verurteilungen von höheren Angestellten von Krik^s- 
gesellschaften aus ein wohlorganisiertes Koruptionssystem 
aufmerksam gemacht. Unwidersprochene Ausstellungen von 
geradezu fabelhasten Dividendengewinnen und Verteue 
rungen der zwangsbewirtschafteten Produkte durch das 
Geschäftstreiben der Kriegsgesellschaften setzen immer wieder 
die Oesfentlichkeil in Aufregung. Der Ruf nach Sparsam 
keit erschallt laut und eindringlich von amtlichen und 
nichtamtlichen Stellen, aber es fehlt die energische Hand, 
die dem Rufe die Tat folgen läßt. Davon haben die 
Kriegsgesellschaften seit ihrem Bestehen zu profitieren ge 
wußt. Die angebliche Rücksicht auf den Kriegszweck hat 
auch nach Rückkehr normaler Verhältnisse das Geschästs- 
gebahren der Kriegsgesellschaften ins Dunkle zu hüllen 
gewußt. 
Im April d. Js. wurde vom Hansa-Bund an die 
Nationalversammlung das Ersuchen gerichtet, auf dem 
Wege der Gesetzgebung anzuordnen, daß die Kriegsgesell 
schaften und verwandten Organisationen Bilanzen und 
Geschäftsberichte in den ersten drei Monaten eines jeden 
Geschäftsjahres zu veröffentlichen haben. 
Während sonst die Gesetzgebungsmaschine heute in 
überhastetem Tempo läuft, dauerte-eö monatelang, bis 
endlich die amtlichen Stellen in Uebereinstimmung mit 
den Wünschen des Hansa-Bundes auf Veranlassung des 
Reic^rates daran gingen, einen Ausschuß zur Ueber- 
wachung des Geschäftsgebahrens der Kriegsgesellschaften 
zu bilden. In dem Ausschuß sollten auch Mitglieder der 
Nationalversammlung vertreten sein. 
Es bedurfte im Frühjahr dieses Jahres einer be 
sonderen Jnterpellatton, um die Regierung zu veran 
lassen, im Einverständnis mit dem Reichsrat die Zahl 
der von der Nationalversammlung zu stellenden Mit 
glieder eines Untersuchungsausschusses auf 21 festzusetzen. 
Der volle Ausschuß sollte sich aus 7 Mitgliedern der 
Reichs regierung, 14 Regierungsvertretern und 21 Mit 
gliedern der Nationalversammlung zusammensetzen. 
Die Nationalversammlung ist auseinandergegangeu, 
ohne daß sich der Ausschuß gebildet h«TO»-Munmehr hat 
>ich der Hansa-Bund veranlaßt gesehen, an den Reichstag 
das Ersuchen zu richten, sofort die Bildung und den 
Zusammentritt eines Untersuchungsausschusses zur Prü 
fung des Geschäftsgebahrens der Kriegsgesellschaften usw. 
einzuleiten. 
kur ?rie«tenau-§ckoneberg. 
(Nachdr. unsrer o-Originalartilel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Zur Bürgermeisterwahl in Sckönebcrg-Friebonau. 
Die Bürgernicister in den kommenden Bezirken, bisherigen 
Vororten, werden zum ersten Male von dem nelien Ma° 
gistrat ernannt. Wie dessen Entscheidungen sein werden, 
läßt sich zur Stunde natürfich noch nicht sagen. Für den 
Bezirk Schöneberg soll Bürgermeister Machowicz-Schöne-- 
berg gewählt werden. 
o Für die Allgvuteinc Verwaltung unserer Gerncinde 
.ist nach dem Voranschlag 1920 ein Zuschuß von 2 182 010 
Mark erforderlich, das find 1 515 769 M. mehr als im 
Vorjahre. Diese große Erhöhung wird hauptsächlich durch 
die Besoldungen und persönlichen Ausgaben verursacht, 
die allein den Mehrbetrag von 1 386 000 M. ausmacl-en. 
Die Unterhaltung des Rathauses erfordert einen Betrag 
von 213 340 Mark, die StandesanitSverwaltung kostet 
49 075 M. Wir finden hier noch einen besonderen Ab 
schnitt „RatSweine", mit 300 000 M. für den Ankauf 
von Weinen und 1700 M. Kosten für die Lagerung nird 
Versicherung der Weine. Dem gegenüber steht eine Ein 
nahme von 400 000 M. für den Ankauf der Weipc. Die 
Gemeinde hofft also, rund 100 000 M. an den, Weinver 
trieb zu verdienen. — Die B e s o l d u n g s l i st c für alle 
Beamten und dauernd Angestellten schließt mit den. Be 
trage von 1 520 462 M. ab, gegen das Vorjahr 921 787 
Mark mehr ab. Diese Besoldungen verteilen sich auf vier 
verschiedene Verwaltungen. 
o Pünktlich« Abholung von Militärrenten. Empfänger 
von Militär-Bcrs.orgungsgebührnissen (Pensionen, ’ Renten 
und Hinterbliebenenbeziigen) werden an die pünktliche Ab 
holung ihrer Gebührnisse am kommenden Hauptzahltag 
— 29. Juli — erinnert. Für die glatte Abwickelung des 
Rentenzahlungsgeschästs bei den Postanstalten ist die 
pünktliche Abhebung der Beiträge unbedingt notwendig. 
Empfänger, die zur Abholung am Hauptzahltage nicht in 
der Lage sind, werden dringend ersucht, unter allen Um 
ständen die Beträge spätestens noch im Fälligkeitsmonat 
— Monat August — abzuheben. 
obh ES gibt keinen Einmachezucker. Auf eine von 
der Deutschen Obstgesellschaft in Eisenach an die ReichS- 
zuckerstelle. gerichtete Eingabe um Zuteilung von Zucker 
für die Verwertung der diesjährigen Beerenobsternte im 
Haushalt ist der Bescheid erteilt worden, „daß die außer 
ordentliche Zuckerknappheit, die bereits zu einer Kürzung 
der Mundration führte, eine Berücksichtigung des ge 
äußerten Wunsches auf Zuteilung von Zucker für Einkoch 
zwecke nicht zuläßt". Die Reichszuckerstelle bedauert da 
her, dem Antrag nicht stattgeben zu können. 
o Herabsetzung der Benzin- und Petrolcumpreife. Der 
Grundpreis für Benzin wurde auf 6,35 M. pro Kilogr. 
Der Mn des Millionärs. 
Roman von Florence Warden. 
20 (Nachdruck verboten.) 
Er konnte sich nick r weigern, ohne in den Augen der 
Gäste ung zogen zu c>scheine», aber er hatte niemals einen 
heftigeren Abscheu gegen die langweiligen häuslichen spiel- 
part.en empfunden, als in diesem Augenblick. 
Magdalene. die wirklich sehr ermüdet aussah, hatte sich 
auf einem abseits stehenden Sofa niedergelassen, und Herta 
beeilte sich, zu ihr zu treten. 
„Darf ich Sie auf Ihr Zimmer begleiten?" ftagte sie. 
Aber die Andere schüttelte ablehnend den Kopf. 
„Nein, ich will noch ein wenig Hierbleiben. Sie aber, 
meine Liebste, sehen ganz so aus, als ob Ihnen ein 
wenig frische Lust besser tun würde, als die dumpfe Hitze 
hier drinnen. Und meine armen Hunde sind heute ganz 
um ihren gewohnten Spaziergang gekommen. Wenn Sie 
mich zu Dank verpflichten wollen» so gehen Sie Mit ihnen 
noch eine kleine Weile in den Park!" 
herta wußte zur Genüge, wie empfindlich die im all 
gemeinen so anspruchslose und liebenswürdige Kranke von 
einem Widerspruch gegen einmal geäußerte Wünsche de- 
rührt zu werden siegte, und obwohl eins innere Stimme 
sie warnen wollte, diesmal dem Befehl zu gehorchen, 
leistete sie ihm doch ohne jede Einwendung Folge. 
Es war ein schöner und kühler, aber mondsche.n- 
toser Abend, so daß man die Gegenstände semsr Umgebung 
nur auf kürze Entfernung hin mi voller Deutlichkeit zu 
erkennen vermochte. Die Hunde, ihrer lang entbehrten 
Freiheit froh sprangen in munteren Sätzen davon» so daß 
82 di- sie nickt aus den Augen tasten wollte, gegen 
chnn'Wllen genötigt war. sich ziemlich well vom Hause 
!»u entkernen Plötzlich vernahm sie ein lauft», wütendes 
Nekläff wie die Tiere es nur auszustoßen pflegten wenn 
Nicht gestattete, die Züge semes Gesichts mit Bestimm^ 
heit zu unterscheiden. Sie lah nur. daß e 
Gestalt und sehr gut gelleivet war. Auch den> Scha ui 
Aucs dunklen Schnurrvärkchens vermochte sie stuf 
Oberlippe wahrzunehmen. Der obere Teil seines Ge 
sichtes aber blieb unter der Krempe des weichen, breit 
randigen Hutes ganz im Schatten. . 
„Erschrecken Sie nicht, mein Fräuleins- sagte er mit 
angenehm klingender Stimme in fließendem Deutsch, aber 
mit dem unverkennbaren Akzent des Äuslggders. „Es ist 
durchaus nicht meine Absicht, Ihnen «in - Leid zuzufügen. 
Alles, was ich wünsche, ist, daß Sie mir für einige Minuten 
Gehör schenken." 
„Wer sind Sie?" fragte Herta, all ihren Mut zu 
sammennehmend, indem sie zugleich bemüht war die 
äußere Erscheinung des Mannes, der ihr, wie ein Kellner 
oder dergleichen vorkommen wollte, so scharf als möglich 
ihrem Gedächtnis einzuprägen. . . 
Und ohne jedes Zaudern erfolgte die Antwort: 
„Ich bin ein Unglücklicher, der alles-wag er befaß, 
am Spieltische verloren hat. Und Ich würd« genötigt sein, 
zur Pistole zu greifen, wenn Sie mich nicht retten und mir 
zur Rückkehr in meine Heimat verhelfen würden." 
„Das ist eine sonderbare Zumutung. — Wie können Sie 
derartiges von einer Persönlichkeit erwarten, die Ihnen 
völlig fremd ist?" , 
„O, ich weiß, daß Madame ein gutes Herz haben. — 
Ich sehe die gnädige Frau ja nicht zum erstenmal, son 
dern ich hatte schon vor zwei Tagen das Vergnügen 
— in einem gewissen Amtslokal, wo gnädige Frau in 
wichtigen Privatangelegenheiten zu tun hatten." 
Run wußte Herta freilich mit einem Schlage, woran sie 
mit diesem Manne war und wie sie sich seine seltsame Zu 
mutung zu erklären hatte. E» war ein t ganz gewöhn 
licher Erprester, der da vor ihr stand. Und das Geheim 
nis, das sie so sorMh gehütet geglaubt, das Geheim-, 
nis, von dem ihre mh Eberhards Zukunft abhing, es be-I 
fand sich in seWkr H»nd. 
Sekundenlang war sft buchstäblich vom Entsetzen ge 
lahmt und unfähig,, auch nur ein einziges armseliges 
Wörtchen über , die Lippen zu bringen. Der Mann aber 
fühlte sich unverkennbar seiner Beute so sicher, daß er ihr 
ruhig Zeit lieh, ihre Lebensgeister zu sammeln. Ln einer 
lässigen, beinahe koketten Haltung stand er vor ihr, den 
einen Fuß graziös vor den andern gesetzt, und mit seinem 
Spazierstäckchen spielend, als handle stch's um die harm 
loseste und gleichgültigste Konversation von der Welt. 
Welcher Art auch immer die Befürchtungen gewesen 
sein mochten, von denen Herta während diewr letzte» Tage 
gepeinigt worbe» war, an eine "Möglichkeit »nie diese 
ij;>05tf.b°rfL‘• ir^t einen. Augenblick gedacht, und darum 
rras ge oer Schlag mlt der ganzen vernichtenden Gewalt 
einer völlig unerwarteten Katastrophe. Daß dieser Mensch, 
den sie nie gesehen hatte und von dessen Namen sie so 
wenig wußte wie von seiner gesellschaftlichen Stellung 
— daß dieser Mann ihr Geheimnis kannte und daß er 
entschlossen schien, sich seiner Wissenschaft rücksichtslos für 
erpresserische Zwecke zu bedienen, es war fürwahr schlimm 
genug. Aber es war doch noch nicht alles. Denn es war 
undenkbar, daß dieser Fremde durch einen Zufall in den 
Besitz des Geheimnistes gelangt sein sollte. Hier mußte cs 
sich um ein richtiges Komplott, um eine systematisch durch 
geführte Spionage handeln. Und Herta erinnerte sich in 
diesem Augenblick all der Geschichten, die sie Johannes 
Rominger hatte erzählen hören, der Geschichten von wohl- 
organisierten Erpresserbanden, die es sich zur Aufgabe 
machen, das Privatleben reicher Leute zu belauern, bis 
es ihnen gelungen' ist, einen dunklen Punkt darin zu ent 
decken, an dem sie mit ihren verbrecherischen Drohungen ein 
setzen können. Sie erinnerte sich, von ihm gehört zu 
haben, daß in Amerika und auch wohl in anderen Ländern 
Hunderte von Menschen ihren Unterhalt lediglich durch 
die Ausübung dieses' schmutzigen Gewerbes fänden, und 
daß ein glücklich aufgespürter Makel auf dem Familien 
leben eines Millionärs für sie oft eine ergiebige Einnahme 
quelle für Monate und Jahre bilden könne. 
Schrecklicher noch als diese Erinnerungen aber war 
für sie die Vorstellung, daß — trfWtr die Wahrheit ans 
Licht kam — sie selbst in Johannes Romingers Augen nicht 
viel bester dastehen würde als dies erpresserische Gelichter, 
daß er ihre Handlungsweise wahrscheinlich unter dem 
selben Gesichtspunkte ansehen würde, unter dem er die 
jener schurkischen Ausbeuter beurteilte. 
So war begreiflicherweise ihre erste Eingebung die. 
daß sie sich das Stillschweigen dieses Unbekannten sichern 
müsse u»n jeden Preis. Und ihre Erwiderung würde sicherlich 
in diesem Sinne ausgefallen sein, wenn der Mann sie zu 
einer raschen Antwort gedrängt hätte. Aber daß er ihr 
Zeit ließ, ihre Lage zu überdenken, hatte zur Folge, daß 
die vernünftige Ueberlegung wieder die Oberhand ge 
wann über die verwirrende HetAensasttzst der ersten nieder 
schmetternden Ueberrasckung. Sie sagte sich, daß der erste 
Beweis von Schwäche einem Erpresser gegenüber nichts 
anderes bedeute als den Beginn einer nimmer endenden 
Sklaverei. Ul,d sie raffte all ihre Kraft zusammen, um 
mit erzlvungener äußerer Ruhe zu sagen: 
„Run? — Und töas weiter? — Sie sind wohl noch 
nicht zu HMk mit dem, was Sie mir zu sagen gedachten?"
        
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