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Periodical volume Nr. 99, 05.05.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

wangel, die Hebung der Kohlenförderung wiederum am 
Mangel an Arbeitswohnungcn und Baugeldern hierzu. 
Beide Hindernisse können sich ausi folgende Weise gegen 
seitig aufheben: Man baue zunächst Wohnungen für Gruben 
arbeiter; von der hierdurch erzielten. Mehrförderung^air. 
Kohlen — auf den Kopf und den Tag kommen jetzt etwa 
0,65 Tonnen — soll nur ein Drittel der Kohlenbewirt 
schaftung unterliegen, ein Drittel dagegen zur Hebung 
des übrigen Wohnungsbaues für die Produktion von Bau 
materialien sin - Ziegeleien. Zementfabriken, Kalköfen, ■ 
Eisenhütten) verwendet und das letzte Drittel den Zöchen ' 
zur freien Verfügung überlassen werden. Die Empfänger 
der beiden letzten Drittel dürften dann die erforderlichen! 
Vaugelder ohne Erhöhung der allgemeinen Kosten selbst 
ausbringen. .. . . . .. 
o Zur Klausel „Freibleibend" hat kürzlich das Reichs 
gericht entschieden, daß diese Klausel den Verkäufer einer 
Ware nicht berechtige, oinen -von seinen. Lieferanten ge 
forderten Preisausschlag auf den Käufer abzuwälzen, und 
daß auch ein dahingehender. Handelsbrauch nicht-bestände. 
Der Kaufmaun B. - in Stuttgart hatte der Firma Z- 
daselbst am 22. April 10 000 Kilo U- und -I-Eisen zu 
einem bestimmten Preis „freibleibend" angeboten; die 
Firma Z. nahm dieses Angebot am 23. April an und 
B. bestätigte ihr wiederum am 24. den. Kaufabschluß. 
Der Stahl- und Hüttenwerksverband erhöhte nun ab 
1. Mai 1919 den Preis für jede Tonne Eisen um 100 
Mark mit Rückwirkung vom 1. Januar 1919. B. wollte 
diesen Preisausschlag seiner Abkäufersirma Z. in Rechnung 
stellen, diese lehnte aber dieses Ansinnen ab. B. ver 
weigerte hierauf Lieferung des Eisens, woraus, sich die 
Firma Z. anderweit zu höherem Preise eindeckte, von B. 
aber auf dem Klageweg wegen Nichterfüllung 7200 M. 
Schadenersatz verlangte. Den Einwand des B-, daß es 
handelsüblich sei, den .Preisaufschlag eines" Lieferanten 
dem Abnehmer anzurechnen, und daß er „freibleibend" 
verkauft habe, erkannten sowohl das Landgericht, als auch 
das Oberlandesgcricht Stuttgart nicht an. B--wurde viel 
mehr zum Schadenersatz verurteilt, mit der Begründung, 
daß ein Handelsbrauch des behaupteten Inhalts nicht 
bestehe und daß es nicht einzusehen sei, . warum 
bei nachträglicher Preiserhöhung seitens des Lieferers des 
Verkäufers nicht letzterer, sondern der Käufer den Schaden 
'tragen solle. Der Verkäufer könne sich hiergegen nur 
durch einen entsprechenden Vorbehalt sichern, der aber 
in der Klausel „freibleibend" nicht, enthalten sei. Diese 
wird vielmehr allgemein dahin ausgelegt, daß der Ver 
käufer auch nach Annahine des Angebots die Erfüllung 
durch sofortige Gegenerklärung ablehnen dürfe, dagegen 
bei Unterlassung einer solchen Gegenerklärung fest ge 
bunden sei. Das Reichsgericht hat dieses Urteil bestätigt. 
ö Friedcuauer Erfinder. (Patentschau, zusammenge 
stellt vom Patentbur.eau Johannes Koch, Berlin NO. 18, 
Gr. Frankfurter Straße 59.) Paul Reimann, Bornstr., 3. 
Mittelstütze für zweiteilige Gardinen oder Vorhangsvorrich 
tungen. Angem. Patent. — Albert Degen, Südwestkorso 
Nr. 62. Einrichtung zum Messen der. in "beliebig vielen 
Leitungen herrschenden Druckender Temperaturen. Angem. 
Patent. — Oscar A. Lange. Fridrich-Wilhelm-Platz 9. 
Telcphongesprächszähler. Gebrauchsmuster. — Oskar 
Jost, Cranachstraße 37. Anznghalter und Hosenstrecker. 
Gebrauchsmuster. — EddhXsassalette, Bachestr. 1. Zwei 
teiliges Scharnierhebelverschlußstück, insbcsoirderc für das 
Verdeck von Motorsahrzeugkarosserien. Gebrauchsmuster. 
Kau» dar MW« die Wohnungsnot 
beheben? 
jvon NegleruiigSbaMueistcr a. ,D. Dri-ing. Wehl (Hermsdorf). 
Folgende - Ausführungen eines vralltschcn 
Siedlungsfachmanncs dürfen wohl Anspruch 
X auf Beachtung aller Kreise erheben. 
Den, Enttäuschungen dev Heimstättenvcrsprechungcn/ 
denen sich leider einst auch wohlmeinende, aber sachunkun- 
dige leitende Stellen in der Front und in der Heimalt 
'anschlossen, reihen sich die Mißerfolge unserer WohnungZ- 
politik bedauerlicherweise an. Das an sich gewiß blen 
dende Klvinhansideal hat bereits abgewirtschaftet, da -cs 
loeder für minderbemittelte Schichten in Frage klimmt, 
noch die Wohnungsnot nennenswert zu liichorn-vermag. 
Selbst, linksstehende und radikale Kreise beginnen jetzt, 
Zögerns und nick sear tzerm-iem 'üecrraüen auf die 
Wirkung feiner Worte 'saM'VAMdUch?- 
„Ich erkenne deine gütige Sorge um meine -Intimst 
dankbar an, Vater, und ich bin noch heute der Ueber 
zeugung, daß die Komtesse Lydia Aldringen des besten 
Mannes würdig wäre. — Aber es äst doch nicht meine 
Schuld, daß ich für sie heute nicht mehr empfinde, was,ich 
in Unkenntnis des Lebens und meines eigenenlHerzeüs; 
vor, einer Reihe von Monaten für sie zu empfinden glaubte." 
' Sein Vater maß ihn mit einem durchdringenden Blick, 
mit einem Blick, der Eberhard sehr unangenehm an dle 
scharfen Augen seiner Stiefschwester erinnerte. , ' . .. 
„Und wodurch, wenn ich fragen darf, ist diese schnelle 
Wandlung deiner Gefühle bewirkt worden?" 
„Mein Gott, darüber kann man doch am Ende kaum 
sich selber Rechenschaft geben. Das sind Dinge, die sich 
ohne unser Zutun vollziehen und denen gegenüber wir 
völlig machtlos sind. Vielleicht habe ick eben inzwischen 
Frauen kennen gelernt, die meinem weiblichen Ideal voll 
kommener entsprechen als sie." 
„Auf solche Art aber würdest du vermutlich niemals 
dazu gelangen, dich zu verheiraten. Denn dein Wankel 
mut würde dich wahrscheinlich ich-letzten Moment smmer 
wieder ein andere Ideal .entdecken lassen. Und du begreifst, 
daß ich nicht Lust.habe zu warten, bis «es dir etwa ge 
lungen ist, den Inbegriff aller weiblichen Vollkommenheit zu 
entdecken — um so weniger, als deine Wahl dann mög 
licherweise mit meinen eigenen Wünschen sehr wenig 
harmonieren könnte." . .. .. ...... 
Mber du selbst, Vater. .— Hättest du dich, vielleicht, 
als du in meinen Jahren warst, bei der Wahl einer Lebens 
gefährtin von fremdem Willen beeinflussen: lassen ?" 
„0, das war etwas anderes, wie ich meine... Ich 
hatte allerdings das Recht, lediglich dev Stimme meines 
Herzens zu folgen, denn ich war niemandem verantwort 
lich und verließ mich- ausschließlich auf mich selbst und 
auf meine eigene Kraft. Wie wenig das auf dich zutrifft, 
muß ich dir das wirklich erst sagen?" 
Eberhard wußte für den Augenblick nichts mehr zu 
erwidern. Denn wenn er etwas von dem ausgesprochen 
hätte, was. sich ihm auf. die Lippen drängen wollte, so 
ivürde er damit dem stummen Gelöbnis untreu, geworden 
fein, das er Herta vorhin bei ihrem Fortgeheg^abgelegt. 
Er.hackte an die tödliche Angst, mit der sie deMAusgang 
dies dürzuschen,. und fordern auch ihrerseits dqD Mehr 
familienhaus. Die vier- unb fünfgeschossig« MietSkcrsern» 
wird schon deswegen der Vergangenheit angehören, weit 
kein Privatmann des Mittelstandes aus Gründen der 
-maßlosen Uebe-rbeuerung so große Objekte^als Kapitals-, 
anlagc künftighin 'errichten kan», auch wenn noch so 
hohL Zuschüsse zur Verfügung stehen sollten. Selbst eine 
dreigeschossige Nandbebauung mit höchstens.‘/io der Bau- 
stelkcnfkäche erfordert cm.: weit höheres Anlagekapital als, 
Vjo MberbauuÄg mit fünf Geschossen, Seitenflügeln 'ückd , 
Qüevgebäüden. Der in Kleinwöhnungsvkerteln mit 80 , 
bis 100 M. je qm. der baureifen Baustelle' gegebene ; 
Höchstpreis'ist seit 1914 nicht gestiegen? Er bildet kein' 
Hindernis für die dreigeschossige Nandbebauung, jw selbst . 
für nur Vio oder gar nur 3 / 10 Ueberbauang der Bau stelle n- 
fläche, weil die Baükösten-steigerung bewirkt, dgß der plö- s 
zckntuale Mietanteil für" die Verzinsung der Baustelle (die ■ 
,.Bä'upkatz"rlsncke) -höutä trotz verringerter -Ueberbauung 
iniedrjigrr ist als 1914 beim Zickshausbau alter. Art. Da , 
Eyß-Berliii? am Stadtrande und in tin Vororten 'Wer 
Wiele' Dutzende vbn Mometicrn sofort^, anbaufähiger s 
Straßen mit hinreichend billigen Baustellenpreisen /für 
Neubauten aller, Abstufungen verfügt, besteht also kein 
Baustelleninangel, sondern im Gegenteil ein in „Ueber- 
schätzung des Bedarfs" entstandenes Ueberangebot. .'Abge 
sehen vom heutigen Baustosfmangel hat sich die Bausrage 
mehr als je zuvor überwiegend zu einer re.inen Lohnfrage 
entwickelt; denn, etwa *4 dev Baukosten bestanden und be 
stehen noch heute aus Löhnen, für Fabrikation,' Beför 
derung Und ^ Arbeit auf der BaüsteIle. Demgegenüber 
-spielt der Einfluß der Baustelle,., geschweige denn .der 
des RohlaNdeA' und aller GewinUe für produktive Er- 
fchließungstLtigkcit und und unprodpftiven Händel ’(bie . 
'eigentliche. „Bodenrente^ bei der' Bildung des Mets- 
Preises eine , gäck'z geringfügige Rolls. , 
Neuep Straßenbau ist-fast unmögli^l und unerschwing 
lich. Vor allem ist Rohmaterial überhaupt kaum zu . 
haben. Daher wollen wir getrost erst die- vorhandenen 
Baustellen-ausbrauchen.-Sie reichen für den Bedarf von 
dielen Jahren, vielleicht von einigen. Jahrzehnten. Eine ’ 
Statistik über -den Wvhnbodenvorrat Groß-Berlins, feine 
Preise, Steuerlasten,-insbesondere auch seine zwangläufige 
Preisbildung unter dem-Druck unserer bisherigen verfehl 
ten Bodenpolitik habe ich bei den verschiedensten-Stellen 
angeregt. Sie würde einerseits ein hinsichtlich Billigkeit 
Und Angebot erfreuliches, andererseits in wirtschaftlicher 
Beziehung trostloses Material zutage fördern. Dann erst 
t ütten wir eine-brauchbare Unterlage für eine zielbewußte 
ckedlungs- und Wvhnungspolitik Groß-Berlins, deren un 
widerlegliches Zahlenmaterial mit vielen Irrtümern und 
Vorurteilen -aufräumen' würde- Mit schönen Worten- und 
siner Uvhorfülle-meist unbrauchbarer dilettantischer Woh- 
nnngsliteratur-baut, man-keine Häuser-. Hier kann nur 
der wirtschaftlich erfahrene -Techniker die richtigen Wege 
weisen. >hh. 
Zuschritten 
Uchi Kvftttt übernehme» nrfrWaa ßmatmUMstf 
Bä-rM M Straß«rbafMha7t<fÜiren. 
In ..heut)gen, Zeit...fn Mch^inMen.Zeitungen 
dazu anfgesörvert wird, dem Wohl und Wehe der Kriegs 
beschädigten Rechnung , zu trägen, würde , einem dringen 
den Bedürfnis-entsprochen werden, wenn än den Halte 
stellen dtt- Elektrischen an deck Kaiser-Eiche -und. am' 
Friedrich-Wilhelm-Platz Bänke aufgestellt .würden. Läg- 
lich kann beobachtet-werden, wie.Kriegsbeschädigte pich 
ältere Leute, welche sich nur. schwßv auf den. Beinen 
halten können, lättgerc Zeit auf -den Wägen ihrer .Linie 
karten müssen, da der vorhergehende in den. meisten 
Fällen immer gerade fottgesabren-ist.7.Die Ausstellung 
der Bänke würde wohl, kaum der Gemeinde'. Kosten ver 
ursachen und am zweckmäßigsten an..der Kaiser-Eiche vör 
dem Hause Nr? 55 auf dem breiten Bürgersteig er-, 
folgen, da-die Bänke vor den Acklageri.deS Platzes zu' 
weit von der Haltestelle entfernt, sind und ein Ueber- 
schreiten der Gleise bedingen, bözw.' Unter den Büschen 
än der Ostseite des Platzes gegenüber der 'Hältestelle. 
Durch die.-Aufstellung- würde-dem wft geähherten Wuils.chL 
des'Publikums Riech nung getragen und dies dankbar sn- 
-«chchmt werden. 
NoömakS Vermieter und Mieter. 
Die Ausführungen von Herrn Luder? hübe ich mit Inter- 
eff« griffen. ' Zufällig kenne ich die Verhältnis):, unter denen 
er mi die Oeffentlichkeit trat. Ich muß sagen, daß seine Aeuft- 
rungen sehr gemäßigt waren; denn viele, viele antvre, die 
sein.Schjöfftrl teilten, an gleicher Stelle Erfahrungen zu sammeln, 
Ivären mehr aus der Haut gefahren. Auch ich machte meine Er 
fahrungen vor Jahren cm demselben Ort und bin der Meinung, 
daß Handlungen, welche dem allgemeinen sozialen Entpsiriden 
»äußerst widerstreben, unbedenklich ,in Zukunft öffentlich erörtert 
!werden müssen. So schnell als möglich und geräuschlos habe ich 
damals meine Sachen -gepackt und schrob an meine Freunde: 
Kon den Fenstern die Gardinen 
Schwinden, und mit frohen- Mienen 
Packen Vater, Mutter- Kind. 
Gott-fei-Dank, wir dürfet, fliehen, 
Gott sei Dank, wir können ziehen 
Mit Humor und Küchenspind! 
Ausgequält sind alle Qualen, 
Ausgerechnet alle Zahlen, 
lind nun gcht's von dannen — Hü! 
Nehmt den Topf noch und die Pulle, 
Und ooin Fensterbrett die Stulle! 
Möbclwagcnpocsie. 
In beinahe höchster Notdurft trabte ich hinter dein Möbelwagen 
einher, denn man hatte 14 Tage vor dem Auszugstermin noch 
versucht, mich vollständig von den Rieselfeldern abzufchneidcii, 
indem man aus einer Klause das Wichtigste entfernen wollte. 
Aber der Bauunternehmer meinte, man könne cii»:m Mieten 
nicht zumuten, seine Geheimsitzungen in. der Nachbarschaft ab 
zuhalten, und müsse ihm schon Gelegenheit geben, die sichtbanm 
Spuren eines erfreulich geregelten Stoffttvchsels in seinen eige 
nen «ier Pfählen verschwinden zu lassen. (Verzeihung, lielstr 
Lefev; ich bin etwas drastisch; aber das ist nun mal so meine! 
Art, wenn- ich Kritik- übe.) Nachfolger von mir. wurden zu 
fällig--Bekannte von Herrn Bierberg aus der Wiesbadener 
Straße 81, und die Freundin von Frau Bicrberg meinte: „Ich 
verstehe, so -gut mit Leuten umzugehen; wir werden n>: etwas 
mit dem Wirt vorhabenb" — „Au, au, Junge," dachte ich, 
:,wie werden sie dir verhau'n!" Und siehe da, ich hatte recht. 
Auch Bierbergs Freunde schüttelten sehr schnell den Staub von 
den Füßen, aber behielten, lote ich, den Trumpf in der Hand. 
Die-meisten anderen-zogen sich resigniert zckrück und sctzwn sich 
auf ihre-, vier: Buchstaben — zwar zerknirscht, aber ohnmächtig. 
Sie dachten vielleicht an die Stammbuchverse von zivei bedeu 
tenden Männern: 
Wie. schön ist's doch in dieser Welt, 
> Wenn Wahrheit stets den Sieg behält. (Bismarck.) 
Doch gegen Lüge dieses .Lebens 
Kämpft selbst ein Feldmarschnll vergebens. (Moltke.) 
Trotzdem gibt's an dem Orte einige Dnlderseelcn mit ):hr lang 
jährigen Verträgen. Sie kommen mir vor wie Hälligbcwohner. 
Kein Ungewitter ,noch Sturm und Entbehrungen vertreiben sie. 
Wohl-ihnen, daß sie die Ungerechtigkeit ringsherum nicht stor- 
benl Dies soll nun aber nicht etwa eine Epistel gegen die 
Hauswirte im allgemeinen sein. Im Gegenteil, ich habe ).>hr 
viel übrig für dieselben und kenne ihre Not. Wenn mancher 
Mieter Hauswirt wäre, so hätteir wir auch nichts zu lachen. 
Ich mache da augenblicklich mit einer Wohnungssuche diesbezüg- 
Ucho Erfahrungen, da ich wegen der unglücklichen Erlebnisse von 
damals wohnuilgslos bin. Vielleicht komme ich später einmal dar 
auf zurück. — Bei dieser Gelegenheit möchte ich Frau- Wirth 
noch etwas in Schutz nehmen. Ich kenne sie nicht, denko- 
noch etwas in Schutz nehnien. Ich kenne sie nicht, denke aber, 
daß sie die schlechteste Hauswirtin nicht sein kaun, denn ein 
altes Sprichwort, sagt: „Der Gerechte einpört sich." Außer 
dem bcißeü gewöhnlich die Hunde am wenigsten, welch?: ant 
bautesten bellen. Aber sie ist wohl ein Neuling auf dem Ge- 
üiete der Hausverwalttiiig. Da wird sie manchmal steuneiid 
die Augen -aufmachen, denn: „Allen recht getan ist eine Kunst, 
die niemand- kann." Wenn man, lvie ich, 45 Jahre zwischen 
Grundstücken gesteckt hat, so steht man den schwierigsten Bor- 
kvmmuissen ziemlich ruhig gegenüber. Ich habe viele Jahre 
zivei Grundstücke mit 850 Seelen verwaltet — auch im Kriege, 
das eine sogar bis zum jetzigen Verkauf (20. Juni). Eine 
Untcrvcrwalterin versah unter meiner Leitung das eine Grund 
stück 20 Jahre lang. Ihr Mann (Polizciwachkmeister) hatte sich 
iii kurzem' totgeärgert. Wir besorgten die Geschäfte mit Energie 
und Güte. Vor allem herrschte strenge Gerechtigkeit, und die 
Mieter' hatteit volles Vertrauen. Es wurde nie etwas Un> 
sprachen,- waS nicht gehalten werden konnte, und Steigerungen, 
wurden nie in hintereinander folgender Kürze vorgenommen-, 
denn das verbittert. Die Mieter ivohnten 35, 30 -(und so 
aüivürts) Jahre, viele 10 Jahre. Zum 25jährigcn Jubiläum 
wurde eine Torte gestiftet, dcit Armen ein Monat Miete ge 
strichen. Diese beiden Grundstücke waren sehr bekannt, und 
wir beiden Frauen auch. Aus den Behörden usw. arbeiteten dip 
4 rsfee--il-nie«'edU'ny'- 
sich um ihretwillen zur Ruhe. 
„Ich hoffe, daß ich nicht gezwungen werden soll, gleich 
f bier auf der- Stelle mit Ja oder Nein zu antworten," 
(jagte er.. „Daß eine so ernste-Sache rcifi!che Ucbcrlcgunc> 
Zorderi, chirst. du wir. weUigWilg"zugeben-".' . ’ v ' 
-Mit einer ungeduldigen Bewegung wandte sichJohanncs 
-No:» /qer zunTür?- ?(-■ .v 1 
. „U'eb^si'gsf^siilch'erhlu)"'Zag/e Sr kürz- '„Mer laß" 
mich auch in deMni eigenen Ililctesse hossen, daß das 
Resultat dieser Uebcrleguüg meinen WüilschSu entspricht!" 
12. Kapitel. 
Das Diner dieses Tages, .war vorüber. 
Noch immer hatte Eberhard keine Gelegenheit.gefunden, 
auch nur ein einzizesverstohienes WortmitHerta zu wechseln, 
denn sie-hatte keinen Augenblick von Magdatenens Seile 
weichen dürfen, und er selbst war fast während des gänzcit 
Tages durch Besuche in. Anspruch gerlommen ' worden, 
denen er sich zu seinem Verdruß nicht hatte etitmehen köttnen. 
Während der Tafel aber.. war' an eine heimlich^. Der-. 
ständigung um so.weniger Zu,d'en7Sn--geivesenV alsfgeWe' 
der heutige Tag eine .ganze AlizÜhl «on-Wittägsgästeh. ge 
bracht hatte, unter deneitz-sich jü Eberhards stillem Miß 
vergnügen auch Herr IuleL.he:Naueöurk-'defäMi-r!-? . 
Nun, nach beendetem Mahls,)'faß die-GeMschäft,. zü - 
kleinen .Gruppen verteilt, in. dem''aü'.öe.ü Sveisesaal.au- 
stoßend«n..Garteüsalükl.? Nnd'.,üöch iüim'er.luchte.dSp zu ' 
einer. so. peißvollen.Enttzaltsikinftit verurteilte jurigS., Ehe-' 
mann vergebens'.nach.einer MjsjNchkekk. einläe ivött keMm 
neugierigen. Lauscherohr?LrlMchke"W^tte nnl selstem julig- 
fräulichen Weibe zu wechseln. Ich'.lhrek' bet.aklek. schick 
lichen Eürsachheit über.aüs geschmackvollen Dinertöilette. cr- 
schken' sie ih>N' reizender und'bezanbernder deckn je, und'Ss 
erfüllte ihn, mit brennender Eifetsucht, als cr sehen mußte, 
wie eifrig Herr de Aaucourt btnrüht war ,' ihr d'en'-Höf zu ' 
machest. Er wendete allerlei kleine Listen an, üm sie äus 
der Gruppe hinwegzutocken, die sich, üm sie und Mckg-' 
dalens gebildet hatte. Aber Herta wär ersichtlich chPrig 
geneigt, auf sechx Wünsche .einzugehen, und er müßte sich' 
gedulden, bis die Gesellschaft sich an den im Salon aufgS- i 
stellten Spieltischen niederließ. Außer einer halb .er-' 
wach'senen Cousine des Herrn de Naucourt voavttfSims 
i!>l.h..cr..iw>üiL^i.i.wZiülür.Periuurlr der^Gssellsthast, dis vor 
läufig von , einer Teilnahme an den uerschievenen Sxiel- 
partien befreit bticfczii. lind jetzt, meinte er, rönne es ih>n 
nicht an Gelegenheit fehlen, wenigstens eine kurze, ver 
stohlene'Aussprache mit den: geliebten Wesen zu haben. 
Aber auch jetzt sah cr sich schmerzlich enttäuscht. Als 
wolle sie sich damit eines Schutzes gegen seine Annäherungs 
versuchs versichern, hatie sich Herta mit der kleinen Julie. 
de.Raucourt die Bilder eines illustrierten Prachtmerkes in 
eine . Erkernische zurückgezogen, um ihr zu erklären, und 
es war dem jungen Manne unmöglich, ein Wort an sie 
zu.richten, das. das Ohr des klugen und frühreifen franzö 
sischen Backsischchens zu scheuen gehavt hätte. 
. So versuchte er denn, sein Ziel auf diplomatischen Uin- 
wegen zu erreichen, indem er sich nicht au sie, sondern an 
Julie wandte: --. , 
„Würde es Ihnen nicht Vergnügen machen, mein Fräu 
lein, ick- .der herrlichen Absndluft einen kleinen Spazier 
gang durch den. Park zu unternehmen? — Und möchten 
Sie nicht Fräulein Leuendorff fragen, ob sie mit von 
der Partie sein würde?" , . 
Fragend, aber mit glänzenden Äugen, die deutlich ver 
rieten, daß ihr weiblicher Instinkt hier etwas von einem 
geheime^ 'E"werftändirls ahnte, blickte die Angeredete 
auf die funge Gejellschaslerin. 
js Herta aber erwiderte, ohne ihre Augen zu Eberhard 
zu erheben: , 
! . „Für einen derari/gcn Spaziergang in der Mendkühle 
sind wir. beide viel zu leicht gekleidet. Und Herr von 
Rominger wird seine'Zigarre darum wohl ohne Gesellschaft 
rauchey müssen." 1 >’ ■ 
» Verdrießlich wandte sich Eberhakd ab und irat auf die 
Deräiida.hinaus. Er hegte poch immer eine leise Hass- . 
nuilg,' daß Herta sich von dem'jungen Mädchen freimachen 
und zu ihm - herauskommen würde. Aber cr . wartete 
vergebens,?, und als cf nach einer geraumen Weile den. 
Salon wie'dör^ betrat,' chortä cr sich zu seiner unange- 
nehmend Uebcrraschüntz von seinem Vater angerusetz: 
i „Magditkene 'kst^zü lcküde, um sich länger ant S>icl 
zu beteiligen.. .Lu- wirst darum die Freundlichkeit haben 
müssen, ihren Platz einzunehmen." 
i : - -i».» 
(Fortsetzung folgt.)
        
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