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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Beilage z» Nr! 160 des „Friede»«»«- Lokal-Auzeiger" 
Sonnta». dm 1«. Juli 1936. 
MW» Kl MMll- Mil Wl 
— Preis 10 Pfennig — 
au haben in der Geschäftsstelle des „Friedenauer Lokal» 
Anzeigers", Rheinsteaße fs. 
Aus der Geschichte SchSuebergs. 
Rückblicke von E. Flauger. 
(Fortsetzung.) 
VIII. 
In den Urkunden aus der Zeit des ersten Königs in 
Preußen.Friedrich I. ist^von Schöneberg wenig enthalten. 
Die Bemühungen, die Staatsdomänen in Generalpacht zu 
geben, sind zwar ersichtlich, hatten aber keinen vollen 
Erfolg. Zur Zeit Friedrich Wilhelms I. waren die Dienste 
der Bauern »ich Kossäten z. T. schon in Geld ablösbar. { 
Auf die Kinder erstreckte sich jedoch noch der Dienstzwang, 
denn wie es im Artikel 13 des Pachtkontrakts heißt: 
..sollen sie dem Pachter nmb den gewöhnlichen Lohn 
auf drei Jahre lang. im Fall sie ihre Eltern nicht selbst 
bedürfen, zu dienen schuldig sein. Während der Pachtzeit 
des Trompeters Arndt kam es zum Streit wegen des 
Dienstgeldes zwischen ihm und den Bauern. Diese hatten 
nämlich, wenn sie die Dienste nicht in natura leistetm, 
10 Thaler Dienstgeld jährlich gegeben, außerdem aber 
rwch gegen Bier und Brot des Pächters Schafe geschoren 
und seine Wiesen gemäht. Das Dienstgeld wurde 1718 
von der Amtskammer auf 12 Taler erhöht, die Bauern 
aber von persönlichen Diensten befreit. Der Pächter ver 
langte aber trotzdem, daß die Bauern seine Charlotten- 
burger Wiesen mähen sollten. Sie verlangten von Arndt 
2—3 Groschen Tagelohn dafür und bemerkten, es sei sehr 
gering gerechnet, sonsten sie ja selbst in der Erndtezeit 
5 Groschen des Tages Lohn geben müßten." Arndt wollte 
aber außer Brot und Bier nichts geben und die Schöne 
berger beschweren sich bei der Amtskammer: „Wo ist es 
möglich und in der Welt erhört, daß enervirte pauwern 
Unterthanen, als wir in der that sind, Dienste thun und 
übernehmen sollen, noch Dienstgelder abtragen können, 
maßen ja alles, was wir haben und besitzen, sehr schlecht, 
arm und gering ist, daß also höchst unbillig und vor Gott 
schwer zu verantworten sein würde, wenn man uns mit 
doppelten oneribus (Lasten) belegen und dadurch umb 
das Unsrige bringen und vollends in das größte Unglück 
stürzen wollte." Als sie trotzdem dazu gezwungen werden, 
wenden sie sich 1721 an Friedrich Wilhelm I. selbst. Schließ 
lich mußte der Pächter den Lohn nachträglich bezahlen, 
aber bei der Dienstverpflichtung blieb es noch lange. 
Im Jahre 1735 wurde für das Amt Mühlenhof das 
System der Generalpacht eingeführt; man verpachtete also 
die Vorwerke nicht mehr einzeln, zu zweien oder zu dreien 
vom Amte ans. sondern gab daS Amt, welches bis dahin 
als solches in landesherrlicher Administration gestanden 
hatte, in seinem ganzen Umfange an einen Generalpächter 
aus. Es war dies ein weiterer Schritt auf der Bahn. 
in welche der Große Kurfürst eingelenkt hatte. Dieses 
Generalpachtsystem war ein Lieblingsgedanke Friedrich 
Wilhelms I., der seine Dvmänenkammern der Verhand 
lungen mit den vielen kleinen Pächtern überhoben wissen 
wollte. Gegenüber der Amtskammer, die es gern beim 
status quo gelassen hätte, übte er solange einen Druck aus, 
bis endlich 1735 das ganze Amt Mühlenhof für 8611 
Taler, was ein Plus von mehr als 200 Talern bedeutete, 
einem Gcneralpächter gegeben wurde. In dem General 
pachtkontrakt heißt es: „es stehet dem Generalpächter frey. 
die Vorwerke hinwiederum an andere zu sublociren. jedoch 
.muß er dafür in totum haften". Für das Vorwerk Schöne 
berg hat der Generalpächter während der nächsten Jahr 
zehnte von dieser Erlaubnis Gebrauch gemacht. — 
Unter dem Soldatenkönig ist Schöneberg in die erste 
nähere Beziehung zum preußischen Heere getreten. Auf 
dem Tempelhofer Felde, das damals rwch als Ackerland 
genutzt wurde, fanden nach Einbringung der Ernte dort, 
wo die Gemarkungen der drei Dörfer Tempelhof, Rixdorf 
und Schöneberg zusammenstoßen, Paraden statt. So wurde 
dort im Jahre 1<28 vor dem Könige von Polen und Kur-- 
fürsten von Sachsen, August dem Starken, eine Revue 
der Berliner Garnison abgehalten. In der Berliner Stadt 
bibliothek befindet sich noch der Plan, nach dem die Regi 
menter aufgestellt waren. Auch Schöneberg ist darin ge 
zeichnet. Es sei hierbei erwähnt, daß August der Starke 
mit einem ganzen Convoi — wie es in einer zeitgenössischen 
Beschreibung heißt — von Weibern und Hofschranzen nach 
Berlin gekommen war, sehr zum Unbehagen des sitten 
strengen Königs von Preußen. Luise Mühlbach hat in 
einem ihrer sog. historischen Romane erwähnt, daß der 
junge Kronprinz Friedrich — der spätere große König — 
eine Liebschaft mit einer der polnischen Maitressen ange 
fangen und mit feinern Vater in ernste Differenzen deshalb 
gekommen fei. :Oas ist eine Fabel, denn Friedrich der 
Große war damals erst 15 Jahre alt. 
Als Friedrich II., der Große, 1740 den Thron bestieg, 
war die Mark noch immer spärlich bevölkert. Sein Vater 
hatte sich zrvar auch schon bemüht. Kolonisten heranzu 
ziehen, aber die Aussichten waren für dieselben zunächst 
noch wenig verlockend. Friedrich gab den Zuziehenden 
Grund und Boden. Baustoffe und Steuerfreiheit. Auch 
die Ansiedler in den Städten genossen Steuerfreiheit und 
bis zum Ende des vorigen Säkulums las man über den 
Eingängen älterer Häuser in Berlin das aus jener Zeit 
stammende „Frey-Haus". Am Ende des 18. Jahrhunderts 
betrug die Zahl der vom Ausland zugezogenen Kolonisten 
und deren Nachkommen mehr als ein Drittel der Bevöl 
kerung Preußens. 
Wenn es heute meist ökonomisch« Griinde sind. welche 
die Bewohner Böhmens zur Auswanderung veranlassen, 
so war es im 18. Jahrhundert besonders der religiöse 
Zwang und die Unterdrückung des evangelischen Glaubens, 
welche die arme., aber betriebsfleißige böhmische Bevöl 
kerung inS AuslnnS trieb. 2000 sind von Friedrich IL 
und seinem Barer in den preußischen Staaten aufgenommen 
worden. 
So entstanden in Köpenick. Rixdorf, Nowawes und 
auch in Schöneberg bosnische Kolonien. Hier ließ Ge 
neräl von Ratzow auf Befehl des Königs in den Jahren 
1750 und 1751 in dem zwischen dem heutigen Kaiser 
Wilhelmplatz und der Grunetvaldskraße bclegenen Teil der 
Hauptstraße — welcher zunächst Botanische Gartenftraße 
hieß — 20 Kolonistenhäuser auf Staatskosten erbauen. 
Diese wurden mit den hazu gehörenden Gärten von je 3 
bis 4 Morgen an 20 schon in Berlin ansässgie böhmische 
Familien erb- und eigentümlich geschenkt. Diese mußten 
sich verpflichten,' weitere 20 böhmische Familien zu verrn- 
lassen, nach Berlin überzusiedeln. 
Die böhmische Kolonie hieß „Neu-Schöneberg" und 
die Kämmereykasse in Berlin übeNvies dem böhmischen 
Schulmeister großmütig »in JahreLgeschenk von jährlich 
— 12 Kthlr. : ' ‘ ' 
Daß di« neu« Siedlung den Alt-Schönebergern ein 
Dorn im Auge war. läßt sich denken. Die 60 Morgen 
gingen ihnen von ihrer Weide verloren. Bis in die jüngste 
Zeit haben die Nachkommen der alten Bauern- und 
Kossätenfamilien mit zäher Ausdauer ihren Besitz zu be 
halten sich bemüht. An der damaligen Schiffbrücke (jetzigen 
Potsdamer Brücke) halte 1750 der Conseiller de Fran- 
cheville einen Platz, zur Anlage einer Maulbeerplantage 
erhalten. Friedrich der Große hatte sich vorgenommen, 
Seidenraupenzucht einzuführen, eine Absicht, die aber 
nicht so schnell prosperierte. Die Alt-Schöneberger pro-, 
testierten heftig gegen die Schmälerung ihrer Weideplätze. 
Sie müßten verhungern mit samt ihrem Bieh und hätten' 
— was auch der Amtsrat vom Mühlenhof, Schwechtcn, 
bestätigte — schon selbst 98 Maulbeerbäume gepflanzt und 
solche gut gepflegt. Darauf mußte Francheville die Stelle 
an der Schafbrücke wieder räumen. 
Geistliche und Schulmeister sollten sich besonders um 
die Maulbeerbaumpflauzungen kümmern und über den 
Stand derselben berichten. Di« Sache nahm einen großen 
Umfang an und die Seidenweberei in Berlin übertraf eine 
Zeitlang die Krefelder. Es sei bemerkt, daß sich im vorigen 
Jahrhundert der Verfall der Seidenindustrie mit der Durch 
führung der frei händlerischen Grundsätze im Zollverein 
entschied. Die Pflege der Maulbeerbäume ist sehr zurück 
gegangen und die Seidenraupenzucht Hai hier ganz auf 
gehört. ^ (Fortsetzung folgt.) 
OrtsnadbrichUii 
für friedenau-Sdionebtrg. 
(Nachdr^ unsrer oOriginalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
Ferienspiele und Ferienwanderungen. 
Vom 5. Juli bis 7. August d. Js. finden folgend« 
Ferienveranstaltungen statt. 
1. Ferianspiele (werktäglich von 9—12, 3—6 Uhr). 
Für größere Knaben und Mädchen auf dem Spielplatz 
an der Offenbacherstraße, für Knaben und Mädchen im 
Alter von 6—10 Jahren auf dem Spielplatz an der 
Schwabacher Straße und irn Bjrkenwäldchen, für Knaben 
und Mädchen unter 6 Jahren auf den Kinderspielplätzen 
an der Offenbacherstraße und im Birkcnwäldchen. 
2. HalbtckgswauderunMN. 
Für Kinder von 6 Jährest ab. Montags und Don- 
nerstags nach denc Schülerspielplatz Dahlem, Dienstags 
und Freitags nach Onkel Tom's Hütte, Mittwochs und 
Sonnabends nach der Alten Frscherhütte. Sammelplatz: 
SchiUerplatz, Westseite. Abmarsch! 8 Uhr morgens. Rück 
kehr: 3 Uhr nachmittags, bisweilen mit der U-Bohn. 
Verpflegung: Gesüßte Suppe und Brot 
, 3. Ganztagswanderungen. 
Für Kinder über 10 Jahren an zwei Wochentagen. 
Dienstags nach Onkel Tom's Hütte, Freitags nach der 
Alten Fischerhütte. Sammelplatz: SchiUerplatz, Ostseitr. 
Abmarsch: 8 Uhr morgens. Rückkehr 6 Uhr abends. Ver- 
pflegung: Gesüßte Suppe und Brot. Hin- und Rückfahrt 
erfolgt vorarissichtlich mit der Wannseebahn. 
o Post uust Sparprämicnanleihc. Die Ziehungslisten 
der Deutschen Spar-Prämienanleihe können hinfort bei 
sämtlichen Postanstalten, auch bei den entfertesten Post- 
hilfsstetlen auf dem Lande, unentgeltlich eingesehen wer 
den; ebenda sind sie auch zum Preise von 20 Pfg. für 
das Stück zu beziehen. 
o Zur Wohnungspolitik schreibt uns ein Freund un 
serer Zeitung: Die Wohnungspolitik hat leider ebenso 
Schiffbruch gelitten, wie die Preispolitik für die Gebrauchs 
gegenstände. Eine Wohnungsmangel-. Mieterschutz- und 
Höchstmieten-Verordnung jagt die andere; niemand weiß 
mehr. was Rechtens ist, wichtige Verfassungsgrundsätze wie 
Freizügigkeit, Vertragssreiheit und Gewährleistung des 
Privateigentums sind zu diesem Zwecke teilweise aufge 
hoben, Hauswirte und Mieter sind aufs ärgste verbittert 
und der Erfolg: Es gibt nicht genügend Wohnungen! 
Gewiß ist manches zunr Schutze der Mieter vor Aus 
beutung erreicht worden, aber das Uebel der Wohnungsiwt 
selbst ist nicht behoben, weil inan an den Wirkungen, 
nicht an den Ursachen kuriert. Schon jetzt dämmert eS 
bei den Betroffenen, daß eine hohe Miete gegenüber Ob 
dachlosigkeit immer noch das geringere Uebel ist. Wenn 
man aber die Mieten nicht künstlich derart niedrig ge 
halten hätte, würde vielleicht doch eine Bautätigkeit ein 
gesetzt haben, die nach Befriedigung des dringendsten Woh 
nungsbedarfes von selbst eine Senkung der Mieten herbei 
geführt hätte. Die Bautätigkeit sollte der Staat durch 
finanzielle Beihilfen unterstützen und sich dafür einen 
Einfluß auf die Mietshöhe in diesen Neubauten sichern. 
Damit hätte die von allen Parteien gewünschte produktive 
Arbeitslosenfürsorge sich verbinden lassen. Das Bauge 
werbe braucht soviel Nebengeivcrbe und Handwerker, daß 
eine einseitige Bevorzugung der baugewerblichen Arbeits 
losen nicht zu befürchten war. Mit Schaudern hört der 
Bürger, daß allein Preußen nach Angabe seines Finanz 
ministers völlig unproduktiv 180—200 Millionen Mark 
jährlich für die Erwerbslosenfürsorge aufwenden muß. 
Auch folgender Vorschlag sei der.Regierung empfohlen: 
Die Hebung der Bautätigkeit scheitert angeblich am Kohlen- 
ver Sotott des Millionarr. 
Roman von Florence Warden, 
lg (Nachdruck verboten.) 
„Wohl!" entgegnete der Freiherr. „Dagegen läßt 
sich nichts einwenden. Und da wir ja ohnehin mit dem 
Frühstück fertig sind. lassen die Damen uns vielleicht auf ein 
Viertelstündchen allein." ^ 
_ Ein stummes Hinüber und Herüber von Blicken hatte 
die Aussprache ersetzen müssen, nach der Herta und Eber 
hard sich in diesen schweren Augenblicken wohl gleicher- 
maßen gesehnt hatten. Aber sie hatten emander nichts- 
destoweniger ebensogut verstanden, als wenn Dutzende 
von Worten zwischen ihnen gewechselt worden waren. Es 
war eine inständige Bitte von der e.nen und ein heiliges 
Gelöbnis von der anderen Seite gewesen, und von beiden 
die Versicherung einer treuen, unwandelbaren Liebe, die 
berett war, jede Gefahr zu bestehen und jede- - auch 
ia * Äff sich di'?Tür"des'Gemaches hinter den.Fort- 
gehenden geschloffen hatte, ging Johannes Rommger ohne 
SSWMt£'"4luÄ“ m T'Ä* L "L 
,, «eit ist dich zu verloben und dich so bäld als 
möglich zu verheiraten? Und ich denke, das kann dich nicht 
w^ter überraschen.^ ^ ^ m überrascht. Und ich 
ä wa 
meiner eigenen Familie. , „ _ Vom 
Eberhard war empört über die Art, m de t . 
wurf ihm entgegengeschleudert wurde, aber 9t 9*®* h 
m ^„Bon"einem mühiggängerffchen .Leben kann dr>4- - 
HSchitens leit dem Xaae bie Bede Itfcu W-M" 
deinen au-oru^»—)e» -U>uu)u) uit Universität verlaßen 
habe. Denn auf der Hochschule habe ich meine Zeit wahr 
lich nicht verloren, sondern gearbeitet wie irgendeiner, dem 
es um ein Brotstudium zu tun ist. Eine kurze Zeit der 
Erholung nach angestrengtem Studieren aber pflegt sonst 
jeder wohlhabende Vater seinem Sohn gern zu vergönnen." 
«Möglich, daß andere eine solche Erholung für not- 
wendig oder zweckmäßig halten. Aber das karw nichts 
daran ändern, daß ich für meine Person sie als höchst 
überflüssig »der, um es mit dem richtigen Wort zu be 
zeichnen, als höchst verderblich ansehe. Ein junger und 
gesunder Müßiggänger ist für mich das widerwärtigste Ge 
schöpf unter der Sonne. Wer die Annehmlichkeiten des 
Müßigganges genießen will, der soll sie sich erst verdienen. 
Und daß davon bei dir noch nicht die Rede sein kann, 
brauche ich dir doch wohl kaum zu sagen. Ich habe es für 
richtig gehalten, daß du nach Reuyork gehst» um dich in 
meine Geschäfte einzuarbeiten und das Vermögen zu ver 
größern, das ich in der harten Arbeit eines Menschenlebens 
erworben. Aber du hast dich dessen geweigert mit der Be- 
gründung, daß du dich als für den kaufmännischen Beruf 
ungeeignet ansiehst. Wir werden uns also nach einem 
anderen passenden Beruf für dich umsehen müssen, denn 
für irgendeinen wirst du doch, wie ich hoffe, brauchbar 
sein. Natürlich hast du dabei in erster Linie auf meine 
schwer genug erkämpfte gesellschaftliche Stellung Rücksicht 
zu nehmen. Und es gibt m Anbetracht derselben für dich 
keine andere angemessene Karriere als die polittsche." 
„Die mir beinahe noch unsympathischer ist als die kauf 
männische, Vater! Ich würde so wenig jemals einen her 
vorragenden Parlamentarier abgeben als einen brauch 
baren Derwaltungsbeamten. Und ich kann außerdem unsere 
gesellschaftliche Stellung nicht für eine so außerordentlich 
bedeutende halten) daß ich um ihretwillen meinen Neigungen 
irgendwelchen lästtgen Zwang auferlegen möchte." 
Lus Johannes Rominaers Ettrn erschienen die tiefen 
Fallen aufsteigenden Unwillens. 
„Deinen Neigungen? — Das heißt, deinem Hang zur 
Faulheit und zum bequemen Lebensgenüsse I Nein. mein 
Bester, dafür wirst du bei mir allerdings niemals auf Ver 
ständnis rechnen dürfen. Und mir Redensarten, ivie ich sie 
eben gehört habe, wünsche ich ein für allemal verschont zu 
Solange du in materieller Hinsicht von mir ab 
hängig bleibst, hast du dich auch meinen Wünschen zu 
lügen. Und wenn es meine Ueberzeugung ist, daß du nur 
ourch deine Verheiratung zu einer ernsteren Lebensauffassung 
gelangen kannst, so wirst du dich eben verheiraten." 
Für einen Moment war Eberhard in Versuchung, 
deinem Vater alles zu gestehen. Aber er sagte sich sehr 
schnell, daß er für solches Geständnis schwerlich einen un 
geeigneteren Augenblick hätte wählen können als den gegen 
wärtigen. Denn eine Ehe wie die heimlich von ihm ge 
schlossene war es ia sicherlich nicht, die seinem Vater vor 
schwebte. So suchte er sich denn durch einen diplomatischen 
Ausweg zu retten, indem er sagte: 
„Ich hoffe, lieber Vater, daß du mir gestatten wirst, 
nur die Frau zu heiraten, die ich wirklich aufrichtig liebe." 
„Natürlich sollst du keine nehmen, die dir zuwider ist. 
Aber davon ist bei der Dame, die hier in Frage koinint, 
ja auch nicht die Rede. Die Komtesse Lydia Aldringen, 
die in einigen Tagen mit ihrem Vater ganz in der Nähe 
Aufenthalt nehmen wird, hat dir nach deiner eigenen, oft 
wiederholten Versicherung sogar ausnehmend gefallen, und 
du kannst in jeder Hinsicht von Glück sagen, wenn es dir 
gelingt, ihre Hand zu gewinnen. Ihr Vater ist ein Mann 
von hohem gesellschaftlichem Ansehen und weitreichendem 
Einfluß. Mit seiner Unterstützung und mit Hilfe des Ver 
mögens, das ich dir für den Fall deiner Verheiratung mit 
der Komtesse Lydia zur Verfügung stellen werde, kannst du 
mühelos eine Karriere machen, um die tausend andere 
junge Männer dich glühend beneiden würden." 
Eberhard mußte sich in der Stille seines Herzens ein- 
qestehen, daß er in der Tat noch vor wenig Monaten mit 
Freuden bereit gewesen sein würde, auf das Anerbieten 
seines Vaters einzugehen. Aber was ihm damals als höchst 
verlockend erschienen wäre, war ja heute zu einer Unmög 
lichkeit geworden, die jedes weitere Worüber diesen Gegen 
stand zu einer sinnlosen Zeitvergeudung machte. Schlimm 
nur, daß er zu seinem Vater nicht von dieser Unmöglichkeit 
sprechen durfte, daß er vielmehr nach Ausflüchten suchen 
mußte, die seiner Weigerung in Johannes Romingers 
Äugen einen Anschein von Vernunft geben konnten. Und 
doppelt schlimm, daß es ihm trotz des angestrengtest->" 
RachdenkenMoicht gelingen wollte, solche Ausflüchte zu er» 
sinnen.
        
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