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Periodical volume Nr. 160, 18.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Obstzüchter, der Obstgroß- und -kleinhändler, der ^ Ver 
braucher, der Hausfrauen, der: Konsumvereine nud der 
Presse über die Lage aus denn Obstmarkt' statt. Die Be 
sprechung hatte den Zweck. Aufklärung über die Bildung 
der heutigen Obstpreisc zu schaffen,-da diese zweifellos über 
Gebühr hoch sind, und den Weg zur-Besserung zu zeigen. 
Der Vorsitzende betonte einleitend die Notwendigkeit, die 
Preise so zu gestalten, das; möglichst alle Kreise, Erzeuger, 
Händler und Verbraucher, einigermaßen befriedigt werden. 
Die eingehende und zum Teil recht lebhaft, auch unter un 
berechtigten Angriffen auf die Presse geführte Aussprache, 
an der sich Vertreter alt der erwähnten Kreise beteiligten, 
konnte nicht zu einer restlosen Klärung der Frage führen, 
wer denn nun eigentlich das Obst übermäßig verteuere.: 
Die Verantwortung hierfür wurde von einer Stelle au^ 
die andere abgeschoben, oft unter unsachlichen Angriffen; 
auf den anderen Stand. Keiner wollte es gewesen sem. 
Immerhin wurde eine Reihe von Tatsachen mitgeteilt, die 
die Höhe der heutigen Obstpreisc verständlich, machen und 
den Beweis liesertcn. daß. es verschiedene Ursachen sind, 
die zil der Verteuerung zusammenwirken. Was Werder 
und Gransee. die Hauptgebiete des märkischen Obstbaues, 
anlangt — deren Bedeutung für die Obstversorgung Groß- 
Berlins aber in den Kreisen der Bevölkerung stark über- - 
schätzt wird —. so ist cs Tatsache, daß die Kirschenernte in 
der Mark eine Mißernte lvar. das; Johannisbeeren nicht 
eine volle Ernte gebracht haben und daß nur Stachelbeeren 
gut zu bezeichnen waren. Die Werderscheu erklärten,, bau 
sie bis jetzt fast ausschließlich von .diesen Beeren geleiu 
haben Nach den Mitteilungen eines der ersten . Fach 
männer im märkischen Obstbau. Bäckel-Gransee, kosteten die 
Johannisbeeren auf erstklassigem Boden bcr emer Voll 
ernte dem Züchter heute selbst 72.50 M. der Zentner: er 
bekomme aber nur 60 bis 70 M. DerPslücktohn betrage 
4 M. die Stunde, in zwei Stunden würden acht Pfund in- 
solge der stark gesunkenen Arbeitsleistung gepflückt. Er 
heblich tragen zur Verteuerung der Obstpreise auch die 
hohen Frachtpreise der Eisenbahn bei. Im Vorjahre kostete 
ein Waggon von Werder nach Berlin 56 M„ heute 2 <4 
Mark, dazu 120 M. Bahngeb.ühr. Die billigen Obstpreise 
der Stadt »Berlin auf den Rieselfeldern, die oft . zum Ver 
gleich angeführt werden, könnten, wie von einem Lieb- 
haberobstzüchtcr betont wurde, nicht demeutsprecheud be 
wertet werden; weil Berlin für die Pflege der Obstbäume 
keine Aufwendungen mache und durch die Verbreitung 
der Schädlinge den gesamten Obstbau der Umgegend schä 
dige. Staat und Gemeinden trügen auch ihrerseits sonst 
viel zur Verteuerung des Obstes bei; beklagt wurden die 
übermäßig hohen Pachten für Alleen usw. Hier müßte 
in erster Reihe mit dem Preisabbau begonnen werden. Der 
Großhandel erklärte, mit einer Preisspanne von. 15 bis 
20 Prozent auch heute noch zu arbeiten. Von Werder 
seien in diesem Jahre in der Tat nur 50 Prozent der vor 
jährigen Ernte gekommen. Trotzdem seien die Preise nicht 
höher als im Vorjahre, wo alles teurer war, und ent 
sprechend der Geldentwertung auch nicht höher als vor 
dem Kriege. Eine erfreuliche /-Ankündigung .wurde von 
den Großhändlern gemacht: in der nächsten Woche würden 
erhebliche Mengen Pflaumen nach Berlin komnien und 
zwar zu durchaus angemessenen Preisen. Von Seiten der 
Kleinhändler wurde auf einen lokalen Uebelstand aufmerk 
sam gemacht, dessen Abhilfe dringend nötig ist, das sind 
die Zwischenhändler, die „Nepper" in der Zentralmarkt 
halle. die das Obst vor dem zugelassenen Großhandel an 
sich reißen und übermäßig verteuerten. — Eine endgültige 
Klarstellung hat die Besprechung aber nicht gebracht. Die 
Suche nach dem „großen Unbekannten", der die Schuld 
trägt, war erfolglos. Für die Obsttencrung gilt in Ab 
wandlung des Wortes „Die Armut kommt von der 
Povertee" der Satz: Die hohen Obstpreisc kommen von der 
allgemeinen Teuerung! 
o Keiire BrMtvMtenernnig. Wie an zuständiger Stelle 
verlautet, soll trotz der vom Reichsernährungsminister 
getroffenen Höchstpreissestsctzung für Getreide aus der 
Ernte 1020, durch die eine Erhöhung des Grundpreises 
für Brotgetreide eintritt, keine Verteuerung des Brot- 
preises erfolgen, da trotz der neuen Höchstpreise der in 
ländische Gctreidepreis immer noch billiger ist, als der 
für Auslandsgetreide. 
o Wohnungsirot und Siedlungswesen. Seit fast zivei 
Jahren bemüht sich der Wohnungsverband, der erschrecken 
den Wohnungsnot ein Ende zu bereiten. Eine stattliche 
Millionensum'me ist verbraucht worden, ohne einen greif 
baren Erfolg zu zeitigen. Die wenigen.Holzhäuser, deren 
Lebensdauer sehr gering ist und die dem Reich und den 
Gemeinden Riesensummcn gekostet haben, können doch un 
möglich als Wohngelegenheiten von Dauer betrachtet wer- 
dcn. Volkswirtschaftlich falsch ist cs aber, für Notbehelfe 
solche Summen auszugeben, die nach einigen Jahren alS 
verloren gelten müssen. Inzwischen finden am grünen 
Tisch Beratungen über Beratungen statt und der Amts- 
Alt-Berlin aus „Sommerwohnung". 
Von Hanna Z u n k - F r i c d e n a u. 
fDie Teuerung im Lande, die höhen Preise der 
Eisenbahnsahrten, erschweren dem heutigen Berliner das 
Reifen in die Ferne. Und doch locht auch in diesem 
Jahr „die Lust so frisch und rein" und treibt die Sonne 
den Menschen hinaus!. Er hält nach Reisecrsatz ..Um 
schau". Das Sömmcrwohnen kommt wieder zu Ehren. 
Es war eigentlich immer recht beliebt in Berlin, und 
vor zwei Menschcnaltern zog es nicht nur den reichen, 
eleganten -Großstädter, sondern auch .den Mann des 
Mittelstandes, der cs sich irgend wie leisten konnte, ins , 
Freie hinaus. Das lvar damals leichter zu erreichen 
als in unseren Tagen. Auf dem Windmühlenberg, in 
Moabit, -in Lützow bei Charlottenburg, in der Hasen 
heide, auf dem Gesundbrunnen, überall konnte der Bür 
ger für einige Monate sein Sommerncst bauen. Schöne- 
berg, das „Milchdorf mit den guten Kartoffeln" lockte; 
Siralvw and Treptow übten durch ihre Gondelfahrten 
und Ruderboote große Anziehungskraft aus. Pankow 
hatte seine Landhäuser und ständige Besucher. 
Den (meisten Zuspruch bekam der „Tiergarten". Sein 
Baumreichtum, die schattigen Spaziergänge, die stillen ! 
Wasser, die Vergnügungslokale, in denen immer Leben 
herrschte, ,das alles sagte besonders dem Mittelstand zu. 
Und dann konnte der Vater, abends nach Geschästs- 
schluß auch bequem zu Fuß hinausgelangen. In dem 
Teste des Tiergartens, vor dem .Potsdamer Tore, zwischen 
.Kemperhof and dem Hosjäger, sind die zahlreichen Som 
merwohnungen, die in kaum merklicher Abstufung von 
fürstlichen „Villa" des reichen Handelsherrn bis - 
Heuschober des Vagabund-v. gehen. 
schimmcl wird gelegentlich angepeitscht, um nach der' ersten 
Galvppade wieder in seinen alten Nuckcltrab zu verfallen. 
Um endlich zur Tat zu greifen, ist eine Bewegung im 
Gange, Beamten und Siedlern mit bescheidenen Ansprüchen 
ein massives Eigenheim wit Stallung und Gartenland zu 
annehmbarem Preise gegen geringe Anzahlung zu de-' 
schaffen. Voraussichtlich kommt cjn westlicher Berliner 
Vorort mit guten Fährverbindungen in Betracht. Siedler, 
die sich zu einer JiiteresseNteNgruppe > zusammenschließen' 
ivöllen, erfahren Näheres von' dem ^Schriftsteller Adolf' 
Sommorseld»' Katse iaUce ■ 78, -Pfnlzburg -4206., 
whlfährtscinrichtitügen Oev' Gemeinde 
Berlin-Friedenau. 
Fruerwächr: Rathaus, Lauterstr. 19. Hinweise auf den nächsten 
Feuermelder befinden sich an den Anschlagsäulen. 
Groß-Berliner Rettungs» und Krankentransportwesen: Rettungs 
wache 44,' Jsoldestraße 2. Tag und Nacht geöffnet. Fern 
ruf Norden Rettungsamt. 
Fürsorgestcltr für Tuberkulose und Alkoholkrauke: Kaiserällee- 
Nr. 64.65, Sprechzeit Dienstag und Mittwoch 12—1 Uhr. 
Beratungsstellen für Geschlechtskranke: Schöneberg, Belziger 
Straße 13. Sprechzeit für Männer Donnerstag 7—8 Uhr 
abends; Sprechzeit für Frauen Dienstag 7— 8 Uhr abends. 
Eharlottenburg, Kirchstraße 20. Sprechzeit täglich von' 12 
bis 1 Uhr, außerdem Montag und Donnerstag von 8—9 
Uhr abends. Berlin, Am Köllnischen Park-3 in der Landes- 
Versicherungsanstalt. Sprechzeit für Männer Dienstag, 
Donnerstag, Sonnabend 7—9 Uhr abends; Sprechzeit für 
Frauen Mittwoch 7—9 Uhr abends., 
Säuglings» und Kleinkinderfürsorge und Mutterschutz: Rathaus, 
Lauterstraße 20, Erdgeschoß. Sprechzeit - Montags '8 Vs 
bis 11 Va Uhr und Donnerstags 0>/, bis 1i>/z, Uhr. 
Kindergarten: Für noch nicht schulpflichtige Kinder 2. Gemeinde- 
schule, Rheingaustraße 7< Geöffnet wochentags von 8 bis 
1 Uhr. 
Kinderhort: Für schulpflichtige Kinder 3. Gemeindeschule, Rhein- 
, gaustraße 7. Geöffnet wochentags von 2—6 Uhr nachm.. 
Berufsberatung und Lchrstcllcnvcrmittlong: Rathaus, & Stock, 
Zimmer 68. ; .. . .. 
Arbeitsnachweis und Erwerbslosenfürsorge: Niebsträße 40-41. 
Männliche Abteilung Sprechzeit 9—1 Uhr; weibliche >Ab- 
teilung Sprechzeit 9—1 Uhr und, außer Sonnabends, 4 bis 
7 Uhr. 
Amtliche Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte und Kriegshinter 
bliebene in der Bürobaracke am Maybachplatz, Eingang 
Lauter straße. 
Kriegsgefangenenheimkrhr: Rathaus, Stock, Zimmer '-86—37. 
Flüchtktngsfürsorgeftelle: Rathaus, 1. Stock, Zimmer 36—37. 
Volksküche: .Goßleestraße 15, Speisenausgabe Bon tTlVj bis 
4Vs Uhr täglich, 
RechtSauSkunstSstelke:, Rathaus, 2. Stock, Zimmer 48, Diens 
tag-und-Freitqg von 6—8 Uhr. 
Bvlksbachrrel, Albestr. 31: Bllchrrausgäbe täglich Won 5—V-,8 
-Uhr ^nachmittags, > außerdem Ztkitägs -von 11—1 -Uhr 
-mittags. ' 
„o .Dep Achitstmi-cnDlkg. Das Reichsgericht hat kürz 
lich über 'die Frage entschieden, ob auch der Arbeit-, 
nehmer verpflichtet ist, den Achtstundentag einzuhalten. In 
dem vorliegenden 'Falte wären mehrere -Arbeitnehmer, 
die freiwillig ihre Arbeitszeit auf mehr als 8 Stunden 
täglich, sobald sich die Gelegenheit dazu bot, anSgc- 
dchnt hatten, vom Landgericht Braunschweig'zu je 10 M. 
Geldstrafe verurteilt. Strafmildernd'kam in Betracht, 
daß sie die Mehrarbeit freiwillig geleistet haben. Auf 
die Revision der Angeklagten'hob'das Reichsgericht das 
Urteil auf und sprach sie kostenlos frei, - da die Vcr^ 
ordnnng, welche die achtstündige Arbeitszeit regelt, offen- 
sichtUch in der Absicht ergangen 'ist, der übermäßigen 
Ausnutzung, der Arbeitskraft der'Arbeiter vorzubeugen. 
Die Verordnung wolle also offenbar anssprechest, daß 
kein Arbeitgeber mehr als acht Stunden Arbeit von 
seinen Arbeitnehmern verlangen dürst". Der'Gesetzgeber 
sei zweifellos nicht von der Absicht geleitet, Arbeitnehmer, 
die freiwillig mehr arbeiten, in Strafe zu nähmen. 
o Bi Mac Eisorchaihststchrt für erhöln irgsbedürsti ge 
Kinder. Eine sbedeutende Fahrpreisermäßigung ist'jetzt 
für den ganzest Bereich der deutschen Reichsersenvahncu. 
den hilfsbedürftigen Stadtkindern bewilligt worden, die 
zur vorübergehendeu Unterbringung auf das Land oder 
nach dem Ausland befördert werden. Bei Benutzung "der 
dritten Wagenklasse der Eil- oder Personcitzüge wird der 
Fahrpreis ans den vierten Teil des regelrechten Fahrpreises 
vierter -Klasse ermäßigt. Dies gilt auch für die Begleit 
personen, die zur Aufsicht beigcgcbcn werden. Bei'Kin 
dern im Atter unter zehn Jahren werden zwei Kinder als 
eine Person gerechnet. 'Ein einzelnes' Kircd unter zehn 
Jahren hat ein Viertel des Fahrpreises vierter Klasse 
ohne weitere Ermäßigung zu zahlen. Wird ausnahms 
weise bei besonders schwächlichen oder erkrankten Kindern 
die Schnctlzugbenutzuirg gewährt, so wird der Schnellzugs- 
Der Aristokrat erläßt seine Einladungen, von denen 
Berlin spricht. Man weiß, daß der Kosteitpnnkt 'leine 
Rolle spielt, das; sein Treibhaus Gewächse aus Indien 
und (Amerika umschließt, die seltensten Gemüse seine 
Tafel -zieren. 
Auch der wohlhabende Kaufmann findet, das; seine 
Villa,' die 100 000 Thaler kostet, nur den Kredit er 
höht, aind die Zeitungen darüber schreiben werden. 
Gegenüber 'steht ein kleines, einstöckiges Hänschen. 
Ein Dachpappenfabrikant hat für seine Familie zwei 
Zimmer darin gemietet und einfach ausgestattet. Hin 
ter dem Hofe liegt der kleine Garten, in dem Ka"- 
tossekil. Kohl und Salat blühen. Unser dem Apfelbaum 
wird der Tisch gedeckt. Es ist 7 Uhr; der Hausherr 
kommt. Mit Schlafrock und Pantoffeln gehen ihn, Frau 
und Töchter entgegen. Und käst jeden Abend wiederholt 
sich das gleiche Gespräch: „Warum fährst du „ich mit'n 
Omnibus, Vatcrken? Et kost't je man zwce Jrosch-n 
vörckn Molkenmarkt bis hierher!" — „Nee, Ollekcn, dazu 
hab' ich zweierlei Gründe: erstlich is det Losen jesnndcr 
nn.zweitens is et billiger, nn man fährt innner besser, 
wenn man jeht!" 
Nur die lieben Verwandten, die rudelweise, gerade 
zum Essen eintreffen, stören manchmal die Behaglichkeit. 
Der Mittelstand, der nicht so glücklich ist, allein 
in einem Hänse wohnen zu 'können, sieht sich nicht so 
bequem untergebracht. 
Da .gibt es Häuser, in denen selbst iin Dezember 
der Zettel: „Hier sind Sommerwohnungen zu vermieten" 
nicht entfernt wird. Eine weise Einrichtung der Küchen 
setzt den Wirt itt'den Stand, 12 bis 15 Familien zu 
beherbergen. Jeder hat höchstens 2 Zimmer und SHirtV 
dickt beciiiander. Man „wohnt ja nur Sommer'" r 
~ -.«'«ufeitc cir-es solchen Familienhanses 
Zuschlag erhoben. Für die Reise nach Schweden und Nor-- 
((wegen wird auf der Fährstrecke Saßnitz-Hafen bis jur 
Mitte der See auf dem ziveiieu Platz nur der ackcke Teil 
de-s Fahrpreises Saßnitz-Trcllcborg dritter Krasse erhoben. 
o Rushcbüirg langfristiger Mietverträge. Das Leipziger 
Tageblatt bringt folgende beachtenswerte Ausführungen: 
‘ „Es bestehen noch eine Anzahl langfristiger Miet 
verträge, die teils noch vor dem Kriege, teils während 
des Krieges oder vor der Revolution (9. Nov. ,9l8) ge 
schlossen sind. In neueren Urteilen des Reichsgerichts, 
insbesondere Urteilen des 7. Senats vom 2. Dez. 1019, 
‘VII, 303/19 und vom 2-1. Februar 1920, VII, 413/19, 
sowie einem Urteil de-Z 1. Senats vom 10. Mai 1920, 
*1, 229/19, ist nunmehr unumwunden ausgesprochen, daß 
'Verträge, die vor dem Kriege — und ivas besonders ivich- 
rtig ist — auch Verträge, die während des Krieges, aber 
vor der Revolution geschlossen sind, nicht mehr bindend 
sind, wenn die Umstände sich inzwischen derartig ver 
ändert haben, daß dem Kontrahenten, der sich zu einer 
Naturalleistung verpflichtet hat, durch die weitere Er 
füllung ein solcher Schaden erwächst, daß ihm die lvei- 
tere Erfüllung nach Treu und Glauben nicht zugemutet 
werden kann. Das Reichsgericht macht von diesem Grund 
sätze nur eine Ausnahme, soweit der Gegenstand des 
Vertrages auf offenem Markt crhälrlich ist. Bei diesen 
letzteren Gesetzen soll der gedachte Grundsatz nur unter 
besonderen weiteren Voraussetzungen gelten. Nun sind 
namentlich seit dein Ausbruch der Revolution in der 
Tat die Verhältnisse in einer solchen Weise verändert, 
daß es nach Treu und Glauben dem Hausbesitzer nicht 
zugemutet werden kann, die vorher geschlossenen Verträge 
-werter zu erfüllen. ES siiü» die Steuern mehr als ver 
doppelt, die Ausgaben für Gas. Wasser, Elettrizilüt, Des- 
inscttion, Abfuhr, Straßen -und HauSreinignng, Schorn- 
stcinfegcrgeld ,habcn eine enorme Steigerung crsahren. 
Namentlich sind aber die Kosten für Reparaturen in 
einem unerträglichen Maße in die Höhe gegangen. Die 
Reparaturen kosten jetzt durchweg das- Zehnfache. Das' 
Haus ist dasselbe geblieben, aber die Kosten der Unter 
haltung haben sich gänzlich verändert". Die Mieter, die 
langfristige Verträge haben, sollen nunmehr leinen Vor 
zug vor solchen haben, deren Verträge viertel- oder 
halbjährlich kündbar sind. Es handelt sich doch zumeist 
bei langfristigen Verträgen »m große Wohnungen oder 
Geschüstslokale, deren Inhaber in sozialer Hinsicht so 
gestellt sind, daß sic den kleineren Mietern ein Teil 
der Lasten von den Schultern nehmen löinicn. 
o Beinr VatzcN crtrnnücn. Aus der Spree wurde, 
.gestern nachmittag am Tunnel in Stralau ’ die völlig 
unbekleidete Leiche eines unbekannten Mannes gelandet. 
Sie wurde nach der Stratäucr Leichenhalle gebracht. 
Der Unbckannie ,dcr wahrscheinlich beim Baden crirnnkc'.; 
äst, ist 1,65 Meter groß, hat dunkles Haar und ein 
-bartloses Gesicht. — Airs der Havel gelandet wurde die 
Leiche eines etwa 25 Jahre alieu Mannes, der nach 
-bei ihm vorgesundcneil Papieren ein Andreas Wilhelm 
-Bartsch aus Schöncberg zu sein scheint. 
LsrneK- $pon. 
Ä Sportfest in Fricdemru. Erstmalig ia Friede:,an veran 
staltet ! die Sport-Abteil u u q des hiesigen M ä u n'-c r -> 
'Turnvereins am morgigen Sonntag große lcichtaihleti- 
sche Wettkämpfe unter Aussicht der D. S.B s. A. 12 Vereine 
-mit über 300 Tciliichmern, darunter bclannkc Berliner Sport- 
größe», haben sich zu diese» Wettkämpfen gemeldet, und wird 
es -in den verschiedenen der 18 Konkurrenzen scharfe Kämpfe 
geben, tzlroße Felder vereinigen sich im 10«)-Meter-Vorgaüe- 
-laufen mit 51, im l-IOO-Metcr-Borgadelansei, mit 31, im 1500- 
-Metkr-Mallausen mit 20 und im 500O-Meter-Borgabclaufen 
änit 23 Teilnehmern. Besonderes Interesse werden, wie immer, 
die - verschiedenen Stasfcttcn, von denen besonders die Schwc- 
dcnstafscl' um den Wanderpreis des „Berliner Tageblattes", die 
4mak 100 Melcr-Damenstassel um den Ehrenpreis der Sport- 
Abtcikimg des M.T.B..zu Friedenau und die 4mal 100 Mc- 
.ter-M.ännerstafsel hervorzuheben wären. Auch der Dreikainpf 
llin den Wanderpreis unserer Gemeinde Berlin-Fricdcna» hat 
mit 20 Teilnehmern sehr gute Besetzung gefunden. Nicht un 
erwähnt wollen wir die Jugend- und Damenkonkurreiizen 'lassen, 
so das; erstklassiger Sport, wie. ihn Friedenau noch nicht aufzn- 
wcisen hatte, zu erwarten ist. Wir -tonnen unseren Mitbürgern 
daher nur empfehle,!, diese Veranstaltung, die- gleichzeitig eine 
Propaganda für die rührig arbeitende Sportabtciinng fein soll, 
beizuwohnen .Für jeden Friede,lauer muß dir Parole morgen 
heißen: „Auf 3111,1 Sportfest nach der Offenbacher- und La,,- 
bacher- und Fehlcrstraßen-Ecke!" — Beginn der Kämpfe -'-2 Uhr, 
der Hauptkämpfe 3 Uhr nachmittags. — Die Ehrcupreife find 
heute in unserer Geschäftsstelle allsgestellt. 
Beryll tmd Vovorte 
§n Die DrS'Äwdtz der Groß-:, SaiHschilte in No- 
wnwcs. Das Preisgericht in dem Wettbewerb für die 
Bebaiiiiug der Großen Saiidscholte lein 50 Hektar großes, 
wohnlich ein hölzerner Vorbau, und dieser durch Bänke 
und je 2 Bänke durch sine Laite, für die 12 bis 15 
Familien ju fogeuaunte Lauben geteilt. Graue Sack 
leinewand wehrt den sengenden Sonueustrahle,,. Auf 
diesen Balkönen nehmen die Leutchen ihr Mit.aqsmahl 
ein, hecheln den lieben Nachbar tüchtig durch, und uach- 
miltags sitzt Mutter und -Tochter „angethan mit roter 
Seide und mit Tüchern vom Hoaugo" kvlett, nachlässig 
mit Fächer und Soiiuciischciil hcrumsuchtclud. zur Schau'. 
Der Besuch ans der Stadt, die Herren, nie "ohne de,, 
höhen Cylinderhut, der auch Sonntags aus keiner Land 
partie fehlen darf, stehen bewundernd vor dem Te-ckter- 
men. Sehr selten besteht ein freundschaftliches Verhältnis 
zwischen den Insassen eines Hanfes. 
Die.letzte Art der Sviiimerwohnung i:n Tiergarten 
die -„.bei Mutter Grün", hat sich für' den obdaclilvserr 
Bummler noch heute, erhalten. Auch jetzt mn'vmir vor 
(50 Jahren, spart er in den Sommernächten den ObnlnS 
für Pie Schlafstelle im vffeuLlicheu Obdach. Er ist der 
treueste Tiergartenbewohncr! . 
}~Xt£TäTlld) 0S 
.1 Ein luftiges Rcichstagsüuch. Schwer genug sind dm 
Zeiten, und wenn „ns erst der Humor schlt, da,:,, ist e's ,-ocli 
'chlechter um uns bestellt. Humor muß aber vom ridjitaca Avo- 
tfjcfcr verabreicht werden. Wer lennt nicht de»,,! lustlgen -geip",er- 
Paul Haase und den fidelen Hans H y a 11. Diese beiden 
haben sich ,ctzt zusammeugetaii, um den neuen Reichstag mit'v 
die humoristische Lupe zu nehmen. Lustig nennen sie ibr bunt- 
farbiges Buch „D a s politische K a r 0 u s s e 11" IPeAna • E 
u- O. Wedel, Berlin-Friedenau, Goßlcrstr. 21. Preis 5 g's-srtl' 
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