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Periodical volume Nr. 159, 16.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Ausgabe. Auf Verlangen der Fleischverkäuser ist bis 
zu V 5 der Wochenmenge in Wurst zu entnehmen. Der. 
Preis beträgt für den amerikanischen Speck 14,60 M. 
und für die aus Auslandskram hergestellte Wurst 5,20 
Mark je Pfund. 
o Kartoffelajnimellnmg. Der Händler Richter, Süd 
westkorso 11a, gibt den Kartoffelverkaus auf. Die bei 
ihm eingetragenen Kunden entnehmen bis -auf weiteres 
ihre Kartoffeln bei Petring, Osfenbacher Str. 27. 
o DM AuKverkaufsveribot für Textilwaren vom 12. 
April 1919 ist unter dem 12. d. Mts. vom Reichs 
wirtschaftsminister aufgehoben worden. 
o SÄuMcha WohnmrgSinhaber, denen bei ihrer Ein 
tragung in unserer Wohnungssucherliste eröffnet wurde, 
ihre. Vormerkung fei zum 1. Juli 1920 zu erneuern, 
müssen bis zum 20. Juli 1920 schriftlich oder münd 
lich die Erneuerung beantragen, widrigenfalls die 
Streichung vorgenommen werden muß. 
o Die Große Berliner Stcaßeübahn teilt'mit: Die 
Gültigkeitsdauer der Sammelkarten für 8 Fahrten zu 
5 M., die laut Aufdruck mit dem 31. Juli d. Js. er 
lischt, wird bis zum 31. August d. Js. verlängert. 
o Beförderung. Herr Techn. Rat im Reichspatentamt 
Curt Weinert, hier) Ringstr. 17, Obmann des Wahl 
bezirks 1 der Deutschnationalen Volkspartei Friedenau, 
ist zum Regierungsrat ernannt worden. 
o Luxus« nnd Ilmsatzsteuer. Am 1. Juli d. Js. hat 
die erste Veranlagung der Luxussteuer begonnen, ferner 
der erhöhten Umsatzsteuer auf die Gewährung eingerich 
teter Schlaf- und Wohnräume in Gasthöfen, Pensionen 
oder Privathäusern zu vorübergehendem Aufenthalt, wenn 
daS Entgelt für den Tag oder die Uebernachtung fünf 
Mark oder mehr beträgt. Für die Betriebe der Zeitungen 
und Zeitschriften wegen der Anzcigensteuer und der Banken. 
Sparkassen und Kreditgenossenschaften wegen der Verwah 
rungssteuer erstrecken die Ausführungsbestiittmungen den 
Steuerabschnitt auf ein volles Kalenderjahr. Mt Rück 
sicht auf die Schwierigkeiten, die für die Steuerpflichtigen 
bei der Abgabe der Steuererklärung. bestehen, hat der 
Herr Reichsminifter der Finanzen die Frist für die Ab 
gabe der Steuererklärung für die Zeit vom 1. Januar 
bis 38. Juni 1920 allgemein bis zum 15. August 1920 
verlängert. Wenn dieser Zeitpunkt überschritten ist, ohne 
daß in einzelnen Fällen eine weitere Fristverlängerung 
vom Umsatzsteucramt gewährt worden ist. wird mit der 
Erhebung von Zuschlägen und der Festsetzung von Ord 
nungsstrafen vorgegangen werden. Auf die Verpflichtung 
zur Abgabe der Steuererklärung wird hingewiesen. So 
weit den Steuerpflichtigen nicht ein Formular zur Ab 
gabe der Steuererklärung zugestellt wird, ist solches heim 
Umsatzsteueramt (Rathaus 4. Stock. Zimmer 102) erhält 
lich. Aufmerksam gemacht wird auch aus die Steuerpslicht 
bestimmter Privatverkäufc. Luxussteuerpflichtig beim Ver- 
tcmf aus privater Hand sind: die Gegenstände aus Edel 
metallen, Edelsteinen und Perlen, die unechten Edelmetall- 
waren, die Gegenstände auS.Halbedelsteinen, die Gegen- 
stände aus oder in Verbindung mit Bernstein. Gagat, 
Korallen, Elfenbein, Meerschaum, Perlmutter oder Schild 
patt, sonstige Schmucksachen aller Art, .Personenfahrzeuge, 
also Autos, Wagen, Musikinstrumente, Felle und Pelz 
waren, Teppiche, Originalwerke der Plastik, Malerei und 
Graphik, also Kunstgegenstände, .Aifthgchtgjen und Sammel- 
gegcnstände. 
o Shahtschaft der! Provinz Brandenburg, Berlin 
W. 10, Viktoriastraße 20. In dem zweiten Kalender 
vierteljahr 1920 wurden aus Groß-Berlin Anträge in 
Höhe von 3 813 000 M. und aus den anderen Städten 
und Landgemeinden der Provinz Brandenburg Anträge in 
Höhe von-1 790 800 M., zusammen 5603 800 M. an 
die Stadtschaft gestellt. Zur Bewilligung gelangten Mark 
,4 451500, von denen auf Groß-Berlin 2 707 500 M. 
und auf die anderen Städte und Landgemeinden der Pro 
vinz Brandenburg 1 744 000 M. entfallen. Der Hhpo- 
theeknbestand belief sich am 30. Juni auf 41950 350 M.. 
und verteilte sich auf 1129 Darlehen (gegenüber Mark 
32 208 900 im Vorjahre, verteilt auf 1024 Darlehen). 
o Die vcrhieivatcte Lehrerin. Der preußische Minister 
für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat soeben einen 
Erlaß gezeichnet, der die Anstellungsverhältnisse verheira 
teter Lehrerinnen regelt, nachdem schon der Runderlaß 
vom 8. März d. Js. unter Aushebung aller entgegenstehen 
der Erlasse angeordnet, hatte, daß künftig in die Be 
rufungsurkunde der Lehrerinnen kein Vorbehalt mehr auf 
genommen werden dürfte, dytz im Falle ihrerVcrheira- 
. tung ihr Anstellungsverhältnis erlischt, und" daß''Lehre 
rinnen, deren Berufungsurkunde mit diesem' Vorbehalt 
„Allerdings, das darf ich nicht vergessen," stimmte der 
Freiherr zu. „Sollte vielleicht schon etwas Derartiges in 
der Luft liegen, mein liebes Fräulein?" 
Herta schüttelte den Kopf. Eberhard aber überhob sie 
der Notwendigkeit einer Erwiderung. 
„Fräulein Leuendorff wird einen Freier finden, sobald 
es sie nach einem verlangt," sagte er in einer Anwandlung 
jenes Uebermuts, den er trotz aller guten Vorsätze so schwer 
iju dämpfen vermochte. Mabel warf einen aufstachelnden 
Blick auf ihren Vater Der aber meinte lachend: 
„Sicherlich wird sie das. — Und wir müssen nur darum 
besorgt sein, daß es einer von der rechten Art ist, und daß 
sie uns nicht von irgendeinem windbeuteligen Franzosen ent 
führt wird." 
Wieder war es Eberhard, oer Antwort gab. 
„Ich fürchte kaum, daß .etwas Derartiges geschehen 
wird. Denn Sie würden wohl schwerlich einen Franzosen 
heiraten — nicht wahr, Fräulein Leuendorff?" 
Diese Art der Konversation bereitete ihm offenbar das 
lebhafteste Vergnügen, und er schien keine Ahnung davon 
zu haben, daß Herta dabei alle Qualen 'einer Gefolterten 
auszustehen hatte. Sie wäre glücklich gewesen, wenn sie 
sich in einem dunklen Winkel hätte verbergen können, statt 
alle Blicke auf sich gerichtet zu sehen — die Blicke und die 
lächelnden Gesichter der Menschen, die sie hintergangen 
hatte, und denen sie nun Stunde für Stunde eine schmäh 
liche Komödie vorspielen sollte, um eine Entdeckung dessen 
zu verhüten, was sie getan. 
Aber es gab ja nun einmal keine Möglichkeit des 
Ausweichens oder des Entfliehens, und so bot sie alles, , 
was ihr an schauspielerischer Geschicklichkeit zur Verfügung 
stand, auf, um in unbefangenem Ton zu erwidern: 
„Nein — ich glaube allerdings nicht, daß ich einen 
Franzosen heiraten würde." « 
„Das sollten Sie doch nicht mit solcher Bestimmtheit 
sagen," mischte sich Makels trockene, scharfe Stimme in das 
Gespräch. „Für ein junges Mädchen ohne Vermögen ist - 
heutzutage die Auswahl unter den Bewerbern nicht so 
-aroß, haß es sich in dieser Hinsicht den Luxus vorgefaßter 
«BMGggen gestatten dürste." 
War er in btt nächste» Wache gibt. 
Brot: 1600 Gramm und 300 Gramm Kleingebäck oder 
1900 Gramm Großbrot, 
leifch: steht noch nicht fest. 
alb fleischwürstch e nM Dvsett, Dose 8 M., in-den 
Fleischereien. , 
Butter: 20 Gramm 75 Pfennig und 70 Gramm 
Schmalz = 2.80 M., sowie auf Sonderabschnitt der 
Speisefettkarte 180 Gr. Schmalz — 7,20 M- 
Kartoffeln sind nicht eingetroffen, aber in dieser 
Woche zu erwarten. Diese gibt es wieder auf Kartossel 
karte und zwar auf Abschnitt 30 a und b pro Kopf 
2 Pfund,a bcr nur in den Geschäften, in -denen die 
Haushalts in die Kundenliste eingetragen sind. Wer, 
diese Kartoffeln nicht erhalten kann, darf in den nach-, 
Ziehenden Geschäften aus dieselben Abschnitte 250 Gr, ' 
Nudeln und 500 Gr. Erbsen oder Bohnen entnehmen. 
. Außerdem gibt es als weiteren Ersatz für alle Haus 
halte auf die Abschnitte 30 c bis e 500 Gr. Hafer 
slocken und 500 Gr. Hülsenfrüchte. Fehr, Kaiserallee 
Nr. 61; Schöning, Lauterstr.; Treuholz, Bornstr. 27; 
Ziemke, Rheinstr. 49; Meyer, Kaiserallee- 93. 
Zucker: Vom 16. bis 31. Juli */* Pfund. Ferner 
für Kinder im 1. Lebensjahre l * 1 /* Pfund, im 2. Lebens 
jahre 1 Pfund und im 3. bis 7. Lebensjahre V» Pfund 
im Monat. 
Anzumelden vom 17.—19. Juli. 
Abholung vom 27.—29, .Juli- 
Auf Groß-Berliner Lebensmittelkarte: 
Haferflvcken: 500 Gramm auf 37; Pfd. 2,70 M. 
Auf. Berlin-Frjcdencmer. Nährmitchlkarte: 
Nudeln:' 125 Gramm auf -33; Pfund 2 M. 
Backob st: 125 Gramm auf Abschn. 34, 1 Psd. 4,50 M. 
Auf Groß-Berliner Lebensmittelkarte: 
Wetzenküchenmehl: 250 Gramm auf £4, Pfund 
1,40 M. Abholung v. 21.—24. Juli. 
Kunsthonig: 1 Pfunds6,50 M., Marntelade: Pfund 
4.20 M. freihändig in den Verkaufsstellen der Gemeinde. 
P u f f b o l) n e n, 1 Psd. 2,50 Mark, Bohnen in Schweine 
fleisch, l'Dose 4 Mark, Knorr-Suppenwürfel, ein 
Stück 15 Pfg., gelbe Erbsen, Pfd. 2,50 M., weiße , 
Bohnen, Pfd. 2,50 M., freihändig in den Gemcindcver- 
kaufsstellcn., • 1 
Sonderzuw«! isüng: Gerstenmchl: 250 Gramm 
an Kinder bis zum 14. Lebensjahre zum Preise von 
2.20 M. für das Pfd., gegen Abstempelung der Nr. 16 
der Ausweiskarte in' den beiden Verkaufsstellen der 
Gemeinde. Abholung v. 19.—24. Juli. 
Levensrnittelverteilung itt Schöneverg. 
In allen durch Bekanntmachung'kenntlich gemachten 
Geschäften findet in der Zeit Von Sonnabend, den 17. 
bis Dienstag, den 20. Juli, Voranmeldung'statt für: 125 
Gramm Hafergrütze für 65 Pfg. auf Abschnirl 36 
der allgemeinen Lebensmittelkarte. 1 Beutel rote 
Grütze für 50 Pfg. und ' 1 Beutel Soßenpulver 
für 25 Pfg. oder neue Ware für 45 Pfg. auf Wschnitt 42 
der roten Schöneberger Bezugskarte. Der Abschnitt 42 
der grüne,t Schönebcrger Bczugskarte wird für verfallen 
erklärt. Der Verkauf der Ware beginnt voraussichtlich in 
12 bis 14 Tagen. Nach dem 28. August 'sind die Händler 
zur Einlösung cher Quittungsabschnitte nicht mehr ver 
pflichtet. Kartoffeln: 2 Pfund neue Kartoffeln auf 
Abschnitte 30a und b der Kartoffelkarte. Als Ersatz für 
die fehlenden Kartoffeln können auf die Abschnitte 30c—e 
der Kartofsclkarte je 100 Gramm — 300 Gramm Hafer 
flocken zum Preise von 1.56 M. in den Kolonialwarenge 
schäften von Mittwoch, den 21. bis Dienstag, den 27. 
Juli 1920,. bezogen tverden. 
Für die Entnahme von Brotkarten me hl, soweit 
vorrätig, gilt neben, der Brotkarte für die Woche vom 19. 
bis 25. Juli .der. Abschnitt 43 der roten und grünen Schöne- 
berger Bezugskartc. Für Jugendliche findet ebenfalls in 
der Zeit vom 17. bis 20. Juli in sämtlichen Kcankeu- 
ernährungsgeschäften Voranmeldung statt für 1 Dose kon 
densierte Milch für-7.80 M. auf Abschnitt 50 der 
Lebensmittelkarte für-Jugendliche. Der Verkauf der kon-- 
hensixrtm Milch findet.voraussichtlich in 12 bis 14 Tagen 
statt. 'Nach dem 28. August sind die Händler zur Ein 
lösung der Quittungsabschnitte nicht mehr.verpflichtet. . 
versehen ist, nach ihrer Verheiratung auf ihren Wunsch 
einstweilen austragswcise und widerruflich im öffentlichen 
Schuldienste weiter beschäftigt werden dürfen. In.Er 
weiterung jener Anordnung ermächtigt nunmehr der'Mi 
nister, wie den P. P. N. mitgeteilt wird, die Ncgicrnngcn 
und Provinzialschulkollcgien. falls die lctztgedachten Lehre 
rinnen nach ihrer Verheiratung weiter im Schuldienste 
izn bleiben wünschen, fortan von der ihnen auf Grund 
'jenes Vorbehaltes zustehenden Entlassungsbefugnis vor 
läufig bis auf weiteres keinen Gebrauch machen. Dies 
schließt in sich, daß die Lehrerinnen in ihrer planmäßrgcn 
Anstellung verbleiben und ihr Diensteinkommcn nur mit 
der aus dem 8 3 des Volksschullehrer-Dienstemkommen- 
gesctzes (Notgesctzes) in Verbindung mit § 3 Absatz 4 
des Bcamten-Diensteinkommengcsetzes sich ergebenden, Aen 
derung (Gewährung des Ortszuschlages an verheiratete 
weibliche Beamte nur zur Hälfte) iveiterbeziehcn. Ent 
sprechend der Verminderung des Ortszuichlages itz auch 
die nach dem Runderlaß vom 7. Mai 1920 angeordnete 
Abschlagszahlung zu kürzen. 
obh Das Siedlungs- und Wohnungswesen im neuen 
Groß-Berlin. In dem Augenblick, da die neue Stadt 
verordnetenversammlung sich anschickt, für den inneren 
Ausbau der Viermillionenstadt die grundlegenden^ Be 
schlüsse zu fassen, traten gestern auf Anregung des Heim- 
stäitcnansschusses der Gewerkschaften von Groß-Berlin und 
des Hcimstättenamts der deutschen Beamtenschaft unter 
dein Vorsitz des Geschäftsführers des Wohnungsverbandes 
Groß-Berlin, Stadtbaurats a. D. Neuster, die am^ Groß- 
Berliner Siedlungs- und Wohnungswesen beteiligten Ver 
einigungen und Wohuungspolitikcr zusammen^ um Or- 
gauisationsvorschläge der Stadtverordnetenversammlung zu 
unterbreiten. Es hatten Vertreter entsandt: sämtliche Groß- 
Berliner Gewerkschaften, die Angestelltenverbände, der 
Deutsche Beamtenbund, der Verband der Laubcnkolonisten, 
die. Mieterverbändc, die. Baugenossenschaften, der Groß- 
Berliner-eVrein für Klcinwohnungswesen, der Bund deut 
scher Architekten, und andere. Einmütigkeit bestand 
darüber, daß die Lösung der beiden großen Aufgaben 
auf diesem Gebiet im nächsten Jahrzehnt: Beseitigung 
der Wohnungsnot und des Wohnungselcnds einerseits, 
und volksfreundliche Reform des Groß-Berliner Siedl- 
luttgs- und Wohnungswesens anderseits nur mit einer 
Organisation möglich sein wird, die die vielseitigen Fragen 
des Siedlungs- und Wohnungswesens zu schlagkräftiger 
Einheitlichkeit zusammenfaßt. Nach eingehenden Bera 
tungen einigte man sich auf den nachstehenden Organi- 
saljonsplan. Die über großen Einfluß versügenden be 
teiligten Organisationen wollen bei der Stadtverordneten 
versammlung mit allem Nachdruck dafür eintreten, daß 
der Plan- verwirklicht wird, da die hinter ihnen stehende 
Bevölkerung nach durchgreifenden Taten verlangt. 
o Die polnische MjsgierMrg hat vom 1. Juli d. Js. 
ab die militärische Zensur sämtlicher in Deutschland ein 
gelieferten und nach Polen gerichteten sowie aller nach 
Deutschland abgehenden Briefsendungen angeordnet. In 
Westpolen .hat sie zunächst 3 Zensurstellen — Posen, 
Bromberg- und Thorn — eingerichtet. Erhebliche Ueber- 
knuftsverzögerungen im deutsch-polnischen Bricsverscn- 
dungsverkehre" werden infolge der Zensur-Durchführung 
uuausbleiblick» sein. 
o Dckn Fheffchverkauf wollen die Rheinländer auch auf 
heben. In der Sitzung der Ernährungskommission ir' 
Köln wurde von seiten der Stadtverwaltung bckannr 
gemacht, daß es ihr zu Ohren gekommen sei, daß von 
gewisser Seite ein Sabotageakt für die nächste Zeit ge 
plant sei,., um die gesamte behördliche Fleischbewirtschaf 
tung-mit einem 'Schlage über den Haufen zu werfen 
ünd dem freien Handel auch in Köln und Umgebung 
Eingang zu verschaffen. Aus der Versammlung hercncs 
wurde der Vermutung Raum gegeben, daß es sich nicht 
ttin einett Sabotageakt handle, sondern um ein plan 
mäßiges Vorgehen von Viehhändlerkreisen, welche die Un 
zufriedenheit der Landwirtschaft und der Metzgcrschaft 
mit dem Vorgehen der behördlichen Viehhandels-Verbände 
benutzen wollen, um auf diese. Weise die letzteren aus 
zuschalten und vöm 1. August ab die Fleischbewirtschaf- 
kicng itt eigene Hände zu nehmen, 
i o Die Amtliche Fürsorgcstelle für Kriegsbeschädigte 
Md KriegsHintcr-llcibcne in Friedenau ist nach der Reichs- 
Verordnung vom 8. 2. 19 am 1. Oktober 1919 in un 
serer Gemeinde eingerichtet worden. Sic erscheint in dem 
diesjährigen Voranschlag daher das erste Mal. Nach den 
jetzt vorliegenden Bestimmungen ist in Zukunft die Für 
sorge für Kriegsbeschädigte in erster Linie durch 
die Brandenburgij'che Hauptfürsorgestclle zu üben, der 
hierzn Reichsmittel und Mittel aus Stiftungen und Spen 
den zur Verfügung stehen. Eine Erstattung der für Kriegs 
beschädigte aus Mitteln der Kriegskvohlfahrtspflcge aufgc- 
Damit war das Thema glücklicherweise vorerst abgetan, 
und das Fxühstück verlief besser, als Herta es nach dieser 
einleitenden Konversation zu hoffe») gewagt hatte. 
Johannes Rominger, cher sich heute offenbar in aus 
nehmend guter Laune befand, bestand hartnäckig darauf, 
daß Herta ausführlichen Bericht über ihre „Reiseabenteuer" 
erstaste, und sie erzählte '.von ihren kleinen Erlebnissen 
alles, was sie eben erzählen, durfte. 
- «Tehr wohl/' meinte der Freiherr, als sie geendet. 
»Ich hoffe, daß Sie sich bei alledem gut. unterhalten haben. 
Aberrch möchte nochmals der Hoffnung Ausdruck geben, 
Ä-r ie ^ n . s "icht so bald wieder -allein lassen. Meine 
Magda ist ja wirklich ganz krank geworden vor Sehnsucht 
nach.Ihnen." 
. -Es war .kehr gütig vyn Fräulein Magdalene, meine 
Unbedeutende Person zu vermissen." 
i, ^Aber.-sie^war.nicht hie. einzig^ der Sie gefehlt-haben. 
Und wenn Eberhard jetzt heiraten wird, haben-wir ja 
niemanden mehr,, .der . uns ein bißchen Leben und Früh. 
llchkeid.ins^Haus^bringt --- niemanden außer Ihnen." , ; 
ro t a L, bas scherzhaft klingende Wort 
zwischeu die kleine Tischgesellschaft gefallen, wie eine Bombe, 
^'^verderbenbringende Explosion in her nächsten Sekunde: 
erfplgen.)nusse. Herta war totenbleich geworden biss in die 
Lippen,, ynihrend Eberhards Züge eine eigentümliche Starr- 
heit änaWommen battem, Von einer instinktiven Ahnung 
erfaßt, daß es, sich ^ hier nur um einen Anschlag seiner.Stief- 
schwester handeln könne, sah er zu Mabel hinüber, und 
das maliziöse Lächeln auf ihrem mageren Antlitz war ihm 
ein, untrüglicher.Bepieis,. daß seine Vermutung, ihn nicht 
betrogen. " 
, „Was ist das?" fragte er. gegen sie gewendet. „Eine 
Slorxei^je; Idee,, Hw in deinemGehirn entsprungen^ ist» nicht. 
, Er hatte seine Stimme bis zum Flüstern gedämpft, 
um von seinem Vater nicht verstanden zu werden, und 
Mabel war. rücksjcht-vpll gvlUg^jhm in derselben Weise zu 
antworten. 
„Kann es dich wundernehmen, wenn Papa meint.qdaß 
es an der Zeit lei. dich zu verheiraten?" 
„Er wird, wie ich hoffe, nicht unterlassen, mich vorher 
um meine. Ansicht darüber zu befragen." 
, „Was gibt es denn da zu flüstern?" fragte Johannes 
Nominger dazwischen. Und Mabel beeilte sich, ihm Aus 
kunft.zu geben,, ehe es von festen, ihres Stiefbtuders ge 
schehen konnte. 
. „Ich wollte Eberhard ggf die hübschen Pläne vorbe- 
teilen, die du in bezug auf die Komtesse Lydia mit 
ihch hast." 
„Komtesse Lydia.?" wiederholte Eberhard. „Komtesse 
Lydia Aldringeu? — Sie also ist es, mit der man mich 
phne^mei» Dorwisfen zu verheiraten gedenkt?" 
Johannes, Romiug^r runzelte die Stirn und warf 
einen inlßbiUigsnden Llick zci Mabel hinüber. In seiner 
Erwiderung., aber war jener Klang von Entschiedenheit, 
hen man in seiner Familie hinlänglich kannte und fürchtete. 
„Es ist mir nicht sehr angenehm, daß die Angelegen- 
ßeit in solcher Weise,zur Sprache gebracht wird. Aber da 
es nun einmal geschehen ist — warum sollten wir nicht 
davon reden ? — Du selbst halt während des verflossenen 
Wrnters,derartige Wünsche gehegt und ein sehr.lebhaftes 
Interesse, für die Komtesse an den Tag gelegt, du uns 
in Berlin besuchtest. Ich darf doch wohl annehmeu, daß 
Heine Enipfindungen in dieser kurzen Zeit keine Veränderung 
erfahren haben.". 
, Eb^rhaxd hatt^ unverkennbar eine . sehr ungestüme 
er im entscheidenden Augenblick' den mit angstvollem 
Flehen- ahf.ihn, gerichtete^,Augen Hertas begegnete, und 
das namenlose Bangen, das sich in diesen schönen, geliebten 
Llugen spiegelte,' brachte ihn zur Besinnung. 
'' Er, atmete, tief auf, dann — mit einer Selbstbe 
herrschung, dis ihn selber schier in Erstaunen setzte — 
sagte er: ' 
„Darauf läßt sich wohl nicht mit einem oder mit zwei 
Worten erwidern, lieber Vater. Eine Angelegenheit wie 
dj«ik. 4röte'- £0te ich denke, mit Rübe und Gründlichkeit 
*n." (Fortsetzung lolflt}
        
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