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Periodical volume Nr. 159, 16.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

(Kriedermrrer, 
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Erscheint täglich abend,. 
Kenrfprech«: «»t VMß** «*• - Dr»« nk m gu f»H. 
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«onatlich 2.7g Mark- durch Boten 
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vefchSsttflelle. ÜlQCutfTt 15. 4.— Mark. ®et»giiuinuicx 20 P g. 
»««»^rleLe^ Rheinftratze 1*. - Kerusprecher- Amt Pfalzburg 2122. 
Rr. ISS 
Aerllll-Frledeaav, Freitag,. Le» IS. Soli 1920 
Fichrg. 27 
MW» Her BMstk- and WW 
— Preis 10 Pfennig — 
ju haben in der Geschäftsstelle des „Friedenaver Lokeck» 
Anzeigers", Rheinftratze 15. 
Qev-lre Uatbritbum 
Der Flaggen-AttentSter verhaftet. 
Berlin. Hexte vormittag 11 Uhr ist. wie wir von 
zuständiger Seite erfahren, in Steglitz in der Wohnung 
seiner Eltern der Schlosserlehrling Paul Karzeniinski ver 
haftet worden, der, wie man festgestellt, vorgestern von 
dem Gebäude der französischen Botschaft am Pariser Platz 
die Trikolore herabgeholt hat. Die Ermittlungen des 
Kriminalkommissars Maskat haben auf die Spur des 
Täters geführt, der durch den Oberwachtmeister Schiller 
vom Berliner Polizeipräsidium festgenommen worden ist. 
Karzeminski wurde nach dem Berliner Polizeipräsidium ge 
bracht und wird dort gegenwärtig verhört. 
Spaa. Wie berichtet wird, haben die Alliierten in 
ihrer Antwort auf die deutschen Kohlenvorschläge folgenden 
Gegenvorschlag über die Bezahlung der Kohlen gemacht: 
Der deutsche Inlandspreis für die Kohlen wird wie bisher 
auf das Reparationskonto für Deutschland gutgeschrieben. 
Deutschland erhält ferner für jede Tonne Kohle darüber 
hinaus 5 Goldmark bar ausgezahlt oder in Form von 
Lebensmitteln für die Arbeiter geliefert. Ferner erhält 
Deutschland das Recht, für jedes gelieferte Kohlenquantum 
in der Höhe der Differenz zwischen dem Jnlandpreis und 
dem Weltmarktpreis eine Anleihe aufzunehmen. In der 
Note soll weiter gesagt sein, daß, wenn Deutschland in 
den ersten drei Monaten die jetzt übernommene Lieferungs 
pflicht von 2 Millionen Tonnen pro Monat nicht erfüllt, 
die Besetzung des Ruhrgebiets vorgenommen werden kann. 
Spaa. Die Mitglieder der deutschen Delegation 
sind mit den Sachverständigen zu einer gemeinsamen 
Beratung der Antwort zusammengetreten, die die Alliier 
ten auf die jüngsten deutschen Vorschläge überreicht haben. 
Die Sachverständigen werden gutachtlich gehört. Die For 
mulierung der endgültigen Erklärung der deutschen Dele 
gation auf die Modifikationsvorschläge der Alliierten war 
einem besonderen Kabinettsrate unter dem Vorsitze des 
Reichskanzlers vorbehalten, die sich an die Besprechung 
mit den Sachverständigen angeschlossen hat. Die deutsche 
Erklärung wird dem Rat der Alliierten, der zwischen 
11 und 1 Uhr tagt, um die Mittagsstunde überreicht 
werden. 
K o w n o. Der litauische Vertreter in Spaa meldet, 
daß dort die Frage der Anerkennung des litauischen Staates 
besprochen und in positivem Sinne gelöst worden ist. Die 
Proklamatton der Unabhängigkeit des litauischen Staates 
wird auf der Londoner Konferenz stattfinden. 
Amsterdam. Der Korrespondent der Times in 
Spaa meldet: Wie berichtet wird, hat Moskau die Be 
dingungen Lloyd Georges^ betreffend einen Waffenstill- 
stand mit Polen, mit einer Ausnahme angenommen: die 
.Sowjetregierung schlägt nämlich vor, daß die angeregte 
Konferenz nicht in London, sondern in Brest-Litowsk ab- 
gehalten' wird. 
Der Sobn des Millionär;. 
Roman von Florence Warden. 
18 (Nachdruck verdaten.) 
Die Angeredete blickte auf, und es mochte ein wenig 
Gekränktheit aus dem Ton ihrer Rede klingen, da sie er 
widerte: 
„Ick glaube kaum, daß ich in dieser Hinsicht noch mehr 
tun kann, als ich bereits getan habe. Man müßte mir 
denn geradezu befehlen, daß ich gegen den Gast Ihres 
Herrn Vaters ungezogen sei." 
O, davon ist natürlich nicht d,e Rede. Aber der 
Herr "ist in Wahrheit viel dreister, als Sie es ahnen mögen. 
Hat er doch wiederholt versucht, sich unserer Dienstboten 
für die Anknüpfung einer heimlichen Korrespondenz mit 
Ihnen zu bedienen. — Ist es nicht so, Bridget?" 
„Jawohl, gnädiges Fräulein I" 
In wachsendem Erstaunen blickte Herta aus das un- 
durchdringlich kalte Gesicht der Kammerjungfer. 
’ Wann sollte das geschehen sein?" ftagte ste lebhaft. 
Die Antwort aber kam in derselben trockenen Gemessenheit, 
die Bridaet ihr gegenüber noch immer beobachtet hatte. 
Während der letzten zwei Wochen zu wiederholten 
Malen, Fräulein Leuendorffi - Zuerst versuchte es Herr 
de Raucourt mit unseren französischen Mädchen, und dann 
versuchte er es bei mir." 
Was verlangte er von Ihnen ? 
"Er verlangte nichts, als daß ich gelegentlich 
verstohlen einen von ihm geschriebenen Brief übergeben 
sollte ^ Die französischen Mädchen hatten ,hn zum besten 
gehabt, indem sie sein Geld angenommen, seine Briefe 
aber ttotzdem nicht abgegeben hatten. Ich weiß es aus 
„Und Sie — was haben Sie ihm geantwortet 7 
"Was meine Pflicht war. Ich sagte ihm, daß ich mich 
zu derlei Dingen niemals hergeben wurde, und daß er ge 
fälligst sein Geld wie seine Briefe behalten solle. Und dann, 
wie es meine Pflicht war. erzählte ,ch es dem gnädigen 
^^Wenn ihm so viel daran lag, mir eine briefliche 
Mitteilung zu,mact)en. watnm in aller Welt bediente sich 
Ser Qebergang zum neuen Berlin. 
Die AuslSsumg der Zweckvrvdände. — Der Abbau der alten 
Gemeinden in drei Schufen. — Tagung des 
Stad (Parlaments. 
Just an demselben Tage, an dem die Groß^8erliner 
Stadtverordnetenversammlung mit der Wahl ihres Vor 
standes und der Bildung der Wahlausschüsse ihre Ge 
schäfte beginnt, hat das Ministerium des Innern die 
Ausführnngsbestimmungen zu dem Gesetz über die Bildung 
der neuen Siadtgemeinde Berlin herausgegeben, soweit 
sie die reine Gemeindeverwaltung betreffen. Die Be 
stimmungen über die Schulangelegenheiten werden vom 
Unterrichts- und Handelsministerium gesondert veröffent 
licht werden. Einleitend betonen die umfangreichen Aus- 
sührungsbestimmungen, daß die Grundlage'der Verwal 
tung Groß-Berlin die Städteordnung bildet und zwar 
bis zum Erlaß der neuen Städteordnung in der jetzt 
geltenden Form. Die StädteordnuUg und ihre Neben 
gesetze find daher zum Verständnis und zur Auslegung 
der Bestimmuugen des Gesetzes Groß-Berlin überall da 
heranzuziehen, wo nicht besondere Abweichungen von dieser 
allgemeiuen Grundlage im Gesetz selbst vorgesehen.sind. 
Ueber die erste Durchführung des Gesetzes wird im 
Anschluß an die einzelnen Paragraphen u. a. folgendes 
bestimmt: Die beteiligten drei Landkreise und die Pro 
vinz Brandenburg haben sich baldmöglichst mit dem Ma 
gistrat der neuen Stadtgemeinde Berlin in Verbindung 
zu setzen, um dem freiwilligen Uebertritt der in den 
Restverbänden überflüssig werdenden Beamten und Ange 
stellten in den Dienst Berlins nach Möglichkeit die Wege 
zu ebnen. Soweit eine sylche Uebernahme oder eine 
anderweite Beschäftigung in den Restverbänden nicht mög 
lich ist, werden die Beamten entweder einstweilen in 
den Ruhestand versetzt (soweit dies nach den Anstellungs 
bedingungen zulässig ist) oder unter Fortzahlung des Ge 
halts bis zur Beendigung des Amtsverhältnisses von den 
Geschäften einstweilen entbunden werden müssen. 
Die Geschäfte des Verbandes Groß-Berlin, soweit sie 
fortzuführen sind, sind möglichst bis zum 1. Oktober 1920 
auf die. entsprechenden Verwaltungsstellen der neuen Stadt 
gemeinde zu übertragen. Vor dem Ausbau dieser Ver 
waltungsstellen und der Uebergabe der Geschäfte an sie 
ist der Verband Groß-Berlin zu hören. Ist die Uebertra- 
gung bis zum 1. Oktober 1920 noch nicht durchgeführt, 
so haben die bisherigen Verwaltungsstellen des Verbandes 
Groß-Berlin die Geschäfte im Aufträge und nach den Wei 
sungen des Magistrate der neuen Stadt Berlin fortzu 
führen. Die sonstigen Zweckverbände, bei denen lediglich 
solche Gemeinden und Gutsbezirke beteiligt sind, die in 
das Gebiet der neuen Stadtgemeinden einbezogen sind, 
gelten gleichfalls mit dem 1. Oktober 1920 als auf 
gelöst. Das Vermögen und die Schulden, die Rechte und 
Pflichten dieser aufgelösten Zweckverbände gehen im Wege 
der Gesamtrechtsnachfolge auf die neue Stadt Berlin über. 
Der Kanalisations-Zweckverband Wilmersdorf—Schmar 
gendorf—Zehlendorf—Teltow bleibt zunächst bestehen und 
zwar in der Weise, daß an Stelle der drei erstgenann 
ten Gemeinden als deren Gesamtrechtsnachfolger in die 
neue Stadtgemeinde Berlin tritt, sodaß dieser Zweckver 
band nach dem 1. Oktober nur aus Berlin und Teltow 
besteht. Die Auflösung oder Umwandlung der sonsttgen, 
gegenwärtig noch bestehenden kommunalen Verbände, z. B- 
Herr de Rauconrt denn nicht des 'MfachStt und Nächst 
liegenden Weges, indem er seine Briefe zur Post gab?" 
Magdalene lächelte. 
„Wie es scheint, sind es gerade die einfachsten und 
Nächstliegenden Wege, auf die dies« Herren Franzosen nie 
mals verfallen," sagt« sie. 
Aber diese Erklärung hatte nicht viel Einleuchtendes 
für Herta. Sie vermutete vielmehr, daß es sich noch um 
anderes gehandelt haben müsie, als um die einfache 
Uebergabe von Briefen, für deren sichere Beförderung 
der gewandte Weltmann ohne Zweifel hundert Wetze ge 
funden haben würde. Sollte etwa eine Kunde von jenem 
nächtlichen Vorfall zu ihm gedrungen sein? Und sollte 
eine Berdächtigung ihrer Mädchenehre ihn zu dem Glauben 
verführt haben, dag es kein allzu kühnes Wagnis sein 
würde, ihr mit galanten Anträgen zu kommen? 
Don wachsender Unruhe erfüllt, suchte, sie in Mazda- 
lenens Gesicht zu lesen. Aber sie erspähte in diesem reinen, 
bleichen Gesicht nichts, das ihre Vermutungen bestätigt hätte. 
Und es hatte einen durchaus unbefangenen Klang, als 
Magdalene jetzt sagte: - V. 
•, „Es ist mir im Grunde ganz unbegreiflich, wie der 
Herr zu dem Glauben gelangen konnte, daß Sie sich in 
eine derartige heimliche Korrespondenz mit ihm einlassen 
würden, da ich doch aus eigener Wahrnehmung bezeugen 
kann, wie musterhaft Sie sich jederzeit gegen ihn be 
nommen haben. Es bleibt wohl kaum eine sandere Er 
klärung für feine Dreisttgkeit übrig als die Annahme, 
daß diese von den Frauen so sehr verwöhnten Franzosen 
eine solche Zurückhaltung für die besondere Koketterie 
deutscher Mädchen halten." 
Wieder versuchte Herta zu lächeln. 
„Jedenfalls möchte ich aufrichtig wünschen, daß Herr de 
Raucourt derartitze Narrheiten in Zukunft underließe," 
sagte sie. „Denn ich mag ihn sehr gern. Er hat so ange 
nehme Manieren, und bei seinem drolligen Deutsch ist es so 
lusfig, sich mit ihm zu unterhalten." 
So wird «« Ihnen hoffentlich gelingen, ihn an weiteren 
dummen Stteichen zu verhindern. Aber Sie müssen sich 
unter allen Umständen darauf gefaßt machen, daß er Sie 
in ein richtiges Kreuzverhör nehmen wird. Derrn es war 
dos Wohnungsverbarides, Kohlenverbandes und Lebens- 
mittelverbandes Groß-Berlin^ bei denen die neue Stadt 
gemeinde Berlin anstelle der früheren Einzelgemeinden 
tritt, muß der Vereinbarung der Beteiligten und, soweit 
diese nicht zum Ziele führt, der Entscheidung durch die 
zuständigen Reichs-, und Staatsbehörden überlassen bleiben. 
Der Abbau der bestehenden und die Einsetzung der 
neuen Gemeindekörperschaften und -organe soll Schritt für 
Schritt erfolgen, je nachdem die Selbstverwaltungs 
organe den richttgen Zeitpunkt für gekommen erachten. 
Die Durchführung des Gesetzes soll in drei Stufen er- 
folgen: die erste Stufe läuft von der Verkündung des' 
Gesetzes bis zum 1. Oktober, die zweite für jeden Ver 
waltungsbezirk vom 1. Oktober ab bis zur Einführung 
der eigentlichen Bezirksverwaltung, die dritte Stufe beginnt 
mit der Tätigkeit der beiden Bezirkskörperschaften in dem 
einzelnen Verwaltungsbezirk. Hiermit ist der Ueberganas- 
zustand abgeschlossen. 
Die erste Groß-Berliner Stadtverordnetensitzung wurde 
vom Alterspräsidenten mit einer Begrüßungsansprache er 
öffnet und dann in die Tagesordnung eingetreten. Die Ge 
schäftsordnung der bisherigen Berliner Stadtverordneten 
versammlung mit einem Abänderungsantrag wurde mit 
großer Mehrheit angenommen. Nunmehr wurde zur Wahl 
des Vorstandes geschritten. Stadtv. Zubeil (Unabh.) schlägt 
im Aufträge der U.S.P.D., der stärksten Partei im Hause, 
Dr. Weyl als Vorsteher vor und beantragt Wahl durch. 
Zuruf. Stadtv. Dove (Dem.) widerspricht jedoch und be 
antragt Wahl durch Stimmzettel. Weitere Vorschläge 
lagen nicht vor und' es erfolgte nun die Entscheidung des 
Vorschlags Dr. Weyl wegen jdes Widerspruchs durch Stimm 
zettel. Es wurden im ganzen 170 Stimmzettel abgegeben; 
22 davon waren ungültig, 148 lauteten auf Dr. Weyl, der 
dadurch zum Vorsteher mit absoluter Majorität gewählt 
wurde. Zu den drei stellvertretenden Vorstehern wurden 
dann durch Zuruf gewählt: Benecke (D. Vp), Bruns (Soz.) 
und Fabian (Dnat.). Zu Beisitzern bezw. deren Stell- 
verttetern wurden dann ebenfalls durch Zuruf gewählt 
die Stadtv. Merten (Dem.). Frau Demnig (U. Soz.), 
Frau Hoppe (Soz.), Frau Schulze (U. Soz.), Schindler 
(U. Soz.), Galle (Zeutr.), Frau. Ludwig (U. Soz.) und 
Fräulein Fromm (Dnat.). Zum Schlüsse der Sitzung 
erfolgten dann noch Kommissionswahlen, n. a. eine von 
25 Mitgliedern zur Vorbereituug der Wahl für die beiden 
Bürgermeister. 
kur ^riectenLU-Lcköneberg. 
(Nachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Stiefelverkauf. Der Verkauf der Restbestände des 
der Gemeinde überwiesenen Reick>sschuhwerks findet am 
Mittwoch, den 21. d. Mts. von 9—1 Uhr im Rathaus, 
Erdgeschoß, Zimmer Nr. 4 statt. Vorhanden sind noch 
wenige Paar Männerstiefel, Gr. 45 und 46 zum Preise 
von 175 M., und Frauenstiefel, Größe 35—42 zum 
Preise von 110 M. Lebensmittelausweis und Steuer 
karte sind vorzulegen. 
o Fleisch in Schönrberg. In der Woche vom 12. 
bis 18. Juli 1920 gelangt aus die Reichssleischkarte be 
zirksweise inländisches Frischfleisch (250 Gramm mit 
Knochen) oder amerikanischer Speck (200 Gramm) zur 
nun einmal seine felsenfeste Ueberzeugung, daß bei Ihrer 
Reise irgendeine Herzensangelegenheit im Spiele sein 
müsse. Und ich glaube fast, daß er versucht hat, Ihnen 
nachzuspüren." 
Mit einem Lächeln und einem Achselzucken ging Herta 
stumm über diese letzte Bemerkung hinweg. Aber ihr war 
nicht wohl dabei. Und schweren Herzens begleitete sie 
einige Minuten später ihre junge Herrin in das Frühstücks 
zimmer hinab, wo sie zum ersten Mal seit ihrer Heim 
kehr dem Herrn des Hauses und seiner ältesten Tochter 
gegenübertreten sollte. 
11. Kapitel. 
Bei ihrem Einttitt in das Gemach, in dem sich die 
übrigen Mitglieder der Familie bereits versainmelt hatten, 
war Herta auf das Schlimmste gefaßt. Aber keine ihrer 
Befürchtungen ging in Erfüllung. Mabel Hermann war so 
gar von einer ganz ungewohnten Freundlichkeit. Sie reichte 
ihr die Hand und sprach einige Worte des Bedauerns 
über das Unwohlsein, das Herta genötigt hatte, während 
des gestrigen Tages auf ihrem Zimmer zu bleiben. 
Johannes Rominger aber begrüßte die Gesellschafterin 
seiner Tochter mit einer Jovialität, die sie von vornherein 
darüber beruhigen mußte, daß er keinerlei Verdacht gegen 
sie hegte. Er sagte, daß die Villa ganz öde gewesen sei 
ohne sie, und daß er ihr unter keinen Umständen die 
Erlaubnis geben würde, noch einmal fortzugehen. 
So herzlich hatte er trotz aller Freundlichkeit, die er 
auch sonst in seinem Benehmen gegen sie gezeigt, noch 
niemals zu ihr gesprochen. Und Herta hätte kein Weib sein 
müssen, wenn nicht etwas, das einer unbestimmten Hoff 
nung ähnlich sah, in ihrem Herzen aufgekeimt wäre. Aber 
es war dafür gesorgt, daß diese Hoffnung rasch genug 
wieder erstickt würde. r , 
„Du darfst doch nicht vergessen, Papa," sagte Mabel, 
daß Fräulein Leuendorff draußen in der Welt -ohne 
Zweifel Menschen hat. die ihr näher stehen als wir, und 
daß sie uns unfehlbar eines Tages verlassen wird, um 
jemandem zu folgen, der bessere Rechte auf sie geltend 
machen kann, als es die mistigen sind."
        
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