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Periodical volume Nr. 158, 15.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

kleinden Groß-BerlinS noch erhebliche Ueberschüsse erzielten» 
Berlin z. B. 8,3 Millionen. Charlvttenbnrg über 5 Mill., - 
Neukölln 2,4 Mill., Lichtenberg 1,8 Mill., zusammen 19 6 
Millionen Ueberschüsse gegen nur 1,1 Millionen Zuschüsse 
bei 6 Gemeinden, stand das Jahr 1919 durchweg im Zeichen 
der Fehlbeträge: Berlin 11 Millionen, Spandau 2,2 Mill., 
Schöneberg 2,5 Mill., Neukölln wahrscheinlich 3,2 Mill. 
usw., zusammen 21,3 Millionen Fehlbetrag gegen nur 
6,6 Millionen Ueberschüsse bei 8 Gemeinden, unter denen 
Charlottenburg mit 3.6 Mill. und Lichtenberg mit 2 Mill. 
Ueberschuß an der Spitze stehen. Insgesamt erforderten 
die Werke der großen 21 Gemeinden einen Zuschuß von 
14,7 Mill. M. Die früher mit so großem Stolz gebrauchte. 
Bezeichnung „werbende Anlagen" ist wie im Reich auch 
in Groß-Berlin bei den Gas- und Elektrizitätswerken zup. 
Ironie geworden. Sie waren einst der Stolz der Ge 
meinden und sind heute im neuen Groß-Berlin mehr als 
je die Sorgenkinder der Verwaltung. - ......... 
obh Der Vorstand des Groß-Berliner Stadtparla- 
mcirts. Die Stadtverordnetenversammlung der neuen. 
Staditgemeinde Berlin wird in Ihrer zweiten -Sitzung 
heute den Vorstand wählen. Nach einer Uebereinkunft der 
Fraktionen sollen neben dem Vorsteher drei gleichberech 
tigte Stellvertreter treten. Die Unabhängigen erhalten 
als größte Fraktion nach parlcunentarischem Brauch den 
Vorsteher, für den Dr. Wehl vorgeschlagen ist. Als Stell 
vertreter dürften gewählt-werden: oie.Stadtverordneten 
Hermann (Soz.), Stadtrat Benecke (Deutsche Vp.) und der 
jetzige Wilmersdorfer Stadtverordnetenvorsteher Fabian 
(Deutschnati) Ferner sollen 4 Beisitzer und 4 Stellver 
treter in den Vorstand berufen'werden, .bei denen auch diie 
kleineren Gruppen der Stadtverordnetenversammlung be 
rücksichtigt werden können. — Für die amtliche Veröffent 
lichung der Beschlüsse der neuen Stadtverordnetenver 
sammlung soll das Gemeindeblatt der Stadt Berlin be 
stimmt werden.-. - - - » 
obh Die Polizei gegen die Verschandelung dos Erpe- 
tals. Auf Grund der von ■ uns kürzlich mitgeteilten Po 
lizeiverordnung des Nicderbarnimer Landrats, wonach bau 
liche Anlagen im Erpetal ohne vorherige Genehmigung 
nicht gestattet sind, hat die Friedrichshagener Polizeivcr- 
waltung die Niederlegung dos von einem Torsstichunter 
nehmer errichteten Holzschuppens, der ohne, bauliche Ge 
nehmigung errichtet worden war, angeordnet. Nach an 
fänglicher Weigerung ist der Abriß gestern-vollzogen wor 
den. Die Wasserpolizei wird in demselben Sinne die Be 
seitigung der Brücke über das Erpefließ anordnen. Uebcr- 
harrpt soll der gesamte Betrieb der Torsstichanlage aus. 
den Erpewiesen- auf Grunds der Polizeiverordnung zmn 
Schutze der Vorflut des Erpesließes unterbunden werden. 
Damit haben die Bestrebungen zur Erhaltung , einer der 
reizvollsten Naturschönheiten in der Umgegend Berlins 
einen vollen Erfolg - errungen. 
o KvnkmiStwrMren. In dem.-Konkursverfahren über 
den Nachlaß des am 15. Dezember 1918 in Berlin- 
Schöneberg, Regensburger Str. 6a, verstorbene» Kapell 
meisters Michael Mihaescu ist zur Abnahme der Schluß 
rechnung des Verwalters und zur Erhebung von Ein 
wendungen gegen das Schlußverzeichnis der -bei der Ver 
teilung zu berücksichtigenden Forderungen der Schlußter 
min aus den 10. August 1920, vormittags .11 Uhr, 
bestimmt. - - ... .... 
o Wicdeveimführung von Fahrpreisermäßigungen auf 
der Eifstrchahü. Die im Kriege außer Kraft; gesetzte Fahr- 
Preisermäßigung für Fahrten zu wissenschaftlichen und 
belehrenden Zwecken und zugunsten der Jugeirdpslege wird 
jetzt wieder-gewährt. 
o Nachricht durch Fernruf. Zur Ersparung von Post 
gebühren und zur -Verringerung des Schreibwerks .hat 
der Lichterfeldcr Amts- und Gemeindevorsteher, Bürger 
meister Brohm, eine vorbildliche Anordnung erlassen. Die 
Dienststellen der Amts- und Gemeindeverwaltung sind 
fortan angewiesen, zur Erledigung der Amtsgeschäfte so 
oft, wie tunlich, vom Fernsprecher Gebrauch zu machen. 
Nach Möglichkeit sollen kurze Mtteilungen an die Ein 
wohnerschaft bei vorhandenem Fernsprechanschluß in der 
Regel'telephonisch aufgegeben werden, um dadurch schneller 
ur Kenntnis der Beteiligten zu gelangen. Zur Durcl)- 
ührung dieser Anordnng werden alle Fernsprechteilneh 
mer gebeten, auf . allen Anfragen an die Gemeindeverwal 
tung etwa vorhandene Fernsprechanschlüsse anzugeben. Mit 
Rücksicht auf die erhebliche Erhöhung der - Postgebühren 
wird die Lichterfeldcr Verwaltung künftig nur noch -die 
jenigen Briefe mit Freimarken versehen, die nicht durch 
die Empfänger veranlaßt worden jind. Alle anderen Briefe 
trmmmmatmmmmmmmmrmmminm in ii i i' ggggggggBB'! 
geheimnisvollen Zettel jedenfalls noch um eine weitere- 
vermehrt worden, uitd wenn dies in den Wünschen der 
Schreiberin gelegen hatte, so hatte sie ihre Absicht jedenfalls 
auf das Vollkommenste erreicht. 
Als sie am Morgen aus kurzem, von quälenden 
Träumen erfülltem Schlummer erwachte, fiel der erste 
Blick der jungen Gesellschafterin wieder auf den rätsel- 
haften Zettel. Für einen Augenblick überlegte sie, ob sie 
ihn, wie die Schreiberin es gefordert hatte, vernichten 
solle. Aber ihre Unentschlossenheit war nur von kurzer 
Dauer. Sie verbrannte ihn nicht, sondern versteckte ihn 
an einem Platze, den sie vor Spionenaugen hinlänglich ge 
sichert glaubte. Dann kleidete sie sich an, um sich, wie 
die Pflicht es ihr gebot, ihrer jungen Herrin zur Verfügung 
zu stellen. 
Sie fand Magdalene noch bei der Toilette unter den 
Händen ihrer Kammerfrau Bridget, einer älteren Person, 
die man aus Amerika mitgebracht hatte, weil ihre Treue 
und Zuverlässigkeit sich nach Johannes Romingers Meinung 
in langjährigen Diensten hinlänglich erprobt hatte, um ihr 
für den ganzen Rest ihres Lebens einen Platz in seinem 
Haushalt zu sichern. Ihre Anhänglichkeit an Magdalene 
war denn auch außer allem Zweifel, aber Herta fand, das; 
dies auch so ziemlich die einzige angenehme Eigenschaft 
sei, die man ihr nachrühmen könne. Denn sie hatte ein » 
mürrisches, schweigsames Wesen, das niemals einen'Schluß - 
auf die Beschaffenheit ihrer Gedanken zuließ. Und die 
unge Gesellschafterin war von dem ersten Tage an-nicht- 
m ungewissen darüber gewesen, daß Bridgets Empfindungen 1 
ür sie nichts weniger als freundliche und wohlwollende -s 
eien. Es war ihr nicht schwergefallen» die Ursache zu er- t 
raten. War doch Bridget bis dahin sozusagen die einzige ' 
Vertraute ihrer leidenden jungen Gebieterin gewesen, und - 
sah sie sich doch nun von Tag zu Tag mehr aus - dieser - 
bevorzugten Stellung durch die neue Gesellschafterin ver 
drängt, zu der Magdalene - eine so herzliche Zuneigung-, 
gefaßt hatte sind die ihr nach Herkunft-und Erziehung um 
so viel näher stand als die einfache Person aus dem Volke. 
Mxx wenn Bridget wirklich von Eifersucht oder gar, von 
.Hegen Herta'erfüllt war>Zo hatt« sie. diese: Emp. 
Lmiaen doch bisher einzig -Mch^/eine gewisse strep^, ' 
werden unter „Portopflichtige Dienstsache" unfrei abge 
sandt. Zur Vermeidung des Postzuschlagcs cwpfiehlt c3 
sich daher, den Anfragen das Porto für die Antwort 
beizufügen, .... . , 
o Möbel werden billiger. Die Lager der Möbel 
fabrikanten sind voll,, daß fast nicht weiter gearbeitet 
werden kann, außerdem müssen die Möbeliabrikantcn ihren 
Abnahmeverpflichtnngen nachkommen, und es türmen sich 
bei ihnep die in der Zeit, scheinbarer Warxnnat. teuer 
gekauften Hölzer und Furniere, Farben, Stösse» Beschläge 
und Schlösser gus, >. Die..in Fachkreisen Auftauchende For 
derung, daß die deutsche Regierung bei den zu erwar 
tenden wirtschaftlichen Verhandlungen alles daran setzen 
müsse, den .Erzeugnissen der heimischem Industrie den 
Weg. .nach..Frankreich zu.erschließen,.muK.rnan..durchaus 
beistimjnen. Denn es darf..die BelieseruW Frankreichs, 
mit Möbeln»-die vom Reichswirtschaftsministerinm-gefor 
dert und gefördert werde», soll, keineswegs den Preisabbau- 
in deutschen Möbelgewerbe, der begonnen hat, unter 
brechen. Die Besitzer größerer Möbelläger machen sich 
nämlicb nur schwer mit der unabwendbaren Tatsache 
vertraut, daß jeder Preisabbau Opfer fordert. Die 
teuren Bestände können ohne Preisherabsetzungen nicht 
an den Mann gebracht tvxrben. Die Möbellieferungen 
nach Frankreich dürfen also unter keinen Umstünden das 
Ziel verfolgen, die Preise hochzuhalten, was. hier und 
dort erstrebt zu werden scheint, aber den Gesamtinteresscn 
-der deutschen Wirtschaft widersprechen würde. 
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U □ 
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&□□□□ □□□□□□ □ö.qo ab □□□□□□!□ 
o Schlofipnrkthöater zü. Steglitz. Seit im Frühjahr 
erste Kunde davon kam, daß die lang gehegten Steg 
litzer Theaterpläne feste Gestalt angenoinnien hätten und 
ihrer Verwirklichung nahe wärest, war cs still um die 
Gründung der Theatexge-ncinde Schloßpark geworden. Jetzt 
und lassen schon jetzt als gesichert erscheinen, was bis- 
gangcn sind; die Vorarbeiten sind weiter geführt worden 
erweist sich, daß die Monate seither nicht ungenutzt ver 
hex noch manchem bloßsss Projekt schien., — Für den 
Theatcrsaal, dessen Umgestaltung zu einen» allaüendlicb 
spielenden Vollthcatcr einen warm und Stimnrung gebend 
wirkenden Raum an die Stelle des von grell weißen 
Wänden umfaßten, fast quadratischen .Tanzbodens setzen 
wird und dessen bauliche Bearbeitung in den Händen 
des Herrn Regierungsbanmeister Möller vom Gemcindc- 
bauaint Steglitz liegt, hat der weit über seinen eigent 
lichen Wirkungskreis hinaus bekannte und-an den jüngsten 
Theaterumbauten in Frankfurt, a. M-, Baden-Baden usw. 
hervorragend beteiligte Maschineriedirektor. deS sächsischen 
Landestheater in Dresden, Herr. Adolf Lin neb ach, eine 
hier zum ersten Mal zu erprobende neue Form .der 
Drehbühne konstruiert, deren Einrichtung cs. bei.Vermei 
dung der Mängel bisher. üblicher Systeme , mit. ihren 
Tortenstückausschnitten gestattet, das Spiel, weit nach vorn 
auf die Vordcrbühne zu legen, die von der.jetzigen Vor 
hanglinie aufgebaut wird. Andererseits kann. hei..dieser 
Linnebach'schen Erfindung auch die volle Tiefe.'der Bühne 
bis an die äußerste Rückwand, etwa 12.Meter also,, aus 
genutzt werden. Es lassen-.sich bei.schnellsten Verwand- 
lungsmöglichkcien schlechthin alle, dekorativen. Anforderun 
gen erfüllen, die für-das Zustandekommen, künstlerisch 
hochwertiger Vorstellungen-denkbar sind., Und es.ist.von 
vornherein als ein großer Gewinn für das Steglitzer 
Theater zu bezeichnen, daß Direktor Linnebach, den an 
dere Berliner Bühnen-.vergeblich, zu gewinnen suchten, 
nicht -nur..mit diesem Bühnenentwurf.,an dem:Unterne- 
men beteiligt ist, sondern ihm alS..ständiger>.künstlerischer 
Beirat für die Gestaltung des Scenischen verpflichtet wor- 
den- ist. Indessen ist das. Szenische, wohl wichtig als 
Unterstützung des..dichterisch. Wertvollen, das cs zu ein 
dringlicher^ Wirknng.-vLrhelfM.iptt^.zM^es.Mlt. doch 
WB——Iiiiiiiii mimmmaammmMBanmmmmmmammanmnmmmtmmammKm 
berechnete Gemessenheit und Külte ihres Benehmens oder 
dupch gsfegesttlichs! Bücke,-..niemals nbek.,jn Wortem-toder 
in Handlungen offenbart».,di/e.threr untergeordneten Stellung 
unaimM-ffefl gewesen wären..- ~ 
Trotzdem fühlte Herta jedesmal, ein .gewisses.Unbe 
hagen, wenn sie, wie heule, genötigt war, sich in Bridgets 
Gegenwart mit Magdalene zu unterhalten, um so mehr 
als.-diese.,die Mnweseyhe.it ihrer. Kammerzofe niemals als 
einHindernis für vertrauliche Herzensertzichungen betrachtete. 
, -.Herzlich ftreckteMogdalene, die sich eben aqn Bridget das 
reiche blpnde . Haar bürsten ließ, der Eintretenden ihre 
Hand-entgegen. 
„SBic -hlaß Sie..noch immer nussehen, . Liebste! — 
Die Strapaze« Ihrer Reise müssen.wirklich sehr , großge- 
wespn sein„ daß. nicht, einmal die Nachtruhe ihre Folgen 
zu verwischen vermochte." 
. Herta, die sich in einen Sessel ^neben dem Toilettentisch 
niedergelassen hatte, nahm irgendemen Gegenstand von der 
Marmor-latte desselbenum. durch die., spielerische Be 
schäftigung mit ihm der Notwendigkeit überhoben zu werden, 
Magdalene ins Gesicht zu sehen. 
„Es. war recht ermüdend — in der Tat,", erwiderte 
sie. „Und ich bin darum auch sehr froh, daß ich es hinter 
mir habe." 
„Sie können nicht ftoher darüber fein, als ich. Denn 
diese Abende ohne Sie waren so langweilig. Und da ist 
noch.jemand, der eine gewaltige Freude über Ihre Rück 
kehr haben wird, Erraten Sie ryohl, we« ich meine?" 
„Nein, wahrhaftig —.ich ahne es nicht." 
„£), wenn er das. gehört hätte ! — Ich meine natür 
lich Herrn de Raucourt. Der arme, Junge.war in-heller 
Verzweiflung, als er von Zhrem iIförigehen hörten Dßnn 
er wollte sich, durchaus nicht ausreden lassen, daß hinter 
dieser Reise irgendeine Hiebesaffäre stecke und daß Sie 
niemals, zurückkehren würden." 
Herta Zählte ihre Wangen brennen. Für. sie, die über 
all die Gefahr einer Entdeckung .wiftertc, war eine „solche. 
Aeußerung ja me.hr »als, hinreichend. üm »aufK«.Ntzchi Mj 
-""-,>«^Heer von Sorgen in ihremHerzen lebenöia werden 
nur einen Teilfaktor des GcsamtkuustiverkeS dar, dessen 
Hauptwerte der Autor vom Spielleiter und _ den Dar 
stellern verwaltet wissen muß. Ueber die Kräfte, die zu 
einem festen Ensemble vereinigt werden sollen, werden 
einzelne Mitteilungen noch gemacht werden. Die Führung 
-siegt- in bewährten Händen; die künstlerische Oberleitung 
wird der bisherige Direktor des Düsseldorfer Schauspiel 
hauses, Herr Paul Hcnckels haben, mit ihm wird sich, 
vornehmlich als Dramaturg, Herr Dr. Hans Lebe de 
in hie Direktion teilen; mit anderen wertvollen Mitarbei 
te» sind. die Verhandlungen noch im Gange und sollen 
ehestens zum Abschluß komnicn. Es ist nun Sache des 
Publikums in den südwestlichen Vororten, durch seine 
Teilnahme das Unternehmen finanziell sicher zu stellen. 
Die Schwankungen in den Gchaltsforderuugen und Ma 
terialkosten, die z. B. im Lause des letzten Theater 
winters, Jnnehalticng übernommener Verpflichtungen 
mehrfach unmöglich gemacht haben, würden auch das Steg 
litzer Theater zu keiner sicheren Etataufstellung gelangen 
lassen, wenn es als reine Volksbühne oder als reines' 
Gcschäftstheater gedacht wäre. Es darf darum noch einmal 
daran erinnert werden, daß von Anfang cur die Llbsicht 
bestand, die Vorzüge beider genannten Theaterformen 
unter. Ausschaltung der ihnen anhaftenden Nachteile.zu 
vereinigen, und-den Betrieb durch die Publikumsorgani- 
satiön- einer „Theatergemeinde" sicher zu stellen, deren 
Mitglieder in erster Linie die Vorstellungen besuchen 
sollen. Geäußerten Wünschen Rechnung tragend, ist man 
darauf bedacht gewesen, den Besuchern auch die Möglichkeit 
zur Beteiligung am Aufbau ..ihres Theaters" zu geben; 
' zu dem Zweck werden Gründcranteile aufgelegt, deren- 
Zcichncr den einzuzahlenden Betrag von M. 500-— mit 
5 Prozent verzinst bekommen und außerdem ein Vor 
zugsabonnement für je zwei Plätze auf den Anteil init 50 
Prozent Ermäßigung gegen 6ie Kassenpreise beziehen. Wir 
verweisen ans die dem heutigen Blatt beiliegende Zeich- 
nungsaufsorderung und behalten uns weitere Ausführun 
gen vor.- 
o Die Sportplalast-Lichtspiele, Potsdamer Str, 72-72a, 
bringen in der Spielwoche vom 16.—22. Juli wieder 
eine größere Uraufführung, betitelt: „Ferne Welten" von 
R. M- Walter, Schauspiel in 4 Akten mit Maria Zelenka 
und Peter Arnolds in den Hauptrollen. Ferner läuft 
noch das Lustspiel „Agnes Arnau und ihre drei Fleier" 
mii.Henny Porten, Hermann Thiemig und Paul Wester 
meyer in den Hauptrollen. Beide Filmwerke zeigen ganz 
vorzügliche Aufnahmen und finden sicher den größten 
Anklang beim Publikum. Im üblichen Beiprogramm wird 
die Mesterwoche die.neuesten Tagesereignisse bringen. 
o Eine nnqnqcnchNrc Gepäckbeförderung erlebten Bade 
gäste, die von ihrer Erholungsreise zurückkehrten. Nach 
der Ankunft ans dem Bahnhof übergaben sie ihr Gepäck 
der..„B. z. B-G-" zur-Beförderung. Beim Verladender 
Gepäckstücke' stahlen Diebe den mit' dem Gepäck beladenen 
Wagen und fuhren davon. Der leere Wagen wurde später 
hier in der Mannheiiner Straße in Wilmersdorf wieder 
gefunden. Den Bestohlenen, die in Charlottenburg an 
sässig sind, wurden drei große Rohrplattenloffer mit 
Damen- und Herrengarderobe im Werte von 40 000 M. 
und eine lederne Reisetasche mit' Schmucksachen, darunter 
eine Perlenkette, Brillantnadcln sowie eine goldene Damen- 
und Hcrrenyhr - entwendet: Meldungen werden an die 
Charlottenburger Kriminalpolizei erbeten. 
'VereinS-QLGriedrsn 
)( G.P.D,, Ortsgruppe Friedenau. Freitag, den 16. Juli, 
abends .7Yz Ilhr, im Restaurant „Hohenzollern", Ha»djery-i 
strafte - 04, - ördentl. Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 
„Die Politik der ll.L-.P-D. seit dein 9. November -1918". Res.: 
Gen. Hcilttiann. 
ZssTdbrifteiii 
FSr pteft Rubrik übernrhnicn wir krtni Vrrarckwmt««^^ 
Zum Kartoffelkrica 
1,80 M, wie berichtet. Diese Kartoffeln kosten laut Schluß- 
schein und Rechnung von der Firma Plaumann, Wandel, 
Kopple ü. Eo. pro Sgck, welcher ca. 97 Pfund Inhalt 
hat, 145 M. ab Waggon Bahnhof Lehrter^ Bhf. Und 
iwuLlrtufttEhuü--^tz,.--Lruu^si.chchLtl„Verdienst. lvohl jeder 
amawmDBBwaaaa 
zu lassen., Mit äußerster Anstrengung' nur verrckochte sie 
sich zu einem Lächeln zu zwingen. 
„Ich hoffe, daß Herr de Raucourt ein für allemal von 
derartigen obknteuerlichen Vermutungen geheilt sein wird, 
wenn er mich jetzt wiedersieht," sagte sie mit dem schlecht ge 
lungenen Versuch, einen scherzenden Ton anzuschlagen.l 
Dieser Jules de Raucourt, von dem da die Rede war, 
hatte in ihren Gedanken bisher nur eine sehr untergeordnete 
Rolle gespielt. Er war ein hübscher und liebenswürdiger 
junger Mensch, der während der letzten Wochen ein häufiger 
Besucher in der Villa gewesen war. Seine angenehmen, 
einschmeichelnden Manieren, die Manieren eines in der 
besten Gesellschaft-ausgewachsenen Weltmannes, hatten ihm 
rasch die Sympathien der Familie Rominger erworben, 
aber es hatte mehr und mehr den Anschein gewonnen, als 
ob er viel weniger ihnen zuliebe als um der jungen Ge 
sellschafterin Magdalenens willen so oft erschiene. 
. In der freien, impulsiven Art des eleganten Franzosen 
hatte er gar kein Hehl aus der Bewunderung gemacht, mit 
der ihn Hertas eigenartige nordische Schönheit erfüllte, und 
wwohl Johannes Rominger wie Magdalene hatten schon 
wiederholt Veranlassung genommen, das juizge Mädchen, 
wenn auch in scherzhafter Form, vor den Huldigungen ihres 
temperamentvollen gallischen Verehrers zu warnen. Und 
der Freiherr hatte es einmal sogar nicht für überflüssig ge 
halten/sich über die Naivität mancher jungen Mädchen zu 
verbreiten, die sich durch die leichtherzigen Versprechungen' 
flatterhafter junger Lebemänner düpieren ließen, um zu 
ioöl mne zu werden, wie. töricht, sie daran getan. Sie 
Karre über diese Warnungen, deren es so wenig bedurft 
hätte,, gefacht aber sie war doch seitdem in ihrem Benehmen 
gegen den jungen Fxgnzosen doppelt vorsichtig gewesen, 
so daß selbst ein Uebermaß von Einbildung ihn nicht hätte 
verführen tjSpnep, an irgendwelches Entgegenkommen von 
ihrer Seite zu glauben. 
, Uw...so>.rnehr. mußte sich Herta überraschvftihlen, als 
Magdalene letzt, nach einem längeren SchwcMn, sagte: 
„Sie werden in Ihrem Verkehr mit 5)errnA Raucourt 
™'" sehr vorsichtig sein — sticht wahr, 'liebste 
WHetzun^ folgt.)
        
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