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Periodical volume Nr. 24, 28.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Nr. 24 
BeMll'Frledermu, Mittwoch, den 28. Favuar 1828 
Fahrg. 27 
Friedenau töiü und kKM 
setöWndig bleiben! 
„Wir müssen demonstrieren", so schreibt uns ein Leser, 
„iy allen Sälen müssen Versammlungen stattfinden und 
dann müssen wir, wie vor einem Jahre, zu Tausenden 
zum Rathause ziehen und von unserem Bürgermeister 
verlangen, daß er alles aufbietet, um unserm .Orte die 
Selbständigkeit zu erhalten." Ans diesem Schreiben und 
vielen anderen, die wir erhalten haben, tritt 'bic Bestimmte 
Forderung der Bürgerschaft hervor: Wir wollen selb 
ständig bleiben! Ja, inan glaubt sogar, unserer 
Verwaltung Vorhaltungen machen zu müssen, daß sie 
in dieser Sache nicht fest genug ausgetreten w>äre. Dem 
können wir uns allerdings nicht anschließen. Gemeinde- 
vorstand und Gemeindevertretung haben nichts unversucht 
gelassen, um die Selbständigkeit Friedenaus und damit 
die berechtigten Interessen unserer Bevölkerung zu wahren. 
Herr Bürgermeister Walger hat im Untevausschuß Groß 
berlin in längerer Rede persönlich sehr lebhaft gefordert, 
daß Friedenau selbständiger Bezirk bleiben soll. Denn 
er wußte ja, daß er mit diesem Eintreten die überwiegende 
Mehrheit der Bürgerschaft hinter sich hatte. Wir wollen 
die Selbständigkeit Friedenaus erhalten, so lautet die For 
derung der Bürgerschait. Dafür gelten als Beweis auch 
die Andeutungen der Redner in den Volksversammlungen 
vor der Abstimmung. Nur durch die falsche Fragestellung 
bei der Volksabstimmung, die durch die Tatsache bedingt 
wurde, daß auf Grund des vorgelegten Gesetzentwurfes 
allgemein angenommen werden mußte, daß Friedenau un 
bedingt verschwinden sollte, kam dieses unrichtige Er 
gebnis bei der Volksabstimmung zu Stande. Hätte man 
gefragt: Selbständigkeit oder Anschluß an einen Nachbar- 
ort? so wären alle Einwohner wohl mehr oder weniger 
für die Erhaltung Friedenaus eingetreten. Aber noch ist 
es nicht zu spät. Wie wir wissen, findet im Großberliner 
Ausschuß noch eine zweite Lesung statt. Zu dieser 
muß die neue Forderung unserer Bürgerschaft vor 
liegen und unsere Verwaltung muß dafür sorgen, daß 
jeder Abgeordnete des Ausschusses und der Landesversamm 
lung mehrfach diese Forderung schriftlich und mündlich 
erhält. 
Gegen damals —bei der Volksabstimmung — haben 
sich die Verhältnisse wesentlich geändert. 
Denn 1. hat man im Norden Groß-Berlins die kleinen 
Bezirke Pankow und Weißensee geschaffen. Und warum 
soll Friedenau gegenüber diesen Bezirken schlechter gestellt 
werden? 2. aber besteht auch in den kleineren Bezirken 
jetzt die Möglichkeit der Verhältniswahl bei den Bezirks- 
verordneten. Denn Friedenau hätte 15 Bezirksverordnete 
zu wählen. 
So kann also Friedenau auch als selbständiger Be 
zirk bestehen bleiben. Hierfür sprechen auch viele ideale 
Gründe. Die Geschichte Friedenaus, seine G-ündung und 
Weiterentwicklung, ist mit seiner Selbste" ■ ' '' unbedingt 
verknüpft. Es stellt in seiner Abgeschlo i : . in seinem 
besonderen Charakter gewissermaßen ein. „Jvre" dar und 
ist mit seinem ausgeprägten Antlitz vielen Tausenden eine 
wirkliche Heimat geworden, ähnlich wie ein Städtchen in 
einem schönen Winkel unseres deutschen Vaterlandes. Zer 
stört inan die kommunale Selbständigkeit, so zerreißt man 
gewaltsam das Band, das Verwaltung und Bürgerschaft 
seit vi-st"i Jahren zu gemeinsamer, segensreicher Arbeit 
umschlingt D nn Friedenau hat in dieser gemeinsamen 
Arbeit, in de. urost, die dem Bürgertum-zur Förderung 
seiner ideellen und praktischen Interessen innewohnt, im 
edlen Wettbewerb der Vorortgemeinden nur bestes Ze- 
schaffen und seinen Platz behauptet. 
—— »» uw— 
Zwei Cesiamciiie. 
Roman von F. Stolze. 
8S) «Nachdruck verboten) 
Ms sie schwieg und ihn nur mit einem laugen, 
forschenden Blicke musterte, fuhr er fort: 
„Ich hörte das laute Geschrei der Jungfrauen, die zur 
Quelle gingen. Sie machen ja immer viel Lärm. So 
aber war es noch nie. Es muß etwas ganz Besonderes 
geschehen sein. Ist etwa dein Vater mit seinen Leuten 
von seinem Ritte nach BändärAbbas schon zurückgekommen? 
Ich glaubte, er würde mindestens noch zwei Wochen länger 
dazu brauchen." . v „ 
„Er wird nicht vor drei Wochen wieder hier eintreffen * 
entgegnete sie in dumpfeni Tone, „falls nicht etwas ganz 
Besonderes geschieht, was Allah verhüten möge." 
Der schlevpende Ton ihrer Stimme fiel Werner auf. 
Er sah sie prüfend an und bemerkte den starren Blick ihrer 
Augen, der sonst immer so freundlich gewesen war. 
„Was ist dir, Suleika?" rief er. „Was fürchtest du?" 
„Daß man meinem Vater einen Boten nachsendet, und 
daß er schleunigst zurückkehrt." 
„Aber weshalb fürchtest du das?" 
„Weil er uns beide töten lassen wird, wenn es uns nicht 
vorher gelingt zu entfliehen." 
Er sah sie verständnislos an und rief: 
„Uns beide töten? Aber, mein Gott, weshalb denn?* 
„Weil die Mädchen alles entdeckt haben." 
„Entdeckt? Du sprichst in Rätseln!" 
Sie atmete tief und schwer auf. Dann flüsterte sie 
plötzlich: 
„Ich muß dir alles sagen. Geh in dein Zell, ganz 
langsam und ruhig. In einer Stunde bringe ich dir das 
Nahar (Frühstück), und dann wirst du erfahren, was dich 
und mich bedroht. Bis dahin nimm dich zusammen. Fall» 
jtioff iOicJoi Zelt, rpnunt^ laL dir nichts aoteo. Und 
-kber auch praktische Gründe lassen es angezeigt xr- 
schei.cen, unserm Orte die Selbständigkeit zu belassen. 
Die Reichssinanzreform läßt es nicht mehr als nötig 
erscheinen, besser gestellte Gemeinden zugunsten schlechter 
gestellter Gemeinden aufzulösen und deren Selbständigkeit 
zu zerstören, weil ja die Steuerverteiluug künftig vom Reiche 
stattfindet. Es wird den Gemeinden in Zukunft verwehrt 
sein, Zuschläge zu der Rcichseinkomiuensteuer zu erheben. 
Durch diese Maßnahme wird von vornherein einer Steuer- 
[ flucht wohlhabender Steuerzahler aus einer ärmeren Fa- 
* brikarbeitergcmeinde, in der sie ihr Vermögen und hohes | 
Einkommen erworben haben, in eine gutgestellte Gemeinde 
mit weitaus geringeren Zuschlügen ein Riegel borgen 
schoben. Von allen Kreisen, die nicht auf die Schaffung 
eines Groß-Berlin unter allen Umständen eingeschworen 
sind, wird deshalb in letzter Stunde erneut die Frage 
ausgeworfen, ob es überhaupt einen Sinn hat, jetzt noch 
ein Groß-Berlin, dem doch nicht unerhebliche Bedenken 
entgegenstehen, zu schaffen, nachdem die hauptsächlichste 
Veranlassung dazu fortgefallen ist. Friedenau hat, ivie 
schon gesagt, als selbständiger Vorort im Wettbewerbe der 
Nachbarn gut bestanden, es hat seine Aufgaben erfüllt 
und kann nun wohl auch beanspruchen, daß es seine N e st- 
aufgabe nach eigener Entscheidung lost. Durch sein 
abgerundetes Weichbild, seine klaren, geraden Grenzen, 
kommt es mit seinen Nachbarn nicht in Streit. Sehr 
wesentlich aber ist das Fortbestehen der Selbständigkeit 
des Ortes für die Uebergangszeit in der Neugestaltung 
Grvßberlins. Mit der Erhaltung der alten Gemeinde 
körperschaften, die mit den Verhältnissen vertraut sind, 
wird somit auch denn zukünftigen Groß-Berlin gedient. 
Der Großberliner Ausschuß hat sich ferner auf die 
Spielplätze berufen. Nun, Wilmersdorf wird die Spiel 
plätze so oder so schassen, genau so wie Schöneberg iw 
Südgelände, in unmittelbarer Nähe Friedenaus, große 
Spielplätze anlegt. Im Orte selbst können weitere Spiel 
plätze doch nicht mehr geschaffen werden. Das ist aber 
vielleicht auch garnicht sv notwendig. Besitzen wir doch 
drei sehr schöne gut angelegte Sport-, Turn- und Spiele 
Plätze. _ 
Wie wir schon gestern sagten, ist es für unsere 
Bürgerschaft sehr wesentlich, ob sie ihre Verwaltung hier 
oder in einer wetteren Entfernung hat. Der Bürger 
kann verlangen, daß ihm sein Friedenauer Rathans als 
der nahegelegene Mittelpunkt imd Sitz der Verwaltung 
bleibt. Und darum hat die Bürgerschaft in der.Frage 
Großberlin und in der Schicksalsfrage für Friedenau 
immer nur die eine Forderung: Friedenau muß selbstän 
dig bleibe«; 
OrtsnachrtchieD 
iNachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Tie Zuständigkeit der Groß-Berlincr Bezirke. Ter 
Groß-Berliuer Ausschuß der Laudesvcrsammlung behan 
delte in seiner gestrigen Sitzung die entscheidende Frage 
der Dezentralisation, der Zuständigkeiten der Verwaltungs 
bezirke und erörterte die §§ 21—27 über die Bezirkst 
Versammlungen, die Bezirksämter und die Ortsbczirte. 
Die Sozialdemokraten vertraten den Standpunkt, daß d»e 
Abgrenzung der Zuständigkeiten dem künftigen Ortsstatitt 
überlassen werden müsse, was auch die Regierungsver 
treter befürlvorten, während auf der anderen Seite die im 
Gesetzentwurf selbst durchgeführte Auffassung betont wurde, 
den Bezirken geivisse Mindestzuständigkeiten zu übertragen. 
Die weitere Beratung der Frage wurde einem Unteraus 
schuß überwiesen, der heute zusammentritt. 
o Verteilung der zuziehenden Familien ans Groß- 
Berlin. Im letzten Vierteljahr 19 i 9 sind nach Groß- 
noch das, schließe die Vorhänge ganz uiiD tu, als ob uu 
schliefest." 
Sie wendete ihm den Rücken und verschwand in ihrem 
Zelt. Er fühlte sich sonderbar bewegt. Während er langsam 
dem seinen zuschritt, klopfte ihm das Herz zum Zerspringen. 
Aber es war nicht Furcht vor dem ihm nach den Worten 
Suleikas drohendenTode, sondern ein ahnungsvolles Grauen 
vor einem ungewissen Etwas. 
Unruhig wälzte er sich auf seinem Lager hin und her. 
Die Minuten wurden ihm zu Stunden, und er atmete er 
leichtert auf, als die Zeltwand endlich zurückgeschlagen 
wurde. Aber wie fühlte er sich enttäuscht, als an Stelle 
von Suleikas hoher Gestalt deren untersetzte alte Amme 
mit dem Rahar eintrat, ihn mit geschwätziger, weithin 
tönender Stinime begrüßte und ihm „im Aufträge ihrer 
Herrin" wie gewöhnlich das Frühstück ankündigte. 
Schon wollte er nach Suleika fragen, als die Alte den 
Finger an den Mund legte und ihm geheimnisvoll zu 
flüsterte. daß ihre Herrin sich unbemerkt von der Rückseite 
ins Zelt schleichen werde, daß sie, die Amme, den vorderen 
Eingang überwachen und jede nahende Gefahr durch lautes 
Singen ankünden werde. Dann schritt sie hinaus, wünschte 
von draußen dem Fremdling noch einmal eine gesegnete 
Mahlzeit mit guter nachfolgender Ruhe und verschloß die 
Zeltöffnung fest. 
Werner saß erwartungsvoll auf seinem Lager und 
lauschte. Es überlief ihn bald kalt, bald heiß. Da hörte 
er ein leises Rauschen, und als er sich rückwärts wendete, 
fühlte er sich plötzlich von zwei weichen Armen umschlungen, 
ein heißer Mund preßte sich auf den seinen und zärtliches 
Liedesgeflüster schlug an sein Ohr. Er wollte sich losreißen, 
aber er vermochte es nicht. Wie willenlos lag er in der 
Umarmung des schönen Mädchens. 
Als der erste Sturm vorüber war, siüsterte sie: 
„Jetzt, Sahib, weißt du. weshalb wir fliehen müssen. 
Die Mädchen haben entdeckt, daß wir uns lieben, und 
LLbelT.es mir laut BcrslgjDorlen. Morgen ^rüd Wird der. 
Berlin über 6600 Familien zugezogen. Der tägliche Zu 
zug betrug also 85 Familien. Der Wohnungsverband 
hat diese auf die einzelnen Gemeinden zur Unterbringung 
nach einem Schlüssel verteilt, der aus der Zahl der "Ein 
wohner und der Zahl der größeren Wohnungen mit fünf 
und mehr Zimmern gebildet ist. Danach kamen z. B. 
ans Berlin etwa 2600, Charlvttenburg. 850, Schöneberg 
520, Wilmersdorf 540, Neukölln 200 usw. Auf diese 
Weise sind die früheren Mißstände, die sich aus dem 
ungleichmäßigen Andrang der Zuziehenden nach einzelnen 
Gemeinden ergaben, beseitigt. Leider hat der Zuzug der 
Flüchtlinge aus dem Osten immer noch nicht nachgelassen 
und beträgt zurzeit an manchen Tagen wieder über 100 
Familien. Wie wir hören, soll der Zuzug von Auslän 
dern nach Berlin künftig verboten werden. 
o Veranlagung der Kriegsabgabe vom VcrmögenS- 
zuwachse. Auf Grund des § 22 Abs. 1 des Gesetzes über 
eine Kriegsabgabe vom Vermögenszuwachse werden alle 
Personen, deren Vermögen sich seit dem 1. Januar 1914 
bis 30. Juni 1919 um mindestens 6000 M. erhöht hat, im 
Bezirke des Finanzamtes aufgefordert, ihre Steuererklä 
rung nach dem vorgeschriebenen Formular in der Zeit 
vom 30. Januar 1920 bis 14. Februar 1920 schrift 
lich oder mündlich vor dem Finanzamt in Steglitz, Rotben- 
burgstraße 16, abzugeben und hierbei zu versichern, daß 
die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht 
sind, lieber sämtliche Pukskte des Vordrucks ist eine Er 
klärung abzugeben. Nichtzutreffendes ist zu durchstreichen. 
Wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben in 
der Steuererklärung sind in den §§ 27, 28 des Gesetzes 
über eine Kricgsabgabe vom Vermögcnszuwachs mit Geld 
strafen und gegebenenfalls mit Gefängnisstrafe bis zu 
fünf Jahren und mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte 
bedroht. Die Prüfung, was steuerpflichtig ist und was 
nicht, steht dem Finanzamt, nicht dem Abgabepflichtigen zu. 
Die Einsendung schriftlicher Erklärungen durch die Post 
ist zulässig, geschieht aber ans Gefahr des Absenders und 
deshalb zweckmäßig, mittels Einschreibebriefs. 
v Auf der Straßen-ätzn-Linie 59 wird vom l. Fe 
bruar ab eine geringfügige Betriebseinschränkung durch 
geführt. Näheres ist aus den Aushängen im Wagen zu 
ersehen. 
o Tie neuen Bierprcise. Tie PrciZprüfimgssiclle Groß- 
Berlin hat dem Antrage der Interessenten enisvrcchend 
die von uns schon mitgeteilten hohen Preise für Bier- 
aus Berlin und der Provinz Brandenburg in Gastwirt- 
schatten, und zwar für Klasse 1 höchstens 1,60 M., für 
Klasse 2 höchstens 2,40 M., für Klasse 3 höchstens 3 M. 
für angemessen erklärt. Bei Abgabe kleinerer Mengen 
dürfen die nicht durch fünf teilbaren Beträge nach oben 
abgerundet werden. Bei auswärtigen Bieren kann ein Zu 
schlag von höchstens 60 Prozent zu den vorstehenden 
Preisen genommen werden. 
v Jahresjagdscl^lne haben folgende Friedenauer Jäger- 
gelöst: Spahn, Dipl.-Ingenieur: Kuntze, Kaufmann; Mie 
rendorff, Schauspieler: Vogel, Rechnungsrat; Oden, Kauf 
mann; Knauf, Taubstummenlehrer; Fath, Oberleutnant: 
Krüger, Oberintendantnrsekrctär; Krabß, Kansm.; Hoher, 
Kaufm; Maetzkc, Kaufmann; Bethge, Privatier; Amcnde, 
Generalagent; Nitschke, Geheimer Rechnungsrat. 
o Tie Schulgemeinde. Ein Kreis von Groß-Berliuer 
Schulgemeinde-Leitern beruft zum Zwecke der Propaganda 
für die Idee der Schulgemeinde eine öffentliche Versamm 
lung ein, zu der alle Interessenten ans Sonnabend, den 
31. Jan., nachmittags 4 Uhr» in den großen Saal des 
Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, Potsdamer- 
straße 120. eingeladen werden. Den einleitenden Vor 
trag bä t Oberlehrer Dr. Borghorst. Tann berichten über 
ihre Erfahrungen: Oberlehrer Reintges, Professor Schmidt, 
lebe Woche zu meinem Vater gesendete reitende Bote an 
brechen. Man wild ihm einen Brief mitgeben, in welcheni 
man ihm mitteilt, was heute geschehen ist, und dann wird 
er kommen, um zu richten! Wir müssen eilen, ihm zu enr- 
kommen." 
„O, Suleika," entgegnete Werner mit unterdrückter 
Stimme, „was hast du getan? Noch vor einer Stunde 
wußte ich nichts von deiner Liebe. Es wäre besser fnr 
uns beide gewesen, wenn ich nie davon erfahren Hütte. 
Denn was soll, wenn wir fliehen, aus dir werden, selbst 
wenn wir glücklich einkommen?" 
„Ich werde deine Frau sein," erwiderte sie in zuver 
sichtlichem Ton. 
„0, du Aermste," klagte er leise, „siehst du diesen 
Ring hier an meinem Finger?" 
Sie nickte, und er fuhr fort: 
„Er bedeutet, daß ich bereits ein Weib habe!" 
„Was schadet das?" entgegnete sic leicht. „Ich werde 
dein zweites Weib sein, und ou wirst mich mehr lieben, 
als deine erste Frau, denn ich bin jung und schön, und 
ich werde dich aus der Gefangenschaft be;reien." 
„Das mußt du dir aus dem Sinn schlagen, liebe 
Suleika," sagte er in sanftem Tone, indem er ihre Hand 
drückte. „Wir Christen dürfen nur ein Weib heiraten." 
Sie sah ihn starr und fassungslos an. Dann stöhnte sie: 
„So liebst du mich nicht und magst mich nicht zum 
Weibe? Und ich habe dich geherzt und geküßt? Was 
,öll aus mir werden!" 
„Aber Kind, beruhige dich doch l Ich darf ja nicht, 
meine Religion verbietet es mir. Du wirst dich trösten, 
and du kannst es. Es ist ja nichts zwischen uns vor 
gegangen, was uns untrennbar verbände. Du wirst einem 
anderen, jüngeren Mann deine Liebe schenken und glü.t- 
...j mit ihm werden." 
Sie rang die Hände und sah'ihn schmerzlich an. 
lSortsedunEM
        
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