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Periodical volume Nr. 158, 15.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

«f. 138 
(Friedenauer. 
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Erscheint tSgllch abends. 
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Gesqüflsnelle. Rheinar. II» 4.— Mark. Ber«gn<n,tmcr so P,'g. 
Dacklu^rirv«»«», Rhei»str«ß, 1t. — Ker»spr«ch«rr Amt Pfalzburg 2129. 
Bet Ilii'Stf eben an, Donnerstag,, de« 15. Sali 1920 
Satvg. 27 
DtutTtt n«thriefet*» 
.ffobleinz. Die Alliierten beschlossen die Besetzung 
des Ruhrgebiets am Freitag mit 3 französischen und 2 
englischen und einer belgischen Division für den Fall, daß 
die deutsche Regierung sich bis heute mittag nicht zur 
monatlichen Lieferung von 2 Millionen Tonnen Kohle 
verpflichten sollte. 
Span. Für heute morgen 9 Uhr ist eine neue 
Kabinetts-Sitzung der Deutschen Delegation anberaumt 
worden. 
Berlin. Die behördlichen Nachforschungen nach dem 
Manne, der gestern die auf dem Gebäude der französi 
schen Botschaft wehende Flagge herabgeholt hat, hat bis 
her zu keinem Ergebnis geführt. Der Polizeipräsident 
hat einen Ausruf erlassen, in dem er eine Belohnung Von 
10 000 M, auf die Ermittelung des Täters aussetzt. 
Berlin. Heute nacht hat sich auf dem Bahnhof Stra 
lau-Rumnielsburg ein Eisenbahnunfall ereignet. Acht 
Wagen eines Eilgüterzuges entgleisten und fielen auf ein 
Nachbargleis. Ein Bremser des Eilgüterzuges ist ver 
unglückt. Er erlitt so schwere Berletzungen, daß an seinem 
Aufkommen geztveifelt wird. In der Nacht noch wurde 
mit den Aufräuinungsarbeiten begonnen. Am heutigen 
Dormittag war die Strecke wieder frei. 
Kopenhagen. Der dänische König scheint sich bei 
seinem Sturz vom Pferde beim Einzug in Hadersleben 
doch ernsthaftere Verletzungen zugezogen zu haben, als 
man anfänglich glaubte. „Ertrabladet" teilt mit, daß der 
König wahrscheinlich seine Rundreise durch Nordschleswig 
aufgeben und nach Kopenhagen zurückkehren werde, wo 
er einige Zeit zu Bett liegen müsse. Die Anstrengungen 
der Besuchsreise haben seinen Zustand verschlimmert. 
Konitz. In dem ehemals preußischen Teilgebiet fin 
den dauernd umfangreiche Pferdemusterungen, die sich 
überall in kurzen Zeitabschnitten wiederholen, statt. Die 
Musterungskommissionen gehen rücksichtslos vor. nament 
lich gegen die deutschen Landwirte. Infolgedessen ist die 
Einbringung der Ernte sehr gefährdet. 
London. Die „Times" erfährt, daß Krassin bei 
seiner Rückkehr nach London ein Angebot der Sowjet 
regierung mitbringe, die beschlagnahmten Fabriken den 
gesetzlichen Besitzern wiederzugeben und die Fabriken, 
gleichgültig welcher Nationalität ihre Eigentümer seien, 
wieder in Gang zu bringen. Die Arbeiter sollen von der 
Sowjetregierung bezahlt werden, die auch die Hälfte der 
Gewinne erhalten soll. Die englischen Besitzer von Holz- 
konzessionen sollen in derselben Weise behandelt werden. 
LktMiMleii für »non .und Mnrderg. 
Miachdr« unsrer.o-Origlnalarttkel nur mit Quellnumgab« gestaSrt.j 
o Erhöhung der Krpnkenbrotration. Auf Anordnung 
des Magistrats Berlin, Abteilung für Brotversorgung, 
wird die Krankenbrotportion vom 10. Juli 1920 ab 
von 1300 Gramm auf 1500 Gramm erhöht. An Stelle 
der 650 Gramm-Brote gelangen von diesem Zeitpunkte 
ab 750-Gramm-Broke zum Verkauf. 
o Milch für Kranke. Die Ausgabe der Vollmilchkarten 
für die nächsten Monate erfolgt, soweit die Karten nicht 
bereits zugestellt sind, wie bisher im Rathause, 1. Stock, 
Raum 28a, (Lebensmittelamt) und zwar: am Montag, den 
19. Juli die Buchstaben A—H, am Dienstag, den 20. 
Juli die Buchstaben I—Q, am Mittwoch, den 21. Juli 
die Buchstaben R—Z, in der Zeit von 9 Uhr vormittags 
bis 1 Uhr nachmittags gegen Vorlage des Bewilligungs 
schreibens für die laufenden Monate. Wegen Ausgabe von 
Kondensmilch erfolgt besondere Bekanntmachung. Es wird 
dringend ersucht, die Tage der Ausgabe unbedingt inne 
zuhalten. 
o Infolge des Streik der Bergarbeiter in Golpa wird 
der Betrieb der Linie (Linkstraße—Hänbelplatz) einge 
stellt, die Linie 74, die bis zur Papestraße verkehrt, 
hat von jetzt ab nur einen 15 Minutenverkehr.. 
o Zur Kartoffclsrage wird vom Berliner Magistrat 
mitgeteilt, daß die Händler, infolge der noch geringen 
Zufuhr inländischer Frühkartoffeln auf die Einfuhr hol 
ländischer Kartoffeln angewiesen sind und »oft selbst 
Pfundpreise von 1,50 Mark bis 1,55 Mark be 
zahlen müssen. Hoffentlich wird nach dem 21. Juli die 
Kartoffelfrage gelöst werden, Selbst 50 Pfg. ist noch ein 
ziemlich hoher Preis. 
o Grabstellelchesitzer auf dem hiesigen Friedhof. Nach 
einem Beschluß des Gemeindevorstandes findet eine Er 
innerung der Stelleninhaber zur Zahlung der Beiträge 
nicht mehr statt. Wir machen daher aufmerksam, daß 
die Verlängerung der Liegefrist um weitere 10 Jahre 
gegen Zahlung der vorgeschriebenen Gebühren von 80 
Mark in unserer Gemeindekasse beantragt werden kann. 
o DaS Endo der Fleischbewirtschaftung in Ältona. 
Von Mitte Juli ab werden die Schlächtermeister ihr Vieh 
wieder selbst schlachten. Die Höchstpreise sind aufgehoben. 
Die Kundenliste kommt in Fortfall. Bekanntlich ist Herr 
Schnackenburg, der frühere Friedenauer Bürgermeister, in 
Altona Oberbürgermeister. 
oA GorichtSferier». Wie alljährlich beginnen mit dem 
15. Juli die Gerichtsferien, in denen Termine nur in 
Feriensachen abgehalten werden. Die Ferien dauern zwei 
Monate und enden mit dem 15. September. Die ordent- 
lichen Derwaltungsgerichte, wie Bezirksausschüsse, Kreis- 
und Stadtausschüsse in Groß-Berlin halten ihre Ferien 
in der Zeit vom 21. Juli bis 1. September ab. Termine 
zur mündlichen Verhandlung werden während der Ferien 
von den Verwaltungsgerichten der Regel - nach nur in 
schleunigen Sachen anberaumt. 
o Aufruf zur Anlage »ton Spielplätzen. Oberbürger 
meister Dominicus (Schöneberg), der als Mitglied des 
Teutschen Reichsausschusses für Leibesübungen die Pflege 
der Körperkultur unserer Jugend in hervorragender Weise 
gefördert hat, richtet als Vorsitzender des Zentralaus 
schusses für Volks- und Jugendspiele an die sämtlichen 
deutschen Gemeinden, Städte und Landkreise einen Auf 
ruf, im Anschluß an die Einführung eines obligatori- 
schd Spielnachmittags durch die letzte Reichsschulkonferenz 
überall die Schaffung von umfangreichen neuen Spiel 
plätzen zu fördern und dadurch den Arbeitslosen neue 
Arbeitsgelegenheit zu bieten. 
o Kleingartenland. Der Minister für Dolkswohlfahrt 
hat zur Förderung des Kleingartenwesens alljährlich bis 
zum 1. August die Ermittelung des Bedürfnisses nach 
Kleingärten angeordnet. Zur Feststellung des Bedarfs 
an Kleingartenland fordert der Magistrat Schöne- 
berg daher Kleingartenpachtlustige aus den Gemeinden 
Schöneberg und Friedenau, soweit sie Kleingärten noch 
nicht gepachtet haben, auf, sich im neuen Rathause, 
Rudolph-Wilde-Platz, Zimmer 329, zu melden und in eine 
daselbst aufliegende Bewerberliste eintragen zu lassen. Die 
Zuweisung von Kleingärten erfolgt auf Grund vorheriger 
«christlicher Benachrichtigung nach Maßgabe des verfügbar 
zu machenden Landes. 
o Auszeichmrng. Dem Kunstmaler Herrn August 
D r e s s e l, Wilhelmstr. 19, ist in Anerkennung seiner 
-Tätigkeit während des Krieges in der Beratungsstelle 
für Zinklegierung das Verdienstkreuz verliehen worden. 
obh Die Milliardemschulden Grotz-BerlinS. Der jetzige 
Reichswirtschaftsminister uird frühere Charlottenburger 
Oberbürgermeister Dr. Scholz hat in einer Wahlrede das 
ueue Groß-Berlin eine „Riesenpleite" genannt u. betont, daß 
man mit der Zusammenlegung von fast 100 kleineren Kon 
kursen dem finanziellen Zusammenbruch Groß-Berlins nicht 
steuere, sondern aus ihnen nur einen großen Bankerott 
mache. Des ist durchaus logisch und richtig. Mit etwas 
sanfteren Worten hat der Oberpräsident Dr. Maier in 
einer Rede zur Einführung der Groß-Berliner Stadtver 
ordneten dasselbe gesagt. In den Wahlkämpfen und Wirren 
sind die nüchterne" zahlenmäßigen Unterlagen, wie sie 
das Ministerium btt Innern bei der Vorbereitung des 
Gesetzes über Groß-Berlin auf Grund seiner Rundfrage 
vom 24. Dezember 1919 von den 21 größten Gemeinden 
(mit mehr als 20000 Eimvohncrn) erhalten hat, nicht ge 
nügend beachtet worden. Es ist heute, wo die neue Stadt- 
gemeinde von manchen überschtvänglichen Gemütern sogar 
mit einiger Hoffnungsseligkeit begrüßt wird, zwar bitter, 
aber außerordentlich lehrreich, von diesem umfangreichen 
Zahlenmaterial wenigstens ein paar Hauptzahlen 'hervor- 
zuheben. Die finanzielle Elendsstatistik Groß-Berlins" 
reicht aber nur bis zum 1. Oktober 1919. Inzwischen sind 
die Schulden der Groß-Berliner, Gemeinden noch viel, viel 
größer geworden. Wie hoch eigentlich die Milliardenschuld 
der Einheitsgemeinde Groß-Berlin bei ihrem Eintritt in 
das Leben sein wird, läßt sich heute natürlich noch nicht 
sagen, wird sich schwerlich auch schon am 1. Oktober fest 
stellen lassen. An diesem Tage erfahren sie. eine erhebliche 
Belastung durch die Entschädigungen, die den Restverbänden 
der Provinz Brandenburg und der Kreise Teltow. Nicder- 
barnim und Osthavelland für den Uebergang von Anstalten 
und Einrichtungen zu zahlen sind und die nach neuen 
Millionen, ja man kann auch hier sagen: nach Milliarden 
zählen 'werden. In eingeweihten Kreisen wird schon heute 
die ungedeckte Schuldenlast Groß-Berlins auf über l l / 3 
Milliarden geschätzt, selbst wenn man berücksichtigt, daß 
aus der Vermögensseite die Werte durch die Inflation er 
heblich im Nennbeträge gestiegen sind. Vergleicht man 
die Aktiva nutz Passiva der 21 größten Groß-Berliner Ge 
meinden nach dein Stande vom 1. Oktober vorigen Jahres, 
so ergibt sich bei 2,938 Milliarden Aktiven und 2,906 
Milliarden Passiven ein Aktivbestand von nur 32 Millionen. 
Dieser kleine Reinverniügensbestand ist natürlich inzwischen 
völlig verschwunden und hat einem hundertfachen Schuld 
betrag Platz gemacht. Am 31. März 1918 ergab sich für 
die 21 Gemeinden sogar noch ein Ueberschuß von 794,3 
Millionen, während die schwebenden Schulden sich von 
547,3 Mill. auf 893,9 Mill. am 1. Oktober 1919 erhöhten, 
also fast verdoppelten. Hiervon entfielen 332 Mill. auf 
Erstattungsforderungen au Reich und Staat für Kriegs- 
leistungen, Familienunterstützungen, Eriverbslosenfürsorge 
und Kriegswohlfahrtsausgaben, und 178,3 Mill. auf den 
Wert der Warenbestäiche für die Bedarfsgüterversorgung 
der Gemeinden. Der finanzielle Niedergang während der 
letzten beiden Kriegsjahre und nach der Revolution geht 
mit besonders erschreckender Deutlichkeit aus den Abschlüssen 
der kommunalen Werke hervor. Während 1913 die Ge- 
Der 5odii des Millionärs. 
Roman von Florence Warden. 
17 (Nachdruck verdaten.) 
Du versprichst es mir — nicht wahr? — Du ver. 
Inrirfift es mir mit deinem Manneswort? — Werden wir 
denn nicht tausendmal glücklicher sein, wenn der Kamps 
und das Zerwürfnis mit deinen Angehörigen vermieden 
werden kann? - Vielleicht gelingt es dir. nach und nach 
das Vertrauen und das Wohlwollen demes Vaters so ganz 
zurückzugewinnen, daß du eines Tages vor ihn hmtreten 
und ihm alles offenbaren kannst, ohne fernen Zorn furchten 
zu müssen. Sollten wir nicht stark genug sein, uns um 
eii,er so schönen Hoffnung willen einige Entsagung aus. 
zuerleaen und eine kurze Zeit der Prüfung zu ertragen? 
^ Es war recht zweifelhaft, ob Eberhard .h« Hoffnung 
,,, teilen vermochte, aber um nichts in der Welt wurde 
er eine Illusion zerstört haben, die dem geliebten Weibe 
ersichtlich einigen Trost in der Bedrängnis ihres Herzens 
aewährte So stimmte er ihr mit einigen zärtlichen Worten 
?! Und'als sie ihn nun bat, sie ins H?us zuruckrehren zu 
lallen weil ihre und seine lange Abwesenheit sonst unfehl- 
bar bemerkt werden würde, da hielt er sie nicht langer 
mehr zurück und begnügte sich, um fienKM aufs neue zu 
ängstigen, mit einem einzigen zärtlichen Abschleosrutz 
nicht ohne im stillen stolz zu sein auf die Übermensch, 
liche Selbstüberwindung, die er als narrisch verliebter zunger 
Ä“.Ht?SWüsTnm Stuten In d» flau, 
zurück. Sie begegnete niemandem auf 'Brem kurzen Wege 
durch den Garten und über die Stiege, und sie erreichte ihr 
Zimmer in der tröstlichen Gewißheit, diesmal von keinem 
Späherauge beobachtet worden zu fein. n r, 
V Eben hatte sie angefangen, sich zu entkleiden, als 
sie ein leises Geräusch draußen aus dem Gange vor chrem 
Zimmer zu vernehmen glaubte, »"d als sie , 
chren Piick der Tür zuwandte, geroahrte p« 
geringen Ueberraschung ein zusammengefaltetes weißes 
Blatt, das man soeben unter der Tür hindurchgeschoben 
haben mußte. 
Sie eilte darauf zu, entfaltete es und las st» den 
Schriftzügen einer weiblichen Hand: 
„Gehen Sie des Abends nicht wieder allein in den 
Garten. Verbrennen Sie diesen Zettelt* 
,10. Kapitel. 
Wer, um des Himmels willen, konnte die geheimnis» 
volle Warnerin sein, die diesen Zettel geschrieben? 
Daran, daß die zierlichen, gleichmäßigen Buchstaben 
nur von einer weiblichen Hand herrühren könnten, hegte 
Herta kaum einen Zweifel, aber sie zerbrach sich vergebens 
den Kopf, um auf die Person der Schreiberin zu raten. 
Magdalene von Rominger kam von vornherein nicht 
in Betracht. Auch wenn ihr, der bisher völlig Ahnungs- 
losen, plötzlich irgendwelche Kenntnis der Sachlage ge 
kommen wäre, würde sie für eine Warnung sicherlich 
nicht diesen Weg gewählt, sondern ihrer Gesellschafterin 
Auge in Auge gesagt haben, was sie für notwendig hielt. 
Außerdem kannte Herta die Handschrift ihrer jungen Herrin 
sehr genau, und ein einziger Blick mußte sie überzeugen, 
daß da von irgendwelcher Aehnlichkeit mit den Schristzügen 
dieses Zettels nicht die Rede sein konnte. 
Wer aber konnte es sonst sein? 
Vielleicht Mabel Hermann? — Herta mußte unwillkür* 
lich lächeln, als sie sich selber diese Frage vorlegte. Denn 
unter allen lebenden Wesen war Johannes Romingers 
älteste Totcher sicherlich das allerletzte, das sich bemüßigt ge«, 
sehen hätte, sie in guter Absicht vor einer drohenden Ge- 
fahr zu warnen. Aber mußte es denn notwendig in guter 
Absicht geschehen sei? — Konnte sich nicht irgend eine 
Hinterlist dahinter verbergen, der tückische Wunsch, ihr eine 
Falle zu stellen 7 — Die Möglichkeit schien keineswegs aus- 
S eschloffen, aber abgesehen davon, daß die Handschrift des 
ettels nicht die der Amerikanerin war, vermochte Herta trotz 
alles Ärübelns nicht zu ergründen, welchen Erfolg sich eine 
ihr feindlich gesinnte Person von dieser Warnung ver 
sprochen haben sollte, und sie wies aus diesem Grunde 
auch die Vermutung, daß der Zettel von Ereile herrühren 
er- 
Spioniii 
öimte, als gar zu abenteuerlich und unwahrscheinlich 
urück. 
Und doch — da es sich ja notwendig um eine der 
Zewohnerinnen des Hauses handeln mußte — blieb die 
Zerson der französischen Kammcrjnngfcr die einzige, die 
ach Lage der Dinge in Frage kommen konnte. 
Herta hatte den unwiderleglichen Beweis dafür 
alten, daß sich Mabel des Mädchens als einer 
ediente, um ihr Tun und Lassen zu belauern, und sic 
rußte darum annehmen, daß niemand in der Villa 
ber ihre Gewohnheiten unterrichtet sei als Ereile. Die 
infamen abendlichen Spaziergänge im Garten aber bildeten 
hon seit langem eine dieser Gewohnheiten. Johannes 
lominger, der' so energisch bemüht war, seinen Sohn von 
en grünen Tischen des Kasinos zu Monte Carlo fern- 
uhalten, würde für fein: eigene Person jeden Tag als 
inen verlorenen angesehen haben, an dem er nicht einige 
lbendstunden dein, Whist oder beim Pokern zugebracht 
ätte. Von der Teilnahme an diesen abendlichen Si iel- 
artien aber war Herta ein für allemal befreit» nachdem 
ich bei den ersten Versuchen, sie dazu heranzuziehen, bis 
ur Evidenz erwiesen hatte, daß ihr jedes Verständnis für 
ie Feinheiten eines Kartenspiels ganz und gar abging, 
ln solchen Tagen, wo Magdalene sich frühzeitig in ihr 
Schlafzimmer zurückzog oder wo sie sich wohl genug fühlte, 
,m am Spiel teilzunehmen, bedeuteten diese Abendstunden 
ür Herta darum die einzige Zeit des Tages, zu der sie freie 
jerrin war über sich selbst, und sie hatte sie zumeist nicht 
esser anzuwenden gewußt als zu einer Promenade durch 
en parkartigen Garten, der ihrem empfänglichen Gemüt 
mt seiner herrlichen südlichen Vegetation und seinen unser, 
reichlichen Ausblicken auf Meer und Gestade immer neu 
Schönheiten und Reize offenbarte. Vielleicht war es de 
Schreiberin des Zettels einzig darum zu tun gewesen, ihr 
ies harmlose Vergnügen zu verleiden, vielleicht auch hanr 
elte es sich nur um eine boshafte Absicht, sie in Angst u;i- 
Sckrecken zu versetzen. Denn wenn man etwas Bestimmted 
ewußt oder auch nur geargwöhnt hätte, würde man sichcrs 
ch andere Wege eingeschlagen haben als diesen. - 
Mit einem Herzen voll Unruhe und Zweifel legte sich 
>erta zur Ruhe nieder. Ihre Sorgen waren durch
        
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