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Periodical volume Nr. 157, 14.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

o Di« SMyOMrjiM zum Reichsuotopfcr, nach dem 
Stande vom 31. Dezember 1919, ist unserer Bürger 
schaft jetzt zugegangen. Die Steuererklärungen sind bis 
zum 28. August 1920 ausgefüllt zurückzureichen. Bei 
verspäteter Abgabe der Steuererklärung kann ein Zuschlag 
bis zu 10 v. H. der endgültig festgesetzten Steuer auf 
erlegt werden. Die Abgabe der Steuererklärung.kann 
iickkh § 202 der Neichsabgabenordnung erzwungen werden. 
o Mdzujg der SH-,«ms für Lehrer. Auf Veranlassung 
des Kultusministers über die vorläufige Erhebung der 
Einkommensteuer durch Abzug von 10 v. H. vom Ar 
beitslohn auch bei der Zahlung der gesamten Dienst 
bezüge der Volks; chullehrcr' und -lehrerinnen mit Ein 
schluß der Teuerungszulagen und der angeordneten Ab 
schlagszahlungen und der Vorschüsse zu beachten sind. 
Der Abzug hatte vom 25. Juni ab bei der Zahlung der 
Dienstbezüge zu erfolgen. Sind Gehälter, die am I.Juli 
oder später fällig wurden, ohne den Abzug gezahlt, so 
ist der zuvielgezahlte Betrag von dem Empfänger un 
verzüglich zurückzufordern. 
o Abbau der Preise für Koks. Der Bund der Ber 
liner Grundbesitzcrvereine hat an den Reichskanzler sowie 
au den Reichstag eine Eingabe gerichtet, in der ge 
fordert wird, daß unverzüglich ein Abbau der Preise 
für die Kohle der Zentralheizungshäuser in die Wege 
geleitet wird, da breite Volksschichten nicht mehr imstande 
sind, den auf sie entfallenden Betrag für die Heizung, 
der teilweise bereits das Dreifache der ganzen Jahres 
miete. überschritten hat, aufzubringen. Wenn nicht bald 
Abhilfe geschaffen wird, so muß diese unerträgliche Mehr 
belastung zum völligen Ruin der genannten Kreise füh 
ren, da keiner ''der Betroffenen bei der Wohnungsnot in 
der Lage ist, diesem Schicksal durch einen Wohnungswechsel 
zu entgehen. 
obh Kein Strafrecht der Laiidesverffchrrungsanstalten 
gcUc!» GprsteiitrstejN!. Das Reichsversicherungsamt hat in 
einer grundsätzlichen Entscheidung dahin erkannt, daß der 
Erlaß einer Strafverfügung nach 8 1488 der Reichs- 
versicherungsordnung gegen eine Gemeinde oder eine 
juristische Person überhaupt wegen Nichtklebens von Jn- 
validenmarkcn für einen Arbeitnehmer unzulässig ist. Auch 
auf dem Gebiete des Ordnungsstrafrechts der Reichsvcr- 
sicherungsordnung gelte der für das allgemeine Strafrecht 
wirksame Rechtssatz, daß die strafrechtliche Verantwortlich 
keit ein schuldhaftes Handeln bedinge. Demzufolge kann 
die Deliktsfähigkeit nicht juristischen, sondern nur natür 
lichen Personen innewohnen, da nur diese einen Willen 
zu äußern in der Lage sind. Hiernach steht fest, daß 
Strafverfügungen gegen juristische Personen auf dem Ge 
biet des Ordnungsstrafrechts der Rcichsversicherungsord- 
nung grundsätzlich unzulässig sind. Dabei läßt sich auch 
nicht zwischen juristischen Personen des Privatrechts und. 
des öffentlichen Rechts unterscheiden. 
obh Verschleppte Notstcntdsarbeitcn des Staates. Wäh 
rend die Gemeinden Groß-Berlins so viel Notstands 
arbeiten ausführen, wie cs ihre schlechte finanzielle Lage 
nur gestattet und während schon jetzt der Anstoß zu einer 
einheitlichen Regelung der produktiven Erwerbslosenfür-- 
sorge durch das künftige Groß-Berliir gegeben ist, kann 
!man in Berlin und Umgegend die Fälle beinahe zu 
Dutzenden aufzählen, bei denen Reich und Staat die beste 
Gelegenheit zu produktiver Erwerbsloscnfürsorge durch 
werbende Notstandsarbcitcn haben — sie aber ungenutzt 
lassen oder gar seit Monaten und Jahren verschleppen. 
Es geschieht nichts oder bereits angefangene Bauten liegen 
seit Jahr und Tag mrvollcndet da. Ein besonders krasser 
Fall dieser Art ist der Bau der südlichen Umgehungsbahn 
nach Grüuau. Der Bahndamm geht mitten durch den 
künftigen Verwaltungsbezirk 15, dessen Gemeinden, be 
sonders Adlershof, Johannisthal und Nicderschöncweide, 
in der letzten Zeit umfangreiche Notstandsarbciten be 
schlossen und begonnen haben. Der Staat, in diesem 
Falle die Reichseisenbahnverwaltung, tut nichts! Dabei 
sind die Arbeiten zur Fertigstellung des Bahndamms der 
Umgehungsbahn wie geschaffen zu Nofftandsarbeiten, zur 
Beschäftigung von Hunderten und Tausenden von Ar 
beitern. Die südliche Umgchungsbahn ist schon vor dem 
Kriege begonnen und auch in der ersten Kriegszeit fort 
gesetzt worden. Dann blieb sie aus Mangel an Arbeits 
kräften liegen. Bereits im Sommer 1918 hat die Gemeinde 
Adlershof eine dringende Eingabe an den Fiskus gerichtet 
mit dem Antrage, die Umgchungsbahn als Notstandsarbeit 
fortzusetzen — bisher ohne jeden Erfolg! Ebenso ist die 
Höherlegung der Vorortbahn Spindlersfeld—Johannis 
thal, die schon seit Jahren beschlossen ist, zu Notstauds- 
beiten, wie es viele Nunderttausenve von wraunerii meines 
Alters tun müssen, ohne sich darum für besonders unglück 
lich zu halten. Und mell meiner Ueberzeugung nach dieser 
Tag früher oder später unfehlbar kommen wird, darum 
werden wir gut tun, uns ein wenig auf ihn vorzu 
bereiten. — Sieh hier, Liebling" — und er brachte eine , 
Handvoll Goldstücke nebst einigen Kassenscheinen aus seiner 
. Tasche zum Vorschein — „das ist der Anfang unserer Er- 
sparnisse, und du wirst die Freundlichkeit haben, sie für 
uns zu bewahren." 
Aber Herta machte eine fast entsetzt abwehrende Be 
wegung. 
„Nein — nein — wie könnte ich es nehmen? — Und 
sage mir um des Himmels willen, Eberhard: woher stammt - 
dieses Geld? Es ist — es ist doch nicht " , 
„Du glaubst, es könnte aus Monte Carlo stammen? 
— Nein, fei unbesorgt: es ist auf durchaus anständige und 
legale Weise erworben. Mein Vater hatte die Freundlichkeit, 
mir einen Scheck auf dreitausend Mark als Taschengeld 
einzuhändigen, und ich habe den Betrag erhoben, um 
damit den Grund zu unserem künftigen Vermögen zu legen. 
In deinen lieben Händen aber ist es ohne allen Zweifel 
bester und sicherer aufgehoben als in den meinigen, die des 
leichtfertigen Ausgebens leider noch allzusehr gewöhnt sind." 
Aber sie sträubte sich doch noch, seinem Wunsche zu 
willfahren. 
„Ich kann es nicht nehmen, Eberhard — ich kann 
nicht. Es ist das Geld deines Vaters, und mir ist, als 
würde ich das Unrecht, das wir gegen ihn begangen, noch 
vergrößern, wenn ich cs nähme." 
„Du solltest endlich aufhören, Liebling, dich init solchen 
unberechtigten Selbstoorwürfen und Gewissensbissen zu 
plagen. Es mag ja sein, daß unsere heimliche Eheschließung 
w,e eine Tollheit aussieht, und daß sie in den Augen 
meines Vaters, wenn er heute davon erführe, etwas noch 
Schlimmeres sein würde. Aber wäre es etwa das erste 
Mal, das höchst vernünftige Handlungen von anderen 
für Narrheiten angesehen werden ? Und ist es nicht genug, 
wenn wir selbst die Ueberzeugung hegen, höchst vernünftig 
Behandelt zu haben?" 
arbeiten geeignet. — Wenn durch alle möglichen Erlasse . 
die Gemeinden immer wieder zur „produktiven Erwerbs- l 
losenfürsoge" angehalten werden, dann muß billigerwcise i 
auch an Staat und Reich die Forderung erhoben werden, 
ihrerseits diejenigen öffentlichen Arbeiten unverzüglich zu 
beginnen oder fortzusetzen, deren Vollendung zur Hebung 
von Handel und Verkehr und damit in erster Reihe zum 
Wiederaufbau unserer zerrütteten Wirtschaft wirksam bei 
tragen können. 
obh Dev WochtyrngsvcLbcknd Groß-Berlin hat, wie 
wir erfahren, im Anschluß an den von uns mitgeteilten 
Beschluß der Adlershofer Gemeindevertretung über die 
Waldverwüstung in der Gemarkung der Gemeinde in 
einem Schreiben an den Adlershofer Gcmeindevorstand 
festgestellt, daß sowohl der Wohnungsverband wie auch 
der Verband Groß-Berlin an diesen Kahlschlägen nicht 
beteiligt und dafür auch nicht verantwortlich ist. Der 
Wohnungsverband ist lediglich auf den von ihm gekauften 
500 Morgen ehemals fiskalischen. Waldflächcn zuständig. 
Er hat, wie auch der Gemeinde Adlcrshof bekannt, die 
von den östlichen Gemeinden wiederholten Anträge auf. 
Einschlag von Brennholz abgelehnt, weil er die Erhal 
tung der Waldflächen in der näheren Umgebung Groß- 
Berlins für eine hygienische Notwendigkeit für die Gesund 
heit der Bevölkerung ansieht. Auch die neue Stadtge- 
mcinde Berlin soll über diesen Sachverhalt unterrichtet 
werden. Von Ersatzansprüchen, wie sie die Gemeinde Ad-, 
lershof dafür angemeldet hat, daß zuerst eine Grünfläche' 
in der Verlängerung des Waldfriedhofs der Gemeinde be 
bauungsplanmäßig festgelegt, dann aber rücksichtslos aller 
Wald auf diesem Gelände niedergeschlagen wird, kann 
gegen den Wohnungsvcrband Groß-Berlin oder die neue 
Stadtgemeinde nach diesen Mitteilungen natürlich keine 
Rede sein. — Es ist also wieder einmal nur der alt 
bekannte „Fiskus", der diese Waldverwüstung auf dein 
Gewissen hat! > 
oA Verkrhätbeipat im> Reichsmimstertpur. Zur be 
ratenden Mitwirkung in Angelegenheiten des Post-, Tele 
graphen^ und Fernsprechverkehrs und der Tarife ist beim 
Reichspostministerium in Ausführung des Artikels 88 
der Reichsverfassung ein Verkehrsbeirat gebildet worden. 
Dem Beirat, der '34 Mitglieder umfaßt, gehören aus 
Groß-Berlin an: Präsident Dr. Frentzel vom Deutschen 
Industrie- und Handelstag in Berlin, Krankenkassenbeam- 
tcr Mokry vom Gewerkschastsbünd der Angestellten in 
Berlin, Obermeister Karl Rahardt, Vorsitzender der Hand 
werkskammer, Graf v. d. Schulenburg-Grünthal und Pro 
fessor Dr. Dadc vom Deutschen Landwirtschaftsrat in 
Berlin, Hauptschristleiter Paul Baccker vom Reichsver- 
band der Deutschen Presse in Berlin, Geheimer Hofrat 
Sigismund vom Börsenverein der Deutschen Buchhändler 
Leipzig, Kaufmann Kretschmer und Geschästsftihrer 
Friedrich Lambrecht von der Zentralarbeitsgcmeinschaft 
des deutschen Transport- und Verkehrsgewcrbcs zu Ber 
lin, Oberbürgermeister Dr. Scholz und Oberbürgermeister 
Mitzlaff vom Deutschen Städtctag in Berlin, Obcriuge- 
nicur Siegfried Härtmann vom Bund technischer Berufs 
stände in Berlin und Geh. Oberregierungsrat Schulze 
vom Reichsfinanzministerium. 
obh Die Stadtverordätetenifrakticm der Deutsch«« V-olks- 
partei chÄt ff ich gestern im Anschluß an die Eröffnungs 
sitzung gebildet und zu Vorsitzenden Oberverwaltungsge- 
richtsrat irtnr Eynern (Berlin) und Prof. Dr. Leidig (Wil 
mersdorfs zum Schriftführer Dr. Neumann (Frohnau) 
und zum Schatzmeister 'Stadtrat Groß (Charlottenburg) 
gewählt. Beisitzer sind Frau J8ä Klöckow (Chärlott'e'nburg, 
Justizrat Halleusleben (Berlin) und Direktor Dr. Mat 
thias (Nikolassee). 
o Kluge» üdcir di« Post. Viel bemängelt wird die 
Höhe des postaintlichcn Einzahlungskurses für Auslands 
postanweisungen im Vergleich zum jeweiligen Tageskurse. 
Der Unterschied ist in der Tat bedeutend. Die Postvcr- 
waltungeu sind aber nicht nur durch internationale Ab 
machungen berechtigt, zum Tageskurs einen Zuschlag zu 
erheben, sondern dazu auch gezwungen, wollen sie nicht 
erhebliche Einbuße erleiden. Der Postanwcisungseinzah- 
lungskurs wird nämlich in der Regel in Anlehnung i an 
den Wechselkurs festgesetzt, der auch beim Ausgleich der 
Schuld zwischen Aufgabeland und. Bestimmungsland zu 
grunde gelegt wird-. Da dieser Ausgleich jedoch erst nach 
Feststellung der Abrechnung, d. h. nicht früher als 2 bis 
2»/, Monate nach Auslieferung der Postanweisung, bewirkt 
werden kann, bis dahin aber der Wechselkurs für die Post 
verwaltung des Aufgabelandes der Postanweisung sich 
nicht selten ungünstiger gestaltet, muß .die Post,, .um sich 
„Ach, Eberhard — das ist ja'meine beständige Furcht, 
daß auch du eines Tages derselben Meinung darüber sein 
wirst wie die anderen." 
„Niemals!—Kein anständiger Mensch kann jemals be- ' 
reuen,.einem Gebot der Pflicht gefolgt zu seilt. Und wenn - 
if)m dabei obendrein ohne olles Verdienst ein so gewaltiges ■ 
Glück in den Schoß fällt wie mir, so hat er, wie ich meine, ' 
alle Veranlassung, sich täglich aufs nette seiner Händlüngs- - 
weise zu freuen. — Nein, nein, schüttle nicht das Köpfchen, 
als wenn du mir nicht glaubtest. Es gibt .nichts, das: 
wich in der Ueberzeugung beirren könnte, det glücklichste • 
aller Menschen zu sein.. Denn der Himmel hat mir das ■' 
beste und liebenswürdigste weibliche Wesen zur Frau be 
schert. Und ich fühle, daß ich selbst ein besserer Mensch 
geworden bin, seitdem du die Sorge um deine Zukunft 
vertrauensvoll in meine Hand gelegt hast. Ich habe ge 
lernt, das.Leben mit ganz anderen Augen anzüschen, 
seitdem ich mich mit dem Gedanken beschäftige, daß eines 
Tages alles entdeckt werden wird und daß ich alsdann 
werde kämpfen müssen, um für dich und für mich aus 
eigener Kraft den gebührenden Platz im Leben zu er 
ringen." 
„Sprich nicht davon, wie ooq etwas Unabwendbarem!" 
bat sie traurig. „Ich kann ja die Vdrstellung nicht er 
tragen, daß du durch mich um ein Vermögen gebracht 
werden solltest. Und es därf nicht dahin kommen — es 
darf nicht! Wenn bis zu. diesem Augenblick niemand etwas 
von dem Geschehenen ahnt, warum müßte es dann in Zu 
kunft der Fall sein? Du bist, doch sicher, daß deine heim 
liche Entfernung unbemerkt geblieben ist?" 
„Absolut sicher! — Ich bin mit einer Schlauheit zu 
Werke gegangen, die einem abgefeimten Verbrecher Ehre 
gemacht hätte. Weil ich weiß, daß meine Stiefschwester 
keine schweren Weine vertragen kann, habe ich bei unserm 
Frühstück in Nizza die schwersten servieren lassen, die der 
Witt in seinem Keller hatte. Als die gute Mabel dann — 
ganz, wie ich's erwartet hatte — von einer unbezwing- 
lichen Müdigkeit ergriffen wurde, stand das bestellte Auto- 
mobil für mich schon bereit, und der Chauffeur war just 
der Teuselskerh" bett'ich brauchte. Für ein Ertratrinkgeld 
vor Verlusten zu schützen, den EiiizahluiigslurS fürPost-> 
anweisungen unter Hinzurechnung eines Zuschlags, fest 
setzen. Hierfür ein Beispiel. Die dänische Postverwaltung 
hatte Anfang Mai zum Kopcnhagener Börsenkurs für 
Schecks auf Berlin (—10,50 Kr. für 100 M.) einen Zu 
schlag von 3.50 Kr. (—33 b. H.) erhoben, so daß in 
Dänemark für Postanweisungen nach Deutschland 14 Kr. 
für 100 M. zu erlegen waren. Für Abschlagszahlungen, 
die Dänemark Ende Juni auf seine Schuld aus dem Post- 
verkehr nach Deutschland leistete — endgültig steht diese 
Schuld erst Ende Juli fest — mußte es nach dem besseren 
Stande unserer Valuta 16,40 Kr. für 100 M. aufwenden, 
so daß Dänemark an den Postanwcisuugsverkehr nach, 
Deutschland für Mai trotz des erhobenen Zuschlags üinc» 
nicht unerheblichen Verlust erleidet. Uebcrschreitungcn des 
Tageskurses sind iin Postanwcisungsvcrkchr mit dem Aus- 
lande also unvermeidbar; kein Land kommt um diese Sache 
herum. In Deutschland betrug dieser Zuschlag Anfang 
Mai 20 v. H.; er ist später bei Besserung unserer Valuta 
auf 10 v. H. ermäßigt worden. Andere Länder sind noch 
vorsichtiger gewesen, so die Niederlande, die schon 60 v. H. 
und mehr vom Tageskurs als Zuschlag erhoben haben, 
inzwischen aber auch eine Ermäßigung haben eintreten 
lassen. 
o Der 26. Braindenäurgische Provinzial-Fcuerweh» 
verbandstag findet vom 30. Jnli bis 1. August in Berlin- 
Friedenau statt. Bis auf weiteres ist der Vcraustattungs- 
plan wie folgt festgesetzt worden: Freitag, den 30. Juli, 
von nachmj. 7 Uhr an zwaiigloscs Beisammensein im Rats 
keller, Vorbesprechungen des Vorstandes usw. Sonnabend, 
den 31. Juli, vorm. 8'/° Uhr, Sitzung des Gesamtvor- 
standes im Saal des Ratskellers, vorm. 11 Uhr: Angriffs- 
Übung der Ortsfeuerwehr und der benachbarten Feuer 
wehren (Realghmnasium, Homuthstraße), mittags voi» 
12—1 Uhr: Mittagessen im Ratskeller, mittags 1 Uhr: 
Vollversammlung des Brandenburgischen Provinzialver- 
bandes im Bürgcrsaal des Rathauses, nachm. von 6 Uhu 
ab: Gartenfest im Schloßpark Steglitz (Musik, Tanz, 
Spezialitäten, Gesangsvorträge usw.). Sonntag, den 
1. August, vorm.: Besichtigung zeitgemäßer Feuerwehren 
und bei genügender Beteiligung Dampferfahrt auf dem 
Tcltowkanal nach Potsdam. In Verbindung mit .dem 
Verbandstage findet vom 31. Juli bis 1. August eine 
Ausstellung von zeitgemäßen Feucrwchrfahrzeugen, klei 
neren Feuerlöschgeräten, Feuermeldeaiilagen, Fahrzeugbc- 
reifnngen und sonstigen Einrichtungen, Ausrüstungen, so 
wie Gegenständen, die für das heutige Feuerlöschwesen von 
Bedeutung sind. Meldungen von Fcuerlöschgerütcn usw. 
sind von den größten Firmen bereits eingegangen. Der 
Besuch dieser Ausstellung, die im Gymnasium am Maybach- 
platz stattfindet, kann einem jeden empfohlen werden. 
o Ej» großes KtnÄerfcst loird der Gartenbauvereiu 
Rubens, der größte Laubeukolonisten-Vcrein auf dem 
Schönebcrgcr Südgelände, veraustaltcu. Hoffentlich be 
günstigt gutes Wetter die Vorbereitungen und die Ver 
anstaltung selbst. 
o Raphgnsakl tat Stegl. Stedtpark. Am 9. Juli vor 
mittags zwischen 11 und 1412 Uhr wurde eine Ehefrau 
aus der Vorstellstraße, als Jic nach besorgtem Einkauf 
den Weg durch den Stadtpark nahm, von einem unbe 
kannten i.ungen Mann angefallen, der in der Nähe des 
Sees ans einem Seitenweg auf sie zugesprungen kam, 
ihr mit der Faust einen Stoß vor die Brust versetzte, 
sodaß sie zur Erde taumelte. Er entriß ihr dabei die 
Handtasche mit 68 M. Inhalt, bestehend aus einem 
50-Markschein und 18 Mark in kleineren Scheinen. Der 
Täter wird als Ende der 20 er Jahre beschrieben, 1,75 
Meter groß und dunkelblond. 
0 Wrgrjn DtchstaHlsverdächtes wurden gestern der 
Arbeiter Paul H., der Schuhmacher Otto R. und der 
Artist Wilhelm E., die mehrere Kaninchen bei sich trugen, 
festgenommen. Sic wollten die Kaninchen von einem 
unbekannten Landwirt in Wannsee käuflich erworben 
haben. Es wurde jedoch festgestellt, das; sie aus einem 
Einbruchsdiebstahl in der Laubenkolonie in Zehlendorf 
herrühren. Sämtliche drei Festgenommenen sind woh- 
nungslos. 
0 Eta fröcher Eiinfastujch wurde in der Nacht zum 
Montag in den Schank- und Privaträumen des Gastwirtes 
Mak K. in der Schloßstraße in Steglitz, als dieser, 
wie gewöhnlich nach Geschäftsschluß, noch einen ErholungS- 
spaziergang unternommen hatte, verübt. Offenbar hakten 
es die Diebe, wie der Ortsanzeiger berichtet, auf einen 
Gelddiebsta'hl abgesehen, da sie Wäschestücke und andere 
wertvolle Gegenstände zurückließen. Aus einer auf dem 
von hundert Franken fuhr er, wie wenn es eine Konkurrenz 
um den Eordon-Bcnnett-Pokal gegolten hätte. Ich konnte 
auf die Minute pünktlich zu der feierlichen Handlung er 
scheinen,' und wenn ich mir auch leider kaum Zeit genug 
gönnen durste, um meinem süßen jungen Weibchen 'einen 
Kuß auf die Lippen zu drücken, so hatte ich dafür doch die 
Genugtuung, meine liebe Schwester bei der Rückkehr noch 
im festesten Schlummer zu finden. Sie hielt es für ganz 
natürlich, daß auch ich die Zwischenzeit zu einem stärkenden 
Schläfchen benutzt hätte, und ich kann meine Hand dafür 
ins Feuer legen, daß auch nicht der kleinste Argwohn den 
Spiegel ihrer reinen Seele getrübt hat." 
„Wenn es so ist, warum sollte uns dann jetzt noch 
eine Entdeckung drohen?" 
„Weil ich fühle, daß dies Versteckspiel auf die Dauer 
über meine Kraft gehen wird, weil ich dich zu heiß und zu 
leidenschaftlich liebe, um monate- oder jahrelang eine Kälte 
zu erheucheln, unter der ich so über alle Maßen grausam 
leide." 
„Aber dann bleibt mir doch in der Tat nichts anderes 
übrig als fortzugehen." 
„Wohl — ich werde dich nicht, daran hindern, mein 
Lieb I — Aber ich werde dir selbstverständlich auf der Stelle 
folgen. Denn was bedeutet mir der Zorn meines Vaters 
oder der Verlust eines Vermögens angesichts der Möglich 
keit, dich zu verlieren!" 
Herta preßte wie in Verzweiflung die Hände zusammen. 
„Mein Gott — daß gerade du cs fein mußt, der mir 
solche Sorgen und Qualen bereitet. Jetzt — ja, jetzt wünschte 
ich wahrhaftig von ganzem Herzen, daß ich die Kraft ge 
habt hätte, am Morgen nach jener Nacht heimlich und 
auf Nimmerwiederlehr dies Haus zu verlassen!" 
Ihre Betrübnis trug so unverkennbar das Gepräge der 
vollsten Aufrichtigkeit, daß Eberhard sich davon in innerster 
Seele ergriffen fühlte. Er bemächtigte, sich ihrer Hand und 
führte sie demütig an seine Lippen. 
„Verzeih mir, mein Liebling I" bat er. „Wenn mein 
ungestümes Verlangen für dich eine Quelle so großer Be 
unruhigung ist — wohl, so will ich die ganze Kraft meines 
Willens daransetzen, es zu zügeln." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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