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Periodical volume Nr. 156, 13.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

und umfassen auch in der Außerordentlichen Verwaltung 
4 Einzelvoranschläge. 
Die Ordentliche Verwaltung schließt in der Einnahme 
und Ausgabe mit 16812<)77,59 M. (i. V. 6 099 322,69 
Mark), d. s. gegen das Vorjahr 10 713,654 M. mehr 
ab.' Diese riesige Zunahme liegt in der Hauptsache in 
dem Anwachsen der persönlichen Kosten für die Besol 
dungen. Im Einzelnen sind die Anforderungen der ein 
zelnen Verwaltungen aus der vorstehenden Uebersicht zu 
ersehen. 
In der Außerordentlichen Verwaltung be 
finden sich ferner insgesamt 34 660 650 M. Im Ein 
zelnen: Außerordentliche, Verwaltung 3 140 000 Mark 
(1813 000 M. mehr), Anleihemittel 14 206 915 Mark 
(9 456 915 M. mehr), Kriegshilfsfonds 3 389 415 Mark 
(877 584 Mark weniger), Lebensmittelverwaltung 
13 924 320 M. (13 924 320 M. mehr). Ordentliche Ver 
waltung und Außerordentliche Verwaltung zusammen er 
geben die Summe von 51473 627 M. Zur Gleich 
stellung des Voranschlages der Ordentlichen Verwal 
tung ist ein Betrag von 5 017 500 M. in die Einnahme 
der Kapital- und Schuldenverwaltung eingestellt, der vor 
läufig noch ungedeckt, voraussichtlich aus Anleihe zu 
decken ist. 
Wir werden über Einzelheiten deö Voranschlages noch 
in späteren Berichten Mitteilung machen. 
rttAÄkilW {Sit NIMM üllH WMlg. 
(Wochdr, unsrer o-Originalartikel nur mit OüelleruwgaSe gestaltet^ 
oW Rrfrrply Steuer erheb ungsvo rschl a g. Von den Par 
teien der Landesversammlung ist beantragt, eine Be 
steuerung einzuführen, bei der nicht das Gesamteinkom 
men, sondern der Teilbetrag des'Einkommens in Betracht 
kommt, der aus jeden von diesem Einkommen zu unter 
haltenden Kopf trifft. 
lv Zrtr KctzitpsscAiist wird uns 'geschrieben: In der 
vorigen Woche haben nur wenige hiesige Einwohner Kar 
toffeln erhalten und dafür erhielt man Haferflocken und 
Hülsensrüchte. Diese sind teurer als im Freihandel. Eine 
Frau wollte von einem Gemüsehändler in der Saarstr. 
neue Kartoffeln haben. Der Händler verweigerte jedoch 
die Herausgabe, weil die Frau nicht angemeldet sei. 
Erst .der Polizeiwachtmeister mußte dem Händler klar 
machen, daß für die Woche keine Kartoffeln angemeldet 
zu werden brauchen. Einem Gastwirt wurden von einem 
Gemüsehändler in der Kirchstraße 1 Ztr. Kartoffeln zu 
475 Mark angeboten. Jedoch der Gastivirt lehnte mit Recht 
den Wucherpreis ab. Hoffentlich werden unsere Einwohner 
in dieser Woche mit dem Volksnahrungsmittcl besser als 
in der Vorwoche versorgt. Es geht nichts über die 
Rationierung! 
o Kr>eAiklei-f:.r>ajbjgqhe. Vom Reichskleiderlager Nr. 12 
Großberlin werden an die bezugsberechtigten Kleinhänd 
ler und Gemeinden des Kreises folgende Kommunalwaren 
gegen J.-Ankaufsscheine, die das Reichskleiderlager Nr. 12 
den Bezugsberechtigten nach dem dort befindlichen Ver 
teilungsschlüssel ausstellt, abgegeben: Angebot 308: Cvper- 
Uitterhosen ä 7,80 Mark + 3 Pfg. Spesen. Muster der 
ausgeschriebenen Waren können täglich in der Zeit von 
9—1 Uhr bei dem Reichskleiderlager Nr. 12 Groß-Berlin 
in Berlin C 2, Rosenstr. 9—13, besichtigt werden. Alle 
Anforderungen find bis spätestens zum 20. Juli 1920 
an das Reichskleiderlager unmittelbar zu richten. Pünkt 
liche Jnnehaltung des Schlußtermins ist unbedingt er 
forderlich. Die Abgabe und Weitcrvcräußerung dieser 
Ware ist verboten. 
-o NcindetzüjnMt im Flngposiidienst. Die vom 15. Juli 
ab geplante Flugpostverbindung zwischen Berlin und 
Swinemünde kann lvegcn unvorhergesehener Schwierig 
keiten nicht eingerichtet iverden. Dagegen wird von diesem 
Tage ab eine Flngpostverbindung Berlin—Warnemünde 
eingerichtet, ab Berlin 1.30, ab Warnemünde 11 Uhr, 
Fahrzeit 2 Stunden. 
o DM Wahlockghiuis der 15 Kreise in Ost- und Westi- 
preußen ist folgendes: Maricnburg 17 437 deutsche, 183 
polnische Stimmen, Stuhln 18 298 (4919), Marienwcrder 
22 215 (1506), Riesenburg 33 684 (1074h Alleinstein 
(Stadt) 16 742 (342), Ailcnstein (Land) 30 444 (4423), 
.Osterode 46 108 (1030), Rasienbnrg (Neidenburg) 22 196 
(320), OrtelSburg 43 999 (4491. Johannisburg 33 627 
(14), Sensburg 34064.(25), Rössel 33 227 (757), Lohen 
29 025 ^9), Lhck 35 574 (37), Oelehko 28 649 deutsche, 
(2 polnische) Stimmen. 
o HyprKejkisnlztnßscinasbDDc. Wie uns mitgeteilt wird, 
stimmt das Finanzamt Steglitz die 10 Proz. Abgaben 
würde. Da sie aber noch immer schmieg, mußte sie wohl 
oder übel aujs neue statt ihrer das Wort nehmen. 
„Wenn es auch so wäre, du bist dadurch doch noch 
immer nicht legitimiert, indiskrete Fragen zu stellen. Wie 
würde es dir gefallen, wenn Fräulein Herta von dir ver 
langte, ihr über die Art und Weise, wie du deine letzten 
Tage zugebracht hast, Rechenschaft zu geben?» 
„O, ich würde mich außerordentlich geehrt fühlen, wenn 
sie es täte. Und ich würde ihr erzählen, daß ich dich 
während des ganzen ersten Tages, weil dir das Gehen 
sauer wurde, im Rollstuhl spazieren gefahren habe. Oder 
kannst du es vielleicht in Abrede stellen, daß ich es ge 
tan?» 
„Nein, durchaus nicht! — Du bist der aufmerksamste 
und zärtlichste Bruder gewesen, den ich mir nur immer 
hätte wünschen können. Aber ich weiß nicht " 
Doch ohne sich durch den halb ausgesprochenen Ein 
wand beirren zu lassen, fuhr der unerschütterliche Eber 
hard fort: 
„Und ich würde Fräulein Leuendorff weiter erzählen, 
daß ich am zweiten Tage noch etwas viel Größeres und 
Schwereres getan habe als das. Denn die kleinen Dienste, 
die ich dir erweisen durfte, bereiteten mir natürlich eine 
wahre Herzensfreude. Am zweiten Tage aber bin ich mit 
meiner geliebten Stiefschwester nach Nizza gefahren und 
habe den galanten Kavalier so musterhaft gespielt, daß ich 
mich gar nicht wundern würde, wenn sie seitdem von den 
örtlichsten Empfindungen für mich erfüllt wäre. — Nun, 
abe ich meine Zeit nicht nützlich angewendet? Und habe 
ich vielleicht Veranlassung, irgend etwas zu bereuen, was 
ich während Fräulein Leuendorffs Abwesenheit getan?»- 
„Nein — nein — nein 1" bestätigte Magdalene, halb 
gegen ihren Willen durch seine unwiderstehlich liebens 
würdige Art zum Lächeln gezwungen. „Ich fürchte nur, 
daß alle diese Dinge für Fräulein Herta nicht das mindeste 
Interesse haben, und daß du den glltSkWerken. deren du' 
mit soviel Emphase gcrühkckk^WWjetzt noch -ein 
für Hypoihekenzinfen nicht an und verweist die Inter 
essenten, die Beträge an die hiesige Gememdekass« zu 
zahlen. 
o ,Dc« »Ät BcrUnj—Danzig wieder frei. Die 
Fahrkartenrationierung, Hie anläßlich der Abstimmung 
in Ostpreußen zur Sicherstellung der Befördeung der 
Abstimmungsberechtigten erforderlich geworden ist, wird 
nunmehr für die Strecke Berlin—Stettin—Danzig und 
Berlin—Swinemünde nunmehr wieder aufgehoben. 
obh Die EinsührMg de« Groft-Berlister Stadtver- 
ostdnetgn. Der großen Bedeutung, die dem tatsächlichen 
Arbeitsbeginn der erwählten Abgesandten der neuen 
Stadtgemeinde Berlin innewohnte, wurde die gestrige 
Amtseinführung der Stadtverordneten nicht voll gerecht. 
Ein bißchen Feierlichkeit klang in den grünen Palmen und 
dem hellroten Kletterrosenschmuck hinter dem leeren Vor 
standstisch, in dem goldgneu Licht der elektrischen Kronen 
izwar durch — aber der an sich prächtige Fcstsaal des alten 
Berliner Rathauses, das der geschickte Baumeister Wasc- 
niann schuf, ist für solche Veranstaltungen ganz und gar 
nicht geeignet. Die Schallwirkung ist so schlecht, daß die 
gut gemeinte und wohldurchdachte Eröffnungsrede des 
Oberpräsidcntcn fast unverstanden im Saal zerslattertc 
und der Namensaufruf konnte bei der Amtsverpslichtung 
nur mit Muhe durchgeführt werden. Das alte Regime 
hatte für derartige feierliche Veranstaltungen doch eine 
glücklichere Hand. Schon die Tatsache, daß die neuen 
Stadtverordneten die Begrüßungsrede des Vertreters der 
preußischen Staatsregierung sitzend anhörten, während nur 
hinter dem künftigen Magistratstisch Herr Dr. Maier mit 
denr Obcrpräsidialrat Freiherr,: von Maltzahn standen, 
machte nicht gerade einen feierlichen und würdigen Ein 
druck. Und eine besondere Taktlosigkeit war es von der 
äußersten Linken des Hauses, daß schon bei den ersten 
Worten . des Oberprüsidentcn als er von der Selbstbe 
hauptung des deutschen Volkes gegenüber allen Feinden 
sprach, ein Zwischenruf „Hört, hört" ertönte. Dabei war 
das Groß-Berlincr Stadtparlament nicht einmal ganz 
vollzählig beisammen. Man sah manchen, der nicht da 
war: so den alten Freisinnsführcr Eassel-Äerlin, den un 
entwegten Unabhängigen Adolf Hoffmann, den deutsch- 
nationalen Präsidenten Dr. van der Borght und den Wil- 
mersdorfer Stadtverordnetcnvorsteher Fabian, und noch 
manch anderer Stadtvater hatte die Sommerfrische der 
Verpflichtung „durch Handschlag an Eidesstatt" vorge 
zogen. Dagegen schienen die 30 Frauen, die in der neuen 
Stadtverordnetenversammlung sitzen, sämtlich anivescnd zu 
sein. Der langatinigc Namensaufruf und die Händedrücke 
für über 200 Stabtväter und -mütter brachte ein stark 
auflösendes Moment in die Eröffnungssitzung. Es bil 
deten sich bald in den Saaleckcu kleine Fraktionsbesprcchun- 
gen, und erst die Glocke, des Alterspräsidenten Pfannkuch, 
der die Tagesordnung der nächsten Sitzung festsetzte, ver 
einigte wieder das kommunale Parlament auf eine Viertel 
stunde. Auf die Dauer ist ein Verhandeln der Stadtver- 
orductcnverfammlung in dem behelfsmäßig hergestellten 
Fcstsaal' ein Ding der Unmöglichkeit. Und wenn das 
Gerücht sich bestätigen sollte, daß wegen der hohen (etwa 
3 Milt. M. betragenden) Kosten von einem Umbau des 
alten Berliner Stadtvcrordnetcnsitzungssaalcs abgesehen 
werden soll, so muß eben nach einem anderen geeigneteren 
Sitzungssaal, etwa einer Aula, Umschau gehalten werden. 
Die nächste Sitzung der Stadtverordneten bringt die ersten 
Verhandlungen. Die Tagesordnung für Donnerstag Nach 
mittag 4»/» Uhr umsaßt folgende Punkte: 1. Vorläufige 
Annahme -der Geschäftsordnung der Berliner Stadtver 
ordnetenversammlung. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Wahl 
von zwbi Ausschüssen.zu je 25 Mitgliedern für die Wahl 
des Magistrats und für die Wahlprüfung und die Ver 
teilung der auf den Stadtlistcn gewählten Stadtverordneten 
auf die Bezirksversammlungen. 4. Veröffentlichung der 
Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung. — Wie wir 
hierzu erfahren, sind die'Fraktionen übereingekommen, als 
Vorsteher den Stadtv. Dr. Wehl (Unabh.) zu wählen, 
während die S.P.D., die Deutsche und die Teutschnationale 
Volkspartci je einen Stellvertreter mit gleichen Rechten 
wählen, die Deutsche Volkstzartci schlägt ihrerseits Stadt 
rat Benecke vor. Dem Vorstand sollen weiter acht Beisitzer 
angehören, die auf die Fraktionen entsprechend ihrer Stärke 
verteilt werden, so daß auch die kleinen Gruppen beteiligt 
sind. Die beiden 25er Ausschüsse setzen sich gemäß den 
Fraktionsstärken zusammen aus: 10 Unabhängigen, 4 So 
zialdemokraten, 4 Deutschen Volksparteilern, 3 Deutsch 
nationalen, 2 Demokraten, 1 Zentrum und 1 Wirtschaftl. 
Vereinigung. Diese beiden kleinsten Fraktionen "wollen sich 
für die Besetzung kleiner Ausschüsse zu einer losen Arbeits 
gemeinschaft verbinden. 
weiteres hinzufügen könntest. Indem du den beabsichtigten 
Spaziergang anträtest.» 
,,O. man darf auch des Guten nicht zu viel tun, 
Schwesterchen! — Und ich habe augenblicklich keinen an 
deren Ehrgeiz als den, mich nach meinen schwachen Kräften 
hier nützlich zu machen.» 
Aber trotz der Hartnäckigkeit seines Entschlußes, sich 
nicht qbschütteln zu lassen, hätte er doch wohl schließlich das 
Feld räumen müssen, wenn nicht der Zufall, der groß 
mütige Freund aller verliebten Seelen, als Helfer in der 
Rot eingesprungen wäre, indem er eben setzt den franzö 
sischen Arzt herführte, der seit ihrer Uebersiedlung nach dem 
Süden Magdalenens Behandlung übernommen hatte. 
Ein Dienstmädchen kam, um sein Erscheinen zu melden, 
und Magdalene mußte sich wohl oder übel in das Innere 
des Hauses begeben. 
Herta schickte sich an, ihr hastig zu folgen, aber Eber 
hard vertrat ihr den Weg. 
„Bitte, Fräulein Leuendorff l — Während der nächsten 
zehn Minuten kann meine Schwester sehr wohl auch ohne 
Sie fertig werden. — Und ich denke, Ihre Verpflichtungen 
gegen .wich hätten augenblicklich den Vorrang.» 
Zitternd, mit. niedergeschlagenen Augen wie eine Sück- 
derin.stand Herta vor ihm, ugd um ihre Mundwinkel 
zuckte es wie von mühsam verhaltenem Wernen, als sie 
leise erwiderte: 
„Meine Verpflichtungen gegen Sie? — Ich habe hier 
keine anderen Pflichten, als die gegen Ihre Schwester. 
Darum lassen Sie mich, bitte, zu ihr!». . 
. „Aber so blicken Sie doch um des Himmels willen Nicht 
so verstört, als ob ich etwas Entsetzliches von Ihnen ver 
langte. Ist es vielleicht großmütig, daß Sie sich weigern 
wollen, mir zwei oder drei Minuten unter vier Augen zu 
vergönnen? — Und ist es vielleicht klug? — Liegt nicht 
eine sehr dringende Notwendigkeit vor, daß wir uns über 
unser künftiges Verhalten mit aller nur möglichen Gründ 
lichkeit verständigen?» 
^Aber wir Laben uns doch darüber verständigt I'fnfltfcp 
■•0 Glücklich 12 B-ktsttzÄt. Der Magistrat in Vetschau 
(Meder-Lausitz) hat mit dem Pächter der städti 
schen Kirschenalleen ein Abkommen getroffen, wonach die 
Einwohner puf Karten das Pfund Kirschm.für 60 Pfennig 
.erhalten. 
obh ajcttj&pf des MckvinchmtfeS. Die Landesversiche- 
xungsanstalt Berlin hat, wie wir von zuständiger Seite 
Erfahren, das an ihr Verwaltungsgebäude angrenzende 
! „Marinehaus" erworben und wird cs zur Vergrößerung 
ihrer Verwaltungsräume verwenden. Durch die am 1. Ok 
tober eintretende Umgestaltung der Gemeinde Berlin wird 
der Umfang der Versicherungsanstalt um mehr als daS 
Doppelte vergrößert. 
o UnterstiützAjngsjtütiZkcit des Deutschen Kriegerbundies', 
Im Monat Juni 1920 wurden an Unterstützungen be 
willigt: a) Deutscher Kricgerbund: an Kameraden-Unter- 
stützungen 14 730 M., an Notstands-Unterstützungen 2300 
Mark, an Stockmarr-Gaben 1020 M., aus der Sammlung 
für Hinterbliebene 1914—18 gefallener Kameraden 2325 
Mark, zusammen 20 375 M. b) Preußischer LandeSkricgcr- 
verband: aus dem Fürsorgefonds 2620 M., an Witwen- 
Unterstützungen 703 M. Insgesamt 23 698 M. 
o Di« gegÄnwävtigcui Preise für Schuhrepargturen be 
rechnet die „Freiheit" auf Grund neuester Unterlagen fol 
gendermaßen: Ein Pfund Kernleder kostet 51 Mark, das 
würde für 220 Gramm Leder zu einem Paar Herren- 
stiefel 22,44 Mark ausmachen. Dazu kommen 2Vr Stunde 
Arbeitslohn je 6 Mark, gleich 15 Mark, und für kleine 
Zutaten 1,50 Mark, zusammen also 38,94 Mark. Rech 
net. man dazu noch 33V, Prozent Geschäftsunkosten auf 
auf den Arbeitslohn, also 5 M., so käme eine Gesamt 
summe von 43,94, also rund 44 Mark heraus.. Das 
wäre ein Preis, der sich rechtfertigen läßt, und der 
bei den jetzigen Lcderpreisen nicht wesentlich überschritten 
werden dürfte. Die Kosten für kleine Reparaturen sind 
hierbei aber nicht mitgerechnet und müssen besonders 
bezahlt werden. Es wird nun von .einzelnen Schuh 
machern ein bedeutend billigeres Angebot gemacht, doch' 
kann dies, wie glaubhaft versichert wird, nur aus Kosten 
der Lederqualität und der Arbeitslöhne für die Gehilfen 
geschehen. Diese Betriebe könüen aber nur dann ge 
deihen, und den übrigen Schuhmachern Konkurrenz machen, 
wenn letztere mit ihren Preisen zu sehr in die Höhe 
gehen, so daß der Unterschied allzu kraß An die Augen 
springt. 
o Wer dr!n Schaden hat . ... Die „faulen" Mieter sind 
trotz Wohnungsnot und Höchstmietenperordnung nicht aus 
gestorben. Ter. Unterschied ist nur der, daß sie früher 
zu der auf ständiger Wanderschaft befindlichen Bevölke 
rung gehörten, während sie jetzt seßhaft, sogar sehr seß 
haft geworden sind. Und Gnade Gott dem Wirt bor 
solchem „faulen Kopf", er wird ihn so leicht heute nicht 
los und bekommt den Aerger noch dazu — auf seine 
Kosten! Diese Mietspreller wissen immer, wie's gemacht 
wird. Früher ließen sie sich als „Trockenwohner" xin- 
mieten, die Unizugskosten vom Wirt vergüten und gingen 
nicht eher wieder aus der Wohnung, bis sie einen pu 
deren wohlwollenden Wirt gefunden hatten oder exmittiert 
waren. Zu holen war bei den Leutchen gewöhnlich micmrals 
etwas, denn sie besaßen Nichts,' ihre ganze Einrichtung 
war auf „Pump"; aber sie lebten einen guten Dag. 
Der Wirt war gewöhnlich herzlich froh, wenn er den 
Kumpan los war und machte 3 Kreuze hinter seinen 
Rücken. Heute aber ist cs mit dem Loswerden solche 
Sache. Auf die Straße kann der Mann nicht geworfen 
werden und eine andere Unterkunft ist so leicht nicht 
für ihn zu finden, wo doch beinahe jeder „Karnickelstall" 
in „festen Händen" ist. Das hat zu ihrem Leidwesen 
auch unsere Gemeinde erfahren müssen, nicht gerade als 
Vermieterin, sondern als Gutsagcrin. Einer ihrer Beam 
ten (der Straßcnmeister Schulz) wechselte, obwohl sein 
Vertrag noch nicht abgelaufen war, die Wohnung. Die 
Gemeinde war damit einverstanden und sagte für den 
Nachmicter auf die Dauer des noch laufenden Vertrages 
„gut". Der Nachmieter war nun einer jener „faulen 
Köppe" und sagte sich: hier wohnt sich's gut und billig. 
Wenn schon jemand für ihn gut gesagt hatte, was 
brauchte er da noch Miete zahlen. Also, er zahlte nichts: 
und wohnte frei. Der'Hauswirt hielt sich an den Ver- 
mieter und dieser an seinen Vrotgeber, die Gemeinde, 
die ja für ihn eingetreten war. Als der Mann hart- 
näckig jede Mietezahlung verweigerte, wurde die ^x- 
missionsklage gegen ihn angestrengt. Das machte wieder 
Kosten, die auch wieder die Gemeinde tragen mußte. 
So wurde die Schuldsumme immer höher. Aber den 
Mieter kümmert das nicht. Er sagt sich, der Staat muß 
seinem, Bürger .auch eine Bleibe geben; seht zu, wie Ihr 
sie in halber Verzweiflung. „Wir pno uoereingerommen, 
daß wir uns aus dem Wege gehen werden, wo immer wir 
können, und daß kein überflüssiges Wort zwischen uns ge 
wechselt werden soll, in Gegenwart der anderen ebenso- 
wenig, als wenn ein unerwünschter Zufall uns einmal 
ohne Zeugen zusammenführt.» 
„Ein unerwünschter Zufall?" wiederholte er vov- 
wurfsvoll. „Müßte ich Ihnen nicht um dieses häßlichen 
Beiwortes willen zürnen? — Und soll ich glauben, daß 
Sie gesonnen sind, es mit jener grausamen Abrede ganz 
buchstäblich zu nehmen?» 
Sie wollte bejahen. Aber als sie ihm ins Gesicht sah, 
in das hübsche, offene, treuherzige Gesicht, erstarb ihr das 
Wort auf den Lippen. Ihre Brust hob sich in einem 
tiefen Seufzer, und beinahe tonlos erwiderte sie nach einem 
kleinen Schweigen: 
„Ich wünschte oow»Herzen, Eberhard, daß ich die Kraft 
hätte, sie ganz buchstäblich zu nehmen." 
Beglückt und fröhlich lachte er auf. 
„Es ist nicht- hübsch von Ihnen, daß Sie solche Wünsche 
hegen. Aber es ist sehr hübsch, daß Sie sich nicht stark 
genug fühlen, sie zur Tat zu machen. Und weil ich in 
allem Ernst der Meinung bin, daß wir noch heute sehr 
Wichtiges und sehr Notwendiges miteinander zu besprechen 
haben, bitte ich Sie auf das Dringendste, mich nach Ein 
tritt der Dunkelheit unten auf,der Ruhebank in dem Oliven 
wäldchen zu erwarten.» 
Sie wollte es ihm, verweigern, aber er ließ sie gar 
nicht zu Ende reden. 
„Ich nehme keine Ablehnung an, weil ich weiß, daß 
es.Sie sehr.bald selber gereuen würde. Ich werde einfach 
unten warten, und ich bin in der Tat neugierig, ob Sie 
das Herz haben werden, mich vergeblich warten zu kaffen.» 
Damit winkte er ihr noch einmal zärtlich grüßend zu 
und verschwand raschen Schrittes unten im Garten. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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