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Periodical volume Nr. 155, 12.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

IN Fürsorge und Obhut der Gemeinde. Wir werden 
die Tafel in Ehren halten, ebenso wie wir das Gedächt 
nis und Andenken der Gefallenen in Ehren halten werden." 
— Der Gesang-Verein sang nun: „Ich hatt' einen 
Kameraden". Herr Oberbrandmeister Stolzenburg' 
sagte im Namen der Kameraden allen, die dazu beige 
tragen haben, die Tafel zu errichten, den herzlichen Dank. 
Besonderen Dank is pendele 'er dem Feuerlöschverein und 
dem Ausschüsse, vor allem aber dem Vorsitzenden, Herrn 
Gohlitz, der unermüdlich für die Errichtung der Ehren 
tafel tätig war und auch während der Kriegszeit beim 
Einlaufen der Nachricht über die Verwundung oder den 
Tod eines Kameraden sofort sich an alle möglichen Stellen 
'wandte, um Näheres zu erfahren. Auch dem Gesangverein 
sagte er Dank für die Verschönerung der Feier durch 
den Gesang. Darauf schloß er die Feier. 
Die Ehrentafel ist, wie schon in dex Rede des Herrn 
Gohlitz gesagt, aus Eichenholz «geschnitzt, nach dem Ent 
würfe des Bildhauers Herrn B u tz k e, der auch die Orna 
mente und Bildwerke an und in unserm Rathause ge 
schaffen hat. Am Kopfe der Tafel, die in die Südwand 
der Feuerwache eingelassen ist, steht der Name unserer 
Wehr: „Freiwillige Feuerwehr Lriedenau". Darunter ist 
ein Stahlhelm mit einem Lorbeerzweig. Dann folgt die 
Widmung mit den Namen: „Den Heldentod fürs Vater 
land starben: Fritz Dickow, 7. Juni 1917: Walter 
Nadler, 27. Oktober 1917; vermißt 30. Oktober 1914: 
Wilhelm Schmidt". Und nun der Feuerwehrspruch: 
„Einer für alle und alle für einen". Einfach undschlicht, 
gut in den Ramen des Raumes passend, aber doch von 
feiner, künstlerischer Ausführung, zeigt die Tafel die In 
schriften in erhabenen Buchstaben. Sie stellt eine würdige 
Ehrung für die im Felde gebliebenen Helden unserer 
Feuerwehr dar. 
Zer Berliner klnzelhaudel. 
Uns wird geschrieben: 
Zwischen Industrie und Großhandel einerseits und 
den Konsumenten andererseits ist der Einzelhandel nicht 
immer ohne Anfeindung geblieben, da er bald für über 
flüssig und bald für verteuernd gehalten wurde. 'Dennoch 
hat er nirgends mehr als im Laufe der letzten Jahre zu 
seinem Teil reichlich dazu beigetragen, wirtschaftliche Auf 
gaben zu erfüllen, obwohl ihm große Einschränkungen 
durch die Gestaltung der Verhältnisse auferlegt werden 
mußten. Das hat den Einzelhandel im allgemeinen natür 
lich stark beeinflußt, und die Groß-Berliner Verhältnisse 
haben besonders dazu beigetragen, daß der. Einzelhandel 
in eine besoiwers schwierige Situation geriet. Es ist nicht 
dasselbe, ob ganze Landesteile in der Provinz von der 
Größe Berlins in Frage kommen, die zwar auch die gleichen 
Ziele wie die Groß-Berliner haben, aber unter anderenl 
Grundbedingungen arbeiten, oder ob der Riese Groß- 
Berlin betrachtet werden muß. 
Ganz abgesehen davon, daß der Berliner Einzelhandel 
eine ganz andere Verbraucher-Organisation in den Einzel 
brauchen darstellt, als das in der Provinz der Fall ist« 
tragen die großstädtischen Verhältnisse wesentlich dazu bei, 
dem Einzelhandel weit mehr Schwierigkeiten entgegenzu 
stellen, als anderswo. 
Die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen 
haben es- mit sich gebracht, daß in der Hauvtstadt des 
Reiches auch am ersten der Hebel angesetzt wurde, um nach 
der Revolution Neuerungen durchzudrücken, die eine Probe 
aufs Exempel bedeuten sollten, wie sich das in allen Groß- 
Berliner Gemeinden zeigt. 
Auf Grund der Kommunalisierungsidce wurden Maß 
nahmen ergriffen, die für den Einzelhandel von tief ein 
schneidender Bedeutung waren, weil man dem allen zu 
nächst eigentlich nichts anderes als Widerstand ganz all 
gemeiner Art entgegenzusetzen vermochte, da Erfahrungen. 
auf diesem Gebiet absolut fehlten. 
Neue Verordnungen in der Regelung des Verkaufs 
wesens, neue Sonderbelastungen mannigfacher Art, Be 
schränkungen der Dispositionsmöglichkeitcn des Einzel 
händlers, Personalfragen, neue Steuerprojektc u. a. m. 
schufen Zustände, die von dem an sich unter Schwierigkeiten 
arbeitenden, Einzelhandel hemmend empfunden werden 
mußten. 
Wenn auch die Organisationen der verschiedenen Bran 
chen schnellstens das Fazit aus der neugeschaffenen Lage. 
zogen und mit Abänderungsvorschlägen, Abwehrmaßregeln 
———— ' 
einen hUchchen, treuen, zarnicyen -auuen, ... 
chmeichelnden, bald gebieterischen, aber immer zu Herzen 
»ringenden Klang seiner Stimme, daß Herta mit Erbeben 
»en Augenblick kommen fühlte, wo sie sich würde für be 
legt erklären müssen. 
Wie hinter eine letzte Zuflucht verschanzte sie sich end 
lich hinter die Frage: 
„Aber wie denken Sie sich denn überhaupt die Be» 
wirklichung Ihres abenteuerlichen Planes — hier in dem 
fremden Lande ?" 
Doch auch damit brachte sie ihn nicht für einen einzigen 
Augenblick in Verlegenheit. 
„Gerade weil wir in einem fremden Lande sind, ist es 
die leichteste Sache von der Welt. Meine Eigenschaft als 
amerikanischer Staatsangehöriger kommt uns dabei vor 
trefflich zu stakten. Wir sind nur um wenige Meilen von 
dem Amtssitz des nächsten amerikanischen Konsuls entfernt. 
Und es ist der glücklichste Zufall von der Welt, daß der 
Sohn dieses Konsuls einer meinerHeidelbergerKommilitonen 
gewesen ist, mit dem mich noch immer Bande der herz 
lichsten Freundschaft verknüpfen. Mit ihm kann ich alle 
Vorbereitungen und Formalitäten besprechen, und er kann 
die Sache so weit in die Wege leiten, daß für uns nichts 
anderes zu tun übrigbleibt, als uns rechtzeitig zur Voll 
ziehung des feierlichen Aktes einzufinden." 
„Aber man wird die Einwilligung Ihres Vaters ver 
langen, Eberhard!" 
„Auf keinen Fall! — Ich bin großjährig und nach 
den Gesetzen des Landes, in dem wir augenblicklich leben, 
für meine Heirat an keine elterliche^Zuftimmung gebunden." 
„Und wenn es sich auch alles so verhielte, die Aus- 
ührung Ibrer Absicht müßte doch schon an dem Umstande 
cheitern, daß wir uns unmöglich beide gleichzeitig von 
)ier entfernen können, ohne den Verdacht Ihres Vaters 
oder zum mindesten den Ihrer Stiefschwester zu erregen. 
Frau Hermann würde sicherlich ein Mittel finden, unsern 
Verbleib auszukundschaften. Und welche Szenen würden 
Ihnen und mir bevorstehen, wenn Ihr Vater die Wahr- 
heit erführe!" 
„Er wird sie nicht erfahren — verlassen Sie sich 
darauf, liebste Herta I — Natürlich werden wir nicht zu 
sammen rortgeyei,. Aber Sie wexdenMßA>"k^h,igeTage 
usw. kamen, so konnten-sie doch immer nur für gewisse 
Kreise sprechen und viele papiexne -Proteste sind 'sicherlich, 
da sie meist sich auf gleiche Gegenstände bezogen und sich 
im Inhalt nicht wesentlich unterschieden, in den Papierkvrb 
gewandert oder mindestens ungelesen geblieben. Man hört 
oder liest nicht eben dutzendmal im Grunde dasselbe, waS 
mit weit größerem Nachdruck vertreten werden kann, ivenn 
cs nur einmal und gestützt durch die Masse an die maß 
gebende Stelle herangclangt. 
In der Provinz hat man das längst erkannt, indem 
sich dort fast allenthalben die Einzelorganisationen zu 
Landesverbänden zusammengeschlossen haben. Der «zu 
sammenfassende Verband des Einzelhandels für Groß- 
Berlin fehlte aber bis bor kurzer Zeit und ist erst jetzt 
durch die Einzelhandelsgemeinschaft Groß-Berlin (Ge 
schäftsstelle Wilhelmstr. 80a) ins Leben getreten. , 
Die vielen Verbände des Einzelhandels sollen in einer 
Spitze vereinigt werden, die dem Einzelhandel eine größere 
Machtentfaltung bei gemeinsainer Regelung wirtschaftlicher 
Fragen gibt, Und dieser Spitzenorganisation haben sich 
von vornherein in bunter Reihe eine ganze Anzahl von 
Verbänden angeschlossen, welche nach rein sachlichen Ge 
sichtspunkten 'alle die Fragen lösen wollen, die in Groß- 
Berlin akut sind. 
Erst die Stadtperordnetensitzung vorn 23. v. M. hat 
uns gezeigt, daß das Kommunalisierungs-Problem nicht 
etwa an uns vorübergehe,: tvird, und wenn es nicht ge 
lingt, diese Lebensfrage des Berliner Einzelhandels in 
gemeinsamer Front zu behandeln, dann ist das Gewerbe 
rettungslos verloren, denn beim Kommunalisierungs- 
Problem handelt cs sich um Sein oder Nichtsein. 
Deshalb kann gerade jetzt die Einzelhandelsgcmein- 
schaft besonders »vcrtvolle Arbeit leistem weil sie durch 
die Macht der hinter ihr stehenden Verbände entsprechenden 
Einfluß auf die Entscheidungen im Stadtparlament zu 
gewinnen vermag. 
Es handelt sich nicht allein um Probleme der Zwangs 
wirtschaft, die in Sonderheit den Lebensmittelhandel an 
gehen. Es werden ebenso gut alle anderen Berufsgruppen 
berührt, ganz gleich ob cs sich dabei um Dinge aus der 
Bekleidungs-Industrie, aus der Textilbranche, aus dem 
Holzgewerbe, aus den Handwerkerberufen oder sonst woher 
handelt. Ebenso ist es gleichgültig, ob das Geschäft einen 
größeren oder kleineren Umfang besitzt — es. sind lediglich 
Grundfragen in Betracht zu ziehen, die durchweg einzig 
uns» allein und absolut nichts Trennendes aufzuweisen 
haben. Die Schlagader. des Gesihäftslcbens zu- stützen, 
ist die Hauptaufgabe dieser Emzelhandelsgemeiuschaft, und . 
das kann eben npr in zusammenfassender Form von einer 
Zentralstelle aus wirksam erfolgen. 
Bedauerlich würde es sein, wenn der Gcwerbestand im 
allgemeinen aus der Vergangenheit nichts gelernt, und 
nichts vergessen haben sollte, wenn er wonüiglich nach 
wie vor das Warenhaus gegen den.getverblichen Mittel 
stand, den größeren, Einzelhändler gegen den kleinen aus- . 
zuspielen sich anschickte, wo. nian doch hoffen darf, daß 
man jetzt etlvas großzügiger denken gelernt hat. 
i Die wirtschaftliche Bedeutung weder des' Einen noch 
des Anderen darf in Frage gezogen werden, aber die 
Fragen, die die Einzelhandelsgemeinschaft zu lösen hat, 
sind für beide Teile gleich wichtig und es können dabei 
keine Gegensätze zu Tage gefördert werden, weil es sich 
um Grundfragen der Existenz' handelt. Und in diesen 
Punkten muß Einigkeit vorherrschen, dagegen soll die 
Freiheit der Fachverbände nicht angetastet werden. 
Die Berliner Organisationen des Einzelhandels aber ■ 
müssen letzten Endes restlos zu dieser Einzelhandelsgemein- 
schast aufgehen, wenn der Einzelhandel zu einer Macht 
werden so.,, und nur eine solche kann in kommender Zeit 
innerhalb des neuen Groß-Berlin die Existenz sichern oder 
gar retten. 
SctsnnAtiäten W grieöemru M W»Mz. 
Kachdr, unsrer o^vrigbmlartikll nur mit OuelleuMgab« fljftaHctl 
f o -Zur Bäkastinitgab« detr. Lieferung von - Magermilch 
Es werden, die. Magerqnlchkarten mis dem Buchstaben A 
beginnend, der Abschnitt Dil, die Magermilchkarten mit 
dem Buchstaben L beginnend, der Abschnitt O ll in der 
Zeit vom 12.—17. d. Mts. mit je 1 Liter Meierei-Butter- 
milch .beliefert' 
o Billige Seif« für KriegÄbeschädigte und KriegS- 
hinterblieitzeue. Sämtliche in Berlin-Frieoenan wohnhafte 
bssursimpW. um ejne Freundin zu besuchen, vre »cy voruve» 
gehend in Nizza aufhält, während ich tags darauf «inen 
Ausflugnqch dex entgegengesetzten Richtung hin unternehme. 
Wir mußten doch ge(gtz»zn .qnf den Kopf gefallen fein, wenn 
wirmit nnsexen Plänen an eisieinso geringfügigen Hinder 
nis Schifforuch lefden könnten,« — — 
' Als, Herta ecne Viertelstunde später das sogenannte 
Studierzinsmer. verließ, geschah es mit dem Bewußtsein, 
ein Versprechen gegeben , und ein Gelöbnis abgelegt zu 
haben, ogs von> entscheidender Bedeutung für ihr ganzes 
künftiges Leben werden mußte. Und nie war ihre Seele 
ooti/fp zwiespältigen Empfindungen bewegt gewesen als in 
dieser Stunde.Wenn sie in dem einen Augenblick sehr ge- 
njeigt war, bitterlich zu bereuen, was sie getan, so fühlte 
sie sich im nächsten von einem so unaussprechlichen Ent 
zücken duxchschauert, daß sie um nichts in der Well die 
Seligkeit der Hoffnungen dahingegeben haben wstrde, die 
ihre Phantasie mit den sonnigsten und lieblichsten Bildern 
eifüllten. 
Wahrend sie behend und leise die Treppe emporeilte, 
hätte sie die halb instinktive Empfindung, von unsichtbaren 
Äugen beobachtet zu werden. Aber sie spähte vergebens 
in alle Winkel des Korridors, um die Spionin zu ent 
decken,'und-auch in ihrem Zimmer wie draußen auf dem 
Bnlkon vermochte sie nichts Verdächtiges wahrzunehmen. 
Ep war begreiflich genug, daß sie ihrer eifften Wieder 
begegnung mit Mäbel mit einiger Besorgnis entgegensah. 
Ab et wehn Johannes Roniingers älteste Tochter sich mit 
feindseligen'Absichten trug, so hielt sie jedenfalls den rechten 
Zpitvunkt zu ihxsk Ausführung noch nicht für gekommen, 
»in Uneingeweihter würde in ihrem Benehmen gegen die 
unge Gesellschafterin-eine merkliche Veränderung wah» 
zenommen haben. Ja, es konnte zuweilen sogar den An- 
cheirr gewinnen, als wäre sie gegen Herta freündlicher 
renn zuvor. 
1 Aber- so 'wenig sich Herta durch diese gelegentsiche 
Freundlichkeit beruhigt fühlte, so wenig fjeß sich ein anderes 
Mitglied der Familie dadurch täuschen. Auch sie kannte 
ihre'Stlefschwester und deren Gesinnung gegen das junge 
Mädchen zup Genüge, UM nicht an einen plötzlichen Wandel 
ibpetz'MfMndnnüen Lü alaüden. Und als sie an einem 
Kriegsbeschädigte nNd Kriegshinterbliebene können tri Ler 
Fürsorgcstelle, Maybachplatz, Fein- und Kernseife zu er 
mäßigtem Preise erwerben. Rentenbücher oder Renten- 
bewilligungsschrciben sind als Ausweis mitzubringen. 
o G« «i die wftÄlose SchvlgelderhShuujg. Die demo 
kratische Fraktion der Preußischen Landesversammlung 
hat beantragt, bei SchulgelderhöhNngen an staatlichen 
Schulen bie Zustimmung der Landesversammlung ein 
zuholen. 
oSM«VschgM> Morgen, Dienstag, den 13. d. Mts., 
feiert bas ^aromir Richter'sche Ehepaar, Laüterstr. 22 
loohnhaft, das Fest der Silberhochzeit. Dem Paare unsere 
herzlichsten Glückwünsche! Glück auf zur goldenen 50. 
v Bersschärsste ZuÄko>hjt«olle aus der Waninseebahr». Auf 
einzelnen' «Vorortstrecken, auf denen besonders morgens 
und «nachmittags ein starker Arbeiterverkehr besteht, sind 
die Wägen zweiter Klasse auch zu Zeiten des Berufs 
verkehrs ,so leer, daß man tatsächlich in der .2. Klasse 
„bequemer" «fährt als in der 3. Wagenklasse. Andere- 
Unsitten, die der Krieg mit sich gebracht hat, scheinen 
erheblich «schwerer auszurotten zu sein, z. B. das Rauchen 
in Nichtraucherabteilen. All diesen Uebertretern der Vor 
schriften wird das „erhöhte" Fahrgeld von 20 Mark 
abgenommen. *' 
o Die fliLGMiqnl Händler streiken und veranlassen die 
Inhaber der Obst- und Gemüsegeschäste das Gleiche zu 
tun. Die kleine Markthalle am Lauterplatz mußte in 
folgedessen «auch schließen. Wägen mit Gemüse wurden 
angehalten «und gezwungen, mit ihrer Ladung wieder 
uinzukehren. Wann wird die Streiterei endlich aufhören! 
Sollen unsere Einwohner noch mehr hungern. Kartoffeln 
und Brot sind jetzt schon knapp genug. 
vbh Dqs GrsoßBhhliner Stadtparlämewt. Die Groß- 
Berliner Stadtverordnetenversammlung ist Nach politischen 
Gesichtspnnkten gewählt und zusammengesetzt; sie wird 
ihre Geschäfte auch in politisch-parlamentarischen Formen 
führen. Die Fraktionen, haben sich gebildet. Was die 
nichtsozialtstischey Fraktionen anlangt, so ist zunächst nichjt 
damit zu rechnen, daß nach der einen oder anderen 
Richtung hin eine Verschmelzung zu einer großen bür 
gerlichen Fraktion stattfindet. Auch die kleinen Frak 
tionen her Wirtschaftlichen Vereinigung und des Zen 
trums werden voraussichtlich selbständig bleiben; möglich 
ist allerdings, daß sich unter Aufrechterhaltung der Selb 
ständigkeit ^ine.Art Arbeitsgemeinschaft unter den bür 
gerlichen Fraktionen herausbildet, die ein taktisches Zu 
sammengehen fordert. Zur Vorbereitung der ersten 
Sitzungen des Groß-Berliner Stadtparlaments hat sich 
aus den Vorsitzenden der Fraktionen ein vorläufiger 
Aeltestenrat gebildet. - 
o Lohnabzug zu ScheueWloeckon. Der Lohnabzug für 
Steperzwecke .vom Kostgeld des Lehrlings darf nicht er 
folgen, weil das Einkommen des Lehrlings unter 1500 
Mark jährlich beträgt Md Einkommen unter 1500 Mark 
steuerfrei sind. Diese Folgerung liegt nahe, weil auch 
bei Einkommen, aus Ruhegehältern. Witwen- und Waisen 
pensionen, Renten pnd dergl., sofern sie nicht mehr als' 
1500 M. betragen, ein Abzug nicht erfolgt. Von verschie 
denen Finanzämtern wird nun darauf aufmerksam ge 
macht, daß der Steuerabzug bei Lohneinkommen, auch 
wenn diese.unter 1500 M. bleiben, doch vorgenommen wer 
den müsse. Daß durch eine solche Maßnahme nur Un 
willen und Aerger bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern 
erregt werten, ist-selbstverständlich, wie es andererseits 
richüg ist, daß diese Aufregungen vermieden, und außerdem 
viel unnötige Arbeit und-Zeitverlust bei Arbeitgebern und 
Steuerbehörden erspart bleiben würden, wenn der Lohn 
abzug bei diesem an sich steuerfreien ^ Einkommen unter 
bliebe. Der Deutsche Buchdrucker-Verein ist deshalb beim 
Reichsministerium der. Finanzen darum eingekommen, daß 
der Steuerabzug bei diesen niedrigen Lohnabzügen unter 
bleibt. Es würden außer den Kostgeldern der Lehrlinge 
rwch die Löhne für Zeitungsträgerinnen, jugendliches Hilfs 
arbeiterpersonal, ferner Vergütungen an Volontäre usw. 
in Frage kommen. In der Sitzung des Reichs 
tages vom 0. Juli ist eine ergänzende Rege 
lung des Steuerabzugs vom Arbeitslohn beschlossen 
worden. Danach soll der Abzug gemäß § 45 gewisse Mil 
derungen erfahren. Im Falle der Berechnung des Arbeits 
lohnes nach Tagen sollen täglich 5 M. unberechnet, bei 
Wochenlohu 30 M, und bei Monatslohn 125 M. zunächst 
unberechnet bleiben. Der abzugsfreie Betrag erhöht sich 
für jede zum Haushaltgehörige Person im ersten Fall 
um.1/50 M.; im zweiten um 10 M. und im dritten um 
———i 
der nächsten Tage mit Herta m iyrem Zimmer aurin war, 
fragte sie geradezu: 
- „Wollen Sie-mir nicht anvertrauen; liebes Fräulein, 
was Sie in jüngster Zeit mit meiner Stiefschwester gehabt 
haben? — Ich bin gewiß, daß Sie mir etwas verbergen, 
was mitMabelrzufqmmenhängt. Ich habe sie ja längst in 
dem Verdacht,, daß sie darauf ausgeht, Sie aus dem Hause 
zu entfernen. Und es will mir scheinen, als ob sie neuer 
dings irgend etwas getan haben müßte, um ihrem Ziele 
näher zu kommen. Können Sie mir denn nicht sagen, 
was es gewesen ist?" 
Herta versuchte zu lächeln. 
„Frau Hermann und ich — wir stehen in der Tat 
nicht zum besten miteinander," sagte sie. „Ich glaube, sie 
hat mich im Verdacht, daß ich mit Ihnen gegen sie kon 
spiriere. Und ich habe leider kein Mittel, sie versöhnlicher 
gegen mich zu stimmen." 
„Aber sie soll dennoch nicht erreichen, was sie sich vor 
gesetzt hat," erklärte Magdalene mit einer Bestimmtheit, 
wie sie nur selten in ihrer Ausdrucksweise war. „Sie soll 
nicht, weil ich es einfach nicht ertragen könnte, hier ohne 
Sie zu leben." 
Dabei legte sie ihren mageren Arm um die Schultern 
der Gesellschafterin und sah Ihr mit einem rührend zärt 
lichen Ausdruck ins Gesicht. Herta fühlte, wie ihr das 
Blut heiß in die Wangen stieg» und in einem Gefühl des 
Schuldbewußtsein» schlug sie die Augen nieder. 
„Und wenn — wenn ich, nun doch gehen müßte?" 
sagte sie leise. „Würde es Ihnen denn wirklich Schmerz 
bereiten, Fräulein von Rominger?" 
„Sp viel Schmerz würde es mir bereiten, daß ich es 
upter keinen Umständen geschehen ließe." 
».Auch nicht, wenn es' der ausdrückliche Wille Ihres 
Vaters wäre?" 
»»Auch dann nicht. — Wenn man mit einem so be- 
scheidenen- Glück vorliebnehmen muß, wie es mir hier auf 
Exden heschteden ist, hütet man um so ängstlicher und um 
so enekgsscher> wa» man davy, besitzt. Wenn mein Vater 
dhe Wsichs ggsspräche. Sie fortzuschicken, würde ich ihn: 
erklären, daß er dann auch mjch fortschicken müsse, da ich 
ohn» Sie Uicht ecne Stunde länger unter ieinem Dache 
bliebe,": (Fortsetzung folgt.)
        
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