Path:

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

11 
o Frsc!d«ÄM«x Erfinder. (Patentschetu, zusammenge 
stellt vom Patenbüro Johannes Koch, Berlin NO. 18, 
8r. Frankfurter Straße 59). Ernst August Krüger, Char 
lottenburg, Hardenbergstr. 6, und Otto Clemens, Frie 
denau, Kaiserallee 99. Verfahren zur Herstellung duk 
tiler Stäbe aus hochschmelzenden Metallpulvern. Angeln. 
Patent. — Clemens Bertyold, Rheinstr. 62. Dampfmesser 
mit elektrischem Zähler. Ert. Patent. — Dipl.-Jngcnicur 
Alexander Barren, Büsingstr. 19. Rcchenqpparat zur 
mechanischen Darstellung des artilleristischen Kommandos. 
Ert. Pat. — Ernst Dworski, .Varzinerstr. 5. Kombinierte 
.Tabakspfeife, Zigarren- und Zigarettenspitze. Gebrauchs 
muster. 
o BerkchrÄhiajndbuch. Um den am Außenhandel be 
teiligten Finnen eine bequeme Möglichkeit zu verschaffen, 
sich über die Verkehrsbxrhältnisse nach, den verschiedenen 
Ländern zu unterrichten, bat. die Handelskammer zu Ber-<! 
lin unter dem Titel .„Verkehrshandbuch" eine Zusam 
menstellung anfertigen lassen, die darüber Aüsfchluß gibt, 
inwieweit der Post- und Telegraphenverkehr föwie Eisen 
bahngüterverkehr innerhalb Deutschlands (unter Berück-, 
sichtigung der besetzten Gebiete und der Abstimmungsge 
biete) sowie der Verkehr mit sämtlichen Ländern der 
Erde möglich ist. DaS Handbuch kaun zum Preise von 
sechs Mark und .vierzig Pfennig Porto beim Versand nach, 
dem Auslande mit den vorgeschriebenen Valutazuschlägen 
"gegen Voreinsendung des Betrages (Postscheckkonto Ber- 
in No. 3101) vom Verkehrsbüro der Handelskammer, 
Klosterstraße 41, bezogen werden. 
Etwas über Steuern aus klupuumeu. 
Uns wird geschrieben: 
Jetzt, bei Durchführung der Rcichseinrommensteiier, wacht 
sich besonders Widerstand gegen die Bestimmung des Gesetzes 
geltend, die teils zur Sicherung des Eingangs der Steuer, 
teils zur Erleichterung sowohl der Behörde, als des Steuer- 
Kühlers getroffen ist, nämlich gegen den Lohnabzugs Fqr 
jemand, der gewohnt ist, seine Steuer als etwas Unabwendbatfts 
pünktlich zu bezahlen, ist dieser Widerstand verwunderlich. 
Manchem Hausvater, oder, wo die Hausfrau die Kasse zu ver-. 
walten hat, mancher Hausfrau ist cs immer eine peinliche 
Sorge gewesen, am Steucrzahlungstermin das Geld zur Stcupr 
beisammen zu haben. Dieser Sorge ist sie nach Einführung 
des Lohnabzuges überhoben, indem durch denselbeir der S-uiex- 
betrag nach und nach angesammelt wird. Sie steht sich in 
finanzieller Beziehung dabei nicht besser und nicht schlechtct, 
«ber sie ist der Sorge um das Ansammeln der Summe zu 
einem bestimmten Termine los. Etwas anderes aber ist «es 
mit dem Hausvater, der sich nach Möglichkeit um das Steuer- 
zahlen mit aller Gewalt herumdrücken möchte. Dem, und 
zwar dem allein, ist der Lohnabzug höchst unangenehm, er 
ist mit. diesem Gesetz unzufrieden und schimpft weidlich darauf. 
Dieser Lohnabzug ist aber an sich ■ nichts Unbilliges, abge 
sehen von den Lasten, die durch ihn dem Arbeitgeber aufgelegt 
werben, aber wenn man durch unsere Finanzlage gezwungen 
ftm* ihn, durchzuführen, letzterem schließlich aufgehalst werden 
mußte. ' 1 
Biel schlimmer und ungerechter sind im übrigen manche 
Müderen Bestimmungen der Steuergesetze. Zum Beweise desseji 
toll hier einmal ausgeführt werden, was ein Steuerzahler sÄ 
sich und seine Ehefrau bei einem jährlichen Einkommen von 
»S 000 M. an Steuern zu zahlen hat und zwar einmal, wcnjr 
«j es aus Lohn oder Gehalt und zum anderen Male, wenn ex 
»Ü aus einem Besitz sünsprozcntiger NeichSanleihe bezieht. Jcki 
«stcn Fjalle, wenn sein Einkommen aus Lohn oder Gehalt bei 
steht, beträgt seine Gesamtsteuer nach den Gesetzen 1450 M.r 
5m zweiten Falle, also bei 5 Proz. aus 240 000 M. Kriegs^ 
«mleihe 3952 M. und zwar: 1. nach dem Reichseinkommen^ 
steuergesetz, unter Berücksichtigung des NotopserS nach 8 14 
»152. M-, 2. nach dem Ertragssteuergesetz 10 Prozent 'von 
»8 800 M. — 1200 M. und 3. nach dem Gesetz über daS 
kotopfer 5 Prozent von 32 000 M., die er als Notopfer ab 
gibt, also 1600 M. und zwar entweder, wenn ihm das Note 
.opfer gestundet wird und er es mit 5 Prozent, also mit 1600 
Mark verzinsen muß, oder indem durch Abgabe von 32 000 
Mark an den Staat er diesem die 5 Prozent, d. h. jährlich 
11600 M. zuwendet und selbst sein Einkommen um diesen Be 
trag vermindert. Im ganzen hat daher der Steuerzahler von 
»8 000 M. Einkommen im ersten Falle, wie schon erwähnt, 
41450 M. und im zweiten Falle 1152 u. 1200 n. 1600 =4 
?953 M. an Steuer von seinem Einkommen abzugeben, d. fj. 
jeä bleiben ihm int ersten Falle von den 12 000 M. zu feinet 
Verfügung 10 550 M. und im zweiten Falle dagegen nur 
8048 M. Gerecht wird dies wohl niemand nenen können. 
UlS während des Krieges dringend notwendig Geld gebraucht 
wurde, sprach man ganz anders zu deni, dessen Ersparnisse mau 
xvürde, ihn vor irgendeiner vielleicht noch verhängnis 
volleren Torheit zu bewahren. 
8. Kapitel. 
Es konnte in der Tat kaum einen geeigneteren Raum 
für eine ungestörte Aussprache geben als dies sogenannte 
Studierzimmer, das seinen Namen lediglich dem von oben 
bis unten mit schlechten französischen Romanen angefüllten 
Bücherschrank verdankte, und in das sich bisher weder 
Johannes Rominger noch Mabel oder Magdalene jemals 
verirrt hatten. Ein langer, viereckiger Tisch und ein paar 
Stühle bildeten neben dem erwähnten Schrank die gesamte 
Ausstattung des Gemaches, das in diesem Augenblick nur 
von der matten, ungewissen Helligkeit des durch die Fenster 
fallenden Mondlichtes erfüllt war. 
Da es weder Gas noch elektrisches Licht in der Billa 
gab, zog Eberhard, während Herta neben der Tür stehen 
blieb, sein Feuerzeug aus der Tasche und entzündete einige 
der Kerzen auf den Armleuchtern, die mehr alsDekorations, 
stücke, denn zum praktischen Gebrauch auf dem Kaminsims 
standen. 
Nun ging er auf die junge Gesellschafterin zu, erfaßte 
voll unendlicher Zartheit ihre Hand und führte sie zu einem 
der Stühle, um, nachdem sie sich niedergelassen, ihr gegen 
über an der anderen Seite des Tisches Platz zu. nehmen. 
„Sie halten mein Vorhaben nicht im-Epnst für ein . un 
sinniges," eröffnete er das Gespräch, „nicht.wahr, Fxäulxin 
Herta? — Es würde mir nämlich.sehr weh tun, wenn dies 
Ihre ernstliche Meinung wäre." 
„Aber ich kann es doch unmöglich anders nennen, Herr 
non Rominger! — Was,.um des Himmels willen, sollte 
Eie denn dazu bestimmen?" 
„Ich kann Ihnen keine anders Genugtuung bieten für 
all das Ungemach, das Sie um meinetwillen bereits er 
duldet haben und vielleicht noch weiter werden erdulden 
müssen." 
Herta ließ den Kopf ein wenig sinken, aber ihre 
Stimme klang doch ganz fest, als sie erwiderte: " 
„Was ich gesagt und getan habe, sagte und tat ich 
aus eigenem freien Willen. Sie haben mich weder dazu 
angestiftet, noch haben Sie mir auch nur Ihr Einverständ 
nis damit erklärt. Es wird also. auch,Mjeine Sache sein, 
stte Folgen zu traaen." 
brauchte und dargeliehen haben wollte und stellte 'ihm alle 
möglichen Sicherheiten in Aussicht» während man jetzt den, 
der noch Geld oder GcldeSwcrt hat, so quasi halb als Ver- 
brccher ansteht, mindestens als Kriegsgewinnler. Und doch 
sind die mäßigen und kleinen Vermögen in ihrer großen Mehr- 
.zahl dje zusammengehäuften jährlichen kleinen Erträgnisse rii.t.'s 
unter Sorgen und manchen sich auferlegten Entbehrungen ver 
brachten arbeitsreichen Lebens. Die Regierung könn.«: dies 
ans den Akten der Ergänzungssteuev über die. verflosseipn; 
30 Jahre, sowie aus den Akten über die Wertzuwachsstcucr 
unschwer feststellen. Die neuen, nicht immer mit den lüsten 
Mitteln erworbenen, oft großen Vermögen treten nPhr an das 
.Licht der Oefsentlichkcit, weil man die Erwerber meist vor 
'noch nicht langer Zeit als mittellos kannte, u. wirft nun alles in 
einen Topf, gleichviel ans welche''Art das'Vermögen.erworben 
Fcuprpache: Rathaus. Läuterstr., 19. Hinweise puf den nächsten 
Feuermelder 'befinden, sich an den Anschlagsäulen. 
Groß-Berliner Rettung?» und Krankeutransportwesen: Rettungs 
wache 44, Jfoldestraße 2. Tag und.Nacht geöffnet. Fern-. 
ru> Norden Nettungsamt. 
Füxsorgtstcllr für Tuberkulose und Alkoholkranke: Kaiserallee 
Nr. 64-65, Sprechzeit Dienstag und Mittwoch 12—1 Uhr. 
Beratungsstellen, für Geschlechtskranke: Schöncbe.rg, Belziger 
Straße 13. Sprechzeit für Männer Donnerstag 7—8 Uhr 
abends; Sprechzeit für Frauen Dienstag '7—8 Uhr abends. 
Charlottenbürg, Kitchstraße 20. Sprechzeit täglich von 12 
bis 1 Uhr, außerdem Montag und'Donnerstag von 8—9 
Uhr abends. 'Berlin, Am Köllnischen Park 3 in der.Landcs- 
versicherungsanstalt. . Sprechzeit für Männer Dienstag, 
Donnerstag, Sonnabend 7—9 Uhr abends; Sprechzeit für. 
Frauen Mittwoch 7—9 Uhr äbendsi 
Säuglings» und Kleiuklnderfütsorge ünd Mutterschutz: Rathaus, 
Lauterstraße 20, Erdgeschoß. ' Sprechzeit Montags 9>/z 
’ bis Ils/z'Uhr und Donnerstags d l / 2 bis 11>/s, Uhr. 
Kindergarten: Für noch nicht'schulpsiichnge Kinder 2. Gemeinde- 
schule, .Rheingaustraße 7) Geöffnet wochentags von .8 bis 
1 Uhr. • , ’ , .; • 
Kinderhort: Für schulpflichtige Kinder 2. Genstindeschule, Rhein 
gaustraße 7. Geöffnet wochentags von 2—6 Uhr nachm. 
Berufsberatung und Lchrsteljcnvermsttlung: Rathaus, .2, Stock, 
Zimmer 68. ' ' " ' ' , " , ' 
Arbeitsnachweis und Erwerbslosensürsorge: Ntedstraße 40-41. 
Männliche Abteilung Sprechzeit 9—1 Uhk; weibliche Ab 
teilung Sprechzeit 9—1 Uhr und, außer Sonnabends, 4 bis 
7 Uhr. ' " ' 
Amtliche Fürsorgcstelle .für Kriegsbeschädigte und. Kriegshinter 
bliebene in der Bürobaracke am Maybachplatz, Eingang 
Lauterstraße. 
KrlegSgrfangenfnhelmkehr: Rathaus, 1.. Stocks Zimmer 36—37. 
FiüchtlintzsfürsorgcstAle: Rathaus, i. Stock, Zimmer 36—37. 
Volksküche: Goßlerstraße 15, Speisenausgabe von. 111'/» bis 
' 4V, Uhr täglich. - - t , 
Rechtsauskunftsstelle; Rathaus, S. Stock, Zimmer 45. DienS- 
taq und Freitag von 6—8.Uhri 
Volksbücherei, Albestr...31:, Bücherausggbe.täglich, von 5—*.,8 
Uhr nachmittags', außqrhem Freitags von. 11—1 Uhr 
mittags. 
HÄMUMMWMAKMM 
' titiglücklichen'Verhältnisse gezwungen wär, in unverhältnismäßig 
kurzer Zeit die Gesetze zu verabschieden, so daß vine gründliche 
Uebrrlegnng über die Folgen -derselben, tpsp. wie auf bessere 
und gerechtere Welle derselbe Ef'ckt zu erreichen 'gewesen 
wäre, nicht möglich war. Unmittelbar , nachdem ein, Gesetz er 
lassen ist, kann man es natürlich nicht ändern, aber man fand 
Bedacht nehmen, daß beim. weiteren Ausbau der Gesetzgebung 
und zwar nicht Nur der speziellen Finanzgesctze, die . bisher an 
gerichteten Schäden und Ungerechtigkeiten nach Tunlichkeit o> 
mildert werden. ' R. H. 
ZaTcbrifters 
CJSv dirs« Nubrll übernehmencniir, kein» LercurüsarkMH) 
Enjdlkch taßi feitest, gegangen! 
..Utffet dieser Aeberschrift berichtöt der „Frisdenauex 
Lokal-Anzeiger", von . der Festnahme .einer „Aufwärterin'l 
Emilie Knüppel, die seit Münaten. 'hiesigeFamilien gef 
brandschatzt'hat und überall, große, Beute gemacht hat; 
Diese Notiz veranlaßt doch, zum Nachdenken. Man mutz 
die. hiesige Kriminalpolizei begliickwünschen,. daß ihr der 
gnt^Fanj^gelunger^st^Zweifelloshm^gnan^e^hier^mit 
- " ”*■ ■ . . * iv-i i 
„Aller Sie haben im Augenblick vielleicht kaum eine' 
richtige Vorstellung von der währschemstchöiiDcsckschsenheK 
dieser Folgen. Meine Stiefschwester wixd Sie sorlan als; 
ihre Todfeindin ansehen, .und sie gehört' nicht. Zuden 
.Leuten, die, wie es in. der Schrift heißt, feüxigesKqhlen.,Huf 
. das Haüptz ihrer Feinde säniijiel»." 
»Ich weiß es. ' Mer das Schlimmste, was sie mir. an- 
sun kann, ist doch, haß sie mich fortschickt. Ich glaube nicht 
einmal, daß sie Ihren .Vaters gegen mich .aufbringen wird. 
Ein Skandal, der ihn Und seine Familie,'in dgs(.feerede 
der Leute bringen kbnüte, ist ja .vielleicht, hasseinzige, was 
Herr pan Rominger hier auf. Erden fürchtet." 
Eberhard, nickte. " ' .. . 
„Sie heurteilen meinen.Vater ganz richtig, und es, ist 
in der Tat nicht unmöglich, daß meine'Stiefschwester aus 
Klugheit darauf verzichtet, sich seiner, gegen uns zu be 
dienen. Aber' damit ist nicht gesagt, daß.,sie. Ihnen,ver- 
zeihen, würde, Ufas Sie ihr ihrer. Meinung . .nach , angetan, 
ynd Sfe können, sicher fein, daß "sie. Mittel und! Wege 
finden 'würde, Jhneir zu schadeU —. Ihnen ,so emphndlich 
zu schaden, daß Ihr ganzes günstiges Leben.dqpurch zer» 
stört werden könnte." 
„So wird,mir eben.nichts anderes übrigbleiben-, als 
, ausZrtzien Stücken von' hier fortzugehen." ' ' ' 
„Und meiste Schchesier? — Fhllt Ihnen der.Gedgstke 
. an daS HerzeMd, das. Sie,, der atmen- Magdalene damit 
zufützen würden, destst gar nicht auf dle Seeli?". s 
„O ja — ja! — Aber was soll,ich tun.? Ls ist'doch 
auch schrecklich für mich, hiersweltSr'zp leben — mit Frau 
Hermann — und mit dieser'Loclle." ' - ' s '. ' 
Alle ihre. Bemühungen Und,Ihre, heiligen Vorsätze,,ge- 
faßt und tapfer zst tzleiben, waren nun'doch vergeblich ge 
wesen. Sie hotte heldenmütig gegen die aufsteigenden 
Tränkn gekättlpft, nun abek, versagte plötzlich',, ihre.Kraft, 
UNd, sie brach, jn ein heftiges Schluchzen aus.'! Lb^xhard 
sprang auf undwar mit eister einzigen raschen. Bewegung 
an ihrer Seite. „* ' ' 
„Das ist es ja eben, was ich Ihnen so,,gut — ach», so 
gut nachfühlen künU. — Und' weil es nicht rn meiner 
Macht steht, die..Pein..dicser nächsten Zeit von Ihnen ab- 
zuwenden — weil ich Ihnen zumuten muß, die "Leihen 
und Deniütiguliaen, die man Ibnen zugedacht hat,' noch 
für eine kleine Weile zu ertragen, darum würde ick, der 
aller Menschen - sein.,wenn .Sis sichweigerU 
einer Meisterdiebin. in ihrer Art zu tun, die furchtlos 
„aufs Ganze" ging. Aber sehr geschätzte Fricdenauer 
Hausfrauen, die Sie von solchen Elementen heimgesucht 
werden, haben Sic nicht mit Schuld, wenn solche Hyänen 
ihr Handwerk ausüben können? Die Vertrauensseligkeit 
rächt sich bitter, wenn man einer Person so ohne weite- 
res den Haushalt überläßt! — Erkundigungen bei der 
letzten Arbeitsstelle sind unerläßlich. Notwendig ist. sorg 
fältigste Prüfung der Papiere, besonders, ob die Jnva- 
lidenkarte in den letzten Monaten geklebt ist, ein Beweis, 
daß die Arbeitssuchende nicht gerade aus dem Zuchthause 
kommt. Geburtsschein und vor allein polizeiliche Anmel 
dung und rechisgiltig empfangene Lebensmittelkarten sind 
zu prüfen, wist man sich vor Schaden bewahren. Schon 
im Interesse aller Frauen und jungen Mädchen, die Auf- 
wartestellen innehaben und unsere geachteten Mitbürge 
rinnen sind, muß man ein scharfes Auge ans andere 
zweifelhafte Elemente haben. Ist es doch erwiesen, daß 
nach bestimmtem Programm gearbeitet wird! Man achte 
.besonders, auch auf die Besucher, die dann auftauchen, 
Bestellungen ausrichten, um die Gelegenheit auszukund 
schaften, die dann zum Einbruch oder zum Diebstahl 
führen. — Wenn die Hausfrauen weniger vertrauensselig 
und mehr vorsichtig wären, blieben sie vor Schaden und 
Aufregung verschont! — Lieber gar keine Aufwartefrau, 
— als eine Diebin, die unter falscher Flagge segelt! 
Carl Beer. 
Denn einer.... 
^»Wknn einer eine Reise tut, so kann er was er 
zählen".- So sagte inan früher mit Recht. Und heul- 
' zutage? Nun ja, ich glaube, das Wort, paßt auch heute 
noch — ja ja! ' Es paßt noch! Darum also — ich tat 
eine Reise und — kann was erzählen. 
.Es'war dm Montag, den 17.. Mai, als ich mit 12 
Fricdenauer Kindern, und zwar 5 Mädchen und. 7 5knaben, 
die Fahrt nach Scheidegg im bahr. Allgäu, nach der. 
Prinzrcgent Lnitpold-Kinderheilstätte antrat. Früh 4 Uhr 
sollte, sich die Reisegesellschaft am hiesigen Rathaus zu 
sammenfinden. Ein herrlicher, sonnenheller Morgen be 
grüßte uns, und die meisten waren auch pünktlich zur 
Stelle, aber bis gegen stzü mußte doch auf einige Lang 
schläfer gewartet werden. Etrdlich waren alle da, und 
nun gings in flotter Fahrt im Gcmcindeauto durch die 
stillen Straßen nach dem Anhalter Bahnhof in Berlin. 
Zwei. Abteile wurden..im schon bereit stehenden Zuge 
belegt, der sich. Pünktlich 5,20 Uhr in Bewegung setzte, 
begleitet von einigen Angehörigen, die uns bis' zum 
äußersten Ende des Bahnsteiges das Geleit gaben, galt' 
, es doch .Abschied von ihren Kleinen zu nehmen ans we- 
, nigstens 3 Monate, und das mag Wohl mancher Mutter 
nicht so leicht geworden sein! — 
. In..Bitterfeld war. das erste Umsteigen nötig, eine 
mit dem vielen, teils sehr schweren Hanstgepäck der Kin 
der, nich^ ganz einfache Sache. 10,46 langten wir Llück- 
lich ans., dem riesigen Bahnhof in Leipzig an, der mit 
Ausdrückeit wie :„Na,. das ist allerhand!" und ähnlichenr 
gebührerck» bewundert wurde. Da wir in Leipzig 5l» Stun 
den Aufenthalt hatten, ließen wir das Gepäck auf dem 
Bahnhof (ein heutzutage teurer Spaß) und machten einen 
Spaziergang durch die Stadt. Wir kamen durch schöne An 
lagen/mit Teichen.<und Denkmälern, vorbei am Ptadt- 
theäter auf dem Augustus-Platz, wo „ganz wie bei uns"> 
. die Leute .nach Eintrittskarten „anstanden". Unser Zlck 
war, das Grassy-Mnseum, ein hochinteressantes Vöster-i 
künde. Museum. Was gab's da alles zu sehen! Beson 
ders gefieleil den Kindern die lebensgroßen Nachbildungen 
.der Völker aller Erdteile, die Modelle ihrer Wohnhäuser, 
ihre ' Erzeugnisse, Schmuckgegenstände, die Tanzmasken, 
die fratzeithaften Götzenbitber einiger Süd.see-Jnsulaner, 
die als Strauße verkleideten Straußenjäger. Der von 
11 Hunden gezogene Schlitten eines Lappländers, eist 
Eskjmo in seinem Kajak, die prächtig mit Gold, Silber 
und Seide gestickten Gewänder der Chinesen und Japaner 
erregten hellste Bewunderung. Ein japanisches Häuschen 
mit Küche, einer ihr Kind kämmenden Mutter, einer Tee 
trinkenden Gesellschaft, die auf Matten am Boden saß, 
wurde von allen Seiten betrachtet. Mit einer Ncckscha 
. oder. einer chinesischen Sänfte mochten sie am liebsten! 
gleich nach Scheidegg, fahren. Herrliche Vasen, Fahnen,. 
woiuen, mein Llnerviereu anzunehmen. Ich kann Ihnen 
damit die .nächste Zttkuiist .wicht, erleichtern,, aber ich kann 
Ihnen damit doch die tröstliche Gewißheit verschaffen, daß 
alles zu einem guten Ende kommen wird. —Mn eine 
Heirat vor aller Welt ist nach Lage, der Dings im Augen» 
' blick ja leider nicht zu denken. Und wie Sie meinen 
. Vater kennen, brquche ick, Ihnen kaum zu sagen, warum 
nicht daran zu denken ist. Aber es wird mir sicherlich 
nqch und .Nhch.gelingen, ihn meinen Wünschen willfährig 
.zu tnqchen. .Und wenn er einmal seine Zustimmung ge 
geben hat, wird er sich auch damit aussöhnen lassen, daß 
wir diese,Zustimmung nicht erst abgewartet haben, um eine 
oollpndete Tatsache zu schaffen. Was auch immer aber 
bis dahin geschehen mag, Sie können es ruhig ertragen, 
tn dem Bewußtsein, daß Sie die Karten in der Hand 
. haben, die zu guter Letzt doch das Spiel entscheiden 
' müssen." 
Die Schwäche, von der sie überwältigt worden war, 
hatte es ihr bisher unmöglich gemacht, den Strom seiner 
Rede zu unterbrechen. Run aber rief sie mit bittend 
erhobenen Händen: 
„Nein — nein — nein! — Was Sie da zu tun ge 
dachten, war ja eine offenbare Torheit, ^nd es wäre 
schlimm, wenn nicht wenigstens einer von uns beiden seine 
. klare Vernunft bewahrte. Aber ich danke Ihnen — danke 
Ihnen von Herzen. Denn wenn Ihr Vorschlag eine 
Donquichotterie ist, so ist er doch 'auch hochsinnig und 
edel. Ich werde das sicherlich niemals vergessen." 
Statt aller anderen Antwort legte er seinen Arm um 
ihre Schulter, neigte sein lächelndes Gesicht auf das ihre 
berab, das. noch feucht war von den eben vergossenen 
Tränen, und küßte sie auf den Mund. Herta hatte sich 
sträuben, hatte ihn zurückstoßen wollen, aber es war, 
als hätte sich plötzlich eine süße, wohlige Mattigkeit lähmend 
auf ihre Glieder gelegt, und als würde sie durch eine ge 
heimnisvolle Macht, die stärker war als ihr Wille, ge 
zwungen, seine Liebkosung zu dulden. Wie ein Glutstrom 
rann es unter der Berührung seiner warmen jungen Lippen 
durch, ihre Adern, sie mußte dir Augen schließen, und Eber 
hard, suhlte den heißen.Druck seines Mundes von den 
weichen, huschen Mädchertlippen leise erwidert. 
(Fortsetzung folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.