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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Beilage z« Ns. 154 des „FriedermW 
Sonntag, dm 1t. Juli 1920 
Aus der Geschichte Schöuebergs. 
Rückblicke von E. F l a u g e r. 
Fortsetzung.) 
VII. 
Bis zur Uebersiedlung des Bolanischen Gartens von 
Schöneberg nach Dahlem war ersterer einige Jahrhunderte 
lang eine Sehenswürdigkeit, deren Bedeutung und wissen 
schaftlicher Wert nicht immer gleich waren. Der erste 
Botanische Garten befand sich auf dem Gelände des 
heutigen Berliner Lustgartens. Georg Wilhelm, der Vor 
gänger des Großen Kurfürsten, hatte dort einen schönen, 
in Terrassen zur Spree abfallenden Garten angelegt, in 
dem die kurfürstlichen Familienmitglieder ungeniert lust 
wandeln und sich nach Belieben aufhaltm konnten. Der 
Große Kurfürst gab ihm den Charakter eines' Botanischen 
Gartens. ■ > 
Er hatte in Holland einen blühendm Obst und 
Gemüsebau kennen gelernt und versuchte sein eigenes Land 
auf die Höhe des holländischen Vorbildes zu bringen. 
Als Bersuchsterrain wählte er den kursürstlicben Küchen 
garten an der Potsdamer Chaussee aus, ließ aber Palmen 
und andere ausländischen Pflanzen von Holland nach dem 
Lustgarten kommen, aus dem auf diese Weise der erste 
Botanische Garten entstand. Bemerkenswert ist, daß aus 
jener fernen Zeit noch ein lebender Zeuge sich bis zur 
.Gegenwart erhalten hat. Es ist die sogen. Kurfürsten 
palme im Bot. Garten zu Dahlem, eine Zwergpalme 
Chamacrops humilis, die der Große Kursürst aus Hol 
land mitgebracht und selbst beim Einpflanzen im Lust 
garten geholfen hatte. Friedrich I. ließ sie — weil sie 
feinem Vater so viel Freude gemacht hatte, nach dessen 
Tode nach dem damals neuen Bot. Garten an der Pots 
damerstraße bringen, von wo aus sie die Uebersiedlung 
nach Dahlem glücklich überstanden hat. Sie ist kein Pracht 
exemplar. wird aber mit Erfolg als historische Reliquie 
gehegt und gepflegt. So lebt sie noch, während alle 
Zeitgenossen ihrer Herkunft längst den Weg alles Irdischen 
gegangen sind. 
Der alte Botan. Garten in Schöneberg war größer 
als der heutige Kleistpark. Begrenzt von der Pallas-, 
Elsholz- und Grunewaldstraße, reichte er südlich bis über 
das heutige Gelände der Potsdamer- und Anhalter Eisen 
bahn hinaus und erstreckt ^ich westlich bis zur heutigen 
Helmstraße. Die im jammervollen, ungepflasterten Zu 
stande befindliche Landstraße nach Potsdam führte direkt 
durch den Garten. 
Im Jahre 1656 ernannte der Große Kurfürst den 
Botaniker Dr. Elsholtz zum ersten Aufseher über den 
Garten. Aber schon 1679 fand der Kurfürst bei feiner Rück 
kehr aus dem französisch-schwedischen Kriege den Anbau 
der Küchen- und Gartengewächse gänzlich in Verfall ge 
raten. In der ganzen Umgegend Berlins lag der Gemüse 
bau sehr darnieder. Selbst die kurfürstliche Tafel mußte 
ihren Blumenkohl, den Sellerie und auch Obst aus Ham 
burg, Braunschweig, Erfurt und Leipzig beziehen. Darin 
sollte nun eine Aenderung eintreten. Der Kurfürst lieh 
aus Holland den Gärtner Michelmann, der sich in der 
t olge außerordentlich bewährte, zur Einrichtung des 
laßes für seinen Obst- und Küchengarten kommen. Der 
damals sehr nasse und torsige Grund und Boden erforderte 
die Anlage von langen, tiefen Gräben „sowohl auf beiden 
Seiten als hinterwärts" des Gartens; diese Gräben wurden 
mit Fischen bevölkert. Die benachbarten Dörfer hatten 
dem Garten die notwendigen Hofedienste zu leisten. Der 
Kurfürst kaufte ferner zwei auf der Berliner.Stadtflur 
gelegene Wiesen dazu; auch überwies er dem Garten einen 
beständigen Knecht und zwei Pferde aus seinem Marstalle, 
welcher auch einige Hundert Fuhren Dünger zu liefern 
hatte 
Zuerst wurde der Garten mit Pflanzen aus dem 
Lustgarten versehen. Bald sorgten Italien, Frankreich, 
England und Holland für wertvolle Beiträge, die aus- 
Der Zolm des Millionär;. 
Roman von Florence Warden. 
13 lNachdruck der tuten.) 
' „Ah', das ist ja sehr überraschend. — Und wer war 
es sonst?" 
„Ich werde Ihnen seinen Namen unter keinen Um 
ständen nennen." 
„Wollen Sie mir auch nicht sagen, was dieser — 
dieser geheimnisvolle Unbekannte auf dem Balkon unseres 
Hauses zu schaffen hatte?" 
„Er war gekommen, um mich zu sprechen." 
„Mitten in der Nacht? — Fühlen Sie denn nicht 
selbst, wie ungeheuerlich diese Ausflucht ist? — Muten Sie 
mir im Ernst zu. an ein solches Märchen zu glauben?" 
„Ich kann trotzdem nichts anderes sagen. Wenn er 
mich ungesehen sprechen wollte, so gab es für den Herrn, 
dessen Namen ich Ihnen nicht nennen kann, keine andere 
Möglichkeit, als daß er es zu nächtlicher Stunde versuchte. 
Sie selbst, gnädige Frau, wissen ja am besten, daß ich 
während des Tages unter ständiger Aufsicht und Beob 
achtung bin und daß niemand sich mir würde nähern 
können, ohne von dem einen oder dem anderen Aufpasser 
bemerkt zu werden. Hätte ich von seinem tollkühnen Bor- 
haben gewußt, so würde ich mich natürlich bemüht haben, 
es zu verhindern. Aber auch ich war erst durch dasselbe 
Geräusch aufmerksam geworden, das auch Sie aus dem 
Schlafe weckte. Und da ich den Herrn, nachdem ich ihn er- 
kannt hatte, unter keinen Umständen fremden Blicken preis 
geben konnte und durfte, wählte ich den einzigen mög- 
lichen Weg, um ihn einer Entdeckung zu entziehen. Ich 
ließ ihn in mein Zimmer, verbarg ihn, als Sie an die 
Tür klopften, in meinem Kleiderschrank und hals ihm, als 
alles wieder still geworden war, das Haus auf bemfelven 
Wege zu verlassen, auf dem er es betreten hatte." 
Mabel glaubte kein Wort von alledem. Aber dre 
Ruhe und Sicherheit, mit der Herta ihre Erzählung vor 
gebracht hatte, versetzte sie nichtsdestoweniger m eine ge- 
wifle Unentschlossenheit und Verwirrung. Und sie wußte 
für den Augenblick die Situation nicht anders zu retten, als 
durch die mit schneidendem Sarkasinus vorgebrachte Be 
merkung : ~ 
„Nun, ich bin jedenfalls sehr gespannt, was .meixjAater 
zu Ihren nächtlichen Abenteuern jagen.J»* r 
Leuendorfft" 
wältigen Gesandten machten sich bei dem Kurfürsten gern 
durch Zusendung seltener Pflanzen beliebt. Er ließ es 
nicht dabei bewenden, seinen Gärtner zu beaufsichtigen, son 
dern legte selbst mit Hand an und suchte nach wichtigen 
Staatsgeschäften am liebsten Erholung bei den Obst- 
bäumen, welche er mit eigener Hand pflanzte, veredelte 
und in ihrem Wachstum .pflegte. Seine Söhne mußten 
sich im Sommer viel hier aufhalten. 
So wurde .auch das .Interesse für den Garten in 
dem nachmaligen Friedrich I. geweckt, der nach dem Tode 
des Großen Kurfürsten den Sohn des Gärtners Michel 
mann Studienreisen machen ließ und ihm später die 
Stelle seines Vaters übertrug. Friedrich verwandelte den 
kurfürstlichen Küchengarten in einen königlichen Lustgarten. 
Er ließ Glas-, Früh- und Treibhäuser anlegen. Vierzehn 
Dörfer mußten dem Garten, welchem das Holz aus dem 
Spandaner Forst geliefert wurde, vollkommene Hofedienste 
leisten. 
Unter Friedrich Wilhelm I. brachen trübere Zeiten 
für den königlichen Lustgarten herein. Der Soldaten 
könig, der in seinem nüchternen, praktischen Sinn für 
wissenschaftliche Bestrebungen wenig Verständnis hatte, 
mochte wohl den Garten für überflüssig halten. Er 
entzog dem Garten jede Unterstützung, so daß er einge 
gangen wäre, wenn nicht der Leibarzt Gundelsheimer die 
Erlaubnis erwirkt hätte, den Garten auf eigene Kosten 
weiter zu erhalten. (Erst Friedrich der Große bewertet 
die wissenschaftliche Bedeutung des Gartens richtig und 
wendete ihm reichliche Mittel zu.) 
Von denz französischen Botaniker Tournefort, mit dem 
Gundelsheimer zusammen Reisen nach der Levante unter 
nommen hatte, erhielt er eine Fülle kostbarer Samen 
und Gewächse. Die Aufhebung des Berliner Lustgartens 
trug auch zur Vermehrung des Pflanzenreichtums im Bo 
tanischen Garten bei. Doch die Zeit des Aufschwungs 
war von kurzer Dauer, da Gundelsheimer bald starb. 
Nun blieb der Garten wieder, dem Gärtner allein über 
lassen. Auf dessen wiederholte Beschwerde wurde der da 
maligen Sozietät der Wissenschaften im Jahre 1718 die 
Unterhaltung des Gartens aufgetragen; bei ihren sehr ge 
ringen Einnahmen war ihr dies jedoch eine drückende 
Bürde, die sie soviel als möglich von sich abzuwälzen 
suchte. 
Seitdem im Jahre 1723 das Collegium Mcdico-Chü- 
rurgicum völlig eingerichtet, und die Aufsicht über den 
Garten dem Professor der Botanik Ludolf übertragen war, 
hielt dieser wöchentlich 1 bis 2 öffentliche Pjlanzen- 
demonstrationen im Garten ab. 
Die beiden Gärtner Michelmann taten ihr Mög 
lichstes, um der fortschreitenden Verwahrlosung dieser 
Schöpfung des Großen Kurfürsten Einhalt zu tun; doch 
waren sie allein bei der geringen Unterstützung durch die 
Societät und den König nicht dazu im Stande. Nach 
einen! Bericht aus dem Jahre 1725 war die Hälfte des 
Gartens wegen mangelnder Arbeitskräfte überhaupt nicht 
bebaut worden, ,cher den Garten umgebende Bretterzaun 
war verfault, so daß die wilden Schtüeine nächtlich ein 
brachen, die Wurzeln und Knollen auswühlten oder. die 
Gewächse zertraten. Den Knecht und die beiden Pferde 
aus dem Marstall, die der Große Kurfürst dem Garten 
überwiesen hatte, entzog ihm Friedrich.Wilhelm wieder 
und legte dadurch der Societät eine neue Last auf. 
Ein gänzlicher Umschwung in diesen kümmerlichen 
Verhältnissen trat erst nach dein Tode Friedrich Wil 
helms I. ein. 
An den Pachtverhältnissen der Königl. Domänen war 
unter den vorherigen Regierungen viel herumexperimen 
tiert worden. Unter Friedrich Wilhelm I. nahmen die Ver 
hältnisse festere Norm an. Zahlreiche Akten aus dieser Zeit 
geben darüber wünschenswerte Auffchlüsse. 
So macht im Dezember 1716 die Königl. Preußische 
Amtskammer in einem öffentlichen Anschlage bekannt, die 
königlichen Vorwerker Willmarstorff, Schöneberg und 
Da erhob das junge Mädchen den Kopf und sah ihr 
mit festem, klarem Blick in die boshaft glitzernden Augen. 
„Er wird sagen, Frau Hermann, daß Sie sehr unrecht 
daran getan haben, als Gesellschafterin für seine Tochter 
ein Mädchen zu engagieren, von dessen Charakter und 
von dessen Verhältnissen Sie so wenig wußten. Und er 
wird sehr ungehalten sein über die Aussicht auf den 
Skandal, den ein plötzliches Davonjagen dieses Mädchens 
wahrscheinlich im Gefolge haben wird." 
Wenn ein Blick die Macht hätte zu töten, so würde 
Herta ohne allen Zweifel im nächsten Moment leblos von 
ihrem Stuhle gesunken sein. Denn der Schlag, den sie 
da zu ihrer Verteidigung geführt, hatte ihrer Gegnerin ge 
zeigt, daß sie in Wahrheit noch sehr weit entfernt sei von 
dem Siege, dessen sie sich schon ganz sicher geglaubt. Und 
die mißtrauische Abneigung, die sie gegen die Gesell 
schafterin gehegt, seitdem sie wahrgenommen, in wie hohem 
Maße sie Magdalenens Herz gewonnen, wurde in diesem 
Augenblick zu tödlichem Haß. 
Ohne ein Wort der Erwiderung, aber mit einer Augen 
sprache, die nicht mihzuverstehen war. stand sie auf und 
wies nach der Tür hin. Auch Herta hatte sich erhoben und 
mit einem leichten Neigen des Hauptes, das von seiten 
Mabels mit einer kurzen, zornigen Gebärde beantwortet 
wurde, gehorchte sie dem stummen Befehl. 
Sie atmete tief auf, als sie die Tür des Speise 
zimmers hinter sich zuzog, und es war nichts mehr, das 
einer Regung der Furcht ähnlich gesehen hätte, in ihrem 
Herzen. 
Was ihr möglicherweise jetzt noch bevorstand, sie fühlte 
sich stark genug, es zu ertragen. Man konnte sie mit 
Schimpf und Schande aus dem Hause jagen, aber man 
konnte sie nicht zwingen, ein Geheimnis preiszugeben, das 
i iU bewahren sie entschlossen war. Und wenn auch die Bor- 
tellung, vielleicht schon nach Verlauf weniger Stunden die 
beiden Menschen, die ihr so teuer geworden waren, auf 
immer oerlaffen zu müssen, ihr fast das Herz brechen 
wollte, so war ste doch ihres Stolzes und ihrer in mancher 
bitteren Stunde erprobten Kraft des Leidens hinlänglich 
sicher, um auch diesem Aeußersten mtt Ergebung entgegen 
zusehen. — 
Sie schickte sich an, die Treppe in das obere Siockwerk 
emporzusteigen, als plötzlich der flüsternde Klang einer 
Stimme hart an ihrer Seite sie erschrocken zusammen 
fahren ließ. 
Es war eine Stimme, die sie unter Hunderten jederzeit er» 
r«Wt tzah«n würde — und \i% caimtt ^SäS*^ 
-Anzeiger" 
Weddin, deren Pacht-Jahre Trinitatis 1717 zu Ende 
laufen, sollten dem Meistbietenden gegen Stellung zi-läng- 
licher Kaution zugeschlagen werden. Die Lizitation findet 
bald darauf statt. Der Grundsatz des haushälterischen Kö- 
nigs ist hierbei: es muß ein Plus erzielt werden, d. h. 
das Angebot des neuen Arrendators muß höher sein 
als der Betrag, den der alte Arrendator für die Packt 
zu erlegen hatte. Der Trompeter Arndt bleibt mit 2000 
Talern der Meistbietende. Ihm werden also von Trinitatis 
1717 bis Trinitatis 1723 die beiden Vorwerke Schöneberg 
und Wilmersdorf samt allen im Anschlage befindlichen 
Pertinentien, wie z. B. den Wiesen im Tiergarten hinter 
Charlottenburg, übergeben; als Kaution hat er dem Kö 
nige „ein in der friderich Stadt gelegenes Wonhauß" ver 
schrieben. Die Hebungen, (d. h. Zinse, Zehnten usw.) 
bleiben natürlich dem Amte Mühlenhof vorbehalten. Ein 
mit bewunderungswürdiger Genauigkeit ausgeführtes In 
ventar bietet dem Könige die Bürgschaft dafür, daß der 
Arrendator nach Verlauf seiner Pachtzeit seinem Nach 
folger die Vorwerke in demselben Zustande, in dem ta 
ste erhalten .hat, übergibt. 
(Fortsetzung folgt.) 
SllmMWl für grieDenau mü WneNg. 
(Aachdr» unsrer o-Originalaxtikel nur mit Quellenangabe gestc.V-1.) 
o DereinigntngMeflirivblMgen im kommunaler, Facku 
zcitschristklnwesc'w. Mit der „Zeitschrift für Kommunal 
wirtschaft und Kommunalpolitik" Berlin -F r i e d e n a u. 
ist nunmehr auch die .Htädte-Zeitung" (Verlag Union 
Deutsche Verlagsgesellschaft) vereinigt worden, nackdem 
bereits früher die Zeitschrift für Kommunalwissenschast, 
die Zeitschrift „Der Stadtverordnete" und „Der Bürger- 
vorsteher" ebenfalls an die Zeitschrift für Kommunalwirt 
schaft und Kommunalpolitik übergegangen waren. Damit 
verwirklicht sich immer mehr das Bestreben kommunaler 
Kreise, eine Gesundung im Fachzeitschriftenwesen durch 
Zusanimenlegnng herbeizuführen-Begünstigt ist natürlich 
diese Entwicklung durch die Verhältnisse. Die Zeitschrift 
für Kommunalwirtschaft und Kommunalpolitik ist Ver 
bands-Organ des Vereins für Kommunalwirtschaft und 
Kommunalpolitik E. V., des Deutschen und Preußischen 
Landgemeindctagcs E, V. und des Verufsvereins der höhe 
ren Kommunalbeamten Deutschlands E. V. 
o Der Archrnhold'sche Vortrag über das' Einsteinschr 
RelativitLtäprfMtzip und seine astronomischen Beweise mit 
zahlreichen Licht- und Drehbildern und den beweisenden 
Originalaufnahmen der Sonnenfinsternis vom Jahre 
1919 wird wegen des bisherigen Andranges am Diens 
tag, den 13. d. MtS-, abends 7Vs Uhr im großen Blütli- 
ner-Saal, Berlin W., Lützowstr. 76, wiederholt. 
o RettgionSbckcMtuis im neuen Reichstag. Soweit 
bisher Angaben vorliegen, rechnen sich von den Mitglie 
dern des Reichstags 175 der evangelischen Konfession 
zu, davon einer zu den Baptisten und einer zuten Frei 
kirchlichen. Sie verteilen sich auf sämtliche Fraktionen 
außer eZntrum und Unabhängige. In der sozialdemo- 
kratischen Partei gibt eS 17 Evangelische und in der 
Bayerischen Volkspartei einen. An Angehörigen der rö 
misch-katholischen Kirche zählt der Reichstag 105, da 
runter sämtliche Mitglieder des eZntrnms, der bayerischen 
Wolkspartei außer einem. In der Sozialdemokrat:stpen 
Partei bezeichnen sich fünf Mitglieder als katholisch, einer 
als altkatholisch und einer als deutschkatholisch. Die An 
gabe mosaischer Religion finden wir bei fünf Mitgliedern 
des Reichstages. Als Dissidenten, Freireligiöse, Religions 
lose. Konfessionslose bezeichnen sich im ganzen 133, sämtlich 
in den drei sozialistischen Parteien. Einer bezeichnet sich 
als ungetanst und einer. der. Sozialdemokrat Hartleid, als 
Atheist. Keine Angaben ihrer Religions- und Kon 
fessionszugehörigkeit machen 33 Mitglieder. 
„Sie müssen mir noch einige Minuten schenken, Fräu 
lein Herta — Sie müssen I Denn ich habe alles gehört." 
Es war Eberhard, der da neben ihr stand, und der in 
seinem Eifer, sie zurückzuhalten, die Hand auf ihren Arm 
gelegt hatte. Sie sah, daß er rascher atmete als sonst, und 
daß seine Augen in einem ganz eigenen Glanze leuchteten. 
„Ja, ich habe alles gehört," wiederholte er, noch che 
ihre Ueberrafchung ihr gestattet hatte, ihm zu antworten. 
„Denn meine liebe Stiefschwester hatte offenbar nicht daran 
gedacht, daß die Türöffnung zuin Frühstückszimmer nur durch 
einen Vorhang verschlossen war, und ich bereue es wahrlicy 
nicht, gehorcht zu haben, obwohl es zum ersten Mal in 
meinem Leben mit voller Absichtlichkeit geschah." 
Herta hatte einen vergeblichen Versuch gemacht, sich 
von dem Griff seiner Hand zu befreien. 
„Sie haben trotzdem sehr unrecht getan, Herr von 
Rominger," gab sie ebenso leise zurück. „Und nun lassen 
Sie mich um des Himmels willen gehen I" 
„Nicht, bevor Sie gehört haben, daß ich entschlossen 
bin, meine Pflicht zu tun." 
„Ihre Pflicht? — Mein Gott, Sie haben doch setzt 
keine andere als die Pflicht zu schweigen." 
„Doch!" widersprach er, und ein hinreißend liebens 
würdiges Lächeln ging über sein Gesicht. „Ich denke, das; 
ich noch eine andere habe, nämlich die Pflicht, Sie zu 
meiner Frau zu machen." 
Gleich einem Schleier legte es sich vor Hertas Augen 
und in ihren Ohren war ein Klingen wie von hundert 
fernen Glocken. 
„Welch ein Unsinn I" stieß sie hervor, aber sie mußte 
sich mit beiden Händen an dem Treppengeländer festhalten, 
weil ihre Knie zitterten, als wollten sie ihr den Dienst ver 
sagen. 
„O, ich bin im Gegenteil überzeugt, daß es ganz 
außerordentlich vernünftig ist," tönte durch das feine 
Summen und Klingen hindurch die geliebte Summe wieder 
an ihr Ohr. „Und es ist sicherlich das Allerwenigste, was 
ich tun kann, um Ihnen meine Dankbarkeit zu beweisen. - 
Aber diese Angelegenheit muß zwischen uns geordnet sein, 
ehe dieser Tag zu Ende gegangen ist. Und wenn Sie'nicht 
wollen, daß ich wieder zu nächtlicher Stunde vor Ihrem 
Fenster erscheine, so muffen Sie mir jetzt Gehör schenken. — 
Dort drüben.in dem Studierzimmer wird uns gewiß nie,nand 
stören." ' ' 
(fr zog sie der Tür des bezeichneten Gemaches zu. 
, nach kurzem. ÄMMtzeeben gab 5)erta seinem WM» 
Und nach kurzem^ 
weil 
ics das einsäe Mittel
        
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