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Periodical volume Nr. 154, 11.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

vL^MVkEBDeWtzl M SM- 
Vasschr. Die soeben erschienene Statistik der 17 Groß-Bcr- 
kincr Kreis- und Gemrindesparkasscn zeigt für den Mo 
nat Mai eine auch weiterhin anhaltende Besserung. Der 
Ileberschuft der Einzahlungen über die Rückzahlungen 
erreicht mit 56,2. Millionen säst das Dreifache.des gleichen 
Monats im Jahre 1919. Die Zunahme, der Sparhüchcr 
von 8295 int Mai gegen 6835 im April beträgt ebenfaW 
mehr als das Doppelte des Mai 1919. Ein Teil dieser 
e igen Entwicklung wird mit der Zurückhaltung im 
luf der gewerblichen Betriebe und der verbrauchenden 
Bevölkerung tri Zusammenhang gebracht werden dürfen. 
Zu einem Rückschluß auf Geldübcrfluft dürfte die Besse 
rung bei den Groß-Berliner Sparkassen allerdings keinen 
Anlaß geben. Von dem Einzahlungsüberschuß von 56,2 
Millionen entfällt mehr als die Hälfte auf die Berliner 
Sparkasse mit 30,52 Millionen. Dann folgen die Te l- 
tower Kreilssparkasse mit 7,45 Millionen, die Spar 
kasse Schöneberg mit 5,27, Charlotkenburg mit 3,97, 
die Niederbarnimer Kreissparkasse mit 2,89, NeuMln. 
mÄ 2,69 und Lichtenberg mit 1,42 Millionen. Die 
Übrigen Groß-Berliner Sparkassen haben einen Einzahl 
lungsüberschuß von wenijger als einer Million und zwar: 
Pankow mit 0,78, Spandau mit 0,56, Wilmersdorf mit , 
0,45, Reinickendorf mit 0,35, Cäpenick mit 0,20, Trep 
tow mit 0,18 und Lichterfelde und Tegel mit je 0,06 
Millionen. Die einzige Sparkasse Groß-Berlins, die im 
Mai mehr Rückzahlungen als Einzahlungen auszuweisen, 
hatte, ist «Steglitz, wo dieses Weniger 770000 M. 
betrug. Einen .kleinen Rückgang dex Sparbücher hatte. 
Spandau um >57 Stück zu verbuchen. 
obh Die Obstz,nfuhrrin! nach Grvß-Berlrir. Für big 
Beurteilung der gegenwärtigen Obstmarktlage in Berlin 
und die Frage, wer das Obst für den großstädtischen 
Verbraucher so verteuert, ist sicherlich folgende, in dein 
Obstnachrichtendienst der ■ Deutschen Obstbaugesellschaft 
'(Eisenach) erschienene fachmännische Mitteilung von Be 
deutung, wobei unter den nachstehend genannten Preisen 
die Obstzüchterpreise für den Großhandel zu verstehen 
sind: „Seit 8 Tagen kommen schlesische Kirschen in 
Massen nach Berlin, der größte Teil wird unter dem, 
halben Preis verkauft; auch Johannisbeeren kommen in 
Massen ans Werder und aus der Mark. Der Preis ist 
80 und 90 Pfg. das Pfund. Gestern wurden rote Jo 
hannisbeeren aus Baden angeboten zu 80 M. der Zent 
ner. Blaubeeren kommen in Mengen aus Mittel- und 
Oberschlesicn, die in Berlin zu 90 bis 100 M. für 50 
Kilo verkauft werden. Thüringer Kirschen 120—160 M. 
für >50 Kilo." Die Deutsche Obstbaugesellschaft hatte an 
alle Direktionen der Deutschen Reichseisenbahnverwaltung 
eine Eingabe gerichtet, worin um Abstellung der lang 
samen Bahnbeförderung der Obstsendungcn, über die 
häufig aus Miigliederkreisen Klage geführt wurde, ge 
beten wurde. Darauf ist von den Eisenbahndivcktionpn, 
der früheren preußisch-hessischen Staatsbahnen der Be 
scheid erteilt worden, daß die Abfertigungsstcllcn wegen 
pünktlicher und schneller Beförderung von Obst und 
frischem Gemüse mit Anweisung versehen sind. 
- o Wefchjr Rechte hat der Mieter — welche der Hawre 
tvirlt? Wann kann die Miete gesteigert, wann gekündjA 
werden? Ist der Hausherr verpflichtet, die Micträuine 
wohnlich zu unterhalten bezw. herrichten zu lassen und 
was muß der Mieter ev. selbst auf eigene Kosten machen 
lassen? Muß dem Mieter heute Aftermiete erlaubt wer 
den? Ueber alle diese und viele Dutzend andere wichtige 
Rechtsfragen muß jeder Hauswirt oder Mieter genau 
Bescheid wissen. Wissen ist hier für den Mieter eine 
Macht ui*b kann aus dem „Mieterschutz-Rechtsauskunftss- 
buch" von Direktor E. Abigt (M. 2,50 portofrei vom 
Heimkulturverlag, Wiesbaden) geschöpft werden. 
o FarLcsnärÄcrnng dev Freimarken. Infolge der 
neuen Gebührensätze ist der Bedarf an den bisher zwei 
farbig gedruckten Marken zu 30. 40 und 50 Pfennig so 
gestiegen, daß die Reichsdruckerei diesen erhöhten Bedarf 
mit den vorhandenen Zlvcifarbendruck-Maschincu nicht be 
wältigen kann. Neue Maschinen sind unter den heutigen 
Verhältnissen erst mit langen Lieferungsfristen zu erhalten. 
Die Herstellung der Marken nach den aus dem Wettbewerb 
gewonnenen Bildern ist infolge der Ucberlastung der Reichs- 
druckerei und anderer unvermeidbarer Umstände leider noch 
nicht soweit vorgeschritten, daß die am meisten gebrauchten 
Marken schon jetzt durch die Neuausgabe ersetzt werden 
können. Die Reichsdruckerci ist deshalb gezwungen, sämt 
liche Pfennigwerte der Germania-Marke einfarbig neu 
aufzulegen. Bei dieser Gelegenheit sollen gleichzeitig die 
neuen Gegenwerte des Weltpostverkehrs, früher 5, 10 und 
20 Pfennig, die infolge der Valutaverhältnisse auf 20, 
40 und 80 Pfennig erhöht werden nmßten, in der durch 
die Ausführungsbestimmungen zum Weltpostvertrag fest 
gesetzten Farbentönen grün, rot und blau gedruckt werden. 
Es hat sich daher nicht vermeiden lassen. Marken ab 
weichender Werte der beiden Ausgaben in den gleichen 
Farben herzustellen. Um Verwechselungen einzuschränken, 
sollen die Marken der neuen Art möglichst nicht eher 
ausgegeben werden, als bis mit den alten Beständen ge 
räumt ist. Es empfiehlt sich daher zur Zeit, sich nicht 
mit großen Beständen einzudecken. 
o Reklame lbei der ReilM-Postverwaktung. Die Reichs-- 
Postverwaltung beabsichtigt, ihre Einrichtungen in weitem 
Umfange für Reklamezwecke zur Verfügung zu stellen, 
um gegenüber den gewaltig gestiegenen und weiter steigen 
den Ausgaben neue Einnahmequellen zu erschließen. Von 
den vielen Reklamcartcn. die im Bereiche der Reichs-Post- 
und Telegraphenverwaltung durchführbar sind, sollen zu 
nächst freigegeben werden: 1. geeignete äußere Flächen 
der Dienstgebäude (freie, fensterlose Wände, Giebel, Tore, 
Türen, Zäune und sonstige Umfriedigungen) die der Re 
klame nutzbar gemacht iverdcn können, ohne daß die ban 
künstlerische Wirkung der Gebäude beeinträchtigt wird; 
2. die inneren Flächen der Dienstgcbäude (Wände der Ein 
gänge, Treppenhäuser, Durchgänge, Schalterräunic, 
Schreibstuben und Wartezimmer); 3. die Seitenflächen und 
Einwurfklappcn der Briefkästen sowie die Flächen der Post- 
wertzcichengeber (Automaten). Bei den Briefkästen ist 
dabei für später die Herstellung eines neuen, für den Re 
klamezweck besonders geeigneten Modells in Aussicht gc- 
nommen; 4. die Außenflächen der Postwagen, das Innere 
der Postwagen und Postkraftwagen, soweit sic zur Per 
sonenbeförderung benutzt werden; 5. die reichseigenen Tele 
graphengestänge. soweit nicht technische Bedenken entgegen 
stehen; 6. die Innen- und Außenflächen der Fernsprech- 
kwske auf öffentlichen Plätzen und der Fernsprechzellen 
in den Schaltervorräumcn u. U. auch derjenigen in anderen 
Räumen, soweit fremde Rechte dadurch nicht verletzt werden; 
7. die Rückseite oder der Rand solcher postdicnstlichen 
Vordrucke, die in größeren Mengen in die Hände des. 
PUynmnlSPcrairgen.^me imv- yv 
o.nliefcrungMcher, die'fern er als Posteinliefcrungvbucher 
dienenden Annahmebücher für die erweiterte Vorbereitung 
von Paketen, Einschreibbriefen usiv., die Umschläge der 
Post-UeberweisungS- und Scheckhefte, sowie verschiedene an 
dere Vordrucke des Postscheckverkehrs, die Telegrammvor 
drucke u. U. auch die Ränder der Pvstwertzerchenbogcn 
u. a. m.; 8. die Maschineübriefstempel (für Messen. Aus 
steifungen. Verbände usw.). Die Reichspost wrrd beson 
deren Wert darauf legen, daß die Postreksaine wiirdlg aus- 
gestaltet wird. Der neue Geschäftsgang soll grundsätzlich 
in eigener Verwaltung betrieben werden. Eme Vergebung 
von Monopolen, auch für einzelne Reklamearten, für be- ' 
stimmte. Bezirke oder Orte wird nicht beabsichtigt. Ob 
und inwieweit Privatunternehmer zu der Werbung von 
Reklameanfträgen zugelassen werden, unterließt noch der 
Prüfung. Irgend welche Anfragen und Bewerbungen 
in dieser Richtung sind daher vorläufig zwecklos. 
Sobald die Vorarbeiten abgeschlossen sind, werden wrr 
weiter berichten. 
Alke aSsti^MMÄertzckMgtem deutschen Ost- und 
Wchtpchußcln, denen es nicht möglich gewesen ist, an ihre 
Heimat zur Teilnahme an der Volksabstimmung zu 
reifen, werden dringend gebeten, ihren Willen in der 
Form 'kundzugeben, daß sie die Rückseite des Abstim- 
mungsauswcises mit der Inschrift: „Ich hätte deutsch 
gestimmt!'« versehen. Mit diesem Ausweis wollen die 
Stimmberechtigten nach ihrem Polizeirevier gehen, diese 
Worte dort mit Namen unterschreiben und sich die eigen 
händige Unterschrift polizeilich beglaubigen lassen. Die 
Beglaubigung ist kostenfrei. Die so ausgefüllten Abstim 
mungsausweise bittet man, dem Ost- bezw. Westpreußen 
büro in Berlin NW. 52, Schloß Bellevue, einzusenden. 
Alle diese Kundgebungen werden gesammelt uno sind 
bestimmt,, das Schwergewicht -des Deutschen Sieges, auf 
den wir alle hvfsen, noch moralisch zu verstärken. Kein 
treuer Sohn seiner Heimat darf sich diesep letzten kleinen 
Mühe entziehen. 
-vA 66V Mackk Belohintzirg. In den Schulen der Ge 
meinde Steglitz waren im Frühjahr vetschiedentlich Dieb 
stähle vorgekommen, die sich in der Hauptsache aick das 
Leder der Turngeräte und besonders wertvolles Schul- 
gcrät, wie z. B- Nähmaschinen, erstreckten. Um den mög 
lichsten Schutz des Eigentums dör, Schulen gegen Dieb- 
stahl zu gewähren, wurden von den Schulleitern verschie 
dene Vorschläge gemacht, wie Beschaffung eines Wach 
hundes, Herstellung von Vergitterungen vor den Fenstern, 
Anbringen von Alarmvorrichtungcn und Beschaffung von 
Sicherheitsschlössern und Türricgeln. Der Gemeindevor 
stand hat jedoch nach Prüfung davon abgesehen und be 
schlossen- noch einige notwendige Sicherheitsschlösser und 
Türriegel anbringen zu' lassen. Außerdem beabsichtigt 
er, falls wieder ein Diebstahl in den Schnlenvorkommen 
sollte, für beit Nachweis des Täters eine Belohnung 
von 500 Mark auszusetzen. 
«A FM-MikMprirchs der HnlMrnrre. Von dcr Heils- 
annee.sinb in der Zeit vom 26. März bis 21. Juni 1920 
an 2- bis 12-jährige unterernährte Kinder der Gemeinden 
Groß-Berlins schon über 300000 Büchsen gezuckerte Kon-- 
dens-Vollmilch unentgeltlich verteilt worden. Die Kosten 
für dieses Kinberhtlfswerk hat die Leitung der Heils 
armee im Auslande durch eine Sanimlung für deutsche 
Kinder ausgebracht. Es ist nun beabsichtigt, das äußerst 
notwendige. Hilfswerk in Groß-Berlin noch länger fort 
zusetzen. Zur Erlangung der erforderlichen Mittel ist 
der Heilsarmee, vom Staatskommissar zur Regelung der 
Kriegswohlfahrtspflege sine öffentliche Sammlung gen eh 
migt worden. . 
-o GcitifljZqn« Nkeiduprzs«- und Wäschestücke dürfen ent- 
geÜltz chnur veräußert werden; 1.'von den durch den 
Wirtschaftsbezirk Groß-Berlin zugelassenen 'Personen und 
Stellen, 2. von anderen Personen an die durch den Wirt- 
schaftsbezirk Groß-Berlin (zugelassenen Personen und 
Stellen. Getragene.Kleidungs- und Wäschestücke dürfen 
nur die vom Wirtschaftsbezirk Groß-Berlin zugelassenen 
Personen und Stellen gewerbsmäßig erwerben. Zuwider 
handlungen gegen die Bestimmungen werden, soweit nicht 
andere Vorschriften schwerere Strafen'androhen, mit Ge 
fängnis bis zu '6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 
l'öOO M. bestraft. Die Rcichsstelle für Textilwirsschast 
hat das Recht der Beschlagnahme und Enteignung der 
den Bestimmungen zuwider veräußerten oder ertoorbencn 
getragenen Kleidnngs- und Wäschestücke. Es kann auch 
der Handel mit. Gegenständen des täglichen Bedarfs 
untersagt werden. 
o Bei Au-ffuiM im Steuersragei», insbesondere bei 
der Steuererklärung ' für die große Vermögensabgabe 
(Reichsnotopser) haben wir Herrn Dr. iur. Kue'stcr, W. 57, 
Potsdamerstr. 76 b, Im Interesse unserer Abonnenten 
verpflichtet, daß «er diesen gegen Vorzeigung der Bezugs 
quittung «inen Rabatt, von 125 Prozent aus die stets 
vorher bekannt zugebenden Gebühren gewährt. Siehe 
heutige Anzeige. 
o Bei der SichrrheitS-P,lizei der Provinz Sachsen bietet sich 
noch früheren Militär-Angehörigen Gelegenheit, sich eine Lebens 
stellung als Beamte zu erwerben. Die S.-P. Pr. S .ist aus 
gestellt zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung im Inter 
esse des Landes. Auskunft und Einstellung durch Werbestcllen 
Berlin, Zimmerstraße 30 (Tel.: Zentrum qqü?) und Schönc- 
berger Ufer 11 (Tel.: Lützow 6049). Auf die Anzeige im 
heutigen Blatt wird verwiesen. 
vFcr1Ec.vrpforfasprten Vach Paretz inÄ'Teupitz. Wäh 
rend der großen Fernen wird zwischen Potsdam .und 
Paretz Montags, Mittwochs und Freitags ein Stern- 
dampfer verkehren) der von der Landungsstelle Kaiscr- 
Wiilhelm-Brücke um 8 Uhr nachm, abfährt. Ferner ver 
kehrt von der Jannowvtzbrücke Montags und Donnerstags 
ein Dampfer !nach Ten Pitz, dessen Abfahrt vorm, «um 
8 Uhr erfolgt And der während des ganzen Tages unter 
wegs ist ^Rückkunft gegen 10,45 abends); der Preis 
dieser Fahrt beträgt 20 M. cinschl. der Verpflegung aus 
dem Dampfer. , 
o Mit welchen Schwierigkeiten baS Bcrcinslrben seit einigen 
Jahren zu kämpfen hat, zeigte der Geschäftsbericht des vor Jahren 
gegründeten Gesellschastsvereius „Fidelitas", wclcler 
gestern eine gut besuchte Versammlung im Restaurant „Hobcn- 
zollern" in der Handjerystraßc abhielt, Nachdem der Vorsitzende 
auf die verschiedenen Schwierigkeiten hingewesen, mit -denen 
der Verein zu kämpfen hatte, und die Mitglieder ansfordcr.,-, 
erneutes Interesse den Bestrebung«,, des Vereins entgegenzubrin 
gen, nahm Herr S ch l e n z k a das Wort und wies nochmals 
auf die unbedingte Notwendigkeit der Mitarbeit sämtlicher Mit 
glieder hin., Sodann wurde ein „Wiederanfban-Komitee" gewählt, 
das nunmehr ein großzügiges Programm von Vorträgen, Un- 
trrhaltuiigSabeiiden soivie auch kostenloser Unlerrichtsknrse in 
Englisch, Buchführung usw. ausarbeitet. Als erster Vorsitzender 
tourde gewählt Herr Jul. Rabs, zweiter Vorsitzender Herr 
Glombitza, dritter Vorsitzender Herr Paul Schlei, z kn. 
Das Wiederaufbau-Komitee besteht ans: Frl. .Bleu und de» 
bestrebendes ist, junge Leute in enger« Snüje 'zuMyWWMA. 
um nicht nur die Geselligkeit zn pflegen, sondern auch 
eincn Beweis dafür zu - ... 
berechtigt, sondern sogar eine Noltocnd,g,e,t su. o>e l-t-bsant-., 
jungen Leute Friedenaus ist. , 
o KrAMüMmstk-Mattimtie. bweuv inugct. ckß su,- 
bet im Prinzeß-Cafe" in Friedenau am Sonntag mittags 
r/r12 Uhr ein Kammermusik-Matinee, statt, bei d-m^das- 
bekannte Feller-Trio unter Mitwirkung von Frl. Aoni 
Krüger, wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich, ein diente» 
Programm zum Vortrag bringen werden. Hofpcntlw> 
wird diese Veranstaltung, dick eine vornehme Hausmui.k 
darbietet, durch ein lebhaftes ^iniereffe zu eine- ständi 
gen Einrichtung sich gestalten. ^ 
o Der Ordcinl der Oktultistrm (&•■**} ^ranstaltete 
gestern Abend im „Logcnsaal" in Stc^.lrtz cm.m ^? l * ra 9f 
abend, der außerordentlich stark besuche war. ^elc ov- 
sucher mußten mit einem Stehplatz „u Nebciisval vorlteo 
nehmen. Der Präsident des.Ordens, Fric Web er- 
Robine, sprach über Tclepatie, Hellseheckk- ^Er 
träumen. In seinem klaren, verständlichen L>r,rage u^r 
diese uralte Wissenschaft wirkte er überzeugend a/ch durch 
die Beispiele, die er von den Fakiren-, von ^ ' 
seherinncn und von in Erfüllung gegangenen Tr.aumeu 
gab. Besonders gespannt hörte man die Mittels ngc" 
von der Seherin von Prewors. und einer Berliner < 
die als Angestellte einer Versicherungsgesellschast verschie 
dene Proben ihres Hellsehens abgelegt hat. So ntanaie. a 
der Zuhörer fielen dabei wohl eigene Erlebnrsie oder 
obachtungen ein. die ihn zur Zustimmung der Ausführun 
gen des Redners führten und seine Erklärungen und ^e --' 
weise als durchschlagend und wahr empfinden ließen, lut,, 
so bedauerlicher war cs. daß diesem Vortrage Experimcule- 
solgten. die nichts weiter waren als Zaubevkvuststuaaieu 
(Karten- und Fesselungskünste), die wohl die Zuschauer 
eines Varietees begeistern können, nicht aber crue zur Aus- 
klärung über eine wissenschaftliche Frage versammelte ernste 
Zuhörerschaft. Wettn auch der Vortragende gleich vor 
weg erklärt hatte, daß alles, was gezeigt werde, ein Ar 
beiten mit Tricks, also Lug und Trug^ wäre, so hatte 
doch den Experimenten zumindest eine Erklärung folgen 
müssen. So wurden viele enttäuscht und verließen- var 
zeitig den Saal. 
v Die Landftprichrv organisieren sich! Mau glaubt^ 
einen Witz zu lesen, aber cs ist doch wahr. Aus Schärding 
in Oberösterreich wird gemeldet: In einem Gehölz bei 
Rainbach sollte vine Tagung der Landstreicher stattfinden, 
um eine „strammere Organisation" der Landstreicher her 
beizuführen. Die 'Gendarinerie hatte aber von dieser ge 
planten Konstituierung des Bundes der Landstreicher 
Kenntnis erhalten und nahm eine Razzia vor, wobei 43 
Teilnehmer festgenommen wurden. Aus Linz war sogar 
ein Redner gekommen, der über die „Lage und das weitere 
Vorgehen" referieren sollte. Es handelte sich um .-eine 
Liste von Bauernhöfen, die ausgeplündert und in Brand 
gesteckt werden sollten. Unter der Landstreichcrgilde be 
finden -sich auch drei Frauen. 
o Mit Lysol versuchte sich die Kaiserallee 1 72 woh 
nende Ehefrau G. zu vergiften. Sie fand Aufnahme im 
Schönebcrgev Krankenhause. 
)( Eltern»creinigung der 9. Pfadfinder - Abteilung. Heute 
8 Uhr Vorstandssitzung iin „Nest". Die Norwcgenfahrt der 
Pfadfinder. — Im Anschluß hieran >/»10 Uhr gemütliches Bei 
sammensein im Wiesbadener Hof (Homnthstraße). Alle Eltern 
her 0.. Pfadflirder-Abteitung, deren Söhne sich für die Nor- 
vegcnsahrt gemeldet » hatten, such » hierzu herzlich eingeladen. 
Es wird dort über die Fahrt berichtet werden, 
r K Mäm»r»Torn-Vrrcw Friedenau. Es turnen: Montag 
and Donnerstag 61/2—8 Uhr: Knabenabteilung (6—IkJabre) 
Gymuasialtnrnhalle; 8—10 Uhr: Jünglingsabteilung (14—18 
Jahre), 1, Männer-Abteilung und Sportäbteilung Gymnasial- 
turnhalle. — Dienstag 81/2—10 Uhr: 2. Männer-(Aiters)- 
Abteilung Gymnasialturnhalle. — Dienstag und Freitag 
6—7: .1. Mädchenabteilung (-6—9 Jahre) Turnhalle Gvßler- 
strafte 15; 6—8 Uhr: 3. Männer-Abteilung Turnhalle Homuth- 
straße; 7—8 Uhr: 2. Mädchcnabteilung (10—13 Jahre) «und 
Frauenabteilung Turnhalle Goßlerstraße; 8—9»/4 Uhr: Damen- 
«nd Jugendabteilung (13—16 Jahre) Turnhalle Goßlerstr.- 
VerM uncl Vororte 
tzo Dirs! GitrfHain'fdtit Relktivitätsprinzrp lind seine 
astrÄchomischgit Beweise" lautet das Thema des Vortrages 
mit Lichtbildern, den 'Herr Dir. Dr. Archenhold an, 
Montag, den 12. Juli, abends 7 Uhr, im großen Hör 
saal der Treptow-Sternwarte, unter Vorführung der be 
weisenden Originalaufnahmen der Sonnenfinsternis vom 
Jahre 1919 hält. Mit dem großen Fernrohr wird bei 
klarem Weiter am Tage von 10 Uhr an die Sonne mit 
großen Fleckcngruppen und ihrem Spektrum, abends die 
Planeten Jupiter, Statur,, und Mars beabachtct. Füh 
rungen durch das astronomische Museum finden täglich 
in der Zeit von 2 Uhr nachm, bis 8 Uhr abends statt. 
Zu\cbv\ftm 
kkilbrik übernehmen mir kein« BerrmtivsrimH.) 
Ein braver Mitbürger 
griff gestern vormittag tatkräftig und „handgreiflich" ein, 
tun eine ältere Dame vor den Belästigungen eines rohen, 
etwa 13jährigen Schülers unserer Gemeindeschule zn 
schützen. Die Dame hat seit langer Zeit damit zu kämpfen, 
daß man ihr seitens einiger großer Schüler belästigende 
Reden nachruft und auch neu hinzugezogene Schüler dazu 
anfhetzt^dcr frühere Urheber ist der Schüler Sch., Kaiser- 
ällee. -Schnell entschlossen drehte sich gestern nach 
dem die jahrelangen Vermahnungen umsonst gewesen, 
die Dame um und versetzte endlich dem Jungen eine leider 
viel zu schwache Ohrfeige. Als der Junge hinter ihr her 
schalt/drehte sie sick, nochmals um. Der Junge versuchte 
nun durch Faxen sie zu ärgern. Im selben Augenblick 
fühlte er sich von einer starken Männerhand am Genick 
gepackt und tüchtig geschüttelt. Das Gesicht dieses tat 
kräftigen Mitbürgers war gebräunt, wie nur der Feld 
graue es ausweist; zugleich hält ihm der Mann in tiefer 
Empörung vor, daß man ältere Frauen auf der Straße 
üicht verhöhnt. Laut heulte der Junge in der Angst des 
bösen Gewissens. Zugleich zeigten sich an einem Parterre- 
fenster zwei Frauen, welche laut über diese lobenswerte 
Tat sckmlten und „es bezeugen" wollten, daß der Junge 
unschuldig sei. Zarte Seelen! Hinzugefügt sei. daß die 
betr. Dame llein und schwächlich ist, wohl zumeist weil 
ihr Leben in der Hauptsache Werken sozialer Fürsorge 
gedient.hat, mehr als der .Umsorge für sich selbst nutz
        
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