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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

mentvollen Auftreten der Leiterin des Vaterländischen 
Frauen-Vercins. Er erkenne durchaus das gute Herz der 
Dame für die Armen und ihre Leistungen an; aber sie hat 
auch Temperament, das mit ihr durchgeht, und sie hat 
auch zuerst die Mithilfe au der Hauspflege abgeschlagen, 
so daß diese nicht zustande kam. Er kenne die Wohlfahrts 
pflege des Vaterländischen Frauen-Vercins seit Jahrzehn 
ten; seine Frau sei in vielen Orten Mitglied gewesen. Aber 
der vaterländische Gedanke wurde hier in dem Verein nicht 
so ausgewertet, wie er ihn auffasse, sondern es wurde eine 
bestimmte politische Richtung scharf in den Vordergrund ge 
stellt. Der Verein habe durchaus nicht versöhnend gewirkt, 
wie er cs sollte, sondern sein Hauptaugenmerk richtete 
er darauf, eine bestimmte Klasse zu unterstützen. Der Ver 
ein bekomme seine Richtlinien, die er zu erfüllen habe, von 
der Hauptleitung. Er bedauere cs, daß Herr Altmann 
seine Ausführungen als eine Spitze gegen seine Partei 
benutzt habe. Das Wirken des Vaterländischen Frauen- 
Vercins werde jeder anerkennen, von Haß könne da keine 
Rede sein; aber man könne die Hauspslege nicht in die 
Hände eines einzigen Vereins legen, der im Fahrwasser 
einer bestimmten Partei schwimme. Es ist nicht wahr, daß 
die Demokraten den Sozialdemokraten die Stange halten 
(G.-V. Leonhardt: Wahllügc!). Man handle hier nach 
eigenen Entschließungen und gehe ebensogut mit rechts, wie 
auch mit links, je nachdem die Entschlüsse gefaßt werden. 
Von persönlichen Kleinlichkeiten lasse er sich nicht leiten. 
— G.-V. Göhring (Unabh.) meint, daß der Vaterlän 
dische Frauen-Vcrein patriotisch in monarchischem Sinne 
sei; ebenso sei er antisemitisch. Die Bestrebungen des 
Vereins waren im Kriege anzuerkennen, aber das über 
hebende Auftreten der Damen wurde nicht immer als' 
Wohltat empfunden, sondern mit Ekel aufgefaßt. Bei 
seinem Aufenthalt im Lazarett sei ihm die Pflege einer 
Berufsschwcster lieber gewesen als jede andere Pflege. Man 
sollte sich dem bestehenden Schöueberger Verein an 
schließen. — G.-V. Dr. Anders (Dtuat.) lobt nochmals 
die Fürsorgetätigkeit des Vaterländischen Frauen-Vereins, 
der sich erboten habe, die Hauspflege' zu übernehmen, 
die sehr dringend sei. Wenn man heute nicht zustimme, 
so übernehme man auf der Linken dafür auch die Verant 
wortung. — Die Zurückvcrweisung der Vorlage an den 
Wohlfahrts-Ausschuß mit dem Aufträge, Anschluß an den 
Schöneberger Hauspslege-Verein zu suchen, wird mit drei 
zehn Stimmen beschlossen. 
Die Beschaffung eines Rgißbrettfchrjanfes für die Kr- 
ÄWn-LusffepSAsulÄ wird genehmigt und die Kosten in 
Höhe von 1500 M. bereitgestellt. 
Erhebung de« umlagefähigcst Steuern. 
Gemäß Z 58,8 Abs. 4 des Gesetzes über die Bildung 
einer neuen Stadtgemeinde Berlin vom 27. April 1920 
werden die umlagefähigen Steuern bis zum ordnungs 
mäßigen Zustandekommen des Umlagebeschlusses für den 
Haushalt der neuen Stadtgemeinde Berlin für 1920 
vorläufig abschlagsweise nach den Sätzen für >1919 er 
hoben. 
Für die innere Einrichtung des Wirtschaftsge 
bäudes in Gütcrgotz mit seinen Werkstätten, Pferdestall, 
Remise, Kutscher- und Gärtnerstuben, Fcuerlöscheinrich- 
tung usw. werden die ermittelten Kosten, in Höhe öon 
19 000 M. aus der entsprechenden Voranschlagsziffer, 
Außerordentliche Verwaltung bewilligt. 
Für die VoWküchS. 
Schöffe Paszche (Soz.) berichtet, daß sich derWohl- 
fahrtsausfchuß mit der Frage, die Volksküche am 1. AuI- 
zu schließen/ befaßt und sich auch mit der andcrweiteu 
Unterbringung beschäftigt habe. Die Räume der 3^ Ge 
meindeschule kommen nicht in Betracht, sie sind zu 'klein. 
Auch die Volksküchenbaracke in der Hedwigstraße kann 
nicht mehr in Frage kommen, weil Schöneberg beschlossen 
hat, hier Notwohnungen auszubauen. Vorgeschlagen war 
dann noch, das Unterkunftshäuschen auf dem Mahbachplatz 
umzubauen. Das aber würde 50 000 M. Kosten ver 
ursachen. Der Ausschuß will sich nun Anfang Sep 
tember nochmals mit der Frage beschäftigen, i.n wie weit 
die Küche weiter bestehen soll und empfiehlt zu be 
schließen, daß die Volksküche zunächst bis zum 1. Ok 
tober weiter bestehen bleiben soll. Diesem 
Beschlusse wird zugestimmt. G.-V. Lüdeckc (Dem.) be 
merkt dabei, daß mit diesem Beschlusse nun doch nicht 
etwa gesagt sei, daß die Volksküche am 1. Oktober auf 
höre. Bürgermeister Walger: Nein, darüber ivird noch 
beschlossen. 
(Schluß folgt.) 
LltMiMil (Br Frledmii uns Mnüerg. 
(Aachdri unsrer o-Orlgtnalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o 7008 ZclrMor Mehl erhält Friedenau für die Zeit 
vom 10. Juli bis einschließlich 15. August nach dein 
VerteilungsPlan des Kreisausschusses. 
o Weitepe Kaptoffclsrin'duinsqcn einxs.'trolscn. Unsere Ge 
meinde hat heute wieder einen Waggon neuer. Kartoffeln 
erhalten, die an 15 hiesige Händler verteilt worden sind; 
jeder Händler erhielt 12 Zentner./Heute kann jeder noch' 
auf Kartosfelkartenabschnitte 29 a—b je 2 Psd. Kartoffeln 
kaufen, wo er will. Von Montag ab dürfen die Kar 
toffeln nur da gekauft werden, wo der Haushalt in die 
Kundcnliste eingetragen ist. Die 15 Händler, die heute ' 
Kartoffeln erhalten haben, sind: Behlow, Handjerhstr. 54; 
schönebcrg, Brünnhildcstraße 1; Konsum, Moselstraße 7; 
Krause, La'uterstr. 29; Kripper, Handserystr. 82-83;.Kühn, ' 
Ringstr. 60: Nold. Wilhelmshöherstr. 1:^Scknlling, Saar- 
straße 7; Wrllnow, Bornstr. 4; Beamten-Wirtsch.-eVrein ' 
Büsingstr. 21; Holz, Hertelstr. 4; Meißner, Taunusstr. 6; 
Petke, Blankenbergstr. 2; Richter, Südwestkorso 11a. 
Schicketanz, Odenwaldstr. 14. 
o Ter Ldichnmitteleiuirfchuß unserer Gemeinde hat in 
seiner letzten Sitzung Vertrauensleute gewählt, die nach 
dem in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung ein 
stimmig angenommenen. Antrage der demokratischen Frak- s 
tion versuchen werden, durch Einwirken auf die Klein 
händler, namentlich die Markthändler, ein Senken der. 
Lebensmittelpreise zu erreichen. In der Kartoffelfrage, 
konnte der Lebensmittelausschuß einen Beschluß nicht, 
fassen, weil er hier von den der Gemeinde zugehenden J 
Lieferungen abhängig ist. Uebrigens hat unsere Gemeinde 
gestern schon einen kleinen Posten Frühkartoffeln er.-f 
halten und es steht zu erwarten, daß weitere Sendungen 
bald folgen werden. 
o Die Frag« der! Uebernahme des LorenA-Lyzcums, 
auf die Gemifinihe, die auf Grund eines Antrages der 
demokratischen Fraktion in der letzten geheimen Sitzung 
der Gemeindevertretung verhandelt wurde, ist zur weite- 
Was es ln der nächsten Wache ML. 
Brot: 1600 Gramm und 300 Gramm Kleingebäck oder 
1900 Gramm Großbrot. 
Fleisch: steht noch nicht fest. 
Kalbfleisch Würstchen in Dosen. Dose 8 M., in deck 
Fleischereien. . 
Pferdefleisch: auf Nr. 12 der Pfcrdcflcischkarte. 
Butter: 20 Gramm 75 Pfennig und 70 Gramm 
Margarine .1,68 M., sowie auf Sonderabschnilt der 
Speisefettkarte Margarine in jeder gewünschten Menge. 
Kartoffeln: 2 Psd. neue 'Kartoffeln auf Abschnitte 
29 a und b. Wer diese Kartoffeln nicht erhalten kann, 
darf auf dieselben Abschnitte *250 Gr. Nudeln und 500 
Gramm Erbsen oder Bohnen in folgenden Geschäften 
entnehmen: Fehr, Kaiscrallce 61; Schöning, Lauterstr.; 
Trduholz, Bornstr. 27; Ziemke, Rheinstr. 49, und Meyer, 
Kaiserallec 93. Außerdem gibt es als Ersatz auf Ab 
schnitte 29 c—e 500 Gr. Haferffocken und 500 Gr. 
Hülseufrüchte. Wer auf 28 a—c keine alten 'Kartoffeln 
erhalten 'konnte, kann dafür in denselben Geschäften 
die gleiche Menge Ersatzmittel entnehmen. 
Zucker: Vom 16. bis 31. Juli % Pfund. Ferner 
für Kinder im 1. Lebensjahre l 1 /» Pfund, im 2. Lebens 
jahre 1 Pfund und im 3. bis 7. Lebensjahre»^/, Pfund 
im Monat. 
Abzuholen vom 13. bis 15. Juli: 
Auf Groß-Berliner Lebensmitrelkarte: 
W ei z en küchenm eh l: 250 Gramm auf st 4, ^fund 
1,40 M. Das Mehl ist noch nicht eingetroffen, es 
wird verkauft, sobald das der Fall ist. 
H aferflocken: 500 Gramm auf 35; Psd. 2,70 M- 
Nudeln: 125 Gramm auf 36; Pfund 2 M. 
Auf Berlin-Friedcnauer Nährmittelkarte: 
Graupen oder Linsen: 125 Gramm auf 32; Pfund 
Graupen 75 Pfg., Linsen 3,50 M. 
Kunsthonig: 1 Pfund 6,50 M., Marmelade: Pfund 
4,20 M. freihändig in den Verkaufsstellen der Gemeinde. 
Puffbohnen, IPsd. 2,50 Mark, Bohnen in Schweine 
fleisch. Dose 4 M., Milchsüßspcise, Paket 60 Pfg., Sup 
penwürfel 15 Pfg., gelbe Erbsen, Psd. 2,50 M., weiße 
Bohnen, Psd. 2,50 M-, freihändig iln den Gemeindever 
kaufsstellen. 
Süßstoff: vom 5.-17. Juli in den Drogengeschäften 
nach Nummern der Auswciskarte, und zwar für Haus 
halte bis 4 Pers. 1 Päckchen, darüber hinaus 2 Päckchen. 
Lebensrnittelvcrteilmtg in Schönebcrg. 
In allen durch diese Bekanntmachung kenntlich gemach 
ten Geschäften findet in der Zeit von Sonnabend, den 
10., bis Dienstag, den 13. Juli, Voranmeldung statt 
'für 250 Gramm Hafer flocken, tose, hergestellt aus 
freiem Hafer, für 1,70 Mk., auf Abschnitt 33 der allge 
meinen Lebensmittelkarte, und 250 Gramm Auslands- 
Marmelade, sc nach Vorrat, lose für 2.25 Mk., oder in 
Pfundgläsern zu 4.50 Mk. (I-Pfd.-Glas — 2 Port.) auf 
Abschnitt 40 der roten und grünen Schöueberger Bezngs- 
karte. Der Verkauf der Ware beginnt voraussichtlich in 
42 bis 14 Tagen. Nach dem 14. August sind die Händler 
Zur Einlösung der Quittungsabschnitte nicht mehr verpflich 
tet. Für die!Entnahme von B r o t kur te n m e h l. soweit 
vorrätige tzM »eben der Brotkarte für die Woche vom 12. 
bis 18. Juli der Abschnitt 42 der roten und grünen Schöne- 
bcrge.r BozugSkartc. ■ 
reu Erörterung und Beschlußfassung auf die erste Sitzung 
nach den Ferien verlegt worden. 
v Zujv, Aufklälminjg gibt die Gemeindeverwaltung be 
kannt, daß sie in letzter Zeit widerholt Waren in Packun 
gen erhalten habe, auf denen niedrigere Preise stehen, 
als die festgesetzten Verkaufspreise. Das ist u. a. jetzt 
auch bei dem Zwieback der Fall. Auf den Paketen steht 
65 Pfg., während als Verkaufspreis dafür 1,55 M. fest 
gesetzt ist. 
o SitKäji oder! Meffepmrlck,. In der Zeit vom 12. bis 
17. wird auf alle Magermilchkarten je 1 Liter Bittter- 
odcr Magermilch ausgegeben. Die Belieferung der Be 
zirke ist wie bisher. Der Preis je Liter beträgt 1,24 M. 
o Flchsch isns SlchffMbxrg. In der Woche vom 5. bis 
11. Juli 1920 gelangt in Schöneberg auf die Reichs 
fleischkarte ausländisches Gefrierfleisch (250 Gramm 
mit Knochen) zur Ausgabe. Auf Verlangen der Fleisch- 
verkäufer ist bis zu Vs der Wochenmenge in Wurst zu 
entnehmen. Der Preis beträgt.für das ausländische Go 
frierflcrsch 9,50 M. und für die aus Auslandskram herge 
stellte Wurst 5,20 M. je Pfund. 
o Wiedr« St!cir!thi,rr. Der Baherischc Bauernbund, hat 
Bestrebungen eingeleitet, die darauf abzielen, in Deutsch 
land wieder Starkbier auszuschenken. Wohl besteht ein 
Ausschankverbot für Starkbier, aber die deutschen Be 
hörden haben dieses Verbot selbst durchlöchert, indem sie 
der Tschecho-Slowakei die Genehmigung erteilt haben, das 
sogenannte Pilsner, also Helles Starkbier, in Deutschland 
umzusetzen. Dieses Starkbier muß mit 6—10 Mark das 
Liter bezahlt werden, während die norddeutschen und 
bayerischen Brauereien ihr Starkbier für 2,60—3 Mark 
das Liter ins Ausland verkaufen müssen. Die deutschen 
Braiiereien betrachten cs nun als unabweisbare Pflicht 
der Reichsbehörden, das Ausschankverbot für Starkbier 
überhaupt für hinfällig zu erklären. 
v Aus di« StcKtlisli'tnsind noch einige Stadtverord 
netensitze auf folgende Schöneberg-Fricdenaucr Emwoh- 
ner entfallen: U. S. P.: Kaufmann Fritz Danziger, Schöne- 
berg, Maler Hermann Elajns, Friedenau; D. N.V.: Amts 
richter von Lindeisner-Wildau, Schönebcrg, Generalsekretär 
Dr. Kaufhold, Schöneberg; Zentrum: Referentin Mar 
garete Ehlert, Schönebcrg; Wirtschaftsverb.: Architekt 
Paul Jatzow, Schönebcrg. , 
o Die SMstshilsÄ dev Potsdamer gegen den! Obst? 
wusckier. In unserer letzten Gemeindcvertretersitzung ivies 
G.-V. Lüd e rs bei der Beratung des demokratischen An 
trages uns Einleitung von Verhandlungen mit den Klein- - 
Händlern zwecks Senkung der Preise darauf hin, daß man 
namentlich den Caputher Händlern die Preise herabsetzen - 
wüßte. In Potsdam griffen die Hausfrauen beim Wochen 
markt am letzten Mittwoch zur Selbsthilfe unter dem' 
Kampfruf: ,,Krieg den Eaputhern und Werderanern".' 
Riesenin engen .von Obstwagen fuhren auf dem Markte an' 
der Nikolaikirche, an.. Aus den Höchstpreisen waren, 
Marchenpreffe geworden. Und kaum waren die P-reijse 
laut, da wurde das Obst auf die Straße geschleudert,, 
oder den Bauern über den Kopf geschüttet, Tragckiepen 
voll Eier umgeschüttet und den Händlern ins Gesicht> 
geworfen. .Eine Bauersfrau, die für das Ei 1,80 Mark 
forderte, .war in der nächsten Minute von oben 6il3 unten 
iit Dotter gehüllt. Als die .Schutzmannschaft aufgeräumt 
hatte, glich die Straße mit ihren bunten Farben einem! 
türkischen Teppich- , „ 
o Tirlelhor LarttnSach zum Breslauer Stadtschulrat 
gewählt. Die Breslauer Stadtverordneten beschlossen ein 
stimmig, den Dircklor der Fontancschule in BerlinSchönc- 
berg, Dr. Amandus Lauterbach, zum Breslauer Stadt 
schulrat zu wähle«. — Man wird die Bestätigung dieser 
Nachricht abwarten müssen, um so mehr, als Dr. Laurer- 
bach. wie gemeldet, zum Direktor des Helmholtz-Rcalgym- 
nasiums in Schöneberg gewählt und seine Wahl vom' 
Staatsministerium bereits bestätigt worden ist- 
o Dix Groß-Bcrlrner „Frcitagskonfcrcnzcm". Das Ge 
setz über die Einheitsgemeinde Groß-Berlin tritt zwar 
erst am 1. Oktober in Kraft, ist aber schon jetzt in Wirk 
samkeit. Das beweist neben den vorbereitenden Maßnah 
men und Wahlen vor allem die Tatsache, daß die Ge 
meinden seit dem 1. April ihre Haushaltspläne nur als 
Unterlage für den zum 1. Oktober aufzustellenden Ge 
samthaushaltsplan Groß-Berlins beschlossen haben, daß 
sie ihren Etat dem neuen Magistrat zur Prüfung ein 
reichen und vor allem der Umstand, daß sie neue Ausgaben 
mit neuen Geldbewilligungen nicht ohne weiteres be 
schließen dürfen. Um solche AusMben ans ihre Zweck 
mäßigkeit und Billigkeit gemäß 8 58 Zifser 8 des Ge 
setzes über die neue Stadtgemeinde Berlin zu prüfen, 
treten an jedem Freitag die Vertreter der 20 Verwal 
tungsbezirke, zumeist die Bürgermeister der größten Ge 
meinden, im Berliner Rathaus zu gemeinsamen Be 
sprechungen zusammen. Diese Frcitagskonsercnz ist also 
gewissermaßen die finanzielle Zensur- und Aufsichtsin- 
stanz des neuen Berlin; sie hat schon in mehreren Fällen 
neu beschlossene Ausgaben einzelner Gemeinden be 
anstandet. Der Zweck der Besprechungen ist, unnötige 
und kostspielige Ausgaben von Gemeinden zum Schaden 
des künftigen Berlin zu verhindern. Darüber hinaus be 
schäftigen sich die Freitagskonferenzen mit den Maßnah 
men zur 'Ueberleitung "der Verwaltungsgeschäfte in den 
Vorortgemeinden auf die neuen Verwaltungsbezirke. Nach 
dem Gesetz Groß-Berlin können die Magistrate und Gü- 
mciiidevorstände auch nach dem 1. Oktober die Geschäftes 
solange Weiler führen, als dies der neue'Magistrat Berlin 
für zweckmäßig erachtet. Voraussichtlich wird dies bei 
den größeren Gemeinden zumeist der Fall sein — ange 
sichts der Schwierigkeiten, die sich der Neueinrichtung der 
Verwaltungsorganisation in den 20 Bezirken entgegen 
stellen. 
o Tie BefrsViulnsg von der Versichernngopfticht ist sür die 
jenigen Angestellten möglich, die eine entsprechende Lebens 
versicherung eingegangen sind, die im Prämiensatz der. 
Höhe des eigenen Beitrages für die Angestelltenvcrsiche- 
rung gleichkommt. Der Antrag auf Befreiung von der 
eigenen Beitragsleistung ist bis zum 1. September d. Js. 
zu stellen. Ist der Angestellte bisher nicht versichert, so 
genügt Vorlegung der ausgefüllten 1. Aufnahme- und 
Versicherungskarte nebst Lebensvcrsicherungspolice und 
letzter Prämienquittung — falls fällige Prämien bereits 
gezahlt wurden — bei der zuständigen Ausgabestelle. 
Maßgebend für die Zuständigkeit ist der Sitz des Be 
triebes des Arbeitgebers. Jede Gemeinde hat eine eigene 
Ausgabestelle für die Angestelltenversicherung. Formulare 
der Aufnahme- und Dersicherungskarien sind dort erhält 
lich. Zur Befreiung solcher Angestellten, die bereits ver 
sichert waren, ist die Einsendung der Police nebst letzter 
Quittung an die' Reichsversicherungsanstalt' für Ange 
stellte in Berlin-Wilmersdorf, Hohenzollcrndamm 193, er 
forderlich. Beizufügen ist die Versichcrungskarte zwecks 
Berichtigung des Bcfreiungsvcrmerks und eine Erklärung, 
daß und seit wann der Angestellte über 7000 M. Ge 
halt bezogen hat. Es muß dies bereits vor dem Inkraft 
treten des Gesetzes über die Erhöhung der Versicheruugs- 
grenze erfolgt sein. Die Arbeitgeber sind verpflichtest, 
nach der Befreiung der Angestellten weiter die Hälfte 
der Beiträge für diese an dic-R.f. A. abzuführen. Hier 
für steht den Angestellten die Hälfte der Leistungen 
des Gesetzes zu. Wir möchten diejenigen Angestellten, 
die die Befreiung beantragen wollen, auf das Ve.r- 
sicherungsbüro von W. Schuster, Rheinstr. 14, aufmerksam 
machen, wo sie alles Nähere erfahren. 
o Das! Sieglitzcr Luftbad ist durch die beabsich 
tigte Erweiterung des Steglitzer Friedhofes gefährdet. 
Kultusminister H a e n i s ch, der schon früher eifriger Be 
sucher des Luftbades war, weilte am Sonntag in dem 
Bade und ließ'sich eingehend über den Stand der Luft 
babfrage unterrichten. Er erklärte: „Das Luftbad sollte 
so lange au seinem heutigen Platze stehen bleiben, djs es 
an anderer Stelle in zeitgemäß vergrößerter und ver 
besserter Form neu errichtet worden ist. Das sind wir 
nun einmal der VolkSgesundung schuldig. Das Fricd- 
hofsprojekt kann sehr leicht geändert werden, so daß beiden 
Teilen, dem Luftbad lote dem Friedhof Gerechtigkeit 
widerfährt." 
o UngülWe 30 Mgirkschjeinje. Reichsbanknoten zu 50 
Mark vom 20. Otiober 1918 haben auf Grund der Ver 
ordnung vom 4. August 1919 ihre Eigenschaft als ge 
setzliches Zahlungsmiltcl bereits seit 10. September v.I. 
verloren; sie werden nur noch bis. zum 10. September d. I. 
von der Rcichsüank eingelöst, für die mit diesem Zeit 
punkt jede Einlösungspflicht endet. Dse Beisitzer solcher 
Noten werden in ihrem eigenen Interesse erneut an deren 
rechtzeitige Ablieferung erinnert. Um Irrtümer zu ver 
meiden, wird darauf hingewiesen, daß cs sich hierbei nur 
um die Reichsbanknote vom 20. Oktober 1918 mit der 
dunklen quadratischen Umrandung auf der Vorderseite, 
nicht aber auch um die 50-Mark-Note vom 30. November 
1918 handelt. 
o Krüstwesztzn-PcrßoNenpostcn vois Zossen aus. Der 
Postfiskus hat mit dem Magistrat in Zossen einen Ver 
trag geschlossen, nach welchem die Postverwaltnng in Zossen 
eine Kraftwagcn-Personenpoststatiou errichtet. Es sollen 
5 Personen-Krsftwagen in Zossen stationiert werden. Die 
Stadt Zossen stellt die Wagenhalle, muß sie heizen, be 
leuchten und mit Wasserleitung versehen, bezw. die Kosten 
tragen. Es sollen folgende Krastwagen-Personenposten eiic- 
gerichtet werden: 1. Zossen—Trebbin über Bahnhof Zossen, 
Zossen Ueb.-Pl., Wünsdorf, Klausdorf, Sperenbcrg, Kum 
mersdorf, Alexanderdors, Lüdersdorf—Trebbin, Ehristi- 
nendorf, Schünow, Nächstneuendorf, Zossen. 2. Zossen— 
Teupitz .über Schöneiche, Kallinchen, Motzeiimühle, Töp- 
chin, Sputendorf, Egsdorf, Teupitz, Halbe, Weiidisch-Buch- 
holz, Neulübbeuau. 3. Zossen—Großbesten — Pricros. 
4. Zossen—Königswusterhausen—Senzig. Der Verkehr 
wird voraussichtlich Ende Juli bezw. Ansang August 
d. Js. aufgenommen. 
o Die Srbfchrst dev Inge Stanstope, so heißt der 
Film, d^dieie Woche in den H o h e n z o l l e ru - L i ch t- 
)v Dies Drama' enthält eine Fülle UN-
        
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