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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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«ivnaklich 2.7) Mark;. durch Boten 
ins HaiiS gebracht' c,— Mark. 
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Berlin-Friedenau, Freitag, de» S. Full 1920 
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^^i^dästIpkllt» StgLillstk» 12. 4.— Mark. Belegnummer 2) P,z. 
Brrkin-Ariedeuau. Rheinstrahe 1L. — Fernsprecher: Amt Pfalzburg 2129. 
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veoelt« Daebriebtea 
Spa. Irr der gestrigen 4. Sitzung der Konferenz 
stellte Lloyd George als Forderung der Alliierten cur 
Deutschland die sofortige Entwaffnung der Sicherheits 
und Einwohnerwehr. In diesem Falle wären die Alliier 
ten bereit, für die Herabsetzung der Heeresstärke a,us 
100 OVO Mann eine Frist von sechs» Monaten zuzu 
billigen und zwar dergesta.lt, daß die Herabsetzung bis» 
zum 1. Oktober auf 150 000 Mann und bis 1. Januar 
'1921 auf 100 000 Mann stattzufinden habe. Minister 
Dr. Simons betonte, das das eine einseitige Ssuslage 
der Entente und kein Abkommen darstellen würde. Als 
Lloyd Geo^e darauf bestand, erklärte Dr. Simons!,, 
daß die deutsche Abordnung ohne vorherige eingehende 
Besprechung nicht darauf eingehen könnte. Darauf wurde 
die Konferenz um 5 Uhr auf heute 11 Uhr vertagt. 
35erIin., Gestern abend fand unter Beisein des 
Reichspräsidenten eine Besprechung der hier an 
wesenden Mitglieder des Kabinetts über die Lage in Spa 
statt, daran schloß sich eine Aussprache mir den Partei 
führern an, an der auch Mitglieder des preußischen 'Ka 
binetts teilnahmen, für heute morgen acht Uhr war 
eine gemeinsame Sitzung des Haushaltsausschusses und 
des Heichsrais einberufen. Die Besprechungen wareri 
streng vertraulich. 
Tilsit. Di? Bolschewisten haben an der Nord 
front nach schweren Käinpfen die polnischen Linien durch 
brochen. An drei Uebergängen wurde die Beresi.ua. 
überschritten. In Wilna ist darüber unbeschreibliche 
Panik ausgebrochen. Die polnischen Okknpationsbehörden 
räumten die Stadt fluchtartig. In Litauen herrscht große 
Besorgnis wegen des bolschewistischen Erfolges. Litauische 
Truppen sind nach der Ostgrenze abgegangen. 
W a n g e.r o o g. Beim Baden ertranken gestern nach 
mittag fünf junge Mädchen. Trotz mehrstündiger Wieder 
belebungsversuche mit Sauerstoffapparaten konnte keilte 
gerettet werden. 
Konstantinopel. Flüchtlinge berichten, daß die 
türkischen Nationalisten Brussa geräumt haben. — Eng 
lische Seestreilkräfte haben Mudana und Gemlik (im 
Sandschak Brussa) eingenommen. - 
Sitzung der Gemeindevertretung 
von Montag, den 5. Juli 1920. 
(Fortsetzung.) 
UntarsKtzMg «rnl den! Vaterländischen Frauenverein. 
Der.Vaterländische Frau-nverein hat den Plan ge 
faßt, eine erweiterte Haus pflege und S chwest ern- 
scharf t einzurichten. Er bittet hierzu um eine Unter 
stützung von 5000 M. unter folgenden Verpflichtungen: 
'1. er verpflichtet sich, die Haupslege für Friedenau in 
vollem Umfange zu übernehmen; 2. die Pflege muß 
allen, die den Verein darum angehen, ohne Ansehung 
der Person und ohne Rücksicht auf politische und reli 
giöse Anschauungen zu Gute kommen; 3. Nachweis der 
Kosten ist zu führen; 4. er verpflichtet sich, dem Gem- 
Vorstand jederzeit Einblick in die Geschäftsführung der 
Hauspflege zu gewähren. 
G.-V. Frau Dieder ich (Soz.) kann dem Antrage 
Nicht zustimmen. Warum soll einem einzelnen Verein 
die gesamte Wohlfahrtspflege übertragen werden, das 
fei Sache der Gemeinde. Die Gemeinde müsse dafür 
sorgen. Es sei das eine einseitige Behandlung. Vor 
Monaten sollten 20 000 M. für diesen Zweck unter Zu 
sammenschluß aller Wohlfahrtsvereine gegeben werden. 
Sie beantragt, 10 000 M. für den Zweck bereit zu stellen 
und die Hauspflege in die Hand der Gemeinde zu nehmen. 
Schösse Schildberg (Dem.) berichtet von den Verhand 
lungen im Ausschuß. Es ergab sich da, daß sich die 
Sache von der Gemeinde aus nicht machen lasse, entweder 
müsse eine Persönlichkeit oder ein Verein die Sache in 
die, Hand nehmen. Der Vaterländische Frauenverein habe 
sich.hierzu erboten. Die erste Absicht war, die Haus-, 
pflege dem Arbeitsnachweis anzugliedern. Die von den 
einzelnen Vereinen zuerst erklärte Unterstützung wurde 
aber später zurückgezogen. Die Hauspflege war damit 
ins Wasser gefallen. Auch die Gründung eines Haus 
pflegevereins war nicht möglich. Infolgedessen hat sich 
der Vaterländische Frauenverein erboten, die.Hauspflege 
zu übernehmen. Er weist aus die oben angegebenen Ver 
pflichtungen hin. Nachdem diese vorlagen, habe man sich 
gesagt, wir wollen zugreifen. Der Weg sei derselbe, der 
in allen Gemeinden, beschritten wurde. Er halte diesen 
Weg für den richtigen und verstehe das Mißtrauen gegen 
den Vaterländischen Jrauenverein nicht. Mißtrauen sei 
ein Zeichen der Schwäche. Wenn der Verein die Be 
dingungen nicht echhält, könne man sich ja wieder von 
ihm trennen. Die Gemeinde habe keine Erfahrung in 
der Sache und könne sie selbst nicht ausführen. — G.-V. 
Richter .(Unabh.) führt an, daß die Ausführungen 
des 'Schöffen Schildberg ihn nicht schwankend machen 
können, in der Zustimmung der Ablehnung der Frau 
Diederich. Ueber die Ablehnung der zuerst beabsichtig 
ten Zusammenschließung sei er anders unterrichtet wor 
den. Die Summe sei für die .Hauspflege zu klein. Es 
komme auf eine Subvention des Vaterländischen Frauen 
vereins he^ch. Selbst wenn die 4 Punkte bestehen, in 
der Praxis^oürden sie doch nicht erfüllt. Die Lesart, 
daß Mißtrauen ein Zeichen von Schwäche ist, sei ihm 
ganz neu, er kenn,e nur die, die doch Herrn Schichberg 
auch geläufig sein müsse, daß Mißtrauen eine demo 
kratische Pflicht ist! Das Mißtrauen.habe seine Berech 
tigung, es könne nicht als Schwäche ausgelegt werden. 
— G.-V. Butch (Soz.) bemerkt, daß sich die Sache 
damals zerschlagen habe und nun komme ein Verein und 
verlange Zuschuß, weil er es machen wolle. Es sei kein 
Verein, der gezeigt- habe, daß er in der Hauspflege schon 
etwas geleistet habe. Mißtrauen sei eine demokratische 
Tugend und keine Schwäche. Er beantrage, die Summe 
abzulehnen und die Sache an den Wohlfahrtsausschuß 
zu verweisen. — G.-V. Hannemann (D. Vp.) unter 
stützt die Ausführungen des Schöffen Schildberg; es müsse 
in der Hauspslege sehr bald etwas geschehen. Es gebe 
nur 2 Wege, entweder man nimmt einen bestehenden 
Verein oder gründet einen Hauspflegeverein. Durch das 
letztere würde die Sache wieder auf die lange Bank ge 
schoben. Der Vaterl. Frauen-Verein will die 5000 M. 
doch auch nur als Zuschuß für die Hauspflege, wahr 
scheinlich stehen ihm dann 10 000 M. zur Verfügung. Man 
wurde der Gemeinde mit der Ablehnung einen schlechten 
Dienst erweisen. Wenn der Verein die Bedingungen er 
füllt, sei doch die Hauspflege allgemein vorhanden. Den 
demokratischen Grundsatz des Mißtrauens habe er nicht, 
er halte es, mit dem Grundsatz des Vertrauens 
allen gegenüber. Man. tue etwas Gutes, wenn man 
zustimme: es warten viele darauf. — G.-V. Frau Die 
derich (Soz.) erklärt, sie habe nichts von Mißtrauen ge 
sagt; sie wünsche nur, daß sich sämtliche Vereine beteiligen. 
(Zurufe der G.-V. Altmann und Leonhardt.) Wenn aus 
allen Kreisen Hilfskräfte kommen, sei allen geholfen. — 
GMS. Dr. Hasse (Soz.): Er verstehe nicht, daß die An 
hänger des Vereins nicht verstehen wollen, daß man einen 
Verein, durch den man bekämpft wurde, nicht zur Hilfe 
rufen werde. Er halte eine solche Zumutung für einen 
Skandal.. (Zurufe.) — Schöffe Pasche (Soz.) be 
dauert, daß dieser Antrag noch in letzter Stunde komme. 
In Schöneberg bestehe ja ein Hauspflegeverein; da man 
nun doch nach dort komme, könne man sich ja dem an 
schließen. — G.-V. Anders (Dnat.) erklärt, er habe 
kein Mißtrauen; das Mißtrauen sei auf der linken Seite, 
ihr passe das Wort „vaterländisch" nicht. Man denke daran, 
was der Verein 1914 geleistet habe, wie er sich der Kinder 
mit großer Liebe angenommen habe; er habe sich gerade der 
Kinder der geknechteten Stände angenommen, obwohl seiner 
Ansicht nach er auch anderer sich hätte mehr annehmen 
können. „Sagen Sie es doch frei heraus, daß Ihnen der 
Vaterländische Frauen-Verein nicht paßt!" (G.-V. Dr. 
Hasse: Wir wollen keine Almosen von dort!) — G. - D. 
Leon Hardt (Dem.) meint, man könne Herrn Schöffen 
Schildberg verstehen, der die Hauspflege schaffen möchte» 
und nun dafür eintrete, wo er sie erreiche. Das Mißtrauen 
gegen den Vaterländischen Frauen-Verein könne er ver 
stehen. Der Verein sei vor dem Kriege das gewesen, was 
Herr Dr. Anders angeführt habe; aber in letzter Zeit sei 
er der Tummelplatz parteipolitischer Strömungen geworden, 
an denen mancher Geineindeverordnete teilgenommen habe. 
Der Verein sei nicht das. was er (L.) unter „vaterlän 
disch" verstehe, nämlich die Zusammenfassung des ganzen 
Volkes. Der Verein habe seine Pflicht nicht mehr erfüllt, wie 
er es eigentlich tun sollte. Er verstehe da auch Herrn Dr. 
Hasse. Und ein Verein, der solches Mißtrauen habe, werde 
Schwierigkeiten haben in der Erfüllung der Hauspslege. 
In Schöneberg bestehe nun ein Hauspflege-Vcrein. der 
allerdings dort auch aus dem Vaterländischen Frauen- 
Verein herausgegangen sei, aber auf breiterer Grundlage 
errichtet sei. Er stelle den formellen Antrag, die Vor 
lage dem Wohlfahrtsausschuß zu uberweisen mit dem Auf 
trag, sich mit dem Schönebcrger Hauspflege-Verein zwecks 
Anschlusses in Verbindung zu setzen. — G.-V. Altmann 
(D. Vp.) führt an. es wäre besser, die Linke sage, man 
sei dagegen, weil der Verein am Anfang das Wort „Va- 
ländisch" trage. (Zurufe. Widerspruch.) 5Oie Behauptung 
des Herrn Leonhardt, der Verein wäre in letzter Zeit po 
litisch belastet, finde er, um keinen schärferen Ausdruck zu 
wählen, eigentümlich. Er kenne die Vorgänge, die gemeint 
seien, fasse dies aber nicht als politisch belastet auf. Der 
Verein habe im Kriege viel geleistet in der Kriegsfürsorge 
und Schwesternausbildung und sein ganzes Vermögen von 
12000 bis 20000 Mark dafür geopfert. Nach solcher Opfe- 
rring habe er solchen Dank nicht verdient. Auch in seiner 
Krippe habe der Verein sich der Kinder angenommen. Es 
sei hier wie in der Tubenkulosefürsorge. die auch zuerst von 
einem Verein ins Leben gerufen und nachher von der Ge 
meinde übernommen wurde. Wenn die Demokraten hier 
den Sozialdmokraten die Stange halten, so täten sie es, 
wie bei anderen Sachen auch. Herr Leonhardt stehe ja 
sachlich sonst auch aus anderem Standpunkt; hier sage er, 
„der Verein sei politisch belastet", da stehen sich die po 
litischen Anschauungen gegenüber. Die Damen des Vereins 
kommen aber gar nicht mit der Hauspflege in Berührung, 
sondern nur die Schwestern. Der Verein habe nur die Or- 
ganisatiou. „Sie — nach links — können ja aber jeden 
Augenblick eintreten." (G.-V. Dr. Hasse: Auch das noch; 
die Zumutungen werden immer stärker!) — G.-V. Dr. 
Thomsberger (Dem.): Man hatte sich Mühe gegeben, 
etwas Positives zustande zu bringen. Das scheiterte aber an 
Schwierigkeiten, und diese kamen zuerst aus dem teinpera- 
ver Sohn des Millionärs. 
Roman von Florence Warden. 
12 (Nachdruck verboten.) 
7. Kapitel. 
Ungefähr zehn Minuten, nachdem Herta ihr Zimmer 
betreten hatte, wurde an die Tür desselben geklopft, und 
das aus Berlin mitgebrachte Zimmermädchen, mit dessen 
angeblichem Unwohlsein Cecile ihre Anwesenheit hatte er- 
klären wollen, trat über die Schwelle. 
„Die gnädige Frau lassen das Fraulein bitten, so 
gleich in das Speisezimmer hinunterzukommen.Gnädige 
Frau haben in dringender Angelegenheit mit dem Fräulein 
b" ^Müde,"mit langsamen, automatenhaften Bewegungen, 
stand die junge Gesellschafterin auf, um dem Befehl Folge 
^u leisten. Sie ahnte, was ihr bevorstand, und ste wußte, 
daß es kein Entrinnen gab vor dieser Gefahr. Aber was 
auch immer ihr die nächste Stunde bringen mochte, dar- 
über, daß sie in einem Punkte standhaft und tapfer bleiben 
müsse war sie sich vollkommen klar. Und das Bewußt- 
stin 'dah es in dieser Hinsicht keine Wahl und keine Un 
gewißheitfür sie gab, verlieh ihr trotz ihrer körperlichen mrd 
seelischen Erschöpfung die Kraft, mit scheinbarer äußerer Ge- 
lasseicheit der Frau gegenüberzutreten, von der sie weder Er- 
barmen noch Schonung zu erhoffen hatte. 
Frau Hermann saß an dem großen runden T sch im 
Speisezimmer. Sie war allein, und ihre von Bnllanten 
funkelnde, knochige Hand ruhte auf einem vor ihr liegenden 
weißen Blatte, wie wenn sie ängstlich hüten müsse, was sich 
unter diesem Blatte verbarg. ... s on 
Mit einer' gebieterischen Geste deutete sie auf den 
Stuhl an ihrer Seite. , . .. 
„Setzen Sie sich, Fräulein! — Ich habe tziit Ihnen zu 
reden. Sie wissen, ln welcher Angelegenheit? 
«Rein»Frau Hermann — ich abne es nicht." 
Mabel erhob ihre Hand und entfernte das Blatt, unter 
dem jetzt ein zweites zum Borschein kam. Ein paar Krumen 
bröckeliger Erde und Stücke von grünen Baumblättern 
waren es, die sich von der weißen Unterlage abhoben. 
„Diese Dinge hier wurden heute abend auf dem Teppich 
Ihres Schlafzimmers zwischen dem Fenster und dem 
Kleiderschrank gefunden. Können Sie mir mitteilen, wie 
sie dahin gekommen sind?" 
„Wahrscheinlich habe ich ste an meinen Schuhen oder 
mit dem Saum meines Kleides hereingetragen." 
„Nachdem Sie zuvor über die teppichbelegte Treppe 
gegangen waren ? — Das ist bei diesem trockenen Wetter 
sehr wenig wahrscheinlich, wie Sie doch wohl selbst zu 
geben werden. Aber wenn Sie außerstande sind, eine Aus 
kunft über diesen Punkt zu geben, so werden Sie mir um 
so sicherer sagen können, wie sich die Blutspuren erklären, 
die an verschiedenen Stellen Ihres Zimmers, besonders an 
dem Holzwerk der Fensterbrüstung entdeckt worden sind. 
Wollen Sie vielleicht behaupten, daß auch diese Blutspuren 
von Ihnen herrühren?" 
S erta senkte den Kopf und schwieg, 
ekundenlang weidete sich Mabel an der augenschein 
lichen Hilflosigkeit des jungen Mädchens, dann fuhr sie fort: 
„Ich will Ihnen das Geständnis erleichtern und Sie 
davor bewahren, nach nutzlosen Ausflüchten zu suchen. 
— Alle diese Indizien, die Erde, die Blätter und die Blut 
flecken, beweisen unwiderleglich, daß der Mann, der in 
der verwichenen Nacht vom Garten aus den Balkon er 
klettert und sich bei der Gelegenheit durch einen Fall 
irgendwie verletzt hat, durch Ihr Zimmer seinen Weg in 
das Innere des Hauses gefunden hat — und zwar zu 
einer Zeit, da Sie selbst sich in diesem Zimmer aufhielten. 
— Wollen Sie jetzt noch immer leugnen, daß Sie diesen 
Mann gesehen haben?" 
„Nein — ich leugne es nicht." 
Trotz der Zuversichtlichkeit ihrer Rede hatte Mabel ein 
so unumwundenes Zugeständnis doch wohl kaum erwartet. 
Das Erstaunen, das sich für einen Moment in ihren Zügen 
ausprägte, bewies es zur Genüge. Und dies Erstaunen 
klang auch noch aus ihrer Rede, da sie sagte: X 
„Sie raumen es ein? — In der letzten Nacht aber, 
haben Sie es mir gegenüber mit der größten Dreistigkeit 
bestritten." 
„Ja, das tat ich. Aber wie Sie hören, bestreite ich es 
jetzt nicht mehr." 
Völlig verblüfft durch die Ruhe dieser Erwiderung 
starrte Frau Hermann auf die Sprechende. 
„Und sind Sie sich auch bewußt, was Sie damit ein 
räumen ? — Sie gestatten einem Manne, mitten in der 
Nacht Ihr Schlafzimmer zu betreten?" 
„Es geschah nicht auf meinen Wunsch, Frau Her- 
mann I" 
„Aber doch mit Ihrer Erlaubnis?" 
„Ja, mit meiner Erlaubnis." 
„Nun, als ob das nicht dasselbe wäre!" 
„Nein, es ist nicht dasselbe. Ich handelte unter dem 
Zwang von Umständen, die zu ändern nicht in meine 
Macht gegeben war. Denn es gab kein anderes Mittel, 
um zu verhindern, daß der Mann von anderen Haus 
bewohnern gesehen würde, nachdem Sie und Herr von 
Rominger durch das Geräusch geweckt worden waren." 
„Nun, Sie haben sich wenigstens, wie es scheint, end 
lich darauf besonnen, daß rückhaltlose Aufrichtigkeit für Sie 
jetzt noch der einzige mögliche Ausweg ist. Natürlich 
werden Sie sich nun auch nicht länger weigern, mir den 
Namen dieses Mannes zu nennen?" 
„Doch, Frau Hermann! — Ich weigere mich dessen auf 
das Entschiedenste I" 
O, welche Torheit! — Was gedenken Sie denn damit 
zu erreichen? — Als wenn es ftir mich nicht außer allem 
Zweifel wäre, daß kein anderer als mein Stiefbruder die 
in Rede stehende Persönlichkeit gewesen sein kann." 
Sie sind im Irrtum. — Wen auch immer ich versteckt 
haben mag, Herr Eberhard von Rominger war es jeden- 
falls nickt." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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