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Periodical volume Nr. 150, 06.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Eriedermirer 
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Rr. 151 
Setlia>fde9eitan. Mittwoch) dm 7. SuN 1920 
Sahrs. 27 
Q*a«Tt* n«cbri(bt«n 
Spa. In der gestrigen Sitzung der Konferenz äußerte 
sich zunächst Reichswehrminister Dr. G e ß l e r über die 
Entwaffnung. Er betonte die unumgängliche Notwendig 
keit, die Wehrmacht auf 200000 Mann zu belassen. Lloyd 
George sprach darauf über die Punkte, deren Nichter 
füllung Deutschland zum Borwurf gemacht werde. Die 
Hauptgesahc erblickte er darin, daß uoch zahlreiche (Ge 
wehre in den Händen der deutschen Bevölkerung wären, 
die abgeliefert werden müßten. Außerdem habe Deutsch 
landstatt 2000 Maschinengewehre 50 000 und statt 280 Ge 
schütze 12000. Er verlangte von den Deutschen bis morgen 
Vormittag bestimmte Pläne, wie sich die Auslieferung 
dieser Waffen und die Herabsetzung des Heeres aus IM 000 
Mann gestalten solle. Reichskanzer Fehrenbach betonte 
darauf in sehr ausführlichen und lebhaften Darlegungen 
die Schwierigkeiten der Aufstellung eines weiteren Planes. 
Wenn die Alliierten Deutschland Vertrauen schenken und 
ihm die Machtmittel belassen würden, dann würden wir die 
Auslieferung der Waffen und die Herabsetzung des Heeres 
leichter bewerkstelligen können. Er mache auch darauf auf 
merksam, daß die Wiederguimachungsforderungen der Alli 
ierten von dem Bestehen einer genügend großen Wehr- 
macht in Deutschland abhängig seien. In scharfer Weise 
erwiderte darauf Lloyd George, daß die Alliierten 
klare Daten und Ziffern wollten. Minister Dr. Simons 
erwiderte sofort, daß wir nach Lage der Dinge nie hätten 
annehmen können, daß die militärischen Fragen an erster 
Stelle in Spaa besprochen werden würden. Es sei zweifel 
haft, ob wir bis morgen Vormittag in der Lage sein wür 
den, bestimmte Pläne vorzulegen. Lloyd George er 
widerte, man werde uns Lenügend Zeit lassen, und Mi 
nisterpräsident D e lacr oix "setzte darauf die nächste 
Sitzung auf Mittwoch 1 /A Ühr nachmittags an. 
Spa. Foch und Seeckt werden gemeinsam über die 
Entwasfnungsfrage verhandeln. Die Deutschen sollen auf 
gefordert werden, selbst den Tag bekannt zu geben, bis 
zu dem die Entwaffnung stattfinden kann. In der Haupt 
sache werde die Auslieferung des Kriegsmaterials ge 
fordert. Die Heeresstärke, ob 100 000 oder 200 MO Mann 
fei nicht so wichtig. 
Königsberg. Hier sind die Industrie- und Trans 
portarbeiter wegen Ablehnung der Schiedssprüche durch 
die Arbeitgeber in den Ausstand getreten. 
, Breslau. Wegen Nichterfüllung ihres Wunsches 
auf Entfernung mißlicher Beamter sind die Belegschaften 
der Fucl>sgrube in Waldenburg in den Ausstand getreten. 
Bukarest. In einem hiesigen Fort explodierten 
zehn Waggons Pulver. Der Erdboden wurde an vielen 
Stellen aufgerissen. In der Umgebung der Stadt wurden 
zahlreiche Fensterscheiben eingedrückt. Da das Fort in 
Flammen steht und weitere Explosionen erfolgen, ist 
es unmöglich, sich dem Schauplatz zu nähern. Die Zahl 
der Opfer ist noch unbekannt. 
Rotterdam. Nach einer Meldung aus Tokio wird 
dort amtlich bekanntgegeben, daß Japan beschlossen hat, 
seine Truppen aus dem Baikal-Gebiet zurückzuziehen, da 
nicht länger die Notwercdigkeit besteht, die Tschechoslo- 
waken zu schützen. . 
Sitzung der Gemeindevertretung 
von Montag, den 5. Juli 1920. 
(Fortsetzung.) 
Vergütung von Mehrarbeit. 
Für abgeleistete Mehrarbeit aus Anlaß des Jahres- 
abschlusses werden den Beamten der Steuerkasse insge 
samt 2000 M., den 6 Vollziehungsbeamten je 150 M. 
= 1200 M. für 1919 und je 75 M. für 1920 bewilligt. 
Anrechflrung privatrechtlicher Dienstzeit auf das ruhe 
gehaltsfähige Dienftalter. 
Der Gemeindesyndikus Grundmann sowie den Büro 
assistenten Liehre, Flügge, Breidenstejn, Wilhelm und 
Bullert wird die von ihnen im privatrechtlichen Dienst 
verhältnis zugebrachte Dienstzeit in Gemäßheit des Z 1 
des Art. II des Ruhegehaltsortsstatuts auf ihr ruhege 
haltsfähiges Dienstalter angerechnet. 
Lehrmittel für den physikalischen Unterricht ant 
Realgymnasium. 
G.-V. Dr. Hasse hält den geforderten Betrag'für 
zu hoch und empfiehlt, Vertagung bis Oktober; es müsse 
die Beschlußfassung der Groß-Berl. Versammlung überlassen 
bleiben. Schöffe v. Wrochem tritt für den Antrag 
ein, es hätte hier schon längst etwas geschaffen werden 
müssen. G-V. Leonhardt (Dem.) ist nicht für die Vor 
lage, bei der enormen Preissteigerung für Chemikalien 
solle man diese jetzt nicht kaufen. Aber er sei daftir, daß 
man einen Betrag von 5000 M. zur Verfügung stelle, 
um es den Lehrern zu ermöglichen, gewissermaßen „hinten 
rum" Gegenstände zu kaufen. Wenn man das kaufen 
wollte, was wirklich gebraucht werde, müßte man sonst 
70—80 000 M. bewilligen. Schöffe v. Wrochem be 
merkt, daß es sich nicht um Käufe „hinten rum", sondern 
um Gelegenheitskäufe handele. G-V. Frl. Thomas 
(Dnat.) bittet um Zustimmung und berichtet über die 
Notwendigkeit der Bewilligung. Der Physikunterricht 
werde am Rg. in einer Weise geführt, daß die Schüler 
mit großer Freudigkeit daran teilnehmen. Diese Freu 
digkeit leide unter dem Mangel. Es fehle an den Ge 
brauchsgegenständen für Aufbewahrung der Apparate usw. 
Die Lehrer fertigen manche Sachen selbst an, auch Re 
paraturen. G-V. Richter (Unabh.) meint, die Vorlage 
sei nicht klar begründet. ES handele sich nicht um Chemi 
kalien, sondern um Gebrauchsgegenstände. G-V. Dr. 
L o h m a n n (D. Vp.) bemerkt, daß in der Kriegszeit die 
Anschaffungen zurückgestellt wurden; er empfiehlt die Be 
willigung. Die beantragten 10 000 M- werden bewilligt 
für Anschaffung von Gebrauchs- oder Einrichtungsgegen- 
ständen und zu Gelegenheitskäufen von physikalischen Ap 
paraten für den Physikunterricht am Realgymnasium. 
TeuexmWtzirschlag für di«; Lehrkräfte an de» Privat- 
schulen. 
Nachdem die laufenden Kriegsteuerungszulagen der 
Staatsbeamten durch Ministerialerlaß vom 28. 1. 20 für 
die Zeit vom '1. 1. 20 bis 30. 6. 20 um 150 Prozent 
erhöht worden sind, hat sich der Minister für Wissenschaft, 
Kunst und Volksbildung bereit erklärt, auch den Lehr 
kräften an den privaten höheren Lehranstalten für die 
weibliche Jugend die Hälfte solcher Beihilfen, also 75 
Prozent zu gewähren, wenn zunächst die Gemeinden 75 
Prozent dazu bewilligen. Das Kuratorium für die höheren 
schulen hat empfohlen, auch den Lehrkräften an den 
beiden Privatlyzeen den Teuerungszulagenzuschlag von 
75 Prozent zukommen zu lassen. Die Schuldeputatiatt 
hat für die Lehrkräfte an der Fliednersschen Schule einen 
gleichen Beschluß gefaßt, weil diese Lehrkräfte mit den 
Lehrpersonen an den Privat-Lyzeen hinsichtlich der 
Teuerungszulage aus Gemeindcmittcln jetzt gleichgestellt 
sind. Hier würden aber 150 Prozent zu gewähren sein, 
weil der Staat für private »höhere Knabenschulen'keinen 
Zuschuß leistet. Diesen Anträgen wird zugestimmt. 
Zugestimmt wird, der „Freia", Bremen-Hannoöcrsche 
Lebensversicherungsbank einen Prämienzuschlag von 
360,40 M. für die Versicherung der Schulkinder zu ge 
währen. 
Psli/ck/stNÄdenordnnng für die Hilfsschule. 
Nach den Vorschlägen wird beschlossen: Die wöchent 
liche Pflichtstundenzahl beträgt: für den Hanptlehrer 20; 
für Lehrer bei einem Alter bis zum 30. Lebensjahre 26, 
bis zum 40. Lebensjahre 25, bis zum 50. Lebensjahre 24, 
über 50 Jahre 22; für Lehrerinnen bei einem Alter' 
bis zum 30. Lebensjahre 24. bis zum 40. Lebensjahre 23, 
bis zum 50. Lebensjahre 22, über 50 Jahre 20. * 
Eiintrichchlng eines Schukkinos. 
G.-V. Frau Diebe rich (Soz.) spricht ihre Freude 
über die Vorlage aus, mit der positive Arbeit geleistet 
sei. Hoffentlich trage sie dazu bei, daß die Kinder den 
Kinohäusern fernbleiben und daß sie im Schnlkino dm», 
gute Stätte finden. Aufgabe des Leiters wird cs sdn, 
den Kindern und Erivachsenen so viel Gutes zu bieken- 
daß sie gern diese Stätte aufsuchen. G.-V. Paul R i ch- 
ter (Unabh.) erklärt, daß er nie so viel Freude an 
einer Vorlage gehabt habe, wie an dieser, er bedauere nur, 
daß sie so weit hinausgeschoben wurde; vielleicht mache 
da der § 58 Schwierigkeiten, sodaß womöglich die Ge 
nehmigung versagt werde. Er bittet die Kollegen und 
Kolleginnen, die ins Groß-Berliner Stadtparlainent ein 
ziehen sollten, auch dort für diese Einrichtung, einzutreten 
trotz formeller Bedenken. Bürgermeister Walger be- 
merkt, daß in allen Gemeinden solche Schwierigkiten 
aufgetaucht wären; um diesen aus dem Wege zu gehen, 
treten die Vertreter von den 20 Bezirken jeden Freitag 
zusammen, um solche Ausgaben zu begutachten, das ist 
die sogen. „Frdtagskonserenz". Dieser müsse man diese 
Frage auch unterbreiten. Anzunehmen sec. daß Aics- 
gaben, die von der Freitagskonferenz genehmigt werden, 
auch später von der Stadtverordnetenversammlung die 
Genehmigung erhalten. Es handelt sich, hier um keine 
große Summe; der § 58 will die einzelnen Gemeinden 
hindern, ihr Vermögen noch schnell zu vcw- 
pulvern, nun, das ist ja bei uns nicht mehr 
möglich! (Heiterkeit.) G-B. Thomsberger (Dem.) 
stimmt der Vorlage zu in der Annahme, daß das Schul 
kino geeignet sei, bessere Sitten einzuführen. Er be 
mängelt aber die Berechnung, namentlich die Zeitkarten- 
bercchnung für die Volksabende. Eine Zeitkarte für 10 
Vorstellungen würde da 20 M. kosten, während die Einzel 
karte nur 1 M. koste.. Schöffe v. Wrochem bittet, die 
Berechnung nicht so genau zu nehmen; es seien nur 
Schätzungen. Er freut sich, daß man der Vorlage an 
scheinend einstimmig zustimme, der Zweck sei ja auch ein 
wirklich guter. Der späte Zeitpunkt kam dadurch zu- 
ver Sohn des Millionärs. 
Roman von Florence Warden. 
10 
(Nachdruck verboten.) 
Auch Magdalene litt furchtbar unter dem Druck der 
beklemmenden, unheilschwangeren Stimmung. Die Zärt 
lichkeit ihrer Stiefschwester hatte sich's nicht versagen können, 
sie ohne Rücksicht auf ihren angegriffenen Zustand über die 
Vorkommnisse der Nacht und über die am Morgen von 
ihrem Vater abgegebene Erklärung zu unterrichten. Und 
nun quälte sie sich unausgesetzt mit allerlei Vorstellungen 
und Besorgnissen, die dadurch wahrlich nicht wecklger marter- 
voll wurden, daß sie ihnen gegen niemanden — auch 
gegen Herta nicht — Ausdruck gab. 
Kaum mehr als das Allernotwendigste wurde zwischen 
den Tischgenossen gesprochen, und so tapfer die junge Ge 
sellschafterin sich gestern in der Stunde der Gefahr gezeigt 
hatte, so vollständig ließen ihre Kraft und die Kunst 
der Verstellung sie heute abend im Stich. Sie sah fast 
noch leidender aus als Magdalene, die Speisen auf ihrem 
Teller blieben unberührt, und während der ganzen Dauer 
des Mahles wagte sie nicht ein einziges Mal den Blick zu 
erheben, von der infttnktiven Gewißheit erfultt. daß sie 
dabei zuerst den tückischen, lauernden Augen Mabels be- 
segnen würde. Bon Sekunde zu Sekunde erwartete sie, 
daß Johannes Rominger das Wort an sie richten und 
eine auf die Ereignisse der Nacht bezügliche Frage stellen 
würde. Und nie war sie dem Himmel fürZeinen^ unerwar 
teten Zufall so dankbar gewesen, als sie es heute für das 
von niemandem vermutete Erscheinen "ne» Gastes war, der 
sich gegen Ende der Tafel einfand, und deyen «egenwart 
wenigstens für den Rest dieses Abends eine nochmalige 
Erörterung der peinlichen Vorkommnisse auszuschließen 
^ Man erhob sich vom Tische, und der Hausherr setzte sich 
mit Magdalene, Madel und dem Gast in einem der beiden 
Gartensalons zu einer Whistpartie nieder. Gerne hatte nch 
Herta schon jetzt in ihr Schlafzimmer zuruckaezoaen. aber 
Magdalene tonnte ja möglich rweise ihrer iroch bedürfen, 
und so begab sie sich in. den aie'vüenden Salon, dessen 
Flügeltür sich auf die Gartenterrasse öffnete, hoffend, daß 
man sie hier ungestört lassen würde. 
Aber ihre Hoffnung erfüllte sich nicht. Denn kaum eine 
Viertelstunde lang war sie mit ihren unerfreulichen Gedanken 
allein gewesen, als sie sich halblaut bei ihrem Namen ange 
rufen hörte, und als sie aufblickend in Eberhards hübsches 
offenes Antlitz sah. 
„Sie müssen verzeihen, wenn ich Sie Ihrer Einsamkeit 
entreiße, Fräulein Leuendorff," sagte er. „Aber ich konnte 
und durfte die Gelegenheit nicht ungenützt lassen. Ihnen 
endlich für die hochherzige Handlung zu danken, die mich 
ewig zu Ihrem Schuldner gemacht hat." 
Seine Worte klangen ihr ins Herz wie eine süße, be 
rauschende Musik, und doch blieb sie sich bewußt, daß sie 
dieser Musik nicht weiter lauschen dürfe, ohne sich selbst und 
den Mann zu gefährden, dem jeder ihrer Gedanken und 
jede Regung ihrer jungen Seele gehörten. 
„Sie sollten nicht hier mit mir sprechen, Herr von 
Rominger," flüsterte sie in bittendem Tone. „Ich will 
nicht, daß Sie sich ohne Not neuen» Verdacht aussetzen. — 
Bitte, kehren Sie zu Ihrer Familie zurück I" 
Und als wollte sie ihm die Erfüllung dieses Wunsches 
dadurch noch leichter machen, stand sie auf, um auf die Ter- 
raffe hinauszutreten, die im hellsten Mondenlicht dalag. 
Aber es war eine unglückliche Eingebung gewesen, denn 
statt zu gehorchen, folgte ihr Eberhard nach. 
„Nein," beharrte er, „ich verlasse Sie nicht eher, als 
bis ich Ihnen ausgesprochen habe, wie tief und wie un 
auslöschlich die Dankbarkeit ist, die meine Seele erfüllt. — 
Und Sie dürfen mir nicht grausam verbieten, wonach ich 
mich während dieses ganzen Tages so inbrünstig gesehnt 
habe. Es ist ja nicht die geringste Gefahr dabei — wirk 
lich nicht!" 
„Wie können Sie die Situatton so verkennen? — 
Sie wissen recht gut, daß der Argwohn Ihres Vaters noch 
nicht beseitigt ist — und noch viel weniger der Verdacht, 
von dem Ihre Frau Schwester erfüllt ist. Wenn man 
uns unglücklicherweise hier beieinander sähe, würde man 
daraus nicht notwendig folgern müssen, daß wir uns in 
irgendeinem Einverständnis befinden?" 
„Und wenn nian's täte, was könnte es uns schaden 
solange man nicht imstande ist. etwas zu beweisen?" 
fragte er mit der Sorglosigkeit der Jugend zurück. „Mögen 
sie doch argwöhnen, was sie wollen! Mit einer offenen 
Beschuldigung hervorzutreten, werden sie sicherlich nicht 
mehr wagen." 
„Auch darin könnten Sie sich täuschen. Frau Hermann 
gehört nicht zu den Leuten, die sich von einer einmal 
gefaßten Meinung so leicht abbringen und sich durch über 
großes Zartgefühl in der rücksichtslosen Verfolgung ihrer 
Absichten hindern lassen." 
Eberhard schwieg sekundenlang. Er konnte nicht wider 
sprechen, denn er wüßte gut genug, wie richtig Herta seine 
Stiefschwester beurteilte. Und die junge Gesellschafterin, 
die ihn überzeugt zu haben glaubte, bat noch einmal: 
„Kehren Sie in das Haus zurück, Herr von Rominger 
— otzer lassen Sie mich hineingehen, ohne mir zu folgen." 
Aber der Klang ihrer süßen, weichen Stimme hatte 
eine andere Wirkung auf ihn, als Herta gehofft hatte. 
Sie machte ihn nicht nachgiebig, sondern sie stachelte seinen 
Zorn über die unwürdige Bevormundung, die er sich von 
seiner verhaßten Stiefschwester gefallen lassen mußte, wieder 
bis zu unbändigstem Trotz. 
„Nein! — Ich will nicht, daß wir beide. Sie und 
ich, uns vor ihr ducken, wie der Hund vor der Peitsche! — 
Ich habe keine Lust, die Tyrannei dieses boshaften, ränke 
süchtigen Weibes länger zu ertragen. Sie soll mir nicht 
verwehren zu sprechen, mit wem ich will, und zu gehen, 
wohin es mir beliebt." 
Herta schien nur seine letzten Worte gehört zu haben. 
Denn es waren Worte, die sie aufs neue mit tödlicher 
Angst erfüllten. 
„Aber, nicht wahr, es ist nicht Monte Carlo, woran Sie 
dabei denken?" fragte sie hastig. „Sie werden nie wieder 
dorthin gehen — nie wieder?" 
„Aber gewiß werde ich!" erwiderte er ohne Zögern. 
„Nur mit dem einzigen Unterschied, daß ich meine Maß 
regeln besser treffen werde als bisher. Durch mein Tun 
und Lassen soll künftighin niemand in Gefahr gebracht 
werden als ich selbst. Ich werde jeden vernünftigen 
Wunsch meines Dateis achten, einem unvernünftigen aber 
werde ich in Zukunft ebensowenig nachgeben,' als ich ae. 
bisher getan habe." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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