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Periodical volume Nr. 96, 30.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Punkt 17, Antrag der Demokraten auf Uebernahme des 
Dr. Lorenz-Lyzeums, in der geheimen Sitzung zu ver 
handeln. Schöffe v. Wrochem erklärt, daß. sich der 
Antrag mit dem deckt, was auch unter Punkt 21 beratet! 
werden sollte. G-V. Thomsbergea: (Dem.) wünscht 
öffentliche Verhandlung. — Die Öffentlichkeit 
)vird nun ausgeschlossen, um zunächst darüber 
zu verhandeln und zu beschließen, ob der Punkt 17, 
öffentlich oder geheim verhandelt werden soll. Nach etwa 
5 Minuten »vird die O c f f c n t l i ch ke i t w i e d e r her 
gestellt. Der Punkt 17 wird geheim verhandelt. 
BewMguW vcüi Umzugökosten. 
An Umzugs kochen werden gewährt: dem Büro 
assistenten Lichre 75 Prozent von 2410 M. — 1807,50 
Mark, dem Pol.-Wachtm. Kowalkowsky 75 Prozent von 
1 273,20 M. --- 954,90 M., dem Pol.-Wachtmstr. Hüselitz 
50 Prozent von 300 M. - 150 M. 
Rcu.rMelttng der! Besoldungen sfür Beamte, Lehrer 
ünd dauernd AngaftMo. 
Es wird vorgeschlagen,- sich nach den Schönebcrger- 
Beschlüssen zu richten. 
G.°V. P. Richter (Unabh.) fragt, ob die.alten 
Teuerungszulagen bestehen bleiben. Bürgermeister Wal 
ger: Wir haben uns genau dem Schönebcrgcr Muster 
angeschlossen; die Schvneberger Vorlage läßt keinen Zweifel 
darüber, daß die alten Teuerungszulagen fortfallen und 
durch die neuen ersetzt werden. G.--V. P. Richter (Un 
abh.): Wir sind automatisch gezwungen, der Vorlage zu 
zustimmen, aber wir folgen nur dem Zwange, nicht 
dem eigenen Triebe. Aber ich möchte doch darüber meinem 
Bedauern Ausdruck geben, daß in Anbetracht der Schwie 
rigkeit der Zeiten und dem Niederlicgen der Privat 
betriebe diese Vorlage beschlossen werden muß. Die Pri 
vatbetriebe sind es doch, die das Leben des Reiches er 
möglichen. Es war nicht richtig, daß der Zwölferaus 
schuß über die schon reichliche Dotierung des Staates 
noch hinausgegangen ist. Die Erhöhung läßt sich nun 
nicht verhindern, aber ich möchte doch mein Bedauern 
darüber aussprechen. Nach meinem Dafürhalten hätte 
hier gespart werden können, indem die staatlichen Sätze 
beibehalten wurden. (Zustimmung auf allen Seiten). 
Wir sehen auch in der Eingruppierung eine Ungerechtig 
keit und bedauern, daß Berlin dem stattgegeben hat; wip 
bedauern cs auch, daß, nachdem man die Kommunalbcani- 
ten mehrere Male in ihren Besoldungen erhöht hat, und 
ihnen stets die gebührenden Einkünfte gewährt hat, nun 
die neuen Zulagen zum 1. 4. zurückdadicrt wurden und 
daß noch eine besondere Brot- und Kartosfelzulage vom 
1. 1. ab eingeführt worden ist. Wir können der Vor 
lage nun nicht entgegen handeln, aber mein Verant- 
wortlichkeitsgesühl als langjähriger Gcmeindevertrctcr 
zwingt mich dazu, dies hier zum Ausdruck zu bringen. 
— G.-V. Leon Hardt (Dem.) fragt, ob die Wohnungs- 
bcrcchnung hier gleich mit beschlossen werden sollte. Bür 
germeister Walgcr erklärt, daß Punkt 4 diese Frage 
regelt. Die Wohnungen sind durch Sachverständige be 
sonders abzuschätzen. >/< des Mietswertes wird für die 
Heizung berechnet und der Mietspreis auf 2 /s des Miets- 
wertes festgesetzt. Aber man werde gut tun, iu der 
Festsetzung des Mietswertes mit großer Vorsicht vorzu- 
gehen. Denn er habe den Eindruck, daß man bei der Be 
rechnung in Schöneberg über das Maß des Zulässigen 
hinausgegangen sei. Nach seiner Ansicht seien die Miets 
preise, wie 1000 M .für 4 Zimmer, nicht den Verhält 
nissen entsprechend. Man müsse den Mietswert von Fall 
zu Fall festsetzen. G.-V. Leonhardt (Dem.) meint, 
daß solche Mietsfcstsctzungen über die Hutschnur gingen, 
das bedeute eine verschleierte Gehaltsaufbesserung. Bür- 
germeister Walger bemerkt, daß die Form der Be 
rechnung dieselbe sein solle wie in Schöneberg, daß aber 
in der Ausführung des Beschlusses anders gehandelt wer 
den müsse. G.-V. Leon Hardt bemerkt, daß also über 
diese Frage entgegen dem Vorschlage des B.-A-Aus-, 
schusses getrennt.von der BcsolduNgsordnung beschlossen 
werden soll. Bürgermeister Walger: Jawohl, der Gc- 
meindevorstand hat gegen den Vorschlag des Beamten-» 
befoldungsausschusses gehandelt; man mache doch nicht 
immer solche Vorwürfe. G-V. L e o n h a r d t antwortet, 
daß er einen Vorwurf nicht machen wollte, das sei ein 
Mißverständnis, er wollte nur die Sache klären. i 
Der Besoldungsordnung wird dann in folgenden Be 
schlüssen zugestimmt: 1a. Die Besoldung der Beamten und 
ständig Angstcllten erfolgt vom 1. April ab nach den von 
der Stadt Schöneberg beschlossenen Sätzen der Zwölfer- 
Kommission mit der Maßgabe, daß unsere 10 Besoldungs- 
da« Geräusch im Garten, van dem man ihm erzählt Habs, § 
die ganze Einwohnerschaft der Villa auf die Beine gebracht 
worden sei. 
Johannes Rominger unterließ es, ihm darauf zu 
antworten, aber er fragte weiter: 
„Mabel und ich — wir waren an der Tür deines 
Zimmers; warum gabst du keine Antwort auf unser ‘ 
Klopsen?" 
„Weil ich nichts davon gehört habe," erwiderte Eber 
hard, ohne sich damit einer Unwahrheit schuldig zu machen. 
Doch der Freiherr schüttelte unmutig den Kopf. Und 
mit ihrer scharfen Inquirentenstimme, die jedem Unter 
suchungsrichter Ehre gemacht haben würde, mischte sich 
Mabel ein: 
, „Wir> haben nicht nur einmal, sondern wenigstens 
fünfmal geklopft und haben dich mindestens ebenso oft 
bei deinem Namen gerufen. So fest ist keines Menschen 
Schlaf, daß er davon nicht hätte geweckt werden müssen." 
Aber auch durch diesen Einwurf ließ Eberhard sich 
nicht aus der Fassung bringen. 
„Ich gebe zu, daß ich diese Zurufe gehört habe, und 
daß ich dich, meine teure Mabel, als die Rufende erkannte. 
Aber gerade dieser Umstand war es, der mich veranlaßte zu 
schweigen." 
„Was soll das heißen?" fragte sein Vater stpeng. 
„Wenn Mabel deinen Namen rief und eine Antwort dar 
auf erwartete, so geschah Zs, weil sie mich überzeugen 
wollte, daß du ruhig in deinem Vett lägest und darum 
nicht der nächtliche Einbrecher gewesen sein könntest." 
„O nein, lieber Vater! — Du wirst mich-schon in der > 
Ueberzeugung lassen müssen, daß ich-Mabels. gutes Herz 
besser kenne als du. Sie wußte sehr genau, daß mein, 
Stolz und meine Selbstachtung mir verbieten würden, auf. 
Zurufe zu antworten, deren Anlaß zu erraten nicht eben 
schwer, war. Und sie «rechnete damit, weil ihr daran lag,,' 
dir sagen zu können: .Sieh, er ist nicht da — während wir J 
ihn im tiefen Schlafe glaubten, hat er sich heimlich aus l 
dem Hause aestedlen." 
gruppen V bis la den Gruppen II bis XI des Reichsbesol- 
dungsplanes gleichgestellt werden. Im übrigen sollen die 
siir die Schöneberger Beamten gefaßten Beschlüsse und 
Grundlagen auch für die hiesigen Beamten Geltung haben: 
Wohlerworbene Rechte bleibet! ihnen jedoch bewahrt. 
1b. Die Besoldung der Lehrpersonen erfolgt vom 1. April 
ab ebnfalls nach dem von Schöneberg auf Grund der Vor 
lage des Magistrats vom 9. Juni ds. Js. und der Vor 
schläge des Haushalts-Ausschusses beschlossenen Besoldungs-- 
Plan für die Lehrkräfte an den Schulen der Stadt Schöne- 
berg mit der Maßgabe, daß. die endgültige Besoldungsregc- 
luug der noch ausstehenden staatlichen Aüsführungsbestim- 
mungen oder anderwcitcr gesetzlicher Regelung vorbehalten 
bleibt, ckc. Die Bezüge des Ruhegehalts. Witwen- und 
Waisengeld sowie der Ruhegcldempfänger werden in der 
von Schöncberg beschlossenen Höhr rückwirkend vom 
1. April ds .Js. erhöht. Id. Die Bezüge der Unterstützungs- 
Empfänger lind -Empfängerinnen sind in der von Schöne 
berg noch zu beschließenden Höhe ebenfalls vom 1. April 
ds. Js. zu erhöhen. 1c. Die der Witwe des früheren Ge 
meindevorstehers gezahlte fortlaufende Unterstützung von 
jährlich 580 Mar kwird dergestalt erhöht, daß dieselbe ein 
schließlich ihres Witwengeldes und der Teuerungszulagen 
insgesamt 6000 Mark bezicht. Die derselben von der Bran 
denburgischen Witwen- und Waisengeld-Versorgungsanstalt 
etwa zu gewährenden Erhöhungen der Teuerungszulage 
indessen aus die Unterstützung in Anrechnung zu bringen. 
. 2. Der Sondcrgrnppenplan für die. außerhalb der Be 
soldungs-Ordnung stehenden Personen wird genehmigt. 
3. Der Einreihung des Syndikus Grundmann in Gruppe 
1a dev neuen Besoldungsordnung wird zugestimmt. 4. Die 
Neufestsetzung des Ruhegxhaltes des früheren Baurats Alt 
mann bleibt vorbehalten. 5. Dem Gemeindevorsteher wird 
zu seinem Gehalte ein 50prozentiger TcuerungSzuschlag 
einschließlich der Kinderzulagcbewilligt. 6. Der Gemeinde- 
vorstand wird ermächtigt, die Besoldungsordnungen für die 
Beamten und dauernd Angestellten sowie für die Lehr 
personen aufzustellen und die Ausführungsbestimmungen in 
Uebereinstimmung mit den Schöneberger Grundsätzen zu er 
lassen. 7. Der den Beamten, Lehrern usw. auf die jetzige 
Regelung Anfang Mai gewährte Vorschuß ist in der gleichen 
Weise und Höhe in Anrechnung zu bringen, wie cs Schöne- 
berg beschlossen hat. 8. Die durch die Neuregelung erfor 
derlichen Mittel werden bewilligt. 
AnpenlAÄN'g dcS Wertes der Dienstwohnlmg. 
Bürgermeister Walgcr erklärt, daß man hier den 
Schönebcrgcr Feststellungen folgen werde.. G.-V. A l t - 
mann (D. Vp.) meint, daß es hier nür eine Regelung 
gebe, wenn man nach dem Schöneberger Grundsatz han 
deln wolle. Man übertrage die Festsetzung des Miets- 
wertes dem Bauausschuß und die Nachprüfung dem B.-A.- 
Ausschuß. G.-V. Dr. Anders (Dnat.) bittet, die Vor 
lage aus dieser Grundlage zu vertagen. G.-V. Dr. Hasse 
(Soz.) gibt die Bemerkung des Bürgermeisters, daß es 
auf die Ausführung des Beschlusses ankomme, doch 
Anlaß, vorsichtig in dieser Sache zu sein, denn bei der 
vorhin bekundeten Eigenmächtigkeit des Vorstandes, könne 
verschieden gehandelt werden. Bürgermeister Wa l g er 
erklärt, er habe gesagt, daß er der wohlwollenden Hand 
habung wie in Schönebe.rg nicht zustimmen könne. (G.-V. 
Leonhardt: Mißverständnisse scheinen heute an der Tages 
ordnung zu sein. — Heiterkeit). Die Vorlage wird ver 
tagt entsprechend' den Vorschlägen des G.-V. Altmann: 
Prüfung durch Bau- und Beamten-AngclegenheitsauÄ 
schuß. . 
, (Fortsetzung folgt.) 
LllMLM» W WdMU unu WlM?. 
(Nachdr. unsrer v^Originalarttkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Marjgarilwe freihändig! Gemäß Beschluß der Fett 
stelle Groß-Berlin vom 28: Juni d. Js.. ist der marken 
freie Verkauf der Margarine zunächst bis 18. Juli 1920 
angeordnet worden. Der Verkauf an die Verbraucher 
«darf ohne Abgabe von Speisefettkartcn oder Bezugs 
scheine und ohne Rücksicht auf die Eintragung in die 
Kundenliste erfolgen. Der Preis darf für das Pfund 
12 M. nicht übersteigen:. — Auf die Speisefettkarte gibt 
es 20 Gramm Butter und 70 Gramm Margarine. Der 
Preis für Butter darf für Handelsware I 75 Pfg., für 
Handelsware II 73 Pfg. für je 20 Gramm nicht über 
steigen. Der Preis für 70 Gramm Margarine auf Karte 
darf 168 Psg. nicht übersteigen. 
o GemlHrüdssylrdjkus Sturm, der Leiter unseres Woh 
nungsamtes, ist zum Leiter des Schöneberger Wohnungs 
amtes vom 15. d. Mts. ab bestellt worden. Er behält 
Mabel, osre.'. Gesicht eine beinahe grünliche Farbe der 
Wut angenommen, hatte eine heftige Erwiderung auf deu 
Lippen. Aber ihr Vater machte ihr ein Zeichen zu 
schweigen. 
„Wenn es sich verhält, wie du sagst," wandte er sich 
kalt imb streng an seinen Sohn, „wenn wir dir unrecht 
getan haben mit dcm^ Verdacht, daß du dich während 
dieser Nacht außerhalb des Hauses befunden hast — wohl, 
so ist alles in Ordnung. Sollte ich aber früher oder später 
die Entdeckung machen, daß unsere erste Vermutung 
dennoch die richtige war, und daß du die Stirn gehabt 
hast, mich durch dreistes Leugnen zu täuschen, so sind wir 
für alle Zukunft fertig miteinander. Ich will lieber kinderlos . 
sein, als daß ich einen Spieler zum Sohne haben möchte." i 
Eberhards Wangen hatten sich höher gefärbt, und 
indem er seinem Vater fest in die Augen sah, fragte er: 
„Ist das Gerechtigkeit, Vater, daß du den gelegen! s 
lichen Besuch eines Spielsaales wie ein todeswürdiges 
Verbrechen behandelst, während doch du selbst deinen 
Neichtum auf ganz ähnliche Weise erworben hast? Ein ' 
Spiel an der Börse oder- ein-Spiel am Roulette-Tisch ---- ' 
ich kann nicht finden, daß der Unterschied der Rede wert \ 
wäre." i 
Mabel erzitterte vor Freude, denn sie erwartete nichts 
anderes, als daß diese tollkühnen Worte auf der Stelle 
einen unheilbaren Bruch zwischen den beiden zur Folge. 
haben würden. Aber cs mußte doch wohl noch immer ' 
gewisse Seiten in ihres Vaters Charakter geben, diefie 
nicht zur Genüge kannte, denn zu ihrer grenzenlosen i 
Ueberraschung blieb er nicht nur vollkommen ruhig, sondern 
cs glitt sogar wie der Schatten eines Lächelns über fein » 
ehernes Gesicht. 
„Möglich, daß der Unterschied nicht bedeutend ist," i 
sagte er gelassen. „Es koniint eben nur darauf an, unter 
welchen Umständen man sich aufs Spielen einläßt. Und > 
ich denke, da wäre der Unterschied zwischen uns beiden . 
gcwali g genug. Ich hatte die Pflicht, ein Vermögen zu t 
erwerben, und es war gleichgültig, auf welche Art es gr 
amer auch die Leitung des Friedenauer 
bis zu dessen Ucberleitung nach Schon» 
o Die Weihe» eiHe« Gedenktafel für 
falleneu Kameraden veranstaltet unsere Feuerwehr am 
kommenden Sonntag, dem 11. Juli, vormittags 11 Uhr, 
in der Feuerwache im Rathause. Die Mitglieder des 
Feuerlöschausschusses sind hierzu besonders eingeladen. 
o EinkomMMssh.mez:. Nach den Bestimmungen des Ein 
kommensteuergesetzes vom 29. Mai 1920 erfolgt die cnd- 
ailtige Veranlagung zur Einkoinmcnsteuer für das Rech 
nungsjahr 1920 erst nach Ablauf des Kalenderjahres 
1920. Die Vorarbeiten für die vorläufige Erhebung der 
Einkommensteuer werden noch einige Zeit in Anspruch 
nehmen. Steuerpflichtige, die die Schwierigkeiten ver 
meiden wollen, die ihnen dadurch entstehen, daß sie 
Steuerbeträge für einen längeren Zeitraum nachträglich 
bezahlen müssen, können schon jetzt im voraus Abschlags 
zahlungen auf die .Einkommensteuer bei der für ihrL 
Wohnung zuständigen Stadtsteucrkasse leisten. 
obh Keine Lüpg erlich s Stimme für Wermut!)! Zur 
Groß-Berliner Oberbürgcrmeistcrwahl erfahren wir im 
Anschluß an unsere Mitteilungen über die Kandidaturen: 
Es kann schon jetzt als feststehend angesehen werden, 
daß Oberbürgermeister Mermuth bei der Wahl der Groß- 
Berliner Oberbürgermeisters keine bürgerliche Stimme er 
halten wird; auch die Demokratische Fraktion ist ge 
schlossen gegen ihn. Der jetzige Berliner Magistrats- 
leiier hat bei der Groß-Berliner Wahl ausschließlich auf 
sozialistische Stimmen zu rechnen; seine Kandidatur ist. 
eher lediglich eiue unabhängig-sozialistische Kandidatur. 
oA Kleisntierhaltung und Müllabfuhr. Die Lebcns- 
mittelnot hat in den letzten Jahren zahlreiche Groß- 
Berliner Einwohner veranlaßt, sich der Kleinticrhaltung 
zuzuwenden und Federvieh, Kaninchen, Ziegen und sogar 
Schweine auf den Grundstücken zu halten. Ueber die« 
Beseitigung des Dungs machen sich die glücklichen Klein 
tierhalter aber wenig Kopfschmerzen, da sie ihn einfach 
in die Müllkästen werfen. Diese ständig zunehmende Un 
sitte hat jetzt mehrere Groß-Berliner Gemeindeverwal 
tungen, welche die Müllabfuhr auf eigene Regie über« 
nominell haben, zu der Mahnung an die Tierhalter ge 
zwungen, eine solche nach den Ortssatzungen ausdrücklich 
verbotene Dungbeseitiguug zu unterlassen. Es wird daraus 
hingewiesen, daß das Gewicht der Kästen durch das Ver 
fahren der Ticrbesitzcr so groß wird, daß die Kutscher, 
zum Teil die Müllkästen nur unter den allergrößten An 
strengungen abtragen können, zum Teil aber umkehren 
und entleeren müssen. Die sich hieraus ergebenden Be 
schwerden über liegengebliebenes Müll usw. können aber 
die Gemeindeverwaltungen nicht anerkennen. Die Kutscher 
haben vielmehr den Auftrag. Müllkästen, in denen sich 
größere Mengen tierischen Düngers befinden, nicht ab 
zutragen. 
o Der Wert der Sachbezüge ist für den Stadtkreis 
Berlin-Schöncberg wie folgt festgesetzt: Dienst 
kleidung: für Betriebsbeamtc (Werkmeister, Techniker, 
Kontrolleure. Schwestern) aus jährlich 4000 Mk., für Ar 
beiter und sonstige Angestellte (Wagenführer, Schaffner, 
Hausdiener usw.) auf jährlich 800 Mk.. für jugendliche 
Arbeiter (Laufjungen, Porticrjungcu, Lehrlinge usw.) auf 
jährlich 600 M. Station, Wohnung, Bekösti 
gung: Für Lehrer, Erzieher, Verricbsbeamte (Werk 
meister, Techniker, Kontrolleure), Handlungsgehilfen, häus 
liche Angestellte höherer Art, Schwestern sowie Schüle 
rinnen in Krankenhäusern, Heimstätten, Waisenhäusern und 
ähnlichen-Anstalten mit eigenem Zimmer auf jährlich 2400 
Mark freie Station, 300 Mk/ stete Wohnung, 2100 Mark 
freie Beköstigung; ohne eigenes Zimmer auf jährlich 2300 
Mark freie Station. 200 Mk. freie Wohnung, 2100 Mark 
freie Beköstigung. Für Arbeiter, Gehilfen usw. (Hausdiener, 
Wagenführer, Schaffner usw.) mit eigenem Zimmer auf 
jährlich 2000 Mark freie Station, 200 Mark freie Wohnung, 
1800 Mk. freie Beköstigung; ohne eigenes Zimmer auf 
jährlich 1900 Mk. freie Station, 100 Mk. freie Beköstigung. 
Für jugendliche Arbeiter (Laufjungen. Poriierjungen, Lehr 
linge usw.) auf jährlich 1000 Mk. freie Station. 100 Mk. 
freie Wohnung. 900 Mk. freie Beköstigung. Für Dienst 
boten auf jährlich 1800 Mk. freie Station, 100 Mk. freie 
Wohnung, 1700 Mk. freie Beköstigung. Bei Schwestern und 
Schülerinnen für freie ärztliche und arzneiliche Behand 
lung auf 300 Mk. Für eine Wohnung, die das Maß des 
Bedarfs einer Person überschreitet (Familienwohung): für 
Betriebsbeamte jährlich 800 Mk.: für Arbeiter, Gesellen, 
Gehilfen-und sonstige Angestellte jährlich 500 Mk. Hei 
zung und freie Beleuchtung: Für Familienwoh 
nungen mir Küche: Für Bciriebsbcamte (Werkmeister, Tech 
niker, Kontrolleure usw.) auf jährlich 300 Mk. Heizung, 
schab, wenn es nur gelang. Du aber hast vor allem die 
Pflicht, ein vorhandenes Vermögen zu erhalten. Und ich 
würde dir darum ein gewagtes Vörsenspiel ebensowenig 
verzeihen als ein Pointieren in Monte Carlo. Ich habe 
gearbeitet, um die festen Grundlagen für den Bestand 
einer Familie zu schassen, aber nicht, „um einem Müßig 
gänger und Verschwender die Möglichkeit zur Befriedigung 
seiner verderblichen Neigungen zu bieten. Es mag ja 
sein, daß das nicht nach deinem Geschmack ist und daß 
ich dir zu sehr Autokrat bin. Aber du wirst dich wohl 
«der- übel damit abjinden müssen. Denn innerhalb 
meines Hauses gedenke ich auch weiter der Autokrat zu 
.bleiben, der ich bis heute gewesen bin. Wer sich meiner 
Herrschaft nicht fügen kann, dem steht es frei, seiner 
Wege zu gehen. Aber er soll auch nicht darauf rechnen, 
irgendwelchen Nutzen von dem Ertrage meiner sauren 
Lebensarbeit zu ziehen." 
Er sah die Auseinandersetzung damit^als beendet an, 
denn er ließ Eberhard nicht mehr Zeit zu einer Er 
widerung, sonder» wandte sich kurz zum Gehen. Und der 
junge Freiherr, der seinerseits nicht die geringste Neigung 
verspürte, das Gespräch etwa mit Mabel fortzusetzen, kehrte 
seiner hämisch lächelnden QtiLfschwester den Rücken, um 
sich nach der entgegengesetzten Richtung hin zu entfernen. 
6. Kapitel.' 
Bei dem abendlichen Diner erst fanden sich sämtliche 
Mitglieder der Familie wieder zusammen. Aber es war eine 
der unerfreulichsten Mahlzeiten, die Herta feit dem Tage 
ihres Eintritts in das Romingersche Hans erlebt hatte. 
Das dunkle Gewittergewölk war durch die Erörterungen 
des Vormittags ersichtlich noch nicht zerstreut worden, son 
dern es hing nach wie vor schwer und drohend über den 
Häuptern derer, die sich einer heimlichen Schuld bewußt 
waren. 
(Fortsetzung folgt.) 
im Felde ve-
        
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