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Periodical volume Nr. 150, 06.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Z-zm-vr-1, (Frirdvnauer 
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Erscheint trlglich abends. 
Kernkvrecher: Amt Pf-ilzi-r, 21«. — Druck und «erlag v»n Leo «chultz. 
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Berlin-Jriedenau. Aheinstraße 14. — Fernsprecher: Amt Pfal;bur-r 2129. 
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BerNa-Srledeuan, Dienstag, de« K. Soli 1920 
Sahlg. n 
Neuest« Dach richten 
Berlin. Reichswehrminister Dr.' Gehler und 
General Seeckt sind gestern Abend nach Spa abgereist 
und dort heute eingetroffen. Dr. M e l ch i o r und Prof. 
Bonn sind gestern in Spa eingetroffen. General Le 
Rond reiste gestern von Oppeln nach Spa. 
Spa.' In der ersten Sitzung wurde das Programm 
vom Präsidenten der Konferenz De laCroix bekannt ge 
geben. Es enthielt folgende Punkte: 1. Die Frage der 
deutschen Entwaffnung zu Lande, zur See und in der 
Lust. 2. Die Wiedergutmachung. 3. Die Kohlenfrage. 
4. Die Bestrafung der Schuldigen. 5. Danzig. Reichs 
kanzler Fehrenbach drückte seine Genugtuung darüber 
aus, daß nun wirklich die Verhandlungen beginnen sollen. 
Er erklärte ausdrücklich die Bereitwilligkeit Deutschlands, 
den Friedensvertrag anzuerkennen und nach Kräften zu 
erfüllen. 
Berlin. Heute Vorrnittag gegen 8Vz Uhr brach auf 
dem eisenbahnsiskalischen Gelände de-s Potsdamer Güter 
bahnhofes in der Dennewitzstraste 37 auf dem Holz-- und 
Kohlen-Lagerplatz der Firma .Müller & Feistes Feuer 
aus. das sofort eine groste Ausdehnung annahm. Im we 
sentlichen aber konnten die Flammen so eingedämmt wer 
den. daß der Schaden verhältnismästig gering ist. 
Dortmund. In der Tonhalle zu Hagen hielt der 
Internationale Bund für Kriegsbeschädigte und Kriegs 
hinterbliebene gestern abend eine Versammlung ab, um 
für den Völkersrieden und die Völkerversöhnung zu de- 
monstrieden. Als der Redner, der Bundesvorsitzenüe Tiedt 
aus Berlin, den dichtgefüllten Saal betrat, explodierte 
plötzlich ein in der Nähe des Rednerpultes stehender 
eiserner Ofen. Etwa 40 Personen wurden zum Teil schwer 
verletzt. Der Saal gleicht einem Trümmerhaufen. 
Sitzung cier Gemeincieverlrelung 
von Montag, den 5. Juli 1920. 
•. Dse Beamteugehältcr nach SchSneberger Muster. — 
Einrichtung des Schulkinos. — Wanderpreis,fö» den 
MLnuer-Turnverein. — Errichtung von Wohnhäusern — 
Zwecklose Bestcchnngsversuche Wohnungssuchender. — Der 
Pachtvertrag mit dem Ratskellerwirt abermals vertagt. 
— 10 000 M. für Gebrauchsgegenstände und Lehrmittel 
für den Physikunterricht am Reformrealgymnasium. — 
Erhöhung der Beihilfe für das Kinderheim St. Michael. — 
Die Übertragung der Hauspflege an den Vaterländischen 
Fraucnverein vertagt. — Senkung der Lebensmittelpreise 
und der Mitzstand in der Kartoffelversorgung. — Butter- 
handel im „Neivflik" Rathaus. 
Unsere Gemeindevertretung hatte, bevor sie in die 
Ferien ging, gestern in einer außerordentlichen Sitzung 
eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen, die durch 
verschiedene Nachträge und Dringlichkeitsanträge noch ver 
größert war. Die Beamtcngehälter usw. wurden nach 
den in Schöneberg am 28. Juni d. Js. beschlossenen 
Sähen genehmigt. Der G -B. Paul Richter (Unabh.) 
sprach dabei sein Bedauern aus, daß man sich nicht 
nach den staatlichen Sätzen gerichtet Hütte, sondern wieder 
darüber hinausgegangen sei, wodurch die private Be 
völkerung, die doch die Schaffende und Erzeugende sei, 
wieder stärker belastet werde. Der Errichtung e.ines, 
Schulkinos wurde zugestimmt, ebenso bewilligte man 
dem Männer-Turnverein für feine Sportabtei 
lung 300 M. für einen Wanderpreis. Der Antrag der 
Demokraten auf Errichtung von Wohnhäusern, 
den G.-V. Lüdecke begründete, erregte eine lebhafte 
Aussprache. Allgemein wurde die Ansicht vertreten, daß 
die bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Woh 
nungsnot zwecklos waren, es müsse endlich einmal daran 
gegangen werden, Positives zu schaffen. Die Siedlungs 
politik sei Oh. jetzigen Zeitpunkte verfehlt, es sei besser, 
Wohnungen in Hochbauten zu schassen, als Eigen- 
häuser mit einem Gärtchen an die Wand zu malen. 
G.-V. Lüdecke (Dem.) empfahl zur Errichtung von Wohn 
häusern den Stätteplatz an der Rheingaustraße, auf dem 
sich nach einer sachverständigen Rechnung 100 Wohnungen 
zu 2 Zimmern mit allem Zubehör schaffen ließen; die 
Kosten würden rund 8 Milk. Mark betragen. Der Antrag 
wurde in dem Sinne, daß zunächst vorbereitende Arbeiten 
für den Vorschlag zu leisten seien, von bey G.-V. Schön- 
knecht und Alt mann unterstützt. Die Kosten wären 
allerdings sehr hohe, aber man könne dabei nicht mit 
einer Verzinsung des Kapitals durch die Mieten rechnen. 
Es müsse aber damit begonnen werden wieder Dauer- 
wohnungen zu schaffen. G -V. Paul Richter bezeichnete 
den Antrag als einen „Demonstrationsantrag" der Demo 
kraten. tvogegen sich G.-V. Lüdecke verwahrte, was am 
Schluß der Sitzung noch zu persönlichen Bemerkungen 
Anlaß gab. Im allgemeinen stimmte aber auch er zu. 
Bürgermeister Walger trat gleichfalls dafür ein, in 
der Wohnungsbeschaffung endlich eine andere Politik ein 
zuschlagen. Syndikus Sturm vertrat gleichfalls in 
längeren Ausführungen den Standpunkt, daß wir Hoch- 
'bauten sck-affen und von der Siedlungspolitik ablassen 
müßten. Bei der Frage der Wohnungsvermittlung er 
wähnte er, daß es glanz unmöglich sei, allen Wohnungs 
suchenden. deren Zahl für Schöneberg-Friedenau 15000 
beträgt, Wohnungen zu verschaffen, es könnten nur die 
dringendsten Fälle erledigt werden. Dabei wandte er sich 
gegen die vielfachen Bestechungsversuche, die aber sämtlich 
an der Unbestechlichkeit unserer Beamten abplatzen. Er 
erzählt von den Geldern und Lebensmitteln, die. man 
dem Wohnungsamt schicke, die sämtlich der Armenver 
waltung zufließen, die Leute aber, die die Bestechungen! 
ausführen, werden zur Anzeige gebracht. Ein Händler 
versuchte der Frau eines Beamten Hasen, Butter und 
andere wertvolle Waren ins Haus zu tragen. Er wurde 
aber stets abgewiesen und schließlich meinte er. er habe 
soviel „Dummheit" noch nicht gesehen (Heiterkeit). Dem 
Manne mußte schließlich eine Zwangswohnung verschafft 
werden, weil er exmittiert wurde. Dem Pachtvertrag mit 
dem Ratskellerwirt konnte man noch nicht zustimmen. 
Darüber soll nochmals im Finanzausschuß beraten werden. 
Für den Physikunterricht im Realgymnasium wurden 
10000 M. bewilligt. Die Beihilfe für das Kinderheim 
St. Michael wurde auf Grund einer Bitte des Eltern 
beirats der 3. Gemeindeschule von 3000 M. auf 5000 M. 
erhöht. Eine längere Erörterung fand der Antrag auf 
Uebertragung der Hauspflege an den Vaterländischen 
Frauenvcrein. die Schöffe Schilddcrg befür 
wortete. Die Sozialdemokraten und Unabhängigen aber 
lehnten ihn ab. aus dem sachlichen Grunde, daß die Hans 
pflege verallgemeinert werden müsse, dann aber auch aus 
politischen Gründen, weil es eine Zumutung für die in 
Betracht kommenden Kreise sei, sich an diesen Verein wenden 
zn müssen. Von den Demokraten Leonhardt und 
Thomsbergcr wurde auf die einseitige politische Hal 
tung des Vaterländischen Francnvereins unter Andeutung 
eines besonderen Vorfalles hingewiesen. Schließlich wurde 
die Frage dem Wohlfahrtsausschuß überwiesen mit der 
Maßgabe, zn erwägen, ob ein Anschluß, an den in Schöne 
berg bestehenden Hauspflcge-Verein möglich sei. Ein 
demokratischer DrincslichkeitSantrag wünschte, daß versucht 
werde, durch Verhandlungen mit den Kleinhändlern die 
Lebensmittelpreise auf dem Markte zu senken und eine 
Prüfung unserer Kartoffelversvrgung vorzunehmen. G.-V 
Thomsbergcr bemängelt cs, daß die hiesigen Händler 
alte Kartoffen nicht mehr haben, sonderm nur noch neue 
„ausländische" Kartoffeln für 1,90 M. je Pfund, wahrend 
noch am 3. Juli bekannt gemacht ivurde, die Händler hätten 
Kartoffeln. G.-V. Luders wies dabei auf den „schwung 
haften Butterhandcl" hin. der im „Kleinen Rathaus" idem 
Bedürfnishäuschen) getrieben würde (Heiterkeit). Der 
Dringlichkeitsantrag ivurde einstimmig angenommen. Bei 
der Frage, ob verschiedene Bewilligungen auch die Genehmi 
gung der Berliner Stadtverordneten-VeHammIung fin 
den würden, weil ja nach einer Verfügung den Einzelge 
meinden neue Ausgaben verboten wären, damit diese n i ey t 
ihr Verinögen verpulvern, meinte Bürgermeister 
Walger: Diese Bestimmung trifft ja für uns nicht zu, 
denn das ist ja bei uns riicht .mehr möglich. 
(Heiterkeit.) > 
Vcrhandlnngsbericht. 
Bürgermeister W a l g e r eröffnet die Sitzung gegen 
V28 Uhr. Er entschuldigt die G.-V. Kamrowski, Konicczka, 
Dettmer, Piniak, Wolsf, Frau Laskus, Frl. Siebcrt und 
Frl. Schipfmann. Es fehlen ferner Schöffe Evers, G.-V. 
Kaumann und Frau Korsch. 
Mitteilmrgon. 
Die Nachträge zur Grundsteuerordnung und zur 
Hundesteuerordnung, die schon bekannt gegeben worden 
sind, sind genehmigt worden. 
Die Vollziehungsbeamten durften bisher 
Beträge über 15 000 Mark nur in Begleitung, eines! 
2. Beamten transportieren. Jetzt soll es ihnen mög 
lich sein, Beträge bis zu 50 000 M. ohne Begleitung eines 
2. Beamten zn transportieren. G.-V. Thomsbergcr 
(Dem.) fragt an, ab hierfür eine Versicherung gegen 
Beraubung bestehe. Bürgermeister Walgcr: Selbstver 
ständlich. 
Das Kuratorium für die höheren Schulen hat be 
schlossen, unserem Gymnasium den Namen ,,F r i c- 
den au er Gymnasium" zn geben, um der Anstalt 
einmal den noch fehlenden Namen zu geben und um 
gleichzeitig den Namen Friedenau in ihm zu erhalten) 
Die Freiwillige Feuerwehr lädt zur Einweihung 
einer Ehrentafel für die gefallenen Kameraden am Sonn 
tag, den 11. d. Mts., 11 Uhr vormittags nach der 
Feuerwache ein. 
Auf die Tagesordnung der heutigen Sitzung werden 
dann, noch verschiedene Nachiragsvorlagen und ein de 
mokratischer Dringlichkcitsantrag. betr. Senkung der Le 
bensmittelpreise und Mißstände in der Kartofselverso» 
gung gesetzt. 
Bürgermeister Walger erklärt, daß Punkt 21 der 
geheimen Sitzung gestrichen sei und daß beantragt werde, 
Der Solw des Millionärs. 
Roman von Florence Warden. 
V (Nachdruck verboten.) 
„Darüber doffte ich eben von Ihnen Auskunft zu er 
halten. Fräulein! — Und ich denke noch jetzt, daß Sie 
am -ehesten imstande sein werden, es mir zu sagen." 
M^Sicherheit des jungen Mädchens fing nun doch 
an, die andere irrezumachen. Und es klang etwas weniger 
zuversichtlich als zuvor, da sie erwiderte: , 
„Ihr Buch da beweist, daß Sie in der Nähe des 
Fensters gesessen haben müssen. Und es liegt doch wohl 
nahe, ar ' - - 
dächtige 
hell wie —, — —, , „ « 
Dingen zugehen, wenn Sie den Menschen nicht erkannt haben 
sollten, der da uom Garten aus den Balkon erkletterte." 
Ich habe nichts von einem solchen Menschen gesehen, 
Frau Hermann l — Und ich verstehe nicht, wie Sie an- 
nehmen können, daß Ihr Herr Bruder diesen seltsamen 
und gefährlichen Weg gewählt haben sollte, um in das 
Haus zu ge^ 0 Veranlassung, Ihnen über die Gründe 
meiner Vermutung Auskunft zu geben," sagte Madel in 
hochmütig abweisendem Tone. „Und ich will jetzt nicht 
weiter untersuchen, ob Sie wirklich so ahnungslos und so 
unschuldig sind, wie Sie sich stellen. Sollte es Ihnen ge« 
fallen haben, mir eine Komödie vorzuspielen, so werden 
Sie ja bald genug erfahren, welchen DrenstSie damit sich 
selbst und meinem Bruder erwiesen haben. < 
Sie gönnte der Gesellschafterin noch einen haßsunkelnden 
Blick und fegte dann ohne Gruß aus dem Zimmer» in dem 
langen weißen Nachtgemand, das ihre mageren Glieder um 
schlotterte, noch hundertmal häßlicher und plebejischer, als 
Herta sie bisher gesehen. .... .. 
Sie hatte es nicht für nötig gehalten, die Tur hinter 
sich zu schließen, und die junge Gesellschafterin war ihr 
oankvor dafür, denn so konnte sie, während sie fcloft 
regungslos verharrte, mit voller Deutlichkeit hören, wie 
Mabtt in idr Schlafzimmer zurüeNM^^K' ' 
Tür desselben hinter sich verschloß. Auch jetzt noch Uetz 
sie einen Zeitraum von zwei oder drei Minuten verstreichen, 
ehe sie daranging, ihren Gefangenen zu befreien. Mit einer 
ungestümen Bewegung wandte sich Eberhard, der natürlich 
jedes Wort des Gespräches gehört haben mußte, gegen 
seine tapfere junge Bundesgenossin, um ihr für ihren helden 
mütigen Beistand zu danken. Aber eine, fast gebieterische 
Gebärde Hertas bedeutete ihn zu schweigen und sie nun 
mehr zu verlassen. 
Er zauderte noch ein wenig, aber ihr flehender Blick 
bestimmte ihn dann doch zu schweigekidem Gehorsam. 
Ohne daß auch nur ein einziges Wort zwischen ihnen 
gesprochen oder ein Händedruck ausgetauscht worden wäre, 
verließ er das Zimmer, huschte auf den Zehen über den 
Korridor zu seinem am Ende desselben gelegenen Schlaf 
gemach und öffnete es mit dem Schlüssel, den er glücklicher 
weise beim Fortgehen zu sich gesteckt hatte. Niemand 
außer der atemlos lauschenden Herta schien etwas davon 
zu hören, und in einem Atemzug namenloser Erleichterung 
hob sich ihre Brust, als ihr das leise Knirschen der wieder 
geschlossenen Tür die Gewißheit gab, daß für den Augenblick 
wenigstens jede Gefahr glücklich beseitigt sei. 
Der nächste Tag aber brachte ein»-ochnotpeinliche Unter 
suchung. Schon in aller Frühe, q*? noch irgend jemand 
imstande gewesen wäre, die etwa vorhandenen Spuren 
zu verwischen, hatte sich Mabel in den Garten begeben, 
und es war ihr nicht schwer gefallen, festzustellen, daß in 
der Tat ein menschliches Wesen während der Nacht vom 
Garten aus den Balkon erstiegen haben mußte. Eine An 
zahl geknickter Zweige bewies es und das Bruchstück 
eines ziemlich starken Astes, desselben, dessen unzulänglicher 
Tragkraft Eberhard seinen Fall zu verdanken gehabt. 
Außerdem aber fanden sich sowohl an der äußeren wie 
an der inneren Seite der Balkonbrüstung deutliche Btt:t- 
spuren, die unmöglich mehr als wenige Stunden alt sein 
konnten. 
Frau Hermann beeilte sich, den Vater von ihrer Ent 
deckung in Kenntnis zu setzen, und sie hatte, nachdem ouef; 
er den Schauplatz der Ereignisse besichtigt hatte, die Genug 
tuung« ihre Ueberzeugung, daß kein anderer als Eberhard 
der geheimnisvolle Kletterer gewesen sei, von ihm geteilt 
zu sehen. 
Glücklicherweise beschränkten sich die verräterischen Blut- 
spuren auf die Stelle, wo der junge Mann sich über das 
Geländer geschwungen hatte. Denn wenn sie etwa bis zu 
Hertas Fenster zu verfolgen gewesen wären, . so würde 
natürlich alles Leugnen vergeblich gewesen sein. So stieben 
sie vorläufig ebenso unerklärlich, wie der Weg, den Eber 
hard genommen haben mußte, um von dem Balkon aus 
in sein Zimmer zu gelangen. Dafür, daß er nicht du?ch 
sein Fenster eingestiegen war, glaubte Mabel jede Bürg 
schaft übernehmen zu können. Und Johannes Rominger 
teilte diese Gewißheit. 
„Aber ich werde es schon noch herausbringen," er 
klärte die liebevolle Stiefschwester. „So geschickt sie es 
auch anfangen wögen, sie sind doch nicht klug genug, um 
mich auf die Dauer zu täuschen." 
Um die Frühstückszeit trat Eberhard aus seinem 
Zimmer, ruhig und heiter, wie er es während der letzten' 
Zeit immer gewesen war, und mit der unbefangensten 
Miene von der Welt. Er halte den Verband am Hand 
gelenk äußerst geschickt durch die Hemdmanschette zu ver 
bergen gewußt, und sein langgewachsenes, lockiges Haar 
half ihm, die Schramme an der Schläfe unauffällig zu 
verstecken. 
Zn dem kleinen Speisesalon traf er mit seinem Bater 
und mit Mabel zusammen. Das Verhör, dem er sogleich 
von seiten des ersteren unterworfen wurde, brachte ihn 
nicht in Verlegenheit, denn er hatte ja inzwischen Zeit 
genug gehabt, sich darauf vorzubereiten. Sicherlich würde 
ihn unter anderen Umständen seine natürliche Offenheit 
und Wahrheitsliebe bestimmt haben, den begangenen Un 
gehorsam freimütig einzugestehen, ohne Furcht vor den 
Folgen, die sich daraus ergeben mochten. Jetzt aber, wo 
die Rücksicht arrf Hertas Ruf und auf ihre Zukunft ihm die 
Lippen verschloß, würde nichts in der Welt ihn zu einem 
solchen Geständnis vermocht haben. 
Als ihn sein Vater fragte, ob er der Urheber der 
nächtlichen Verwirrung gewesen sei, antwortete er niit 
einem entschiedenen Nein und fügte mit gut gespielter Der» 
wunderung hinzu, wie er es denn wohl hätte ansaugen 
sollen, in sein Schlafzimmer zu gelangen, nachdem duM,
        
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