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Periodical volume Nr. 149, 05.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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8ahrg. n 
n«u«Tu Nackrichten 
Spa. Der Sonderzug mit der deutschen Delegation 
ist gestern Nachmittag 2 Uhr in Spaa eingetroffen. Die 
zahlreich erschienene Menge verhielt sich schweigend. Die 
Ankunft ging ohne Zwischenfall vor sich. Im Zuge wurden 
die Deutschen vom Generalsekretär der Konferenz 
Jacqu euren und vom Grafen Duchatel im Namen 
der belgischen Regierung begrüßt. Belgische Staatsauto 
mobile brachten die Delegierten in ihre Absteige-Quartiere. 
Spa. Marschall F,och traf gestern Abend 7 Uhr hier 
ein und wurde von der zahlreichen Menschenmenge stür 
misch begrüßt. Hette ist die erste Sitzung in der Villa, 
die früher das Kaiserliche Hauptquartier war. 
Brüssel. In der ersten Sitzung der Konferenz von 
Spa am Montag wird es sich ^zunächst darum handeln, 
die deutschen Vollmachten kennen zu lernen. Die erste 
Frage, die gestellt werden wird, betrifft die drei Noten, 
die im Anschluß an die Konferenz in Boulogne an die 
deutsche Regierung gerichtet worden sind und die Gründe, 
weshalb Deutschland diese Noten noch nicht beantwortet 
hat. Darauf werden die Fragen der Entwaffnung, der 
Wiedergutmachung und der Kohlenlieferungen, wahrschein 
lich auch die Frage vorr Danzig besprochen werden. 
Köln. Ein schweres Unglück ereignete sich gestern 
nachmittag bei einem Arbeiter^Zchwimmjest in Dendahl. 
Viele Zuschauer waren, um die Wettkämpfe besser ver 
folgen zu können, auf ein Dach geklettert und drängten 
dabei nach vorn. Das Dach stürzte ab und fiel auf die 
unten am Wasser sitzenden und stehenden Zuschauer, die 
darunter begraben wurden. Ein Teil von ihnen stürzte 
ins Wasser. Etwa 20 Personen sind verletzt, darunter 
fünf schwer. Hilfe war sofort zur Stelle. 
Frankfurt a. M. Der 44 Zahre alte Arbeiter 
Wilhelm Römer bedrohte gestern vormittag bei seiner 
Heimkehr Frau und Sohn mit Totschlag. Sein 19 jähri 
ger Sohn entriß i hm darauf den Revolver und gab einen 
Schuß ab. der den Vater in die Bru// traf und nach 
kurzer Zeit den Tod herbeiführte. Der Sohn stellte sich 
freiwillig der Polizei/ die ihn in Hast nahm. 
Scanton (Pennsylvanien). Bei hinein Straßen- 
unfatl in der Nähe von Pittston wurden achtzehn Per 
sonen getötet und hundert verlebt. 
kiBklchtuBg eines SchnMuor. 
.Der heutigen Sitzung der Gemeindevertretung liegt ein 
Antrag auf Bewilligung von Mitteln zur Errichtung eines 
Schulkinos zur Beschlußfassung vor. Der Gemeinde-Vor 
stand'gibt hierzu folgende Erläuterung: 
In der Sitzung des Jugendpflege-Ausschusses am 
7. Juli regte die Gemeindeverordnete Frau Diederichs 
die Errichtung eines Gemeinde-Lichtspielhauses, an. um 
die Gemeinde in den Stand zu setzen, zur Hebung des ge 
fährdeten Lichtbildwesens beizutragen, das durch die soge 
nannten Äusklärungsfilme, die mit ihrer Spekulation auf 
sinnliche Regungen eine große Gefahr für unsere heran- 
»vachfende Jugend bedeuten, eine für das deutsche Volk be 
schämende Richtung genommen hatte. 
Auch die Gemeindevertretung beschäftigte sich 6 Tage 
später mit der gleichen Angelegenheit und beauftragte 
den Gemeindevorstand, an die maßgebenden amtlichen Or 
gane mit dem Ersuchen heranzutreten, auf die Film-In 
dustrie nachhaltig dahingehend einzuwirken, daß diese das 
beabsichtigte Organ zur Begutachtung der Filmstücke un 
verzüglich ins Leben ruft und zu diesem Personen zur 
Mitarbeit heranzieht, die in der geeigneten Weise die In 
teressen des Publikums zu schützen in der Lage sind. Ferner 
gab die Vertretung dem Vorstand auf, alle Inhaber der 
hiesigen Lichtspielbühnen zu gemeinsamer Erörterung zu- 
sammenzubernsen in der Absicht, eine bindende Erklärung 
sämtlicher Unternehmer dahingehend zu erzielen, daß sie 
die sogenannten Äusklärungsfilme oder ähnliche Produkte, 
die zur Erregung sinnlicher und antisozialer Reize bei 
tragen können, künftig in Friedenau nicht zur Ausführung 
bringen werden. Während der . erste Teil des Beschlusses 
durch das inzwischen erlassene Lichtspielgesetz seine Er 
ledigung gefunden hat, und die auf Grund des zweiten 
Teiles des Beschlusses eingeleiteten Verhandlungen zwar 
zu einer bindenden Erklärung der hiesigen Lichtspielhaus- 
besitzer nicht geführt, wohl aber dazu beigetragen haben, 
daß Aufkläruugssilme gröblichster Art nicht mehr gespielt 
wurden, hat die Anregung der Gcmcindeverordneten Frau 
Diederich den Volksbildungsausschuß nahezu ein Jahr 
'lang beschäftigt. Der eingesetzte Unterausschuß hat sich 
mit der.Angelegenheit unter Berücksichtigung aller Hinde 
rungsgründe eingehend befaßt und ein Programm aufge 
stellt, das wir hier folgen lassen: 
> Die Errichtung eines Gemeinde-Lichtspielhauses läßt 
sich zur Zeit noch nicht ermöglichen. Der Ausschuß bringt 
deshalb die Einrichtung eines SchulMios in der. Aula des 
Neform-Realgymnasiums in Vorschlag. Die baupolizei 
lichen Maßnahmen, die zur Sicherung des, Operateurs 
und des/Publikums erforderlich sind, werden, bedeutende 
Kosten nicht verursachen. Weitere Kosten werden neben der 
Beschaffung des Apparates mit 21000 Mark nur die Her 
stellung des Starkstromanschlusses und kleine bauliche Aen 
derungen verursachen. Als Gesamtlosten hat das Bauamt 
25 000 Mark errechnet. Der Bauausschuß hat die Vor 
schläge des Volksbildungs-Ausschusses bautechnisch geprüft 
und als durchführbar erachtet. 
Die Filmvorführungen sollen alle 2 Wochen an zwei 
bis drei Tagen nachmittags von 5—0 Uhr stattfinden. 
Mit der Ufa wird ein Vertrag dahingehend abgeschlossen 
werden, daß sich die Gesellschaft verpflichtet, in den ange 
gebenen Zeitläuften je einen naturwissenschaftlick^en, einen 
technischen nnd eine» Unterhaltungsfilm leihweise zur Ver 
fügung zu stellen. Tie Spieldauer ist mit einer Stunde be 
rechnet. Eine Vorzensur, also eine Auswahl der Filnie 
durch eine Kommission oder eine von der Gemeinde beauf 
tragte sachkundige Persönlichkeit, wird heute nach Erlaß 
des LichtspiclgesetzeS nicht mehr notwendig. 
Den Eintrittspreis hat der Unterausschuß mit 30 bis 
50 Pfennig für Schüler, mit 1 Mk. für Eltern und Jugend 
liche über 18 Jahre bemessen. Dadurch dürften die Un 
kosten gedeckt werden. (Vergl. die später folgende Auf- 
stellung.) ‘ 
Das Eintrittsgeld wird voraussichtlich klassenweise ein 
gezogen und am Vorstcllungstage durch einen aufsichts- 
sührenden Lehrer jeder Schule gesammelt an den Ge 
schäftsführer des gemeindlichen Unternehmens abgeführt 
werden. 
Die Lehrer übernehmen die Aufsicht an den Spiel 
tagen, die für ihre Anstalt festgelegt sind. 
Da die Darbietungen ohne zweckentsprechende Er 
klärungen und Erläuterungen ihren besonderen Charakter 
verlieren würden, hat sich Vorschullehrer Schulz vom 
Realgymnasium bereit erklärt, die erforderlichen Vorträge 
ver Soft« des Millionärs. 
Roman von Florence Warden. 
8 (Nachdruck verdaten.) 
Ekn paar Sekunden lang war Herta vom Entsetzen 
buchstäblich gelähmt. Dann aber raffte sie energisch alle 
Kraft ihres Willens zusammen und öffnete, vorsichtig jedes 
unnötige Geräusch vermeidend, das Fenster. Die Nacht 
war so hell, daß draußen alle Einzelheiten fast ebenso 
deutlich erkennbar waren wie am lichten Tage. Herta sah, 
wie sich die über die Balkonbrüstung emporragenden Zweige 
eines Baumes bewegten, und unmittelbar darauf sah sie 
ein menschliches Antlitz, das Gesicht Eberhards, über dieser 
Brüstung erscheinen. 
Obwohl sein Fall ohne Zweifel ziemlich schwer gewesen 
war mußte er sich doch sofort wieder aufgerafft und die 
verunglückte Kletterpartie abermals begonnen haben. Aber 
die halbe Betäubung des Sturzes hatte ihn augenfcheinl-.ch 
um einen Teil feiner sonstigen Gewandtheit gebracht. 
Denn er schwang sich mit soviel Geräu,ch über das Balkon- 
aeländer. daß Herta von neuem vor Angst erzitterte. 
Und ihre Furcht war nur zu wohl begründet gewesen, 
denn der junge Mann hatte erst wenige Schritte getan, 
als Herta vernahm, wie man sich anschickte, eines der be 
nachbarten Fenster von drinnen 3" offnen. Der Riegel 
schien sich als widerspenstig zu erweisen, denn die Gesell- 
schafterin hörte das leise Erklirren des Glases unter dem 
ungeduldigen Rütteln der Person, die sich "5^bens 
abmühte. Aber sie pries in der Stille ihres Herzens die 
Eunst des Zufalls, der dies kleine Hindernis einer Ent 
deckung geschaffen, und sie zauderte keinen Augenblick, das 
einzige Mittel zu ergreifen, das sich ihr m dieser ver 
zweifelten Situation zu Eberhards Rettung zu bieten 
Sich weit aus dem Fenster neigend, streckte sie ihre 
Hand nach dem Näherkommenden aus und erfaßte seinen 
Arm.: .... 
„Kommen Sie!- flüsterte sie in kaum vernehmlicchu 
Lallte«. „Hier herein in mein Zimmert — 
MtWÄW willen, ichlvtzW ÜS* 
Und ohne Widerstreben leistete er der Aufforderung 
Folge. Die Fensterbrüftnng war niedrig, genug, daß er 
sie mit Leichtigkeit übersteigen konnte. Und in demselben 
Moment, wo Herta den geöffneten Flügel geräuschlos hinter 
ihm zudrückte, wurde nebenan das Fenster aufgerissen, und 
eine gebieterische Stimme rief in den Garten hinaus: 
„Wer ist da? — Wer schleicht hier auf dem Balkon 
herum?" 
5. Kapitel. 
Bleich, fassungslos, wie in heftiger Bestürzung über 
das. was sie getan hatten, sahen die beiden jungen 
Menschenkinder einander sekundenlang in die Augen. 
Dann, als das hastige Oeffnen von Türen und das Ge 
räusch von Schritten draußen aus dem Gange laut wurde, 
brach Eberhard das Schweigen, um mit leiser Stimme zu 
^^Ich höre meinen Daker — und ich muß hinaus, um 
ihm entgegenzutreten." 
Er hatte eine Bewegung gegen die Tur hm gemacht, 
aber mit beiden Händen umklammerte Herta seinen Arm. 
„Nein! — Nein!" flehte sie. „Er darf Sie jetzt nicht 
sehen — jetzt in seinem ersten Zorn. Schon um meinet 
willen dürfen Sie jetzt mein Zimmer nicht verlassen. — 
Und dann — o mein Gott l — Sie bluten ja — Sie sind 
verwundet!" > 
In der Tat rann ihm das Blut nicht nur aus einer 
kleinen Wunde an der Schläfe, sondern auch sein Handgelenk 
schien bei dem Fall verletzt worden zu fein. 
Es ist nichts —wollte er flüsternd abwehren, aber 
Herta legte zum Zeichen, daß. er schweigen solle, den 
Finger an ihre Lippen. Denn es war ihr, als hatte sie 
unmittelbar vor der Tür ihres Zimmers den Klang eines 
leichten behutsamen Schrittes und dann ein Geräusch 
vernommen, wie wenn jemand sich zu dem Schlüsselloch 
niedergebeugt hätte. Sie zweifelte nicht, daß es entweder 
Mabel Hermann selbst oder ihre französische Zofe Eecile 
sei. die dort lauschte. Gab doch das hübsche Kcimmer- 
küi'cken ihrer Herrin an Geschicklichkeit und Eifer Mi Spio- 
das mindLstr».v.ach» Mit dem 2iMijA c iMS: 
liegen eine entsprechende Pflichtstundenermäßigung zu 
halten. Herr Schulz, der auch als Geschäftsführer dieses 
Schulkinos in Vorschlag gebracht wird, ist ans dem Gebiere 
der Filmproduknon sehr bewandert. Seit vielen Jahren 
beschäftigt er sich mit Naturaufnahmen, die zu den besten 
Darstellungen von Naturdenkmälern gerechnet werden 
müssen, und steht bei unseren bekanntesten Naturwissen 
schaftlern in hohem Ansehen. 
Als Operateur ist ein au den hiesigen Schulen ange 
stellter Heizer oder Schulwarc.odcr ein a» hiesigen Licht-' 
spielbühnen beschäftigter Vorführer in Aussicht genommen? 
Sollte sich ei» Fachmann nicht finden, dann müßte die 
in, Gemeindkdiensteii stehende Persönlichkeit eine kurz 
fristige sachgemäße Unterweisung i» einem hiesigen Licht 
spielhaus erhalten. 
Neben den Schütervorstellungeu wird auch die Ver 
anstaltung von Bolksvorstellungen bon Zeit zu Zeit in 
den Abendstunden geplant. Mau rechnet hier mit der Vor 
führung von größeren Filmen, loic zum Beispiel Die 
Alpen, Mit der Kamera im ewigen Eise, Dem Licht ent- 
- gegen^ Reisen und Jagden im Innern Afrikas, Bitder 
von Jagd und Fang (aufgenommen ans der Afrikareise 
Robert Schumann), Die Lüneburger Heide, und kleineren 
Filmen belehrender und unterhaltender Art. 
Der Eintrittspreis von 1 M. für diese Volksvor 
stellungen wird nicht zu hoch bemessen sein. , 
Was die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens anbe 
trifft. so wird ein Zuschuß zu den Unterhaltungskosten 
seitens der Gemeinde kaum notwendig werden. Als Aus 
gaben lassen sich zur Zeit schätzungsweise errechnen: Leih 
gebühr für 1000 Meter und 3 Tage 330 M.. Entschädigung 
für den Vorführer 30 M., Entschädigung für den Schul 
wart 30 M.» Entschädigung für den Geschäftsführer 00 M., 
Beleuchtung, Heizung, Reinigung 000 M., Werbemittel, 
Eintrittskarten. Verschiedenes 150 M., zus. 1200 M. 
Die Entschädigung für den Geschäftsführer ist des 
halb mit 00 M. in Anschlag gebracht worden, weil er 
nicht nur an den drei Vvrsührniigstagen, sondern auch 
in der übrigen Zeit beschäftigt ist/ Die für Beleuchtung 
usw. eingesetzte Summe wird die Gemeinde auch nicht 
an jedem Tage,voll zu kragen haben, weit die Rcalgym- 
nasial-Aula sehr oft des Abends zu anderen Veranstalrun- 
gen benutzt wird und dann die Veranstalter die Kosten für 
Heizung und Reinigung z» tragen haben. 
Den Ausgaben steht als Einnahme der Erlös aus 
dem Verkauf der Eintrittskarten gegenüber. Wird mit 
einer Vollbesetzuug des Hauses gerechnet, was bei unserer 
Schülerzahl von 0000 eine Unmöglichkeit nichr ist. so kann 
die Gemeinde mit einer Einnahme von ca. 1250 M. (bei 
Erhebung des -50 Pfg.-Satzes) rechnen. 
Die Unkosten lvären also gedeckt. 
Etwas schwieriger wird sich allerdings die Durch 
führung der Voltsvorstellungen gestalten, weil man hier 
mit einem Stammpublikum nicht rechnen kann. Doch 
dürfte hier die Einführung der Dauertarte einen Ausweg 
schaffen. Die Gemeinde verpflichtet.sich, während der 
Monate Oktober bis April einschließlich 10 Vorstellungen 
zn veranstalten. Die Haupt-Dauerkarte wird mit 20 M., 
die Nebenkarte mit 15 M. abgegeben. Rechnet man 25 o/o 
Haupt- und 75 °/o Nebenkarten, baun wird die Gemeinde 
bei einer Besetzung von 720 Plätzen eine Einnahme von 
3000 + 8100 — 11 700 Mk. z» verzeichnen haben. Mit 
diesem Kapitel, zn dem noch die Einnahmen ans der 
Kleiderablage hinzuzurechnen sind, wird sich auch dieser 
Plan des Unterausschusses verwirklichen lassen. " 
,i.u 
strebsamen L.snstiotrnchatte die kleine zierliche Französin 
rasch' erkannt, daß in diesem Hause keines Menschen Gunst 
wertvoller war als die der mageren Amerikanerin, dir 
einen so aroßen Einfluß auf ihren Vater besaß. Und sie 
war seitdem mit der größten Hingebung bemüht, Mabel 
zu umschmeicheln und ihr in allen Stücken dienstbar 
zu sein. 
Bon diesem Augenblick an wurde für eine geraume 
Weile kein Wort mehr zwischen Herta und Eberhard ge 
wechselt, nnd sie verständigten sich nur noch durch eine 
Zeichensprache, für die sie beide merkwürdig rasch ein er-' 
staunlich sicheres Verständnis gefunden hatten. '> 
Herta hatte ihren nächtlichen Besucher bedeutet, sich 
auf einen Stuhl niederzulassen, und sie war auf den Fuß 
spitzen zu einem Schränkchen gegangen, dem sie einen 
zusammengerollten Berbandstreifen. ein Päckchen Watte 
und ein Wundpflaster entnahm. Obwohl er sich zuerst 
mit bittenden Gebärden dagegen gesträubt hatte, sie mit 
solchem Samariterdienst zu bemühen, ließ sie sich doch 
nicht hindern, den tüchtigen Riß an seinem Unterarm, nacki- 
dem sie die ziemlich heftige Blutung gestillt hacke, kunst 
gerecht zu verbinden und auch die kleinere Wunde an 
seiner Schläfe mit einem Pflasterstreifen zu verschließen. Er 
hielt geduldig still, aber sein Herz klopfte in rascheren 
Schlägen, mährend sich das liebliche junge Geschöpf so um 
ihn zu schaffen machte, und nie war sie ihm schöner, an 
mutiger erschienen als in dieser Stunde. 
Aber nicht für dle Dauer einer Sekunde kam c. in 
Versuchung, die Situation zu mißbrauchen und das Ver 
trauen zu täuschen, das sie ihm so hochherzig und opser- 
mutig an den Tag gelegt hatte. Er sah. wie das Blut 
unter der durchsichtigen Haut ihres Antlitzes kam und ging, 
er fühlte das leise Erbeben ihrer schlanken Gestalt, wenn sie 
durch ihre Hantierung genötigt war,' sich tiefer zu ihm 
herabzuneigen. Manchmal war es ihm, als ob er deut 
lich den stürmischen Schlag ihres Herzens vernähme. Und 
er hätte nicht von Fleisch und Blut sein müssen, wenn 
nicht alle diese kleinen verräterischen Anzeichen einer 
nneingcstandcnen Liede eine mächtige Wirkung aus t.,a 
hervorgebracht dritten. Aber er zwang sich zur 0>uze 
UUffi. $ö vermineken Lau-iLes A.c.
        
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