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Periodical volume Nr. 146, 01.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Rasthäusern mit gesüßter Grieß- oder Flockensuppe und 
Brot versorgt. 
Außer diesen Halbtagswgnderungen finden Dienstags 
sund Freitags Ganztagswanderungen nach dem Grunewald 
statt. Sammelplatz: Schillerplatz. Beginn der Wande 
rungen:^ Uhr vormittags. Rückkehr: 6 Uhr nachmittags. 
Verpflegung wie bei den Halbtagswanderungcn. 
o GeMöindevvrtvetebsitzMg. Der Punkt 19 der Tages 
ordnung für die Sitzung am 5. Juli, betr. Abschluß des 
Pachtvertrages-mit dem Ratskellerwirt, wird in öffent 
licher Sitzung ° verhandelt? ^ 
o Berliirew PGser ck»e,r H äushältsplÄnr der Gemeinden. 
Der Berliner Magistrat hat an sämtliche Groß-Berline.r» 
Gemeinden das Ersuchen gerichtet, dafür zu sorgen, daß 
den Berliner Beamten, die mit der Prüfung der ein 
zelnen Gemeindchaushaltspläne für 1920 beauftragt sind 
und sich an Ort und Stelle über wichtige Fragen Auf 
klärung verschaffen wollen, förderliche Auskunft erteilt 
wird. . . 
o Der Avmän- und Polfteiacht Herr Sarttüttrat Dr. 
Wilde, hier, Rheinstr. 10, ist bis zum 4. August d . Js. 
verreist und wird während seiner Abwesenheit in amts 
ärztlichen Handlungen von Herrn Dr. Rexilsus, hier, 
Südwestkorso 73, vertreten. 
oW Neuregelung der! Diknstbezüge der Komm»» 
tralbeamtcm. Im Ministerium des Innern ist ein Entwurf 
in Bearbeitung, der die Neuregelung der Diestbezüge der 
Kommnnalbcamten unter Berücksichtigung der "für die 
Neufestsetzung der Bezüge der Staatsbeamten maß 
gebend gewesenen Gesichtspunkte vorsieht. 
o Fleisch. In der Woche vom 28. Juni bis 4.> Juli 
gibt es auf die 10 Abschnitte der Nr. 22 der Rcsichs- 
flcischlarte 250 Gramm frisches Schweinefleisch 
«der N i n d c r g e f r i c r s l e i f ch mit eingewachsenen 
Knochen oder Knochcnbeilage. 1 Psd. frisches Schweine 
fleisch kostet 11,60 M., 1 Psd. Rindergefrierfleisch 9,50 
Mark. Ein Pfund von den Fleischern gefertigte Einhcits- 
wurst kosttt jetzt 5,20 M. Mit frischem Schweinefleisch! 
sind nur einige Fleischer beliefert worden,.und zwar 
diejenigen, die an der Reihe find. Der Verkauf findet 
in dieser Woche am Freitag und Sonnabend von 8—12 
und 4—7 Uhr statt. 
o Um in dev Zuteilung der Sonderbewilligmrgcn für 
Kranke keine Stockungen eintreten zu lassen, werden die . 
Inhaber ärztlicher Zeugnisse ersucht, bei Ablauf der 
Bewilligungen bis zum 31. Juli d. Js. evtl. Anträge 
ans Verlängerung möglichst schon bei Beginn des Monats, 
also vom 1. Juli ab beim Gemeindevorstande, Abtei 
lung für Krankenernährung, einzureichen. Gleichzeitig er 
sucht der Gemeindevorstand die Verlängerungsanträge für 
jeden Kranken einzeln geschrieben an ihn richten. Es 
werden hierdurch Verzögerungen in der Wciterbewilligung 
durch unnötige Rückfragen bei der Prüfungsstelle ver 
mieden. Ferner wird darauf hingewiesen, daß die An 
träge, besonders Name und Wohnung, möglichst deut 
lich gu schreiben sind, da dies zur schnellen Erledigung 
der vielen Gesuche,u »bedingt erforderlich ist. 
o Gegen die hohan Ödst- stad Gernülcpreise. Die Preisl- 
prüfungsstelle Groß-Berlin teilt mit:' Der Groß- und 
Kleinhandel wird dringend ersucht, seinerseits alles zu 
tun, was eine Senkung der jetzigen Preise für Obst und 
Gemüse herbeizuführen geeignet ist. Das Publikum wird 
dringend gebeten, unberechtigte Preise abzulehnen und 
nicht durch höhere Angebote die Preise unnötig zu 
steigern. Als Durchschnittspreise für Kirschen mittlerer 
Art und Güte werden 1,50 bis 2 M. pro Pfund be 
zeichnet. 
i o Kein Streik bet dpr Straßenbahn. Zwischen den 
Vertretern des Berliner Magistrats, Obleuten der 
Straßenbahner und der Leitung der Straßenbahn ist es 
zu einer Einigung gekommen. Die Zugeständnisse bedeuten 
für die Stadt Berlin eine Mehrbelastung um 23 Millionen. 
Trotzdem hofft die Straßenbahn, ohne eine Tariferhöhung 
auszukommen. 
o Sein 25 jähriges DieNstjubilänm feiert heute der 
Obcrsckretär bei unserer Gemeindeverwaltung, Herr 
Pietsch. Seit vielen Jahren ist er der Vorsteher der 
'Kanzlei unseres Rathauses. Im alten Friedenancr Bür- 
gerverein von 1909 bekleidete er den Posten eines Schrift 
führers. Er hat sich sowohl dienstlich lvie außerdienstlich 
viele Freunde erworben und erfreut sich im Dienste der 
Anerkennung seiner Vorgesetzten und ist auch bei seinen 
Kollegen beliebt. Wir spreche» dem Jubilar hiermit unfern 
herzlichen Glückwunsch aus. 
o Neuer Wacksoltapif der deutschen Reichsbahn,'.» Wie 
der Handelskammer zu Berlin mitgeteilt wird, tritt am 
Reffen zu freuen, denn es war unglücklicherweise in 
Mabels Gegenwart geschehen, und wenn sie die Spuipa- 
ckhien der Frau Hermann schon vorher in sehr geringem 
Maße besessen hatte, so sah sie sich von ihr jetzt mit einem 
geradezu feindseligen Mißtrauen beobachtet und belauert. 
Wußte Mabel doch, sehr gut, daß ihr Vater trotz seiner 
grauen Haare und seiner puritanischen Anschauungen noch 
keineswegs unempfindlich war gegen die Reize des weib 
lichen Geschlechts, und lebte sie doch in einer beständigen 
Angst, daß er durch eine nochmalige Heirat alle ihre 
schönen und seit. Jahren mit zielbewußter Hartnäckigkeit 
verfolgten Plärre über den-Haufen werfen könnte. Die 
nach ihrer Meinung unbedeutende und unschöne Herta 
war ihr anfänglich nach dieser Nichthng hin nicht als eine 
ernstliche Gefahr, erschienen, nun aber erfüllte die von 
Tag zu Tag gesteigerte Lieblichkeit des jungen.Mädchens 
sie mit wachsendem Unbehagen. Und sie gab sich, so 
wenig Mühe, .dies. Unbehagen zu verbergen, ^gß, Herta 
über die Ursache nicht wohl im Zweifel sein konnsr. . 
Da ihrem Herzen nichts so fem lag als eme'iSpcckü-, 
lation auf Johannes von Nomiugcrs Neigung odep garsäuck' 
feine Hand, war sie deshalb nüt'verdoppelter Aettgstlichkeit 
darauf bedacht,, seine Nähe .zu meidenchutch.Pch'ganz ja { , 
den engen Kreis ihrer.Pflichten zn'rüüznziehcn. Sis.-wutz/, 
kaum.je von Matzdaknens Seite,' und ihr Hezchaften 
während der gemeinschastüchen Mahlzeiten uftb gelxMk»,'. 
lichen Spaziergänge würde auch.dem argwähinichstest.. 
Späher keinen Anlaß zu häßlichen Dermütüngen.gegeben 
haben. 
Dir gleiche Zurückhaltung beobachtete sie in..ihreßr.De-h 
nehmen gegen Eberhard, Und wenn der junAe Many äst-, 
sangs lebhaft bemüht gewesen war, die' größer;. Freihelt 
des Landaufenthalts zur Herbeiführung, gelegentlicher.. 
Unterhaltungen unter vier Augen auszunutzen, so hatte er 
bald inne werden müssen, daßier bcmt keineswegs. H^rtgß- 
Wünfchen entsprach. Wenijfer'mit LeMchen'Warten'.als ' 
durch ihr Verhalten i::: allgemeinen hatte sie ihn suhlen 
lassen, daß er durch derartige.AnnLhcrurrgsverfuche lhrp- 
ohnehin delikate Stellung i;n Hanfe noch i.icür erschwere» 
T. Juli ein neues Heft C II des Wechselverkehrs der denk« 
schcu Eisenbahnen (Äusnahmctarife) in Kraft. Infolge 
Uebernahme der deutschen Staatsbahnen auf das Reich 
erfährt der Geltungsbereich der einzelnen Ausnahmetarise 
wetcntliche Erweiterungen. Nähere Auskunft erteilt das 
Verkehrsbüro der Handelskammer zu Berlin, Berlin C 2, 
Klcsterstr. 41. .. 
o Funkverkehr mit Königsberg (Pr.). Um den ange 
sichts der politischen Verhältnisse besonders wichtigen tele 
graphischen Verkehr Ostpreußens mit den übrigen Reichs-» 
'stellen von dem polnischen Korridpr unabhängig zu machen, 
hat das Neichspostministerium in Königsberg zwei Funk 
sendestellen und, getrennt von ihnen, zwei Funkempfangs- 
stellen eingerichtet. Das Königsberger Telegraphenamt 
kann, dergestalt, mit den entsprechend ausgerüsteten Reichs 
funkstellen einen Vicrfach-Verkehr ausüben, d. h., zur 
selben Zeit, zwei Funktelegramme nach einer beliebigen. 
Funkstelle des Reichs absenden und zu gleicher Zeit zwei 
Funktelegramme von irgend einer Funkstelle des Reichs 
aufnehmen. Der Hauptverkchr wickelt sich zur Zeit zwischen 
Königsberg und Stattin sowie zwischen Königsberg und 
Berlin ab. 
o Legt das Begugsgeld zurecht!, Unsere. Botenfrauen 
sonnten in diesen Tagen wieder zu unsern Beziehern, 
um die Bezugsgebühr einzuholen. Es wird nun von 
ihnen geklagt, daß , sie oftmals vergeblich vorsprechen 
müssen. Wir bitten'unsere Bezieher, wenn sie häufig 
vom Hause abwesend sein sollten, das Bezugsgeld bei 
deut Nachbar zurecht legen zu lassen. Der Bezugspreis 
für diesen Monat beträgt 3 Dft, für das Vierteljahr 9 Mo 
Bi> zum 10. eines jeden Monats müssen die Botenfrauen 
in, unserer Geschäftsstelle abgerechnet haben. Haben sie 
bis dahin das Bezugsgeld nicht prhaltcn, so werden sie 
darum bitten inüsseu, daß die Zahlung nun in der Ge 
schäftsstelle stattzufinden, haft, . ..... 
o 100 OW© amerikanische Milchkühe sollen', noch in 
diesem Jähre Deutschland geschenkt werden. Die Deutsch- 
Amerikaner haben sich zusgmmengeschlossen und in einem 
Aufruf, alle amerikanischen Farmer deutschen Stammes 
tut: Beteiligung an dieser Spende ersucht. 
,v Ausschriftdoppel in Postpaketen. Nach den Vorschrif 
ten der Postordnung, ist. der Absender eines Pakets ver 
pflichtet, in das Paket obenauf ein Doppel der Aufschrift 
gu legen. Leider wird diese Bestimmung viel zu wenig 
beachtet. Die Fälle, in denen sich die Aufschriften der 
Pakete während der Postbefördcrung loslösen,-sind außer 
ordentlich zahlreich,, Wenn yt einem solchen Paket dqs 
vorgeschriebene Doppel der Aufschrift.fehlt, bedarf cs stets 
umfangreicher und zeitraubender Ermittlungen,., ehe.,dje 
Sendung untergebracht werden kann. Die. Folge davon 
ist, daß die Sendung oft ihren Zwech verfehlt,- der . In 
halt vielfach verdirbt und Wefterungen für den Absender 
und den Empfänger.entstehen,. Hierzu kommt, daß der 
Absender für die Zeit der Lagerung des Pakets,bei. dor- 
Pvstanmeldcstclte die, postordnungsmäßige-Lagergebühr von 
täglich 30 Psg. bezahlen muß. .Daß derartige Paketch 
in erhöhtem Maße der'Gefahr dar .Beraubung ausgesetzt 
sind, beoarf keiner wettere!» Ausführung. Es liegt daher 
im eigenen. Nutzen der Absender, das Einlege» eines 
Doppels der Aufschrift in die Pakete nick.nal zu unter 
lassen. - 
o Di- VcarttißgnNg Friedenaus' mit Sch»ucbcrg zu 
dem Bezirk 11 im neuen Groß-Berlin ist die Beranlas-, 
jung, daß der Bürgerbund Friedenau sich zum- 
1. Juli .mit denn Schötzcherg^x , zu dem .... Bürgerbund' 
Schönebcre-Friede'nau'züsamniengeschlofseit hat. Der Frie-s 
denauer Bürgerbund wurde im April 1919 gegründet 
und war seil November Mitglied des Groß-Berliner Bür> 
gerbundes. In dieser Zeit von ,ft4 Mynateir hat er ni,cht 
iveniger als 8 Vollversammlungen, abgehalten: 1, Präsi 
dent des Reichsbürgerrats Wesses:. Ueber - Aürge-präte-- 
Brandt vom H'änsabündr, ..Ueber, dpn. Fxiedensvertryg,. 
3. Prof. Dr. Brunner: Ueher das gute, nyd.. das schlechte! 
Kino. 4. Dr. Mär;-'Ueber, die Revolution, im ,Spiegel! 
der Medizin. 5. Redner' aller bürgerlichen Parteien in! 
einer Doppelversammlüng: Ueber die Selbständigkeit Frieds 
denaus im künftigen Groß-Berlin. 6..Pkos. Görke: Ueber 
die Schönheit der deutschen. Landschaft. 7. .HueittchenZ 
Tcmpelhof: Ueber das neue. Berlin.. 8. .Versammlung, 
welche die Vereinigung' mit dom Schöneberger Bürgerbund 
beschloß. Von diesen Versainnilungen waren die l.,- 3„ 
5,, 6. und 7. allen Friedenaucrn zugänglich. Nach außen 
ist der Fribdenauer Bürgerbund dann noch weiter, hervor 
getreten, indem er mit großem Erfolg eine Sammlung 
von Lebensmitteln für die Nötleibenden in Wien in die 
Wege leitete, und. indxm- er. alle bürgerlichen-. Parteien 
77 TT.—i —"TT m—— I • 
'Aber - er "tont taktvoll genug "gewesen,'die Anden-- 
' tiingen zu verstehen, wenn er sich's auch nicht versagen 
komite, Magdatene.,.gegenüber.ssinem BeLauern.:.darub»r 
' Ausdruck zu gebest, daß Mabels Spivnennatur ihnen 
- allen das Leben so über die Maßen sauer mache. 
! Allzusehr nahm er sich die fseine Entsagung äuge»-. 
i scheinlich nicht zu Herzen, denn seine Laune ließ im allge- 
; meinen nichts zu wünschen übrig, und er hatte auch seinem 
| Dater gegenüber einen Ton .gesunden, der wenigstens bei 
f Ferncrstehenden den Eindruck, eines vollkommenen Ein- 
! Vernehmens herporrnfea mußte'. , ' 
1 Die herrliche Natur der Ümgebung schien ihn ganz in 
i ihren Lann gezwungen zu haben. Er wurde nicht müde, 
\ den gesegneten.Erdensleck, in dessen Mittelpunkt sie sich 
seßhäst. gemacht hatten, nach allen Richtungen hin zu 
j durchstreifen, und die Schilderungen, die er nach sKner 
! Heimkehr jedesmal, von den erschauten Wund-rn entwarf, 
! atmöten jugendliche Begeisterung und helles Entzücken. 
Johannes ' Romlnaer hatte diesen einsam unter 
nommenen Aus-cugen bisher kein Hindernis in den Weg 
gelegt, obwohl sie sieh mehr und mehr ausdehnten und zu 
weilen lang genug waren, um den Verdacht nahezulegen, 
' daß -sie."Nicht — wie Eberhard vorgab — einem durch, 
seine-ländschaftllche Schönheit - beinerlenswerteir Punkte, 
sondern dem in so lockender Nähe gelegenen und so streng 
verbotenen Monte Carlo, gegolten hgtsen. 
ö - Der alle Frühern schien bis.zur Stunde diesen Ver 
dacht nicht zu hegen.- Wenigstens hatte er ihm bisher '- 
mit .reknör Silbe-Ausdruck megeben. Mabel aber war 
weniger" zurückhaltend ! in' der. Aeußerung ihrer Ver 
mutungen, Und sie hatte äni der gemeinsamen Tafel schoy 
wiederholt nicht inißzltverstehestde Anspielungen gemacht. 
Eberhard hatte sie entweder überhört oder er hatte es 
nicht als der Mühe. wert erachtet, dchauf zu reagieren. 
Aber -es- war der immer - tegen. Vesorgizis Magdalenens 
nicht entgangen, daß seine Exkursionen seitdem rvieder 
-wesentlich kürzer geworden waren — so kurz, daß er sie 
nninöglich zu einem Abstecher nach dem gefürchteten 
Mndenpsnhl benutzt haben konnte.- Sie war dessen von 
. Herzen froh, und eines Ta^cs konnte sie sich nicht ent- 
sür die Ausstellung von Listen für die Eliernbeirats- 
wählen einigte. Wie bekannt, hat er auch zweimal einen 
Berkehrsplan für Friedenau herausgegeben, eine Nen- 
anslage für den jetzigen Sommer scheiterte an den hohen 
Kosten für Papier und Druck. Weniger allgemein in die 
Oeffentlichkeit gedrungen ist, daß Bürgerratsmitglieder 
die Wahllartothek daraufhin durchsehen durften, ivelche 
Friedenancr Einwohner für die Abstimmungsgebiete in 
Ost- und WestpreußLN in Frage kämen. Den betressrnden 
Vertrauensleuten- wurden dann die Nanien der Abstim- 
mungsberechtigteii in Listen übergeben, die nach Straßen 
geordnet worden ioarcn. Wenn oft von denen, die der 
Bürgerratsbewegung ferngestanden hab?n, die Fragen 
aufgeworfen wurden, was hat denn eigentlich der Fri.e- 
denauer Bürgerbund bezweckt und was hat er geleistet, 
so können seine Mitglieder mit nicht geringer Befriedi 
gung aus das vorstehend Mitgeteilte verweilen und nur 
bedauern, daß die Zahl seiner Anhänger in Friedenau 
nicht größer ist. Dazu kommt dann noch die Tätigkeit 
seiner Vorsitzenden im Groß-Berliner Bürgerrat. Unter 
stützt wurden sie durch die rege Mitarheit des Vorstandes 
und des Bürgerrats. Von beiden traten eine Anzahl Da 
men und Herren, insgesamt 16, in den vereinigten 
Schöncberg-Fricdenauer Bürgerrat, der nach der'Sommer- 
pause eine rege Werbetätigkeit entfalten wird. Hoffentlich 
gelingt -cs, immer wettere Kreise für die parteipolitisch 
völlig neutrale Bürgerratsbewegung zu interessieren, 
denn mehr als je ist Einigkeit aller Bürger das Gebot 
der Stunde. Das schöne- Plakat, das Herr Kunstmaler 
Sandkuhl für den Bürgerrat geschaffen hat, und das be 
kanntlich auf blauem Grunde unseren weißen Rathäusturm 
zeigt, wurde vor kurzem auf den Bahnsteigen der beiden 
Friedenancr Bahnhöfe angebracht; es wird-auch fernerhin 
an den Friedenancr Litfaßsäulen die Mitglieder des Bür- 
gcrbnndes zu dem Versammlungen, einladen. 
,o Eine ösfeMichü Aufforderung zur Abgabe einer 
Steuererklärung für die Veranlagung zum Reichsnotopfer 
erläßt das Finanzamt Steglitz. Zur Abgabe einer Steuer 
erklärung sind.verpfl-icht.ct: a) die Angehörigen des 
Deutschen Reichs; b) Angehörige außerdcutscher Staate», 
die die deutsche Staatsangehörigkeit erst nach dem 31. 
Juli-1914 verloren haben, und Staatenlose, die,'am 31. 
Dezember,1919 im Deutschen Reiche einen Wohnsitz oder 
in Ermangelung eines Wohnsitzes ihren dauernden Aufent 
halt gehabt haben; c) Angehörige außerdcutscher Staaten, 
die sich am 31. Dezember 1919 im Deutschen Reiche 
dauernd des Erwerbes wegen aufgehalten haben; falls 
die zu a bis c Genannten am 31. Dezember 1919 allein 
oder mit ihrer Ehefrau ein Vermögen von 5000 M. und 
darüber gehabt haben oder eine Aufforderung zur Ab 
gabe der Steuererklärung erhalten. 2. Die nachstehend 
Genannten, und zwar ohne Rücksicht auf die Höhe des 
Vermögens: a) inländische Aktiengesellschaften, Kommandit 
gesellschaften ans Aktien, Kolonialgesellschafteift Berg- 
gewerkschafteu und andere Bergbau treibende. Vereinigun 
gen. Gesellschaften-mit bcschräniter.Haftung, Versicherungs-- 
vereine, eingetragene Genossenschaften, deren Anteile auf 
mindestens 50 M. lauten, sowie Kreditanstalten; b). sonstige 
inländische - juristische. Personen; c) inländische anchtrecht's- 
fähige Vereine, sowie sonstige inländische VermögensNtassen, 
die .nicht dem Vermögen anderer Abgabepflichtiger-.anzu 
rechnen i sind, inshesondcre Stiftungen ohne juristische Per 
sönlichkeit; d) die Eigentümer von inländischem Grund- 
und Betriebsvermögen oder diejenigen Personen, denen 
nach Arttkel 297 i des Friedensvertragcs eine Entschädi- 
gtutg gewährt worden oder zu gewähren ist. 3. Wer zur 
Wgabe der- Steuererklärung nach Nr. 1 und -2 Ver 
pflichtete zu vertreten hat. Die Angehörigen des Detit- 
schen Reichs, die sich bereits vor dem 31. Juli 1914 
mindestens zwei Jahre ununterbrochen des Erwerbes wegen 
oder aus anderen zwingenden Gründen im Ausland auf 
gehalten haben, ohne einen Wohnsitz im Inland, zu haben, 
und noch am 31. Dezember 1919 im Ausland gewohnt 
haben, sind zur Abgabe einer Steuererklärung nur inso 
weit verpflichtet, als sie zu den oben unter 2d bezeichneten 
Personen gehören. Diese Ausnahme findet jedoch keine An 
wendung auf Reichs- und Staatsbeamte, die ihren, dienst 
lichen Wohnsitz im Ausland gehabt haben. Die zurSteuer- 
crklürung Verpflichteten werden ausgefordert, die Steucr- 
crklärung unter Benutzung des vorgeschriebenen Vordrucks 
in der Zeit vom 28. Juni bis 28. August 1920 bei dem 
Finanzamt Steglitz einzureichen. Vordrucke für die Steuer 
erklärung können von dem unterzeichneten Finanzamt be- 
zogen werden, und zwar, sotveit den Steuerpflichtigen Vor 
drucke nicht zugestellt worden sind und. es-sich um die 
beiden.erfteM'Stticke,-handelt- kostenlos.und.Howeit-weitere 
hatten, ihrer Befriedigung gegen Herta ^ Ausdruck zu 
, geben. 
- „Ich war immer in Angst, daß er doch eines Tages 
der Versuchung unterliegen könnte," sagte sie. „In-mäncher 
Hinsicht ist er ja bei aller Gutberzigkeit für Bitten und 
Vorstellungen ebenso unzugänglich wie sein eisenköpfiger 
Vater." , 
Es hatte nicht den Anschein, als ob Hertaihre freudige 
Zuversicht zu teilen vermöchte. Ein paar Stunden lang 
schwieg sie; dann fragte sie mit tiefemftem Gesicht: 
„Und wenn er täte, was man ihm wie einem kleinen 
Kinde verboten bat — glauben Sie wirklich, daß es zu 
schlimmen Ereignissen führen könnte?" 
^,Wünn mein Vater dahinterkäme — gewiß l Wo er seine 
Autoritqt. mißachtet glaubt, ist er unerbittlich. Ich habe 
Beispiele dafür gesehen, und die Anlässe waren gering 
fügiger,-, als es in feinen Augen dieser hier sein würde. 
Ich bin nur zu gewiß, daß ein Ungehorsam meinen Bruder 
sur.immer um das Vertrauen meines Vaters und damit 
zugleich um seine ganze Zukunft bringen würde-"- 
Herta erwiderte nichts, aber die Fröhlichkeit. die 
wahrend der krtztrn-Wochen ihr Wesen so liebenswürdig 
verändert hatte, machte aufs neue einer schwermütig nach 
denklichen- Stimmung Platz, deren Ursache Mägdälene mit 
all. ihren freundlichen Fragen nicht zu ergründen oer- 
»lochte.'— - 
Wie hätte die junge Gesellschafterin'ihrer kranken, rmn 
jeder Erregung schwer^ geschädigten Herrin denn auch »er 
raten dürfen, was ihr so schwer auf dein Herzen'lag! Sie 
war ja vielleicht die einzige ist, Hauss, die darüber Aus 
kunft zu geben vermocht hätte,-weshalbEberhard Rominaer 
trotz der ihm.auferlegten Einschbanküng von so unverwüst 
lich guter Laune war — «nd! weshalb er es für nveckmäßio 
gehalten, hätte, die lauernden Anfpielungerc feiner Stief 
schwester-zu überhören. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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