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Periodical volume Nr. 144, 29.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

sogar tu einem kirchl. Gemeindehaus hatten, ein solches 
Haus müsse doch erst recht neutral bleiben. Die Aussprache 
ist Hamit erledigt. 
Von der Uebersicht über dieFrequenz de,rVolks-, 
Mittel- und höheren Schulen wird Kenntnis,ge 
nommen, nachdem' Stahtv. A lb r ech.t (Soz.) dagegen 
gesprochen Hatte/ daß in einzelnen Primen nur 7 .und 
6 Schüler säßen, hier könnte'durch Vereinigung gespart 
werden. Die UeberMlung der unteren Klassen der höhe" 
ren Schulen beweise die ganze Unhaltbarkeit der jetzigen 
Schulordnung: Stadtv. Pflug.(Freie Vag.) meint, daß 
die Sozialdem. doch sonst.für geringe Klassenziffern seien/ 
hier aber trete sie dagegen auf. Stadtv. Albrecht er 
klärt, er sei allgemein auch dafür, aber hier handele es 
sich nur um wenige Schüler, die schon so der Stadt höhere • 
Kosten verursachen. 
Äon der Ablehnung des Antrages durch den Ma 
gistrat, die Schulaulen zu Wahlversammlungen gebührenfrei 
herzugeben, wird Kenntnis' genommen/desgleichen von 
dem Ergebnis der Verhandlungen des Magistrats mit 
dem Prinz-Heinrich-Giymnasiium wegen Gewäh 
rung von Freistellen. Das Provinzialschulkollegi-um hat 
erklärt, daß die Freistellenzahl auf 10 Prozent beschränkt 
bleiben müsse. 
Der von uns schon veröffentlichte Bericht der Unter 
suchungsdeputation über die mit dem Kapp^Putsch zus- 
sammenhängenden Vorgänge wird ohne Erörterung zur 
Kenntnis genommen. - 
Die Punkte 6—16, verschiedene Nachbewilligungen 
betreffend, tverden gemeinschaftlich ohne, Erörterung be 
schlossen. . , , .... 
Die Vergütung an den evangelischen Geistlichen für 
die Versorgung der Patienten des Krankenhauses 
soll auf 1500 M. erhöht werden. Der Stadtv, Wil 
berg (Unabh.) spricht dagegen, bie Religionsgemeinschas- 
len sollen ihre Pfarrer selbst bezahlen, außerdem müsse 
ein Pfarrer solches Amt aus Idealismus kostenlos aus 
üben. Stadtrat Rahcnow erklärt, daß die Stadt den 
Geistlichen für das Krankenhaus angestellt habe und ihn 
auch bezahlen müsse. Außerdem sei es ja auch .pur eine 
so geringe Entschädigung, die als eine Bezahlung nicht 
angesehen werden könne. Stadtv. Dr. Teufer, Frl. 
Fromm und Dr. Koch.wendeten sich gegen den Stadtv. 
Wilberg. Der Antrag wird dann angenommen. 
Ferner ivird folgender Antrag genehmigt: Wenn in 
einem besonderen Krankheitsfälle im Krankenhause, für 
den ein Konsiliarius nicht vorhanden ist, ein Spezial 
arzt herangezogen werden muß, so wird demselben eine 
Fuhrkostenentjchädigung von 50 M. zugestanden. 
Bau der MMveribrennnrrgs!anstalt. 
Stadtv. Jatzow (Freie Vgg.) empfiehlt als Bericht 
erstatter die Annahme der Vorlage. Als s. Zt-, gesagt 
wurde, die Anstalt werde 10 Millionen Mark kosten/ 
wurde das bestritten, nun koste sie schon 14 Millionen. 
Namens seiner Fraktion müsse er aber die Vorlage aus 
formellen Gründen ablehnen, man könnte nämlich bei 
Wahlen eine Zustimmung mißdeuten. Stadtv. Dr. H e uß 
(Dem.) äußert sein Erstaunen über die Begründung der 
Ablehnung durch die Rechte. Weil-das bei den Wahlen 
mißgedeutet tverden könnte, also aus Angst vor den Wah>< 
len, lehne die Rechte ab. Stadtv. Fritsch (Soz.) wen 
det sich gegen politische Ausführungen des Stadtv. Jatzow, 
den er als den Vertreter Haberlands kennzeichnet. Er. 
wird wegen seiner Abschweifungen vom Vorsitzenden zur 
Sache gerufen. Stadtv. Dr. Teufer (Freie Vgg.). er- 
klärt, daß sie auch andere Gründe für die Ablehnung' 
haben; es soll hier eine Vorlage aus Mitteln bewilligt 
werden, die garnicht vorhanden wären. Stadtv. Erd/ 
manu (Soz.) tritt für die Vorlage ein; eine Belastung 
der Steuerzahler trete nicht ein, die Anlage unterhalte 
fick selbst. Stadtv. Jatzow gibt in seinem Schlußwort 
zu, daß sich die Anlage rentiere, aber nur. dadurch, daß' 
die Müllabfuhrkosten jetzt sehr hohe sind. Die Kunden/ 
inüßten eben die Kosten ausbringen. Die 14 Millionen 
werden ja wohl, das glaube er feststellen zu können, die 
Schlußsumme sein. — Die 9 100 000 M. für . die Müll 
verbrennungsanstalt werden gegen die Zustimmung der 
Rechten nachbewilligt. 
Stadtv. Bau mann (Fr. Vgg.) wundert sich über 
die 67 000 M. für Uinlegung der Gasrohre, hier hätte die 
Gasanstalt herangezogen werden müssen. Stadtbaurat Dr. 
Wagner erklärt, daß gegenüber dem Voranschlag sich die 
Verhältnisse verändert hätten. Die Gasanstalt sei zur 
Verlegung der Rohre nicht mehr heranzuziehen gewesen. 
— Der Vorlage wird darauf zugestimmt. 
Sctsnaöjciffiten für gritoaii M WnW. 
Machte unsrer o-Origtnalürtikel nur mit Quellenangabe gestalt.)" 
o Außerordentlich« Sitzung der Gemeindevertretung 
am Montag, den 5. Juli 1920, nachmittags 7 Uhr, jitt' 
„Aber Sie müssen..mir wohl oder übel gestatten/ in. 
diesem Punkte anderer Meinung zu sein. Und Sie. müssen 
mir erlauben zu konstatieren, daß ich erstens wie ein'' 
Narr gesprochen habe und zweitens wie der ungezogenste 
Mensch unter der Sonne." ... 
Er war so drollig in seinem ernsthaften Elfer stch än»- ' 
zuklagen, und es war so viel liebenswürdige Treuherzigkeit/, 
in dem Ausdruck seiner Züge wie. in dem Ton seiner Rede, 
daß Herta nicht länger imstande war, ihren kühlen, zurück-' , 
haltenden Ernst zu bewahren, und. daß ein Lächeln über) 
ihr noch immer zart gefärbtes Antlitz glist. Und in diesem 
Augenblick war Eberhard fest überzeugt,. daß er nie ein 
hübscheres Gesicht gesehen habe, als das dieses bisher so' 
schmählich verkannten Mädchens. 
„Sie lächeln, Fräulein Lenendorfs!" rief er mit unver- 
hehlter Freude. „Sie sind mir also wirklich nicht mehr 
bös?" 
Wieder bewegte sie verneinend den Kopf. 
„Ich hätte wohl eher Veranlassung, Ihnen dankbar zu. 
sein," sagte sie. „Denn Ihre Worte haben mir zum Be 
wußtsein gebracht, wie tadelnswert es ist, wenn ich einer.. 
Umgebung, die mich so über allesBerdienst gütig behandelt,'. 
durch eine mürrische und unzufriedene Miene lästig falle. -... 
Habe ich doch in Wahrheit nicht den mindesten Anlaß, Un 
zufrieden zu sein. Ihre Schwester ist ein so engelhaftes/ 
Geschöpf, wie ich niemals eines auf meinem Lebenswege. 
zu finden erwarteh.stätte.., Unh/ch/ollts.zäll mein Streben 
darauf richten, ihr an Liebenswürdigkeit nahezukommen." 
„Was Ihnen, wie ich meine, nicht allzu schwerfallen 
wird," versetzte er rasch und jn einem Tcn„^her jeden 
Verdacht einer leerenMgedankenl^scn SchmoiWEi von 
voryb* Ün ausschließe«*' .sichle. r • $ 0 p| 
*•» ’fcW. sh.rffc«.-. 
Sitzungssaale des Rathauses. Die Tagesordnung lautet: 
a) in öffentlicher Sitzung: 1. Mitteilungen.' 2. Bewilli 
gung von Umzugskosten. 3. Neuregelung der Besoldung 
der Beamten, Lehrkräfte und dauernd Angestellten. 4. 
. Anrechnung des Wertes der.Kienstwohnungen auf hie Be 
soldung. 5. Vergütung von Mehrarbeit. 6. Anrechnung 
privatrechtlicher Dienstzeit auf das ruhegehaltsfähige 
Dienstalter. 7. Bewilligung von Mitteln zur Beschaffung 
von Lehrmitteln für den physikalischen Unterricht und 
für den. Ausbau der physikalischen Schülerübungen am 
Realgymnasium. 8. Bewrlligung eines Teuernngszulagen- 
zuschlages für die Lehrkräfte an den Privatschulen. 9. Be 
willigung, .'eines Prämienzuschlages für die Versicherungs 
gesellschaft „Freia". 10. Erlaß einer Pflichtstundenord- 
nnng für die Lehrkräfte an der, Hilfsschule. 11, Bewilligung 
von Mitteln jjür, Einrichtung eines Schulkinds. 12. Stif 
tung eines Wanderpreises süp die Sportub.tejlungf dies, 
Männerturnvereins. 13. Verstärkung des. Jugendpflege- 
Voranschlages. 14. Umwandlung eurer Hilfslehrerstelle 
in eine Oberlehrerstelle und Anstellung, eines 2. Turn 
lehrers am Gymnasium. 15..^ Bewilligung von. Mitteln 
für die Einrichtung her Kopfentlausungsanlage. .17. An- 
trüg der. deprosratrschen Fraktion, aus Uebernahme, eines 
Privatlyzeums als. Gemerndcanstalt. 18. Desgl, aus. Er 
richtung von Wphnhäusern auf noch unbebauten oder frei 
werdenden ' Grundstücken in Berlin-Friedenau, b) jn. ge 
heimer Sitzung, ly. Abschluß eines neuen Pachtvertrages 
mit dem Ratsstllerwfrt. 20. Perfonalangelxgenheiten. 21. 
Stellungnahme zum Schreiben der Direktorin Frau Dr. 
Lorenz, in-Sachen ihM.Privatlyzeums.. - , .. . 
o Kartösfelyerkguf." Von Mittwoch Vormittag 8 Uhr 
findet der Kauto.sfe(verkauf .rm.5keller. .Rheinstraße 31 statt. 
Dort sowohl wie bei den Händlern dürfen Kartoffeln, 
nur an Fr/^edzeznauer...Einwohner. abgegeben werden. 
o Kartoffeln für Kleintierhalter werden morgen von 
1—4 Uhr iMljKejler chesHauscs^Kgiserällee 126 kosten-, 
los abgegeben.' V., .... 
o. Einer Warenbestandsaufnahme wegen werden die 
Verkanfsstellen der Gemeinde am 30. Junj um 5 Uhr 
WSÄM-iüdL.Ä, ------ 
bandsansschuß des Wohnungsverbandes. Groß-Berlin hat 
in seiner letztenSitzung'den Restbetrag, der für 1919 
auf die Verbandsglieder.umzulegen ist.-festgesetzt./Danach, 
haben als letzte Teilbeträge zu zahlen; Berlin .4 506 837 
Mark, Chärlottenburg 750 654 M., Schöneherg 350167 
Mark, Neukölln 381 357' M., Wilmersdorf 286 954 M... 
Lichtenberg 174 668 M., Spandau 165102 M-, Kreis 
Teltow 945 284 M. und der Kreis Niedcrbarnim 756 477 
Mark. . .. . , ;; . 
o Umzugslage. Im Hinblick auf die im Möbel- 
transportgewerbe zurzeit noch bestehenden Schwierigkeiten 
hat der Amtsvorsteher bestimmt, daß im Amtsbezirk Ber- 
lin-Friedenan beim nächsten' Vierteljahrestvöhnungswechfel 
zu räumen sind: kleine, d. h. aus höchstens zwei 
Wohnzimmern. und Zubehör bestehende'Wohnungen bis 
zum 3. Juli mittags 12 Uhr, mittlere, d. h. aus drei 
oder vier Wohnzimmern und Zubehör bestehende Woh 
nungen bis zum 7. Juli) mittags 12 Uhr, gro ße, d. hi 
mehr als vier.Wohnzimmer umfassende Wohnungen bis 
zum 13. Juli-mittags . 12 Uhr. ..Die. Inhaber der aus 
drei Wohnzimmern und Zubehör bestehenden Wohnungen 
müssen jedoch ein Wohnzimmer, und die Mieter von 
Wohnungen mit mehr als drei Wohnzimmern und. Zu 
behör zwei Wohnzimmer schon am 3. Juli vollständig ge 
räumt dem^. zuziehenden Mieter auf dessen Wunsch zur 
Unterbringung seiner Möbel und /einer sonstigen Habe 
zur Vcrfüg/.'ng stellen., Vorstehende Anordnung findet auf 
Geschäftsräume und. möbliert' gemietete Wohnungen und 
Zimmer keine Anwendung. Für den Zeitpunkt der Ueber- 
gäbe derartiger Räumlichkeiten ist der Mietvertrag maß- 
.gebend. 
o F-ericn der Bezirksausschüsse- Die Präsidenten der 
-Bezirksausschüsse in Berlin und Potsdam geben bekannt, 
daß die Verwaltungsgerichte in der Zeit vom 21. Juli 
bis 1. > September Ferien halten. Während dieser Zeitz 
werden Termine zur mündlichen. .Verhandlung der Reuet 
nack nur in schleunigen Sachen abgehalten werden. Die 
Groß-Berljner nutzeren Derwaltungsgerichtze sowie die 
Kreisausschüsse Teltow und. Niederbarnim werden zu 
gleicher Zeit Ferien halten. * 
oA Katzejn» und Hchidesperre nn Streife Teltow. Es 
ist neuerdings an einem Hunde in D.iepensee Tollwutver 
dacht festgestellt worden und demgemäß hat Landrat von 
Ackzcnbach mit Ermächtigung des Regierungspräsidenten 
eine viehseuchenpolizeiliche Anordnung getroffen, nach der 
sämtliche Hunde uird Katzen. in den betreffenden Gemein-, 
den bis zum 24. September anzuketten, festzulegen oder 
einzusperren sind. ; - ^ . - 
' o Eine RcnauLlegung der Zuckerkundenlishe: für die 
Zuckerkarienperiode Juli^cvtember 1920 erfolgt nicht. 
(Die Zuckerhändler < haben - jedoch die beftehMtie«.'. Kun 
denlisten nach Maßgabe her vorzulegeyden. Znckerkarten 
glühten Antlitzes zu entziehen, und bei dieser -Bewe'tzÄag/ 
wurde sie einer weiblichen Gestalt ansichtig, die ehest von 
hem StraßeNeingang her ist den'Gärten trat. Es war.hie 
lange, eckige Gestalt einer aüßergewöynlich mageren und 
tzeizlosen Frau, in einen fast bis zur'Erde reichendest 
dunklen Regenmantel gehüllt und mit einem (großest,- 
schwarzen Hui auf dem Kopfe. Ein dichtinäschsger weißer, 
Schleier verhüllte ihr Gesicht, aber Herta kannte'diese-haß.' 
liche Erscheinung viel zu gut, als haß sie über die PSrson- 
lichkeii hätte im Zweifel sein könneni 
Und statt der Antwort, die, sie auf Eberhards letzte 
Bemerkung-in Bereitschaft gehabt haben mochte, sagte sie 
rasch: 
„Entschuldigen Sie mich, Herr von RomingLr! — Ich 
muß jetzt in das Hans zurück." 
„Warum das?" 
„Weil ich Ihre Frau Schwester kommen sehe." 
„Aber'das ist doch' kein Grund? daß Sie'" Mir so 
plötzlich davonlaufen müßten." -V 
Die Verlegenheit, die über das junge Mädchen -ge 
kommen war. wuchs: ersichllich mit.jrdeLiSekUnde, .... . . 
„Sie .sollten verstehen,..Herr non,/8o.mmger> däb es 
doch ein Grund ist," sagte sie beinahe flehend .. . 
Aber er, btzgriff-.die Ursache ihres..Fliichtyerlnngens. 
nicht, oberer gab sich wenigstens den Anschein/ sie nicht 
zu begreifen. . . . , 
' „Rem,.---ich.^verstehe ganz und gar nicht," sagte er 
fast diktatorisch, „und ich muß Sie schon bitten, sich 
etwas deutlicher zu erklären." 
Vielleicht würde er. weniger grausam gewesen, sein, 
wenn hätte wahrnehmen können, daß sich die Äugest/ 
des " Mädchens mit Tränen gefüllt hatten. "7SAM/ 
zu vervollständigen. Für die erste Halste des Monats Juli 
darf daher die Verabfolgung des Zuckers nur unter Vor 
legung der Zuckerlarte und der Berlin-Friedenauer Aus- 
weiskarte sowie gegen Abstempelung der auf der Rück 
seite derselben befindlichen Nr. 13 erfolgen. Der mit der 
Zuckerkarte verbundene Kontrollabschnitt ist- vorher vom 
Haüshaltustgsvorstand oder einem Haushastungsangehö- 
rigen vorschriftsmäßig auszufüllen, sodaß eine Ueberein 
stimmung dieser Eintragung mit derjenigen in der Aus- 
weiskarte unbedingt vorhanden sein muß. 
o Rcntchuahlitzstg. Für die Zeit vom 1. Juli 1920 
an ist den Empfängern einer. Invaliden-, Alters- oder 
Krankenrente statt der bisherigen Zulage von 20 M. 
eine Zulage von 30 M. monatlich, den Empfängern einer 
Witwen-(Witwer)Rente und. einer Witwenkrankenrente statt 
der bisherigen Zulage von 10 M. eine Zulage von 
,"'18 M. monatlich, i m voraus neben ihren sonstigen Renten 
, zu zahlen. Den Empfängern einer Waisenrente (O) kann 
die neu eingeführte Zulage von monatlich 10 M. erst 
nach Eingang besonderer Zahlungsanweisungen der Ver- 
sichernngsträger gezahlt werden. 
oA Die Lage dev ReligfonslruterrlchtSstunden. In 
einem an die Nachgeordneten Behörden gerichteten Erlaß 
weist der Minister für Wissenschaft, Krnst und Volksbil 
dung darauf hin, daß es schon seither aus allgemein-untcr- 
richtlichen Gründen üblich gewesen ist, für die religiöse 
Unterweisung in den Volksschulen entweder die erste oder 
die letzte Unterrichtsstunde anzusetzen, so daß mit ihr 
die Tagesarbeit der Klasse beginnt oder schließt. Der 
Minister ist der Ansicht, daß an dieser Einrichtung fest 
gehalten und. sie allgemein durchzuführen ist aus Rück 
sicht auf diejenigen Kinder, die am Religionsunterricht 
nicht .teilnehmen und. die,- falls, die Religionsstunden 
eingeschoben werden, gezwungen sind, entweder unnötige 
Wcge zu mächen oder die Stunden ohne geeignete Beschäf 
tigung zu verbringen. Vom Minister wird^ deshalb an- 
geordnet, daß in allen öffentlichen Volksschulen, sofern nicht 
zwingende Gründe, wie etwa der Umstand, daß von einem 
Religionslehrcr Religionsunterricht in einer größeren Zahl 
von Klassen erteilt werden muß, eine Ausnahme notwendig 
mächen, die Religionsstunden jeder Klasse entweder an den 
Anfang oder an den Schluß des Vor- oder Nachmittags 
unterrichts gelegt werden. Läßt sich diese Regelung für 
sämtliche Klaffen einer Schule unbedingt nicht durchführen, 
so ist. sie mindestens nach Möglichkeit für diejenigen zu 
treffen, in denen Kinder vom Religionsunterricht befreit 
find. . .... .... 
o Aufbringung des cinnräligen Fetznsprechjbeitrags. 
Es find Klagen darüber laut geworden, daß zahlreiche 
Fernsprechteilnehmer Schwierigkeiten haben, den einma 
ligen Beitrag znm,Ausbau des Fernsprechnetzes (1000 M. 
für einen Hauptanschluß und 200 M. für jeden Neben 
anschluß und 200 M. für jeden Nebenanschluß) aufzu 
bringen. Die Schwierigkeiten lassen sich beheben. Deut 
Vernehmen nach schweben bereits heim Reichspostministc- 
rinm Verhandlungen mit gemeinnützigen Unternehmungen- 
die bereit sind, das Geld ans Antrag zu einem mäßigen 
Ueberzins von etwa 3 v. H. der Telegraphenberwaltung 
für die Teilnehmer zur Verfügung zu stellen. Sobald dio 
Verhandlungen zum'Abschluß gekymmen sind, wird weiteres 
.sogleich bckanM üegeben werden. 
o Erhöhimß der WohniAMnketen. Im Reichsarbcits- 
miciisterium' haben in diesen Tagen Neue Verhandlungen 
über die Grunbzüge eines Gesetzes zur Beschränkung von 
Mietzinssteigernngen stattgefunden. Bekanntlich länjt die 
Gültigkeit d.er bestehenden Verordnungen über die Zu 
lassung von Mietserhühungen (in Groß-Berlin 20 v. H. 
mehr als 1914) demnächst ab. Ueber di« neuen Verhand 
lungen berichtete in der letzten DelegiertenversamMlunZ 
des Bundes, der Grundbesitzervereine Stadtverordneter 
Ladendorsf.' Danach soll den Eigentümern eine Grund- 
miete .zugebilligt'werd.en,'die ausreicht, um- die Zinsen, 
auch die des angelegten Kapitals, sowie die Abschreibung 
zu decken. Als Maßstab für den Wert des Hauses soll der 
Wehrbeit'rag oder die Friedensmiete .gelten. Sämtliche 
Hauslästen mit Ausnahme der großen Jnstandsetzlings- 
kösten, sollen anteilig auf d.ie Mieter verteilt werden. Der 
Hausbesitzer soll für seine Tätigkeit Anspruch auf Ent 
gelt haben. Für größere Jnstandfetzungsärbeiten sei die 
Verteilung der Kosten ans die Gesamtheit der Mieter ins 
Auge gefaßt. Die Hvchstmiete für Groß-Berlin mzisse 
mindestens 4'ß v H. mehr als in Friedenszeiten betragen. 
o Wertangabe bei Auslandspostsendungen. Um den 
Absendern von Wertsendungen im Auslandsverkehr die 
Möglichkeit zu geben, den Inhalt der Sendungen wesent 
lich höher: als jetzt und zwar bis zur Höchstgrenze der 
im Bestimmnngslande zugelassenen Wertangabe zu ver 
sichern, soll am 1. ,Juli an bei Briefen, Paketen und 
Kästchen mit Wertangabe nach dem Ausland der Wert- 
betrag vom Absender nicht mehr in der Mark-, sondern 
in der Frankenwährung angegeben werden.. Bei Wertsen 
dungen nach dem Freistaat Danzig, dem Memelgcbiet, der 
L Zone des Abstimmungsgebiets Schleswig, Oesterreich 
aber fie-verweigercke. ihm trotzdem die.verlangte Auskunft 
nicht. . , v ./, » 
„Frau Hermann billigt es gewiß nicht, daß Siesich hier 
mit niir unterhalten," sagte sie leise. 
' ' „Und/warum.sollte sie cs nicht billigen?" 
„Weil.sie mich nur als eine Art von besserem Dienst 
mädchen ansieht, dem man in keinem Augenblick ge- 
stattencharf, sich über, die Schranken seiner untergeordneten 
Stellung: hinwegzusetzen. — Das. ist mein ©runis, Herr 
von Roni'.nger und es wäre großmütiger gewsscn, 
wenn Sie cs.mir. erlassen hätten, ihn zu nennen." 
Er fühlte» daß sie recht hatte, und er war viel zu 
aufrichtig, es.zu verhehlen. 
„Es.mag. schon sein, baß Sie die Gedanken meiner 
Schwester halbwegs zutreffend beurteilen. Ihrer Erziehung 
und Veranlagung nach ist. sie vieileichr ebensowenig im 
stande, sich.einer wirklichen Aame gegenüber angemessen zu 
benehme», als —er zauderte ein wenig, um dann mit 
«nwiderstehlicher. .Treuherzigkeit zu vollenden: „als ich 
selbst dazu imschnde zu/ein scheine." 
Mit. rascher .-Bewegung erhob die junge Ecscll- 
schafterm bey.Kypf, und in ihren Augen wie auf ihren 
Lippen war ein sonniges Lächeln, als sie leise und hastig 
sagte: 
„Sie sollen sich nicht länger anklagen. Denn was Sie 
ncir angetan zu haben glauben — ich habe es Ihnen 
wirklich längst von Herzen vergeben." 
Zu einer Erwiderung aber ließ sie ihm nicht mehr 
Zeit, und Frau Mabol Hermann, die eben beschleunigten 
^^"ittes in. Hörweite vorgedrungen war, sah nur. 
'e.Geftnlt. tzez, Mädchens, von den luftig 
" " »Wlßh zwischen den Büschen oer- 
(Fortsehuna folbfaV l
        
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