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Periodical volume Nr. 144, 29.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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t» HsuS geSr-cht 8— Mars. 
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GeschAftsDeÜer Rheluste. 18. 
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Mt. 144 
Betlte-gtietunan, Dienstag, Den 29. Sani 1920 
^SÄsa: 
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4— Kart «elagU»m«te BÜW». 
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Stet«. 27 
DeutTte nacbricfotm 
Berlin. Heute vormittag kam Großfeuer in Rei 
nickendorf, Gesellschastsstr. 30-40, auf einem Holzlager 
platz, aus noch nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch, 
Er gelang, eine weitere Ausdehnung zu verhüten. . 
Breslau. Der 27 Jahre alte Arbeiter August 
'Schön selber üus Brpslau, der nach feiner Rückkehr aus 
dem Kriege ein Nomadenleben führte, hatte das Töch- 
terchen seiner ehemaligen Wirtin, einer Frau Wilsch, an sich 
gelockt und benutzte es zu Bettelgängen. Seit einigent 
Tagen war das Mädchen plötzlich verschwunden. Als die 
Mutter gestern zufällig Schönfelder allein aus der Straße 
traf, ließ sie ihn sofort verhaften. Auf der Polizei tze^ 
stand der Verhaftete, daß er das Mädchen erpnirgt und 
darauf im Koseler Wald verscharrt hätte. — Am Sonn- 
tag abend wurde die 16jährige Dorothea Schneider in 
Breslau in ihrem Bett erwürgt aufgefunden. Offenbar 
liegt Raubmord vor. 
London. Im Unterhaufe sagte Lloyd George auf 
eine Anfrage über das kommende Leipziger Verfahren 
gegen die der Kriegsverbrechen Beschuldigten, ein alliierter 
Ausschuß erwäge augenblicklich Schritte, um sicherzustellen, 
daß das Verfahren nicht ungehörig hinausgezögert werd«. 
Das Nichtzustandekommen des Kaiserprozesses bedeute kein« 
PflichlversäumniS der englischen Regierung, da der Kaiser 
nicktt erreichbar sei. Er glaube nicht, daß der Kaiser 
weiteres Blutvergießen wert sei. 
London. Evening News meldet aus Konstantinopel: 
Am Freitag sind griechische Truppen in Panderma an der 
Südküste der MarmarrgmeereSgelandet worden, um die 
Dardanellengegend von den Nationalisten fäuver» zu 
helfen. 
ÄtoflK gtattMroMentiufiiininliiii 
vom 28. Juni 1920. 
MaMHimchi gegen die Arbeitslosigkeit.Millionen» 
tettittiMtchm». — Die BesollmngSvorlage« angeumnu«!». 
— GeineHmteMrg der MMverbremrungsanstalt. — An» 
bau dÄ RqthmchrS. — Ausbau des Spielplatz««. 
Ti« gestrige Sitzung, in der eine überaus reiche 
Tagesordnung von.68 Punkten erledigt wurde, begann mit 
der Beratung eines Dringlichkeitsantrages der Sozial 
demo traten, der bestehenden und sich noch steigernden 
Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken dadurch, daß 
Entlassungen der in städtischen Betrieben Beschäftigten nicht 
stattfinden dürfen und daß di« begonnenen Arbeiten mit 
größter Beschleunigung vorzunehmen, weitere Notstands- 
arbeiten in Angriff zu nehmen seien. Diese Anträge 
wurden angenommen, dagegen ein weiterer Antrag auf 
Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung abgelehnt. Die 
Versammlung bewilligte fernerhin mehrere Millionen- 
vorlagen. So wurden 9 100 000 M. für die Müll- 
verbrennungsanstalt nachbewilligt, 3000000 M. 
als Bürgschaft für den Wohnungsverband Groß-Berlin 
übernommen, 4 700 000 M. für den Erweiterungsbau des 
Rathauses, 700000 M, für Herstellung d«S Spielplatzes, 
eine halbe Million für den Ausbau des Rohbaues in 
der Trae^rstraße und noch andere größere Beträge für 
verschiedene Zwecke bereit gestellt. Auch die neuen Besol 
dungsvorlagen wurden angenommen und hierbei in allen 
Leilen den Anträgen auf die höheren Sätze zugestimmt. 
Der Sohn des Millionärs. 
Roman von Florence Warden. 
4 (Nachdruck verb'ten.) 
. und wenn du von vornherein darauf verzichtetest, d» 
Wirklich! eit der Letter der Geschäfte zu fein, die ja allktt 
dings wohl auch ohne' dich ihren Gang gehen werden? 
Wenn du sozusagen nur zum Schein — —* 
Aber Eberhard ließ sie nicht ausreden. 
Niemals würde ich mich um den Preis meiner Selbst, 
achtuua auf eine so unwürdige Komödie einlassen, er- 
klärte er mit Entschiedenheit „Da scheint es mir denn doch 
immer noch weniger unkindlich und pietätlos, wenn ich der 
Wahrheit gemäß sage: Ich kann n.cht und ich will nicht- 
unbekümmert darum, was daraus entstehen wag. 
Wohl — ich kann dich darum mcht tadelt,. Aber 
wenn dein Ehrgefühl dir eine solche Unwahrhaftigkeit ver 
bietet, so wird es dir hoffentlich auch verbieten, ohne Me 
Erlaubnis des Paters und gegen fernen ausdrücklich kund 
gegebenen Willen nach Monte Carlo zu gehen. 
Es mochte dem jungen Manne nachgerade zuviel des 
Ernstes geworden fein, penn plötzlich erschien^ * )os 
alt», sorglos liebenswürdige Lächeln auf Gesicht 
Man sollte nicht mit so großen Worten von so 
kleinen Dingen reden, liebste Mag-älene ^ ^wischeneinem 
Schritt, der über mein ganzes künftiges Leben entscheiden 
müßte, und einem unschuldigen Abstecher nach MonteCarlo 
ist denn doch ein gar gewaltiger Unterschred. Em.un- 
vemünftiges Verbot hat keinen Anspruch auf Gehorsam 
und außerdem sind wir ja auch noch gar nicht an oer- 
Riviera. Warum sollten wir uns darum schon legt beun 
ruhigen über das, was möglicherweise da unten geschehen 
könnte?" 
Als fürchte er. daß sie ihn trotzdem noch weiter nut 
Bitten und Vorstellungen quälen könnte, ^ 
uv» .sich mit einer zäriuchen Lieblosung' ut 
Berthandlungsbericht. 
Der Stadtverordneten-Vorsteher Czeminski eröss-- 
net die Sitzung 20 Minuten, nach 6 Uhr. 
Ausgelegt ist ein Schreiben des Oberbürgermeisters 
von Berlin über die Lage der Straßenbahn, ferner ein 
Bericht über die unvermutete Prüfung der Stadthauptkasse 
und der Skeuerkasse. 
Eine Petition des Bürgerrates Schöneberg-Frie 
denau über manglelhafte Ausführung der Wählerlisten' 
wird dem Petitionsausschuß überwiesen. 
Die Punkte 38—51, soweit sie Wahlen für verschie 
dene Ausschüsse usw. betreffen, werden npch den in den 
Vorlagen gemachten Vorschlägen als angenommen be 
trachtet. 
Vorgelegt wird ein D rin g lichkcits antrag der 
Sozialdemokratischen Fraktion: 
,jvie Stadtverordneten-Versammlung ersucht den Ma 
gistrat im Hinblick auf die bevorstehende Arbeitslosigkeit, 
1. in den städtischen Berwaltupgszweigen keiner 
lei Entlassungen vorzunehmen, 
2. die in Angriff genommenen städtischen Arbeiten 
mit größter Beschleunigung und unter Anstellung weite 
rer Arbeitskräfte auszuführen und neue Notstandsarbeiten 
ausführen; 
3 für eine angemessene Erhöhung der Arbeitslosen 
unterstützung gemeinsam mit den übrigen Groß-Berliner 
Gemeinden bei den Reichs- und Staatsbehörden einzu 
treten. 
Der Stadtv. Ben bin er (Soz.) berntragt, diesen 
Antrag als 1. Punkt zu verhandeln. Mit 21 Stimmen der 
Soz. u. Unabh. wird dieser Antrag geg. 20 Stimmen der 
schwach vertretenen Rechten und Demokraten angenommen. 
Darauf erhält Stadtv. Bendiner das Wort zur Be 
gründung. Er bemerkt, daß die Vorlage in einem un 
glückseligen Augenblick komme, den einsichtige Wirtschafts 
politiker vorausgesehen haben. Die Exportindustrie sei 
nicht nur durch das Sinken der deutschen Valuta, sondern 
auch durch dis gesamte- Gestaltung des Weltwirtschafts 
marktes zu Ende und wir erleben nun. daß die Export 
industrie in Schwierigkeiten geraten, während die Läger 
überfüllt find. Die Folge ist eine große Arbeitslosigkeit 
und was aus der Arbeitslosigkeit entspringt, das ist der 
wachsend« Hunger; die Verzweiflung; die Massen sind nicht 
mehr °zn zügeln, sie stürzen auf die Straße, Straßenkämpfe 
und Plünderungen sind die weiteren Folgen. In der 
letzten Woche hatten wir in Berlin 147 800 Arbeitslose, 
dies» Zahl steigt von Tag zu Tag. In vielen Betrieben 
tvird nur noch 20—25 Stunden in der Woche gearbeitet. 
Selbst mit den hohen Löhnen können da die Arbeiter wicht 
mehr existieren. Es müsse dahin gewirkt werden, daß 
Stillegungen von Betrieben nicht Vorkommen, eventuell 
durch Zuwendungen des Reiches. Im Reichstag sei auch 
ein Antrag jetzt eingebracht worden, Entlassungen über 
haupt zu verbieten. Die finanzielle Situation sei aller 
dings so schwer, daß in Groß-Berlin äußerste Sparsamkeit 
geboten sei, aber er glaube, daß es der ungünstigste Weg 
sein würde, wenn man hier sparen wollte. Er bespricht 
dann des näheren die einzelnen Punkte des Antrages. 
Er spreche nicht vom parteipolitischen Standpunkt, sondern 
nur aus dem Gefühl der Menschlichkeit heraus. Die Not 
ist groß, er erhebe die warnende Stimme, es könnten sonst 
Ereignisse eintreten, wo man sich nachher selbst strafen 
möchte, daß man nicht vorgebeugt habe. Stadtv. Jatzow 
(Neue Fraktion) meint, daß jeder, der ein warmes Herz 
habe, dem Antrage aus vollem Herzen zustimmen könnte. 
Die Anträge der Sozialdemokraten haben ja immer etwas 
Bestechendes. Aber die Sozialdemokraten malen ein Ge 
wände zu verabschieden, daß er noch einen eiligen Brief 
zu schreiben hätte. 
Es war wirklich nur. ein Vorwand gewesen, denn er 
ging nicht in sein Arbeitszimmer, sondern geradeswegs in 
den Billardsalon hinab, um sich da pfeifend und rauchend 
mit den Elfenbeinkugeln zu vergnügen, wie wenn es auch 
nicht das kleinste, besorgniserregende Wölkchen am 
strahlenden Himmel seines jungen Lebens gäbe. 
Eine kleine Viertelstunde später vernahm er durch das 
offene Fenster das lusttge Gekläff von Magdalenens 
Teckeln, die gewöhnlich um diese Stunde unter Fräulein 
Leuendorffs Aufsicht ihren Spaziergang im Garten machten. 
Und dabei kam ihm plötzlich der Gedanke, daß er jo 
eigentlich noch eine schwere Sünde aus dem Gewiffen und 
ein großes Unrecht wieder gutzumachen habe. Solche 
Verpflichtungen aber waren für Eberhard von Ronringer 
viel zu unangenehm, als daß er ihre Erfüllung ohne Not 
hinausgeschoben hätte. Er stellte sein Billarpqueue m den 
Ständer zurück, legte seine Zigarre fort und griff nach dem 
Hute, um unverweilt in den Garten hinauszugehen. 
Seine Vermutung hatte ihn nicht bewogen, denn er 
gewahrte sogleich Herta Leuendorffs schlanke Gestalt in 
der Tiefe eines in herbsllicher Farbenpracht leuchtenden 
Laubenganaes. Und mit wenigen raschen Schritten .hatte 
er ste erreicht 
Arttg und ritterlich, wie er nur immer eine Dame der 
vornehmsten Gesellschaft hätte begrüßen können, zog er 
mtt tiefer Verbeugung vor der sichttich aufs höchste Ueber- 
rafchten feinen Hut . 
„Entschuldigen Sie meine Zudringlichkeit, Fräulein 
Leuendorff l Wer ich kann diese Last nicht auf dem Herzen 
behalten. Bor einer Stunde hatte ich das Unglück, mich 
einer unüberlegten und über die-Maßen törichten 
Aeußerung schuldig zu machen, die notwendig Ihren 
heftigsten Unwillen erregt haben muß. Und es ist mir em 
ttTÜjmtfnts, Ihre Verzeihung zu erbitten." 
W WzMickte ?.u'Lohen. und ichtzttelie init eitler 
sperrst vor, das schon Fleisch und Blut angenommen habe 
und daß sie selbst verschuldet haben durch ihre Versprechun 
gen vor der Revolution und dadurch, daß sie Männer in 
Verwaltungen setzen, die zwar ein gutes Herz- aber kein 
Verständnis für das Amt hatten. Das sei nun jetzt die 
Quittung. Er spricht über die Arbeitsverhältnisse. für 
Herabsetzung der Löhne und Steigerung der Arbeitslust, 
die durch hohe Löhne nicht gefördert werde (Unruhe links). 
Den ersten beiden Punkten stimmt er mit einigen Ein 
schränkungen zu, dagegen hält er den 3. Punkt für un 
durchführbar; den lehne er ab. Stadtv. Starke (Dein.) 
tritt für die ersten beiden Punkte gleichfalls ein, der dritte 
Punkt könne nur in Groß-Berlin gemeinsam geregelt 
werden. Stadtv. Frl. Ehlert (Zentr.) meint, daß durch 
eine Ueberfüllung der Betriebe die Arbeitslust nicht ge 
fördert werde. Zum ersten Punkt stellt sie den Äb- 
änderungsantrag, den Zusatz: Arbeiter und Angestellte 
einzufügen. Dem Punkt 2 stimme sie zu, Punkt 3 lehne 
sie ab. Stadtv. Pflug (Neue Fraktion) sttmmt dem 
2. Punkt zu, der erste Punkt sei abzuändern dahin: „in 
den städtischen Verwaltungsziveigen von der Entlassung 
von Arbeitern und Angestellten abzusehen". Er wünscht 
dann schon jetzt, daß man für die Beamtenbesoldung sich 
nach den staatlichen Sätzen richten' möge. Stadtv. S z h - 
manski (Unabh.) wendet^sich gegen Ausführungen des 
Stadtv. Jatzow und meint, daß Schuld an allem Elend 
die „Klasse Jatzow" habe. Im Schlußwort erwähnt 
Stadtv. Bendiner (Soz.) das von Kuzcinski errechnen 
Existenzminimuin von 1800 M. wöchentlich. An allen, 
sei dock> der Krieg. „Ihr Krieg" (nach rechts, Unruhe dorr, 
Schuld; Schuld sei die ganze kapitalistische Wirtschaft: 
ehe diese nicht mit Stunipf und Stiel ausgerottet werde, 
wird es nicht anders. Wenn er hätte politisch sein wollen, 
hätte er es der „Regierung des Wiederausbaues" überlassen 
können, zu sehen, wie sie uns aus dem Schlamassel heraus 
bringt. — Der Abänderungsantrag der Rechten wird ab 
gelehnt. Darnach werden von dem sozialdemokratischen 
Antrage Punkt 1 gegen die Stimmen der Rechten, Punkt 2 
einstimmig angenoinmen. Dagegen wird Punkt 3 gegen 
die Stimmen der Rechten und Demokraten abgelehnt. 
Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten. 
Stadtv. Dr. Teuser (Neue Frakt.) begründet oie An 
frage wegen Hergäbe von städtischen Räumlichkeiten für 
parteipolitische Zwecke an hochpolitischen Tagen. Ober 
bürgermeister Dominicus antwortet, daß das Zim 
mer 141 am 6. Juni der demokratischen Partei zu einer 
Vertranensmännerzusammenkunft vom Rathausdezernen- 
ten zur Verfügung gestellt worden sei. Ein Wahlbüro 
war dort nicht eingerichtet. Der Antrag, am 20. Juni 
ebenfalls wieder ein Zimmer herzugeben. Ivurde vom 
Rathausdezernenten abgelehnt. Daraus ergebe sich schon 
die künftige Haltung. Stadtv. Starke (Dem.) erklärt, 
daß sich nur die Vertrauensmänner zur Feststellung der 
Wahlergebnisse hier versammelt hatten. Stadtv. Dr. 
Teuser verliest einen Zeitungsartikel und wendet sich 
entschieden gegen die Hergäbe. von Rathaussälen an po 
litische Parteien. Stadtv. Obst (Soz.) meint, das Rat- 
haus gehört den Bürgern und wenn Zimmer frei sind, 
sollten sie jeder Partei zur Verfügung gestellt werden. 
Auch der Stadtv. Wilberg (Unabh.) kann absolut nichts 
in der Hergab« des Zimmers finden. Stadtv. Dr. Heu ß 
(Dem.) erklärt, aus dem Vorlesen des Zeitungsberichtes 
ergebe sich die ganze Lächerlichkeit des Antrages. Stadtv. 
Dr. Teuser bemerkt, man hatte den Eindruck, als 
wenn alles unter demokratischer Leitung stünde, das Rat 
haus müsse neutral.jein. Stadtv. Schultz führt an. 
daß die Rechtsparteien Bertrauensmännerzusammenkünste 
11 immun mim 
»eftiqen Bewegung den. Kopf. Ihre Wangen waren wie 
nit Blut übergössen, und Eberhard sah mit aufrichtigem 
Erstaunen, daß seine Schwester vollständig recht gehabt 
»atte, als sie sagte, es würde nur einige Farbe notig 
ein, um Herta Leuendorff zu einem allerliebsten.Mädchen 
>u machen. ' • _ . 
„Es bedarf keiner Verzeihung, Herr von Rommger, 
irwiderte sie anscheinend ruhig mit ihrer weichen Stimme, 
reren Wohllaut ihm eigentlich auch erst heute recht zur 
Erkenntnis kam. „Was Sie sagten, war ja nicht für mein 
)hr bestimmt, und es war durchaus nicht Ihre Schuld, dag 
ch es ttotzdem gehört habe." ' 
„0, ich denke nicht daran, eine so jämmerliche Ent- 
chuldigung fiir mich in Anspruch zu nehmen," versicherte 
;r mit Wärme. „Man soll seine Zunge unter allen. Um- 
künden hüten und wohl überlegen, was man spricht, zu 
mal wenn es, wie in meinem Fall, die krasseste Unwahrheit 
st und nur im reinen Uebermut alseine Art von schlechtem 
Witz vorgebracht wird." 
Für einen Moment erhob Herta die Augen zu seinem 
gesicht, und er war geradezu bettoffen von der leuchtenden 
Schönheit dieser Augen, in der sich ihm zum erstenmal 
Sie warme menschliche Seele dieses anscheinend so kalten 
and herb verschlossenen Geschöpfes offenbarte. . 
„Warum suchen Sie auf solche Art zu beschönigen, 
vas in keiner Hinsicht einer Beschönigung bedarf?" ftagte 
ie mit leichtem Vorwurf, doch ohne alle Unfteundltchlcit 
,der Bitterkeit „Ich gebe Ihnen die Versicherung., daß 
ch mich durch Ihre Motte nicht für einen einzigen Moment 
Seleidiat gefühlt habe. Was haben Sie denn gesagt? Daß 
ch sauertöpfisch sei? — Ist das etwa nicht die Wahrheit? 
daß meine Erscheinung Sie an einen Bleistift und an ein 
Zespenst von einem jungen Mädchen erinnere? Habe uy 
vielleicht ein Recht,'ÄS Empfindliche zu spielen, wenn 
man eine Tatsache feststellt, von deren Richtigkeit jeder Blick 
den Spiegel mich hinlänglich überzeugen muß? o.sth 
»iederhole, 
on Romine 
LSie nichte z^eutjchnitzteen haben,
        
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