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Periodical volume Nr. 143, 28.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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BerttN-zrkedeAM, Montag, den 28. Fant 1828 
Fchrg. 27 
neueste Oaebridtfen 
Berlin. Das neue Kabinett unter dem Reichs 
kanzler Fehrenbach hat sich heute vormittag sofort in der 
ersten der sachlichen politischen Arbeit gewidmeten Sitzung 
des neuen Reichstages vorgestellt. Die Rede des Reichs 
kanzlers geht sehr ausführlich aus die gesamte innere und 
auswärtige Lage ein. 
Berlin. Zum Arbeitsminister ist der Zentrnms- 
abgeordncte Dr. Brauns ernannt worden. 
Berlin. Heute findet auf sämtlichen Bahnhöfen 
der Großen Berliner Straßenbahn eine geheime Urab 
stimmung über einen eventuellen Streik der Straßenbahner 
statt. Als Zeitpunkt des Streikbeginns ist für den Fall 
der Zustimmung von den Funktionären der 1. Juli in 
Aussicht genommen. 
Potsdam. Gestern streikte die Straßenbahn. Gegen 
Abend versagte das Gas und das elektrische Licht. Die 
großen Restaurants und die Straßen Potsdams lagen 
im Dunkeln. 
Hamburg. Die Lebensmittelunruhen jn Hamburg 
und Altona sind nicht einmal durch den Sonntag unter 
brochen worden. Gestern früh setzte auf dem Altonaev 
Fischmarkt eine Volksmenge die Fischpreise gewaltsam 
herab. Am Hamburger Gemüsemarkte haben heute morgen 
die Hamburger Karrenhändler und Inhaber von Gemüse-« 
und Obstgeschäften versucht, die Bauern zur Herabsetzung 
der Verkaufspreise zu bestimmen. Die Produzenten wei-, ■ 
gerten sich dazu und verließen nach erregtem Hin und 
Her sämtlich mit ihren Waren den Markt. 
Kattowitz. Jn Reinschdorf bei Kosel (Oberschle 
sien) überfiel gestern.abend, wie die Oberschlesische Morgen- 
zeitung meldet, eine bewaffnete polnische Bande von 
zwanzig Mann die dortige Gründungsversammlung des 
Ortsvereins „Heimattreuer Oberschlesier". Ein Einwoh 
ner, der soeben zum zweiten Vorsitzenden gewählt worden 
war, wurde durch einen Halsschuß getötet. Ein anderer 
Einwohner, der zryn Beisitzer gewählt worden war, wurde 
so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt! 
wird. Drei weitere Personen wurden ebenfalls schwer 
verletzt. Aus verschiedenen Anzeichen geht klar hervor, dag 
der Üeberfall regelrecht organisiert worden war. 
Frankfurt, a. M. Der Vorschlag Polens, den Ter- 
min der Abstimmung in West- und Ostpreußen zu ver 
schieben,-wurde von den Alliierten abgelehnt. ES bleibt 
also bei der Abstimmung am 11. Juli. 
S e r a j e w ö. Die Ueberreste des im Gefängnis ver 
storbenen Mörders des österreichischen Thronfolgers 
Franz Ferdinand, P r i n c i p, werden in feierlichem Zuge 
von Theresienstadt nach Prag und von dort nach Jugo- 
flavien geleitet, wo sie in einem Ehren grab beigesetzt 
werden sollen. 
Teheran. Jn Bagdad ist es' im Verlaufe von 
Unruhen zu blutigen Kämpfen gekommen, bei denen viele 
.Personen getötet oder verwundet wurden. 
Unsere 3. Gemeiudeschule. 
„Ein Tempel ist das Haus, das Liebe baut..." Diesen 
Sinnspruch von Ernst Ziel können wir auf unsere Schulen 
allgemein, insbesondere aber auch auf unsere 3. Gemeinde 
schule anwenden. Liebe will in diesem Hause walten, 
die Liebe, die Lehrende und Lernende umschlingt und 
durch die jeder in der strengen Pflichterfüllung den Weg 
findet, der durch Arbeitsfreude und Tatkraft zur inneren 
Der Söim des Millionärs. 
Roman von Florence Warden. 
3 (Nachdruck verboten.) 
Just weil er solchen Worten gegenüber d:v Große serner 
Schuld um so tiefer empfand, gab Eberhard einer Regung 
des Trotzes nach, die sich gegen den wohlverdienten Tadel 
auflehnte: 
„Aber du wirst doch zugeben müssen, Schwesterchen, 
daß ich im Grunde durchaus nicht zu viel gesagt habe. 
Wenn Fräulein Leuendorff dir gegenüber ein liebens- 
S<\ (Sa C»A\ UhatiSnfsa mdlsfor- 
sauertöpfisch ist, so kann ich nach memen Erfahrungen zu 
meinem Bedauern keine Silbe davon zurücknehmen. Und 
was die harmlos gemeinten Bemerkungen über ihre äußere 
Erschemung betr'ff^r auch Unrecht getan, mein 
lieber Eberhard ! - Wenn sie sich besser anzöge, und wenn 
sie etwas mehr Farbe hätte, würde sie weder w,e ein 
Bleistift noch wie ein Geist aussehen, sondern rm Gegeil 
te l ein allerliebstes Mädchen sein. Ihre sauertöpfische 
M ene im Verkehr mit Fremden aber darf man ihr wohl 
kaum züm Borwurf machen. Was ihr das Leben bisher 
aeboten hat, war nicht danach angetan, sie heiter und 
mitteilsam zu machen. Sie war Lehrerm in den Unter» 
klassen einer ländlichen Volksschule, ehe sie zu uns kam. 
und hat jahrelang ohne jeden Verkehr nnt Menschen leben 
müssen/die ihr an Bildung und an Denkungsart ebenbürtig 
"“jUm so mehr Veranlassung hätte sie doch ietzhver- 
gnügt zu sein," beharrte er eigensinnig, indem er sich m 
einen Armsessel neben der Chaiselongue nied^lleß, „fttz . 
wo ihr das Glück zuteil geworden ist. m enger Zememsch^t 
mit dem klügsten, besten und zartsinnigsten aller mensch 
lichen Geschöpfe '« leben." 
Zufriedenheit, zum Glück des Einzelnen und der Gesamt 
heit führt. Liebe, in ihrer schönsten Form, der Menschen 
liebe, soll hier in junge Menschenherzen gepflanzt werden, 
Liebe zur Um- und Mitwelt, zu allem Großen, Edlen und 
Erhabenen, zur göttlichen Macht, zur Natur, zum engeren 
Heim, zu Heimat und Vaterland. Uiid wo sich mit der 
Liebe Pflicht, Gehorsam, wahre Lebensfreude, Sitten 
strenge, Treue, edle Denkungsart, echt deutsches Fühlen 
und Empfinden vereint, da wird in solchem Hause ein 
guter Geist walten. » 
Das Gebäude unserer 3. Gemeindeschnle ist ein solches « 
Haus. Liebe zu unserer Jugend hat es geschaffen, und 
als es fertig war uird der Weltkrieg wütete, da erkannte 
unsere Gemeindeverwaltung, daß sie das Haus zunächst 
einem noch edleren Zwecke zuführen müßte; sie gab es 
her, Jim den treuen Söhnen des Vaterlandes, die für 
Deutschlands Ehre und Bestand auf dem Schlachtfelde 
schwer Weunden davongetragen hatten, hier eine Pflege 
stätte zu geben, in der sie wieder gesunden konnten. Das 
3. Reservelazarett in Friedenau galt als eines der besten 
in Groß-Berlin, ärztliche Fachleute schätzten es wegen 
seiner schönen, hellen, luftigen Räume und der ausge 
zeichneten baulichen Anlage und Ausgestaltung. Wenn 
solch ein Haus schon für Kranke als eine Musteranlage 
galt, wie viel mehr müssen wir es dann als Aufenthalts 
ort für Gesunde schätzen! Doch es gilt ja auch hier das 
Wort: Für unsere Jugend ist das Beste gerade gut genug. 
Rein äußerlich stellt der Bau, der eigentlich aus zwei 
durch einen Verbindungsgang, einen sogen. Schwibbogen, 
miteinarrder verbundenen Gebäuden besteht, eines unserer 
schönsten,, wenn nicht gar das schönste Volksschulgebäude 
Groß-Berlins und des Reiches dar. Gemeindebaurat Alt 
mann hat mit ihm eine Besonderheit geschaffen, die viele 
Fachleute schon zur Besichtigung angelockt hat. Es ist 
ein Backsteinbau von eigenartiger architektonischer Schön 
heit, die durch di^Zierarbeit des Maurers in der Stein 
anordnung, sowie durch die Keramikverzierungen noch ge 
hoben wird. Im Innern aber zeichnet er sich durch weite 
Korridore und gut belichtete, hohe und luftige Räume aus. 
Der Elternbeirat der 3. Gemeindeschule nahm gestern 
Veranlassung, sich das Innere des schönen Schulhauses 
einmal anzusehen. Unter Führung des Herrn Rektors 
Schildberg und einiger Lehrer der Schule wurden die 
Räume besichtigt. Die Lehrräume der 3. Gemeindeschule 
sind sämtlich in dem Seitenflügel, nach dem Friedhofe zu, 
untergebracht. Hier besichtigte man einige der auf das 
3' 
sä 
und Lehrerinnenzimmer mit ihren geschmackvollen und 
praktischen Einrichtungen, dann das reich ausgestattete Lehr 
mittelzimmer, die Nähstube für die Mädchen (mit 4 Näh 
maschinen, eigentlich waren es 6, zwei wurden gestohlen) 
und das Physikzimmer mit seinem vielfachen Apparaten 
und den Einrichtungen für den Anschauungsunterricht und 
der Glaskammer für chemische Experimente. Jn der 
nächsten Zeit erhält die Schule auch einen Vorführungs^ 
apparat neuster Konstruktion, durch den es möglich ist, 
jede Postkarte in ihrer vollen Farbenwirkuna als Licht 
bild vorzuführen und auch stereoskopische Bilder zu zeigen. 
Ein Mustersaal ist der Zeichensaal, ein großer, Heller 
Raum mit praktischen Zeichentischen und Hockern, die auch 
für den Zeichenunterricht im Freien Verwendung finden 
können. indem eine Lehne in den Hocker eingesteckt wird, 
die dem kleinen „Künstler" nun als Zeichenständer oder 
„Staffelet" dient. Herr Lehrer Wille gab hier an der 
Hand der ausgestellten Zeichnungen ein anschauliches Bild 
über den Zeichenunterricht nach den verschiedenen Stufen. 
Magdalene versetzte ihm scherzend einen Schlag auf 
die Hand, aber in dem Blick, mit dem sie dabei zu ihm 
aufsah, offenbarte sich die ganze Fülle von Liebe und 
Zärtlichkeit, die sie für ihren schönen Bruder hegte. 
„Willst du es am Ende auch noch mit mir.verderben, 
du dreister Schmeichler? Aber angenommen selbst, 
ich wäre etwas von alledem, was du mir da nachsagst, 
würdest du es nicht sehr begreiflich finden, daß die Per- 
sönltchkeiten des Vaters und Madels sie mit einiger Scheu 
erfüllen?" , . 
„Ja, das begreife ich allerdings, gab er,m Tone 
vollster Aufrichtigkeit zu. „Namentlich, was Mabel anbe- 
trifft. Sie ist, bei Gott, das abscheulichste und ab 
schreckendste weibliche Wesen, das mir je im Leben be- 
8 8 Schäm' dich, Eberhard! — Sie ist doch deine Schwester." 
„O, Pardon — meine Stiefschwester. Das ist doch 
etwas ganz anderes als eine Schwester, zumal wenn sie, 
wie es scheint, alle angenehmen Eigenschaften ihres Cha- 
rastere nicht vom Vater, sondern von ihrer amerikanischen 
Mutter geerbt hat." , 
Laß uns nicht weiter von chr sprechen. Liebster! 
Es gibt ja im Augenblick etwas so viel Interessanteres, 
worüber wir reden können. Du weißt doch, daß wir 
binnen kurzem alle miteinander nach dem Süden gehen 
In Eberhards Zügen spiegelte sich das lebhafteste 
und, wie es schien, freudigste Erstaunen. 
„Nichts weiß ich. Der Vater erachtet es ja niemals 
als der Mühe wert, mich früher als im letzten Augenblick 
von seinen Absichten zu unterrichten." 
„Er konnte es wohl kaum früher tun, denn erst 
gestern abend während deiner Abwesenheit wurde der 
Plan gefasst. Der Mediziualrat hielt es für durchaus noi- 
weudlg, daß ich den Winter an der Riviera zubringe, 
und weil der Vater mich nicht allein gehen lasten will, 
hat er verfügt, daß wir alle für die nächsten Monate dahin 
übersiedeln." 
Es wird durchweg nach Gebrauchs- und Knnstgegenständen 
und nach Vorlagen aus bei Natur gezeichnet: den Kindern 
wird auch Unterricht in der Farbenlehre und Farbenhar 
monie erteilt und sie lernen Ornamente zeichnen und 
tuschen nach natürlichen Modellen. Das 5sugc wird dabei 
ganj auf künstlerische Formen geübt, verpönt ist alles 
Unkünstlerische und Kitschige. / Herr Rektor Schildberg und 
auch die Herren Lehrer bewirten hierbei den großen Segen, 
den die Gewährung freier Lernmittel der Schule gebracht 
hat. Die ordentliche Durchführung des Zeichenunterrichts 
wäre ohne sie einfach, unmöglich gewesen. Auch in anderen 
Fächern, z. B. beim Handarbeitsunterricht, ist ohne die 
freien Lernmittel nicht mehr auszukommen. Daß die 
Sache nicht billig ist, konnten die Besucher u. a. an den 
in Regalen sauber aufbewahrten Zeichenbrettern erkennen. 
Erwähnt sei hier noch ein Oelgemälde eines 13 jährigen 
Schülers, das die Kopie eines Bildes: Deutsche Schlacht 
schiffe in Fahrt. darstellt, und das ausgezeichneten Farben 
sinn und bereits gute Technik bei diesem talentierten 
Jungen erkennen läßt. Ueber die „Brücke" ging eS nun 
in das Vordergebäude. Hier finden wir die schon oft an 
erkennend beschriebene schöne Aula, die wohl der in der 
Akkustik beste Saal in Friedenau ist. Unter dexc Festsaal 
liegen zwei Turnhallen- ini ersten Stock und im Erd 
geschoß. Jn diesem Gebäude sind ferner untergebracht 
die zwei Räume des Jugendheims, die Unterrichtsräume 
für die Knaben- und Mädchen-Fortbildungsschule, die drei 
Klassen der Hilfsschule, dann im Kellergeschoß die Räume 
für den .Handfertigkeitsunterricht (Metallarbeiteu, Holz- 
arbeiten, Papparbeiten und Modellieren), sowie die Koch- 
küche, die Waschküche und Rollkammer für den Haushal- 
tnngsnnterricht der 3. Gemeindeschule. 
Die Schule stellt in der Tat, wie einer der Teilnehmer 
an der Besichtigung meinte, ein kleines Museum dar. Und 
wenn wir dazu die Erklärungen nehmen, die von dem 
Herrn Rektor und den Herren Lehrern gegeben wurden, 
so wissen wir, daß in unserer 3. Gemeiudeschule, wie 
wohl in allen Friedenauer Schulen, den Kindern eine 
Grundlage an Wissen für den Lebensweg gegeben wird, 
durch die sie für den harten Kampf üms Dasein gerüstet 
sind, sofern sie auf der-gegebenen Grundlage an sich selbst 
noch weiter arbeiten wollen. Demjenigen allerdings, dem 
nichts heilig ist und der sich gar schnell selbst vergißt, 
kann auch die sorgsamste Pflege nichts nützen, dem ergeht 
es, .wie Jahn sagt: Wem zu Hause nicht wohl ist, dein 
wird selbst das Vaterland zu enge; der verläuft sich in 
wir mit Recht auch von unserem Schulhause mit Hossmann 
der Welt als Irrwisch. Wir aber sind überzeugt, daß 
von Fallersleben sagen können: In jedes Haus, wo Liebe 
wohnt, da scheint hinein auch Sonn' und Mond. Die 
Sonne möge die Herzen aller erfüllen, die in dem Hause 
wirken oder lernen und des Mondes mildes Licht möge 
den jungen Menschenlstüten erkennen lassen, daß die 
Nächstenliebe das schönste und edelste Gut des Menschen 
ist, aus dem heraus wir den andern erkennen und ver 
stehen lernen. Und so mag am Schlüsse noch ein Aus 
spruch der Heimburg angeführt sein, der da besagt: Es 
ist so ein Haus, wie ein lebendiges Wesen; es spricht: 
„Wir gehören zusammen, wir erleben genieinschaftlich, was 
da kommt." M. 
SürnMMii für Mm« M WMr». 
Machdkj unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
Wahlquotient: 7312. 
Der Stadtwahlausschuß für die echten Wahlen zur 
Groß-Berliner Stadtverordnetenversammlung hat Sorm- 
„Ohne Zweifel eine der vernünftigsten Verfügungen, 
die ich je von ihm erlebt habe. An die Riviera? Also 
hoffentlich doch nach Eannes oder einem der benachbarten 
Kurorte? Damit man hier und da einen tleinen Ab 
stecher nach Nizza und Monte Carlo machen kann." 
„Nach Monte Carlo?— Das ist nicht dein Ernst, nicht 
wahr?" 
„Und warum sollte es nicht mein Ernst sein, 
Schwesterchen?" fragte er lachend zurück. „Man ist doch 
kein Frosch, daß man sich so angenehme Dinge nur von 
draußen ansehen sollte, wenn man schon einmal an der 
Schwelle sitzt." 
„Du wirst dich allerdings damit begnügen müssen, sie 
von draußen anzusehen, Eberhard — denn als gestern der 
Neiseplan besprochen wurde, ist davon ausdrücklich die 
Rede gewesen." 
„Ah, man hat mir also wieder einmal die Ehre er 
wiesen, sich hinter meinem Rücken mit meiner unbe 
deutenden Person zü beschäftigen l — Und was, wenn ich 
fragen darf, hat man bei der Gelegenheit über mich be 
schlossen ?" 
„Der Vater erklärte sehr entschieden, daß er dir unter 
keinen Umständen gestatten würde, auch nur ein einziges 
Mal nach Nizza oder gar nach Monte Carlo zu gehen. 
Und in Mabels Zützen konnte ich dabei deutlich die bos 
hafte Zuversicht lesen, daß du dies Verbot mißachten 
würdest." j 
„0, ich kann mir ihr Gesicht,-vorstellen, wie wenn ich 
sie leibhaftig vor mir sähe. Aber es mag schon sein, daß 
sie diesmal mit ihrer Erwartung recht behält. Ich bin 
doch kein kleines Kind mehr, datc sich immer noch gehorsam 
am Gängelband führen lassen müßte." 
„Ich kann dir recht gut nachfühlen, daß du es so an 
siehst. Aber schließlich mußt du doch vernünftigerweise 
den Verhältnissen Rechnung tragen, wie sie nun einmal 
sind. Du kennst die Anschauungen des Vaters, und du 
weißt, daß er wegen deiner Weigerung, nach Neuyork zu 
gehen, ohnehin nicht allzugüt auf dich zu sprechen ist.
        
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